Gesellschaft zur Zördenmg tes oderheP- chen handwettL und Künftgcwerbcs.
, Am letzten Sumers tag fand im KveisamtS» eWaßx bi- (fyrürttnnu^txrj onrntluitg der Gesell- Wait jur ^vrbciimg oes oberhesji.chen Hanctoerks ■sto fcunito •oerbcS statt, zu der läntrtüf;. Mitglieder schrilllich ringel oben nute; Tic Anregung zur (Srimbung einer solchen Gesellschaft war im cerbft des ver»rngrnen ZahreS durch die Herren «Geheimrat Tr. Usinger, Oberoürgermersler Keller, Gewerberat £. Petri IL und Prof. Dr. Kraus Müller ausgsgmrgen.
Gehermerat Dr. Ufinger nr.vs nach Br^ grüßun<l uer erschumenen Herren darauf l/iu. loß man Lobet -u ei ter .fruchten Sonfrituimuig m- W der politischen Derl^ltnisse nichr <iekommen ri. Es sei doch eme unabnvisbare Pflicht, fdxm letzt nach Mitteln und Wegen zu i'elrn, unserem obeichesuscheu Handwerk, aas in dem sdpueren Krieg •jj unendlich gelitten ha de, helfend und fördernd zur Leite zu stehen. Sr. Krausmüller gab 'N seinem Bericht zunächst ein Bild pon der Entwicklung ber (löeiellschaft, die, ohne baß eine weitere Äerbcarb it stattgriund-m habe, l?eube bereits über ;0 Miiglieoer zählt. Durch diese sind schon letzt namhafte Beträge zur Berfügung gestellt wvroeu. Tie Aufgaben her Gesellschaft können nicht all- a-mrin hi der Beschaffung von Arbeitsgelegenheit bestehen, tote hier und da irrtümlichenrvis c angenommen wird. Dazu reichen ihre Mittel und Kräfte nicht aus. Die Ziric sind m 8 2 der vor- 'i.-genben Latzungen dahin refbgriegt, daß einmal int Handwerk und kaufenden Publikum das V e r - nändnis für mustergültige Arbeiten gepflegt werden, zum andern die Zweige >es .ikunstgtoerbes, die dem oberhessischen -eandwerk ein besonderes Gepräge geben, ^-fördert werden sollen. Dieser Zweck soll >;or allem dadurch erreicht werden, daß für die -Irbfttcn der oersclncdenslen Geivcrbez Meige aus- -ewähltc Entwürfe zur Verfügung gestellt und rür gatt «usgeführte, fettige Arbetten Anzah- ungen gewährt werden sollen, llnsbesondevo gilt es aber, die Berkau iSmögli chkciteG der fertig» -estellten Arbeiten durch Einrichtung einer stän- ngen Ausstellung .und Beschickung auswärtiger 's u s st e l l u n g e n zu erhöhen. Abhaltung geeigneter Kurse, Schaffung lohnender Heimarbeit für exm Vogelsberg, ähnlich denen im Odenwald, in Sachsen usw. werden weitere Ziele der Gesellschaft -rin. Ter Berichterstatter betonte zum Schluß, haß die Erreichung dieser Ziele durch die jetzigen Verhältnisse ja bebeutenb erschwert sei, daß sie aber trotzdem erftrrfrt werden müsse im Interesse unserer oberhessischen Handwerker, deren Shnift» Wertigkeit mir aus der hiesigen Ausstellung 1914 io aufrichtig bewundern mußten.
Tie Aussprache, hie sich diesem Bericht an» >klL)ß, und an der sich die Herren GelMimrrü Tr. Ujuiger, Prof. Dr. Rauch, Prof. Tr. Werner, Tipl.-Jng. Paul Müller u. a. beteiligten, ergab allgemeine Zustimmung zu diesen Richtlinien. Zum 1. Vorsitzenden wurde dann ®cljrintcnit Dr. Üsinger, zum 2. Voriitzenden Professor Dr. Krausmüller inti> zum Schatzmeister Banl- diietwr Arnold gewählt.
Au» Stadt «nd Land.
Gießen, 20. JeLruor 1919.
vrettzaufgaben der Universität Gießen für das Jahr 1919/20.
Für das Jahr 1919/20 werben folgende Preisausgaben gestellt:
Von der theologischen Fakultät: Die Gottes- anfchauung von de servo arbitrio auf ihren Innern Zusammenhang mit Luthers Rechtfertigungsglauben geprüft.
Don der juristischen Fakultät: Unter welchen Voraussetzungen und in welchen Grenzen darf der Richter im Zioilprozeß das Patteivorbringen aus anderen als den von ihnen geltend gemachten rechtlichen Gesichtspunkten würdigen?
Don der medizinischen Fakultät: 1. Für den akademischen Preis: Nach der Literatur und dem Material der Gießener Augenklinik soll ermittelt werden, ob und inwiefern die Elliot'sche Operation geeignet ist, die Iridectomie bei der Behandlung des Glaukoms zu ersetzen. 2. Für den Balserpreis: Die historische Entwicklung der Operation am Sinus sig- -.irndeus und an der Vena jugulari .
Don der veterinärmedizinischen Fakultät: "Die Ostitis fibrosa bei Tieren.
Don der philosophischen Fakultät: 1. Aus der alten Geschichte: Die führenden Mächte Griechenlands haben sich in den Kriegen, die sie gegeneinander durch, fochten, des agitatorischen Mittels bedient, den der gegnerischen Macht anhängenden Staaten die „Frei- beit" bzw. „Befreiung" in Aussicht zu stellen, um sie dadurch zum Anschluß an die eigene Pattei zu bewegen. Die darüber vorliegenden Nachrichten sollen gesammelt und gesichtet werden mit dem Ziele, das Motiv durch seine Geschichte zu verfolgen und die Frage zu beantworten, inwieweit durch die Befreiung eine Erweiterung der staatlichen Selbstständigkeit ein- getreten ist. 2. Aus der deutschen Philologie: Es soll für eine Gruppe von Speisebezeichnungen die Der« breitung im deutschen Sprachgebiet festgestellt werden. 3. Aus der englischen Philologie: Das erste Auftreten der Personen im älteren englischen Drama. 4. Aus der Blathematik: Kritische Vergleichung der Tragweite der verschiedenen Definitionen der Funktion einer komplexen Veränderlichen. 5. Aus der Landwirtschaft: Wissenschaftliche Grundlagen für die Jucht- buchsührung bei der Pflanzenzüchtung.
«e ItaefflAen Preise betrag* je 18D IRL, her Preis der Daherstistung befteht in den ungefähr 500 Mk. betragenden Zahreszmsen des Sttftungs- Kapitals. Es kann auch die Hälfte der Preise zu- erkannt werden..
Der Postverkehr »ach den besetzte» Gebiete«.
Hinsichtlich des Geldverfe hrS auS dem besetzten hessischen Gebiet wird bemerkt, daß auf Anordnung des kommandierenden Generals der 10. französischen Armee vorn 3. Febr ab bei den Poftansmlten in Rhriichessen und im Bruckenkopfgebiet Mainz Postanweisungen bis 50 Mark nach Dem unbesetzten Gebiet ohne Skmturile zu gelassen sind. Außerdem formen Pouan Weisungen bis 800 Mk. nach dem unbesetzten Gebiet unter Vorlegung von Beweisstücken, die die Ein»ahitmg begründe, zweck? Kontrolle beim Postamt Mainz 1 eingdiricrt werden. We r t briefe (Sendungen mit Fonds und Wetten) können au s dem besetzten Hessen ausgeführt werden, nachdem die Genehmigung durch die Lommissians de deva- grttions in Trier und Stratzburg erteilt ist. We r t- paketc aus hem besetzten Gebiet sind nicht zugelassen.
Ter Briefverkehr imteriregt folgenden Vorschriften:
Die Schrift muß lefettich und möglichst mit lateinischen Buchstaben geschrieben sein.
Zugelassene Sprachen: deutsch (Mundarten ausgeschlossen), englisch, französisch, italienisch und spanisch. Die Briefe müssen auf der Rückseite des Umschlags die volle und deutlich lesetticl)e Angabe der Adresse des Msenders aufweisen. Der Gebrauch von doppelten (gefütterten) Briefumschlägen ist verboten.
Tie Versendung von Zeitungen, Zeitschriften inti) Drucksachen ist strengstens untersagt.
Sendungen, die den vorstehenden Bedrnylmgon nicht entsprechen, werden nicht befördert.
Nach Elsaß -Lothringen ist ber Post- verkehr völlig unterbrochen.
Für den Postverkehr nach der ebenfalls zur französischen B sctzungszone gehörigen Rh inpfalz gelten die vorste^tchen Belttinmurrgen unter 4 ebenfalls mit der Erweiterung, daß vorläufig auch Postanweisungen, Zählkarten imb Zohlancg San Weisungen Mgelassen sind.
•* Freibank. Arn 21. Febr. werden von 12 bis 4 Uhr die Nummern 2151-2270 beliefert.
•* Das Fest ihrer silbernen Hochzeit feiern am kommenden Sonntag Friedrich Becker und Frau Katharine geb. Kretzer, Seltersweg 52.
•* Wetzlarer Kriegsnotgeld. Cs wird uns mitgeteilt, daß aus Unkenntnis vielfach die Annahme jeglichen Wetzlarer Notgeldes verweigert wird. Eingezogen sind seit 15. Febr. nur die 20-, 10» und 5- Markscheine, während die kleinen Scheine weiterhin in Geltung bleiben.
** Besihwechsel. Das Besitztum von Emil Horst, Alicesttaße 12, ging für 100000 Mk. in den Besitz der Iigarrenfabrikanten Adolf Heß über. - Bet dem gestern berichteten Besihwechsel in der Plack- sttaße betrug der Kaufpreis 90000 Mk.
• * Fürsorge für aus Elsaß.Lothringen vertriebene Deutsche. Zu unserem gestrigen Auf. sah tritt uns der Iweigverrin Gießen vom Roten Kreuz mit: Die Fürsorge für alle Nichtbeamten wird in Hessen von den Organifationcn des Roten Kreuzes durchgeführt. Es sind im Anschluß an die bestehenden Vereine Fürsorgestellen für Vertriebene aus Elsaß-Lothringen eingerichtet worden, di« die Unterstützung und Beratung aller derjenigen Der- triebenen übernommen haben, die sich in Hessen nieder, lassen wollen, oder auf der Reise der Unterstützung bedürfen. Das Rote Kreuz in Gießen (Abteilung Flüchtlingswesen) vermittelt Unterstützung und Dera- hing allen Ausgewiesenen, die sich dauernd oder vor- übergehend im Kreise Gießen aufhalten, in der Ge. schästsstelle in der Alten Klinik.
** Oeffenlliche Versammlung. Der Rcichsverern. denwkrcttischer Arbeiter, Ang.chrllten und Beamte, Ortsgruppe Giesien, Gruppe der Deutschen bcmofratiidjen Patter, veranslollet am Samstag den 22. Februar, abends 7*/t Uhr, im Saale des .Hotel Großherzog von Hessen" eine öffentliche Versammlung. Herr W. Fecht aus F-rankftrrt a. M. wird über „Temokratte und Arbeitnehmer sprechen Der Verein ladet alle demokratisch tnrrntten Arbeiter, An^estrlltr, auch weibliche, mittlere und untere Beamte zu dieser Ver- sammlung ein.
’• Zu einer öffentlichen Versammlung der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Kriegs, gefangenen lädt der freie hessische Landesverband Kriegsbeschädigter, Ortsgruppe Gießen, für Sonntag den 23. Februar, nachmittags 3 Uhr, in der Neuen Aula der Landesumversität ein.
* * Aliceschule. Samstag, den 22. d. Mts. von H bis d Uhr findet Sonnenstraße 2 eine Ausstellung der im Winter von den Schülerinnen angefertigten Arbeiten statt. Der Eintritt ist frei.
Landkreis Gießen.
• * Lich, 17. Februar 1919. Das hiesige Der- einslazarett ist am 1. Februar 1919 geschlossen worden. Das Lazarett war vom 14. September 1914 an bis zum Tage der Auflösung ununterbrochen be= legt Die Zahl der Derpflegungstage beträgt zusam- men 25695 Das Lazarett hat sich für alle Derwun- beten und Kranken als ein wahrer Segen erwiesen. Die Insassen fühlten sich hier vielfach wohler als in den großen städtischen Krankenanstalten. Sie lernten hier die ländliche Ruhe und die schöne waldreiche Umgebung der Stadt als wichtigen Heilfaktor schätzen.
Das nxtr namentlich bei allen denjenigen der Fall, deren Nervensystem im Kriege gelitten hatte.
< D Muschenheim, 18. Febr. (Eine in Dießen bekannte Persönlichkeit, der Milchhändler Konrad Becker von hier, der 47 Jahre lang täglich von hier nach Gießen mit Milch gefahren ist, hat nun seines Alters wegen die regelmäßige tägliche Fahrt nach Gießen eingestellt.
* • Utphe, 18.Febr. Am oorigen Sonntag hielt der hiesige Turnverein das erste Mal während des Krieges seine Hauptversammlung ab, an der sich alle Turner und die ganze Fugend beteiligte. Der Vorsitzende Ludwig Sack gedachte der gefallenen Mit« glieder. Sodann übergab er das Wort dem Rechner zur Verlesung des Jahresberichts. Hierauf wurde der gesamte Vorstand gewählt und beschlossen, für die gefallenen Mitglieder ein Ehrendiplom zu stiften.
Kreis Büdingen.
X Ober-Mockstadt, 19. Febr. Nach langer Pause hat sich zur großen Freude unserer Gemeinde und ihrer Umgebung wieder ein praktisaer Arzt, Dr. Nikolai, niedergelassen.
< Ortenberg, 18. Febr. Gestern abend fand im Gasthaus Wiesner eine von allen politischen *parteten stark besuchte Versammlung statt, die von Bürgermeister Hebbel aeleitet wurde, und in welcher Tierarzt Dr. Löffler und Rechnungsrat Haas über die neuen Waffenstillstandsbedingungen Vorträge hielten. An der Aussprache beteiligten sich Rechner Wehne^ und Oberaktuar Heutsenröder. Folgende Entschließung wurde angenommen: „Die für heute von allen politischen Parteien der Stabt Orten berg einberufene Volksversammlung nimmt folgende Entschließung an und übergibt sie hiermit dem hessischen Staatsministerium: 1. Gegen die neuen schweren Waffenstillstandsbedingungen der Feinde wird schärfster Einspruch erhoben, weil sie das Ziel der völligen Knechtung und Entrechtung Deutschlands verfolgen. 2. Es wird die unverzügliche (Einleitung der Friedens- Verhandlungen nachdrücklich gefordert, da auch die deutsche Dolksregierung in ganz bestimmter Form um Frieden gebeten hat. 3. Das deutsche Volk ist unschuldig am Kriege und erwartet selbstverständlich einen Rechtsfrieden auf Grund der bündigen Zusicherung des Präsidenten Wilson in seinen bekannten 14 Punkten. 4. Dem Reichsland Elsaß-Lothrin- gen steht bas Recht zu, in freier unbeeinflußter Ab- ftimmung über seine Staatsform und Staatszugehörig, kett zu befinden."
Kreis Alsfeld.
M. Vadenrod, 17. Febr. Gestern nachmittag hielt Missionar Müller- Hersfeld in unserem Gotteshaus einen Missionsvortrag. Nach einer kur- zen Begrüßungsansprache des Herrn Pfarrers Hoff- mann-Hopfgatten führte der Vortragende die Zuhörer im Geiste nach Ehina, jenem Gebiet der Baseler Mission, auf welchem auch während des Weltkrieges die Missionstättgkeit ihren ungestörten Fortgang nehmen konnte und welches Vortragender noch kurz vor Ausbruch des Weltkrieges bereiste.
Kreis Schotten.
6 Laubach, 18. FÄr. In bem hiesigen großen Klipste mischen Anwesen, das seit dem <Xobe des letzten Besitzers leer strht wurde in voriger Wockße ein Einbruchsdiebstahl ausgeführt. Durch Qrinbrücfen einer Fensterscheibe gelangte der Dieb in die Wohnräume und nahm Wäschestücke und wertvolles Silbergeschirr mit. Bon den Tä- ternn hat man bis jetzt noch kerne Spur.
6 Sellnrod, 18. Febr. Gestern morgen trat 6 Uhr brach hier ein Großfeuer aus, daS die beiden Scheunen der Landwirte Merz und Rohn vollständig bis auf die GrmÄmtauern in Asche legte. Durch rasches Eingreifen der hiesigen und der Feuerwehr von Groß-Eichen Ibnnte das Feuer auf seinen Herd beschränkt werden, sodaß die Wohnhäuser fast ganz verschont blieben. Rur das Wohnhaus des Landwirts 9t>bn zeigt einige stark angebrannte Balken. Ueber die Entstehung des Feuers konnte nich'S ermittdt weiden.
Kreis Friedberg.
Q. Bad-Nauheim, 18 Febr. 3n der heute ab- gehaltenen Stadtverordnetenversammlung wurden folgende Deschlüffe gefaßt: Der Gaspreis wird von 25 auf 35 Pf. für den Kubikmeter erhöht. Der Friedenspreis betrug 16 Pf. Die Aufgaben für Kohlen stiegen von 47000 Mk. in 1914 auf 211000 Mk. in 1918. - Für eine Treppenanlage in der oberen Gartenftlbstraße wurden 12500 Mk. bewilligt. - Dem Verein ber Freundinnen junger Mädchen wird für sein Mäbchenheim ein Zuschuß von jährlich 500 Mark bewilligt. - Die Bauaufsicht über die Gebäude ber hiesigen Religionsgemeinde übernimmt das städtische Hochbauamt. - Für die stäbttsche Dachunterhal- tung, die an Jakob Herr vergeben ist, erklärt sich die Versammlung mit einem Teuerungszuschlag von 70 Prozent einverstanden. - Für Ankauf eines Faselochsen werden 1500 Mk. bewilligt.
Hessen-Nassau.
Neue Unruhen in Hanau.
• • Hanau, 19. Febr. Die neu einsehenden Un- ruhen sanden am Mittwoch ihren Fortgang Während am Vormittag größtenteils in Soldatenklei düng steckende halbwüchsige Burschen bas im Schloß Philippsruhe in Kess Iftnbt untergebrachte Lazarett und bann auch mehrere Wohnräume des landgräflichen Schloffes selbst vollkommen ausplünderten, kam es am Nach- mittag auf bem Paradeplatz zwischen Regierungstruppen und „roilben" Soldaten zu einer Schießerei, bei ber acht Mann tot auf bem Platze blieben. Eine Person würbe am Fuße verletzt.
X Hanau, 16. Febr. Die politischen Umwälzungen mit ihren Begleiterschrinungen sind auch im Hanauer Stadttheater nicht spurlos vorüber gegangen. In diesen bewegten Tagen hatte der Obmann des hiesigen Lokal Verbandes der Genossenschaft deutscher BühnLnangehörigee
die Gründung etnes Küttftlrtrates vorgeieoutiueu und sofort Anschluß an den früheren Arbeiterund Soldatenrat gesucht. Erstrebt wurde, die Besetzung der Theaterstücke zu leiten und nach erfolgten Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung den Rück tritt des jetzigen Theaterdirettors t?pan- mtth-Bodenstedt zu erwirken, um die Writcrfüh- rung des Stadttbeatrrs durch den Htmitlemt selbst in die Hand zu bekommen. Es kam zu erregten Versammlungen, doch siegte schließlich bei den Bühnen Mitgliedern die bessere Eim'icht, btt inzwischen die Ueberzeugung gewonnen hatten, daß es sich bet dem Obmann auch darum gehandelt batte, sich allein eine unumschränkte Machtstellung $u sichern. In einer besonders stürmisch derlaufenen Sitzung wurde der Obmann sogar dem Direktor gegenüber handgretfllch. Die Bühnen- mitglicder verurteilten sofort dte eigentümltchen Bcürebungen ihres Lbmatms und verlangten dessen sofortige Entlassung, der auch entsprochen wurde, sltttnmehr ist wieder Ruhe im Hanauer Musentempel eingekehrt.
— Frankfurt a. M., 18. Febr. Der Aufmarsch ber Parteien zur Stadtverordnetenwahl am 2. März ist nun vollendet. Nicht weniger als sieben Gruppen stehen sich im schärfsten Wahlkampf gegenüber: Mehrheitssozialisten, die unabhängigen Sozialdemokraten, Demokraten, Zentrum, Deutsche Volks- Partei, Deutsch-nationale Dolkspartei und MtttelstÜnd- ler. (Es ist nicht ausgeschloffen, daß auch noch die Sozialaristokraten auf dem Plan erscheinen.
— Frankfurta. M., 18. Febr. In der vorigen Woche wurde bei einem reichen Herrn in Kvblen» ein Einbruchsdiebstahl verübt, bei dem den Dieben eine Geldkassette mit rund 300000 Mark in deutschen Banknoten m dte Hände siel. Als Dieb kam Zkoblenzer Ermittlungen zufolge die Löiährige Ella Hohmann in Frage, die kurz nach Entdeckung der Tat Koblenz verlassen hatte und mit ihrem Geliebten, dem 30 iäbrigen Kaufmann Franz Flohr im Auto über Limburg nach Gießen gefahren war. Bon hier reiste das Paar nach Frankfurt, wo eS arm Sonntag durch einige Kriminalbeamte in einem der ersten Hotel- ermittelt und vom „Dinett' weg verhaftet wurde. Den zweitägigen flut enthalt in Frankfurt hatte das Paar bereits zu fürsb- lichen Einkäufen von Pelzen und Schmucksachen im Werte von annäbemb 50 000 Mark weidlich ausgenützt. In feinem Besitz sand man noch 150 000 Mark. Die auf bte Wiedererlangung» des Geldes ausgesetzte Belohnung von 10 Prozent der noch vorhandenen Summe dürfte den hiesigen Kriminalbeamten, die das Pärchen aub* fischten, zufallen.
Aus dem besetz den Rhei nyeb tet.
= Speyer 19. Febr. Bor einigen Wriche» wurde hier ein französischer Posten nachts von unbekannten Tätern tätlich angegriffen. Da die Stadt die Personen in einer befriste len Zeit — 3 Tage — nicht namhaft machen komrte, wurde ihr von dem fvanzöjischen Armeekommandantrn eine sofort zu enrrrchtende Geldbuße notf 20000 Franken (29 800 Mk.) auferlegt.
Gimbsheim, 19. Febr. Hier wurde ein Paßiälscher ermittelt und festgenommen Das französische Kriegsgericht bernrteilte ihn zu 20 Jahren Zwangsarbeit.
--- Wiesbaden, 19. Febr. Zwei Tagelöhner wurden zu je 6 Monaten Gefängnis verurteilt, weil ne ihre Revolver nufX abgeliefert hatte».
Kal kheim t. T.. 19. Febr. Auf Kosten der Gemeinde ließ die französische Brsatzungsbe- börbe auf bem sehr schwer zugänaliHen Turm be* hiesigen FvcrnziskanerklosterS die Trtkolore an- bringen. Die waghalsige Arbeit ließ sich brv Dachdecker mit 125 Mark bezahlen.
«= Worms, 19. Febr. Aus Anordnung der französischen Kommandarttur fand hier eine Ausführung des „Ringes ber N i belun gen" lohne „Rheingvld) statt. Ter Jhrieg hat also der Wagnersdjttürmerei ber Foair-osen feinen Abbruch getan.
— Aus dem Rheingau, 19. Febr. In Rüdcsheim. St. Goarsbausen und anderen Orten verbot die ftan-ösische Behörde die Bornaknm der S tadtverordneten» bzw. Gemeutderar-- wählen.
= £> ö chst a. TL, 19. Febr Die französische Mtlitärverwalttrng verbot in Zudrnft jebroebe Ab- Haltung von Gesangstunden und Tantz» vergnügen.
Griesheim, 19. Febr. Der französische Ortskommandant von Griesheim hat anqtorbnet, daß sämtliche Klaviere, die im Orte sind, abgeliefert werden müssen, wenn wieder, wie schon öfter trotz des ernsten Verbotes, abends nach 10 Uhr Klavier gespielt wirb.
Kirchliche Nachrichten.
Israeli ische Bellgienigemeinbe. Gottesdienst tu der Synagoge (Süd-Anlage). Samstag den 22. Febr. Dorabd.: 5.45; morg.: 9.00; abbs.: 6.00 u. 6.40. - Israelitische Neiigiowgesellschaft. Sabbatfeier am 22. Febr.: Freitag abb.: 5.25; Samstag oorm.. 8.30; nachm.: 3.30; Sabbatausg.: 6.40. Wochengottesb. morg. 7.00, abbs. 5.30.
Spitlplan 6« Siebener StabffWm.
Freitag 21. Febr., 6: Franks. Opern-Gastsp. ,D« Wafi-nschmicd". Samstag 22., 6: Gew. Pr., 16. Frei- tag-Abonnem.-Dorst. Neuheit! „Der Kuckuck^. Son» tag 23., TL; ÄL Pr. ^(Eine Partie Piquett. .Waldfrieben-. v: Gew. Pr. „Die Rose von StambuP, Montag 24, 6: Gew. Pr., .6. Dienstag-AbonneM- Vorst. „Abu Seid-. „Durchs Ohrt.
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