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Zwlllingrnmddruck u. Verlag: vrühl'sche Unio.-Vuch- u. Steindruckerel R.Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle n. Druckerei: Schulstr. 7.

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An» Hessen.

Bier WuckMrgerichtr in Hessen.

Mainz, 17. Dez. (Wolff.) "liach eines Meldung desMainzer Anzeigers" hat das lscssisck>e Justizministerium eine Bekannt- , machung erlassen, wonach für Hessen vier Wuchergerichte und zwar in Darmstadt, Gießen, Atainz und Offenbach errichtet werden.

Au» dem Reiche.

Ein Rrichsgefrtz über Bcsoldungsfragrn.

Berlin, 18. Dez. Das Reichöfirranz* Ministerium hat der Nationalversammlung einen Gesetzentwurf zur einh-eitliclion Rege­lung in Vesoldungsangelegenhei- ten vorgelegt. Durch dieses Gesetz weroen, nne dieDeutsche Allg. Ztg" schreibt, alle Beomtenbesoldungsrefvrmen im Reich, in Den Eiuzelstaaten und in den Kommunen vis zum 1. April nächsten Jahres möglich gemacht. Das genannte Blatt meint, baß n-erde viele Beamte, die auf eine baldige Besserung ihrer Besoldung hofften, schwer tresfen, zumal auch die Gewährung neuer Teuerungszulagen und dergleichen nicht gestattet fein sollen.

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Annahme von Anzeigen s. die Lagesinnmner viS Sm Nnwmiuaq vorher, reis für l mm höhe für n;eiqen v.34mm Brette örtli ii 15 bi, ou5iväit6 18 P»., sur Reklamen von 70 mm Brette 48Pf. nebst 20*/, TeueiuugS- iidrtilaa. Bei Platz- Dorfrbriü20e/ Aufschlag. Hauvkjchri'lieiier: Aug. lSoeq. Berautivortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Remhold Zenz. sur den AnzeigeuteU: p. Beck: sämtlich in Gießen.

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Vie innerpolitische Lage.

Die Nationalversammlung hat gestern in dritter Lesung das Gesetz über das Reichsnot­opfer angenommen, und es hat sich dabei ge­zeigt, da» die Gegensätze von rechts und links noch austerordentlicl) scharf sind. Es gab hef­tige AuseinauLersetzungen zwischen Vertre­tern der Rechtsparteien und Erzberger, der sich wiederum mit drastischer Heftigkeit wehrte und damit zeigte, daß er allerdings von der vornehmen Sachlichkeit unserer Minister oes alten Regimes weit entfernt ist.

jHafemnaterials reduziert werde inrt» die gegen-i wattig ün Bau befindlichen Einheiten zu liefern seien, statt der im Protokoll vorgesehenen.

Paris, 17. Dcz. (WTB.) Havas. Die ge­mischte Marinekvnserenz ter Weeder gutmach ungskom misst o n hielt am Mittwoch nach mittag eine Plenarsitzung ab, in welcher die Er­ledigung der Angelegenheit von Scava Flow neuerdings diskutiert wurde. Wie es scheint, haben sich die deutschen Sachverständigen bislier daraus le schränkt, die Gründe darzulegen, ivegen welcher den Anforderungen der SEHnetlen nach tiomrrnititionen für die Nichtlieferung eines Teiles des verlangten Hafenmaterials nicht entsprach n roertxnt könne. In der Sitzung vom Mittwoch sollen die ixutictoi Sachverständigen mehr oder weniger definitive Vor­schläge bezüglich der Entschädigmtgen vorgelegt ha­ben, die sie 'hierfür den alliierten Staaten offerieren. Diese Vorschläge werden sofort der britischen Regierung, die an der Angelegenheit haupt­sächlich interessiert ist, sowie der Zustimmung der anderen alliierten Mächte unterbreitet werden.

Hus dem besetzten Gebiet.

Wilhelm Teil" und die Franzosen.

Wiesbaden, 17. Dez. Die Mitteilung von einem VerbotWilhelm Teils" trifft nicht zu, nur wurde den mastgeb.-nden Kreisen nahegelegt, die Dichtung nur noch als Jugendvorftellung zu geben ol/ne Kartenverkauf, da sonstdie Offiziere sich nicht abhalten lassen würden, mit Reitpeitschen in dtc Vorstellung zu gehen".

Die Verhandlungen in Paris.

Paris, 17. Dez. (VTB.) Minister Lon* cheur erklärte lautTemps" heute im Fün­ferrat, Die gestrige Verhandlung mit der deut- sclhen Delegation lasse darauf schließen, daß die deutsrl)en Sachverständigen andere An­gebote, die man hätte erwarten können, nickst machen wollen. Die deutsche Regierung scheine nur die Hälfte des verlangten Hafen- Materials liefern zu wollen. Dock) herrsche der Eindruck vor. daß die Unterredungen auf gutem Wege seien und in kurzer Zeit zu einer Verständigung führen werden.

LautTemps" sind jetzt nur noch Maß­nahmen zur Uebernahme der Verwaltung in den Gebieten zu beraten, die geräumt werden müssen, sowie andere Einzelheiten für Die Ausführung des FrieDensv.rtrages, so daß dann nichts mehr dem Austausch der Ratifikationsurkunden im Wege stehe.

Paris, 17. Dez. (WTB.)Havas" glaubt zu wissen, daß die Vorschläge der deutschm Dele­gierten ixchjn gehen, daß die Menge des verlangten

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132. Sitzung.

Pnästdent Fehrenbach eröffnet die Sitzung um 3,20 Uhr.

Auf der Tagesordnung steht

dik dritte Beratung des Rcichsnotopsers.

Es liegt ein Antrag Becker-Rießer (D. Vpt.) vor, den Entwurf an Den 10. Ausschuß zurückzuvertvcisen.

Abg. Schulz- Brvmberg (T.-Natl.) erklärt namens seiner Fraktion, sie erhebe vor der Ver­abschiedung des Gesetzes läut ihre warnende Stimme und lehne jede Verantwortung für die Folgen des Gesetzes ab. Wir beantragen wie bei der zweiten Lesung die Umänderung des Nvwpsers in eine Zwangsanleihe.

Abg. Rießer lD. Vpt.) begründet den An­trag Bttker-Rießer. Die Zurückverweisung soll be-

Protest der Gastwirte.

Berlin, 17. Dez. (Wolff.) In einer Versammlung aller im Gastwirtsgewerbe ver­einigten Berbäuoe wurde beschlossen, a!3' *3 rote ft gegen Die Wu che r v e ror d- nung sämtliche Gastwirtschaften uno Hotel­restaurants uno Restaurants Donnerstag und Freitag geschlossen zu halten. Eine Kommis­sion soll mit den Behörden weiter verhandeln. Wenn oie Verhaiwlungen bis Anfang Januax zu keinem befriedigenden Ergebnis führen, sollen in ganz Dcutsckstrnd Die Gastwirte ver­anlaßt werden, ihre Gaststätten zu schließen.

II*

Die Hilfe für Gesterreich.

Paris, 17. Dez. (WTB.) Oberster Rat. Nach Dem Ervoss des Staaiskanzlcrs Renner erklärte Der Vorsitzende des Organiationsvomitees der Rcp^rationskommission, Loncheur, der Oberste Rat lvbe be,chlou'en, zunächst fre sofvrttge Abiendung von 3 000 0 Tonnen Getreide, Die bereits in Triest lagern, nach Oesterreich zu veranlassen. Tie Alliierten würden z,reitens Südslawien Krrint geivährcn zur Lieferung von Lebensrnitteln an Oesterr.ich. Eine eigene »om Obersten Rat eingesetzte Kommt sion wen« sich mit der Durchführung uie.cr clensmiLivl ransporte be- idjäiiigen. Drittens roürDe, wenn möglich, binnen einer Woche, entschieden, tpeldx zur Zeit der Rc- parationskommisssvn verpfändeten österreichischen At.iven zur felbsstndigen Kreditschaffung freige- geben werden sollen. Viertens erteile Der Oberste Rat seine Zustimmung zur Beendigung der Ver- l>andlungen Der ösberreichischen Regierung mit einem holländischen Kvnortium we»nVe r- Pfändung des österreichischen Tabak- Monopols. Ter hieraus zunächst zu erzielende Vorschuß von 30 Millionen lvlländischen Gulden wäre m erster Linie zum AnLauf ter notwendigsten Lebensmittel zu verwenden. Fünftens würde die Reparationskomnrri'swn dos vom Staatssekretär für Dcllsernährung au.-gearbeitete Pwgoamm für die Ernäl>rung Oesterreichs in den nächsten 10 Mo­naten sofort prüfen.

Renner dankte dem Obersten Rat und hob die Notwendigkeit h.rvvr, die Transporte aus Triest schnellstens durchzulührcn, do Die bisherigen Schritte zur Erlangung größerer Mengen Lebens- mickcl aus Südssawieu fehl geschlagen seien: es bedürfe des ganzen Einflusses Der M terten, uffi die südslawisck>e Aush lfe tvitTiam zu machen. Fer­ner betonte der Staalskanzler die Notwendigkeit baldigster EntfchriDnng über Die Freigabe der Ak­tiven, um Oesterreich im Auslande zol-ungsfähig zu machen. Tie sich daran anschlies/tnde Dis- küsfion ließ erkennen, daß der Oberste Rat gewillt sei ten Wünschen Oesterreichs möglichst entgegen» zuüommen.

Wien, 17. Dez. (W TB.) Die Deutsch-Oester­reich vom Obersten Rat in Paris auf die Vor­stellungen Renners hin zugestandene Hilfe wird von den Blättern im wesentlichen als nicht befrie­digend angesehen. Die Mehrzahl der Zeitungen stimmt darin überein, daß die Beschlüsse des Obersten Rates wohl die dringendste Not des Landes für eine gennsst Zrit lindern könnten, eine durchgreifende Lösung des Problems aber. Deutsch-Oesterreich wieder zur Arbeit z-u verhelfen und lebensfälng zu machen, sei nicht erfolgt. Besonders dieNeue Freie reffe" und dasNeue Wiener Tagblatt" vermissen eine endgültige Ant­wort auf den Vorschlag einer großen Anleihe zur Beschaffung von Rohstoffen. DerNene Tag" schreibt: Weniger konnte Renner nicht nach Haufe bringen. Wir haben das nackte Leben gerettet, nicht mehr. Immerhin ist der direkte Verkehr zwischen untrerer Regierung und den Herren der Welt her­gestellt. Wenn diese Beziehungen in kluger Weise gepflegt werden, kann Dem gestrigen Schritt der Entente ein zweiter und dritter folgen.

Ein Beschluß des Salzburger Landtags.

Wien, 17.Dez. (Wolfs.) TerSalzVurger Landtag nahm einstimmig einen Antrag an, birrd) die Staatsregierung an den Obersten :Jlat in Paris das Ersuchen zu richten, den wirt- sck^iftlichen Anschluß.Salzburgs an das ba yeri s che Wirtschaftsgebiet zu ermög- *idjen. In der Debatte hatten sich alle Parteien für den Antrag ausgesprochen.

interessantes Geplänkel. Ein Führer der de- inokra tischen Partei, Der Abg. Dr. Friedberg, äußerte sich außerordentlich frfjarf gegen bte dilletantische Politik des Reichsfinanzmini­sters, feinHerostratentuntt', mit Dem er die deutsche Wirtschaft zu Fall bringe. Innerhalb der demokratischen Partei sind übrigens noch andere Führer, wie z. B. Der Abgeordnete Gothein, ebenfalls Gegner des Reichsnot- opfers geblieben, wie uns der demokratische Parteitag in Leipzig gezeigt hat. Das Fazit aus den Leipziger Verhandlungen zu zielfen, ist nicht ganz einfach. Die Parteileitung hatte den Verhandlungen ein neues Programm untergelegt, das nun im weseirtlichen, unter dem Vorbehalt redaktioneller Aenderungen angenommen wird; aber die Auseinander­setzungen haben Doch yezeigt, daß in der De» mokratisck>en Partei keineswegs ganz einheit­liche Stimmungen und Ansichten Geltung haben. Nicht nur in den wichtigen Fragen des Reichsnotopfers und des Betriebsräte- oesetzes scheiden sich die Geister, sondern auch in allgemeineren Fragen des politischen Charakters. Es zeigt sich deutlich, daß auch die demokratische Partei im rauschenden Strome Der Zeit noch in keinen stillen Hafen eines fertigen Programms und fest umrisse» ner Ziele gelangt ist. Zwar äußerte der Vor­sitzende, Dr. Petersen, die Partei stehe der sozialdemokratisckfen am nächsten, aber Dann war es doch wieder überraschend, daß ein bayerischer Redner, Dr. Gerlich, unter Dem Beifall eines großen Teiles der Ver­sammlung das vorgelegte Parteiprogramm sck)arf kritisieren konnte und daß eine ganze Anzahl von Mitgliedern Des Parteitages feinen Aussührurgen beipflichtete. Dr. Gerlich will eine geistige Erneuerung, kein Forlspinnen des alten abgerissenen Parlei- ladens. Er bekannte, daß er Mitglied der Vaterlandspariei gewesen sei und also dem nationalen Gedanken Geltung verschafft haben wolle. Dr. Gerlich wandte sich gegen unbestimmte und verschwommene Linien des Parteiprogramms, indem er z. B. hervorbob, Religionsunterricht oh e konfessionellen Cha­rakter fei unmöglich, Die Sehnsucht Der Masse nach Eigentum müsse in der Sozial- und Wirt­schaftspolitik zur Geltung gebracht werden, die Verfasser des neuen Programms hätten mehr aus dem Gefühl für Die alte als für die neue kommende Zeit gearbeitet. Der Vor­sitzende, Abgeordneter Petersen, erklärte nach bieient mit stürmisck)em Beifall aufgenomme- nen Vortrag selber, der Parteitag stehe unter demstarken Eindruck dieser tiefen gründ- lidfen Ausführungen". Auch die folgenden Redner stimmten Dem zu, indessen Das Airsimten, Das ganze Programm wieder um- »ustürzcn, wurde schließlich naturgemäß doch als unzweckmäßig verworfen und das vor­gelegte Prsgramm mit Stimmenmehrheit an­genommen.

So hat die Leidiger Tagung unserer fetzigen Regierungsmehrheit einstweilen keine Gefahr gebracht. Eine völlige Klärung wirD sich bei Den Wahlen im kommenoen Frühjahr ergeben.

Berlin, 17. Dez. (WTB.) Der Aelteften- tot der Nationalversammlung hielt eine längere Sitzung über die Geschäftslage ab und einigte sich dahin, am 13. Januar 1920 wieder zusarnrnenzutreten, um das Betri ebs- rätege'setz zu verabschieden, für das man drei bis vier Tage in Aussicht nimmt. Im Anschluß daran soll die erste Lesung kleinerer Gesetze vvr- genammen werden. Hierauf tritt wieder eine Pause ein, die sich bis in die zweite oder britte Februarwoche erstrecken soll, jedenfalls so lange bis der Haushaltsplan von 1920'21 vorsckcgt ist. Beim Zustmrnrenlritt des Plenums im Februar wirb wal-rschckulich auch die Vorlage über das Reichstagswa hl recht und über die Wahl des Reichspräsidenten Vor­lagen. Tie dlusschü'sc werden ihre Arbeiten im Anschluß an Die Januartagung wieder aufnehmen. Ob morgen (Donnerstag» Schluß ter Plenarver- frmMung. n st in wird, Lvrngt noch von Der Ab­stimmung im Plenum ab, ob txc Interpellation Heinze belxcffcnD Di- Steuerpolitik noch vor Der Veihnachispause zur Beratung gestellt werden soll.

Deutsche Nationalversammlung.

Berlin, 17. Dez.

Präsident FehreirVach eröffnet die Sitzung um 10 Uhr.

In Fortsetzung der zweiten Beratung de» Umsatzsteuergesetzes lehnt namens feiner Fraktion der Abg. Eichhorn (Unabh.) den Gesetzentwurf esätzlich ab, ba er Die kleinen Leute am stärk- laste. Aus Den rationierten Lebensrnittttln 1200 Millionen herausgewirtscyaftet wer­den. Es gehört Mut dazu, eine solche Vorlage überhaupt ent^ubringen. Der Lurussteuer stehen wir Unabhänmge skeptisch gegenüber, da sie nichts einbrmgt, falls sie Bedarfsgegen stände nicht um­faßt.

§ 1 wird in der Ausschußfassung angenommen.

Im § 2 (Ausnahmen von der Besteuerung) wird ein vom Abg. Philipp (D.-Natl.) be­gründeter Awrag Arnstadt abgelehnt, der klei­neren Unternehmungen die Entnahme von Gegen­ständen aus dem eigenen Betrieb in geringerem Umfange erlauben will. Diese Bestimmung würde nicht nur die kleineren Bauern, fonDcrn auch die kleineren 5)anbwerker unb Industriellen entlasten.

Zu 83 (Befreiung der Länder und Gemeinden von der Steuer) wird ein von Abg. Dr. R a s ch i g (Dem.) b.-grünbetcr Antrag Waldstcin ang-nommeir, der für Reich, Länder, G^meind.m und Gemeindv- üerbänbe, Schlachthöfe, Gas-, Elektrizitäts- unb Wasserwerke von der Steuer befreien will.

Abg. Wetzlich (D. Natl.) begründet einen (Antrag Arnstadt, einen § 7a einzufügen, nach dem Lieferungen über 300000 Mk. jährlich Umsatz­steuer pflichtig sind, die bei einem Unternehmen, das aus verschiedenartigen Betrieben bestoht, aus einem dieser Betriebe an den anderen geliefert herben. Umsätze unter dieser Summe sollen frei bleiben.

Der Antrag wird, nachdem ein Regierung^. Vertreter seine Durchführung für unmöglich er­klärt hat, abgelehnt.

auf Herabsetzung der Staffelung.

Abg. Muschke (Dem.) stimmt dem Antrag zu. Eine Reklamesleuer fei ein Unsinn in einem Umsatzstcuergesetz, denn die Rellame solle doch den Umsatz fördern.

Abg. S i d o w (Soz.) beantragt su 8 31a eine andere Fassung, nach dem die Ermessung der Jnseratensteuer nach der Staffelung des Aus­schusses für die Zeitungen ohne weiteres eintritt.

Dieser Antrag wirb angenommen.

Der Rest bes Gesetzes wird angenommen.

Damit schließt die Sitzung. Nächste Sitzung 3 Uhr. Tagesorbrmng: Reichsnotvpser u. anderes.

Präsident Fehrenbach teilt mit, daß der Antrag auf Zurückverweisung des Reichsnotopfers an Die Kommission wieder eingebracht werde» wird. (Schluß F/* Uhr.)

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WO der Docka-rmhe» aften im 2. Senktet MistmckwDch- >n ober oon bet ®e- ^AiYzudezi-h-^ ) pfennig_j«®2

Zur Lttläruug des Kronprinjen Rupprecht von Sayern in der Ausliesrrungsjrage.

Kronprinz Rupprecht von Bayern hat in einem Schreiben an den Präsidenten des bayerischen Laiides-Hilfsvereins vom Roten Kreuz, Herrn von Brettreich, erklärt, er werde, um alle Gründe zu beseitigen, die von geginerischcr Seite dazu benutzt werden tonnten, der Zurücki-altung der Kriegs­gefangenen als Vorwand zu dienen, für ferne Person dem Verlangen der alliierten Regierungen Folge leisten, wenn diese feine Auslieferung zur dlburteilung vor sogenanMen Gerichten fori)em sollten.

So sympathisch diese Erklärung auf den ersten Blick, Dom rein nienicbltcfrm Standpunll betrachtet, ziveifellos anmutet, so wenig hält sie, wie es in einer Zuscknist an uns sehr richtig heißt, einer gründlicheren Nachprüfung stand.

Kronprinz Rupvreckst von Bayern bringt in seiner Erklärung zwei Fragen, die Ausliefenings- frage und die Gefangenemrage, in einen zivang- täufigen, inneren Zusammcrihang, der in dvesem Sinne in keiner Weise b. steht, verssiüpst sie in einer Form, die ganz falsche Vorsbeilungen, Erunuckungen und Hoffnungen erweckt. Ganz abgcfeljcn davon, daß er, lediglich um den alliierten Regierungen einen Vorwand zu nehmen, cm Zugeständ­nis macht, das Probleme berührt, die nicht nur mit der Gefangenen frage Zusammen­hängen, und die auch von anderen Gesichtspunkten aus zu prüfen sind, erzeugt er in Deutschland den Glauben, daß Fran?r.'ich die Gefangenen zurück- gebeu wird, UKitn die von der AuSlieserungs- fürDcrung betroffenen Deutschen sich freiwillig stellen. SBeldy? Unterlage ist für eine solche Auf­fassung vorhanden? Niemals ist von Franki-eich auch nur angedeutet worden, daß die deutschen Gesangenen unter der angegebenen Bedingung zurückgesandt werden würden. Es bleibt voll­kommen unsicher, ob sich die Regierungen Eng­lands und Frankreichs nicht auch anderer Vor­wände bedienen Werdern, um die Rückgabe unserer Gesangenen hinauszu-ögern. Ganz im Gegensatz zu der Anfehauung, daß unsere Gefangenen etwa nur als Geißeln ober als Reserve für Zwangs­maßnahmen zurückgehalten werben, bezeichnet Herr Clemencoau in feiner 9lote vom 2. Dezember 1919 bie Gefangenen ausdrücklich als Mitschuldige, die eine Strafe verdienen, wenn er wörtlich erfHärt, daß die Behauptung, die Gefangenen seien sckwldlos und für die Kriegs Vorgänge nicht ver- anttvortlich, der Prüfung nicht standhalte". An anderer Stelle ist getagt worden, daß Frankreich die beutfdjeii Gegangenen nicht eher herausgeben werde, als bis die erforberlidr* Anzahl deutscher Arbeiter zum Wiederaufbau der zerstörten Ge­biete in Frankreich emgetroffen sei. Selbst hier fehlt die ausdrücklidic Zusicherung, daß die Rück­gabe dann bedingunc^lvs erfolgen werde. Eine solche starre Verbindung der Ausliesemngs- mit der Gefangenensrage entbehrt alsv^ jeder Grund­lage. Es werden lyier nur Hoffmingen erweckt, die zu nidsts anderem führen werdW als zu neuen ^äufdmngen und Enttäufchilngen. Der praktische Erfolg des Sdirittes des Kronprinzen Rupprecht wird sein, daß das deutsche Volk glaubt, unsere Gesangenen würden nur deshalb zurück- gehalten, weil die Frage der Aus­lieferung der von feindlichen soge­nannten Gerichten a bz u u r t ei le n de n Q> e u t f d> e n noch nicht erledigt fei. Das entspricht, wie hier gezeigt ist, nicht Den Tat- fadjen. Ferner wird das deutsd>e Volk erwarten, seine (befangenen zurück- zubekominen, wenn die Auszu liefern­den sich den feindlichen Gerichtshöfen freiwillig stellen. Diese Erwartung ist ebenfalls irrig. SÄießlich werden, wenn der Anregung des ehemaligen bayerischen Kron­prinzen allgemein Folge gegeben wird, die nach dem Friedensvertrag auszuliesemden Deutschen vor den feindlichen (berid)tcn stehen, die Gefange­nen werden im Feindesland bleiben und das beutfdje Volk hat, wie fd>on so oft, das Nadifehen.

Kronprinz Ruppredü hat feine Erklärung nut für feine Pmeson abgegeben. Das ist zu berück- fidjdigeit. Gerade deshalb aber könnte pielleicht der Eindruck entstehnl, als ob er mit ihr gewisse (Stimmungen auslösen wollte, eine Absicht, die Dod) gewiß sticht vorliegt.

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Erst« Blatt 169. Jahrgang Donnerstag, 18. Dezember 1919

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General-Anzeiger für Oberhessen