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postschrckionto: firanfturt a. M. 11686

Erster Blatt 169. Jahrgang Mittwoch. «7. Dezember 1919

wF WM Lnvahme von iBjeigea

Wf Hr s. die Liiaesnuminer vlS

GichKerÄMger

IN^ Hauvtlchn.tleUer: Aug.

General-Anzeiger für Oberheffen WW

SwiMngrninddruck u.Verlag: vrühl'sche Uaiv.-Vuch- u. Stetnöruderei «.Lange. Zchriftleltung. Geschäftsstelle u.Druckerei: §chulstr.7. Sieben'.

Rüüzugslämpse.

Don einem Baltenkäm vier der M. G G. S. Abt. Tamm, bie zum größten Teil aus Hessen besteht und im Mai 1919 aus Gießen aus- gerückt ist. ersten mir den folgenden interessanten Vries zum Abdruck:

2. Dezember.

Tie West-russische Sache, ins Leben gerufen zur Bekämpfung des Bolschewismus, ist zusa in menge- bvochcn. Tiefer Zusammenbruch war nicht not­wendig. aber hier soll nicht untersucht werden, welche poli.ischen und militärischen Fehler die Schuld trugen, sondern Teutschlarw soll erfahren, wie Ix-Ibenmü tg seine Söhne, die zur wcstrussischeiv Armee über getreten waren, den weit überlegenen Letten und Botschewiki bis zum lebten Widerstand leisteten und nur dadurch einen geordneten Rückzug vor den Horden Ulmanis und Lenins ermöglichten. Wir Balterchämpfer wissen, daß in unserer Sackte das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Mr wissen, daß auch die jetzigen RMÜrungskreise Deutschlands und ihr Anhang in Ächt zu ferner Zeit einsehen werden, daß nur wir es waren, die die Welle des verbrecherischen T^ischewismus von Teutschlands Grenzen fenthielten. Der weitaus größte- Teil von uns ist aus Begeisterung für den iboalen Qfebanfcn ins Baltikum gegangen, ein Teil desivegen, weil ihm die deutsche Heimat in ihrer jetzigen Gestalt T ine Existenzmöglichkeit bot und er sich diese im Balti'katN erkämpfen wollte. Mit dem Tkirnm Teil unter uns. der des Rubelns und Plündrns wesen hinausging, haben .vir nichts gemein. Tiefe Schweineftinde , sind langst fluchtartig nach Teutschland zurückgeeilt und ver­breiten dort Lügen und Schauermären über ihre überstandenen Gefahren und Kämpfe. Leute, die nur die binnen Bohnen haben pfeifen hören, wenn sie von uns auf Plünderungen ertappt wurden und schleunigst das Weite suchten.

Nach EEmpfuns der Tünalinie um Mitte Oktober herum, wobei durch den überraschenden Flanlensloß und die Einnahme von Thorensberg der Vorstadt Rigas, durch die deutsche Legion, die Eiserne Tioi-von und dem russischen Korps Graf Keller der Weg bis zur Düna freigemacht tvar, wurden die Freikorps der deutschen Legion .veiter fübtid) bis in Gegend Friedrichstadt gezogen, um die dort stechntdcn esthischen Tivisionen am lieber- schreiten der Düna zu hindern. In wochenlangen Kämpfen inr waldigen Sumpfgelände wurde diese Aufgabe gelöst, der Lette mußte auf dem jenseitigen Dünauser verbleiben.

Mittlerweite trat der strenge Frost ein. der vald die Düna »ufrieren liefe und es traten die cnglifdicn Schitfsgeschütze vor Dünamün^ in Tätigkeit. Diesen wich das Korps Gras Keller aus. Um dort die Lage wiederherzustellen, mür­ben Teile der deutschen Legion dem Korps Gras Keller und der Eisernen Division zu Hilfe gesandt, ba nm ter das Regiment Baltenland und das Frei­korps Steuer. Inzwischen hatte aber der Lette den schwachen rechten Flügel der Eisernen Division richtig eingeschätzt, stieß übmxtfdrnb gegen diesen vor und warf die Eiserne Division in die Olai- Stellung zurück. Zudem war die zugesrorene Düna kein Hindernis mehr, und schveren Herzens mußte ich nun die deutsche Legion entschließen, auch ihrerseits die Linien zurückzuvorlegen. Hari be­drängt von den ernergisch folgenden Letten-Bol- schewiki ging dieser Rückzug in'Linie Bauste-Bal- bon vonftatten. Da begann der Lette eine Kolonne von SckMcherg aus auf Krücki in Marsch zu setzen, um den rechten Flügel der deutschen Legion zu Umgehen; oleickryeittg griff er die fie^ion twn Osten und Nord osten in der Front und die Eiserne Division von Norden her heftig an. Sein Plan war die russische Westarmoe in Kurland einzu- freisen und zu öerniefeten. Das Regiment v. Weick- momi. größtenteils aus Oesterreichern »stehend, wurde bei Gr -Ekkau ton .einem lettiscknen Bataillon Werfallen und ging auf Banste zurück.Die Regi­menter Rieckhoff. v. Jena und Baden leisteten ui Linie RaganskiZeillant tapferen Widerstund, trotzdem sie schon stark geschwächt waren, die linke Flanke der deutschen Segion deckte bei Zoh- bat die M.G.S.S.-Abteilung Damm, verstärkt durch die schoache dritte Infanterie-Kompagnie v. Weidmann und die Batterie Winnig. In der Steckst vom 16. zum 17. November gingen die Regimenter Rieckhoff. v. Jena und Baden 20 Kilometer zurück, in Stnie Gut Gr.-Bersteln Bauske. Am Nachmittag des 16. November war der fibrmrttmbinrr der deutschen Legion. Kapitän z. S. Siewert, gefallen, als er von einem Front­besuch zu seinem Stabsquartier xurückfuhr. Er war ein ganzer Mann, den wir nicht vergesßm werden ! Die M.G.S.S.-Abteilung Damm bei Zvhden und bie inzwischen bei Kvsacken'krug süd.vesllich Gul Bershof einqetroffenr M.G -Abteilung Meden blie­ben bis 11 Uhr vormittags bzw. 5 Uhr nachmittags des 17. November in ihren Stellungen, wiesen die Setten ab um» zogen sich bann ohne Derlulte aus unsere neue Linie zurück. Der Sette hatte feste einen auf den Kop! Mountren und folgte mtr zögernd in den nächsten Tagen mit Pattouillcn. Am 18. November wurden die Linien der 1. Brigade kampflos 5 Kilometer torverlegt, rechts vorwärts des äußersten rechten Flmvls der deutschen Legion wurde in Euniten bie M G.S.S.-LlbteilungDamm, verstärkt durch $toci Geschütze, unter den Leutnants Pumpe und Winnig. einem Oestervrickrr, eingesetzt. Dm nächsten Tage stieb bie 1. Brigade der deutschen Legion und bie Eiserne Tivision vor und erkömpf- ten sich 610 Kilometer Raum nach vorwärts. Hinter dem rechten Flügel ber deutschen Legion traf das Freikorps v. Brandis ein, um gegen die lettische Kolonne, bie aui Krucki marschiert:, ein* jugreifen. Mit W''-bt warf sich Hauptmann von Brandis am 21. November gegen diese Letten uno begegnete einem vt.liad) überlegenen ©egnangrifl ton Ost und Süd! Gleichzeitig griff der Sette*

Bolschewicki bas Detachenrent Damm in Euniten ton Süden, Osten und Norden her an, begünftißt durch starkes Schneetreiben, das ihn ungesehen bis aut 200 Meter heran to mm en liefe Durch vernich- tendes M G -Feuer wurde der Okgner restlos ab» gewiesen. Beim Detach'ment Damm hatte sich in» pvischen noch die 2. M G K. Stever gemeldet, die >as Gelwit Stautieg südlich Euniten belebte. Ln ber wurde dort sehr bald ihr schneidiger Kon,- pagnieführer, Offizier-Stellv. Schult i?eiß, verwun­det. Am Nachmittag gr.ff der Lette das Deta­chement wieder an, dieses Mal auch vom Rücken, her kommend. Den Gesechtslärm von Brandis hörte man weit rechts rückwärts. Die 2. M.-G.-K Stever verlor von ihren 4 M.-G. 2 durch Artillerievolltrefser. eins wurde unbrauchbar. Daraus räumte die Kompanie in Richtung Jani- krug ihre Stellungen, das Detachement Damm driftete, noch weiter hel enmüEN Widersiand, die Artillerie in schneidigster Weise stets in Linie der M.»Gs. kämpfend, bis es schließlich auch zum Zurückgehen gezwungen war. In Ver­bindung mit den Batterien Pump und Win­nig gtng der Rücktzug unter fvrNoähvender Einnahme von AusnahmesteUungen glatt von tat ton. Hier wußte jeder M.-G.-Mann und Arttllerist, Führer und Mann, Oesterreicher und Deutsche, daß er sich aus dem anderen verlassen konnte! Jeder dachte nicht an sich, sondern an das Ganze. Ter letzte Gurt rourbe durchgcfckwfsen, der letzte Schuß aus dein Rohr verfeuert, erst dann zog sich das Detachement auf bie eigenen Linien zurück und bezog 5 Kilometer hinter der vor- »erften Linie Alarmauartier. Dem aus der Straße haltenden Brigadekommandeur, Rittmeister ß ^uie d'Avis, riefen die Leute auf seine Begrüßung hin lackumd zu:Mumtton wollen wir haben, dann gehts wieder nach vorn!"

Ter nächste Tag brachte nur schwächere Kämpe, da bet Lette wieder nur schwach zu folgen wagte. Am Abend war die Aufgabe der deutschen Legion, nämlich den Rückzug ber Eisernen Division von Mitau auf Schau len in der Flanke zu decken, er­füllt, ba die Eiserne Division mit ihrer; Hauvt- teilen die Linie VteitenGut Gr.-Wilzen passiert batte. Die lettische Kolonne aus Krucki. die den weitern Rückzug auf das schwerste gefährdet hatte, war durch das Freikorps v. Brandis aufgehalten worden. So konnte der weitere Rückzug auf litau­isches Gebiet erfolgen, ohne bafe uns der Gegner belästigte.

Jetzt sitzen wir in Schau len und sollen gemein^ sam auf Befehl des Generals v. Eberhart nach der deutschen Grenze zu marschieren. Umsonst ist unser Blut hier nicht geflossen, umsonst haben wir nicht schwere Kämest und 9lnflrengungcn durchgemacht, umsonst haben wir nicht den Mangel an Wäsche und Bekleidung, die uns die Heimat vorenthielt, empfunden. Die Zeit wird kommen, wo man uns Recht gibt, ebenso wie man in der Schmachzcit Preußens dos Schill'sche Freikorps erst verdammt und bann gesegnet hat.

Ein Baltenkämpfer.

Churchill über den Kampf gegen die russischen Volsck-eivisten.

London, 15. Dez. (Wolff) Das Unter­haus nahm gestern das Armeebudget an. das dre Höhe von 405 Millionen Pfund Sterling erreicht. Churchill erklärte, daß das Budget für das nächste Finanzjahr nicht den vierten Teil dieser Summe erreichen werde. Er sprach dann über die russische Frage und sagte, daß die gegen- üler Rußland angenoinmerven Richtlinien das Ergebnis der Beschlüsse des Obersten Rates feien. Die Bolschwewisten sehen sich dieses Jahr von Koltschak und Denikin auf- gehalten. Aber wenn die Truppen dieser beiden Fülper aufgerieben sein nxtben, bekommen die Bols cke misten alle Kräfte frei, um die lettischen Staaten, Polen und Finnland niederzuwerfen, durch Per­sien an die Grenze Indiens vorzudringen und ganz Asien in Unordnung zu bringen. Wenn dieser Tag kommt, werden wir uns Rechenschaft abgeben darüber, daß wir nicht für Koltsckwk und Denekin gekämpft haben, sondern diese für uns.

Vie Behandlung der Wutschen Gefangenen In .Frankreich.

Berlin, 16. Dez. (WB. ) Der Man- chester Guardian" vom 11. 12. veröffent­licht folgende, der Redaftion aus Nord fr ank- reich eingesandten Brief:

Das französische Volk fängt an, seine Meinung zu der Frage des verlängerten Zurücklialdms der deutschen Kriegsgefangenen zum Ausdruck zu brin­gen. Ich arbeite seit mehreren Monaten vn den verwüsteten Gebieten und kann versickern, bafe der Geist der Gerechtigkeit,dei ber hiesigen Bevöl­kerung lebendig ist, was dazu führt, bafe sie offen das Verhalten ber militärischen Behörden und der Regierung gegenüber den (Orangenen verurteilt. Eine Meile ton unserer Niederlassung entfernt befindet sich ein großes Disziplinlager für deutsche Gefangene. Die Leute werden dorthin verschickt als Strafe fiir Fluchtver­suche ober andere Vergehen. Die Behandlung die diesen Leuten nnberfäfrrt ist scharf bid zmn Aeußersten. Sie haben Heine Decken, teuie Schuhe (mit Ausnahme von Holzschuhen für die Arbeit im Freien, die aber im Gefängnis nicht ge­tragen werden dürfen) und pour im rien ttrrben ste zu Dwt und Wasser oerurteilt. Warmes Esten bekommen sie mir jeden vierten Tag. Hob doch unrb dieselbe schwere Arbeit von diesen Männern wie von dm aitberen verlangt. Ich weiß, daß vor einigen Tagen 13 dieser Leute in mtterirdlschen, nicht ausgelegten Zellen waren, die sehr feucht sind. Bon einem Augenzeugen wurde mir erzählt, daß den Gefangenen, die in einem schweren Regen» sturm arbeiten mußten, verboten wurde, ihre Män­

tel anzuziehen. Die ftanzösischen Soldaten, die die Aufsiäst haben, verhehlen nicht, was sie von ihrer Tätigkeit halten. Ich wünsche, daß die Oeffentlich- teit in England dies erfährt, weil ich überzeugt bin, bafe die Disziplinlager die letzten fein wer- den, bie von ihren Betvohnem geräumt werden und es sich für alle alliierten Mäckste gehört, (^ererijtigfeit und Vernunft in dieser Angelegen­heit zu verlangen.

Die französische -lnleihe.

London, 16. De-. (WT.) Aus Paris wird berichtet, baß die in England ausgegebeiie f r a n- zösische Anleihe 300 Millionen Psd. betragen werde.

Deutsche Spielwaren in England.

A m st e r d a m, 16. Dez. (WTB )Tele- graaf" meldet aus London: Im Unterhause erklärte Geddes auf eine Anfrage, daß die Einfuhr von Spielwaren aus Deutschland im Monat November be­trächtlich höher war als im Monat Septenv- ber. Er könne jedoch vorläufig die Einfuhr deutscher Spielwaren nicht auf zwei Jahre verbieten, wie man von ihm verlange.

Englische Nnmenschlichteit in Jt,dien.

Amsterdam, 16. Dez. (WTB.)Telegraaf" meldet aus London, bafe die Veröffentlichung des amtlichen Berichtes über bie Unruhen in Anrit- sa r (Indien), bei denen General Dyger auf eine Menge von 5000 unbewaffneten Ein­geborenen Schnellfeuer eröffnen liefe mit dem Erfolge, daß 450 getötet und dreimal so viel verwundet wurden, grosses Aussehen erregt habe.Westminster Gazette" fragt, was man ge­sagt hätte, wenn ein deutscher Offizier so aufgetreten wäre.Times" schreibt, man verstehe nicht, daß diese Tatsach: neun Mo­nate lang geheim gehalten werde.Star" spricht von einem entfeßlidjcn Schlachtfeld.

Hus dem Reiche, Grenzspende für die Grenz- mw Ausländs­deutschen.

Berlin, 17. Dez. (WTB.) Der Schutz­bund für GrenL- und Ausländs­deutsche veranstattete gestern abend eine Versammlung im Reichstag, bie sich zu einer erndrucksvotlen Kunvgebimg des gesamten deutschen Volles für die bedrohten Gebiete gestaltete. Der Präsident der Nationalver­sammlung, Fehrenbach, und der Vor­sitzende der preufeischen Landesversammlung. Lein ert. hielten Ansprachen. Zum Schlüsse der Versammlung wurde folgende, Entschlie­ßung unter Beifall angenommen:

Nach dem Friedensvertrag bim Ver­sailles sind in Schleswig. Osb- und West­preußen sowie in Oberschlefien viele tausende Grenzdeuisckter stimmberechtigt, die zerstreut im Reiche wohnen. Damit sie von ihrem Ab- sttmmungsrechte gemäß der im Friedensver­trage festgesetzten Normen Gebrauch machen tonnen, müssen sie die Reise ins Abstim­mungsgebiet an treten, um an ihrem Geburts­orte abstimmen. Die dadurch entstehenden Kosten aufzubringen, ist Sache des ganzen deutschen Volkes. Die Mittel sotten durch eine freiwillige Sammlung (Die Grenzsvende oes deutschen Schutzbundes für die Grenz- tritb Ausländsdeutschen) beschafft werden, um dadurch den Grenzdeutschen zu zeigen, daß das ganze Vaterland bereit ist, diese Gebiete bei Deutschland zu erhalten. Dieses Streben muß alle Deutschen ohne Unterschied der Par­tei einen. Das deutsche Volk muß seine ganze Kraft einsetzen zur Durchführung der großen politischen Aufgabe der Erhaltung der Ab­stimmungsgebiete beim Reiche."

Wann kommt das Heimstättengrsetz?

Unter dem 1. Dezember hatte der Abge­ordnete Dr. Becker (Hessen) in der Nariv- nalverfammlung die Anfrage gestellt, wie weit die Arbeiten an dem Entwürfe eines Heimstattengesetzes nunmehr ge­diehen sind. Die Regierung hat darauf nun­mehr geantwortet, Oie kommissarischen Ver­handlungen zwischen den beteiligten Mini­sterien über dieses Gesetz fänben noch im Laufe dieses Monats statt und der Gesetzent­wurf selbst werde der Nationalversammlung im Laufe oeS Monats Januar zugehen.

Ein Streit in Dortmund.

Dortmund, 16. Dez. (WTB.) Seit heute mittag 3 Uhr streifen sämtliche Ange­stellte der groben und mittleren Geschäfte imb Kaufhäuser ber Stadt.

Streik im Warenhaus Wertheim.

Berlin, 15. Dez. (WTB.) DerB. Z." Zufolge sind heute vormittag in vier Waren- bäusern der Firma A. W e r t h e i m die Haus­diener, Handwerker, Heizer und das übrige technische Personal in den Streik getreten. Es handelt sich um die Zahlung einer au feer» ordeittlichen Wirtschaftsbeihilfe von 300 Mk.

Aus dem besetzten Gebiet.

c Frankfurt a. M., 15. Dez Wie die ,.Neue Rheinische Korresponoenz" aus Höchst meldet, hat der O b e r b e s e h l s h a b e r der französisckten Rheinarmee hier die Errichtung einer Volksküche für kranke und be­dürftige Personen angrorbnet, in ber auf militcirisck>e Kosten unenlg.ltlich Suppen verabreickft tverden sollen. Die Anordnung tarn hier ebenso überraschend wie eine gleiche Verfügung in Bingen, so daß die öffent­lichen.perschasten keine Stellung nehmen konnten. Den berufenen Fürsorgestellen ist bie Einmischung der Franzosen in ihren Auf- gabenkreis durchaus nickst erwünscht. Auch die Bürgerschaft betrackstet dieses französische Geschenk", dessen Kosten Deutschland letzten- Endes doch bezahlen muß, lediglich als Mit­tel französifck-er Beeinflussung.

Köln, 16. Dez. Die .Mlnische Zei­tung" meldet aus B a d E m s vom 15.:Die französische Behörde verlangt von der Stadt den Bau einer Kaserne, der un­gefähr 3 Millionen Mark kosten würde, ohne daß sie dem Reich auf bie Besatzungskosten anzurechnen wären. Der Magistrat hat er* widert, bafe das Reich zum Bau verpflichtet sei und sogleich darauf hingewiesen, daß es der Stadt nicht möglich fei, die Kosten aufzu­bringen. Sie weigere fuß nicht, sei aber nicht in der Lage, eine solche Last zu übernehmen."

X

Deutsche Nationalversammlung.

Berlin, 16. Dez

Vizepräsident Löbe eröffnet die Sitzung um 10,25 Uhr. _

Auf die Anfrage des Abg. Tektus (Dem.) nach Hilfsmaßnahmen für die notleidenden beut* chen Londes-, Be-irks- und Gemeinde-Beamte«^ Geistlichen, Lehrern und Lehrerinnen aus Elsofe- £otbringen erwidert Unterste«lsseckretär Dr. Le* w a l b: Di? Reichsvegterung wird sofort nach Weih» nachten der Nationalversammlung ein Gesetz ju Gunsten der vertriebenen Deutschen vvrlegrn. In­zwischen ist eine ausreichende Entschädigung vor­gesehen. Ter Transport von Möbeln wird ganz, ober teilweise auf RcichsLosten übernommen. Oef- fentliche Angestellte werden im Reickrsviensl unter­gebracht werden, Lehrer von ösfenckichen ©ttftuiu gm »sw. werden staatlichen Lehrern gleichgestellt. Tie Vertriebenen werden im Siedlungsweien be­vorzugt werben. Tie Reichsreürung hofft, daß die deutschen Brüder aus Elsaß-Lotltringen erftm» nen werten, daß hier ein warmes Herz schlägt, bas Uwe Not versteht und ihnen zu Helsen bestrebt ist. (Lebhafter Beifall.)

Tie Mehrzalst bet sonstigen Anträge erledigt sich dadurch, daß bie Antragsteller, in einigem Fällen ine Regierungsvertreter, nicht anwesend sind.

Es folgt die zweite Beratung des Grindes betreffend bie

Sözialiskrung der MktrizltätSrvirtschäft.,

Abg. Krüger-Potsdam (Soz.): Eine völ­lige Sozialisierung unserer Wirisckiaft hat zur Vor­aussetzung das Bekenntnis zur Demokratie. Tte Elekttizitätsversorgung muß durch Fernleitungen aus großen zusammengesckstossenen Werkm erfol­gen, die ihren Sitz in den Kohlenrevieren ober in ber nächsten Nahe der Wasserkräfte habm müssen. Nicht politische Rück.ick.ten auf Schlag- wörier veranlassen uns, mit aller Entschiedenh'it für die Vorlage einzutreten: bie Sozialisi.'rung der Elektrizitätswirtschast ist höchste wirtschaftlich« Notwendigkeit.

Abg. Dr. Zehnter (Ztr.): Widerspruch macht sich bet ben Unternehmern geltend dagegen, daß das Reich die Verwaltung übernehmen tvilL

Abg. Falk (Dem.): Wir wollen nicht soziali­sieren lediglich um ber Sozialisierung willen. Das Monopol darf nicht als Einnahmeauelle für das Reich ausgenutzt werden, sondern wirtschaftlich un­günstig gelegene Gegenden müssen durch dasselbe einen Ausgleich erfahren. Möge das Gesetz zum engeren Zusammenschluß des Deutschen Reiches beitragen. ~

Abg. Laverenz (D.-): Trotz mancher Bedeuten hat sich ein Teil meiner Fraktion mit ber Vorlage befreundet, bet deren Beurteilung wir rein wirtschaftliche Gesichtspunkte in den Vorder­grund gerückt haben. Der größte Teü mmnaJ Freunde wrrd aber das Gesetz ablehnm. Schwere Bedeuten haben wir dagegen, bafe bn der lieber* nähme bestehender Betri'be ber Eriragsweri für die Entschädigung ausschlaggebend sem soll

Abg Dr. M a r e b k i (D.-Bp.): Wir für (htm, bafe das Gesetz einen außerordentlich schädliche Einfluß auf bie bestehende günstige vrgamsch.' Ent­wicklung der Elektrizitätswirtschaft ansü en wird.

M»g Henke (Unabfe.): Eine wirkliche Ent­eignung des Besitzes ist nur möglich, wenn das Proletariat bte politische Macht hat. Dieses Gnetz ist mir ein Brosamen, der dem Proletariat hin- genwrfen wird. Bei allen Sozialisierungsfrag2i tarnt es sich nur darum handeln, bte Aufhebung ber kapitalistischen Aus^utung herbetzu'ühn-n.

Um 1 Uhr wird dje Sitzung abgebrochen. Weiterberatung 3 Uhr.

Um 3 Uhr 5 Minuten wird die Sitzung wieder ausgenommen.

Das Elektrizitätsgesetz wird ohne weitere Aus­sprache im wesentlichen unverändert nach den AuS< schttßbeschlüssen angenommen.

Gegen den Vorschlag des Präsidenten, bie dritte Lesung sofort vorzunehmen, erhebt der Abg. Henke (Unabh.) Widerspruch.