169. Jahrgang
Donnerstag, 15. Mai 1919
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Nr. 112
Ter ilef.tner InjttgCT rrlcbrtnt tuqlicti, anker kann- und Feiertag».
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nwnntl. PIf. 1.35, viertel- iSbrli* Dlt. 4.05 durch «bäole- il Zwei stellen monatl Mk. 1.25 durch die Post Tlt. 4.0-5 viertel- jährt, ausicht. Beüellg. seniiprech • 9(nldilnf!e: lürbit Ediriftleihmfll 12 t<erl<io,Wdrf)cifieftelle51 Snldirt’lfürTrahlim^- richten: Lnieiger «iehea.
Poftschecktonio:
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ist ihr Verlust foroobl für unsere Landwirtschaft wie auch für die Battsernährung heute nach Dem lahreläugen Hunger und Qualen der Bevölkerung bei der radikalen Tezimicrung unserer Riubvirh- und Schwrimbostänte, bri tem Sxrcibfinten deS Lchßochlgewichlü des VichcS infolge der mangel- bafteii Ernährung ein überaus schwerer Schlag für bie Lebensfähigkeit tes dcutsclten Volkes. EO ist rigaroS, batz inan selbst vor dein kl ei new Milchvieh, der Ziege, der Milchkuh de- kleinen Mannes, nicht Halt macht. ?(ud) hieS soll das deutsche Volk, dem seine Kinder uttff seine Kranken wegen des geradezu ungeheuerlich^, Milchmangels in so «mtsetzlictem Mähe wcgstarben, den siegreichen Feinden abgebm, ben en es doch leichter als uns fällt, die Lucken in ihren Viehbeständen yon Uedersce wieher auszufüllen. Unsere Schasbe stände haben wir bisher zugam- ftcit der WoUerzeugnng gesclwnt, um unsere gelittenen Kleiderbestände weuigilens notdürftig wieder zu ergänzen. Fehl sollen wir auch liier über lOOOOO Schasc abgeben. Diese Viehabsorderungen würben sich als ein geradezu tödlicher Schlag für u n s e r c Volkswirtschaft erst bei Der praktischen Ausführung Der Antriebe erweisen, denn die meisten teutsrten Agrargebicte können überhaupt nichts mehr abliefern, weil ihre Viehbestände ohnehin schon so heruntergebracht sind, baß eine weitere Verminderung besonders mit Rücksicht auf die Düngerfrage eine Katastrophe für tiic Landwirtschaft erweisen würde.
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pr lange gedauert, das Elend. ist viel | zn grofi geworben, als baß an feinen Frieden der ..Wiedergutmachung" gedacht werden könnte. Um einen solchen Frieden sich zu sichern, Hal man Deutschland noch sieben Monate nach seiner Bitte um Waisen st illstanb systematisch an. gehungert und »um völligen Zusammenbruch gebracht, und gerade dadurch hat man diesen Frieden unmöglich gemacht. Je unmöglicher aber ein solcher Friede würbe, desto unmöglicher wurde die Stellung der (hitrnleführer in ihren Staaten und desto sicherer nahte auch für sie der Zusammenbruch. Je näher sie den eigenen Zusammenbruch kommen sahen, desto gründlicher suchten sie, um ihn zu vermeiden, ~.i Zu ammenbruch Deutschlands zu or^ani iercn, »it dem Ergebnis, bau sie dadurch die einzigen stützen wegrissen, an die sich die Wirtschaslliche Äukun't be4 eigenen Landes klammerte. Um das
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Roske beschuldigt, wie der Vertreter des ,'Ncw Bork Sun" aus einer Unterredung mit win feststellt, Wilson des Betruges. Er, ?oskc, habe amerikanischen Offizieren Ein- lcht in die Armeestatistik gegeben, und die -Mziere seien mit ihm darin einig gewesen, 'otz Deutschland eine- größere Armee haben Mü-ie, um anarchistische Unruhen niederzu- rbmgen. Jetzt, wo der Friedensvertrag publiziert ist, ergebe sich, daß die Stärke der dtutichen Armee nur ein Drittel der Zahl be- lragen solle, die die amerikanischen Offiziere als genügend bezeichnet hätten. Die Ameri- cner, die jetzt mit Wilson gingen, müßten sl-^ch Hause gehen und sich mit Wilson zu- ’cinmen in Schande verstecken.
Auffallend ist das merkwürdige Schwei- Len- in das sich jetzt die Staatsmänner der silente hüllen. Wären sie ihrer Sache sicher, K würden sie es wohl an Trompetenstößen N ihren „gerechten" Frieden nicht fehlen
Äbeu zu retten, suchten sie die Quellen des Lebens Hi Deririiütten. Das Ergebnis dieser Situation ist «crsailleS: die Bankrotterklärung der Entente."
Ganz recht, ober Wilson: macht er auch diese Verzweiflung mit? Die amtliche „Teutsck;e Mlgem. Ztg." schreibt: „Sollte die- er Krieg dem Völkerrecht Lebenskraft geben.
Die Psychologie -er „Sieger“.
Durch das Reich hallt nur der belle Ruf: Unannehmbar! Man weist überall die Unmöglichkeiten des Friedenswisck)es nach, aber niemand verliert s,ch in die Tcckmik des jetzt zu erwartenden Handelns und Verhandelns. Rur das Eine steht fest: Wir wollen ein Aerhandeln, kein Handeln! Die Herren siyd voll Zorn; die Köpfe beschäftigen sich nur wenig mit dem, was kommen wird, wenn die deutsche Unterschrift unter den Friedens- Vertrag verweigert wird. Aber auch für die Zähne der Gegner ist dieses Problem eine harte Ruß. Der Marschall Petain, der Frankreichs Zähne etwas schonen ivill, ist zurück- getreten, und Fach, der Draufgäriger, der ongeblich für die militärische Besetzung Deutschlands sich einsetzt, ist Sieger über Pc tain geblieben. Was haben wir zu fürchten? Warum haben die Führer der Eulente so unmäßiae Forderungen gestellt, tun sie es aus UcDcnnut ober — Verzweiflung?
Prof. Dr. Lensch, der bekannte sozial- demokraü che SchriftfteÜ?r, meint im „Tag", bie „komischen Bestien", die Sieger nämlich, handelten so wenig aus Uebermut, daß man eher darüber streiten könnte, wo die politische Ratlosigkeit größer sei, in Paris oder in Berlin. mal lang eit darf man unserer Negie- lung vorläufig noch nicht vo,werfen: es wird heute halbamtlich ausdrücklich festgestellt, daß keinerlei Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Grafen Rantzau und Scheidemann lcrrschten und daß int Kabinett Einheitlichkeit vorhanden sei. Diese Einheitlichkeit ist auch fei den europäischen Führern der Entente vorhanden, und Lensch scheint Recht zu haben, wenn er schreibt:
„So gesckieit find die Herrschaften auf der (Menfeite schließlich auch, daß sie einsehen, welch eine platte Unmöglichkeit der „Friede" ist, den sie da zusammengeschustert haben. Aber ein Lump gibt ,mefrr al- er hat, und auch die .Ententostaatsmän- mer können nicht mehr politische Eaisicht aufbrinren, iols ihre furchtbare innere Lage gestattet, sSie wissen, sie sind alle reif f ü r bie ßa t e r n e, Whn ms ihnen nicht gelingt, bie Lasten von ihren Völkern abulschieben. Der Henker stehl vor ter tlür. Unb so ergibt sich für sie folgcnbc Situation: Äe Entente bat ihren Völkern bat Sieg und die „Wie- bergutinachung" versprochen: ohne diese sichere Erwartung hätten die Nationen bas Elend be? itrtc* g S niemals ausgehalten. ?lber ber Krieg bat viel
Deutschland und der Völkerbund.
Amsterba m, 14. Mai. (Wolff.) „Daily Heralb" vom 12. Mai schreibt, scnoohl in England als in Frankreich gewinne ber Gedanke an Botetzr, baß Deutschland in ben Völkerbund sofort ausgenommen werden .solle. Ter Gedanke, daß Deutschland erst eine Probezeit durchmachen mü^e, trete immer mehr in den Hintergrund.
Eine Note des Grafen Nautzau an Tcutsch-Oesterrcickr.
Paris, 13.Mai. (Havas.) Graf Brock- dorff-Rantzau setzte mit seinen fünf Mitarbeitern eine Rote anDeutsch-Oe st erreich auf, die ein Kurier am Abend der deutsch-österreichischen Delegation überbringen wird.
Schritte beim Papst.
Limburg, 14. Mai. Der Bischof von Limburg, Dr. Kilian, sandte dem Papst ein Telegramm, worin er ihn bat, für Linderung der Fr Lebens bedingungen bei den alliierten Mächten einzutreten,
Tie Deutsch-Amerikaner.
R e w y o r f, 13. Mai. Die Deutsch-Amerikaner beginnen mit der Sendung von Lebensmitteln an ihre in Deutschland lebenden Freunde. Der erste Dampfer soll am 5. Juni abfahren. (Franks. Ztg.)
Der Viehraub.
In keinem anderen Kapitel des Friedensentwurfs von Versailles kommt die diktawrische Härte der 6ntmtemäd).e so offen zum Ausdruck wie in den an 1ms gestellten Diehabforderungen. Wir feilen 140 OOJ Milch üfc, 40 030 Jung intxr, 4000 Stiere, 15 000 Zuchtschweine, 121 OOj Sck-ose unb 10 000 Ziegen abgeöen und zwar innerhalb einer kurzen Frist, nämlich von drei Monaten nach Unterzeichnung des rieben». Waren solche Lopfmengen schon un Friede» Vvße Posten, so
Amsterdam. 13. Mai. (Wolff.) Laut „Al- gemce.i Handelsblad" meldet bie „Morning Post" au3 Paris, daß zwischen Lord Miner unb den bdgiid)en Autoritäten über bie Streitfrage bezüg lich des Mandats für Deutsch-O st afrika in ber Weise eine Einigung erzielt wurde, daß Belgien rür den Teil ber Kolonie, ber jetzt von ben belgischen Truppen besetzt ist, ein Unter» mandat erteilt wird. Diese Lösung würde jedoch in Belgien mit Entrüstung aufgenommen werden, da man sie für einen Einbruch in die Souveränität Belgiens als unabhängiges Land betrachten würde.
Italien und der Friede.
Bern, 14. Mai. (Wolfs.) Der „Corriere della Sera" richtet in säst sleliendem Tone an Frankreich die Ditte, die italienieinbticft'n Fne- densliedingungen nicht zu miterstützen, unb ersuckst Elenpnocml, die alliTemein überipannten Friedens- bedingungen auszuheben. Dieser- Fließe sei eine Höl.« lenmaschnre, bie zu einer koloßalen Mataj"hoblx führen müsse. (Sti Ki selbstverständlich, daß Italien einem Frieden nid)t zum dein könne, der b.c Hegemonie Frankreichs in Europa bebende.
Der Standpunkt res internationalen sozialistischen Ans chu.se».
Versailles, 14. Mai. (Wolfs.) Ter t n t er» nationale sozialistische Ausschuß bc- schloß in seiner gestrigen Sitzung, bem Vierer.at eine eingeh.'irde Darstellung seines Stanbpunktes über ben Friebensentwurs zu unterbreiten. Ferner veröfsentlicht ber Ausschuß in Paris eine Erklärung, in ber er bie von der Berner Konferenz im Februar 1919 ausgestellten Grundsätze über bie Fragen der Wiedergutmaclmng, bt*y Selbst- bestimmuligsrrilstes der Völker, des Militari-.mus unb ber zpolonien in Erinnerung bringt unb von ihnen aus ben FriedenSentnmrs prüf«. Die ErNä- rung stellt zuuächl't fest, bau bie Gesellschaft ber Nationen in ihrer jetzigen Form zwar der Ansaira ber mrihobisckZen Organisation eines Tauersriebens sei. daß jedoch die Weigerung, Deutschland and Rußland sofort auszunehmen, schncllmöglichsr berichtigt werden müsse, damit die Liga einen Krieg wirksam verhindern könne. Tie Begrenzung ber Rüstungen Deutschlanbs sei bie Vorbebingung sür eine allgemeine Abrüstung, gedoch werde durch bie Einschränkung des deutschen Militarismus der europäische Militarismus nicht geschwäckst. Folglich verlange die Jnternalimiale von den Alliierten die Erklärung, daß sie selbst ihre militärische Politik aufgeben unb ihre Rüstungen zu Wasser und zu Lande sofort einschränken werden. Ferner sei bie Festlegung der Grenzen aus militärischen Gründen sowie das Ueberwiegen ber strategisck»en Erwägungen in gewissen Vertragstcilen nur baju angetan, die Rüstungen fortdauern zu lassen. Tie Festsetzung ber Grenzen Polens, besten Auferstehung bie Jnternaiionale begrüße, ixr[eBe das Reckst ber Bevölkerungen, selbst zu entscheiben, wel- dh?m Staat sie angchören wollen. Tie Teilung bes deutschen Staates in znxi getrennte Teile sei gefährlich unb werde eine Quelle von Schwierigkeiten unb Unbehagen bleiben. Es sei gereckst, paß Dcutschland für bie Zerstörung der Gruben Belgiens und Fraukreick)s Entschöbigmigen leiste, jedock) seien bie Bedingungen brireffs des Saarbeckens vom Geiste kapitalistischer Ausbeutung unb Annexion ciiigegcben und bestätigen den Verdacht, baß eine Zerstückelung Deutschlands beabsichtigt werde. Tie Tatsache, daß man über die deu t s che n Kol o ni en verfüge unb Tentsch- land kein Mandat grix, werde allgemein als eine Genugtuung brtradrtet werden, welche man dem Imperialismus verschasse. Tie brutale Lösung ber Schantung frage, wo 30—40 Millionen Ehi- nesen unter japanische Herrschaft kommen, durse als offene Anerkennung des Eroberungsrechtes nicht schweigenb übergangen werden.
Urteil im Prozeß Liebknecht-Lnxemburg.
Berlin, 14. Mai. (W. B.) Nach vicrein- halbstünbiger Beratung fällte baS Gericht! folgenbes Urteil: Es wurde verurteilt ber Husar Otto Runge wegen WachtvergehenS im Felde, verachten Totschlags in Verbindung mit gefährlicher Körperverletzung unter Mißbrauch ber Dienstwaffen in zwei Fällen, in einem Fall in Tateinheit mit erschwertem Wachtvergehen im Felbe, zu zwei Jahrerr Gefängnis unb zwei Wochen Haft, sowie, vier Jahren Ehrverlust. Der angeklagte Oberleutnant Kurt Vogel wurde verurteilt • wegen erschwerten Wachkvergebens im Felde in Tateinheit mit Mißbrauch der Dienst- ßctoalt unb vorsätzlicher Falschmelbun^ zu zweiJahren unb vierMonaten Gefängnis unb Dienstentlassung. Von ber Anklage ber Dulbung strafbarer Handlungen Untergebener unb erschwerten Wachtver- gehens im Felbe, sowie bes Morbes würbe er freigefprochen. Ferner würbe verurteilt der Oberleutnant d.R. Rudolf Lieprnann wegen unbefugter Anmaßung einer Befehlsbefugnis unb Begünstigung zu sechs Wochen erschwertem Stubenarrest. Von der Anklage wegen Mordes wurde er sreigesprochen. Die übrigen Angeklagten, Ka» pitänleuhiant Horst von Pflugk - Hartung, Oberleutnant zur See Ulrich vom R i t t g e n, Leutnant zur See Heinrich Stiege, Leutnant zur See Bruno Schutze und Hauptmann Heinz von Pflugk-Hartung wurden f r e i gesprochen.
Verhaftung Lcvin^-Nissen».
München, 14. Mai. Der russische Bolschewist Levinä-Nissen, mit Dr. Levien zusammen die führende Persönlichkeit der gewesetten kommunistischen Räterepublik, wurde heute na.cht durch fünf Offiziere deS Freikorps Epp in der Wohnung eines Kunstmalers in der Schneckeizburger Straße, wo er sich versteckt hielt, verhaftet. Levins- Nisseit hatte sich völlig unkenntlich gemacht.
München, 14. Mai. Unter dem Name» Ludwig Geisenberg wohnte Levin6-Nis-i fen bei bem Kunstmaler Bodo Schmid, Sch neckenburger stta ße 20. Dort hatte er auf Empfehlung des Professors Artur Salz aus Heioeloerg unb bes Architekten Wilhelm Zimmer von Bamberg Unterkunft erhalten. Le- vinL-Nissen wollte morgen im AutomvbiL München verlassen. Zimmer erbot sich, für Levinö-Nissen falsche Ausweispapiere burch eine Mittelsperson bei ber Stabtlommanban» tur besorgen zu lassen. Davon erhielt bet Leutnant ftraufc vom „Freikorps Oberland" Kenrrtnis. Er machte ber Stadtkommanbantur Mitteilung unb veranlaßte, daß man bie.- Ausweispapiere anstanbslos hergab. Der Vermittler ber Papiere begab sich mit biesen in bie Wohnung an der Schneckenburger- straße, verfolgt von Leutnant Krauß imb einigen Soldaten. Im Atelierraum fand man Levinä-Nissen versteckt. Auf dem Booen lagen Kopf- unb Bart haare umher, die er gerade vorher mit einer Haarschneidemaschine ent* kernt hatte. Der Leutnant verhaftete Levins» Nissen zusammen mit Schmid unb Zimmer. Fn. einer kurzen Vernehmung gab LevinH- Nissen nach anfänglichem Leugnen zu, ber Gesuchte zu sein. Professor Artnr Salz wurde gleichfalls festgenommen.
Am letzten Sonntag war eine Russin, die ben Bolschewisten Spionen!):enste leistete, in ihrer Wohnung an ber Theresicnsttaße verhaftet worben. Ihre Aussagen über Le- Vinv-Nlssen sollen zu feiner Verhaftung we- {entließ beiZettagen haben.
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Die Beratungen öcs Pariserviererrater
Versailles, 14. Mai. (WTB.) Der „Demps" meldet, daß der V i e r e r r a t unter Hinzuziehung wirtsckuütrichec Sackiverständiger, daruiv- ter Loucveur und Crespi, wirtschaftliche Fragen erörterte.
Gestern nachmittag kamen Wilson, Elernencelui und Lloyd George auf die Adria-Frage zurück. Obwohl bisher ein BclMuß nicht gefaßt loii' o unb bte Frage weiter erörtert -wird, friieint f 3, baß die drei Staatsmänner gewillt sind, beit F.a.ie v°cht einem neuem Gesichtspunkte aus, .unter Be- rüdjiri'ÄiQlnig ber italieiiifdm Mehrheit in ber Stabt Frume, zu betrachten.
ßBte basselbc Blatt berichtet, ist heute im letzten Augenblick eine Wänderung rt den Maßnehmen für dir Unterbringung der österreichischen Delegation ersolit. Ter Paviilon Henry IV. wird nickst den Telegierten, sondern t>?n Ossizieren der französiscken Militärkommilüon Unterkunst gewähren, während die östecreichiscke» Delegierten in der Villa Joses 9leinad>’ und b\e übrigen Telegierten in den benachbarten Urincren Dillen unter gebracht werden können. Die Mahl eiten können entweder gememschaftlich im Pavilloia iVidiicogn oder getrennt in den einzelnen Villen eingenommen toeroen. Die ?lbfperrnnismaßnahmen scheinen nicht so sck>arf zu sein wie in Versailles. Die ursprünglichen Pläne Clcmenceau».
Versailles, 13.Mai. (Wolff.)*Herv6 erklärt in der „Victoire", die Deutschen irrten sich, wenn sie glaubten, daß der ihnen an- rbotene Friede ein Clsmenceau- riede und nicht ein Wilson-Friede fei. Ein Elemenceau-Friede würde ganz anders aussehen. Zunächst hätte er das Bismarcksche Werk vollkommen zerstört und Deutschland von der preußischen Vorherrschaft befreit. Alle von Preußen 1866 aufgesogenen norddeutschen Staaten wären wieder aufgerichtet worden; die sübdeutschen Staaten hätten ihre Freiheit innerhalb des Deutschen Bundes wieder erhalten müssen. Das ganze linke Rhein- user wäre zu einem neutralen Staat unter der Oberherrschaft Frankreichs gemacht worden. Frankreich hätte alle Brückenköpfe des Rheins von Holland bis zur Schweiz auf ewige Zeit besetzt und hätte nach 15 Jahren eine Volksabstimmung auf dem linken Rheinufer vorgenommen. Ostpreußen wäre vollkommen an Polen gefallen. Wirtschaftlich und finanziell hätte Clömenceau die volle Entschädigung und Erstattung sämtlicher Kriegskosten von Deutschland gefordert und hätte als Bürgschaft für die Durchführung der Vertragskwuscln nicht nur das Saar- bccken, sondern bad gesamte Ruhrgebiet besetzt. Dann hätten die Deutschen heulen fön» neu, baß man sie wirtschaftlich versklave. Niemanb außer C a ch i n und Lonauet nebst ihren Spießgesellen hätten sie beklagt. Tas; die Deutschen einen Clsmenceau-Friedkn nicht haben, dafür müßten sie Wilson danken.
Die Nnzufriedenheit Belgiens.
Berlin, 13. Mai. (Wolff.) Die belgische Presse vom 11. und 12. Mai steht weiter unter dem Eindruck einer vielspaltiaen Mißstimmung, die das Sctimrhcerben der Versailler Friedens- bedingungen im Lcnrde hervorruft. Bon chruoi- nistiicher Seite wird betont, das; die Zugeständnisse ter Entente nur einen Teil der gehegten Erwartungen entsprechni, ftitt 2V2 halte Belgien 20—30 Milliarden erhalten müssen. Tie Zuteilung Ostafrif-as an England bedrohe btc Zukunft tes Kv'. gvstaates aufs schwerste. Tos Refcrcridum in Malmedy sei unerhört, weil Frankreich Elsaß- Lothringen unbekben ein stecken dürfe: zudem fei ber Ausgang einer solchen Operation mehr als ungewiß, da ter preußische Terror nachwirke. Ter Völkcrbmrd rufe Enttäuschung hervor: katholische Kreise fühlen sich durch Erklärung Genfs als Vorort schwer gekränkt, sozialisttsck)e Kreise verurteilen seine Form, ba sie ben kleinen Staaten keine direkte Einwirkung gestatte. Aus dieser allgemeinen Verstimmung entwickelt sich nach unb nach eine deutliche Protest st römung gegen Amerika unb England, die halb höhnisch, hall» bitter für alles verantwortlich gemacht wertem. Tie nationalistischen Temonsttalionen gehen weiter. Tie Blätter bringen groß ausgemachte 9k» richte über eine retrospektive Ehrung ber englischen Flotte in Ostende, eine Cavell-Feier, einen Briefwechsel zwischen tem Mnristerpräsbentrn Te la Gtfoij unb Ädarschall Haig, die Ehrung eines belgischen Detachements in Amerika. Daneben wird die D e u t s ch e n h e tze sorlg?sctz:. Tie Krone des Ganzen bittet eine Straßenkundgebung der belgischen Vaterlmrdspartci in Brüssel am 11. Mai. Sie gipfelte in zwei Adressen an den König tmb an die Ententegefa.dten, wurde aber durch Gegendemo ustratümen geftört und scheint in Tätlichkeiten ausgeattet zu sein. .
lassen. Wenn, wie Lensch meint, eine bankrotter Häruna ber „Sieget" vorliegt, so brauchen wir diese nicht zu fürchten. Wir wollen nicht neuen Krieg, sondern eine Verständigung auf den uesvrünglich Wclsonschen Grundlagen. Gelirrgt Briefe nicht, dann — möge die Entente zeigen, was sie noch roifi und kann. Dann wird uns auch von der internationalen Sozialdemolratie, besonders derjenigen Frankreichs, ein deutlicheres, nich so mattes Bild, entgegenb'.icken, als es srch l)cute darbietet. , .
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o ist es jetzt die höchste, allerhöchste Zeit, sich Wilson gegen den Vertrag empört, Wilson erklärt, auf welche Weise fein •tarne in dies Doku meitt d er Schatt de gekommen, und daß Wilson vor der Welt »ekenttt, daß er selb ft gezwungen ober elbst betrogen wurde. Wilson sagte: „Mil -'m neuen Völkerrecht begeben wir uns auf unerforschte Meere." Wetrn das der Völker- bund ist, was die Bedingungen von Versailles ln ihrem zweiten Teil enthalten, so ist Wilsens neuer Gedanke nichts anderes als die rille Entente unter der falschen Flagge eines heuen Worts."
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General-Anzeiger für Oberhessen
SwlMngrrunddruck u. Verlag: vrühl'fche Univ.-Vuch- u. Steinöruderei R. Lange. Zchriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Zchulstr. 7. ®i<Ven


