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Erster Blatt 169. Jahrgang Dienstag, 14. Moder Wy
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vieteuren Schuh- und Lederpreise
In der Nationalversammlung gab es gestern eine Auseinandersetzung über eine hochwichtige Wirtschaftsfrage, an der wir alle ingleich hohem Maße interessiert sind, nämlich über die Aufhebung der Zwangswirtschaft, die im Leder- und Schuhhandel eine so ungeheure Preissteigerung zur Folge gehabt hat. Die Sozialdemokraten hatten eine Anfrage an den Reichskanzler gerichtet: „Was er zu tun gedenke?" Um das Ergebnis vorwegzunehmen : Nicht viel wird und kann geschehen. Der Neichswirtschaftsminister Schmidt, der die Anfrage beantwortete, ist anscheinend kein klarer Sprecher, trotzdem ist das, was er vorbrachte, zum Teil maßgebend, und alle anderen Redner der Parteien, mit Ausnahme der Unabhängigen, haben sich in ähnlichen Geoankengängen bewegt. Wir haben die teuren Preise im Schuhwerk, wie bei so vielem anderem, infolge unserer bösen Valuta. Um die Lederindustrie überhaupt wieder in regen Betrieb %u setzen, mußte Rohmaterial eingeführt und Fertigware ausgeführt werden. Wir mußten uns den Weltmarktpreisen anpassen und unser entwertetes Geld mußte entsprechend höher klettern. Befriedigt äußerte sich der Reichswirtschaftsminister über den Erfolg unserer Industrie auf dem Weltmärkte; es werde flott produziert, und viele Arbeitskräfte seien auf diese Weise in Deutschland beschäftigt und untergebracht. Allerdings: die Ausfuhrt'ou- trolle läßt stark zu »vünschen übrig, besonders im besetzten Gebiete. Unreeller Zwischenhandel und Schiebertum haben in oen Lederhandel eingegriffen; der Minister wlll mit erheblich verschärften Strafen vorgehen. Von den Parteirednern war es nur der Vertreter der Unabhängigen, der gegen die vorzeitige Aufbebung der Zwangswirtschaft im Lederhandel sprach. Hervorstechend ist aber die Einseitigkeit seines Standpunktes, der nicht volkswirtschaftlich begründet ist. Wir dürfen, wenn wir wieder hoch kommen wollen, doch Deutschland nicht mit einer Mauer umgeben! Zu hoffen und zu fordern bleibt freilich, daß endlich eine ausreichende Ueberwachung der Preise eingerichtet und der „Schieber" unerbittlich mit der höchsten Strafe belegt wird.
Die Hebe «iolittts.
3?r>m, 13. ORt (W.B.) Giolitti führ in seiner zum Teil gestern gemeldeten Rede fort und betont, daß der Sieg Italiens eine sichere Grenze gegeben habe und daß er die Italiener des Trentino und von Triest wieder mit dem Vaterlande vereinte. (Er fügte hinzu, daß Italien sich nunmehr den Werken des Friedens widmen müsse, um den zu befolgenden Weg zu wählen. Der Redner kommt dann auf die gewaltigen Opfer an Gut und Blut zu sprechen, die der Krieg Italien auferlegt hat. (Er erklärt, daß wenn man diese gewaltigen Opfer mit den Bedingungen vergleiche, die man Italien in dem Friedensvertrag gewähre und dagegen die glänzeir- den Vorteile sehe, die die Alliierten aus dem Vertrage ziehen, dann habe man einen Maßstab für die Verantwortlichkeit derjenigen, welche Italien in den Krieg geführt und ohne bestimmte politische, koloniale und wirtschaftliche Vereinbarungen abgeschlossen haben.
Giolitti sprach dann von den Reformen, die als Folge des Krieges sich aufdrängen. In den internationalen Beziehungen sollten in erster Linie die Garantien für den dauernden Frieden lieoen. (Ein anderer wichtiger Faktor für die Aufrechterhaltung des Friedens sei die Solidarität der internationalen Arbeiterklasse. Diese internationalen Garantien sollen mittels innerer Reformen geschaffen werden. (Es sei eine Notwendigkeit, daß in Zukunft jede Kriegserklärung der vorherigen Billigung durch das Paria- ment unterbreitet wird. Die Befugnisse der Parlamente, die alle sozialen Schichten vertreten, müßen erweitert werden, roeun man nicht einem Sowjet Vorschub leisten will, der nur die Diktatur des Proletariates kennt. Der Redner besprach darauf die wirtschaftlichen und finanziellen Reformen, die zur «« un9 bet 2taatsfinanzen notwendig sind. Italien müsse sich hauptsächlich auf die Landwirtschaft verlegen, die eine Verminderung der Einfuhr und eme ^ermehrung der Ausfuhr herbeiführen könne. Dle Industrie müsse sich im gleichen Maße wie die Landwirtschaft entwickeln. Der Redner befürwortet ebenfalls eme Umgestaltung des Unterrichtswesens, sowie Reformen für die arbeitenden Klassen. (Er ist Anhänger einer größeren Autonomie für die Pro- omzen und Städte, ebenso des Referendums. Redner glaubt, die reaktionären Tendenzen dürften nicht mehr die Oberhand gewinnen, denn nach dem Kriege würden die pnvlllgierten Klassen, die die Menschheit ins
gestürzt haben, nicht mehr allein das Schicksal der Welt lenken, sondern es sind die Völker selbst die das in Zukunft tun werden.
Die Friedenöregelung mit Dänemark.
Kopenhagen, 13. Oktober. (Wolf.) Der Minister für Schweswig, Haussen, teilte einem Vertreter von „Politiken" mit, daß der Friedensoer- trag wahrscheinlich Mitte dieser Woche in Kraft treten werde, und daß Deutschland zehn Tage nachher bas gesamte Abstimmungsgebiet in Schleswig, also die
erste und zweite Jone, geräumt haben müsse. Man rechne damit, daß die internationale Kommission Ende nächster Woche in Flensburg eintreffen und daß die Abstimmung in der ersten Jone Mitte November stattfinde. Sobald die Abstimmung stattgefunden habe, habe Dänemark das Recht, das Land sofort zu besetzen, obwohl es noch nicht dem dänischen Staate übertragen sei. Selbstverständlich werde Dänemark von diesem Recht Gebrauch machen. Auch die Abstimmung in der zweiten Zone werde beschleunigt werden. Nach dem Friedensvertrag soll sie spätestens fünf Wochen nach der Abstimmung in der ersten Zone stattgefunden haben aber er könne sagen, daß sie weit früher abgehalte werde d. h. also daß beide Abstimm-ungen vor Weihnachten vorgenommen würden. Danach werde die Kommission die Grenzlinie nach Süden festsetzen nnd toixuut das gefamte Material nach Paris senden, wo endgültig Die Entsckpeidung getroffen iverte. 91acfci)eni der Vertrag zwischen Deutschland und den Alliierten über Schleswig abgeschlossen sei, werde das Land feierlich Dänemark übergeben. Internationale konteren,; zur Unterstützung der KriegHiuvaliden.
Rom, 13. Okt. (Wolff.) Auf dem Kapitol tagte bie Dritte internationale Konferenz zurUnter- stützung der Kriegsinvaliden. (Es waren anwesend Minister, Abgeordnete und Vertreter aus Belgien, Japan, England, Griechenland, Vereinigten Staaten, Serbien, Montenegro, Frankreich und zahlreiche Geladene. Reden wurden gehalten von Bürgermeister Arpolloni, dem Minister für Pensionswesen Dacmo und dem Kriegsminister Albrici.
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Der Handel mit Australien.
Haag, 13. Oktbr. (Wolff.) Die britische Gesandtschaft macht Mitteilung von folgendem Telegramm des Generalgouverneurs von Australien an den britischen Staatssekretär für die Kolonien: Meine australische Regierung widmete der Frage des Handels mit Deutschland ihre volle Aufmerksamkeit. Sie sieht sich aber nicht imstande, an ihrem jetzigen Verhalten gegenüber den Waren, die zu mehr als 5 Prozent deutschen ober deutsch - österreichischen Ursprungs sind, Deren Einfuhr in Australien verboten ist und bleiben wird, etwas zu ändern. Verbotene Waren, die in Australien ausgeschifft werden, bleiben sofortiger Beschlagnahme unterworfen.
Ein Rätekongreü iu Rußland.
Helsi n gfo rs, 13. Okt. (Wolff.) Das Zentralkomitee für die allrussische Rätemacht beschloß mit Rücksicht auf die Räterußland drohenden Gefahren, die Einberufung des 7. Rätekongresses.
Wilsons Erkrankung.
Washington, 13. Okt. (WTB.) Reuter. In dem Halbamtticheu KraulhLitsberrcht wird bestätigt, daß der Zustand Wilsons es notwendig mache, daß er noch eine Zeitlang im Belle bleibe. Damit ist die Hofmung, daß er bald imstande sein würde, die Pflichten der Präsidentschaft wieder aufzunehmen, hmMig. Im Lande wurde durch einen Brief an die Zeitungen Aufsehen verursacht, der angeblich an Senatoren geschrieben wurde und in dem erklärt wiro, daß der Präsident an einer krankhaften Veränderung des Gehirns leide, was eine leichte Gesichtslähmung zur Folge gehabt hätte und daß er kaum imstande sein würde, in irgendeiner Hinsicht wesentliches zu leisten. — Die Lage wird viel besprochen, da die Verfassung zwar anordnet, daß im Falle der Unfähigkeit des Präsidenten der Vizepräsident das Amt übernimmt, aber für eine solche Maßregel bisher kein Präzedenzfall besteht.
An- Sein Reiche.
Die Regierungskrise in Bayern.
München, 13. Okt. (Wolff.) Die gestern hier tagende sozialdemokratische Landes- k 0 n f e r e n z, die sich mit Der bayerischen Regierungskrise befaßte nahm einstimmig eine Entschließung an, in Der sie zum AusDruck bringt, Daß sie angesichts der für den Winter zu erwartenden Schwierigkeiten die Verantwortung nicht dafür übernehmen könne, daß durch den Slustriti der Vertreter ihrer Partei aus der Regierung das Land aufs neue schwersten Erschütterungen ausgesetzt wird und die politischen, kulturellen und sozialen Errungenschaften der Revolution gefährdet werden. Die Regierungskrise scheint sonach beigelegt zu sein.
Der zweite Geiselmordprozeß.
München, 13. Okt. (Wolff.) Dor dem Münchener Volksgericht begann heute der zweite Gei- elmordprozeß. Angeklagt sind der Kellner Luitpold Debus, der Tagelöhner Rudolf Greiner, der Hilfsarbeiter Alois Kammer st älter und der rusti- che Staatsangehörige und Student Andreas Kreien ko. Die Drei letzten stehen unter der Anklage, gemeinschaftlich mit anderen, vorsätzlich Menschen getötet und Die Tötung mit Ueberlegung ausgeführt zu haben.
Die Bewirtschaftung des. Hafers.
Berlin, 13. Okt. (Wolff.) Das durch Verordnung vom 1. September 1019 (lUeichs-Cesetzbl. 5.1495) erla,sene Verbot Des Ausdrusches von Hafer endet mit Dem 15. Oktober. Eine Verlängerung Des Verbots ist nicht beabsichtigt. Dagegen werden Die Kommunaiverbände angewiesen, zur Sicherung der Ablieferung Der ausgeschriebenen Pflichtmengen Die zur Unterstützung Des Druschverbots bereits erlassenen
Ausfuhrverbote für Hafer zu verlängern, ober neue Ausfuhrverbote zu erlassen, soweit solche bisher noch nicht bestehen. Diese Ausfuhrverbote werben erst aufgehoben, wenn ber einzelne Kommunalverband einen erheblichen Prozentsatz ber auf ihn entfallen- ben Haferumlage - minbeftens bie Hälfte - erfüllt hahrn wird. Die Vorschrift, baß ber Bahntransport von Hafer nur mit Genehmigung Des zuständigen KommunalverdanDes erfolgen Darf, wirb auf weiteres aufrechterhalten; gleichzeitig ist ber Zeitpunkt, zu bem 25 Prozent ber Lieferungs- umlage erfüllt sein muß, auf ben 1. Dezember festgesetzt; bei ber Festsetzung, baß 50 Prozent bis zum l.Ianuar geliefert fein müssen, behält es sein Bewenden. Die Kommunalverbände sind angewiesen, gegen diejenigen Landwirte, die bis zum 1. Dezember nicht 25 Prozent und bis zum 1. Januar 50 Prozent Der Haferumlage abgeliefert haben, sofort mit ben Enteignungs- unb Strafvorschriften ber Reichsgetreibeordnung vorzugehen. Ausnahmen von den Ausfuhr- ober Transportverboten werben von ben Kommunalverbänden allgemein zugelassen für Lieferungen an Die Reich'sgetreidestelle, für andere Lieferungen nur, wenn ber Absenber bie auf ihn entfaflenbe Pflichtmenge an Hafer erfüllte. Weitere Ausnahmen Dürfen nur mit Zustimmung ber Reichs« getreibefteUe in bringenben Fällen zur Verhütung von Futternot in lanbwirtfchaftlichen ober anberen volkswirtschaftlich wichtigen Betrieben genehmigt werben.
Vom Reichsveidand der Deutschen Presse.
Aschaffenburg, 12. Okt. (Wolff.) Tie delegierlenDcrfammlimg des Reichsverbandes der Deutschen Presse füirrte am ersten Tage ihrer Aschaffenburger Tagung die Neuordnung der Satzungen des Verbandes auf der im FrüHach' in Berlin geschaffenen Grundlage zu Ende. Im Lause der Verhandlungen kam einmütig der feste Wille zum Ausdruck, der Organisation eine solchd Stoßkraft zu geben, daß die wichtigsten Garantien und wirtschaftlichen Interessen der deutschen Jvurna- listen gegen alle Widerstände in gewerkschaftticher Art durchgesetzt werden. Am zweiten Sitzungstage werden die Besolduncpsfragen behandelt werden.
Aus dem besetzten Gebiet.
Em Mord in Ludwigshafen.
Lnowigs Hafen, 13. OKI. (Wolff.) Gestern abenb gegen 11 Uhr erschossen 5 französische Sol- baten Die 17 Jahre alte Katharina Arn 0 lD aus Frankenthal ohne jeDen Anlaß, als sie sich mit einigen Freunbinnen unb zwei jungen Leuten auf bem Weg zum Bahnhof befand. Die Soldaten wurden später von der ftanzösischen Kriminalpolizei verhaftet.
Der Landrat des Kreises Saarlouis.
Saarlouis, 12. Okt. (Wolff.) Die Wahl des ftanzösischen Leutnants Serbien zum ßanbrat des Kreises Saarlouis, Die vorn Kreistag auf Veranlassung untergeordneter militärischer Organe getätigt wurde, ist laut »Neue Rheinische Korrespondenz" vorn General Andlauer, bem obersten Verwalter des Saargebietes, ber ber Volksstimmung Rechnung zu tragen gezwungen war, nicht bestätigt worben.
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—, Mainz, 10. Okt. Tie Franzosen erwarben die alte Münsterkirche, die bisher zu evangelischen Gottesdiensten benutzt wurde, unb richteten ik als katholische Kirche ein.
Sine Kundgebung der Eisenbahner in Zranksuri a. Main.
Frankfurt a. M., den 13. Oktober.
Jur (Erlangung ber Teilnahme an ben Präsidialsitzungen und Des Mitbestimmungsrechtes bei diesen Zusammenkünften fand heute Nachmtttag vor ber Eisenbahn-Direktton eine Kunbgebung Der Arbeiter aus sämtlichen Eisenbahnbetrieben Groß-Frankfurts statt. Um 2 Uhr zogen von allen Werkstätten Die Arbeiter massen nach Der (Eisenbahnbirektion. Hier stellten sich die Arbeiter unter ben Rufen: „(Es lebe ber alte Präsibent Reuleaux" und „Nieder mit Dem neuen Präsidenten Stop ff!" vor bem Direkttonsgebäude äuf. (Einn 40gliebrige Kommission begab sich in bas Ge- bäube, um mit Dem Präsidenten persönlich über bie Forberungen ber Arbeiterschaft zu verhanbeln. Die Menge zwang ihn, währenb ber Verhandlungen auf Dem Balkon zu erscheinen. (Er erklärte in einer längeren, von vielfach stürmischen Zurufen unter« brochene» Rede, baß er Den Forberungen ber Arbeiter sympattsch gegenüberstehe, baß Deren Erreichung aber von Den Entscheidungen Des Ministeriums unb ber Nationalversammlung abhängig sei. Die Verhanblungen wurden daraus im Gebäude fortgesetzt, indessen drangen große Ar- beiterscharen in das Gebäude ein und pflanzten auf bem Balkon bie rote Fahne auf. Nach etwa ein» stündigen Verhandlungen erschien der Präsides mit Der Kommission wiederum auf dem Balkon und teilte mit, daß er bie Forberungen der Arbeiter bewilligt habe. Die übrigen Entscheidungen hmgen von bem Ministerium ab. (Ein Mitglied Der Kommission erklärte sodann, daß er an Den Präsidenten, nachdem die Arbeiterschaft ihm ein Mißtrauensvotum gegeben hätten, Die AufforDerung zum Rücktrtt gestellt habe. Er hoffe, daß ber Präsident diese Forderung respektieren werde. Da er gesehen habe, baß Die Macht ber Arbeiter starker sei als Die ber Verwaltung unD baß bie Arbeiter Die Macht unb Kraftprobe bestauben hätten. Die Forberung zum Rücktritt bes PrasiDenten werbe in einer neuen Massenversammlung ber Menge unterbreitet.
Deutsche Nationalversammlung.
Berlin, 13. Oktober.
Am Ministertrsch^ Schmidt.
Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung um 1.25 Uhr.
Ter Gesetzentwurs bell. Aendertmg des Gesetzes über das Branntweinmonopol >vird,an den 6. Mrsschuß verwiesen. Es folgt die Beratung der Steigerung der Päute, des LederS, der Schuh- iuaren usw. infolge der Aufhebung der Zwangs- wirtsäwft.
Abg. B c ck e r < Oppeln (Soz.) begrünbet die Interpellation. TaS Reichswirtschaftsaint habe die Stellen der Verwertuugsgeiellschajtcu mit Nicht-- sachleuten besetzt. Ganze llßaggonladungen gingen über die Grenze. Den Polen leien in der Zeit der polnischen Aufstänbe in Oberschlesien Tornister, Helme unb Patronentaschen geliefert worben. Die Ausfuhrgenehmigung müsse zentralisiert werden.
Minister Schmidt: Wir haben gewußt, daß die Ausl)ebuug der Zwrngswirischast die Preise steigern würde. Dennoch läßt suh für die rreic Beivirtschastung des Leders eine Hüühe von stichhaltigen Grünoeit an führen. Früher wurden -,3 unseres Bedarfs an Leder uno Fellen durch die Giufuhr gedeckt, der Schuhwarrn speziell 50 Proz. Im Kriege wurde Die Einfuhr unterbimben, der Bedarf aber entsprecheno eingeschränkt. Die ZwMigswinschait konnte die Fabriken fast über* Haupt nicht mehr beliefern. Die Schuhwaretrfäbri'' tanten stellten sich im großen und ganzen auf den Standpuirkt, daß der freie Vertehc für sie helfet sei; .wenn -,3 des Bedarfs an £>äiiten und Fellen durch Einfuhr gedeckt werden müsse, so müsse die Einfuhr freigegeben iuerben. Dann mußte aber Der Preis für inländische Häute und Felle auch steigen. Die Hauptsache war auch, erstmals bie Pro- buhtion zu fördern, zumal bie Probuktton auch für ben Export in Frage kommt. Die Probuktton ist gesteigert worben. Wir haben erlaubt, baß bie Einführer von Fellen unb Häuten 75 Prozent davon in Leber roieber ausführen bürfen. Die Kontrolle ber Grenzen ist im Osten unb Westen sehr schwierig, zu- mal wir von ber (Entente immer noch nicht erreichten, baß wir im Westen ber alten Zollgrenze eine scharf« Hrmtrolle einrichten können. Wir müssen auch- oedy neu mit dem Widerstand in Arbeiterkreijen und Äommivnen im Westen gegen eine Aendcrung des aeg-enwärtigen Zustandes des fnerat Verkehrs. % Konjunkturgewinne müssen dioett an die Industrie gehen zur Beschaffung ton einigermaßen prus- wertem Schuhwerk. Die Aufträge aus dem Auck- lcmde für unsere Fabrikation sind unbegrenzt. Wenn sich tnc Expvrtindusllie fo hebt, w spielt der hohe Preis des Leders dabtt kaum eure Rstbe. Andererseits steigen dadurch^ auch die Lökn:. Dir Schuhinbusttie steht sich bei Dem freien Verkehr nicht schlechter als bei ber Zwangswirtschaft. Wie Die Dinge liegen ist es nicht zu verhmDem, Daß bet Preis für Schuhmaren ein einheitlich hoher ist. Die Tuchverorbnuugen sind natürlich auch hier anwendbar. Es würde sich nicht empfehlen, zur Zwangswirtschaft zurückzukehren. ••
Tie Besprechung der Interpellation wird verbunden mit dem! Bericht des dlusschusses für Bottswirtschaft über Die- Notftcurdsocrwrgung mft Ober-- und llnterlleidung und Schühwerk sowie Den 91b» bau der Zwangswirtschaft auf dem Gebiete der Textllitrdustric und der Berattotg des Antrages Ablaß (Dem.) bett, planmäßigen Abbau der Zwangswirtschaft für Erzeugnisse der Landwirtschaft sowie endlich weiterer Anträge, die Zwangswirtschaft betreffend.
Präsibent Fehrenbach künbigt an, baß es nötig sein wirb, zwei Rebner jeher Partei hierzu zum Worte kommen zu lasten unb baß bei Der Fülle bes vorliegenden Materials bie Hoffnung auf eine mehrwöchige Pause vom 25. b. Mts. ab immer mehr schwinbe.
Abg. Bergmann (I.): Auslänbische unb inländische Waren können nicht auseinander gehalten werben. Die Fabrikanten mögen ben Bogen nicht zu straff spannen, aber zu einer Zwangswirtschaft können wir nicht zurückkehren.
Abg. Herrmann (Dem.): Die hochwichtige Frage ber Zwangswirtschaft scheint im Hause kein großes Interesse zu finben. Das von uns ausgeführte hochwertige Leber hebt unsere Valuta. Der Schwerpunkt ber Versorgung mit preiswertem Schuhwerk muß in Die Gemeinden verlegt werben.
Abg. Wetzlich (Deutschnat): Es ist kein Fehler gewesen, die Zwangswirtt'chast auszuhebeu, denn Die Interessen der Allgemeinheit habsr die Aufhebung gefordert.
Abg. Dr. Hugo (D. Vpt.): Die viel zu spät aufgehobeire Zwangswirtschaft hat künstlich jedes wirtsctzafttiche Ausleben verhindert, nicht nur bei bem Leder, sondern auch in der Textilbranchc, bei Gummr usw. (Zwischenruf des Abg. Wissel). Tie Lederrnduittie ist gezwungen, die Verarbeitung des derben Ledsrs auizugeben, weil nur glänzend aussehende Luxusware verlangt wird. Zur Not- standsoersorgung sollte nur derbes Schuhzeug H6- jeftellt werden.
Abg. Simon-Franken (Unabh.): Die Aufhebung ber Zwangswirtschaft soll von Interessenten gefordert worben sein, benen durch bie Aufhebung bie Tausend- markscheine in bie Tasche flogen. Wir müssen wissen, baß wir bei ber Knappheit bes Materials auf bem Weltmarkt nicht auf große Einfuhr von Häuten unb Fellen rechnen können, außer zu ganz enormen Preisen. Die freie Wirtschaft ist ein Segen für Die, bie babei laufenbe unb Millionen verdienen, für bas Volk ist sie ein Fluch. (Der Rebner wird im Lause einer sehr ausführlichen Ausführungen vom Präsidenten Fehrenbach Darauf aufmerksam gemacht, Daß er bereits über eine Stunde spricht.) Wir waren mit Wissels Planwirschaft nicht einverstanden. Sie war uns zu bureaukratisch, aber jetzt sind wir in einem Chaos, in bem eine Hanb voll Leute hunberte Mil lionen verbient hat, vielleicht Müliarben.
Hierauf vertagt sich Das 5aus. Weiterberattn morgen 1 Uhr. Auf ber Tagesordnung stehe, fragen. Schluß ‘/t6 llhc.


