Ausgabe 
14.6.1919
 
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Samstag, 14. Juni 1919

Erstes Blatt

169. Jahrgang

^1914

dem gut und heilig war. Mir haben oieser

IwidrndenvrrtMnz Tage einen unserer berühmtesten Scelp dir fiaUgchmdne M k«j)itänleutnant v. Mücke, als Gast

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Eine Ministcrkonferenz der Einzelstanten.

mit der Rcichsrcgiemug über die Alstwort

Fünf Punkte des amerikanischen Senates.

buudä müh oöne Präjudiz eine diplomatische

sorbnunq. I pro 1918.

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genommen sein als der quälende der sich zu unserer Niederlage ge­eist nun unsere innere Politik, die der Parteien, nicht gerade ein be- Element. Es ist so viel vom Sklw-

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Entente zu l>craten.

Die Frage der Kolonien.

entrinnen mühten, und doch haben wir uns im Unglück und in der Verlotterung unseres Volkslebens selbst ärger in jenes geistige und sittliä>c Sklaventum verstrickt, das die En­tente als unser Teil uns zuwciscn möchte. Dem bkttclhaften Leben, das wir führen, ist der Stolz abhanden gekommen, das Gefühl für Wahrheit und Selbstachtung abgetötet worden. Wie wir nicht einmal recht wissen, unter wel- dien Farben unser Reich steht, so ist auch un­ter einer alles Streben der Vergangenheit ne-

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nehm bar sein.

3. Der Friedensvertrag must vom Völkcr-

ÄhuaQtnt von Ihijugett f. die Tngesnummer dis »um Nachmittag vorder ol)ite jcbc'üe vbmbl iebfe it* preis für l mm höhe für Anzeigenv 34mm(weite örtlich 15 pi , auswärts 18 Pf., für IHetlame- anzeigen von 70 tnm hielte 48 Pf. Bei Platz- Dovid)rift20°/fnui1d)(afl. Hauvhchrutleiter: Aug. tooet). Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; für den Anzergented: H. Beck; fämtltd) in Gießen

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Kommission gesetzt werden bis zu dem Zeitpunkt, wo der Völkerbund gründlich durchbcraten werden1 kann.

4. Die drei oben erwähnten Einschränkungen bezwecken, den tatsächlichen Friedensschluß zu er­leichtern. Sie werden keinen Einfluß auf den Völkerbund haben, der einer späteren Beratung überlassen wird. _

f>. Der Senat spricht sich für eine Erklärung der Vereinigten Staaten aus, daß jede Kombi­nation von europäischen M ä ch t e n, die geeignet ist, den Frieden der Welt zu bedrohen, auch für die Vereinigten Staaten eine ernste Be­sorgnis erwecken würde und daß die Ber­einigten Staaten in einem _ solchen Falle entsprechende Schritte tun würden, um zu verhindern, daß sie in einen neuen Weltkrieg ver­wickelt werden. Nach einer Neutermeldung aus Washington ist die Resolution von Knox als die offizielle Mitteilung an die Friedenskonferenz ge­dacht, daß der Senat gegen die Rachizierimg des Friedcnsvertrages in der jetzigen Form opponieren werde.

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brntum die Rede, dem wir um jeden Preis

Verschiebung der Ententecmtwort.

Japans Eintritt in den Viererrat.

Versailles, 13. Juni. (Wolff.) Seit gestern nimmt Marino als Vertreter Japans wieder an bett Beratungen des Viererrates teil. Tie Zulassung Makinos bezweckt vor allem, et­waige Proteste Japans unmöglich zu machen und,Nniyork Herald" zufolge, Japans Anteilnahme an allen Aktionen, iveldfc im Falle, -. -- y v-----------,, .

der Nickchmterzeichnung TeutAüands imtrawuu I bwnd losgelostz und^an Die Stelle ^es^Volkr- meu werden müßten, licherzustcllKt, I f *3 "'-4 - "

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I Schuld am Weltkriege auf unsere Schultern nehmen wollten. Wie ein Teil unseres Volkes das Reich vor dem Kriege im Ausland dis­kreditiert hat, darüber weiß freilich auch der rühere Reichskanzler ein Lied zu singen. An mehreren Stellen seines Buches spricht er mit Bitterkeit von den politischen Aus­schreitungen der Rechten wie der Linken, und es ist bemerkenswert, daß er gleich im Anfang seiner Betrachtungen den sozialdemo­kratischen und ^Akratischen Zeitungen vor­hält, wie sie duM^nhre leidenschaftlichen Dar­stellungen der allgemeinen Rückständigkeit unserer von einer angeblich allmächtigen Junkerkaste abhängigen Verhältnisse draußen ganz irrige Vorstellungen erweckt hätten. So gut aus diesen, fährt Bethmann-Hollweg wörtlich fort, wie aus alldeutschen Quellen habe die Haß- und Verachtungspropaganda unserer Feinde ergiebig geschöpft. Während am Wclthorizont die Gewitterwolken sich immer düsterer zusammenballten, lastete auf dem politischen Leben Deutschlands ein fast unerklärlicher Druck. Herr von Bethmann- Hollweg weiß mit sehr beredten Worten den Mangel an politischer Selbstzufriedenheit ; darzustellen, der unsere wirtschaftlichen Er- . folge und unsere sozialpolitischen Fortschritte 1 leider immer begleitet habe. Der enge Ge- 1 sichtSkreis der hadernden Parteien, maugeln- . der politischer Instinkt, waren ebenfalls - daran schuld, daß das Ausland immer mehr = ins deutschfeindliche Fahrwasser sich verstieg. - Herr von Bethmann-Hollweg rückt besonders

Wochenrückblick.

Bei sehr vielen Deutschen ist die Sehn­sucht, endlich wieder herauszukommen aus bet Gefängnisluft dergeistigen Verdamm­nis, in die uns der Völkerbund unsereü Feinde verbannt hat, noch größer als Wunsch rnb Erwartung, sich demnächst wieder richtig sott essen zu können. Neben der durch die ylockade bewirkten körperlichen Mager­keit, die in unserem Volke überall scharf her- wrtritt, steht auch eine Einschnürung des ethi- scktzm Selbstbewußtseins, die traurige Last, daß der Fluch eines großen Teiles der zivilisier­ten Menschheit auf uns ruht. Wir gehen mit raschen Schritten dem Frieden entgegen; vielleicht wird die äußerste Nahrungsnot eher

Amsterdam, 13. Juni. (WTB.) In der Times" saßt der Neuporker K'orrespmident die fünf Bedingungen der Resolution bc5 Senators Knox, worunter allein der Friedensvertrag für den ^enat der Vereinigten Staaten annehmbar fein würde, folgendermaßen zusammen:

1. Tie Vereinigten Staaten zogen in den Krieg, um gegen die Beleidigungen, die von Deutschland der amerikanischen Regierung <uv getan wurden, aufzutreten. Tas einzige Ziel der amerikanischen Regierung beim Friedensschluß ist der Zweck, üurchz-usetzM, waS die Vereinigten -L-'.aa- ten zur Teilnahme am Kriege veranlaßte

2. Kein Frieds, der auf Abänderung der Ver­fassung der Vereinigten Staaten hi nauslau st, würde für den Senat der Vereinigten Staaten an-

Makino hat also seinen Willen durchgesetzt und die Aufnahme erzwungen. Damit hängt die neuerliche Verschiebung d e r Entente­antwort an die deutsche Friebensdelegativn zu­sammen. Ter Vertrag muß nun in Gegenwart des Japaners von neuem beraten werden. Eine lieber» mitllung der 'Slntwort istvvrSamstagNacht nicht mehr zu erwarten.

Jedoch spricht alles dafür, daß sie erst am Montag hier cinläuft.. Sehr merkwürdig ist, daß die französische Presse vom Eintritte Makinos übcr- imupt keine Mitteilung bringt. Tie Meldung wird einzig und allein durch dieChicago Tribüne" verbreitet. TreTägl. Rundschau" nimmt an, daß Japan auf diese Beteiligung erst so großen Wert gelegt hat, als die Entente bat russischen Admiral K o l t s ch a k aucrlaitnte. .

TerMetin" inclb.t: Wtlson und Lloyd George ivcrden sich nach der Ueberrrichung der Antwort der Alliierten einige Tage entfernen. Orlando reifte gestern abend nach Rom ab, weil seine Anwesenheit in Italien infolge bei be- vorswharden Wiedereröffnung der Kamrner, welche sofort die für die Regierung gefährliche Tebatte über die Arbeiten der Pariser Konferenz beginnen will, sowie infolge der Aus stände in Italien die Notwendigkeit, den Postai des Verpflegungs­ministers neu zu besetzen, dringend erforderlich wurde.

Der HavaSbericht.

Paris, 13. Juni. Hadas meldet über die diplomatische Lage: Die vier Regierungsführer beschäftigten sich mit der Beendigung der Ant­wort der 9t 11 i i e r t e n aus d ie deutschen Gegenvorschläge. Sie prüften zuerst beson­ders das Kapitel bezüglich der Wiedergut­machungen und wiesen die deutschen Einwände zurück. Bezüglich der wirtschaftlichem Einwände wurde eine Revisionskommission von vier Man- neni, ein Mitglied für jede Großmacht, für die Revision des Textes bestimmt. Tardieu wird hier Frankreich vertreten. Der ziemlich lange Text, der ungeiähr 50 Seiten umfaßt, wird Samstag abend oder spätestens M o nt a g, der deut­schen Delegation übergeben werden. Es ist möglich, daß er in Extenso veröffentlicht werden wird. Es ist nur noch eine kleine Anzahl von Fragen zu erledigen, namentlich die Frage der Frist, die bett I Deutschen gegeben werden soll für die Unterzeich­nung des Vertrages.

P a r i ö , 13. Statt. (WTB.) Havas. Elemen- ce.au, Wilson, Lloyd George und Sonnino anstelle Orlandos arbeiteten morgens und nachmittags die Antwort auf die deutschen Gegenvorschläge aus. (Sie überreichten der Kommission für Vertragsrevi­sion, welche aus Tardieu, Wilson, Cervanutelli inti) Samuri zusammengesetzt ist, von 18 Berichten be­reits '9. Die Antwort der Entente dürste am Sonn­tag übend oder am Montag früh überreicht werden. Die Deutschen erhalten 8 Tage Zeit für ihre Ant­wort.

(knetaloerfammlng gierenden und zersetzenden Volksregierung ;u MMitglieder fteM aller sonstige Glanz und Schlimmer verloren Begangen. An vielen treuen Herzen nagt diese hnödc Hast, alles wegzuwerfen, was uns vor-

trgütf ab

lebe 6nbt 1918

8 Tage lang, von 15. it der 3ntaefienttn af Iftn.

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Rtd)ner: Der Kontroll Ker XII. H.

Berlin, 13. Juni. (WTB.1 Laut Pol. Pail.-Rachrichiten sind die führenden Minister der Einzelstaaten telegraphisch nach Weimar berufen worben und zum Teil auch bereits riitgctroffen,

Deutschland soll sein h»vtes Geschick zu touti Zehntel verdient haben, so sagte dieser ^eise und gerechte Richter. Dann wäre auch t h m a n n - H o l l w e g ein politischer Un- Md, ein mörderischer Staatsverbrecher. Aber ^ist es nicht. Wohl mag er politische Fehler boegangen Haber». SeineBetrachtungen zum «Weltkrieg" (Reimar Hobbings Verlag) führen mt eine Atmosphäre, wo deutsche Schuld nicht M finden ist. Und doch hat er Blatt für Matt der politischen Entwicklung seit 1909 Ilvrgsam gewendet und geprüft.

Aus diesen Blättern schaut uns, wie Ms den Erzählungen des Kapitänleutnants Mücke, auck das alte Deutschland noch einmal fragend an. Man mag zu Bethmann- Hollweg politisch stehen wie man will

Ueberzeugung festigt sich, daß es eine Wahnidee ist, wenn wir unter dem Druck der ^klagen ringsum den größten Teil der

die mit gleicher Hingebung und Begeiste­rung die Sache des Vaterlandes verfochten? Ihre Leistungen galten einer großen Sache, die auch heute an ihrer Heiligkeit noch nicht das mindeste eingebüßt hat. Das dürfen wir auch bei den Friedensverhandlungen dem Feinde getrost zurufen, der den blecher­nen Heiligenschein Wllsonscher Völker­beglückung nicht ewig wird herumtra­gen wollen und in dessen Reihen es viele geben mag, die der auch drüben herr­schenden geistigen Gefängnisluft ent­rückt sein möchten. Der bisherige Verlauf des sozialdemokratischen Partei- , toges in Weimar hat uns alle diese lieber» * lkgungen nur noch näher gerückt. Auch dieser Parteitag war sich-, als er der Rede N o s k e s lauten Beifall zollte, in seinem dunkeln I Drange wohlbewußt, daß der deutschen Ar- ' beiterschaft früher und auch zuletzt noch ein zu geringes Maß von deutschem National­bewußtsein innewohnte. Die Nebel sind ja gefallen, und wir sehen überall in der Well vorwiegend die nationalen Kräfte bei der Arbeit. Unter den (an^fam Erwachenden gab es freilich wieder einen Menschen wie Eduard Bernstein, der sich nicht da­ran genügen ließ, das eigene Parteii- nest zu beschmutzen, sondern gleich das ganze Deutschland den Stockhieben der Fremden hinhiell. Unglaublich, daß es einem einzelnen, Einzigen Menschen, einem Narren, Vorbe­halten sein kann, ähnlichen Schaden anzurich- ten, wie ihn häufig Millionen gefräßiger Kaupen und Schmarotzer an schönen Wal­dungen hervorbringen...

die wachsende deutsch-englische Span­nung und die Versuche ihrer Beseitigung in den Vordergrund. An der Revanche-Politik Frankreichs war nichts zu ändern, das im Februar 1914 offenkundig gewordene russische Programm lief auf den Krieg hinaus. Die maßgebenden Instanzen in Petersburg waren sich darin einig geworden, daß der Kamvf um Konstanttnopel nur in einem euro­päischen Kriege möglich sei. In dem von den Bolschewiki veröffentlichten Beratungs­protokoll steht der SassVniows Politik -jkhwer I belastende Satz:Einen günstigen Boden da­für vorzubereiten (nämlich für die inter­nationale Auseinandersetzung) bildet gegen­wärtig die Ausgabe der zielbewußten Arbeit des Ministeriums des Aeußern in dieser Frage."

Wie England immer tiefer in viese Politik der Einkreisung und des Weltkrieges hineingetrieben wurde, geht aus dem Ergeb­nis der von Bethmann-Hollweg gesuchten und mit Eifer betriebenen Verständigungsversuche hervor. Deutschland wollte den Antagonismus zwischen den bestehenden Mächtegruppen ab­schwächen, am liebsten beseitigen. England wehrte sich gegen die entsprechende Vertrags­formel: ;,(5id} mit uns verständigen, hieß Frankreich und Rußland die Ueberzeugung nehmen, daß sie bei einer Deutschland feind­lichen Politik' noch auf Englands Beistand rechnen könnten." So vergrößerte sich die Ge­fahr für Deutschland immer mehr, und die Bausteine für oen Weltkrieg wurden von un­seren feindseligen Nachbarn bei der Marokko­krisis, bei der Tripolis-Aktion und bei den Balkankämpfen immer eifriger herange­schleppt und in Stellung gebracht.

Der Schicksalsfrage war nicht auszubie­gen. Herr v. Bethmann-Hollweg meint,kein deutscher Staatsmann wäre fähig gewesen, das Ruder ganz herumzuwerfen, wenn er sei­nem Volke nicht die für Menschen erreichbare Sicherheit bieten konnte, daß die großen Welt­gegensätze, in die Deutschland geraten war, nicht mit dem Schwerte, sondern durch fried­liche Verständigung ausgetragen werden wür­den." So waren die Flotten- und die Orient­politik Deutschlands unvermeidlich.

So ist auch deutsches Heldentum während des Krieges entstanden undunvermeidlich gewesen". Wir brauchen vor der Menschheit keine Scham zu empfinden ausgenommen die letzten Monate beim Bethmann-Holl­weg hat wahrlich recht:Kein großer Mensch­heitsgedanke hat die Politik der Kabinette bestimmt." Der frühere Kanzler, in Vielem so unähnlich dem Helden von derAyesha", kommt doch ungefähr zu dem gleichen Er­gebnis wie dieser, und er sagt es im Schluß­satz seines Buches:Daß der Geist, der unser Volk zu Heldeillum befähigte, nicht zu Tode gehen, sondern dermaleinst aus der Nacht inneren und äußeren Verhängnisses wieder zum Lichte führen wird."

Berlin, 13. Jimi. (WTB.) Zur kolonialen Frage liegt eine Reutermeldung vor, wonach sogar der Eventualvorschlag Deutschlands, ihm wenig­stens ein Mandat über seine Kolonien im Rahmen des Völkerbundes zu übergeben, von den Alliierten abgelehnt sein soll. Hierzu erklärt das Reichskolonialministeriilin auf An­frage : Wir möchten vorläufig glauben, daß es sich auch hier nur um einen der bekannten Einschüchtc- rungsversnche handelt, bei dem der hohe Ernst der Lage in Europa doch stark verkannt wird. Wirb nicht bald ein Verständignngs- friebe erzielt, dann treibt die Entwicklung der Dinge in Europa fraglos zum Chaos. Wir können deshalb nicht annehmen, daß die Entente die Lage frivolerwcise noch dadurch verschärfen will, daß sie durch halsstarrige Unnachgiebigkeit in dem kolonialen Punkte, der für sie bei ihrem Kolonial- rcichtmn verhältnismäßig eine untergeordnete Be­deutung hat, während er für uns eine Lebensfrage barstellt, einen Ausgleich zum Scheitern bringt.

Rückkehr der deutschen Krregsfchiff- besatzungcn.

Kiel, 13. «Juni. Unsere Schiffsbesatzungen von Scapa Flow iu-erben nunmehr heim keh­ren. Zwei Dampfer für ihre Heimbeförderung verlassen dieser Tage Emden.

Türkische Delegierte.

Versailles, 12. Juni. (WTB.) Der Temps" meldet: Bier türtifd^e Delegierte aus Toulon kommend, trafen in Vaucresson ein, wo sie vom Vertreter des Ministers des Aeußern, Mo­tille, von Oberst Henry, mehreren alliierten Ofti- zieren und zwei Marineoffizieren, welche die Ver­bindung mit den türkischen Offizieren aufrecht- erhalten sollen, empfangen wurden. Sofort nach den Vorstellungen auf dem Bahnhof Vaucresson wurden die türkischen Delegierten in Automobilen zur Villa La Vaucressoniere gebracht.

Unruhen in Italien.

Bern, 13. Juni. (WTB.) Tie allgemeine Unzn fried en hei t in Italien, Jbic immer deutlicher in Erscheinung tritt, und der zumeist oje Lebensmittelldiavplstit zugrunde liegt, hat zu ivev* teren Störungen geführt. In Geima riiht oas gesamte öffentliche Leben. Es kam zu Zusanimen- stößen, wobei es Tote und Verwundete gab. Be­sonders starke Unruhen werden mis Spc?ia gv- meldet, wo bei den Zusammenstößen zwei Tote und 200 Verwundete gezählt wurden. Aus allen ligurischen Industriestädten werden ernste Unruhen: gemeldet, die sich in Sympathiekundgebungen für Sowjet-Rußland äußern. Der StreikberLeh- r e r s ch a f t hat sich über ganz Italien ausgebrer- tct. Tie Verhandlungen Zwischen der Regierung, mtö dem Post-i und TelcgraphenpcrsEl wurden abgebrochen. Im Justizministerium haben alle Be­amten ihre Demission eingereicht. Die Unruhen in La Valetta sollen sich in erster Lime gegen die Herrschaft der Engländer richten. Es wurden Umzüge veranstaltet, bei denen Riste er­klangen: Nieder mit der englischen Herrschest! Hoch das freie M>iletta. ES wurden Lebensmittel­geschäfte geplündert und eine englischlfreundlil)2 Zeitung wurde bedroht. In La Maletta wurden viele Verhaftungen b-ortfcnomm.cn.

Japanisches Eingreifen in China?

Tokio, 13. Juni. (WTB.) Reüter. Japa--^ nische Kriegsschiffe gingen in aller Eile nach st a iv- t o n ab. Tie anti-japanische Agitation besonders in Shanghai, Hankau und Kanton bcginfit sich zu einer allgemeinen Bewegung gegen die Fremden weiter zu entwickeln. Ter Schiffsverkehr nach- den chinesisch-cn Häfen hörte wegen Boykotts ganz auf.

Au5 dein Reiche.

Die Beisetzung Rosa Luxemburgs.

Berlin, 13. Juni. (WTB.) Die sterbliche Hülle der Frau R o s a £ u r e m b u r g wurce heute vom Friedrichslstlin aus zu Grabe getragen. Am der Spielwiese hatten sich gegen Mittag neoen zahl­reichen Neugierigen mehrere Tausend Anhänger der Unabhängigen und Kommunisten ver­sammelt. Sie waren mit Kränzen, roten -oaintcm und Tafeln, auf denen Siimsprüch.' oder die Istamen der teilnehmenden Fabriken verzeichnet Itauben, er» schienen. Von einigen Tribünen hielten etc Partei­führer leidenschaftlich Ansprachen, bi. in Mn- WN gegen die jetzige Regierung und in der Ver- lnnrlichniig der Freiheitskampierin .uoia -uij.em* Iburg gipfelten. Händler verlausten rote Blumen, allerlei Erfrischungen und vor allem (-stitungen bet radikalen Presse: aber auch em ö'iugblatt,J>n5 die Verhanblungen der Unabhängigen mit den (yül)tmi der Freiwilligen-Regimenter im Edenhotel ichil- dert, gelangte zur Verbreitung. Gegen -hl Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. Umfang re id>e Kränze, zum Teil auf Holzgerüsten, wechselten Bannern und Schl lern mit Inschriften ab. (Siiu Tafel zeigte das Bildnis der Führerin mit oa Unterschrift:Ich bin, ich war, ich werd« sein." Arbeitslose mit Schildern, die sie als solche (bezeichneten, und Matrosen marschierten in beson­deren Gruppen. Der Vorbeimarsch dauerte etwa eine halbe Stunde, istach einer zweistündigen Wan­derung langte der Zug auf dem Kirchhof Friedrichs- ftlbe an, wo nur die Kranzdeputationen und die tu breit ben Persönlichkeiten der Partei erbilsen Zu­tritt nach mehreren Ansprachen die Beisetzung erfolgte.

Einr Erklärung dcr Unabhängigen.

Berlin, 13. Juni (Priv-Tel.) Tie Abend­blätter,verbreiten eine Erklärung der Fraktion der II. S. P. D., des Vollzugsrates Groß-Bellin sowie des Vorstandes der U. S. P. D., der Fraktion bei Arbeitcrräte der Groß-Berliner Volllersanimliing über die Enthüllungen Noskcs über bie Verhandlungen derUnabhängigen" w.t den stw- renben Offizieren der Freiwilligen -Gruppen. der Erllärung heißt es u. a.:

Wir stellen feil, daß die eben genannten Kör­perschaften mit diesen Vcrhandliuigen nicht bas Ge- ringftc zu tun haben. Wenn Emil Barth und (öiberc Genossen Unterhandlungen mit Off 131erau,

^1919 7<8

Sietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oherheßen

AwiMngrruiiödrvck u. Verlag: vrühl'sche Univ.-Buch- u. Zteintzruckerei R. Lange. Schriftleitung. Geschäftsstelle u. Druckerei: Schulstr. 7.

habt, und das rednerische Auftreten dieses itirat»v«r-tzMe Mannes gab uns viel zu denken und zu füh- h Dolf. kn. Auf den Fahrten derEmden" und der

Ayesha", da war der Manu noch was wert, : 6a war eine deutsche Heldenschar von dem kühnen, edlen, hockcherzigen Herrengeist be- lniald MfaW I der so viel heller strahlt als die Lichter irmlv litt heutigen Staatstugendwächter, die uns M^chMMs-noch nichts gegeben, sondern nur ge- y nommen haben. Und war es nur eine kleine

Heldenschar, die sich so mannhaft bewährte, lemählMg Mannt waren es nicht vielmehr viele Hunderttau- seude zu Land, zu Wasser und in der Lust,