/ 169. Jahrgang
Krenag, U Marz W?
Norke über den Kampf gegen die Spartafifkn
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am 10.15 Uhr.
Die Vorgänge in Berlin.
Vor Eintritt in die Tagesordnung erhält Wort:
Reichswehrminister NoSke:
H3UN ■•ii w\ Le«w;hnbUiiiKt, lubruli.lin.nl ntod)flläitr Sonderpreis Carl Säumt.1'1
;.,...at}uie VON ünzclgen f. die iaqeenummei vis juin Nlichinniag vorher ohnejedeVerdmdlichkeit
Sellenpreise: für örtliche ,'lnzeiycn 25 Uf.Jür au8tv5rtifle 30 !)*., für Reklamen Mk.l.-liebst 20° oTeue- rungSzul nlauiPlaizvor- fctirift 20 H '>lu'fd;lag. frauptidiri Heiter: Äug. ttzoeq Beiantwortlich füi Politik: ’Jluq. Eoetz. für ben übrigen Ictl: Dr. Reinhold Zenz; für beit Slitjetflenicil: v. Beek; fämilid) in (Sieben
ventsche Natlonaloersammlmg.
Weimar, 13. März.
Präsident Fehren ba ch eröffnet die Sitzung
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Der ^trtzener 3w$d<»a erscheint täglich, ander bonntaa«. - Beiinnen: GiebevrrZamllienblStter;
Kit iiInt fBr den Kreis Gießerr.
Bcingsprck: monotl. Mk.lL5, vierteljährlich Mk. 4.05, durch Abhole- u. Zweigstellen monntl Mk. 1.25 durch die Post Mk. 4.05 oiertel- jährt, ausschl. Bestell q. Ferniprech - Anschliifle: für bie Lchr>ltleitungl l2 Verton,^kschä«l4stelle51 Aufchrist für DraKtimch- nd)ten: Anzeiger »letzea.
Uns Grotzverün.
Berlin, 13 März. Laut „Vossischer Ztg." brachen nachts mehrere Männer in das Grundstück des Professors Dietrich Schäfer am Ficlste- bergplay in Steglitz ein, warfen .Handgranaten gegen das Haus und feuerten ans Revolvern. Personen wurden nicht verletzt. Die Gin roobner* wehr wurde alarmiert, aber niemand verhaftet.
Rach dem „Berliner Tageblatt" wurden auch am Steglitzer Bahnhof Handgranaten geworfen! und in der Kaiserallee sowie im Sudwestkorso mit Maschinengewehren und Gewehren gefäwlsen. Tie Plänkelei dauerte etwa eine Stunde, dann verschwanden die unbekannten Schützen spurlos.
Laut „Berliner Tageblatt" ist in R e u k ö l l n und Britz der verschärfte Belagerungszustand verhängt worden.
Meine Tamen und Herren! Tie Berliner Vorgänge sind im ganzen Reiche mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt worden. Ich benutze die erste Gelegen freit, vor der Versammlung des deut- scken Volkes Bericht zu erstatten. Ich kann Ihnen Mitteilen, daß der Auf st and niedergeschlagen ist. (Beifall.) Tie Säuberungs.rktion ist nur noch in einzelnen Vororten vorzunehmen. Tast, es in Berlin zu den wahnwitzigen Kämpfen, zu Mord und Plünderungen kam, ist zum weitaus grö&ten Teil auf das Sdstildkonto einiger Blätter zu setzen, voran die „Roke Fahne"' und die „Freiheit", das Crpan der Um: bringt gen. (Großer Lärm und Rufe bei den Unabhängigen: „Unverschämte Lüge, schamlose Verleumdung, unverschämter Geselle." — Ter Präsident ruft den Äbg. Haase wegen dieses 91usdruckS zur Ordmmg.) Monate lang haben diese Organe die Berliner Bevölkerung in skrupelloser Weise aufgepeitscht. Unter vielen Zurufen der Unabhängigen verliest der Minister Sätze aus diesen Zei-ungen und fährt fort: Sie hören, daß die Mitglieder der unabhängigen Friktion dieses .Hauses (mit erregter Stimme und wiederholt mit der Faust auf den Tisch fdtfjrgcrtb) alle diese Gemeinheiten und Schamlosigkeiten sich zu eigen mad*en. (Lärmender Widerspruch und Zurufe bei den Unabhängigen. — Zurufe: Rach 9tufo- land mit den Kerlen!) Tas „lichtscheue Gesindel", um mit dem „Mittagsblatt" der Streikleitung zu reden, diese „Hyänen der Revolution" haben mit ihrem Treiben begonnen, ehe der Belagerungszustand verhängt war und ehe ich auch nur einen einzigen Soldaten nach Berlin hatte einmarschieren lassen. Ich freue mich, da st die Besetzimg von Spandau kampflos hat erfolgen können. Am Mittwoch verschlimmerte sich die Lage beträclstlich. Tie Zahl der Bewaffneten, auch Zivilisten, am Alexander-Platz, nahm von Stunde zu Stunde zu. Tas Polizeipräsioium wurde stinken- lang beschossen, anfänglich mit Gewehren und Maschinengewehren, später auch mit besonderen Ge- jdaihen. Angeblich zur Säuberung des Alexander- Platzes anm irschierende Teile der V o l ks marin cdi Vision sollen vom Polizeipräsidium aus inner Feuer genommen worden sein. Tas wird bestritten. Ob die Matrosen als Helfer f inten, ist zweifelhaft. ES befindet sich eine Reihe übler Giemen(c unter ihnen und jedenfalls hoben sch mir gegen über schnöde«. Worchxuch verübt. (Härt, hört!)
essierter Personen ist deutsch und wird deutsch bleiben. (Stürmischer Beifall.) Die Regelung der Verhältnisse der rheinischen Lande $um Reich ist eine rein innerdeutschd Llngelegenheit^ (Lebhafter allseitiger Beifall.)
Eine Entschließung, bfe von allen Parteien unterzeichnet ist. besagt: Die Ncitio- nalversammlung stimmt der Erklärung derRei.l)s- regierung zu und ersucht die Regierung, bule Erklärung allgemein zu vertue ttvn. Die Entschliestung wird einstimmig angenommen.
Präsident Febrcnbach schliestt darauf die Sitzung mit einer Änspraclre.
dtächste Sitzung am Dienstag den 25. März
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den heute immer noch viele Bergarbeiter an bet? Arbeit gehindert. Ich bitte die Regierung, rütfr lichlSloS für Ordmmg zu sorgen.
Abg. Können (Unabh >: Unsere Anträge über die Einführung der 11 tbct!errate in das Gesetz sind keine Phantasie Bei der jetzigen Zujammen- setzung deS Reicksskolstenrates wird das Gesetz niet dazu fülwen, die Kohlenpreise weiter zu lungern. Weil das Gesetz kein sozialistisches ist, werden wir es ablehnen mtb der OcsseitUittlbit sagen, dotz die Mehrh i Ssvzialisten einem soläZm Gesetz zu- gestiiwml haben.
ArbeilSminister Dauer: Um kern AgitationS-. argument anS der Hand zu geben, lehnen die Ur abhängigen das Gesetz ab und Hetzen in alter Weise weiter.
Abg. Wal bäum (TenZch-Nat): Em Teil meiner Freunde stimmt der Vorlage zu, da er glaubt, basteS noch glingen Fairn, durch die Aus- führungsverordminoen einen Teil der sclIveren Bedenken gegen das Gesetz zu beseitigen.
Unter Ablehnung aller Abäuderungsauträge N-erden darauf die einzelnen P.iragrapi>en des Gesetzes angenommen, ebenso die Entschliestung der Kommission über die A r b e i t e r r 6 t e.
3xnm wird dos Gesetz auch in dri ter Lesung gegen die Stimmen der Unabhängigen und des grüßen Teils der Rechten mrgeuonnnen.
Tas SozialisierunpSaesetz wird in der dritten Lesung gegen die Stimmen der Rechten angenommen.
Damit ist die Tagesordnung crs.chöpst.
Außerhalb der Tagesordnung erhält das Wort Ministerpräsident Scheide mann: Pressenachrichten zufolge wird von französischer Seite in den besetzten ökfruten eine überaus rege Propaganda betrieben, die auf eine öo5reifjung rheinischer Gebietsteile vom Reiche hinzielt. Die Reickfs- regierung sieht darin einen durch keinen BorwanÜ zu beschönigenden Verstoß geqen das aflgement anerkannte Nationalitäten Prinzip und eine unerhörte Vergewaltigung des einheitlich fühlenden deutschen Volkes. Die rheinische Bevölkerung, die nichts gemein haben will mit den eigen n fl b i*
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Sie haben die angeblich aas sie gerichteten Schüsse zum Anlast genommen, in bett^iclstucher Zahl zu den AufstLudisclien abruschwenken. Von bat Matrosen ist midzeteilt worden, da:», wenn nicht dio sofortige Znrüchziebung der Freiwilligentrnppew aus Berlin erfolge, für die nächsten Tage ein furchtbares Blntlxä» in Aussicht steh?. (Hört, hört!) Nachts um 4 Uhr nxirdc mir mitgeteilt, daß die Verhaub'imgen gegenstandsloS g to«'rbM stieu, da der nxi aus größte Teil der Mairosen g'.en die NegicrungSlnippen kämpfe. Teile der .Matrose« hatten inzwiscl>en versucht, in das Polizeipräsidium ein ju bringen, und es war ihnen auch bei einem Teil des GebäudeS gelungen. Auch an der Beschiessung be.eiligtcn sie sich zahlreich und beoiaitcn die Geschütze aut dem ÄLexauder-Platz. Am Don- nord tag morgen wurde mir gemeldet, daß. im Marinehaus, wo die Matrosendivisi-on uiiterge- brockst war, zahlreiche Waffen an die Zioilbe- oölfcrung ausgegeben wurden. Bei der llebersiede- hing der Mariuedivision aus dem Marstall lvar, vereinbart worden, daß unter keinen Umiftimbcii ihr mehr Wafjen verbleiben dürften, als »u ihrer Ausrüstung crfvrder.ich witeen. Dieses Ablvmndm ist von der Tivision gebrochen worden. (Hörl, hört!) Tie VolkSmarinedivision, die unS so unendlielte Mül)c in Berlin g^miacht hat, besteht nicht mehr. (Stürmischer Beifall.) Am Tooimers- tag abend war das gan^e Bartel des A)eran(.er- Platz-cs fest in unserer Hand. Ich gedsite tieferschüttert der Männer, die in diesen Schrecke»et- tagen ihr Leben gelassen haben. Manche sind Schüssen zum Opfer ge,alten; Gramm aber packt jeden Mensck-ou augcsichL der tierischen Bestialität,mit der gemordet wurde. Leider sind die Opfer recht zahlreich, lieber Lichtenberg und andere Viertel ist gei'a st ivorden, man habe geschwindclt. Tie Zahl der Opfer ist erfreulicherweise geringer, als zuerst gemeldet war. Ich bedauere, dast ein Teil der Presse durch die Sucht nach Sensalion mehr gemeldet hat, al- der Situation entsprach. Was aber gewesen ist, ist noch immer grausig $eitug. Freilich, wenn zuerst gemeldet wurde, dast einige 50 Mens<1)en dotgeschlagen worden seien, und dann nachher gesagt worden ist, dast mir 15 Menschen ihr Sieben licpen, dann heih.t e3 hinterher, die Sadv fei gar nicht so fdämmt gewesen. ES steht feft, das; in diesen Berliner Streiftagen Bestien in Me nschen- gestalt sich ausgetast hoben. (Grohe Bewegung. Abg. Zieh ruft: ArnoNLuser! Anderer Zuruf bei den Unabhängigen: Roske vor allen Dingen! Präsident Fehrenbadf ruft die Abg. Frau) Zictz zur Ordmmg. Ruse rechts: Hyäne! Andauernde groste Unruhe.)
Fast eine ganze Woche lang habe ich verhandelt, um mit der Anwendung von Gewalt zu zögern. Ter Oberburaermnster von Lichtenberg hat nicht an mich geschrieben. Zu mir gekommen sind drei Mitglieder des Berliner Dollzugsrates und drei Mitglieder der Streikräte von Ächten- berg. Cs wurde beraten, tote dem Blutvergtehen Einhalt getan ivcrden könnte. ES ist scldstver- stündlich, daß ich mit dieser Deputation auf daS Gewissenhafteste überlegt habe, tote das Feuern verhütet werden fqtine. Aber ich muhte danach fragen, wenn Vereinbarungen über die Einstellung oes Sdnetzens getroffen werden sollten, was auf der Gegenseite an Autorität vorhanden wäre Ich habe deshalb gefordert, dah mir der Oberbürger» meister von Lichtenberg oder eine andere prominente Persönlid>keit mitteilte, welche Vorbereitungen und Madstmitlel in Achtenberg zur Verfügung ständen, um durchzusetzen, daß von dort nicht gesdwssen werde. Tarauf bat mir der Oberbürgermeister telephonisch erklärt, dah er keinerlei Machtmittel zur Verfügung habe. Eö ist mir bann telephonisch ayi anderen Tage weiter von dem Bürgermeister mitgeteilt worden, er habe mit Vertretern der Arbeiter und der Schtehenden zusam- mnrgetessen. Ihm sei vorgesdstagen worden: (©traf- frei beit für alle Leute, die an den Lichtenberger Vorgängen beteiligt waren. (Bewegung und Nute rechts^ Bildrmg einer Sicherheitswehr, in der auch Spartakisten sein sollten. (Ladien.) Bewaffnung einer solchen Sicher hei tSroebr mit den Waffen, die in Lichtenberg abgegeben wurden. Ich habe natürlich geglaubt, auf ein solches Abkommen nicht eingehen zu können. (Sehr richtig! rechts.)
Id) freue mich', feststellen zu können, daß Lichtenberg fast kampflos von unseren Truppen besetzt ist. Dazu hat beträchtlich beigettagen der Erlab, den ich sdiweren Herzens am 9. März abends gezeichnet habe: „Jede Person, die mit den Massen in der Hand «egen die Regiermigs- truppcn kämpfend angetroffen wird, ist sofort zu erfdüefeen." (Lebhafter Beifall rerbts.) In bödpster Not habe ich und) zu dieser Anordnung entschlossen. (Zunif: Bedarf keiner Entschuldigung.) Aber ich durste die Absdstadstung von einzelnen Soldaten nidjt weiter dauern lasten. I«- muhte dieser Bestialität Einhalt tun durch die Androhung der äubersten Schreckmittel. (Sehr ridjtig! reclstS.) Wenn in den Straßen Berlins Tausende von Mensclten die Waffen gegen die Regierung führen, wenn Plünderer und Mörder Orgien fetem, dann besteht ein Zustand außerhalb jedes Rechts, und die Staatsnotwendigkeit gebot mir so zu handeln, daß so rasch wie möglich Ruhe und Sicherheit wiederher gestellt wird. (Beifall bei der Mehrheit.) Was gejebeben ist, verantworte ick vor dem Staate, dem Lande und dem Volke Ich scheue das Urteil der Nation nicht. (Stürmischer Beifall bei der Mehrheit. Anlialtendes Zischen bet den Unabhängigen. Erneuter Beifall bei der Mehrheit.
Es folgt die exite Lesung des Gesetzcntrvurss, der den ...
Der Aufruhr in Groß-Berlin ist, wie Noske gestern in der Nationalversammlung erklärte, endgültig niedergeschlagen. Die Stellung des Reichswehrministers ist heute nicht mehr das^ was diejenige des Kriegsministers im alten Reiche gewesen ist. Er verfügt über geringe Machtmittel, muß gegen Plünderer und Verbrecher Krieg führen und mehr die Obliegenheiten eines Polizeipräsidenten als eines Kriegsministers erfüllen. Und dann gibt es im Parlament noch eine Partei, die ihn am liebsten als Regisseur neuer revolutionärer Gewaltakte erblicken möchte . . . Noske hat mit seinen Gegnern scharfe Abrechnung gehalten und sich durch die fortwährenden Zwischenrufe der Unabhängigen nicht beirren lassen. Er hat denn auch bei allen übrigen Parteien stürmische Zustimmung gefunden. Hätte er gegenüber dem mi)^deri^chen Großstadtgesindel das Standrecht nicht verkündigt, so wären die Unruhen noch lange nicht beendet. Wir brauchen ein neues Heer mit straffer Zucht und Disziplin, in dem die Räte zwar eingegliedert werden sollen, in dem sie aber nichts in die Kommandogewalt dreinzureden haben — so schreibt auch der frühere Oberst G ä d k e, der bekannte Militärkritiker des „Vorwärts". »Vvn Noske hängt in dieser unruhigen, gärenden Zeit viel ab. Man denkt unwillkürlich zurück an die napoleonische Zeit der Fremdherrschaft 'in Preußen, an Scharnhorst. Die Zeit des Militarismus liegt jedoch hinter uns, und die Geschichte Preußens ist mit der gestrigen Eröffnung der preußischen Landesver- Hammlung in ein ganz neues Zeitalter einge- «angen, in dem von kriegerischem Ruhm nicht ttnehr die Rede ist. Aber trotzdem: Jedes geordnete Staatswesen, das nicht innerer und .äußerer Willkür pceisgegeben .sein will, braucht ein tüchtiges, brauchbares Heer. Die ^Entente lehrt es uns selbst. Der gestrige Protest Scheidemanns und die Kundgebung der Parteien gegen die Loslösung deutscher Landesteile vom Reiche würden erst wirksam und geharnischt sein, wenn uns etwa 5 von der Macht unserer Waffen übrig geblieben wäre. Nun haben wir fast alles, beinahe auch unsere Handelsflotte, buchstäblich um das Versprechen eines Linsengerichtes verkauft. Oder ist es noch nicht so weit? Werden wir uns bei den Frie- deusverhaudlungen wieder etwas empor- raffen?
preußische Landesversammlnng.
Berlin, 13. Mär».
Die preußische Landes Versammlung trat barte zirm ersten Male in Berlin zusammen Hans mtb Tribünen waren gut beseht. Ministerpräsident Hlr ) cy hielt die Eröffnungsrede. Tic bisherige Regierung fdjeue den Rechcnscliaftsbericht nidtL, Ste begrüße den Tag, wo sie die fPerantroortung. an die frei gewählte Vertretung deS ^neußischetr. BolSeS abgeben könne. Ter Redner sasildert die traurige Verfassung des preußisclien Staates, die Streiks und den Terror im Innern, die Bedrohung der Lnndesgrerrzcn durch Polen, Tsd^seA und Bolschewisten. Das Land dürfe nicht in tert Abgrund stürzen. Er will es zur Arbeit anfnrfen. Große gesetzgeberisdx Aufgaben ständen bevor, so auf dem Gebiete des Verkehrs, der Verwaltung, des Unterrichts, der Erziehung usw. Der Minis.er- präsident Verurteilt den preußischen Partikular^ mus, er will aber auch keine preußischen Zwergstaaten. Für die Reichseinbeit müßten Opfer gebracht werden. Mit dem Geiste der L-reiheit, der Ordnung und Arbeit solle rauften der künftigen sriedliclien Größe des gesamten deutschen Vaterlandes dienen.
Der Alterspräsident Herold (Zentrum) begrüßt bte Versammlung Ein Antrag auf Wb- änberung der Geschäftsordnung wird angenommen^ Eingegangen ist von der Regierung ein Gesetz über die vorläufige Staatsgewalt.
Abg. Adolf Hoffmann (Unabh.) beantragt Aulltebung des Velageriingszuftandes in Groß-Berlin. ES entspinnt sid) eine l ngcrc Debatte, wann dieser Antrag auf die Tagesordnung kommen soll. Man einigt sich dahin, daß der Antrag morgen an dritter Stelle auf die Laars, ordmmg kommt.
Verkehr mit russischen Zahlungsmitteln außer durch die Reichs bank verlnetet.
Abg. Dr. R i c 6 e r (D. Vpt.) begrüßt die Vorlage, die absolut notwendig sei.
Abg. Haase (Unabh) ivendet sid) gegen ba: Gesetz, das eine neue Feindseligkeit gegen die Sowjetrepublik darstelle.
Abg. P oh l m a n n (Dem.) begründet einen Antrag der MehrheilsparteiLn auf Anmeldepflicht der Bestände in russischen Zahlung^ Mitteln.
R e i ch s f i n a n z in i n i st e r S ch i f f e r: Der Rubel rollt in Deutschland, und zwar nicht aus wirtschaftlichen, sondern aus politisdfen Gründen. (»d)r richtig!)
Abg. M ü l l e r (Soz.) wendet sich gegen ein von dem Abg. Haase verlesenes Berliner Telegramm, in dem and) behauptet wird, der Redner habe die internationale sozialistische Konferenz ge- täusclst.
Damit schließt die erste Beratung. In zweiter und ebenso in dritter Lesung roiro der Gesetzentwurf mit dem Antrag der Mehrheitsparteien angenommen.
ES folgen die gestern ausgesetzten Abstimmungen über
dss Sozialisierunßsgesey.
Z 1 wird in der Fassung l>es Aussd-usses darauf einstimmig angenommen. Zum § 2, der dem Reiche die Befugnis zur Sozralisierung erteilt, liegen mehrere AbanderungSanträge vor. w’cber den Antrag Auer (So;) u. Gen, der die Ent- schätzigungspslidst dcS Reiches bei Sozialisierungen will, wird namentlid) abgeftimmt. ES entsteht zunitelüt ein Irrtum, wonach der Antrag Auer angenommen worden wäre. Nachdem die Zettel noch einmal durchgezählt worden sind, et klart Präsident Fehrenbad>: Es hat fiel? hcransgeftellt, daß bei der ersten Zählung der Neinzettel ein Posten übersehen worden ist. (Wg. Dr. Cohn: Kopfredmen sdfwach!) ES sind abge-.itben worden 300 Stimmzettel. Enthaltungen lind nicht vorgekommen. Mit Ja haben gestimmt 135, mit Nein 165. Der Antrag Auer ist demnach abgelel-nt.
Hierauf wird § 2 in namentlicher Abstimmung mit 246 gegen 53 Stimmen bei einer Stimmenthaltung in der Kommissionssassung angenommen, ebenso unter Ablehnung sämtlicher Ab- änberung5anträge der Rest des Gesetzes. Damit ist das Sozialisierungsgesetz in zweiter Lesung erledigt.
ES folgt die zweite Beratung deS Gesetzentwurfes über
Die Rcfltlnnfl der Koblenwirtschaft.
Abg. Dr. Wieland (Dem.): Grundlegende Bedeutung hat die Zusammensepmrg des Reid)ü- kohlcnrates. Zuerst waren die Berbraudwr etwas zu kurz gekommen. Hier hat der Aussclmß Besserung geschahen. ES müssen alle Reid>stci1e in dem Neid>skohlenrst berücksichtigt werden, vor allem auch die kohlenarmen süddeutschen Staaten. Vor Eingriffen in den technischen Förderungsbetrieb sollte man sich hüten.
Abg. Graf Posadowsky (D.-Nat.): Tausende von sclb^'>^'"-" Existenzen werden ^hirch iie eS Gesetz zu Agenten des Staates h rabgedrückt. (Z.iruf bei den <?vöimuemcfraten: Jetzt des Syndikates ) Das ist etwas ganz anderes, denn das^ Syndikat hat doch bei roeitern nicht den Einfluß wie der Staat. Die Besitzer der Kohlenbergwerke aber werden herabgedrückt zu Zwisd-enmeistern. Wenn man aus dem Gesetz finanziell etwas für daS Reich herauSholen will, so hätte man das ebensogut auf dem Wege der Steuergesetzgebung erreichen können: daß man daS nicht getan hat, beweist, daß politische Gründe für die Einbringung der Vorlage maßgebend «-wesen sind. Im übrigen fürchte ich, daß angesichts der Lohnforderungen der Arbeiter des FiskuS bei dem Gesetze zu kurz kommen wird. Nach alledem werden Sie es verstehen, wenn wir gegen diese nebelhaften Pläne einer Regierung der unbegrenzten Möglickikeiten die äußerste Vorsickst üben. (Beifall rechts)
Um 1 Uhr wird die Beratung bis 2 Uhr ausgesetzt.
Abg. Henke (Thtabb.): DaS Gesetz enthält nur erbärmliche Surrogate von dem, was die Arbeiter gefordert haben. Wir lehnen es ab.
Abg. Ostorroth (Sn~$): Tie Unabhängigen sind geflm daS Gesetz, weil eS die Arbeiter beruhigt. (Abg Cohn: Frechheit! Abg. Catzn wird jur Ordnung gerufen.) Tic Bergarbeiier wissen aber jetzt, was sie von den UnabWigigen zu erwarten haben. Wir betrachten das Gesetz als eine Etappe aus dem Wege zur Berstaaüichung des Bergbaues. Hätten die Herren hon der Rechtei tebn Jahre früher den Wert der Gewerks duften -tewürdigt, so hätten sie sich viel Spartakismus erspart. Die Bergarbeiter wollen Taten sehen.
Abg. Weh lick, (Teu1sck>-Nat): Das Gesetz ist für uns unannehörbar. Die SachverstLrdigen, die von der Ikvnrmisiwn gehört worden sind, haben einmütig erklärt, daß das Gesetz vernichtend für das ganze Wirtsdraftslebcn sein wird. Wie die Preisfestsetzung durch die Rerchsregierung gtbaebt ist, darüber sagt die Vorlage nichts. Wir können nid)t für Gesetz stimmen, würden aber gern an einem Gesetz über bte Auswüchse des Kohlew ichndtta's mitorbeiten.
Wirtsdwstsminister W i s s e l l: Wir denken nickst daran, ben Alcinbanbel für Kohle zu beseitigen. Bei ber Zilsamnier.setzimg d s Kohlenhandels roer» ben selbstversiändlick» die füböcutfdxm Interessen besonders berücksickstigt.
Abg. I m b u s ch (Zentr.): DaS Gesetz ent- ''prickst imferrn Ansdxruungen. Die Grosüinbustrie bat keinen Grund, fid) über Vergewaltigung zu beüageu. Sie immer rücklichtLioS. Leider roer-
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GiehenerAnzeiger
äs. General-Anzeiger für Gberhesien
SwlMngrnrnddruck u.Verlag: vrühl'sche llniv^Vuch« u. Steinbruderet R. Lange.Zchriftteltung, Sefchästsstelle ».Druckerei: Schulstr 7.
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