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Fortsetzung 31.

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Ragna Gvendburg

Mo man von Anny Wothe.

Ein tiefes Erröten ffog über Ragnas Ant­litz. aber stolz hob sie das goldschimmernde Haupt empor unb tagte mutig:

Weil mit Sven Svendburg bic Siirtix über Me Schwelle trat."

Tie Sünde" er lächelte leise,nein, mein ^ränlein, ein Gefühl, wie ich es für Sie empfinde, niemals Sünde sein. Ich habe gelernt, bte Mxntfen zu binden, die sich nach dem Unerreich­ten und Verbotenen ausstrecken, unb baß ich es Itw, b.T_- bans? ich Ihnen. Weim ich Sie ttotzbem

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Sie wollen mich nicht wieder erkennen, mein rin," sagte Sven, ,(unb doch lese ich es in i Augen, daß Sie mich nicht vergessen haben, öwr leben Sie?" fragte er, mit fragendem Blick he Stube durchmesselch,unb hier ließ mich das Schicksal Sie finden. Sie, die ich nie, nie vergessen kann?"

Sie vergessen sich, Herr Graf," sagte Ragna lall und ihr Blick streifte den blitzenden Reif an feiner Hand.Was ich Ihnen tat, hätte ich jedem diente en auch getan, ja noch mehr, hätte ich gealut, daß Gras Svendburg der Kranke ist, den mau mir hier herlegte, ich hätte nicht erlaubt, los er seinen Fuß über diese Schwelle setzte."

Ein beklommenes, dumpfes, tötliches Schwel­ten. Tic Lerchen draußen jubelten in den blauen Morgen hinein und bazirischen klang das Klopfen und Hämmern der Arbeiter, welche die Bahngleise frei legten.

* §7- M» » irich Driescl thetetoca 70.** Schellfisch echtu.«abelm ^ll'Heri,ge kuarä-heringt Tilsiter Käse.

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Und warum hätten Sie mir den Eintritt tn Ihr stilles Heim verwehrt, mein Fräulein," ttatr «Mich Sven leise, forschend unter den halb tefenften Wimpern hervor Ragna betrachtend.

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nner & Krimi fließen.

jerWiebmrW^ \*Wi strr Eiamachzviin cmpßebli , j. B. Schulhof .rhifr. 4. !el

Vie Ausgaben des Landgesetze;.

Born Ministerium der Finanzen, Abteilung für Forst- unb Kameralverwaltung, werd?n wir um Ausnahme folgenden Artikels gebeten:

Ter verlorene Krieg hat die deutsche Volkswirt- schäft, in allen ihren Gntndlagcn erschüttert. * Deutschland muß sich in eine weitgehende >virt-1 'cliafttiche Selbstgenügsamkeit finden unb mit allen Kräften versuchen, die eigenen Kräfte seiner Wirt­schaft zur höchsten Entfaltung zu steigern. Es muß sich dabei mehr als seither seiner Landwirtschaft zuwenden und auf dem Lande Erwerb und Unter» fm'fl schaffen für viele unserer Volksgenossen und in LZerbindung damit die ländlichen Wirt- schaftsfräfte zu l)öck,fter Leistungsfähigkeit zu ent­wickeln.

Zur Erfüllung dieser beiden Ausgaben bieten sich manche Wege. Man benf? an die Steigerung der Produttion durch Beschaffung der nötigen Be­triebsmittel, Düngemittel, Saatgut, Maschinen, durch sorgfältigen Untcrrid.tf in Fack/chulcn, durch Förderung des lanblidjen (heiwssenschofts-, Krcdit- nnb VcrsrcherungswesenS, durch die Ermöglichung Lohnenden Absatzes, alles Aufgaben, die wohl der angelegentlichsten Fürsorge des Staates anl-eim- fallen, die aber im übrigen hauptsächlich der Selbst­hilfe und der zunehmenden sachlichen Ertüchtigung der Landwirte zuzuweisen sind.

Daneben gibt es aber noch andere Mittel zur Förderung des ländlichen Wirtschaftslebens, die der alleinigen Fürsorge des Staates im W.g? seiner Gesetzgebung Vorbehalten sind. Hierzu gehört in erster Linie, einen Ausgleich des Grundbesitzes dacmvch herbeizuführen, daß man den landw-irt- sckaftlicken Großbesitz in die Bewirtschaftung durch den Vlcinbäuerlichen Besitzer und ben Landarbeiter überführt. In der Erkenntnis dieser wichtigen Ausgabe ist die Reich^siedlungsordnung entstanden, die den Bundesstaaten die Turchführrmg dieser Aufgabe im Wege der Siedlung zur Pflicht macht.

In Hessen waren schon seit Jahren in Gegen­den mit statt gehäuftem Grundbesitz Bestrebungen int Gange, die einen gerechteren und auf die wirt­schaftliche Not des kleinen Aiannes Rücksicht neh­menden Ausgleich des Grundbesitzes zum Gegen­stand hatten. Besonders in den Kreisen Erbach, Büdingen und Lauterbach u. a. drängte die durch den Großbesitz eingeschnürte Bevölkerung auf eine Beseitigung dieses wirtschaftlichen Miß­standes. Cs war selbstverständlich, daß die Revo­lution dieses Verlangen festigte und thm größten Nachdruck verlieh. Hessen befand sich nun dieser Rcichsverordnung gegenüber in der mißlichen Sage, daß die dort festgelegten Voraussetzungen auf sein Gebiet nicht zutrafen, es also die Verordnung auch in den bedrängten Kreiselt überhaupt nicht hätte durchführen können. Es blieben daher zwei Wege: Entweder mit Rücksicht aus die Unattwendbarkeit der Reick ^Verordnung aus jede Siedlungsarbeit zu verzichten, oder aber über die reichsrschtliche Rege­lung hinausgehend die landesgesetzliche Grundlage dafür zu schaffen, daß die als notwendig und un- abiventlar erkannte Aufgabe doch durchgeführt werden tomrte. Selbstverständlich tonnte es hier keinen Zweifel geben; ein Staat, der auf dem ver­wandten Gebiet der Wohnungsfürsvrge Virbild­liches und Bahnbrechendes geleistet hatte, durfte lidj nicht dieser wichtigen Vcrpflichtting entziehen. Nach Fühlung und im Einvernehmen mit ben Reichsstellen ist somit das. Landgesetz der Volks­kammer .unterbreitet worden.

Tie Aufgaben des Gesetzes sind dreifach: l. Es gilt Lanb zu beschaffen, zu verwalten unb zu vergeben, um in Stadt und Land Landbe­dürftige mit dem für ihre Wirtschaft notwen­digen Land auszustatten/ d. h. durch Zuteilung von Land bett vielfach bestehenden Landhunger wirtschaftlich, schwacher und in seitherigem Um­fang nicht existenzfähiger Kleinbetriebe zu stillen, diese Kleinbetriebe lebensfähig zu machen, Ar­beitern, Klerngewerbetreibenben und den Klein­bauern einen auskömmlichen Anteil am Heimat­boden zuzuweisen.

2. Es sind Hetmstätten zu gründen, b. h. Landbedürftigen ist durch Ansiedelung die Mög- Ikfoteit der Seßhaftmachiung und einer gesicherten, Lebenshaltung zu gewähren. Man ist sich hierbei klar ba rüber, daß dies in Hessen nur ganz ver­einzelt möglich ist.

3. In Verbindung mit der Lanbzuteilung pber Siedlung sollen öffentliche oder gemeinschaftliche Anlagen unb Einrichtungen ins Leben gerufen ober gefördert werben. Man denkt hier an die Anlage von Straßen, Meliorationen unb ähn­liches. Auch wird man großzügige Kul­tur Pläne mit der Durchführung des Land­gesetzes verbinden können, Generalbereiuigungen ganzer Landesteile, wie überhaupt die Durch-

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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

füIrrung des Gesetzes in manchen Gemeinden die Feldbercinigrmg zur rratürlichen Folge haben wird.

Regierung und Volkskammer denken gar nicht bamit, die Gefahren für die Landwirtschaft heraus- rubescküvören, die trotz aller Aufklärung eine eifrige und häufig nicht mit Skrupeln belastete Agitation, gegen das Landgesetz immer wieder an die Wand gemalt fat

Es tann sich mcht darum handeln, nun alle Landlosen mit Land au^uftatten jinb Land ein­fach zu nehmen, wo es rst. Das tarne auf eine Rationierung des Bodens heraus und führte ohne Zweifel zum Untergang unserer Landwttttschcist und zur Hungersnot. Auch kann cs nicht Aufgabe des Staates sein, nun alles Laitd im Weg^ der Sozia­lisierung .des Grund unb Bodens an sich zu ziehen und nach Losen pachtweise auszugeten, das hätte die gleiche katastrophale Wirkung, abgesehen davon, daß der Staat genötigt wäre, das Land zu verwalten und sich damit ungeheuere Kosten auszubürden, die bas Land verteuern oder ben Staatshauslialt unerträglich belasten würden.

Pflicht des Staates ist vielmehr, Land nur ba zu nehmen, ivo keine unausgleichbaren wirtschaft­lichen Scklädigungen zu befünhen sind, aber Land auch nur dem zu gäben, der es wirklich brau.ü und der für sich urck seine Lebensgenossen die Ge­währ dafür bietet, baß das Land richttg und zum Nutzen der Allgemeinheit bewirtschaftet wirb. Aus diesen Grundsätzen heraus ist daher an eine blinde Aufteilung der größeren Güter gar nicht zu denken. Ganz abgesehen davon, daß wchl in ben meisten Fällen bte Gutsanlagen außerhalb der GutSwirt- schaft nicht zu verwerten sind unb baher mit einem bestimmten Restbestand an Land wirtschaftsfähig erhalten werben müssen, ist zu bedenken, baß die Güter, besonders als Tlbmelkwrrtschaften, als Spe- zialwirtschaften für Gemüse-, Obst- unb Saatgut­bau, als Erzeuger des für Heilzwecke unentbehr­lichen Spiritus als Großproduzenten von Körner­ft üchten unb Zuckerrüben, als Musterwirtschaften für den heutigen Stand besorrders der städtischen Bollscrnährung und für die Förderung der Land- wirtschast überhaupt solch wichtige Organismen in unserem Wirtschaftsleben darstellen, daß ihre Be- schneibung, soweit nicht besondere Umstände, wie schleckte Bewirtschaftung und Unrentabilität ihre Aufteilung rechtfertigen, vor der Beein­trächtigung ihrer Wirtsckaftsfähigkeit unbedingt Halt machen muß. Tie meisten Höfe werden wohl in ber Sage sein, Land abzugeben aber es muß von Fall zu Fall mit Sorgfalt und Sachverständnis geprüft werben, wie weit man gehen darf. Dasselbe trifft natürlich auch für den parzellierten Groß­besitz zu, soweft er an kleinere Wirtschaften ver­pachtet ist

(Schluß folgt.)

deutsche Nationalversammlung.

, Weimar, 12. Ang.

Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung um 3,20 Uhr.

Bei Erledigung einer Reihe von Anfragen fragt u. a. Llbg. von Gräfe (D.-Natl.) imter Bezugnahme auf Pressenachrichten nach denen in englischen unb amerikanischen Gefangenenlagern den deutschen Kriegsgefangenen mitgeteilt worden sei, daß ihre beschleunigte Heimkehr nach Deut sich- land seitens der bemühen Regierung nicht ge­wünscht, ja sogar durch bic Weigerung der deut­schen Regierung, die Vorbereitungen zum Abttans- txnt in die Wege zu leiten, verhindert werde: Ist die Reichsregierung bereit, bar über Auskunft zu geben, welche Vorbereitungen tatsächlich zu einer raschen Rückkehr getroffen und namentlich, welche diplomatischen Schritte unternommen worden sind, um der weiteren Zurückhaltung der Kriegsgefan­genen ein Ende zu machen?

Reicksminister des Aeußern Müller: In einem Teile der Presse ist letzthin die Behauptung aufgestellt w-orden, die Regierung habe nicht alles getan, um die schleunige Heimbeförderung der deut­schen Kriegsgefangenen zu ermöglichen. Zur Reicht- ferttgung hat sich die Presse auf Aeußerungen aus englischen Gefangenenlagern berufen. Die deutsche Regierung kann es vorerst mcht glauben, daß sich derartige offenkundige EntstellunMn der Tatsachen, die da behauptet werden, in offiziellen Befehlen! und Bekanntnrachungen ber englischen Lagerte- hörten beftnden. Sie hat dccher mwerzüglich Schritte unternommen, um ben Sachjverhält zu klären und Abhilfe zu schaffen. Im übrigen stellt die Regierung fest: Alle Bemühungen bis zum Beainn ber Friedensverhandlungen die Heimkehr unterer Kriegsgefangenen zu veranlassen, sind er­folglos geblieben. Die erste Anerkennung der selbst­

verständlichen Pflicht, die Krieg sgesangenenschpft nicht zur Sklaverei ausarten zu taffen, findet sich in Artikel 214 des Friede nsverttagcs. Ter Frie­densvertrag tritt aber erst nach ber Ratifikation durch drei der gegnerischen Hauptmächte in Kraft und darauf können die Ententemächte formal ihre Weigerung stützen. Gleichn>ohl war die deutsche Regierung uttablässig bemüht, das Los der Gefangenen zu lindern und ihre schleunige Heimschaffung zu crinöglichen. Der Minister gibt dann einen Ueberblick über die wiederholten Vor- ftettungen der deutschen Regierung bei ber Entente und die in dieser Angelegenheit überreichten Noten und fährt fort: Solange die Hauptkommission, die im Friebenspertrag vorgesehen ist, ihre- tigleit nocb nicht aufgenommen hat, ist ber Ab­transport der Kriegsgefangenen nicht möglich. Die deutsche Abordnung zu dieser Kommission weilt bereits seit Beginn der Friedensoerhandlungen in Versailles, während die Entente ihre Vertreter noch nicht ernannt hat. Die Schuld kann unmüfl5 lich die deutsche Regierung treffen. Jetzt wird von Kreisen, die die Leiben unserer Kriegsgefangenen politisch auszuschlachten bestrebt sind, immer wie­der behauptet, die Regierung lasse es an hxm nötigen Nachdruck fehlen. Mit ben Angehörigen der Kriegsgefangenen, mit dem ganzen deutschen Volke 'weiß sich die Regierung einig in der schärfsten Verurteilung der Zurückhaltung der Kriegsgefange­nen. Aber bte Regierung verfügt nicht über die Macht und nicht über die Mittel, um die Leidens­zeit der Kriegsgefangenen abkürzen zu können. In der Sitzung am 1. August hat der deutsche Ver­treter Freiherr von Lersner neuerlich darum ge­beten, endlich auf die Kriegsgefangeiteitsvage einzu^ gehen. . Der französische Minister Loucheur hat versprochen, dem Mimsterpräsidenten Clemencean sofort Vortrag darüber zu halten. Die Reichs­regierung wird nach wie vor bestrebt fein, die Kriegsgefangenen so schnell wie möglich frei zu be­kommen. Sie hofft von der Einsicht unserer kriegs- g?fangencn Landsleute, daß sie sich nicht von ben Irreführungen ber Hetzpresse in den Ländern ihrer Gefangenschaft verführen lassen, solche Ungeheuer­lichkeiten zu glauben, als läge der Reichsregierung nichts an ihrer Heimkehr. Es gibt keinen 98artete und keinen Finanz standpunkt in dieser Frage des Blutes. Diese Erkeniftnii wünscht bic Reichsregie­rung aber auch denen, die sich nicht gescheut haben, Parteipolttische Agitationen mit dem Leid und dem Schicksal unserer Kriegsgefangenen zu treiben. Politische Ausschlachtung dieses nationalen, ge­meinsam zu tragenden Unglücks tveist sie mit Entrüstung von sich und weiß sich barm einig mit allen Kreisen d^s Volkes, briten das Schicksal unserer Kriegsgefangenen warm und uneigennützig am Herzen liegt. (Stürmischer Beifall bei den Mehrheitsparteien.)

Arg. v. Graefe (D. Ntl.) richtet die ,An- freae an den Reichs Minister Mueller, wen er damit gemeint hat, wenn er von Leuten sprach, die diese Frage parteipolitisch ausnutzen wollten.

Iieichsminister Mueller: Sd? meine damit so schamlose Blätter wie dieDeutsche 3eitung", die in ihrer Ausgabe v-om 6. August solche Be­hauptungen bringt unb di-ejenigen Kreise, die sich mit diesen schamlosen Verleumdungen identifizieren. (Lebhafter Beifall links, große Unruhe rechts.)

Hierauf folgt die Zweite Lesung des Ent- 'n>urfes eines A-^Hrvs-gesetzes. Tas Gesetz wird nach langer Debatte inner Ablehnung alter Ab- önterungsanträge mit geringfügigen Aenderungen in der Ausschußfassung angenommen. Das Spiel­kartengesetz wird m zweiter Lesung ohne Aus­sprache erledigt. Es folgt dann bte erste Beratung der großen Finanzgesetze.

Präsident Fehrenbach macht Mitteilungen über den Arbeitsplan der nächsteir Tage. Er hofft, bei genügender Unterstützung bis zum 20. August sämtliche Vorlagen erledigen zu können.

Reichsfinanzminister Erzberger:

Tas Haus und das deutsche Volk haben rin Recht, mehrere Fragen beantwortet zu bekommen. Was ist, was muß und wie wird es werden? Was ist? Das größte Finanzelend, das die Welt zu sehen bekam. Was werden muß? Baldige Ord­nung unseres gesamten Finanzwesens im Reich, in den Ländern und in ben Gemeinden. Wie soll es werden? Wir müssen Abschieb nehmen oon manchem Alten. Liebgewonnenen, rin wohl durch­dachtes Steuersystem aufstellen, rinheitlich erfas­sen alle Steuerquellen; Gerechtigknt auf ber einen, Gewissenhaftigkeit auf der andern Seite. Nur unter diesen Voraussetzungen ist Hoffnung unb Möglich­keit, daß Deutschland erhalteir bleibt vor dem schwersten Unglück, dem Sdaatsbantevott, ber hier einen Bolksbankerott bedeuten würde. Ter Redner gibt bann einen Ueberblick über die Entwicklung

noch immer liebe, wer will mir's wehren? Wessen Rechte verletze üfi, wenn ich nicht begehre?"

Sie vergessen, Graf, daß Sie nicht frei, sondern gebunden sind. Meinen Sie denn, daß die Sünde des Gedankens kleiner ist als die der Tat? Nein, sie wächst ebenso ins Unendliche, Riesengroße hmein imb wird zu einer untilgbaren Schuld."

Ich schulde niemand etwas," entgegnete Sven bitter, sich hefttg aufrichtend und Ragna fest in die Augen sehend,ich bin mein eigner Richter."

Ragna lächelte, rin eignes, kühles, wie es ihm schien, spöttisches Lächeln.Uno Ihre Gat- tin ?" fragte sie leise.

Wie Bitterkeit zuckte es um seinen fein ge­zeichneten Mund.Sigrid?" wiederholte er, als höve er ihren Namen wie aus weiter Ferne.Sig­rid? Pah, sie würde lachen über mich unb meine Skrupel, sie denkt anders über die Lrebe als Sie und ich. Gcgenwärttg ist sie in Berlin, um sich ein wenig zu amüsieren. Tie gute Gvoßmarna hat sie begleitet und ein Freund von mir, Fürst Gor ätsch in ist zu ihrem Schutz herbeigeeilt, um in Berlin wie auch anderswo ihr Ritter zu sein. Ich bin auf die Depesche eines Bekannten hin auf dem Wege zu ihr, um sie wieder mit mir zu neh­men, naa> unserem stillen Svendburg. .Ich selbst war längere Zeit durch meine Stellung als Kammerherr an den Hof und die Person des Königs gefesselt."

Sven sagte das alles, als wären Ragna alle Verhältnisse vertraut, es ft et ihm auch nicht auf, daß Ragna bei seiner Erzählung tief erschreckt rief:Auch die Großmama ist in Berlin?" Er war der Meinung, daß Ragna eben alles wußte, was ihn betraf, daß sie mit ihm eins war.

,La, die Großmama," sagte er nur wie in bitterer Aufwallung.Sie ist Sigrids Unglück. Glänzen will bic alte Frau mtt ihrer schonen Enkelin, auscrstehen sollen noch einmal die Tage ihrer Zugend, die Tage, reich an Glanz unb

Pracht, die sie am Königshof verbracht. Gefeiert, umwarben, verhätschelt ßoll Sigrid sein, und sie ffks auch, aber zu ihrem eigenen Verderben."

Mit großen, starren Augen hatte Ragna ihm zugehört. Sie fühlte, sie ahnte es, Sigrids Glück neigte sich dem Ende zu. Nein, das durfte, das sollte nicht fein. Aber wie konnte sie es hindern, daß Sigrid auf der abschüssigen Bahn weiter taumelte? Und die Grotzmama? O, sie kannte diese schreckliche Frau, die alles ihrem Ehrgeiz, ihrer GroUucht opferte. Nur er, er allein konnte, mußte helftn.

Barmherzigkeit," flehte fte mit empor geho­benen Händen.

Sven sah sie verständnislos an.Für wen bitten Sie?" fragte er mtt einer eigenen Härte in ber Stimme.

Für Sie, für Sigrid," bat Ragna leiden­schaftlich.Helfen Sie, retten Sie das junge Ge­schöpf, das sich Ihnen arwertvaute," bat sie nut» schluchzend, ,chas zu Grunde geht, weil Sie ihr die Liebe nicht geben können, die fte beanspruchen kann. Helfen Sie ihr!"

Rag im war in ihrem heftig hervorbrechenden Schmerz vor Svens Lager in die Kniee gesunken und sah voll heißer Tränen zu ihm auf.

Sie müssen sie retten," bebte es leidenschaft­lich von ihren Lippen.Sie müssen. Wemi Sie es nicht tun, dann wälzen Sie eine Schuld auf meine Seele, die ich nicht tragen kann und will, banim bcfdppöre ich Sie, bei allem was Ihnen heilig ist, retten Sie Ihr junges Weib, retten Sie Sigrid. Denken Sie, es sei der letzte Wunsch einer Sterbenden, den Sie erfüllen, beim von heute muß unb 'merbe ich für Sie tot fein, aber wenn es Wahr­heit gewesen, was Sie mir gesagt, wenn Sie für mich je mehr empfunden haben als eine flüchtige Neigung so bitte ich Sie bei dieser Liebe, vergessen Sie mich, leben Sie für Sigrid, deren Unglück zu einer endlosen, nie zu tilgenden Schuld für mich wird."

Mittwoch,. August 1919

ber Finanzlage Deutschlands von 19131918. Tie ungeheueren Zahlen rufen mehrfach Bewegung und lebhaftes Hört, hört! auf allen Seiten des Hauses hervor. Zwst Forderungen müssen noch erfüllt werden, die ftncnrziell und Volkswirtschaft lich von größter Bcdeutmrg sind. Wir müssen so- fort »mit aller Beschleunigung an die Schaffung einer deutschen Handelsflotte lrerangehen, in engster Zusammenarbeit mit den Personen unb Gesell­schaften, die hier bis jetzt bahnbrechenb waren. Wir müssen sodann und ebenfalls mit größter Beschleunigung unsere Auslandbeutschen mit Reichsvorschüssen zu Httfe kommen. Schon die nächste Woche wird eine solche Vorlage an die Na- tionaloersammlung bringen. Endlich muß unser Banken stand erleichtert werden. Tas Höchstmaß, welches ein .Kriegsjahr an Anleihen aufbr achte, waren 25 Milliarden. Dieses Höchstmaß muß jetzt das Volk Znhr für Jahr ausbringen, um zu gc sunden. Don einem Staatsbankrott würden gerade die untersten Schickten des Volkes am härtesten betroffen ivtrben. Bei einem vollendeten Staats-- bankrött würden gut zwei Drittel des getarnten Privatvermögens vernichtet und die gesamte Wirt- schaftsmasckine würde znm Stttlstand kommen. Wie grauenvoll die Zustände in Deutschland werden würden, ist gar nicht auszumalen. Die Reform wird kommen, weil sie tommen muh. Dazu gehört auch eine vollkommene Umaeftaltung der Steuer Gesetze im Siime höchster Gereck)tigkrit. Ich werde nicht ruhen und rasten, um am 1. Ok­tober einen geordneten Etat vorzulegen. Ich habe mit den Ressorts schwer darum zu kämpfen, besonders mit ben Kriegsministerien. Regierung und Parlament haben mit Hochdruck gearbeitet, um Ordnung in das Chaos der Liqui­dation des husmnmeiagebrochenen Kriegsunterneh­mens zu bringen. Wir haben mit dem Fried«,s- vertrag sehr schwere Pflichten übernommen, denen wir mit ehrlichem Willen nachzukommen haben. Zunächst gilt es die schwebende Schuld zu beseitigen oder herabzumildena. Früher, als fte vielleicht eine Milliarde betrug, bedeutete sie schwere Sorge; heute sind es 76 Milliarden. Durch die Kriegsabgabe, die Zmvachsstener und das Reicksnotopser wird die schirebende Schul > machen mir mehr Sorte, als dir mäßigt werden. Eine Bnxmgsnnleil;? wäre jetzt von verhängnisvoller Wirkung für unser Wirtschafte leben; es bleibt der Weg einer freien Anleihe oder einer Prämien-Anleihe. Jedenfalls was Menschen- geift ersinnen kann, muß geschehen, um die schwe­bende Schuld herabzümindern. Die 46 Milliarden schwebende Schuld machen wir mehr Sorge, als die 90 Milliarden Kriegsanleihe. Die Notenpresse in Gang zu setzen, ist kein Weg zur Herabminderung der schwebenden Schüld. Gegen die Kapttalflucht Müssen Maßregeln ergriffen werden. Durch die Maßregeln, die noch gegelt die Steuerflucht er­griffen werden, werben übrigens die deutschen Baicknoten, die sich im Auslände befinden, keiner­lei Wertverminderarng erfahren. In jedem Fall« werden die Maßnahinen hart, sehr hart fein. Aber auf .diesem Gebiet tonn keine Maßnahme scharf genug sein, um das öffentliche Gewissen au tau- rütteln und Gerechtigkeit für alle zu fd)affat. Die bis jetzt in zwetter Lesung verabschiedeten Steuer-- gcsetze und die noch zu verabschiedende Erbfhpfts- fteuer werden etwa 8 Mttluardcn bringen. Es müssen aber 25 Milliarden beschafft werden. Dazu sollen in erster Linie dienen die Einnahmen aus dem Reick snovopfer, aus der Umtatzsteuer und ans bet großen Reichsrintomnttnsteuer. Tas !vcrb aber auch noch nicht ausreichen. Deshalb wird rin neuer Weg beschritten werden müssens Hierher gehört die Erhöhung der Postgebühren. In Vorbereitung ist dann noch rin Gesetz über bic Besteuerung ber Mineralöle. Ich tonn mich damit einverftanden erklären, daß bte Umsatzsteuer erst dann verad- sck«det nirb, wenn die parlamentarische Sicher- heft besteht, daß die Rrichsrintornrnensteuer eint allseitig befriedigende Lösung findet. Tas große Vermögensopfer isst der erste Schritt zur Reichs- ftnanzreform. Es ist das rigentlichL Mittel, um den Rrichstoedit zu heben, gibt den Anlaß zu einet Generalinventur des gesamten Vermögears mtb ist das brauchbarste Gegenmittel gegen die verhängnis­volle Erscheinung ber Kapttalflucht. Wenn bir breite Masse sielst, daß die finanzkräftigen Kreise bis an die Grenzen ihrer LeistungsUhig- feit belastet werden, dann wird auch moralisch der Weg frei zu indirekten Steuern. Bestitigev wir die Ueberfülle der Geldmittel, barm mirb auch ber Weg wieder frei für die Senkung des Preis­niveaus. Dabei ist es setbstverstandlach, daß das Betriebskapital nicht so stark gekürzt wird, daß der Wiederaufbau des Wirtschaftslebens unmöglich wird. Die Verminderung des flüssigen Gelbe? wird vor allem auch bie Besitzmittel wieder wert- voll machen und u. a. den Kursstand ber Kriegs-

Ragnas Haupt sank auffchluc^end auf KissenTas Haar löste sich und wallte wie rin goldglänzender Mantel in ungebändigter Füllt herab.

Sven sah voll Rührung auf die schöne Mädchen gestalt, die einer büßenden Magdaleno glich unb dabei doch fa hoch, so stolz unb rein oox seiner Seele stand, baß er an betend zu ihren Füßen hätte knien mögen.

Leise und zärtlich legte er seine Hand auf das gvlbglänzende Haar unb sagte innig, fte mit ent­zückten Blicken bettachtend:

Namenlose, die du meinen Pftck gekreuzt, sei ruhig. Tu ttägst nicht ber Sünde Last, die trage ich selbst. Zwingen wollte ich mein Herz, der Blume zu gehören, die ich, enter Laune des Augenblicks gehorcheitb, an mein Herz nahm. Blume aber wollte nicht blühen an meinem Hnzen sie wirb unb muß verdorren, weil auch ihr junges Herz nach Siebe ringt. Aber das 'rollt ich geloben, über das junge Mritschenkind, das bestimmt ist, an meiner Seite durchs Lebm zu gehen, zu macken, es zu beschützen, zu behüten, fo viel rch vermag. Bist bu nun zufrieden, bn mein holder, mein süßer Schutzgrist?"

. Es lag eine leidenschaftliche heiße Zärtlichkeit m Svens Worten, und Ragna schauerte darunter zusammen. Aber nur einen Moment, bann rich­tete sie das blande Haupt hoch empor und tah ernst in seine heißen, sprechenden Augen.

Sie gaben mir schon einmal das Berspwchen, ®r®' svendburg," sagte fte aufstehend,aber nn: betten Sie es bis jetzt gehalten? Zum zw.'iken Matt bäte tch Ihr Wort Sie bürgen mir für Sigrids Mück, das mir mehr wert als das meine!"

Wie schön Ragna rtror mit den großen flam- menben grauen Augen, in denen helle Träum wtt feuchter Tau schimmetten.

(Fortsetzung folgt.)