Ausgabe 
13.5.1919
 
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«r. HO

Ter Gießener Injelget erscheint wqlich, außer Lonn- und Feiertags.

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pofts^eckfonlo: .irenffarl a. m. U686

Erstes Blatt

169. Jahrgang

Dienstag, 1.5. Mai 1919

GietzenerAnztiger

General-Anzeiger für Oberheffen

AwiMngrnmddruck u. Verlag: vrühl'schc Unis.-Such- il StciMbrncterei N. Lauge. Zchriftleirnng, Geschäftsstelle u. Druckerei: Zchulstr. 7.

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Seilenprelle:

1ür örtliche Anzeigen 25 Ui..kür auswärtige 30 für Reklamen Ml.l.-nebst 20°.Teue- rungsza! tlflg;'Vlot)Dor- Idiriii 20 X Aufschlag- vauptschn tleiler: Ang. ®ocr. ycrantroortlul) htr Politik: Ang. Goetz, für den übrigen Leit: Dr. Wetnbold Zenz; für den Anzeigentert: v. Beck; sämtlich in Gießen

Die nationale Trauerwoche.

Mancher Gläubige und Idealist ist in die­sem Lenzmonat bitter enttäuscht worden, und alle Parteien und Klassen des Volkes fühlen sich durch die übermütigen und maßlosen For- herungen unserer Feinde ins Herz getroffen. Dieselbe politische Mehrheit, und die Reichs­regierung an der Spitze, die uns den Mafe ft,erlag beschert hatte, zieht jetzt t>ic Fahnen aus Halbmast herunter. Es ist Zeit zu trauern, md)t zu feiern. Diesmal will das geschlos­sene Deutschland der Mahnung folgen, will vergessen und abwehren, was ihm sein Hebbel einmal niederschrieb, daß nämlich ein Maien- tth] eigentlich ein kategorischer Imperativ der Freude sei. Manche deutsche Volksschichten wa­ren bisher in einem Taumel befangen und haben unser Schicksal zu leichtfertigem Tanze au'gesordert. Jetzt wird bei der amtlichen Ver­ordnung einer Trauerwoche durch die lange Liste der üblichen und beliebten Volksbelusti­gungen ein Strich gezogen, und hören mit Bitterkeit, was da alles verboten ist: Sing- swelc, Tingeltangeln, Tanzlustbarkeiten, Un­terhaltungen auf den Rummelplätzen, schlechte Ätnosiückc und so weiter. Wir hören's mitBit- t. rlcit, denn auch diese Anordnung wird wie­der vom Auslände gehört und man wird da­von sprechen, ob es denn erst nötig war, das Eolbstverstäiidliche zwangsweise einzuführcn. Eine hohe Welle des nationalen Protestes geht durch Deutschland. In allen Städten erhebt | man sich gegen den Gewaltfrie'ocn der Feinde, und wahrhaft ergreifend sind besonders die verzweifelten Anstrengungen un'crer Brüder in den von der Fremdherrschaft unmittelbar i bedrohten Gebieten. Dort, in den Grenzlan­den, ja, es sind sogar leider weite Gebiete da­bei, die nahe am Herzen Deutschlands liegen, ertönt die Sturmglocke am hellsten und er* ichntterndsten. Wir werden diesen Frieden der I Lewalt, Unterdrückung und Schmach nicht an- nehmen. Regierung und Volksvertretung sind h-irin einig. Auch die deutsche Nationalver­sammlung hat gestern, mit Einschluß sogar der Vnabhängi'en, die Zurückweisung der vorge- 'fegten Fassung des Friedensvertrages.gefor­dert Es gibt kein Waffenmittel, auch kein auf der Gasse liegendes Tagesmittcl, um das Un­heil von uns abzuwenden. Die bloßen Pro- ! leftentsch i ßungen haben auch keinen Wert wenn sie nicht tiefer gehen als so vieles, was urrs jetzt nur als Rausch der Worte vorlommt. Es müssen stille, feste Vor­sätze, heilige Gelöbnisse fein, die wir über die Trauerwoche weit hinaus im Herzen tra­gen wollen, bis die Stunde schlägt, wo es wieder Mittel gibt, der Welt zu zeigen, daß der Deutsche sich nicht unterdrücken läßt. Wir müssen an die Folgen der Verweigerung unserer Unterschrift unter den Schmachver- trag denken. Die Gegner verfügen über furcht­bare Gewalt- und Zwangsmittel. Aber sie wögen sie anwenden! Sie mögen noch einmal unterstreichen, daß cs ein Zwangs- und Ge­waltfriede ist, und sie mögen die Abneigung und den Widerspruch der Neutralen und auch ter eigenen Volksgenossen, die sich jetzt schon gegen die unhaltbare Friedenskette auf» lehnen, verstärken. Dann müssen und werden wir vielleicht, znm äußersten Wricbcn, noch weitere Schritte zurück- weichen und unter Vorbehalt unterzeichnen, iann aber, und vorher schon, in der schwer­en Zeit der Prüfung, wird die Liste der ver- bi':ei'.en Genüsse und Vergnügungen vielleicht noch länger werden und ein anderer Zwang die behördliche Verordnung wird uns re* flicren. Suchen wir uns beizeiten Trost- und Ersatzmittel: sie liegen in einigen ewigen Menschenrechten, die fein Feind uns rauben kann. Dabei hört vielleicht unser Volk wieder wehr auf die bessere Stimme, die es jetzt lange genug unbeachtet gelassen hat. . .

deutsche Nationalversammlung.

Sitzung vom 12. Mai.

I o. Tie Narionalversammlung tagt diesmal m If'--y- ,-lllerdmKs nicht im Rcicltsagsgebäudc, I r;' wr cto.'iulid: r Platz ist, sondern in dcr Aula t &F.r?eIImcT UniDcrfität Angesichts der am feen L Cir.grn, tx>r Vie die deutschen Volksvcr* | ?nlF ,9'1t sind, ist das HauS voll besetzt. Um bhr eröffnet Präsident Fehrcnbach die Irrung unb nach emer Begrüßung der Versamm- ung ^.urch den Rckior der Universität geht man -a^'orbnirig über: Entgegennahme einer Er- Eung über, die Friedensbedingungen.

Minisderprä ident Scheidemann

das Wort. Er spricht von dem ungeheuren V,.1 stunde. Es gelte, das arme nackte tgen S« retten tür Land und Volt, heute, wo P* v c ordmsselnde Hand an der Gur-^l fühlt. Mc.ldemann w.tt nicht auf "bte Programmpunkte h' (Onö fis chen. Heute, wo er die Forderungen 5 ihrer Gesamtheit kenne, käme es ihm wie eine «Alterung vor, diese mit dem WilsonschonPro- Mnrm zu vergleichen. Tie Welt fei um ein Ideal inner yiwrben, das Bild des Friedens-

bringers Wilson sei im Verbleichen. I November nicht niebetgefegt," gibt er der Stirn* Versprechungen erfülle und einen Frieden nicht

regierung habe den Auftrag an ihre Unterhänd--

Unabhängigen, er-

Zänfereien. Des Hauses bemäckstigt sich ttxid Unruhe. Und als Haase, vom Präsidenten

wachsende

ipfe

Präsident Fehrenbach saßt alles

zu­

sammen, und mit stolzer Genugtuung stellt

tag

Hessen noch heute. Worten:Nehmen sind wir machtlos.

die sind.

Die Beratungen öer (Entente.

Paris, 12. Mai Wolff.) Havas. Am Sonn- fand weder eine Sitzung des Biererrats

Gröber schließt mit der Erklärung, daß nir hie uns gestellte Zumutung mit Entrüstung

des ganzen Hauses Ausdruck.

er Zeittrumsal.geordnete Bi11a verlieft eine

reick^s Rachsucht frättrn diesen Vertrag ersonnen. Ter Brite will uns genau so unterjochen, wie er die wilden Volker in seinen Kolonien geknebelt feit. Sehr wirkungsvoll ftnb seine geschichtlichen Hinioriie auf 1870 und auf diesen Krieg, den Frankreich g-wollt hat, bei dessen Ausbruch wir ifjm aber zuvorgekommen sind. Die Auslieferung des Kaisers nimmt in seinen Ausführungen einen breiten Raum ein. Wilhelm II. ist ein Deutscher und Teutsch? liefern wir nicht aus. Auch ferne Rede klingt an das Unannehmbar aus.

Ter Sdrfo3Wigcr Blunck protestiert im Na­men der Heimat gegen die 'Jlbtrnmung, ebenso Schuld -Bvomberg für die deutschen Teile der Pvovinz Posen. x

Tann folgte Stresem ann sür die Deutsdie Volkspartei Auch er beschäftigt sich mit dem Schicksal des Exkaisers. Schon einmal habe Eng­land einen feindlichen Herrscher bestraft und iljn auf St. Helena büßen lassen, aber jeder anstän-

Jugendliche Arbeiter aus dem Saar­gebiet zur Zwangsarbeit nach Belgien?

Berlin, 12. Mai. WTB.) Ter deutsche Vorsitzende der Waffensritlstandslommisttvn über- reick'e am 8 Mai in. Spa oem Docsttzenden der belgischen $3 a reu kil (": antx fom mt i i um folgende Note: Mitte Januar fei in derSaarbrücker Zei­tung" eine amtliche Bekanntmachung des franzö- sisck^n 2 tabtfo mmantanten des Inhalts erschienen, daß alle tugmÄichen Arbeiter zw sa-en 1-1 und 18 Jahren ohne Ausnahme crusgehoben und zu

h.'bt schärfsten Propst gegen biefeit Raubvertrag. Gerade die Unabhiirgigen hätten ein Recht zum Protest, denn sie litten auch die Friedensver­träge von Breft-Litowsk und Bukarest verwor­fen. Wieder berrfdr die nackte Willkür, aber nie­mals steige aus ihr ein Friede empor. Ihre Fol-

er fest, daß das deutsche Volk und Deutsche Nation aloersammlung einig

pvovinz vom Reich durch dem polnischen Zugang zum Meer verwerfen. Man habe gesagt, die Un­abhängigen wollten den Friedensvertrag formell unterzeichnen, sie denkten gar nicht daran. Tas möchten diejeirigen tun, die die Kriegspolitik mitgemacht hätten. Haase hofft auf die Weltrevolution, die den Imperialismus un­serer Feinde febtnrgfegen werde. Tarrn wendet er sich gegen bte Regien,ng^und kommt mit inneren

-urückocisen.

Frau Böhm-Schuch, eine Sozialistin.

Ten Neutralen, die strst eimnütig gegen diesen Frieden seid, bantt Präsident Fehrenbach. Er ba 'Tt dm ftanzösrchen und englischen Sozialisten und geh: zu einer Anklage über. Aus unseren Gr.T-ln wird uns ein Rächer entstehen. Unsere Kinder werden aufroadtfen in der bar'm Frohn her Feinde. Aber sie werden nicht nur die Fäuste baffen, ne werden auch ihre Ketten zerbrech'n und die Schm ad: '«chcm, die man uns heute angetan hat. liefere Nationalhymne war nicht der Ausdruck unfeves Herrsck?emrfllens, sondern eine gtüberrbc Gc'.alttmg der Baterlanbsliebe und auch in dieser Stunde gibt es für uns nichts anderes als: Teutkchland, Teutschland über alles, über alles in her Welt!

Wieder hat sich das ganze Haus erhoben und etwa zehn Minuten hindurch flammt es zu immer neuen stürmischen Kundg.'bimgen.

Eine Abordnunq von Danzig und Wkftprkvßkn.

Berlin, 12. Mai (Wolff.) Reichspräsident Ebert empfing am Samstag in Gemeinschaft mit dem preußi chrm Minislerpr äsidenten Hirsch und dem preußifchen Minister des Innern Heine eine Abordnung für Danzig und West- preußen, die sich zusammensetztc aus Vertte- tem des .Magistrats und der Stabtorrorbneten* Versammlung von Tan zig, des bcutidym Volks­rats rür Westpreußen, des Vollzugsausschusses, oem Vorsteher der Kaufmannschaft und des Bürger- ausschulles sowie mehreren westpreußifcben Mit­gliedern der Nationalversammlung. Als Führer der Abordnung er tl arte Oberbürgermeilterj Spann feierlich den unerschütterlichen einmü­tigen Willen aller Stände und aller Parteien! in Stabt und Provinz, untrennbar am Deutschen Reiche festzuhalten. Tiefer Wille werde durch cie ungeheuerlichen Friedens bedingen gen unfercr* Feinde nur gestählt und noch entschlossener. Dan­zig und Weüoreußen seien der festen Zuversicht, haß die MeiÄsrrgiermig itzre fo oft gegebavat

Ter Redner der Deutschnationalen ist Gras Posadowskv. Englands Brutalität und Frank-

dige Englänlx-r fd)ämc sich Stvcsemann schließt mit den wir diesen Vertrag an, boTtn rechtlos, .chrlos."

Haase, der Führer der

dankbaren Freude .über dieses starke BefermtniS zum Deutschtum Ausdruck: die Fricdensbedin- gungen der Feinde seien für unser Volk unerträg-* Ud) und undurchführbar. Ties gelte ganz be-' sonders für die Tcutschm im Osten. Tie Reichs-

vHTipremungen ctnnie unv einen irricjm niuji unterzeichne, der Tanzig und Westprcußen hont Reiche abtrenne. Präsident Ebert gab nornen» der Reichsregierung in herzlicher Weise feiner

noch eine her Minister des Acußern statt. Infolge­dessen werden die Regieruug-führer erst am Montag die Antwort feftlttifen, die auf die beiden Noten des Grasen Brockdorff- Rantzau, die er am Samstag Clemenceau zu­gehen ließ, geben wird. Lloyd George, der sich am Samstag nach Fontaineblcnu begeben bat, hat noch keine Kenntnis von ihr genommen. Dagegen hat Wilson den Tert gelesen. Wir glauben zu wissen, daß eine dieser Noten auf die Heimsendung der Kriegsgefangenen Bc;ug hat, die die deutsche Delegation bald sehen möchte. Die zweite Note bezieht sich auf die Arbeitergcsetzgebung und die internationale Regelung, die die deutsche Delo» gation zu diesem Zweck oorschlägt.

Unsere Vertretung in Versailles.

Versailles, 12. Mai. Die Reichsminiftev Giesberts und Landsberg und 15 weitere Herren der Delegation sind gestern nach Berlin zurückgereist.

derh^tt unberbrochen. dieses Thema mcht fallen lassen will, macht fid) die Empörung in stürmi­schen Lärmszcnen Luft. Haase schließt dann mit einem Bekenntnis zum deutschen Volk, das nicht imterg'b"ii werde, sondern im Sozialismus feine Auferst^h mg feiere.

Tann sprccht Frau Weber, eint Lehrerin aus Köln, für ihre Heimat Eupen und M al- medp, die an B'lgien fallen sollen. Mit Kraft U7Ü> Entrüstung schildert bte Rednerin die Zu­stände in den besetzten Gebieten. Ob man oas den Kölnern fünf Jahre, den Mainzern gar fünf­zehn Jahre zumntcn soll?

Für die Westprenßen spricht bann Graf Dvh n a , der natvonalliberafe König.berger Unt» verfi'ätspwfessor, für die Schlesier der Melw- heitssozialist Löffler.

Tann hat man noch Professor Quidde das Wort gestattet, wnl er der Führer der deutschen Pazifisten ist.Warum t'feien beim unsere Feinde ein internationales Gericht ab? Weil sie genau wissen, wie das Urteil ausfallen muß."

Scheidemann vergleicht dann die Zukunft der beut* scheu Nation mit jenen Brüdern in Feindesland. _______________

hinter Gesängnisgittem, nne man es auf dem, Erklärung der Oberschlcsier, daß sie beim Reich Plcckat siebt, das jetzt die nxrfätige Hilfe für' bleiben wollen.

unsere in Gesmigem'd>aft schwach enden Brüder aus-1 rufen will. Tte Feinde wollen 60 Millionen

Deutsche Ifenter Stad»cldrahr sdnnachten lassen und habet das eigene Land zum Gesäugen, nliger wachen. Kerne Hand könne sich hrnailssttecken, ohne in eine Schling? zu gern'en Sie haben nichts vergessen, aber alles hrnzugelemt. tvas Vernich­tung und Zerstörnnq heißt Teu'.schland soll von her Außenwelt abgeschiftton werden. Schcidewaun spricht dann iw einzelnen von den vernichtenden Bestimmungen des Pariser Entwurfes, von der Xbtrctunp deutscher Gebiete, von der Kontrolle des deutschen Handels nach dem Auslande, von der Rechtlosigkeit der deutschen Republik innerhalb der Völkergesellschaft, von der Ausliesenrng ter deutschen Schisse, der fitobfe, der deutsch-n Kolo nicn, Kabel usw Wir sollen Frondieuue für die ganze Welt leisten. Sch.Üemann ist mit diesem Vertragsentwurf, der so die Zickanft einer ganzen Nation vernichtet, nicht ei^nerflaitbeiL Was soll ein Volk machen, rüst er aus, das tbci her Fest­setzung seiner Berpilchtungen nid)t mitreden darf, das höchstens stch äußern darf, ohne bei den Ent­scheidungen beteiligt zn werden, auf dessen eigene Bedürfnisse fern Mensch Rücksicht nimmt. Tie Regierung hätte Gegenvorsdstäge gemadit Sie sähe ihre heiligte Aufgabe darin, zu Verhüllungen zu fommen. Ter Vertrag» sei uimimchmbar, so un­annehmbar, daß er indvt zu glauben öcrmödjte, daß die Erde solch ehi Buch ertragen könne, ohne daß aus Milliv'.!eit Kehlen der Ruf erschalle: Weg mit diesem Vdorhrlan.

Für die Mehrh i 6feziallsten spricht der Abgc ordnete M ü l l« r-Breslau, der sich ebenfalls in k.äfrigen Worten gegen das Friebe-rsniachwerk der Entente weilet. Tic bentfdxm SotitaRxmiofraten seien aiud> in beit Zeiten, nx> die milt-ä-.ische Lag: für Teutsd^and günstig war, für einen Rechtsftie- den ?aig?treten. Mit diesem Vertrage solle der deutscke Arbeiter verfllavt werben, bamit die deut­sche Republik auf sozialpolitischem Gebiet in der Welt keine moralischen Eroberungen machen könne. Ter Sozialismus in allen Ländern solle getroffen werben. DaS deutsche Volk lasse sich nicht zur Sklaverei verurteilen. Tas solle sich Europa an diesem dunklen Tage deutscher Geschichte merf-m.

Ter preußische Mrmstertträsidanl Hirsch gibt vor den Ausführungen t>?5 Abg. Müller im ?luf- tragc der Regierung und sämtlichvr deutscher Frei­staaten eine E.klärnng ad, rn der es u. a. heißt: Lieber Tod als Skülv! In der furch'barsten Not, die tmser Volk je heimgesuckst hat, stehen wir alle in imerfdÜUtcrlidier Treue zum großen bcutfd)en Vaterlai.d. Mil dem deulsch.-n Svr alismus wollen die Entent-kapidalisteir d?s Sozial smus in allen Ländern treffen. Teshalb ist dieser .Fricdcnsv r- trag im Grunde g-nommen das furchtbarste S o z i al i stengefetz, das cs jemals gegeben l>at -Hoffentlich sehen das unsere fraerzösisdxn und cnglifdicit Genossen in sfeige.dem Maße ein. Ter Vertrag g h: über alle so;i.üisrischen Forderurtgen 6ür Tagesordnung über. Wir fordern, daß vor der cubgiülhgen Aitnahme des Vertrages die Völker selbst gefragt werden. Wir aber wollen weiter schreiten aus'der Balm der Kultur und des sozial­politischen Fortschritts. Komme, was kommen mag! In einer Zeit, in der selbst die letzten Nationen zu. felb/jänbigcm staatlichen Leihen ecraerft werden, läßt sich das ceutübc Volk nidit zur Sklaverei ver- ur!e len. Tas mag sich Europa an diesem dunklen Tag' deutscher Geschichte merken. (Stürmischer Beisall.)

Al-g Grocber (Zcntr ): Was uns jetzt vor­liegt, laßt von den Wilsonschen Purrktcn keine Spur merken. Tie Wilsonsch-en Grrmd'sätze sind aing baut auf dem Selbstbestimmu^ gsrecht der Völker und Beachtung der Nationalrat. Wo ist in den uns gestellte-1 Bedingungen von bewtschcm Selbstbeßimmungsredt und von der Aditnng der dcutsch.en Nationalität etioas zu finden? Sogar den Teutsd^Sesterre ch'ni soll dcr ?lrrschluß an Teutfchland versag: werden Hand in Hoard mit den territorialen Verlusten geht die geforderte Ent- wassnung Teutschtccnds. Tentschland soll wehrlos gemacht und die obligatorisch: Tienstpflicht abge­schafft werden. Wird mit den finanziellen Frie­den Sbedingungen ernst gemacht, also die Befrie­digung dcr Feinde durch beutfdjes Geld vor der Be- ftiebigtmg unserer inländischen Zalchrngsvervslich- ttrng.it, so wäre das Reick) und die Eivzelstaaten zum Ba frott gezwungen. (Sein richtig.) Eng­land und Frankreich, fi-tb zwir einig in ihrem Haß gegen TeutsÄand, aber nicht einig in ihren Kricgs- zielen. Frankreich braucht ein lristungöfähiges Teutsch'.and, das Frankreichs zerrüttete Finanzen burd? seine Opser wiecvr aufrichten kann. England aber will einen unbeguemen Konkurrenten los sein und verlangt deshalb ein wirtschiftlich schwaches Tcutschland. Alle die Bedrng.tngen, die Deutsch­lands Wirtschaft in so unerhörter Wei'e schwächen, sind eine.Beeinttäch^ttg'rng des französischien Kriegs- zicles. Sollchc Friederrsbedingungcn sind also >'ogor vom Standpunkt unserer Fembc aus unerfüllbar. Wenn endlch; auch woch verlangt wird, daß wir uns verpftick^en sollen, den deutschen Kai'er und eine Anzahl volftischer und militärischer Führer an ein Gericht unserer Femtte zur Aburtcllungaus- julicfern, so weisen wir eine solche Zumutung mit Entrüstung zurück. Tie Friedensbedingimgen, deren Annahme aent uns gefordert wird, stellen nicht einen Rechts frieden bar, sondern einen Gc- naltfrieden voll Haß, voll von Keimen neuer Ge­walttaten, von Ungrreririgtcitcn, eine Quelle neuen Völkcrftreitcs und endloser Kämpfe.

Konrad Haußmann ergreift bann für die demokratische Partei das Wort. Ms er mit er­hobener Stimme erklärt:Hatten wir diesen Frie­den geahnt, wir iffljax Waffen am Xk

spricht im Namen der Frauen und Mütter unb i _ ... ___

schlicht mit einem Appell an alle Frauen der Erbe i ler gegeben, alle diese Fragen ringchend zu prü- Ter Redner der Deutschnationalen ist Gros fen und den deutsdien Standpunkt den Fcind.ir

gegenüber mit aller Kraft zur Geltung zu bringen. Ter Augenblick her Entscfe-idung sei gekommen. Ministerpräsident Hirsch schloß sich für die preu­ßische Regierung den Ausführungen deS Reichs­präsidenten an und erklärte ausdrücklich, daß. wenn ter Friede solche Bedingungen, wie die jetzt vor­liegenden enthalten sollte, er für die Regierung unannehmbar sei.

ineRci)eDernburg$im$taatcnausfd)u6

Berlin, 12. Mai. (Wolfs.) In der Sitzimg des Staatenausschusfes hielt Reichsfinanzminister Dernburg über den von den Alliierten in Ver­sailles überreichten Friedensentwurf eine Rede, aus deren Inlwlt folgendes hcrvorzuhcbcn ist:

Alles deutsche Eigentum, ösfentliches wie pri­vates, im Ausland wird konfisziert. Tas Nieder­lassungsrecht wird von einer ein citigrn Landes- geictzgcbung abhängig gemacht. Alle Kvnzcsfiviiew und dergleichen müssen der Entente überliefert werden. Schiffe und Kabel werden weggenommen, ja Funksprüche werden zum Zwecke dcr Handels-, spionage in die Kontrolle dcr Alliicrten gebracht. Tie Kriegrinaßnahmen hinfichllid) der deutschen Rohstossvcr'orgung bleiben in Kraft. Deutschland muß seine Nationalen tür den Wert der wcggenom- menert Aftiven entschädigen, was es doch nur mit Hilfe einer inneren Anleihe machen kann. 91 bet Zinsen darf cs auf diese Anleihen nicht bezahlen, lolange nod) Schulden an die Entente bestehen. Teutsd)es Url)eberrecht, Patente und dergleichen sind und bleiben ims iveggenommen. Irgendein Pfennig Wert und irgendeine BetätigungSmöAlirh- teit im Ausland verschwindet: auf alle überseeischen: Rechte müssen wir restlos verzichten. Dagegen genießen unsere Feinde in Deutschland die volle Meistbegünsttgimg. Auch in Punkt Niederlassung' erhalten sie alle ihre Akttven zurück. Ihre For­derungen werden durch die Entente in bar geregelt zu unseren Lasten, mtb diese behält sich vor, bewegliches und unbewegliches Eigentum, Ge­schäfts- und WirtschaftsunternehmiMgen, Kon­zessionen unb dergleichen für Redmnng des SchadcnsanspruchZ in Empfang zu nehmen. Von Gcgcnfeitigfeft ist nirgends im Vertrag die Rede Ta Deutschland für feine Ernährung und Beschäf­tigung sowie für feine Zahlungen auf den Außen­handel angewiesen ist, gehen diese Bestimmungen auf die volle Erdrosselung unb Hinschlachtung unseres Volkes hinaus und richten sich vorzugs­weise gegen den deutschen Arbeiter, der in Zu­kunft im wesentlichen für unsere Feinde frobnben und niemals zu einer mgerne)fenen Lebens­freude unb Lebenshaltung kommen soll.

Ter Schabensanspruch sott offenbar auf Polen, Rußland, Rumänien und Serbien ausgedehnt werden. Seine Feststellung erfolgt ganz einseitig. Unseren Kriegsbeschädigten bür en wir nichts zu- temmen lassen, noch nicht einmal eine Armcmmter- stützung. Unsere Kolonien werden ,lns weg- genommen ohne Entschädigung für unsere Auf­wendungen darin (Bahnen usw ). Tas feindliche Angebot ist unannehmbar, denn es bringt einen Frieden gegen die schaffende Arbeit unb gegen die Demokratie und hat zum Ziele die dauernde Ver­sklavung der deutschen Arbeitcr.

Nach der Erllarung des Reichs/inanzmlnisterS teilte der preußische Ministerpräfident Hirsch mit, daß die Vertreter der deutschen Glicdstaaten in der vorausgegangenen Sitzung einmütig zir her Ueberzcugung gelangt seien, bau der Friedens- Vorschlag in der vorliegenden Form unannehm­bar sei.