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Au» Statt und Land.

Gießen, 12. Februar 1919.

DieSchwlerigkcltenderKohlenbeschassuna.

Die Nachricht von der Beendigung teS Bergarbeiter stteikS in Oterschlesien berech­tigt leider nicht zu der Hoffnung, daß sich nunmehr die Koh^entersorgung Deutfchlarws alsbaldbessern wird. Die durch bte um- fangreiä^ Abgabe von Lokomotiven an die Entente hervorgerufenen Transport­schwierigkeiten machen sich in allen Kohlenrevieren immer mehr fühlbar. Dies zeigen folgende Zahlen aus der: beiden größten Steinkohlenrevieren: Während am Montag, 3. d. M., im rheinisch-westfälischen Bezirk bte Eiseitbahnwagengestellung, die im Vergleich zur letzten Woche günstige Ziffern von 18 160 Wagen aufwies, ist sie im Lause der Woche bisaus!2550amFreitag, 7. b. M., zurückgeaangen. In Ober­schlesien ist eine Abnahme von 4568 Eisen- bahnwagen am Montag, auf 3097 am Frei­tag zu verz tchne t. In günstigen Zeiten wäh-, rend des Kruges haben Die Wagengeslel- lungsziffern für Westfalen 25 000, für Ober» schlesieu etwa 12 000 Wagen täglich betragen Aussicht aus baldige Besserung der Trans- portherhältnisse besteht zurzeit noch nicht.

£ebeii<mitte(.

Bei btn (Btrnüfekonferoen, bie vom ßebensmittclamt in biefer Woche zur Ausgabe kommen,

Beachtung finden. Solche Änfraoenbe müssen ent» tntoer durch die Ortsgruppen direkt teer durch bi: fcaiwtleihmg an bie zu ständigen Anwälte ver­wiesen roitoen. A le Anfragen sind, unter An­erben über bi? Mitgku:bsü) um H.'s ischen Vvtks- bunbe yu richten an: Heslitcker Bolksbund, Abt. Rechtsbi.-n't, Marlmcs i. &., Neusadl 16/'

oa. Friedberg, 11 Febr. In der gestrigen StadtverordnetensitzunA wurde ter Gasprri.^ ab 1. Januar um 5 Pt. für das Kubi'- nveter erh5fjt,ro baß in Zukimtt Koch- und 2ntd» gaS 30 Ps., Molorgas 21 Pi. je Kubikmeter toi'trn, der Kokspreis wird von 3 Mark auf 4 JßiarT «steigert. Rektor Lang, ein geborener Fried­berger, hat in seinem Testament Der Stabt 300 Mark jur Erhaltung der Stadtkirche überwiesen. Den' Bürgermci.-er war eine Aufforderung der Hessischen Regierung -ugegangen, sich über bw Su4lmtg Friedbergs zur Frage »Groß- Hef se n" zu Suß rn. Stabt». L?uch:gms, Langs- darf und Beig. Aindcckcr sprachen sich eMsclüct-en dafür aus, daß ein Ansckfluß von Kurhessen und Hessen-Naiiau an Dbcrteiieit »u crÜTcben sei. Es gelte, innerhalb der deutschen Reichsemheit Ne Stamm sart zu wahren und das könne in einem Großhessen" entschieden besser ae'chchcn als in den Grenzen dcS jetzigen Staates Hessen, zumal Rheinltessen und auch -Starkenburg nur lose mit Oberhessen verbunden leien. Auch wirtschaftlich, kul­turell und finanziell bilde .Großheffen" eine leistungs­fähigere Einheit als der gegenwärtige Staat Hessen. Die Reichseinheil, die vor allem erhaben werden müsse, würde durch eine Umgruppierung der Glied­staaten, die allein dynastischen Gründen ihre jetzige Grenzführung verdanken, nach völkischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten und einer Der, gröfoerung einzelner Staaten nicht notleiben - Deigeordn. Falck und Stadto. 3hl sprechen sich gegen eine Vergrößerung Hessens aus und betonen Man solle unser Reich zentralistisch aufbauen. Ihnen wurde entgegnet, daß es sich ja darum gar nicht drehe, sondern um die Frage, ob Hessen den Umfang behalten solle, den es jetzt habe, oder eine Dergröße- ring anzustreben sei. Obgleich über die Frage nicht abgestimmt wurde, darf mit Sicherheit angenommen werden, daß der weitaus größte Teil der Dersamm- lang fürDroßhessen" eintritt. Es wurde beschloßen alr Rotstandsarbriten in Friedberg ausführen zu lassen, in der Hauptsache Pflasterungsarbeiten. - Um einer Anregung de« Demobilisationsamtes zu ent- sprechen, sollen 2 Kehrichtabfuhr., 1 Spreng- und 2 Schlammwagen und verschiedene Bedarfsgegenstände für bas Gaswerk angeschafft werden.

tw. Ziegenhain, 9. Febr. Der Hessische Bolksbund veranstaltete am Sonnabend und Sonn­tag gut besuchte Versammlungen in unserer Stadt und im benachbarten Frielendorf. Trotz Kohlen- mangel und Kälte folgten bie Zuhörer gespannt ben Aussilhrungen der Karreier und einheimischen Redner, die eindringlich ausfoxderten zum mutigen Kampf für bas, was wir jetzt am nötigsten brauchen, ein ein- heitliches starkes Reich mit kräftiger Aktzonsgewalt nach außen und reiner Gliederung in gleichberechtigte freie Selbstverwaltungskörper (Bundesstaaten), unter benen Gesamthessen als Mitglied im Reichskörper nicht fehlen dürfe. Wir brauchten geschloffenes (Ein­treten aller für ben Preuh'schen Derfassungsentwurf und mit ihm sür den Freistaat Heflen gegen Rhein- chundgelllste und Partikularismus. 3n beiden Orten traten starke Ortsgruppen ins Geben.

handelt es fich nicht um DSrrgemüse (mMärisch Stacheldraht genannt), sondern um Päckchen der Eisernen Ration. 3n ben einzelnen Päckchen finb je nachdem enthalten. Erbsen, Linsen, Bohnen usw. ober Reis Mit bie'er Mitteilung bcs Lebensmittel- amtes wird bie Zurückhaltung, die bisher von unseren Hausfrauen den unbekannten Gemüsekonserven gegen­über geübt wurde, wohl behoben sein.

"Zulagen an Schwer-,Schwerst- und Nüstungsarbeiler. Durch Verfü­gung des Hessischen LanteS-Ernährungsam- tes vom 30. Januar 1919 kommen vom 10. Februar 1919 ab in Wegfall: 1. die Zu­lagen für Sckwcrstarbeiter mir Ausnahme: a) der ünler Tag arbeitenden Bergarbeiter, b) der Sckiwcrstarbci.er im Eiscnbahndicnft. 3. Die Schwcrarbeiterzulagen. Tie Broizula- gcn für Schrvcr- und Schrverstarbcilcr beeilen vorerst in der seitherigen Weife bestehen, bis die endgültige Entscheidung des Landcs-Er- nähruug'amtes vorliegt.

* Freigabe des Absatzes von Dörr- gemüse. Der Waffenstillstand und die damit ein- setzende Demobilmachung von Heer und Marine haben zur Folge, daß ganz erhebliche Mengen von Dörr- gemüse nicht mehr für die bewaffnete Macht benötigt werden. Da außerdem weitere Mengen an Dörr­gemüse bereits hergestellt ober in ber Herstellung be­griffen pnb, hat sich bie Kriegsgesellschaft für Dörr- gemüse veranlaßt gesehen, den bisher untersagten Absatz von in ändischem Dörrgemüie freizugeben. Sie weist jedoch in ber von ihr im Reichsanzeiger Rr. 28 erlassenen Bekanntmachung ausbrücklich darauf hin, daß durch diese Freigabe nichts an den Absahprci en geändert wird, die sie in den Bekanntmachungen vom 1. November 1918 (Reichsanzeiger 264) und vom 8. Januar 1919 (Reichsanzeiger 12) festgesetzt hat.

** Ausgabevon Süßstoff (Saccharin). Für bte Zeit vom 1. bis 28. Februar 1919 irirb (Kfl<m bi? LiescrungSabschnitte 26 und 27 ber SüßsbofstarteH" (blau) und yyen bte Liese- nmoiabfdritte 6 ber alten und 1 der neu au?» zuobcnden SüfjÜoffTartcnG" (gelb) von den Süßsiosfabgabcstcllcn Cüßsivsf abgegeben. Sicl)e Bekaimtinochung.

** Amtliche Persvnalnachrichten. Ernannt wurde am 5. Februar der evangelische Pfarrer in König L O. Wilhelm Knövp zum Dbi-rlebrcr an dem fielyrerfvmmar in Alzey. Am 7. Februar d. I. wurde der Gtcuerxnmeber Adam Kraß zu Groß-Umstadt bi den Auffeher- bczirk Babenl-ausen versetzt.

L. U. Von ber LandeSun iversi- t ä t. Das Ministerium für Büdungöwesen in Darmstadt hat den Prioatto enten Dr. Albert Deppler zum außerei «^mäßigen aufrrorbent- lichen Professor an ber Universität Gießen er­nannt. Ergänzungskursc an ber LanbeS-Universität. Im Kriegsnoi- semester lverben zwei- bis breiftünbige Ergän- zungskurse für Stubierenbe mit Eriegsreifeprüfung abgel>alten. De Kurse werden von Oberlehrern geleitet. Es kommen folgende Fächer in Betracht: Mathe­matik (Oberlehrer Prof. Dr. Maennchen), Französiich (Lehramtsassessor Dr. Krämer), Englisch (Lehramtsasses or Krauß), Geschichte (Lehramtsasses or Lüve). Für Abiturienten ron Oberrealschulen wirb ein zweistün­diger lateinischer Kurs abgel>alten (Bib­liothekar Prof. Dr. Fritzsche), und ein zwei­stündiger englischer Kurs für Abiturien­ten von Gymnasien (Lektor Dr. Svira). (genauere Auskunft über diese Ergän- zungSkurse geben bie Ankündigungen an den id)toaryu 'n^Z^^^ngsgebäudc.

Geffentlicher Vortrag der Herrn Prof. Dr. Emetin über den

Reichsverfafsungr-Lntwur! Freitag den 14. Februar 1919, abend 71/, Uhr, im «aale des Hotel» Großherzog. / Angehörige aller Parteien sind willkommen.

fl-ttiztion'ocrjSiebenen ~lDeiYtn"i6e^J?w

wir gebeten, den Wunsch weiterzugeben, die Eisbahn möge an den mondhellen Abenden von 8-10 Uhr >em Besuche geöffnet werden. Eine Bel uchtung durch Bogenlampen wäre bei Mondschein nicht no wendig. Vielen berufstätigen Männern und Frauen ist erst in ben Abendstunden bie gesunde eissportliche Be­tätigung möglich. Vielleicht findet ber Eisveriin einen Weg ben berechtigten Wünschen ber Erwachsenen ent- . aegenjukommen, inbem Kindern der Besuch ber Eis | bahn am Abenb verboten wird.

* Ein neueingelegter Perfonenzug ver- kehrt nunmehr ab Gießen 5.30 nachm.. an Marburg 6.26 nachm. Der Gegenzug geht ab Marburg 6.50, an Dießen 7.46. Die beiden Züge führen nur 3. und 4. Klaffe und halten an allen Stationen. Da bie beiden Züge hauptsächlich für den Arbeiterverkehr vorgesehen sind, so wird durch sie einem bisherigen Mangel abgeholfen.

** Die Sprechstunden für geschlechtskranke tzeeresentlassene finden in G-eßcn nicht nur Diens­tags und Freitags sondern von Dienstag bis Freitag täglich statt.

* DaS Sinfonie-(Wohltätig- keitS-) Konzert zum Besten der Dimer- bliebe.ie.t gefallener und für durch Kriegs- maßualnneii erwerbsunfähig aeivortene aktne Un:e-os inerc des Gießener Regiments findet morgen 77e Uhr auf der LicbigShöhc statt. Wie uns mitgeieilt wird, ist für gute Durch­heizung des Saales Sorge getragen.

Fah rradsteuer Der Veloziped-Klub Darm- stabt ha-, wie berDarmst. Tägl. Anz." berichtet, an das hessische Ministerium des 3nnem bie A ngabe ge- richtet, es möge eine Befreiung aller Radfahrer Heffens von der Stempelabgabe für Fahrräder bis 31. März 1919 verordnen. Begründet wird bie (Eingabe bamit, daß, als im August 1916 das Verbot brr Gummi­bereifung erschien, eine Rückvergütung ber Stern- pclobgabe von August 1916 bis 1. April 1917 hatte erfolgen müssen; damals sei von der Regierung ver­sprochen worden, daß die Angelegenheit nach Beendi­gung bes Krieges geregelt werben sollte.

** Sammlung von Ka n inchenfel - len. Dem ver iiriy en Kairinckenzucht» und Pst.geverrin Glichen ist es gelungen, für die ge» fantrndten Felle zu Höchstpreisen ci:cn Abnehmer zu finden. ES liegt somit im Interesse aller Züchter, bte Felle nach wie vor den Sammel« flvflcn Kuzu'üln:'n. Bei ber noch immer bestehenden RVbftvsfknavphit ist es von größter Wichtigkeit, daß nichts verludet wird Auf diese Weise kann auch ein Jeder der forschenden Arbeitslosigkeit in etwas ablxkfen. Tie Sammelstellen werden im Anreigenteil dieses Blattes befarattgegeten werden.

** Freiwillige für Heimat- schutz? Die Heimat ruft die bereits aus dem Heeresdienst Entlassenen zum Eintritt in die Freiwilligenverbände auf. Diese haben den Zweck, den Sicherheitsdienst in der Heimat zu verseten und das wertvolle Hcercsgut zu be­wachen und zu erhalten. Das hessische Infanterie-Regiment Rr. 116 in Gießen stellt zu diesem Zweck Freiwilligen- kompagnien auf, in die bereits entlassene Offi­ziere, Unteroffiziere und Mannschaften ein tre­ten können. Freiwillige melden sich unter den folgenden Bedingungen in Gießen beim Jnf.- Negt. 116, Meldestelle im Wachtgebäude der Zeughauskascrnc, 2. Stock, wo wunschgemäß die Zuteilung zu den Freiwilligenkompagnien der Bataillone erfolgt. Die Einftellungsbedin- gungen sind aus dem Anzeigenteile zu ersehn.

* * D i c Hypothekenbank t n Ham­burg veröffentlicht im Anzeigenteil ihre Bilanz auf den 31. Dezember 1918. Wir weisen daraus hin.

Landkreis Gießen.

mz (Ettingsbaufen, 9. Febr. Unter einer außerordentlich großen Beteiligung würbe heute ber fficmeinbtredjner unb staatliche Untererheber Hahn begraben. (Ein Herzleiden endigte unerwartet bas Leben biefes tüchtigen unb allseits beliebten Mannes.

Geilshausen, 11. Febr. Das Gemeinbe- ratsmitglieb Konrad Hilberg von hier würbe zum stellvertretenben Bürgermeister unserer (Bemeinbe eid- lief) verpflichtet.

(Brünberg. 11. Febr. Der Unterricht in ber Voklsschule, deren Räume als Maffenguartier für bie hier durchkommenben Truppen benutzt wurden, muß bis zur gründlichen Entlausung unterbrochen werben.

th. Ganggöns, 10. Febr. 3n ber vergangenen Woche würbe von ber Rachtpolizei am Bahnhof un­mittelbar vor ber Abfahrt des letzten Abenbzuges nach Frankfurt a. M. bem Mehgermeister Hch. Klees aus Frankfurt a. M., als er gerabe in ben Zug steigen wollte, über 100 Pfund Wurst unb erst- k affiges Rindfleisch abgenommen. Klees unb besten ebenfalls in Frankfurt wohnenber Drüber finb fast täglich meAfelroeife in Langgöns unb in ben benach­barten Ortschaften auf Hamsterfahrten unb betreiben ws Aufkäufen von Rahrungsmitteln im hessischen Gebiet en gros. Man wundert sich schon lange über das ungenierte Treiben der Leute, welcke enorme Preise bezahlen, und begreift nicht, wie es diese Leute möglich machen, von ber Frankfurter Polizei tägliche Fahrterlaubnis zu erhalten, bie für kleine Hamsterer Schwierigkeiten machen. - Der Barbier und Schweine- Händler Konrad ßauber von hier wurde dabei gesaßt, als er eine Kuh geschlachtet hatte. Die Hälite des Fleisches wurde von ber (Benbarmerie noch oorgefunben und nach Gießen verbracht.

Kreis Schotten.

e Schotten, 10. Febr. Das auf dem Weg- von Schotten nach dem Lehrerheim .Voge'sberg" ge«

legene GasthausIiegelhStte" wurde von dem Pächter des Lehrerheims Rudolf Müller käuflich er­worben. Drr neue Besitzer hat bie Absicht, bas An­wesen zu einer neuzeitlich eingerichteten Sommersnsch« ausiubauen, zumal bie Anfragen nach Cuftkuraufent. Hali im Vogelsberg mit jebem Fahre zahlte chcr ein­laufen und längst nicht mehr befriebigt wyben können. Die .Iiegelhütte" liegt unfern bes Hoch­waldes in sehr geschützter Lage.

§ Herchenhain, 8. Febr. Gestern wurde b*r in Rieder-Seemen infolge eines Unfalles bei feinem Fuhr­werke tödlich verunglückte Landwirt und Händler Baltaser Adolph zur letzten Ruhe geleitet. Heute nun wurde die 30jäMge Kriegerwi we Marie Port, die infolge einer schweren Krankheit im Kranken­hause zu Fulda verstorben ist, zum Friedhöfe ge­tragen. Ihr Mann fiel im August 1917 bei Focsaick in Rumänien, und ihr Töchterchen wurde wenige Tage zuvor ber Mutter auch im voraus zum Gottes­acker getragen. Ein dreijähriges Söhnchen bleib* elternlos allein zurück.

Kreis Friedberg.

bz. Butzbach, 10. Febr. 9n ber .Butzbacher Zeitung" vom Samstag würbe mitgeteilt, baß aus der Stallung bei Küchel brei Pferde gestohlen worben seien. Inzwischen ist es gelungen, bie Täter zu er­mitteln unb bingfest zu machen. Musketier bc Bayer vom Inf.-Regt 168 war ber Anstifter bes Diebstahls, sein Helfer ber Metzgerlehrling Albert Lang aus Frankfurt a M. Sie erbrachen ben Stall am Don­nerstag abenb und ritten mit ben erbeuteten Pferden nach Rieberweisel, wo sie mit bem Dferbe änbler K. ein Geschäft zu machen hofften. Al- baraus nichts wurde, beschlossen sie, nach Franks.irt weiter zu reiten. 3 Riederwollstabt stellten sie die Pferde ein. be Bayer kehrte mit ber Bahn zu feiner Truppe nach Butzbach zurück, sein Helfer Lang begab sich nach Friebberg. de Bayer wurde im Laufe des Tages des Diebstahls verdächtigt und verhaftet. Als Albert Lang am näch­sten Morgen in Butzbach erschien, um sich nach dem Verbleib seines Genoffen zu erkundigen, erreichte ihn das gleiche Schicksal. Lana ist seit Dezember v. Zs. ohne Anstellung und hat sich seitdem vorn Schleich» bandel ernährt. Lebensmittel, die er in den Ort­schaften ber Wetterau ankaufte, setzte er in reichen Frankfurter Privathäufem mit großem Gewinn wie­her ab. Wenn er nicht gerade .Geschäfte* machte, iaß er in Kneipen und gab sein Gelb für teure Weine aus. Zu nächtigen pflegte er mit Vorliebe in ben Wartesälen der Bahnhö«e.

Starkenburg und Nhtitchesftn.

mr. Darmstadt, 10. Febr. (Es besteht die Ab­sicht, bie Straßenbahn nach Meinheim elektrisch auszubauen. Damit würde in Weinheim der Anschluß an bie elektrische Dahn nach Mannheim erreicht und eine vollkommen elektrische Verbindung zwischen Darmstadt und Mannheim hergestellt.

Hessen-Nassau.

oz. Dom Herzberg, 11. Febr. UeberaQ laufen junge Bürschchen von schon 9 Jahren in den Dörfern herum, kaufen Hasenfelle, Lebensrnittel u. bergt ober taufchen bie Sachen geejen Schachteln, schlechtes Seifenpuloer usw. ein. Weiber mit Kotzen ziehen von Haus zu Haus und betreiben dies Geschäftchen schwungvoller Mit ben Frühzügen schon werden bann diese auf Schleichwegen erstandenen Waren in die Städte gebracht. Bei der ländlichen Bevölkerung geht diese Sorte auch nie fehl, da sie stets höhere Preise zahlt, unb vor ber Polizei hat sie Ruhe. Gewerbescheine finb nicht nötig. (Es geht ja so! (Es wäre wahrlich Zeit, bie Polizei auf biese Leute hin­zuweisen, die durch dieses schamlose Treiben das stehende Geschäft unb bie Allgemeinheit schädigen.

mr. Frankfurt a. M., 10. Febr. Hier besteh» ber Plan, ein neues Operettentheater zu grün­den. Außerdem soll von Frontsckauspielcm und aus Elfaß-Loth ringen vertriebenen im Kaufmännischen Vereinshaus ein Theater eröffnet werden, das bet künstlerischen Leitung von Oskar Ebelsbacher vom Schauspielhaus unterstehen soll, ber zu biefem Zweck beurlaubt wird. Nach Rückkehr geregelter Verhält­nisse soll dieses Theater wieder eingehen.

= Frankfurt a. M., 11. Febr. Montag abend wurden von bisher unermittelten Peison«» auf die im Erdgeschoß des Poli,civrä.rt>iums bc- legcnen Amtsräume res Leiters des Marinc- srcl-erungSdiensies eine größere Anzahl scharfer Schüsse abgegeben. Die irurjclii durchschlugen die Fenster deS hellerleuchte.en ZrmmcrS und d.angen in die Wände ein. Ter im Zimmer anwesend« Dienstleiter, G r o e n k e, blieb unucr cbt. Auf die Ermittlung der Täter, die vermutlich unter ent­lassenen Leuten deS SicherlreitSdiensteS zu suchen sind, wurden 1500 Mk Belohnung ausgesetzt.

Frankfurt a. M., 11. Febr. 3n ber Stabt pnb seit einigen Wochen viele falsche Reichsbanknoten zu 50 Mark im Umlauf, bie im Weae bes Licht­drucks hergestellt sind und mangelhafte unb kaum lesbare Schrifizeichen tragen. Autzerbem fehlen Ort, Datum, Reichsbankdirektorium und mehrere Unter­schriften. Auch in Aschaffenburg und Usingen wurden ebenfalls falsche Banknoten der gleichen Art ange- troffen. - (Es handelt sich vermutlich um bie gleichen Scheine, bie ein Solbat, wie wir berichtet haben, auch hier in Gießen an den Mann bringen wollte.

Frankfurt a. M , 11. Fcbr DaS D a u- siernnwesen an den Straßeite^ken und auf ben

mndcrfM Mnlkiitt i>rS Hm» Cillihill JcicS.

Roman von £>. A. Adams

Nachdruck verboten. Fortsetzung 63

Ckilal)ab und ber Fleischer zogen sich in die Dmikelheit des Banmfarnganges zurück und ließen Horace allein vonoärls geßett. Und die beiden sahen, als er die Laude er- reichte, eine tneifte Gestalt dort ber Dunkelheit des Einganges sich abheben. Dann entstand eine merkbare Pauke, ivorauf fporace sich vor beugte uird das Mädchen küßte. Galahad schien es eine oderslächlick^e Umarmung zu sein, aber Ivie sollte Sybck wissen, bay es ihm nicht ernst war? Doch als sie sich in ficraccd steife Arme warf, leise, unsinnige Vortc des Glückes flüsternd, ach, wie zcr- brechlich, wie ätlferisch schien sie da fast wie ein .Hauch ber heiyen, ^feuchten Nacht! Bewegungslos, nerschmachtet gleich den Blu­men, trank sie diesen wunderbaren Trank des Lebens, auf ben sie fast schmt verzichtet hatte. Und Galahad wußte, daß sie nur durch die Liebe in threm Herzen diese kurze Frist über erhalten worden war. Sie hatte sich am Leden erhallen, intern sie sich von Hoff- nung nährte. Und alles war Lüge, alles nutz­lose Grausamkeit.

Beküntmert wandte sich Galahad ad. Haitz? er wl.r U ich recht gehantelt'? Wäre es

nicht besser gewesen, ihr da die Wahrheit zu sagen, al- er sie entdeckt hatte? Sie wäre bann wohl gestorben, ater alles wäre schnell und endgültig vorüber geioesen. Er wandte sich ab, zu überwältigt, um noch länget dieser jämmerlichen Posse ^usel>en zu können.

Aber es waren in der Dunkell)eit tes> Gar­tens noch andere Augen, die diese wunterlick>e (Szene ebenso scharf beobachteten. Wenn Gala­had hinter sich gesckZaut yLtde, als er durch die Hinterpforte sck>lüpfte, würde er gesellen haben, wie jene beiten Flauen, die er beobach­tet hatte, als sic harmlos schtvatzend des Weges daher kamen, plötzlich lebendig wurden und, hastig nachfolgend, durch die Pforte ein­traten, während noch ^ter Fleischer vorsichtige Unterhandlttngen mit einer leeren Hundeyütte führte. Aber die Fremden folgten den drei Männern unbcad)tet unb schicken ihnen in den Garten nach Dann versckiwanden die beiden Frauen au5 dem Gesichtskreis, intern sie fich vor chrem Wilde hinter einem Gebüsch verbargen.

Denn an jenem Abend hatte Em sofort, hören, Kälhie gerufen, und iyr geheimnisvoll nachdem sie die Bordertür hatte schließen befohlen, mttzukommen.

Aber wohin, Mutter?" fragte das Mädchett.

Ich will dir einmal die Sorte von jtmaen Männern zeigen, zu denen Horace gehört," sagte Em grunmig. Man wird stch

entsinnen, daß Em ihre Gründe hatte.Oder kommt er vielleicht heute abenb, um dich zu befudjen?" fragte sie harmlos.

Heute abend nickt," geftanb Kälhie, in­dem sie von einer unvestimmlen inneren Un­ruhe befallen wurde.Er hat eine wickstige gefästiftliche Berpf.ichtung."

Ick) will dir einmal die Art von Der- pslickltuny, die er hat, yigen," verhieß Cm ingrimmig. Tiber auf Kathies erschrockenes verlangen nach CrTorung erwiderte ihre Mutter kein Wort. Und Kathie, geärgert durch oas Mißtrauen ihrer Mutter dem Geliebten gegenüber und dennoch neugierig, sowie ein wenig rifersückttg, nahm ihren Hut und ging mit ihr zum Boot.

Während der Fahrt über ben Hafen ent­sann sich die arme Kathie einer gelegentlichen Bemerkung Horaces über ein andres Mädck)en. All ihr Argwohn war nun entflammt, und sie war von den beiden, als sie in ben Garten ein traten, die Eifrigere. Und aus ifjrem Ver­steck sahen Kathie und ihre Mutter, wie Horace ein fremdes Mädchen in seine Arme nahm unb küßte. Da sah Kätdie in dieser verstoh­lenen Umarmung all ihre schönen Träume bahinschwinden: und weil sie noch ein junget Modalen war und dieses ihre erste wrrklickte Liebe, glaubte sie, baß die-das Ente" und fehl Gluck mehr unter dem Himmel zu finden [et AIS Horace die blasse, weißaekleidete Ge- Italt küßte, stieß Löchte ein seltsam trockenes

Schluckten aus und fühlte, daß ihr Her» brechen wolle. Ater die massigen Arme ihrer Mutter umfaßten sie und in dieser Umar­mung verspürte das Kind eine p vtzlicke Er- lcichterung. Ihrer Mutter Arme sckklossen sie sicher ab von dieser ganzen schreck.ichen Welt, wo die Männer Liriie schworen und dann fortgingen, um in der Nacht untere Frauen au küssen. Und ihre Mutter tätschelte unbe­holfen den hübsck>en Kopf, der an ihrem Busen ruhte, unb munterte sich mit einem Stich ber Reue im Herzen darüber, wie sie gegen ihr Kindchen gar so grausam hatte fein können. Aber es war für Käthie notwendig die Wahrheit ;u wissen, obg'eich Em niemals geglaubt hatte, daß die Wahrheit gaiu so abscheulich fein werte. Ater warum schritt ihr Gallh nicht ein?

Es war nicht das schwache Geräusch von Kathies verhaltenem Schluchten, wodurch in Galahads Geist ber Argwohn erweckt tourte, daß noch andere im Garten sein und ihn unb den Fleischer beobachten könnten. Nein, auf ber andern Seite ber Laute wurde er in ter dichten Dunkelheit einer Gebüsckigruppe ein lebhaft glühendes Auge gewahr! Es war nur ein winziger Lichtflcck, hin und wieder ver­dunkelt durch einen bayvi f rfjen. iegenten Zweig, aber er silühte auf und erstarb in kurzen, regelmäßigen Zwisck>enräumen.

(Forrsetzung folgt.)