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Donnerstag abends

. SerelnSlok. Scklpkziii, Batmbomr. 7. aboebaben Ttrbcn. Btglno T, Ui! MN. Männer unseres LvneinS ftnb freimbliitib tingclnben (IMf Der Vorstand.

Die« Fir. eibilihrpr tonntrfltfid, 9ik, abends a Ubt

- im -Pottkeüer' - ortbildungs- und Diktatkurse, Hufammentunft alle intCTTtdiWteilntbm. out ^iederholimbkurö fii riens'eilneb'ner.

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Erstes Blatt

169. Jahrgang

Mittwoch, 12 zebruar 1919

Gietzener Anzeiger

Sroillingsrunöörud u. Verlag: vriihl'fche Univ.-Vuch- u. Zteindruckerei R. Lange. Zchriftleitung, Gefchästsstelle u. Druckerei: Zchulstr L

aiinuiiiiie von anjeige» f. bie iogcsnimmiei ml ginn Olodnniuaq voibee oynejedc t- l'niblicljteit

3eil<iUteife:

für örtliche 'Anzeigen 25 öi.,lürauswärtig« 30 'Bf., für Reklamen Mk.l.-nebst 20'.,Tene- runasznf ulon;'it(iiiivot» ffbriii 20 % Au'jdftag. S)aiivtidni Heiter: Auq. Goetz Verantivortlich für Polit'k: '21 iifl. 0>oetz. für den übriaenTeil: Dr. Reinbolo Zenz; für beit Anzeigenteil: ö. Beck; fämiltd) in Gießen

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Ter Gtetzener Zn$tlget erscheint täglich, außer Lonntaas. - Beilaaen: Ltebener $amtli<nbl6tter;

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«. General-Anzeiger für Oberheffen..»»

Ebert zum Präsidenten der deutschen Republik erwählt.

Friedrich Ebert, der frühere Sattler- Sefelle, ist gestern von der deutschen Natio­nalversammlung zum provisorischen Präsiden­ten der deutschen Republik erwählt worden. Sobald die Reichsverfassungsfragen endgül­tig geordnet sind, wird eine neue Präsidenten­wahl stattfinden, aber aller Voraussicht nach wird dann derselbe Mann auf den Schild erle­ben werden. Was wir bisher von Eberts Per­sönlichkeit wissen, ist nur Gutes. Er hat in der kritischen Zeit, von der in der gestrigen Sit­zung der Nationalversammlung deren Präsi­dent Dr. David sprach, vor allem auch eine kluge Mäßigung, eine in den Wirren und Ge­fahren schroffer Parteigegensätze versöhnliche, ausglcichende Haltung an den Tag gelegt. Daraus ernmchs ihm freilich der berechtigte Vorwurf, daß er uns die höchsten Auswüchse der Spartakisten nicht rechtzeitig zu ersparen gewußt habe. Seine milde Taktik war in diesem Punkte falsch. Indessen, dec Reichs­wagen ist schließlich doch auch über diese Steine des Anstoßes hinweggerollt, und heute sprechen auch ganz rechtsgerichtete Blätter ihre Genugtuung über das Zustandekommen der provi'ori'chcn Re chsvcrfassung aus. Ebert hat bei der Eröffnung der Nationalversamm­lung dem deutschen Volke einmal ganz aus dem Herzen gesprochen, indem er die äußeren Feinde warnte, die Schraube ihrer Wafsenstillstandsbcdingun- gcn immer noch weiter anzuzichen. Er drohte mit dem deutschen Abbruch der Verhandlungen. Auch gestern hat er bei der Annahme der auf ihn gefallenen Wahl mann­hafte und sympathische Worte gesprochen. Er bekannte sich freimütig tal§Sohn des ar­beitenden Standes" und gelobte:Die Frei­heit aller Deutschen zu schützen mit dem äußersten Aufgebot aller Kraft und Hingabe, deren ich fähig bin, das ist der Schwur, den ich in dieser Stunde in die Hände der Nationalversammlung lege." Wir dürfen heute auch daran erinnern, daß Ebert früher schon erklärt hat, er werde keinen anoern Frieden unterzeichnen als einen solchen, oer den von uns angenommenen Wilsonschen Richtlinien entfpreaje. Gestern fügte er hinzu, Unsere Freiheit solle nicht Bettelfreiheit, son­dern Kulturfreih/it werden. Wir bringen dem neuen Reichspräsiden len Vertrauen entgegen, wie es ihm auch die Nationalversammlung, mit Ausnahme der unabhängigen Sozialisten, entgegenbrrngt, die es gestern fertig gebracht haben, bei einem Hoch des neuen Reichspräsi­denten auf das deutsche Volk und das deutsche Vaterland sitzen zu bleiben.

Fritz Ebert ist am 4. Februar 1871 in Heidel­berg als Sohn eines Schneidermeisters geboren wor­den. Bis 18^5 besuchte er die Volksschule, erlernte dann das Sattlerhandwerk und wanderte als Hand­werksbursche durch Deutschland. Er kam nach Bremen, wo er 1900 in die Bürgerschaft gewählt wurde und bis 1905 blieb. Er wurde in Bremen mit 21 Jahren, 1892, Redakteur der sozialdemokratischenBremer Dürgerzeitung" und übernahm nach seinem Ausschei- den aus diesem Blatte das Bremer Arbeitersekreta­riat. Damit war ec in die Parteibureaukratie ein- gereiht, in der er allmählich weiter emporstieg. 3m Fahre 1905 wurde er zum Mitglied des Vorstandes der sozialdemokratischen Partei ernannt und im Fahre 1913, nachdem er bei den Wahlen von 1912 auch ein Reichslagsmandat erholten hatte, neben Haase zum Borsitzenden der Partei an Bebels Stelle. Als solcher trat er während des Krieges immer stärker hervor.

Ter frühere deutsche Kronprinz erkrankt.

Berlin 11. Febr. DemBerl. Lok.-Anz." zufolge soll der deutsche Exkronprinz einem Gerücht zufolge erkrankt sein.

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zum größten Teil das Verdienst des Mannes, den

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Hafter Beifall.) So darf das deutsche Volk das Vertrauen haben, daß es der bewährten poli­tischen Klugheit und Tatkraft, der Willensfeslig- i feit eines an erste Stelle berufenen Mannes ge-

Gedankenwelt des Sozialismus, und daß ich weder meine Herkunft noch meine Ueberzcugung jemals zu verleugnen gesonnen bin. Indem Sie das höchste Amt des deutschen Freistaates mir an­vertraut, haben Sri keine einsriftcxe Parfeiherr- schaft aufrichten wollen. Sie haben damit aber den ungeheuren Wandel, der sich in unserem Staatswesen vollzogen hat, zugleich auch die ge­waltige Bedeutung der Arbeiterklasse für die Ausgaben der Zukunft Deutschlands an­erkannt. Die große wirtschaftliche Entwicklung läßt sich darstellen als eine fortgcicfotc Verringerung und Uebertragung oer Vorrechte der Geburt. Jetzt hat das deutsche Volk bicie Vorrechte aus dem Ge­biet der Politik restlos beseitigt, und auch auf sozia­lem Gebiet vollzieht sich diese Wandlung. Auch hier werden mir bestrebt sein müssen, allem, was menschenmöglich ist, den gleichen Ausgangspunkt zu geben und das gleiche Gepäck aufzulegen. Mögen wir um die Form ringen, in der sich dieses Recht durchführen läßt. Das Streben nach dieser höch­sten menschlichen Gerechtigkeit wird in uns allen sein. (Lebhafter Beifall.) Freiheit und Recht sind Zwillingsschwestern. Tie Freiheit kann sich nur in fester Staatsordnung gestalten. (Lebhafter Bei­fall.) Sie zu schützen und wicderherzustetlen, wo sie angetastct wird, das ist "das erste Gebot aller, die die Freiheit lieben. (Lebhafter Beifall.) Jede Gewaltherrschaft, von wem sie euch lam­men möge, werden wir bekämpfen bis pm äußersten. (Stürmischer, lebhafter Bei­fall. Unruhe und Unterbrechung bei den Unab­hängigen.)

Dem Gewaltprinzip unter den Völkern haben wir feierlichst abgesagt. Auch dort wollen wir, daß das Recht und die Freiheit zur Geltung komme. Niemand soll in den Verband der deutschen Republik gezwungen werden. Aber es soll auch niemand mit Gewalt von ihm abgetrennt werden, den es zu ihm zieht und drängt. (Lebhafter Beifall.) Nur auf das freie Selbstbestimmungsrecht wollen wir unle- ren Staat gründen nach innen und nach außen. Wir können aber um des Rechtes willen nicht duld n, wenn man unsere Brüder dieser Freiheit beraubt. (Lebhafter Beifall). Die Freiheit aller Deut­schen zu schützen mit dem äußersten Aufgebot ter Kräfte vnd der Hingabe, deren ich fähig bin, das ist der Schwur, den ich in dieser Stunde in die Hände der Nationalversammlung lege. (Stürmischer, leb­hafter Beifall.)

Den Frieden zu erreichen, in diesem das Selbst­bestimmungsrecht zu sichern, die Verfassung auszu- bauen und zu behüten, die allen deutschen Männern und Frauen die politische Gleichberechtigung unbe­dingt ver! ürgt, dem deutschen Volk Arbeit und Brot

Deutsche Nationalversammlung.

Fünfte Sitzung.

Weimar den 11. Februar 1919.

Präsident Dr. David eröffnet die Sitzung um 3.20 Uhr nachm. An Stelle des Abgeordneten Sänger ist für den 24. Wahlkreis der Abgeordnete Maurer (Soz.) in die Nationalversammlung cin- t>treten.

Von den rheinisch-'n Abgeordneten ist ein An­trag aus die Schäftung besierer Zugverbindungen nach den Rheinlanden erngebracht. Der Präsident wird das Erforderliche sc fcrt'veranlassen.

Cs wird daraus eine große Anzahl weftece- Einläuse, Adressen und Kundgebungen an die deutsche Wan'umlb(**>ninrn,in brr'efrn.

Hierauf tritt das Haus in die Tagesordnung ein: itiMiljl ins Rcichspriisj.-w-tcn.

Die Wahr wird durch Stimmzettel vollzogen. Der Namensaufruf beginnt mit dein Buchstaben 5. Der Zufall will, das; das Mitglied Volksbeauftrag» tcc Ebert als erster der Aufgerufenen seinen Zet­tel dem Schriftführer übergibt ,der ihn in die Urne legt.

Nachdem das Wahlergebnis durch die Schrist- sührer ermittelt worden ist, wird es durch den Prä­sidenten D. David verkündet. Es sind abgegeben worden 379, ungültra sind 51, es bleiben übrig 328 (Sh'mmnt Die.absolute Mehrbeft s^rägt ln5. Von gültigen Stimmen lauten auf Ebert 277, aus Graf Posadowsky 49, auf Scheidemann 1, auf Erzberge c 1.

Präsident Dr. David: Der Abgeordnete und seitherige Volksbeauftragte Fritz Ebert ist so­mit zum Präsidenten des Deut scheu Reiches gewählt. (Äbhafter Beifall.) Ich frage ihn, ob er die Wahl annimmt.

Abg. Ebert: Ich nehme die Wahl zum Reichspräsidenten mit Dank an. (Lebhafter Beif.)

Präsident Tr. Tavid: Zum erstenmal Hal sich das deutsche Völk ein Oberhaupt aus freier Selbstbestimmung' gnvallt. Ter neue Reichspräsi­dent ist der Erkorene der großen Mehrheit des deutschen Volkes. (Lebhafter Beifall und starker Widerspruch bet den Unabltängigen.) Die einzige Quelle seines Rechtes ist der Wille des Vol­kes. (Lebhafter Brisall.) Auf ihm allein beruht die Macht und die Würde seiner Stellung. Es war wirklich kein leichtes Erbe, das Herr Ebert am 9. November beim Rücktritt des Prinzen Max von Baden antrat. Selten wohl ist in der Welt- gieschichte einer Ctaatsleituny eine sckxwerere Aus­gabe iugefalfen. (Sehr richtig!) Daß die deutsche Revolution nicht dem Bftspiri der russischen ge- slolgt ist, daß sie nicht wie dort in einem blutigen Chaos zur wilden Auslösung! von Recht und Ord­nung . . . (Stürmische Unterbrechungen bei den Unabhängigen, Rufe: Noskc! Noske!), daß sie Teutschland nickst völlig zertrümmert Hot, daß sie nicht zur völligen Auflösung imseres politisckien und wirtscbaftlickicn Lebens geführt hat, das ist

xu verschaffen, sein onnapc Wirt uinro......

linocn wird, auch fernerhin die junge Frcilieit zu schützen (Stürmischer Bei all bei der großenMehr- hrit des Hauses. Rufe bei den Unablstingigen: Mit Maschinengewehren!) gegen jede Gefahr, möge sie kommen von rechts oder von links. (Stür­mischer Beifall bei der großen Mehrheit.) Wir haben hie Gewißheit, daß der neue Rrichspräsi- dent jedem Versuch, anstelle d:s Willens der Dolksmehrhcit die gewglttä ije Ti tatirr einer Min­derheit zu setzen mit itllcr Macht entgegentritt. (Lebhafter Beifall.) Tie Demokratie wird in ihm den stärksten Hort haben. (Lebhafter Beifall.) So mög' die Kimde lnnausllingen in das deu!sch>e Land: Ein neno rrii 1t r re: ist an deS i e des Reich.'s getreten, ein Mann, durchglülst von der Liebe zum deutschen Volke, ein Mann von tiriem Verständnis für seine Nöte und für seine Sorgen, für seine Wünsche und Hoffnungen, (Leb­hafter Beifall), ein Mann, erfüllt von starkem Willen, seiner Mission gerecht zu werden, die Freiheit zu hüten und den Frieden zu schaffen, im Innern wie nach außen, (fieblyxfter Beifall.) Tie Nationalversammlung begrüßt den Präsiden­ten des Teutsch.m Reiches und setzt ihn in sein hohes Nttht ein. (Leblmfter B.ifall.j Möge er es wahrnehmen im Geiste dieser Versammlung, dieser Versammlung der freigewählten Vertreter des fteien deutschen Volkes. (Stürmisckier, lang­anhaltender B.iall bei den Sozia.d.mokraten, der Tcutschdemokratischen Partei und dem Zentrum.) Rticheptlisidsnt Ebcrt:

Gestatten Cie, daß ich zunächst danke für die freundlichen Worte des Herrn Präsidenten., Ihr Vertrauen ist meine größte Ehre. Ter Ruf, den Sie soeben an mich gerichtet haben, ist ein Ruf zur Psticht. Ich folge ihm in dem Bewußtsein, daß heute mehr denn je jeder Deutsche auf dem Platz, auf den er gestellt ist, seine volle Schuldigkeit zu tun lyat. (Lebhafter Beifall.) Mit allen meinen Kräften und mit voller Hin­gabe werde ich mich bemühen, mein Antt gerecht und unparteiisch zu führen. (Lebhafter Beifall, Widerspruch bei den Una6bänpi:gen), niemanden zu liebe und niemanden zu lcrd. (Erneuter leb­hafter Beifall.) Ich gelobe, daß ich die Ver­fassung der deutschen Republik getreulich be­achten und schützen werde, ich will und werde als der Beauftragte des ganzen deutschen Volkes bau» deln. Nicht als Bormann einer einzelnen Partei. Ich bekenne aber auch, daß ich ein Sohn des Arbeiter st andes bin, aufgewachsen nt der

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dlellKstchtigkeit des großen Prinzips^der" Selbstregierung. (Lebhafter Beifall.) Alle diese Forderungen stellen an mich die Psi cht, mein Bestes dafür einzusehen, um Ihnen zu genügen. Gemeinsam aber wollen wir unermüdlich arbeiten für das Glück und Wohlergehen des freien deutschen Volkes. Und so, meine Damen und Herren, lassen sie uns rufen: Das deutsche Vaterland und das deutsche Volk, sie leben hoch!

Das Haus, mit Ausnahme der Unabhängigen, hat sich erhoben und stimmt dreimal in den Hochruf ein. ^Händeklatschen im Hause und auf den Tribünen.)

Damit ist die Tagesordnung erledigt.

Nächste Sitzung Donnerstag 3 Uhr: Entgegen­nahme einer Erklärung der neuen Regierung.

Schluß nach 4.30 Uhr.

Die Berner ttonfcrenz.

B e r n , 10. Febr. (WTB ) Die heutige Schluß­sitzung der internationalen Sozialistenkonferenz be­endete heute die Aussprache über dar Thema: Demokratie und Diktatur, die sich zu einer Diskussion Über den Bolschewismus zuspihte, und in der wieder­holt die bolschewistenfreundlichen und bolschewisten­feindlichen Strömungen aufeinanderplatztcn. Friedrich Adler (Oesterreich) bringt eine von ihm, der franzö­sischen Longuctgruppe, der norwegischen Delegation und dem Deutschen Hersfeld unterzeichnete Erklärung ein, die sich gegen die Brandmarkung der russischen Zustände verwahrt, solange noch keine genauen Nachrichten vorliegen und die Gegenseite nicht persön­lich gehört ist. Ein Programm, wie es die Mehr­heitsdelegation vorschlagt, würde verhindern, daß die übrigen Sozialisten, die jetzt nicht in Bern ver­treten seien, wie die italienischen, die schweizerischen usw., den Weg zu der Internationale zurückfinden würden.

lieber die Rede Adlers entspann sich eine heftige Polemik mit den französischen Delegationen. Ne- n au del weist die Behauptung, der Krieg sei ein Krieg des Kapitalismus, zurück mit dem Bemerken, daß der Krieg ein Angriffskrieg war. Die Longuet- Gruppe betont, die Gruppe Renaudcls habe die Internationale verraten.

In der Nachmittagssihung setzte Troelstra (Holland) die Debatte fort, indem er zunächst Auf- nlärung verlangt, ob die Demokratie, die jetzt gegen den Bolschewismus sei, ihren Sitz im Palais Bourbon

oder im Eredit Lyonnais habe. Andererseits habe der Bolschewismus die Gesetze der Demokratie ver­raten und sei mit die Hauptursache des Entente­imperialismus geworden.

Gawronsky (russischer Sozial-Revolutionär) er­klärt, die Bolschewisten wollten den Sozialismus auf­richten, hätten aber gerade das Gegenteil erreicht. Sie hätten zwar das große Eigentum beseitigt, dafür aber das ganze Volk verelendet.

Paul Faure (Frankreich) befürwortet eine Un­tersuchungskommission über den Bolschewismus, die aber nicht den Charakter einer Strafexpedition habe» dürfe.

Kautsky lehnt die Resolution Adler ab und unterstützt die Mehrheitsresolution. Das wichtigst« Problem sei jetzt die Hebung der Produktion, und der Bolschewismus könne nur von dem Standpunkt beurteilt werden, ob der Kapita ismus oder der So­zialismus sich bester zur Hebung der Produktion eigne.

Henderson stellt im Namen der b itischen De­legation fest, daß die Dolschewisten nach Bern Hütte» kommen können. Sie hätten das nicht getan, weil sie genau wußten, daß ihre Grundsätze unvereinbar seien mit denen der Internationale. Die Tätigkeit des Bol­schewismus sei eine direkte Verleumdung der Grundsätze der Internationale. Da müsse eine scharfe Trennung gemacht werden zwilchen den Kon- ftituicrenben und den zerstörenden Elementen. Das ist die Meinung der englischen Arbeiter, ohne deren Mitwirkung die Internationale nicht wieder auf- gebaut werden könne

Bernstein (Deutschland), dem die deutschen Mehrheitsparteien das Wort abgetreten Haden, er­klärt unter allgemeinem Beifall als Gast, für Eng­land und Frankreich fei der Bolschewismus nur eine theoretische, für Deutschland aber eine praktisch« Frage, von der Leben und Tod der deutschen Repu- blik abhänge. Der Bolschewismus könne nicht mft dem Proletariat und der Revolution identifiziert werden. Bernstein ist erstaunt, daß die International« nicht darauf hinweist, daß die Bolschewisten alles getan hätten, was die reaktionärste Regierung nicht getan habe Der Bolschewismus ist der Tod der Er­rungenschaften der Revolution. Das haben die eigenen Berichte der Bolschewisten bereit erkennen lasten. Eine Kommission zur Untersuchung des Bolschewismus ist daher jetzt nur noch zu dem Zwecke nötig, um festzustellen, daß ein zerrüttetes System am Ruder ist, das auch die anderen Staaten zerrütten wolle.

Branting führt dann in seinem Schlußwort aus: Obwohl die Meinungen wiederholt aufeinander­geplatzt sind, können wir feststellen, daß nach den (Er- Klärungen des Kongrestes und besonders nach der Klärung einer Frage, die ich nicht wieder ausrollen will, die Internationale wiedererstanden ist. Sie muß auf demokratischem Wege jetzt weiter wirken im Sinne des Sozialismus. Ihr Ziel ist der demo­kratische Völkerbund, so wie er von dem Kongreß beschlossen worden ist, d. h. ein Völkerbund ohne Ausschluß irgendeiner Ration. Wir wissen nicht, wie der Völkerbund aussehen wird, den man in Paris jetzt beschließt. Einige sind Optimisten, andere Pessi­misten. Wir hoffen, daß das große Ziel erreicht wird, auf Grund der Prinzipien, die Wilson für die De­mokratie der ganzen Welt ausgestellt hat, und wegen welcher er im Kampf liegt mit gewissen imperia­listischen Strömungen. Voraussetzung dieses Völker­bundes ist, daß ein dauernder und gerechter Fried« geschloffen wird. (Lebhafter, wiederholter Beifall.)

Nach kurzen Erklärungen eines deutschen Un- .abhängigen, die ganze deutsche Jugend sei anti- militaristisch und werde bei einer Wiedereinberufung unter die Gewehre den Dienst verweigern, Ausführun- gen Huysmans und nachdem Tomabine (Argentinien) den Dank der Versammlung dem Bureau abgestattet hat, wird der Kongreß geschloffen.

Tie Waffcnstittstaubsverlängerunff.

Berlin, 11. Febr. Von zuständiger Stelle erfährt diefLtsch. Allg. Ztg.", daß die neue Waffcnstillstandsverlängciung kei­nesfalls vor dem 15. Februar stattfiudeN wird.

Berlin, 11. Febr. (WTB.) DerVoffiichen Zeitung" zufolge hat die Deutsche Waffenstill, standskommission ihre Reise nach Trier vor- läufig verschieben müffen, weil die Ententevertreter mitgeteilt haben, daß man den Beginn der Verhand­lungen noch nicht festsehen könne. Die _ deutsch« Kommission würde 40 Stunden vorher verständigt

Zlus Äessett.

Darmstadt, 11. Febr. (WTB.) Der Dolksrat der Republik Hessen faßte in seiner heutigen Schluß- sitzung folgende Resolution: Der Volksrat der Republik Hessen löst sich mit dem heutigen Tage auf, um der aus den freien Wahlen hervor, gegangenen Volkskammer die gesetzgebende Gewalt zu übergeben.

Grotz-kMn.

Der Hessische VolkSbund

hat, wie seine Marburg-w Hauptleitung durch Ümscknciben mittr.lt, einen Rechlsdienft ein» gi.Tid)tet, welcher seinen Mitgliedern in nrid, ignr Fragen des öffentlichen Rechtes zur Seite stehen soll.

Tie g-efamtcn ftaatsrechftichen Grundlagen des öjsentlichen Lebens haben " so heißt cs in der Umschrift,durch die Revolution eine Verschcebung, trfaljrcn, wodurch sich UMarlni en oft i i der störendsten Weise bemerkbar'^nnchen. Tie Rechts» rrag* ii von allgemeinem Interesse mnt, wclckre sich aus eine solche,, durch die Revolution bewirkte Umordnung- der öftentlich'rechtl ck-en Ver­hältnisse g-rütrden, ^werden nach Möglichkeit sämtlich von naml-aftcn Vertretern der Rech S» Wissenschaft geprüft und kostenlos b-eanttrDrtet. An» ftag-en zivil- und straftechUicher Art können feis»