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mit Rücksicht auf die aufgehobene Blockade alle vorhandenen Bestände in staatlich bewirtschafteten Roh st offen schleu­nigst dem Verbrauch zu übergeben.

Unruhen in Glogau.

Glogau. 10. Sept. (WTB.) Wie in Breslau und Schweidnitz, so suchte auch hier die Menschenmenge eine Senkung der Preise auf dem Wochenmarkt zu er- zwingen. Tie Absicht gelang ohne Radausze- nen, veranlaßte aber eine erregte Stimmung unter der Bevölkerung, die den ganzen Tag anhielt und zu starken Ansammlungen in der Längenmaße führte, als dort in einem Ge­schäft ein Ausschuß einen Vergleich zwischen Kauf- und Verkaufspreisen ausländischer Wa­ren durchführte. Die Ansammlungen wurden später immer stärker und konnten zum Aus- einandergehen nicht bewogen werden. In der neunten Abendstunde wurde Militär her­be i g e r u f e nr das in der Langenstraße, als die Menge den Soldaten die Gewehre ent­reißen wollte, das Feuer eröffnete. Fünf Personen wurden getötet. Sämtliche Straßenkreuzungen wurden mit Maschinen­gewehren abgesperrt. Die Nacht verlies ruhig. Die Erregung ist sehr groß.

Unterstützung ausständiger Buchdrucker durch Metallarbeiter.

Remscheid, 11 Sept. Nach derKöln. Ztg." Kommen die ausständigen Buchdrucker von ihrer Organisation keine Streikunterstützung, weil sre unter Tarifbruch und gegen den Wil­len der Führer in den Ausstand getreten sind. Jn- fotgebefien hat der Deutsche Metal la rbeitcrverband Geldmittel zur Unterstützung des Ausstandes zur Verfügung gestellt.

Elberfeld, 11. Sept. Wie dieKöln. Ztg." meldet, dauert der Buchdrucker streik unverändert an. In der gestern veröffentlichten Er­klärung des Arbeitsaussckmsfes der Buc^>ruckerei- gtzer der bergischen Lande heißt es, daß die Gc- en sich eines schweren Tarif- und Vertrags- ches schuldig gemacht haben, indem sie mehr fordern, als der von ihren Vertretern nnterzeick^ nete Tarif festsctzt. Die Führer der Gehilfenorgani­sation im Wutqxrtal hätten es dann auch abgelehnt, die Handlungsweise der Gehilfen zu billigen, weil sie darin einen Vertragsbruch sehen.

Ans Hessen.

Tagung der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften.

Darmstadt, 11. Sept. Die Zen tral- kasse der hessisck)en landwirtschaftlichen Genossen- schaftcn hielt gestern ihre 6. ordentliche General­versammlung ab, die von Bürgermeister Becker (Sprendlingen) mit einer Begrüßung der Kriegs­teilnehmer und der Gäste, insbesondere des Mi­nisterialrats Schliephake, Obersinanzrat Dr. S ch r o t h, Geheimrat B a st i a n von der Lan­deshypothekenbank eröffnet wurde. Den Bericht über das 6. Geschäftsjahr erstattet Direktor Ma­ger, der u. a. ausführt, daß die Mitgliederzahl und der Umsatz in stetem Steigen begriffen sei: Kreditbewilligungen gibt es nicht mehr. Die Aktiva, welche einen Höchststand von 65 Millionen Mark erreicht hatte, steht gut. An Kriegsanleihe sind 12 Millionen zu 4 Proz., und 5,5 Millionen zu 4,5 Pr^. vorhanden. Bei einer zu erwartenden «günstigen Entwicklimg des Reichs ist ein guter Abschluß zu erwarten. Ofenlvch (Finthen) er­klärt, daß die vielfach vorkommende Aengstlichkeit wegen der Kriegsanleihe keine Berecküigung habe. Die Jahresrechnung und Bilanz wird ebenso wie der im Druck vorliegende Bericht M Aufsichts­rates, die Verckeilung des Reingewinns von 30 675 mt 4 Proz. Dividende, 7700 Mk. an den Reserve­fonds und 7637 Mk. als Betriebsrücklage geneh­migt. Staatskommissar Reg.-Rat Dr. Michel richtet herzliche Abschiedsworte an die Versamm­lung, da seine Aufgabe, die ihn vor fünf Jghren zur Wiederxulfrichtung des damals zerrütteten Ge­nossenschaftswesens auferlegt war, heute voll und -ganz erfüllt fei. Der Vorsitzende hofft, daß die überraschende Mitteilung nicht das letzte Wort sei, dankt aber dem Vorrümer für seine opfer­freudige Mitarbeit. Ofenloch (Finthen) stellt .das große Vertrauen fest, welches der Staats­kommissar den Genossenschaften entgegengebracht habe. Die drei ausscheidenden Mitglieder des Auf­sichtsrates Eichel mann (Steinfurth). Feld­mann (Arnsheim) und Reidel (Michelstadt) werden wiedergewählt. Der Bericht über die ge­setzliche Revision findet Annahme. Der Gesamt­betrag, welchen Anleihen und Spareinlagen nicÄ übersteigen sollen, wird auf 80 Millionen Mark fcslg setzt Die Beteiligung an der Kriegsanleihen- Aktlimges llschaft, welche die Stützung der Kriegs- anleil>e bczn>eck1, wird gutgeheißen. Nach Be- sprechrmg weiterer geschäftlicher Angelegenheiten wird die Verhandlung um 5 hr geschlossen.

Hauptversammlung öes Hessischen <vber!ehreroereins.

Am 6. September fand in Frankfurt a. M. unter dem Vorsitz von Direktor Altendorf, Fried­berg, die Hauptversammlung des Hess. Oberlehrer- Vereins statt, zu der sich weit über 400 Mitglieder des Bercms aus allen Gauen Hessens eingerunben hatten.

Der Präsident des Landesamts für das Bil­dungswesen Dr. Strecker entwickelte in seiner Antwort aus die Begrüßung des Vorsitzenden die Stellung, welche die gegenwärtige Regierung zu dec höheren Schule eiunimmt und begründete die Anforderungen, die sie an ihre Lehrer meint stellen zu müssen. Er sagte scharf den Bestrebun­gen der extremen Parteien rechts und links den üampf an und forderte, daß die Oberlehrerschaft die republikanische Verfassung, auf die der neue Staat den Eid verlange, als Ausgangspunkt für ihr Wirken betrachte, und die Jugend in demokrati- sclrem Sinne zum Verantwort!ichkeitsgesühl, zum Gemeinschaitsbewußtsein und zum nationalenEmp- sinden im Sinne der Freude am idealen Besitz erziehe. Pazifismus und Sozialismus müßten in der Schule wissenschaftlich ernst ge­nommen werden, einem Umsichgreifen des Anti­semitismus werde die Regierung entgegen­treten. Wer in diesen Fragen aus entgegengesetztem Boden stehe, werde sich als charaktervoller Mann ernsthaft die Frage vorlegen müssen, inwieweit er es noch. vor seinem Gewissen verantworten könne, int Dienst der jetzigen Negierung zu bleiben.

Nach diesen Ausführungen prinzipieller Natur, gegen die sich wiederholt W i d e r s p r u ch aus der V e r s a m m l urt g bemerkbar machte, dem später Pros. Werner-Butzbach Ausdruck verlieh, wandte sich der Redner wirtschaftlichen und pädagogischen Fragen zu.

Im Mittelpunkt der wetteren Verhandlungen stand die Einrichtung eines Landesschul­beirats und der Ausbau des Kollegial- systems. Dem Landesschulbeirat steht der Verein sympathisch gegenüber, erwartet aber bei seiner endgültigen Einrichtung die Berücksichtigung seiner in Leitsätzen von Direktor A l t e n d o r f formu­lierten Auffassung von dem Zweck und der Zu­sammensetzung dieses Beirats. In der Frage dec zukünftigen Stellung des Direktors zum Lehrer­kollegium (Beseitigung desBorgesetztenverhä-tnisfes) fand eine Entscheidung durch Abstimmung nicht statt.

In der Leitung des Vereins fand eine wesent­liche Aenderung nicht statt. Geh. Schulrat Hed- daeus-Tarmstadt hatte eine Wiederwahl abgelehnt. Die Versammlung ernannte diesen verdienten Schulmaim in Anerkennung seiner Leistungen für den Verein zum Ehrenm ckglied. An seine Stelle tritt Ass. Dr. Lenz, Gießern

Aus Steift rrnd Land.

Gießen, den 11. Sept. 1919.

Tägliche Gefangenentransporte.

Die Kommandantur des Durchgangs­lagers Gießen teilt mit, daß nach telegraph. Mitteilung der Gruppe Rhein in Bad Hom­burg am 9. 9. englischer Rücktrans­port in Stärke von vorläufig 3000 Mann täglich über Köln-Deutz beginnt. Desgleichen am 17. 9. tägliche amerika­nische Rücktransporte in Stärke von 3000 M ann. Die Transporte kommen in die Lager Meschede, Wetzlar, Eglosheim, Limburg, Göttingen, Tauberbischofsheim, Gießen.

Für die zuletzt heimgekehrten Kriegsgefangenen veranstaltete der Empfangsausschuß wieder einen Unterhal­tungsabend in der Liebigshöhe, an dem fast alle im hiesigen Lager befindlichen Heimkeh­rer teilnahmen. Dr. Göring-Gießen be­grüßte die Anwesenden im Namen des Emp­fangsausschusses. Lehrer Val. Müller nahm sodann das Wort zu einer kürzen Rede, in der er in sinniger Weise den Anwesenden das heu­tige Deutschland schitderte. Den musikalischen Teil hatten diesesmal der Gemischte Chor und das Zither- und Mandolinen-Orchester über­nommen, deren Mitglieder hübsche Weisen in überaus gelungener Form zu Gehör brachten. Eine Sängergruppe aus der Mitte der Heim­kehrer brachte einige schöne Heimatslieder zum Vortrag, wodurch sie den Beweis lieferte, daß sie trotz nervenzerrüttender Gefangenschaft die Freude am deutschen Gesang nicht verloren hatte: reicher Beifall belohnte alle Darbietnn- gen. Damen des Roten Kreuzes verteilten.

ZeuMeton.

Carl Stern heimsMarquise von Arcis". Man schreibt uns aus Frank­furt a. M.:Aus einem Manuskri.pt des ter* stvrbenen Diderot" hat Friedrich Schüler eine flehte ErzählungMerkwürdiges Beispiel einer weiblichen Rachesgezogen". Es handelt sich um die zwisckM zivei Lieberwen cingetretcne Entfrem­dung, aus dcr ein haßerfüllter Racheplan der in ihren tiefsten Gefühlen gekränkten Frau erwacht. Dem Geliebten von ehedem Ivird ein Mädckjcir zugcführt, in das er sich verliebt und mit oem er, der Marquis von Arcis, sich vermählt, um kurz nach dcr Hochzett zu erfahren, daß die Gattin höM übel beleumundet sein soll. Der Marquis schäumt auf, die Rache, die satanisch ersonnen, scheint zu triumphieren, dann aber erfaßt das Herz des Marquis wahre Liebe zu der ihm aus Rack>e zugeführten Gemahlin: Böses sollte ihm angetan werden, Gutes tvard ihm ertoiefen. Carl Stern heim hat diesen Stoff auf gegriffen und in einem fünfaktigen Schauspiel mit unverkennbar starker dramatischer Begabung gestaltet. Vielleicht mag es auf den ersten Blick überraschen, den Dichter von1913", desSiwb", auf diesen Wegen zu scheu. Und vielleicht wird es Kritiker nebelt, dre der Auffassung sind, die Marquise von Arcis runde den Beginn einer neuen Epoche im Schaffen dreies Vielumstrittcncn: indessen ist es nicht am Ende so: TieMarquise von Arcis" bofiimentiert, daß es falsch ivar, Carl Stern- l-eim nur als groben Spaßmacher, als satirischen Philisterverspötter zu betrachten, daß in ihm mehr -steckt, als man hinter ihm vermutet, daß es ihm Mit der Shntit1 an Menschen und menschlickvn ^Schwachen, mit bem Verlangen, Pfade zum Echten

und Unverfälschten zu weisen, ernster ist, als man bisher glaubte. Wie dem auch sei:Tie Marquise von Arcis" ist eine dichterische Leistung von hohen Graden. Das ließ die vortreffliche Ausführung in vollem Maße gewahr werden, mit der das Frankfurter Schauspielhaus das Werk zum ersten­mal herausbvachte. Gustav Hartung ist der geborene Regisseur für Ausgaben, die kraftvolle Zufammenraffung dramatischen Bühnenlebens und feinste Herausarbeitung eines Zettgehaltes in diesem Fall: 1750 üerl«ngen. Er bot auch mit derMarquise von Arcis" wieder eine jener Leistungen, mit denen er schon oft erfreute, die höchste und letzte Hingabe an das inszenierte Werk bekunden. Allerdings hätte seine Tätigkeit kaum den Erfolg sich zu sichern vermocht, hätte Har­tung nicht in Maria Karsten eine Marquise zur Hand gehabt, die die rachedurstende, in den Tiefen grollende jtaxu in ihrer ganzen Ueberlegen- heit über den Mann, in ihrer ganzen spitzen und scharfen Selxrrkbtteü in schlecht Ist n verblüffen­der Glaubhaftigkeit ins Lampenlicht stellte. Da­neben Heinrich George als Marquis auf allen Registern seiner Kunst spielend und Fritta Brod empfindsam, unendlich reizvoll und fesselnd. Lcb- Ixiflefter Beifall rief neben, dem Spielleiter die Mitwiikcnden zu ungezählten Violen.

Zwei neue Operetten von Oscar Strauß. Aus Berlin wird uns geschrieben: Seit demWalzertraum" und denLustigen Nibe- lungen" hat Oscar Strauß jahrelang keine Rote mehr erklingen lassen. Jetzt tritt er plötzlich gleich mit tzwei itm-en Operetten aus den Plan, von br.icu «nne,Ballnach t", das Wallne r-T Heater, die andere,Liebcszau der", die Jvomischc Oper l?erausgebracht hat. Bei allen ernsteren Mu- . fitem hatte sich immer noch die Hoffnung erhalten.

wie üblich, Liebesgaben. Durch ein Schluß­wort Dr. Görings erreichte der stimmungs­volle Abend seinen Abschluß.

* * *

Zum Plan dcr elektrischen Bahn GießenTaufsteinFulda, der auch in den Fuldaer unb Kasseler Zeitun­gen zustimmend besprochen worden ist, schreibt uns Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Sommer, daß er u. a. eine Zuschrift erhalten habe, die bezüglich (Gewinnung elektrischer Kraft auf folgende drei weiteren Möglichkeiten Hinweise: 1. auf die mächtigen Torflager am Taufstein, die zugleich durch die neue Bahn erschlossen werden würden, 2. die Anlage einer kleinen, aber ausreichenden Talsperre im Hochtal des Schwarzbachs, 10 Minuten oberhalb von Hochwaldhausen, 3. den Aufschluß der Kahlen­mutungen bei Schlechtenwegen. Wenn dieser Aufschluß Erfolg hat, wäre die neue Bahn das beste Absatzmittel.

_ Der Vogelsberg birgt noch ungeahnte Schätze, zu deren Gewinnung die Bahn den Anstoß geben könnte. Tausende von Tonnen vulkanischer Erde könnten zum Auffrischender Weinberge benutzt, die mächtigen Schlacken­halden am Schwarzbach zum Teil verwendet werden.

Lebensmittel.

* Marken-Ausaabe. Am Freitag den 12. unb Samstag den 13. ds. Mts. gelangen in den Bezirken Brot- und Vutterkarten wie nach­stehend zur Ausgabe: AE vormittags von 812 Uhr, FK Freitag nachmittag von 26 Uhr, LQ Samstag vormittag von 812 Uhr, RZ Samstag nachmittag voll 26 Uhr. Tie Marken sind unbedingt an borgenannten Ausgabetagen ab» zuholen, da die seitherigen tägiidyen Lienstilunden von 810 Uhr vormittags in Wegfall gekommen find.

**HöchstpreisfürZwiebeln. Die Reichsstelle für Gemüse und Obst veröffent­licht imReichsanzeiger" einen Erzeuger­höchstpreis von 11 Mk. je Zentner für lose Zwiebeln mit Wirkung vom 5. September 1919 ab, womit sie den alten Lieferungsver­tragspreis wieder herstellt,,der kürzlich herab­gesetzt worden war. Diese Preiserhöhung ist geboten, weil sich herausgestellt hat, daß die Ernteschätzungen von Anfang August nicht mehr maßgebend sein können, da infolge der ungünstigen Witterungsvechältnisse während der letzten Wochen der Ernteertrag sehr zu­rückgegangen ist. *

** Aus de m Militär-Wochenblatt. Hauptmann Brendel, Ernst, im J.-R. 116 und Rittmeftber Brunner, inber Tr.-Abll. 18, wurde der Abschied mit der gesetzlichen Pension aus dem aktiven Heer bewilligt; zugleich sind sie bei den Reserveoffizieren der bettessenden Truppenteile an» gestellt. Oberlt. a. D. Boeck, früher Leutnant im Feldact.-Regt. Nr. 61, hat den Charakter als Hauptmann erhalten. St. d. Res. Lenz (Gießen), bisher bei dem Füs.-Negt. 80, wurde der Abschied mit der gesetzlichen Pension bewilligt.

** Tas Fest der Goldenen Hochzeit feiert morgen Herr C. Stein (früherer Besitzer des Steins Garten) und Frau.

** B e s i tz w e ch s e l. Die WirtschaftZum Kronprinz", WMtt. 21, ging durch Kauf in den Besitz des Tanzlehrers Th. Bäulke Über, der dort ein Tanz-Institut erridjtet,

** Gewerbes chuleGießen. In der Zeit vom 15. bis 28. Oktober finbet in den Räumen des Kunftpereins, Turmhaus am Bixmd, eine Ausstel­lung von kunstgewerblichen Arbeiten, Zeichnungen, Aquarellen und von Lehrgängen der Funftgeiverb» lichen Abteilung obengenannter Anstalt statt. Durch diese Ausstellung .fallen die Ideen, die für den Ausbau der Gewerbeschule nach dieser Richtung hin maßgebend fint>, einer breiteren Oeffentlicbkeit zu­gängig gemacht werden. Die kunstg et verblühe Ab­teilung wie auch die anderen 9fat^ilungen für Hochbau und Maschinenbau usw. beginnen mit dem Unterricht des Wintersemesters am 3. November.

**Tie Vortragsvereinigung (Kauf- nlännischer und Ortsgewerbcverein) hält heute iTonncrstag) abend 8Vs Uhr in der Aula ihren 3. diesjährigen Vortrag. Kapitän Herbst aus Hamburg wird überCommertage im Polargebiet" (mit Lichtbildern) sprechen.

Landkreis Gießen.

Beuern, 10. Sept. Zu unserer Notiz vom 5. September wird Uns von Herrn Phil. Sommer- lad VI. berichtigend mitgeteilt, daß cs sich nur um einen geringfügigen lstiuslichen Zwist handelte, bei dem es zu keinerlei Tätlichkeiten ernster Art kam.

^Ä^fer Oscar Strauß, der vor nunmehr fast 20 Jahreu mit MerbaumsDer lustige Ehemann" seinen ersten großen Erfolg hatte, sich zu einer Art tkformator der Operette entwickeln würde. Er zeigte in vielen kleineren Kompositionen einen feinen Geschmack und eine musikalisch-technische Könner schäft. Nun ist er nach längerer Pause Wie­da: die Enttäuschung ist groß. Oscar Sttauß hat keine persönliche Note gesunden, er schreibt süße Wiener Walzer in blendender Instrumentation, schreibt frier und da eine niedliche Sach? im Zwei­merteltakt, nimmt auch in Finales manchmal einen Anlauf zu aufbauenber Arbeit, aber das verpufft alles, hängt einem nicht tagelang an, reizt jedoch auch ruckst zum Erinnern; man denkt höchstens da­ran, wie raffiniert diese oder jene Stelle instturncn- hert worden ist. Oscar Strauß klebt am Wiener Walzer fest: er kommt nicht darüber hinaus; an bem Walzer, der heute auf'der Operetten bühne mit Verrenkungen der Beine und des Körpers geschrit­ten, gehopst uni) gedreht wird und der sich so un­endlich viel schöner in der einfachen alten Walzer- pewegung tanzen laßt ivenn er von Johann Sttautz ist. Der Tanz an sich gehört zur Operette, aber cs hegt kein Orund vor, den Walzer zum Haupt gegenständ dcr Musik zu machen. Ilm diese Klippe zu vermeiden, muß sich Oscar Strauß auch gmrz andere Textbücher schreiben lassmL als ihm Leopold Jacobsohn und Robert Bodanzky für die Ballnacht" und Viktor Leon für denLiebes­zauber" geliefert haben. Es ist vollkomnien un- verstandhch, datz ein Mann wie Oscar Straus;, der nickst ohne literarische Bildung ist, an solche Texte her angeht.

EineB a u ku n st k a m m er" für Württemberg. Eine eigenartige und bedeut­same Vereinigung, die dem jetzt vvüfach lautwerden­

** Täublingen, 6. Sept. Tie grasten^ ein Meter tiefen und zwei Meter brüten Gräben, welckre bei dcr Feldbeceinigung in unterem Wiesen­gelände angelegt werden, haben auch bei der trockenen Witterung ihren großen Vorteil. Tie Böschungen werden von den heißen Sonnenstrahlen nickt gerrof.'en, so daß sich ein üvviger GraswuchS entfaltet hat, der das mühsame Mäl)eil wieder dop> reit aufmiegt. Darum ist man der Ausführungs-c kommission sehr dankbar.

KrciS Büdingen.

# Büdingen, 10. Sept. Tie Volkshoch­schule beginnt am 6. Oktober im neuen SckstUHanse fas 1. Semester, das bis zum 12. Tezcmi>er bauert. Ti: Vorlesungen sind abends von 81 <10 Uhr. Vorträge finden statt über Buchführung (Bank­beamter Schuch), Bürgerliches Rechnen (Leyrec Pebiec), Ge undheitspflega (Tr. Brettel^, Erschei­nungen am Himmel (Tr. Tiemer), Ausgewählte Ab-chnitte aus der Geschich.e dcr dcuticlen Lite­ratur (Prof. Tr. Tingeidcin', Gabelsberger Ste­nographie (Bankbeamter Knodt), Öoübiui (Jnsvek- toc Metternich), Staatsbürgerkunde, inSl'eüondere neue Staatsverfassung (Pros. Grulin, Glcßcn).

Kreis Lauterbach.

Up. Aus dem Vogelsberg, 10. Sept. In den kleinen Mühlgräben, die hauptsächlich unsere Oelschlagmühlen treiben, ist das Wasser vcrttocknct, und dic Mühlen stehen schon lange still. Somit ist auch die Einnahmequclle oer Oelmüller versivgt. Das anrerikanische Oel, von dem das Liter 18 Mack kostet, hat endlich einmal den unaualiiiziert hohen Rübölpccis, .der bis zu 2530 Mark vro Liter ging, auf eine Stufe zurückgcbracht, die amicbmbar erscheint. Die west­fälischen Oelhamsterer, die stets vor den Türen der Heinen Oelmühlen standen, bleiben aus. Auf die fetten Jahre kommen wieder die mageren für die Oelmüller.

Kreis Friedberg.

Friedberg, 10. Sept. Im Auftrage deS Wohnungsamts erfolgt dieser Tage eine Besicy- tigung der hiesigen Privatwohnun- gen durch eine Kommission. Zur Wahrmg der Interessen dec Hausbesitzer hat dcr HauSbesitzcr- verein beschlossen, eine Versammlung der Haus­besitzer zu berufen.

Hessen-Nassau.

Aufhebung von Schiebernestern.

fz. Frankfurt a. M., 11. Sept. Die Poli­zei nahm gestern vormittag im Schieberviertel der Kronprinzensttaße, deren Zugänge gesperrt waren, eine umfassende Streife vor. Es erfolgte eine gründliche Durchsuchung der H a u p t s ck i c b e r - lok a le, die eine unerwartet große Ausbeute?! brachte. 9ttcht weniger als vier große Lastkraftir»agen waren erforderlich, um die allein in vier Häusern! aufbetoabrte Scksieberware bergen zu können Die Polizei stellte in dem Block runi> 500 Schieber fest, die in den bekannten Lokalen unb (iuf dcr Sttaße bei ihren Geschäften überra'cht »vurven. Tir Leute fluchteten mit ihren Waren vielfach bis unter die Dächer, wurden aber rücksichtslos au3 dem dun­kelsten Schlupftinnkel herausgeholt. Dis auf einen Mann, der der Beschlagnahme seiner Waren schär«- sten Widerstand entgegensetzte, so daß er gefesselt werden mußte, fügte sich das Schieberheer ins Un­vermeidliche. Die gesamten Waren wurden auf dcn Hof des Polizeipräsidiums gefaßten. Soweit die Leute im Besitz eines Gewerbescheins waren, erhielten fte ihre Waren wieder, der Besin der Üb­rigen Personen, und das mar Die Mehrheit, wurde dem Lebeirsmittelamt überlviesen.

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mr. Frankfurt a. M., 9. Sept. Die heutig« Stadtverordnetenversammlung Ivar wiederum von urrendlicher Dauer, lieber fünf Stun­den gingen die Debatten. Große Aussprack>en gab es namentlich Über die Versorgung dec Stadt (mit Brennstoffen, die von den meifteii Stadtverordneten als vollkommen iinjureirfxmb bezeichnet wurde. Der Magisttat soll schleunigst dai'ür sorgen, daß mit Eintritt der Kälte Brennstoffe vorl>anden sind. Ebenso wurde vom Magistrat gefordert für vie Unterbringung der nach Frankfurt koinnven- ben Fremden Sorge zu tragen, da es bi er abends vollkommen unmöglich ist, in Hotels Zim­mer zu bekommen. Für Stühle im Vestibül, eines Hotels, auf dem man günstigenfalls im Sitzen schlafen kann, werden pro Nacht 15 bis 25 Mk. gefordert und auch bezahlt. Tic städtisck-cn Hilfs­beamten forten ihre Bezüge durch eine Besoldungs­reform geregelt bekommen, da es nach Ansickst der Stadtverordnetenfraktiollen ein unhaltbarer Zu­stand ist, daß die Stadt heutzutage noch Leute mir einem Grundgehalt von nur 4 Mk. pro Tag be­schäftigt.

mr. Frankfurt a. M., 9. Sept. In dcn> ftädtisck>en Krankenanstalten wird ab 1. Ok­tober für arte Klassen die E i ir h e i t s k o st ein> (geführt, d. h. in der ersten Klasse gibt es kein besseres Essen wie in der dritten. Die Einzelzimmer in den städtischen Krankenhäusern sollen bedeutend vermehrt werden.

den Ruf nach dem Berufsstaat und nach staatlich altertannt.m Serufefrertrctungen entgegmlonrnu, ist für Württemberg in der Baiikunstkammer ins Leben gerufen worden. Wie M. El'ässer in denMittei­lungen des Teutschen Werkbundes" ausführt, Hai sich ein Ztteis von etwa 100 jungen Württemberger Baukünsttern zusammengetan und eine einbcitHü;e kulttrell hochstehetrüe Berufsvertretung geschasien^ Ueber Orgaitisation und Arbeitsprogramm geben die Leitsätze Aufschluß, die von der Baukiinstkammer mtfaestellt wurden. In der Zusammensetzung der Kummer kommt einerseits der aristoftatW Cha­rakter der Jhmlt, der Begriff der Auslese, deutlich zum Ausdruck: attdecerseits ist bem dcmokratisclsen Prinzip so weit wie möglich Rechnung getragen. Das Hauptgewicht wird darauf gi (-gt, der Organi­sation immer frisches Blut zu;ufühcen unb sie da­durch vor (Sntfeitigfeit und Erstarrung zu schulen. Das sehr umfa'rgreiche Arbeite pro epea mm zieht alle Fragen der Baukunst in seinen Bereich. Die bfahcr nebeneinander bestehenden Organisationen der Bau­beratungsstelle, des Land^-saussctMsses für Natn.- und Heimatschutz, des Bttndes für Hcimalschuy und der Stelle des Landestonservators sollen, foneil baukünstlerische Fragen in Betracht kommen, m einer einheitlichen Wirkung vereinigt werden. T\< Kammer übt eine beratende Tätigkeit aus und ver­mittelt künstlerische Arbeit: Sie will als SBrrrr hing der Baukmistlerschaft keinerl i Konkurrenz für bie emzelnen Architekten fein, vielmehr den Baukü ft* lern eine ganze Reche neuer Arbeitög biete eröff­nen. Insbesondere wird dic Kammer auf be i Lande und in kleineren Städter, den Architekten ci: große- Arbeitsfeld erschließen, das bisher fast völlig brach gelegen hat.