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Erster Blatt

169. Jahrgang

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SwilUngrnmddNKk u. Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- u. Stcindruikerel «. Lange. Schristlellung, Seschästrftelle u. Druckerei: Schulftr. 7.

S ID« We"« GeNelmord vor Gericht.

würd- unser« Ueberzeugmig von der Unrechtmäßig- .. Lunchen, 10. Sept. Zn Beginn der Heu- teit der deutschen Sache uns auch in beit Krieg "gen Verhandlung teilte zunächst der Staatsanwalt getrieben Ixiben, wenn die T-eutschen keine feind- ZL«Ä er d»c AnNage gegen Josef Seidl mit. lrchen Handlmtgen neuen uns beaanaen hätten?" ",.. ans die gestrigen Aeuaenau^sagen von-

unter den Unabhängigen und

Angelegenheiten einem Zlrenzverhör über den

Anuatpne von Anzeigen f. die Lagesuunnncr bis zum Nachmittag vorbei obncjebc'Bcvlnnbllrtifcit Preis für \ mm höhe für An ^eigenv.34 mm Brette Örtlicti 15 bi-, aliSivärts 18 1«,, für Reklame« anzetgen von 70 mm ©reue 48 Ps. Bet Platz- rovfd)rih20n,,lMuf|d)lün, $)Qnptid)riitlciter: Aug. (Aoeg.jjevantiDortlld) für Politik: 'Jliifl. (Äoetz. für ben übrigen teil: Ur« Reinhold Zenz; für ben Anzeigenteil: p. Beck; lämtlid) tn Gießen

"chm Handlungen gegen uns begangen hätten?" Wilson:Es würde im Verlauf der Tinge eventuell so geworden sein." Cumbcr wiederhiltc seine Frage in itodt bestimmterer Form und sagte: Herr Präsident, glauben Sie, daß wir dennoch in den.Krieg gegangen wären, auch wenn die Teut- scheu keinerlei Kriegstaten oder Akte der Unge­rechtigkeit gegen unsere Bürger begangen hätten?" Wilson:Jawohl, ich denke Has."

Wilson über die Kriegsneigung Amerikas.

Haag, 10. Sept. Wie bereits bekannt, wurde

Präsident Wilson am 19. August von verschiedenen Ziele von Grund auf geändert toerden mutzten. Mitgliedern des Senatkaucschusses für auswärtige Diese Crkenntniäsel-ler haben ich und die Melsrlxnt

fortgcscl)afst. ---

Au» dem Reiche.

Einschränkung des Eisenbahnverkehrs.

Karlsruhe, 10. Sept. (Wolff.) Am 16. September wird auf den badischen Staats­eisenbahnen eine weitere Einschränkung des Schnell- und Personenzugverkehrs eintreten.

Der Kohlenmangel.

Düsseldorf. 9. Sept. Der Oberbürger­meister von Mühlheim (Ruhr), das sozusagen auf Kohlen gebaut ist, gibt bekannt, datz die GaS- liefenmg von morgens 8IO1/« und von nach­mittags 12 Uhr eingestellt werden mutz, damit bei der augenblicklichen durchaus unge­nügenden Kohlenförderung wenigstens Gas zu Beleuchtungs-Wecken zur Verfügung ae« stellt werden kann. Auch wird in Mühlheim die Straßenbeleuchtung wesentlich eingeschränkt. Dies« Maßnahmen zeigen deutlich, daß die Kohlensrage nicht lediglich eine Transportsrage ist. Der große Koljlenmangel macht sich letzt auch fdjon für die Ernährung bemerkbar. Der Regiernngs-, Präsident von Düsseldorf richtete nämlich an alle Gemeindeverwaltungen seines Bezirks ein Tele^ pramm, worin er darauf aufmerksam macht, das infolge mangelhafter Lieferung der Margarine- sabriken die Fettration im Regierungsbezirk auß 1OO Gramm Pro Woche herabgesetzt werden muß. Die Herabsetzung der Fcttration ist ausschließlich durch die mangelhafte Kohlenlieferung veranlaßt worden, infolge deren die Margarinefabriken zum Teil stillicgen.

Die Rohstoffe.

Berlin, 11. Sept. LautVerl. Lok» Anz." hat das Reichswirtschaftsministerium die ihm unterstellten Behörden angewiesen,'

Paris, 10. Lept. (Wolff.) Tie Konzert­hallen, die Musikhallen uni> die Kinomatv- graphen wurden gemäß dem BeMusse der In- Haber am Dienstag abend toiebcr eröffnet.

Die Unterzeichnung des Fricdenöver- träges von St. (tfcrmaiii.

S t. Ger main, 10. Sept. (Wolff.) (Staatö- kanzker Tr. Renner unterzeichnete den Fri-e- del.svertrag um 10 Uhr 15 Minuten vormittags. Tie rumänische und die jugoslawische Delegation

waren bei der Zeremonie der Unterzeichnung nicht anwesend. Tie Unterzeick>nung war um 11 Uhr 10 Minuten beendet. Tie rumänischen und die jugoslawischen Bevollmächtigten erwarteten die In­struktionen ihrer Regierungen. Ter Oberste Rat ließ ihnen bis Samstag Zeit, ihre Absichten mitzu­teilen.

Eine deutsche Note über Gberschlcflen. ... .Merlin, 10. Sept. (Wolff.) In Versailles 111 'Olgende Rote überreicht worden:

Mit auffallender Sorge verfolgt die d e u t s ch e ucegierung die von unverantwortlicher polr.i- Mier Serbe aus Anlaß der oberschlesischen Vorgänge gegen Deutschland seit mehr denn , unüerminberten Kräften in Wort Schrift _ betriebene Hetze. Sowohl die matz- loien Artikel und Aufrufe in der Presse wie die in r^hi^r'^hen Volksversammlungen in allen grö- b/ren Orten Polens gehaltenen Reden über die Er- ergnnse und Verhaltnrsse in Oberschlesien sind ge- ergnet, die breiten Ma»en des polnischen Volkes in erne gefährliche Erregung zu versetzen und sie zu Gewalttaten aufzurerzen. Unverhüllt wird bewaff­netes Einschreiten also der Krieg, gefordert und zur Bildung von Freischaren ausgcrufcn Die beut»

Regierung glaubt der Zustimmung der pol- nisch-ien Regierung, sowie der übrigen alliierten und assoziierten Regierungen sicher zu sein, wenn sie cs als eine ernste Pflicht der polnischen.Regierung bezeichnet, d^sem Treiben eutgegeiizutreten intb mit Men Kräften auf eine Beruhigung der öffcntlick-en

Die Heransgabe der Kriegsgefangenen.

Frankfurt a. M., 10. Sept. (Wolff.) Die Verhandlungen wegen Ausliererung der in a m e r i- kanischen Händen befindlichen Kriegsge­fangenen hat zu dem Ergebnis geführt, daß vom 17. September ab täglich 2000 Mann aus- geliefert werden.

Der $rieöensvertrag in der französischen Kammer,

Päris, 10. September. (Wolfs.) Havad. Die Kammer diskutierte am Dienstag über den Friepe ns vertrag. Dubois, Berichterstat­ter für die Wiedergutmachungen und finanziellen Klauseln, sagt, es sei notwendig, daß die Kom­mission von Spa ihre Arbeiten in bezug auf die Wiederbeschaffung der Maschinen, des RLobilars usw. energischer fortführe. Er empfiehlt, sran- S.vsisckst und belgische Polizei heranzuziehen und ich nicht aus die deutschen Agenten zu verlassen, da die Nachforschungen mit letzteren oft nickst zum Ziele führen. Dubois besteht auf der Not­wendigkeit, Deutschland alle Aufwendungen für die Wiederherstellung der zerstörten Gebiete be­zahlen zu lassen. Klotz stimmte der Auffassung Dubois zu. Dubois wunderte sich darüber, öaij die Lieferanten an Deutschland die Priorität für Zahlungen in Gold erhalten haben. Der Bericht­erstatter hofft, daß die Alliierten diese Priorität nicht aufrecht erhalten und Frankreich Gerechtigkeit widerfahren lassen werden. Bedouce, der ihn unterbricht, gibt der Befürchtung Ausdruck, daß die Alliierten, die infolge von Privatgescksäften Gläubiger Dcukschlands seien, ein Interesse daran haben, einen gewissen Mzug von der deutschen Kriegsschuld zu erreichen. Klotz weist darauf hin, daß einzig die WiedergutmachungsVommission mit Deutschland direkt verhandle. Die Opposition Frankreick>s- roerbe genügen, um ben Abzug von der deutscken Kiregsschuld zu verwerfen. Lvuchcur erklärt, daß gerade die Wiedergutmachungskom- mission die Fortsetzung der Solidarität der Al­liierten im Frieden darstelle.

Aus Paris.

mit. daß er die Änklage gegen Josef Seidl mit. Rücksicht aus die gestngen Zeugenan.ffagen vow achtfachem aus z e h n f a che m M vrd auSdebne wegen dessen Teilnahme an der Erschießung ben Zwei Regierungssoldaten. Älleitcre Zeugen aus den Reilien der Freiivilligenkompagnie des 2. Im- santerieregimcnts, deren Angehörige sich am Tag der Geiselerschießung in die Rote Armee aus- nehmcn lassen wollten, bestätigten, daß sre S ch i ck l h o f e r bei ihrem Eintrefsen aussorderte, die Erschießung der Geiseln vorzunehmen. Ec habe sic mit der Frage empfangen, ob sie guta Kopf- und, Biustschützen seien. Da sie sich allo weigerten, seiner Aufforderung Folge zu leiste», meinte er:Wenn Ihr es nicht macht, müssens die andern machen." Der 18jährige Kellner Luitpold Deb u s. der Wachtdicnst vor dem Geiseln zimmer versah, schilderte die Vorgänge bei bec Geiselerschießung, ohne besonders noch nicht be­kannte Einzelheiten zu envähnen. Nach seiner Aussage erhob sich der Angeklagte Rieth-- m a ic r mit der Behauptung, der Zeuge sei bei der Geiselerschießung iin Hof gewesen und habe von einigen der Getöteten die Brieftaschen in Empfang genommen. Nach einigem Zögeril und auf Vorhalte des Vorsitzenden gab der Zeuge zu, daß dies den Tatsachen entsprech?, doch habe er die Brieftasclient einem hinkenden Schreiber zur Aujbeivahrimg über- gebe». Der Staatsanwalt erklärte darauf auch diesen Zeugen wegen Verdachts der Mittäter­schaft für verhaftet und ließ ihn aoführen. Aus den

Bern, 10. Sept. (Wolff.) Reichssinanzmiui- ster Erzbe rgerhatvon Sttrid) <uiä Dem out- 1 nal de G6növe" eine längere Zuschrift ge­schlickt, in der er seiner Sympathie für die S^wciz Ausdruck gibt, die eS vorbildlich verstanden iMbc, das P noble in der Zusammenfassung verschiedener Völker, Sitten, Traditionen und Religionen ein­heitlich zu losen unb dabei doch« in einzelnen Punk­ten Entscheidungsfreiheit zu lassen. Man Dürfe überzeugt sein, daß auch Deutschland trotz aller .Hindernisse die soziale und demokratische Republik vernirkiichen werde und nur das eine Ziel kenne, die geistige und materielle Wöhlfalwt aller seiner Bürger zu förbeni und darüber hinaus gute Be­ziehungen mit allen Völkern ohne Ausnahme zu iiiiterhalten. ,^Jn diesem Geiste haben wir den lynebtn unterzeichnet, den wir loyal lialten .uoUcn.i Ties ist der feste Wille der überivältigeiiden Mely- heit des deutschen Volkes und deshalb kann ich nichit begreifen, daß unsere ehemaligen Gegner so oft diese wahre Stimmung verkennen. Es ist selbst­verständlich, daß man sich nur allmählich Neäxm- schaft geben kann von dem Gang, den die Ereignisse genommen haben. Vertrauen läßt sich nichit aus­zwingen, sondern muß errungen toerden. Wenn man sich im Auslände überzeugt haben wird, datz wir loyal das Pvogvamm, daS wir ersüllen können, auck) erfüllen tvollen, so wird anch das Vertrauen, von selbst wiederkehren und damit ainh das Gefühl von geistiger und wirtschaftlicher interuationialer Solidarität." Erzberger knüpft dann an die vor kurzem bekanntgeivordenen Ausführungen seines Vorgängers im Finanzministerium an, der die wirtschaftliche Lage Frankreichs als ebenso trübe nie die Deutschlands hingestellt bat, und erklärt, daß er diese Ansicht md;it teilen könne. Tie Schä­den, die Frankreich durch die Okkupation erlitten habe, müßten und würden von Teutschland .nieder gutgemacht werden. Tarüber hinaus und unab­hängig von jeder anderen Entschädigning erhalte .Frankreich durch die Restitution Elsas?Loibringens eine K o m p e n s a t i vir von imermeßlichiem Werte auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Erzberger fährt dann fort:Selbstverständlich kann unser Prx>- gramm nicht ohne gvoßp Opfer der Besitzenden und derjenigen, die bisher die bevorzugten Stände, waren durchgeführt werden. Tas Interesse des Vaterlandes erfordert die Zusammenfassung aller Kräfte, die willens und entschlossen sind, Teutsch- land wieder zum Leben zu bringen und in Teutsche land einen Damm peg«n die bolschewistisch? Gefahr zum Wohl? aller zivilisierten Völker zu erhalten." Zum Schluß »vendet sich Erzberger gegen die ge­hässigen Angriffe, die von entern Teile seiner poli­tischen Geciner gegen seine Person gerichtet würden. TaS SprichwortBiel Feind' viel Ehr'" könne auch, hier seine Anwendung sinden.Ich habe jedoch," erklärte Erzberger,das Bewußsttsein, nur das Rechte zu wollen und die Ucberzeugung, auf dem rechten Wege zu sein. Ich bin der Erste, der zugibt, daß ich in meiner politischen Laufbahn Fehler begangen habe. Besonders während des Krieges habe ick,- erst nach und nai.h und nicht ofync heftige innere Kämpfe erkannt, daß vieles von dem, tvas ik<H ftÄhcr für recht hielt und für das id;i mich eingesetzt habe, schlecht tvar imb daß unsere natio­nale Erziehung, unsere Emrickstungen und unsere

weiteren Zeugenaussagen ging hervor, daß am 27. April Seidl in der Aula des Gymnasiums eine Ansprache hielt, in der er die Politik deS Vollzugsrats als zu ivenig radikal bezeichnete wih erklärte, über die Köpfe des Revolutionstribunals hinweg auf eigene Faust zu verl-aften und abzu­urteilen. Ein Zeuge, der Gelegenheit hatte, im Hose des Gymnasiums der nachmittägigen Ere- kution beizuwohnen, wollte dabei Hausmann sprechen, der tim jedoch mit den Worten obwies: Ich habe keine Zeit, ich muß weiter schießen lassen." Als ihm der Zeuge erwiderte, er möge sich die Sache doch überleben, l>abe er geantwortet: ,,Jch kann keine Rücksicht ne Innen. M) Ijobe von Seidl ben strengsten Befehl, die Leute erschießelt zu lassen."

Derselbe Zeuge schildert dann grauen­hafte Einzelheiten der Erschießung, Professor Berger, der immer beteuert habe, er lasse sich nicht erschießen, habe noch einen, Schuß ins Genick bekommen, so daß sein Hirn an die Wand spritzte. Da habe einer aus der Menge, die den Richtplatz umringte, geruseus Heute gibt's gebackenes Hinr." Schicklhoser hätte geschrien:Die Gräfin muß erschossen werden. Wir können keine Rücksicht nehmen, nur hin da-, mit. Die haben es den Unseren auch nicht anders gemacht." Von einem der Iliohlinge sei Die Gräfin Westarp zum Nichtplatz gezerrt worden, wobei dieser rief:Nür hin mit der alten Hure, die gehört schon längst erschossen." Sie habe sich wie eine Wahnsinnige gebärdet. Als sic tot am Boden lag, wurde diesem Rohlinge zugernsen: ..Respekt Maxel, daß du sie hingesührt l-ast." Mtt einer gleich unflätigen Bemerkung sei ein Mann an den Leichnam rvoch herangetreten, um mit dem Fuß nach dein Unterleib der Gräfin zu stoßen. Fürs^. T h u r n unb Taxis, der vollständig oebrn>d;cir war, habe feine Mörder gebeten, doch mit zu schießen. Nachher hieß es:Tem ist sein Wunsch erfüllt worden." Ter Zeuge meinte, er könne beuld nicht mehr auf "feinen Eid nehmen, ob es der AngeNagtc Huber war, der der Gräfin Westarp gegenüber nicht wieberzuaebende Aeußerungen not braucht und mit dem Fuß nach ilw gesbostm Ijubc. Eine Menge Schaulustiger, darunter Zivilißen, hckben sich nach der Exekution die Leick»m an^esehen> während man darmt ging, für die Toten in einet Ecke des Hofes ein Grab zu fdjinitfcln. Währenddem fei ein Soldat von Serdl zurückgekelwt mit bec Nack/rickit, dieser habe gesagt, die Lei-chen würde'n»

sdeheude zweite. Revolution ist stark gesunken; sowohl Haase wie der Koreferent Geyer stell­ten fest, daß keine rechte Stimmung mehr vorhanden sei. Haase sagte u. a.:

Wir dürfen uns nicht verl-ehlen, daß eine gewisse Ermüdung im Proletariat eingetreten ist. Auch die Kommunisten erkenn m die Stkuation unb rechnen sogar mit der Mög­lichkeit, daß die revolutionäre Stimmung wich weiter abflaue. ES ist ganz falsch, wenn Geyer in derLeipziger Volkszeitung" die Revolution schon für die nächsten Monate als sicher ankündigte. .'tVineswegS brauchen wir aber kleinmütig zu tver- den. Es sind genug vorwärtstreibende Clemente vorhanden; fdjon die Steuerpolitik der Regierung muß immer wieder den Widerstand des Pvole- tariats herausfordern. Tie wirtschaftliche N v t kann dazu führen, daß loir bald wieder in eine neue verschärfte Revolutiousphase hinnnvommen. Durch die Mitarbeit im Parlament müssen dem Prvlctariat möglichst günstige Kampsbedingungen verschafft werden. Die Massen würden eine anti- parlamentarische Taktik auch nicht begreifen. Wenn cs nun wieder zur Wahl eines Parlaments kommt, nKrbcn wir uns daran beteiligen müssen. Die Frage einer Beteiligung an der Rt>gierung ist im Grunde eine Doktorfrage. Eine Regierung mit Bürgerlichen kommt gar nicht in Frage. Das Experiment einer Regierungsbildung mit den ßicchtssozialisten ist an deren unrevolutionärem Verhalten gescheitert.

Geyer meinte:

Auf dem Wege des Parlamentarismus komme man beute tatsächlich dem Sozialismus keinen L>ckftitt näher. Grundsätzlich müsse feststehen, "daß die USP. mit der vechtssozialistiick>en Partei eben­sowenig wie mit irgend einer bürgerlichen Partei in einer Regierung Zusammenarbeiten dürfe. Der Parlamentarismus käme höchstens als Hilfsmittel im Kampf für den Sozialismus in Betracht, wenn die Situation dafür ,gegeben sei. Das sei lediglich eine Frage der Taktik. Sei in absehbarer Zeit mit einer Revolution nicht zu rechnen, so müsse das Parlament für die Zwecke des Sozialismus dienst­bar gemacht werden.

Die polilisck>e Zukunft, sio schloß Geyer, läßt sich nicht vorlxrsagen. Wohl ist eine gewisse Ermiidung des Proletariats eingetreten, aber die wirtschaft­liche Situation wird die Revolution nicht ein­schlafen lassen. Wir haben die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß sie nicht -zur Hungerrevolte werde. Wer die Arbeiter da auf den Weg der Demokratie weist, täuscht sie über die Situation. Wir dürfen den Willen zur Revolution nicht verbergen.

Ucber irgendwelche Beschlüsse des Partei­tages ist noch nichts bekannt geworden. Der Vorwärts" begleitet die Verhandlungen mit lebhaften Einwürfen für den Parlamen­tarismus und warnt vor den Fehlern der Vergangenheit:Der heutige Antiparlamen­tarismus sei durchaus kein shruppiger (§mpor- kömmling, sondern sozusagen ein Aristokrat niit einer langen Ahnengalerie, die bis in das liberale Bürgertum zurückreiche." So viel ist sick)er: zu einer Einigung der sozialdemokra- tisck)en Gruppen wird es in absehbarer Zeit nicht kommen.

Der Kampf mit den Bolschewisten.

Amsterdam, 11. Sept. (WTB.) TieTi- mes" meldet aus Omsk, daß bic roten Truppen To bo l s k besetzt haben. Rote Agenten sind eifrig lestrebt, die Bauern zum Aufflanb zu bewegen. Tie Bolschewisten haben in Sem ar a ein e neue Heeresgruppe gebildet. Ten bolsck-ewistischm Be­hörden ist der Befehl erteilt ivorden, Borbereitiiiv- g-eu für die Befördenmg von Vorräten unb Ma­terial von ber unteren Wolga nach Zentval-Asien zu treffen.

Tschechische Methoden.

A?", 10. Sept. (WTB.) DieNeue Freie Presst meldet aus Prag: Das Unterrick)tsmini- stermm gab einen Erlaß heraus, demzufolge alle Sck.üler und SckMerinnen von den staatlichen Mittel-, Handels- und Fach sch ulen a it s z u s ck, 1 i eße n, sind, die nicht in irgerrdenwr Gemeinde Tschecho-Slowakiens Hei­matsrecht besitzen.

L>ierzu bemerkt dieNeue Freie Presse": Tie gesamte Kulturtvelt im'lßte gegen ein derartiges, aeroben ungeheuerliä-es Borgel-en und gegen die Ernfühnkng derartiger Methoden zur natronaleir Unternerfung den schärfften Einspruch crljcbcn.

Die Schweiz und der Bvlkerbnnd.

B e r n, 10. Sept. (Wolff.) Sck^veizerische Te- vesckpen-Agentur. Die nationalrätliche Kommission für ben Völkerbund bcsckiLoß mit 21 gegen 4 Stim­men, im Nationalrat ben Eintritt in den Völker­bund zu bearttraflcn. Trei Stimmen sprachen s..h für den derzeitige« Nichteintritt aus.

<Hne Erzbergersche Derfünöigung.

Kommunisten.

Von dem Berliner Parteitag der Unab­hängigen, der unter Ausschluß der Oeffentlich- reit stattgefunden hat, hört man nicht viel. Aus einem parteioffiziösen Bericht derFrei­heit sind aber einige interessante Wendun­gen zu erkennen, die den Parteitag beschäf­tigt haben. Wie schon kurz auch in unserem Blatte erwähnt wurde, gelten die Ausein- andersetzrmgen derunabhängigen" Partei- führec im wesentlichen der Streitfrage, ob Parlamentarismus zürn Ziele führe, oder der Gewaltkampf, die Diktatur. Huase ver­trat die Auffassung, man dürfe die parla­mentarische Mitarbeit nicht aus der Hund geben. Besonders interessant «ist, wie die Füh­rer der Unabhängigen die nächsten Aussich­ten der Zukunft hinstellen. Die Hoffnung auf eine baldige, unmittelbar vor der Tür

Nr. 212

Ter fcitfttnet Anzef-er erscheint täglich, außer Sonn- unb Feiertags.

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postscheittonto:

Sranffurl a. Ul. U686

....................... ... meiner Landsleute begangen und man kann hinzu- .'serbund und den Friedensvertrag unterworfen, fügen: A".ch unsere Okcrner haben gelernt, die M-anckiester Guardian" gibt nun aus derNew aitbcrd zu sehen und sich zu anderen Auf- Bork World"" vom 20. August einen I sassungen zu bekehren.""

Die HüStittditberfeitlltWIt Meinung rn ihrem Lande hmzuwirkM. Ein Pimki «tMOVlHUIIVUJtgllliyKll sortgesetzter Bctmrilhiglmg liegt in dem Umstande, T^r A4>t1 IlitrthhrtnrüAOtl IlttX daß ibte tn der Nähe der Grenze zum Schutze der Ortsäiaften und der zahlreichen industriellen Nie­derlassungen stehenden deutschen Tncppeu fortgesetz­ten Angriffen seitens polnischer Banden aus­gesetzt sind. Diese Banden stoßen unvermutet über oie Grenze vor, fügen den beutfrfj-cn Ortsck^aften Verluste zu und ziehen, sobald stärkere deutsck>c Kräfte ersckxinen, sich ebenso schnell über die Grenze Zurück. Es bedarf der größten Selbstbelwrrschiulg der deutschen Truppen, daß sie sich nicht in der Verfolgung [oldjer Banden zu Grenzverletzungeai htnreißen lassen, was das zustättdige Generalkom­mando in einer amtlichen Mitteilung vom 2. Sep­tember besonders beroorljebt. Es genügt aber nicht, daß .die polnisck)ien, an der Grenze beftndlickien Streitkräfte untätig bleiben, vielmelxr wäre es drin­gend erforderlich, daß diese Streitkräfte für eine scharfe Absperrung der Grenze gegen einen Ucbertritt von Banden sorgen und öaß sie verlyndern, daß sich diese Banden mit Waffen und Munition versehen. Eine Fortdauer der jetzigen, auf die Dauer sowohl für die Truppen wie für die hiesige Bevölkerung unerträglichen Zustände mürbe den Eindruck erwecken, daß die polnischen lieber fälle mtt- Wissen und Wollen der polmschen Militär­behörden erfolgen. Die deutsck)!e Regierung möchte möglick-st auch diese Gelegenheit beniltzen, um mit Nachdruck darauf hinzuweisen, daß sie in enger Ver­bindung mit der preußischen Regierung aus Rück- sicksten des allgemeineir Friedens und des ösfent- lickien Wohles mit Erfolg bemüht ist, in -Oberschle- sien die Rilhe und Ordnung und damit die Fort­führung der Arbeit und Produktion zu fiebern.

London, 10. Sept. (WTB.) Reuter erfährt, daß der Vorsitzende der alliierten Kommission für Oberschlesien, General Dupont, beschloß, unverzüg­lich ein Telegramm nach Paris zu senden, indem er nacÄrrücklich auf die Notwendigkeit der En tsew- dung alliierter Truppen nach Obe'r- s ch l e s i e n hintveist. Tie Besetzung kann jedoch aus technisckien Gründen nickst vor dem 20. September durck^eführt werden. (Anmerkung des WTB.: fln hiesiger zuständiger Stelle ist von einem solchen Beschluß Tuponts nichts bekannt.)

Donnerstag, y. September Wy

Gretzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen