Ausgabe 
11.4.1919
 
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Aeitag, N April 1919

(69. Jahrgang

Die Nationalversammlunz an unsere Gegner

Danziger Landung übenvunben zu fein. Graf vonangebr-E Frankreich ffitme ratM .üg jnJM;

geior-* erl-alt XxeiM

fiel)en itab könne sich niemals auf Auseinanlxr- setzuiigen mit Deu.f ilaird auf der Grund ag: der Glrichuercch igung cinlafsen.Journal des De­büts" verlangt, daß man auf die früheren For­derungen zurückkvmmen solle, um auf Grund d-reses Programms die nrrtidriftlidi-en Forderungen zu regeln, sonst müsse L-rcurkreirl- den Bankrott cr-

nach, seine verlorene Macht wiederzugewinnen, preußische Truppn und weiße Garden unter dem Befehl des Generals Epv seien im Anmarsch auf Augsburg. Der Anfrus fordert die Soldaten und Arbeiter auf, zur Verteidigung der Errnngenscha?» ten der Revolution sich dem revolutionären Ar­beiter- und Soldatenrat zur Verfügung zu stellen. Zahlreiche Geschäfte und Banken haben ge­schlossen.

Bildung einer roten Armee.

sei, als der beutfdym.

Ter Etat wurde an den Hauptausschutz ver­wiesen.

Eine Frieden-entschlietzung der Nationalversammlung.

Präsident Fehrenbach teilt mit, daß von allen Fraktionen mit (Ausnahme der Unabhängigen der folgende Antrag ein*

Annahme von Aazrige, s. eie Lagernummer dis zum Nachmiltag vorher ohiiejedeBeivindttchkeit

Seilenpreist: für örtliche Anzeigen 25 Ui..iuranswärtiq« 30 Bf., für Reklamen Mk.1.-nebst 20° 0Ieue- runaSzns ittaa;Plaiwor- schrill 20 % Aufschlag. Hauvtschri'tleiler: Ang. Äoeg. Berantwottlnh für Polil'k: Auq. (Äoey. für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; für den Anzeigenteil: v>. Beck; sämtlich in Gießen

liarden zu zahlen.

Die aoriatische Frage.

Wien, 10. ?lprÄ. (WTB.) jugoslawische Blätter berichten, daß die adriatischk Frage bereits gelöst ist. Tie FriedensÄnferenz batGö rz, T r i e st und einen Teil Istriens I a ien zugc- spoochen, Fiume werde Freihafen, Dalmatien und die dalmatischen Inseln bekämen die Jugo­slawen.

Amerika gegen die Verfolgung deS früheren Kaisern.

Amsterdam, 10. April. (WTB.) TasAl- gemeen Haiidelsbl,d" meldet aus Baris: Die arne- rikauiscl)en Mitglieder der Kommission, die sich mit ber Frage der Berrntwort.ichleit für den Krieg befaßt, widersetzen sich energisch der Ansicht, daß der früliere deutsche Ka i s e r in seiner Eigen­schaft als S aatsvberhaupt strafrechl'ich verant­wortlich ist. Wilson scheint ebenfalls im Vierer­rat in dieser Frage eine kategorisch ablehnende Haltung eingenommen zu habeit.

Die angeblichen Verhandlungen Lenins mit der Entente.

A m st e r d a m, 9. April. (WTB.) Einer Reu- termeldung zufolge erklärte im Unterhause der StaatSiewetLr für austlürtige Aug legrüheiteii Short im Verlause einer Diskussion über die angebliche Eröffnung der Friedensverlondlungen durch Lenin, in England befänden sich Agenten der Bolscheu»!stcn, die man schwer fassen könne, die aber sorgfältig überwacht würden. Großbritan­nien sei buuljaud bereit, mit einer recht mäß.gen und stabilen Regierung, die Rußland vertritt, zu verhandeln. Wenn es sich jebod) um eine Rotte blutdürstiger Mörder handle, sei man berechtigt, zu erfiä eit, daß man mit diesen Menschen wicht verl)andeln wolle. Harrn sworth sag:e, der bri- tifdieu Delegation inPa is läge kein Vorschlag Lenins vor. Er glaube zu wissen, daß fein end­gültiger Vorsdstag Lenins wach Paris übermittelt worden sei. Nach seiner Ansicht fei das unbestimmte Gericht, daß Lenin zu VerlMtdlungen bereit sei, eine deutsch Madpe. Short erklärte, daß er Lloyd Gcvrge die einmütige Ansicht des engliswen Unter- hauses, daß mit Lenin nidji verhandelt werden solle, übermittln werde. Tie ^lussüchrungen SlZorts fanden großen Beifall.

Lin neuer Umsturz in vnyern.

Die Kommnnisten am Ruder.

klären. c.

Serbe in derVictoire" knüpft an bie bol- l-ewistisclw Bewegung an iptd sch.eibt: Tie Ber- iiterung bei uns in Frankreich, in Italien und in Belgien, wo die Nerven durch den vier Jahre langen Krieg zermürbt sind, Hut eine brennende Gier in den Gemü:ern geschaffen, sich . diesem Totentanz anzuschließen. Das einige Mittel, so agt Herds, um die weitere Ausbreitung des Hebels zu hindern, sei ein schneller Friede, der den sieg­reichen Ländern die Befriedigung der nationalem Wünsche und die W ederaufnahine d.s Wir sck-as's lebens b i igt. DieH u m a n i 16" verteidig! Wilson, der mit dem Starrsinn der Entente zu kämpfen labe und meint aber, heute fei eine Einigung auf der Grundlage der Wilsonschn Punkte .»'möglich geworden. DieHumanite" will nich glauben, daß Wilson seine Kampagne durch» einen schroffen Abbruch -beenden werde, beim er wolle doch zweifellvs nicht die sonst wiausblcib- liche Revolution in Frankreich

Reuter über die EntfchädigungSfrage.

nehmen. _____

deutsche Nationalversammlung.

Sitzung vom 10. April.

Bern, 10. Aprrl. (WTB.) In der fta.'izö- sischen.Oefsentlchkeit hat ein grvßes Rät el- ratcn über den Entschluß Wilsons, nm- per nach Amerika zurückzurcisen, begönnern ,^ie Pariser Presse neig! zu der Aunassung, das; Wrlson mit feinem plötzlichen Gntschlutz boEunumherm .rolle, daß er seine .Anwesenhett in Frankreich nicht länger ausdehnen töirne w.g-n Meinungs­verschiedenheiten, die Amerika nicht ixren angeljcn.

In der heutigen Pariser Presse herrscht cm ziemlich ausfallender Ton gegen Wil­son vor, dem man vorwirft, das; er durch seine unnachgiebige Lml ung den Absd^ des Friedens verzögere Ein bemerümswerter Artikel de-M a- tin" fül/rt aus, England I)abe durch den Wassen- stillstand^die deutsche Flotte und Amerika den Völkerbund erhalten. Beide Länder hätten alio nichts mehr von Deutsdüand zu besürd»!en un.^ ihrer Wirtschaft seien außerordentlich nuldnuigen e Absatzgebie.e eröffnet ivorben. Frankreich njeree nun mit seinen bered» igten Forderungen als Ruhe­störer hingeßellt. Frankreich werde ab.r, a ls seine Anspi-üche nicht befriedigt .werden, dcm Ruin ent> gegengel'en und habe aud» in der Zn.kwwft keine Sftln'r eit. Tie Erklärungen amertiLmiidxr Jour- nalcs.es., Frankreich s nachgelen, sonü würde Wilson hcimkehren, seien FranLeich gegenüber un-

nicht preisgcbt.

Ter Antrag tmrb gegen die stimmen der unabhängigen Sozialdemokraten angenommen. (Es entsteht ein großer Lärm, den Unabhängigen wer­den stürmische Pfuirufe und Ruse: Raus! Raus! zuaerufen.) Hierauf wird ein weiterer Antrag der genannten Parteien, einen A u s s chu ß f ü r die Friedensverhandlungen cinznsetzcn und in diesen die Präsidenten und 28 Mitglieder zu berufen, angenommen.

Schluß gegen 3/<9 Uhr. '

Nächste Sitzung Freitag 3 Uhr: Anfragen und kleine Vorlagen.

Die französische Verstimmung.

Die Nationalversammlung setzte heute die erste j Lesung des Etats fort. Reichsmimsterpräftdent -Scheidemann nahm sofort nad) Eröffnung j der Sitzung das Wort und führte aus: Tas wich­tigste außenpolitische Ereignis seit der Vertagung i war der Abschluß der Verhandlungen über ben geplanten Durchzug der polnisdien Armee durdi i Danzig. Es ist gelungen, unsere Gegner von , diesem Plane abzubringen. Dem russischen Volt i wollen wir gern die Bruderhand reict^n, wenn es auf die gewalttätige Propaganda des Bolsche­wismus verzichtet. Die Gefahren für unsere aus­wärtige Politik kommen aber nicht so sehr von jenseits der Grenzen, sondern aus unserem eigenen Volk, aus der Erschütterung unseres Landes durch die Unruhen. Wir wenden uus gegen die Ra te republik nicht nur aus Gründen der Welt­anschauung, sondern wir wenden mis gegen sie, weil wir den Frieden wollen. Die Verhandlungen des Räte-Kongresses verfolgen wir mit Interesse imb mit den besten Wünschen.

Abg Pfeiffer (Zentr.) fordert namens seiner Partei, daß die Friedensbedingungen drei Bedingungen erfüllen müssen, ohne dw eine Emi aung nicht möglich sei, nämlich bte s-MgahC mv fern Gefangenen, die Aushebung der Blockade und die Herausgabe unserer Kolonien Der Redner wünscht in den Kreis der Schiedsrichter beim Vol lerbunb auch den Papst einbezogen.

Abg Hoch (Soz.) erllart, die Volker sollten crfcnnem daß der Militarismus in Deutschland für «Ne Seiten beseitigt sei. Den L>atz von der He.lig- frit des Eigentums könne man nicht mehr tu bicici sthweren Zeil als berechtigt anerkennen, wer mehr habe bürte dieses Mehr nur atö Eigentum der Sefamtbcit verwalten. Der Redner tritt neben bei Nationalversammlung auch für dw Arb-.iteriate eiiL ,

Um V-2 Uhr wird die Weiterberatung aus /«41 Uhr vertagt. _ .. -r,..

Nach der Pause nimmt der Reichsininister des Auswärtigen. Graf v. Brockborn- Ran tz a u, das Wort. Er führte aus, daß itnr vor kühl red>* snenden und harten Feinden stehen und ihnen ge­genüber nur eine Waffe Hätten, die Berusung aus die Friebensgrundlageii, über die man Ansang veinber einig geworden sei. Die froioere Krise im Lcheine vorläufig durch dm Verzicht aus die

München, 10. April. (WTB.) Wie bis Koriespondenz Hoffmann meldet, erlägt der -bolfe-* beanftragte Reinhardt folgende Bestimmuii- gen über die Bildung enter Roten Armee. Du: Rote Armee der Räterepiiblik hatte ben Zweck, die Republik der revolutionären Arbeiter, Bauern und Soldaten gegen jede gegenrevmutwnareii Angriffe von außen imb innen zu schützen und die Ordnung imb Sicherheit zu ge­währleisten. Die Rote Armee ist eine frei­willige Die Aufnahmebedingungen beiagen u. a.: Es können nur Angehörige aller arbeitens ben Klassen ausgenommen werben, du aus dem Boden der Räterepublik stehen. Wesentliche Vor­bedingungen sind: Altersgrenze: vollendetes io. bis 45. Lebensajhr: Zugehörigkeit zu crner sozta- listis'd>en ober sreigewerkscha Glichen Or a> ciatton der klassenbewußten Arbeiterchiaft. Brrdenge Be- russsoloateii, welche sich ohne Borbehatt aus den Boden der Räterepublik stellen, und Erwen.swse werden in erster Linie eingestellt. In öie neue Armee werden die bestel-enden Formanoneii uber- iiommen. Die in die Rote Armee Eintretenden werden durch Handschlag auf strengste ^nziplur verpflichtet. Unbedingter Gehoriam wird dert. Jeder Angehörige der Roten Armee eln Dienstgeld von 6 Mark nebst 1 Mark prämie, sowie Verpflegung,

D^s deutsche Doll, das bte Last harter Waffiew- stillstandsbec ingungen in der Erwartung eines bal- bigen Friedens auf sich nahm, hat Anspruch auf einen Friedensvertrag, der,bem von allen kriegführenden Staaten unwiderruflich als Grund­lage angenommenen Programm des Präsidenten Iber Vereinigten Staaten von Amerika entiprichk. Dieses Programm fidjert allen Völkern "pelbst- beftimmuttg, nationale und politische Fieiheit, Er­lösung von der 'Rüstungslast, ein neues soziales Völkerrecht und weitherzige Lösung ihrer wloma- len 'Znteressensragen. Ein Rechtsfriede, der die Ge­fangenen befreit, die Hungeriiden erlöst, die oe- etzten Gebiete freigibt, die Arbeit international schützt und feine jenem Programm widerspreclsenden Gebietsänderungen zumutet ein solcher Friede ist ebenso gewiß ein Segen der Memchhett, wie ein Zwangsfriede ein Fluch bleiben müßte. Ter Wille des ganzen deutschen Volkes lehnt den Gewal tfriebe n ab. Inmitten der Leiden einer hungernden Bevölke­rung, iiimit en der sta tserfchüttcmden Gärungen, die sich durch die Verzögerung des Friedens von Tag zu Tag steigern, erwartet die Nationalver­sammlung vvn her. Regierung, daß sien u r e in e m Frieden der Verständigung und Ver­söhnung zusämmt, der die Gegenwart und Zu­kunft des dcuttschen Volkes und der Menschheit

Berlin, 10. April. (WTB.) In der brüten Sitzung bes Rätekongresses teilte ber Vorsitzende Hau schilb mit, daß dem (hnudjen um Haft- entlasmng Ledebours nicht stattgegeben wor­den fei Zur Verhaftung von Brandes berichtet Bock, daß der Fall Noske vorgetragen worden fei Noske habe erklärt, er münidje, wenn das Mate»- nal nickt gar zu belastend für Brandes fei, daß dieser und die anderen Verhafteten sofort in Frei­heit gesetzt würden. Ein Bescheid darüber wird Tür heute abend erwartet. Reichsernährungs-- Minister Robert Schmidt erklärte, die Regierung abc den Bergarbeitern des Ruhrreviers schon ab 1. April eine Zulagle von 50 Gramm Speck i*ro Kopf Und Woche zugesagt, die erhöht werden sollte, wenn die Förderung ein bestimmtes Normalwll übersteige. Soweit die Forderungen der Bergarbei­ter wirtschaftliche seien, sei Die Regierung bestrebt, eine Verständigung herbeizuführen, dagegen müsse die Regierung es ablehnen, über allgemeine poli­tische Forderungen der Bergarbeiter Vereinbarun­gen zu treffen. ! Dann wurde die Beratung (xf

Brockdorsf-Nantzau weist bann gewiße bann die Machenschaften zurück, die immer weiter gelende Forderungen stellen und wünscht in gute nachbar­liche Beziehungen zu Rußland zu kommen. ^er Redner kündigt Reformen im Auslands-dienst an forme Veränderungen auf einigen neutralen Posten. In der zu erwartenden Enttäuschung aller Völker über den Frieden «sieht der Minister eine fcrofcc Gefahr für die Zukunft. ,

Abg. von Paper (Dem.) erhebt feine ma I nende Stimme vor dem geplanten Staatsgericht. Hofe, weil die Fähigkeit, obitetio ju urteilen, noch nicht gekommen sei. Wenn erst einmal bie Archive geöffnet werben unb die Menschlreü wieder zu einem objektiven Urteil fähig sein wird, bann möge Die Weltgeschichte ihr Urteil fpred)en.

Der Abg. Schultz- Brvmberg (Deutschnat.) gab eine scharfe Kritik der Mvolu.ion und lehnte den Gedaaiken des Atturs'.Terfthtshofs ebenfalls scharf ab. Er lehnte ein Schuldbekenntnis Teutich- lands am Kriege mit Entrü^mng ab. Seme Be­merkung, noch der die 9iegrerung mcUeuht aus Haß gc*n die alten Mo-ckLlMber diesen die Sdmld auserlegen könnte, fordert die Entg.gimng des Reichs m inisterprä sidenten heraus, ter diese Beschuldigung zurL5wies. . .

Abg Tr. Ricßer mitcrbrcitete ebenfalls cm umsangreidies Tebetkonto der Rev-olutvon und sprach sich gegen eine Verankerung des Rätespstems in der Bern sung m der Weise aus, daß bni Ruten politische Redste zugebillig! werden könnten.

Abg. Seger (Unabp.) sprach»,der National­versammlung deii Witten dazu ab, ilyre Berfprcd>- ungen, die sie gemacht habe, nxihr zu machen. Segers Rede war dne typische Hetzrede. Er sagte u. a., ixiB ixrr ruijifdien Regierung eher zu glauben

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nicht versinken, denn setzt hat die Entschei­dungsstunde des Weltkrieges geschlagen. Wir haben zu erweisen, daß noch etwas Gemein­sames in uns lebt, daß wir» noch an eine deutsche Zukunft glauben. Endlich sahen wir auch wieder einmal die Reichsregierung auf dem Platz, den sie längst hätte einnehmen sollen. Der Ministerpräsident Scheide- mann sprach über die äußere und innere Lage, und zwar, wie wir zugestehen müssen, wirksam und zielbewußt. Er warnte die Feinde und wehrte den Putschmachern im Innern. Einen Gewaltfrieden würde die Re­gierung nicht unterzeichnen. Wenn Scheide- marm so Handelt, wie es in seiner Rede ttang, wenn er nämlich von.ullest schwächlichen Kom­promißneigungen abrückt und dem deutschen Volke den Glauben an die Macht der ge­sunden Vernunft wieder gibt, wollen wir mit »hm zufrieden sein. Es gilt aber noch ent­scheidend nicht nur zu reden, sondern auch zu handeln?

Graf Brockdorff-Rantzau beleuch­tete die Lage vor dem Friedensschluß nut klaren, eindringlichen Sätzen, die sich zumeist on die Gegner und an das gesamte Ausland wandten. Die Regierung ist in ihrer Ent­schlossenheit den Feinden gegenüber offenbar ganz einig. Ao war es erfreulich, daß aud) die Debatteredner der Parteien den Hauch ber großen Stunde verspürten. Die gestrige Sitzung gipfelte in der Annahme einer neuen Fr iedensresolution", bie unum­stritten das gesamte deutsche VoN hinter sich hat, wenn auch die .paar Abgeordne­ten der Unabhängigen sich dieser Kundgebung nicht anschlossen. Es wird das Mindestfrie dcnsprogranim verlangt, wie es in der Ab- Imichung mit Wilson vorgezeichnet ist. Es spricht daraus der Geist des Rechtes, der Selbstbesinnung und Entschlossenheit. Wrr dürfen an das deutsche Volk noch glauben, um so mehr, als die Münchener Zwischenspiele nicht von großer Dauer zu sein scheinen Ist doch die bayerische Räterepublik schon wieder gestürzt, indem das Grüppchen der waschechten Kommunisten unter Levien die Zügel ergriffen hat. Auf wielange? Bald wird i^an die radikalen Weltverbesserer gründlich erkennen und nicht mehr ernst

Amsterdam, 10. April. (WTB.) Reuter meldet aus Piris: lieber die Fragen der Ver­antwortlichkeit und Entschädigung tumb? Ucbereinftimmung erzielt. Es Pcraiuct, diß eine Nalion, wahrich i ttich Belgien, die Verfol­gung des früheren Tcutfd-en Kaisers einleiten werde. Was bie Entschäoigung anlangt, so wird im Be­richt der Fi"au zs ach verständigen vorgesch!ag«i, daß bte interalliierte Kommission ben erlittenen Scha­den festsetzt. Tie Bezahlung der Entschäbiguna erstreckt sich auf eine Zeitdauer von 30 Jahren und beginnt am 1. 5. 1921 mit ber Anzahlung von einer Milliarde Pfund Sterling. Deutschland muß eine Obligation unterschreiben, indenes einwilligt, eine Schuldvon 6 Mil-

Nürnberg, 10. April. Nack einem Mün­chener Telegramm des 8. A.-K. ist die unab­hängige Regierung Bon ben Kommu­nisten gestürmt worden, die die Gewalt an sich rissen. Tas Militär steht auf Seiten des Mini­steriums Hoffmann. Ter größte Teil der Be­völkerung wartet nur auf einen Anstoß von außen. Die wirtschaftliche Lage hat sich verschlimmert.

Beginnender Bürgerkrieg?

Eichener Anzeiger

Eeneral-Anzeiger für Oberhessen

ZwkMngrrunddnick u. Verlag: vrühl'sche Univ.-buch- u. Stembruderei R. Lange. Zchriflleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Zchulstr. 7.

Revolutionstribunale.

München, 10. April. Während ber Ring des Bopkotls, durch den Münchcn, von alten Eijen- bahn-, Telegraphen- und Telephonverbuidungeir abgeschnitten, in bie Gefahr de? Hungersnot gev bracht und bie Räterepublik zur Kapitals'wn ge- zw-ungen werden soll, 'sich immer enger schließt, ergriff die Rätereoierung in wilder Hast alle er- denklidien Maßnahmen, um sich in der Macht za behaupten. Zunächst hat sie Revolutions- tribunale eingesetzt, die aus 28 Richtern \n einer Körperschaft von je 7 Mitgliedern, Darunter eine Frau, bestehen und in Permanenz ta^ru. Außer den sieben Mitgliedern nimmt an ben Til­gungen ein Rechtsanwalt mit beratenbet stimme teil. Die Mitglieder setzen sich zusammen auS reoo- Huttonären Volksgenossen, die volljährig unb int Besitz ber bürgerlichen Ehrenre^e sein müssen. Der Urteilspruch muß schriftlich fein, bie Beg üu^ bung kann mündlich erfolgen. Unter.u)rieben wird bas Urteil von jedem an ber Sitzung teil nehm em en Richter unb dem Protokollführer. Das Urteil Wito s o s o r t vollstreckt. Ti? Verhandlungen sind münd­lich Und schriftlich zu führen. Jeder Verstoß gegen revolutionäre Grundsätze wird bestraft. Die Art ber Strafe steht im freien Ermesslen des Richters. Es sind fünf Mitglieder der Mehrl^its'varteien- fün) der Unabhängigen, fünf der ftommnnuten. fünf bcs Bauernbundes, vier .des revolutionären Ar­beiterrates unb vier bes freien Sozialistenbunbesf üorgei'eben. Die Richter erhalten Tagegelber. An jebem Regieningsfitz besteht ein Revolutionstribu­nal aus 28, an jeoem Amtsgericht ein solches aus sieben Mitgliebern. Berufung ist iinzulässig.

Noch eine Nbfage an die Räterepudlit.

München, 10. April. (WTB.) Professor Jaffe ersucht bieMünchener Post" zu erklären,- daß sein Name unter ben Kandidaten für die Re­gierung der Volksbcauftragten zu Unrecht genannt) wurde. Er habe auch nicht daran gedacht, einem etwaigen Ersuchen, an der Regierung teil» Äiinehmen, Folge zu leisten, da er sich Mit ben Ereignissen ber letzten Wochen nicht solwarnch' fühle.

Preußen und Bayern.

B e r 1 i n, 10. April. (WTB. > Das prcußisck^ Staats.'.:inisteri-m faßte soeben f.lrc den Be ckl: ß: Tie preußisdie Regierung sieht nxe bie Negierun­gen von Würiie..iberg, (Baöen unD Heyen daS Ministerium Hoffmann als bie allein rech tm äßige Diegierung Bayerns an.

Der Nätekongreh.

Wir hatten gestern, alles in allem, einen großen Tag in der deutschen Nationalver­sammlung und wir wollen es ihr danken, daß sie sich endlich aufaerafft hat zu einem geschlossenen Handeln. So groß die Verwor­renheit innerhalb des Reiches ist, so schwer die Gefahren, die uns daraus noch bedrohen wir dürfen in dem innerpolitischen Elend

Augsburg, 10. Avril. (WTB.) Der revo­lutionäre A-, S.- und B.-Rat verössentlicht heute einen Aufruf an sämtlich: Angehörige der hiesigen Garnison und alle wasfensähige Mäimer mit der Aufforderung, unverzüglich in die Kasernen zu eilen bzw. sich der zivilen Arbeiter-Schutz- w e h r zur Verfügung zu stellen, da große Ge­fahr im Anzuge s«. Der gewesene Minister- ... präjidcnt Hoftmanu trachte mit allen Mitteln ba= GeschchrsbettchtS Wriaqcfct.