Ausgabe 
11.2.1919
 
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wSre I# ran eine Ttckkriwfmrg an die Vergangen- hea. Die Gelehrten si.ü» sich ja auch heute, noch nicht darüber einig, ob nicht auch das Deutsche Reich theoretisch den Namen einer Republik ver­dient hat. Auch der deutsche Kaiser war ja nicht Monarch, sondern er war der Prä ident der Bun­des, wenn Sie wollen, des republikanischen Bun­des. Aber wir wollen die Möglichkeit ei -er solchen Entwicklung oder Rückentwicklung ein für alle mal ausschließen. Deshalb wollen wir schon in die vor- liegende Verfassung des deutschen F.eistaates die Keime legen zu dem Bau, wie wir ihn wachsen zu sehen wünschen. Wir wünschen nicht, daß einmal die Geschichte von einemFriedrich dem Einzigen" oderGustav dem Ucberroinber" spricht (Detter, leit.) Deshalb sollte unseres Erachtens erwogen werden, ob nicht überhaupt das Amt des Präsi­denten überflüssig ist, ob nicht überhaupt die höchste Verwaltung des deutschen Freistaates dem Ministerpräs dm'en allein ober dem A- samt- minifierium übn-lassen werden können. W-iter sollen unsere Anträ-v di? Möglichkeit schassen, daß nufrrTufb der Na ri-alversammlung ein Kon­trollorgan rorfanden ist, das bei v-r' äc'g'ns- vollen Beschlüfwn erw>ugreisen 4e Pflicht hat. (Unruhe. Bei D'rl-stunc» dieses Antrages ist ge­lacht worden.) Da bestacht aber ein

Bedürfnis nach Anfttchterhiltiing der retiohitionärrn Crgnne

(ßnrufe rechts: N r»!) (Sehr richtig bei den unabchängi'en Sozialdemokraten ) Wir trvllen,^ß auch der Zentralrat d"r Arb i er» und Sol- baenräfe legalisiert wird. Wir wehren uns gegen einen Abbau der revolutionären Ernrngenschäf­ten. Wir wollen dem Z-nttralrat das R^ck" geben, b-i Verhängnis»w-llm B sch'üs'en der Ntttw"al- verfammlimg innerfalb zweier Wochen an las Volk zu appellieren. In dieser Begren',unq von ywei Wocbm li-gt d'r kontrollierende Cl»a-akter dieser Einrichtung (Zuruf: Der Zentralrat ist ja zurück- getreten). Tann werden sich die Arbeiter- intb Solfa^räle em n-mes Orgrn stoffen. Mit dem S ach l ra'ft rot Ver ssung b-simn nge» lal e 1 Sie nie Revolution nicht auf. Ein Volk von fast 70 Millionen läßt sich von Ihnen di' Entwick­lung nicht vorschreiben. Diese Entwicklurrg geht auS «eigener Kraft vor sich intb schifft jeden Tag Neues und Anderes. Die frütre Macht stützte sich auf Polizei und Mili'är. Möge ein gütiges Ge­schick uns davor bewahren, daß auch die neue Re­gierung in diesen alten Fehler verfällt und des­halb ebenso kläglich Schiffbruch leiden muß. (Bravo bei den U. S.)

Abg. Gröber (ßentr.): Die Ausführungen des Dorredners geben mir keinen Anlaß zur Entgegnung. (Sehr gut) Für uns ist im Augenblick das wichtigste den Uebergang von revolutionären ßuftänben zu einer Rechtsordnung möglichst zu beschleunigen, fßu- ruf bei den U. S.: Reaktion!) Angesichts dieser Auf­gabe müssen alle anderen Bedenken zurücktreten. Sie können auch nach den Erklärungen des Vertreters der süddeutschen Regierungen und des Vertreters der Reichsregierung zurücktreten. Die Ientrumspartei wird in ihrer großen Mehrheit für die Vorlage stimmen. Dabei müssen wir uns selbstverständlich un- fere Stellungnahme zu den Einzelheiten des endgil- tigen Derfassungswerkes vorbehalten. Wir betrachten die Annahme des vorliegenden Gesetzentwurfes für nötig als Vorbedingung für Frieden und Brot (Beifall.)

Damit schließt die Besprechung zu § 1.

Ein Antrag der Unabhängigen Sozialdemokraten, die Worte .künftige Reichsverfassung- zu ersetzen durchDeutsche Republik" wird gegen die Stimmen der Unabhängigen abgelehnt, ebenso ein Antrag der Unabhängigen, hinterReichsgesetz" einzufügenDer- Ordnungen mit Gesetzeskraft".

Der unveränderte § 1 wird sodann gegen die Stimmen der Unabhängigen und einer Minderheit des Zentrum; angenommen.

Zu ß 2 w-rd ohne Debatte gegen die Unabhängi­gen Sozialdemokraten ein Antrag Payer, Loebe, Posadowski, Dr. Riehcr angenommen dem ersten Absatz zuzufügen:Der Staatenausschuß wird gebildet von Vertretern derjenigen deutschen Frei- floaten, deren Regierungen auf dem Vertrauen einer aus allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlen heroorgegangenen Volksvertretung beruhen. Bi» zum 31 März 1919 können mit Zustimmung der Reichsregiening auch andere deutsche Freistaaten D rtreter senden." In dieser veränderten Form wird § 2 gegen einen Antrag der Unabhängigen auf Strei- chuna angenommen.

Abg. Haase (U. S.) zieht mit Rücksicht auf das bisherige Ergebnis der Abstimmung diejenigen An­träge feiner Partei, die die BezeichnungReichs". Verfassung usw. beseitigen wollen, zurück.

Abg. Dr. Cohn (U. 5.) begründet zu 8 3 einen Antrag auf Streichung der Worte, daß die Mitglieder der Reichsregierung und des Staatenausschusses bas Recht haben sollen, in der Rationalversammlung das Wort zu ergreifen,damit sie die Ansichten ihrer Regierung vertreten". Der Antrag der Unabhängigen wftd abgelehnt und § 3 unverändert angenommen.

Ium 8 4 verlangt ein Antrag der Unabhängigen Sozialdemokraten, daß dem Ient ralrat ber Arbeiter, und Soldatenräte ein Einspruchsrecht gegen eie Be­schlüsse der Nationalversammlung zustehen soll. Der Antrag wird abgelehnt: ebenso ein weiterer Antrag der Unabhängigen, der dem Ientralrat das Recht geben will, unter Umständen eine Volksabstimmung herbeizufühien. Der erste Satz des §4:Die künftige Reichsverfassung wird von der Nationalversammlung verabschiedet" wird einstimmig, der zweite Satz:(Es kann jedoch der Gebietszustand der Freistaaten nur mit ihrer Zustimmung geändert werden" gegen die Stimmen der Unabhängigen und der Bayerischen Dolkspartei angenommen. Hierauf wird der ganze § 4 »'.verändert angenommen.

Zu § 5 begründet Dr. Cohn (U. S.) einen An- trag, es möge ausdrücklich feftqelegt werden, daß der Artikel 21 der bisherigen Reichsoeifasfung a ch auf Soldaten Anwendung findet. Damit soll erreicht werden, daß

eolbntcn fbmro wie Beamten als Mitg'ieder der Nationalversammlung ihre Tätig­keit aus üb en können, ohne um Urlaub nachsuchen zu müssen.

Abg. Hoch (S03.): Wir halten es für selbstver- stündlich, daß die den Beamten nach der alten Ver­fassung gewählten Rechte jetzt auch den Soldaten zu- stehen müssen. Ich bitte die Regierung um eine Er­klärung, ob sie diese Auffassung teilt.

Dolksbeauftragter Lanüsberg: Die Frage, ob unter Beamten auch Soldaten zu verstehen sind, ist strittig. Nach Ansicht der Regierung gehört der Sol­dat zu den Beamten. Die Souveränität der Der- sammlung erheischt es, daß jeder ihrer Abgeordneten daran teünehmen kann, ohne daß Unterordnungsoer- hästnilse irgendwelcher 21rt auf die Rechtsstellung der Abgeordneten einen Einfluß haben. Die Reichsregie­rung wird im Sinne ihrer Auffassung daraus hin- wirken, da'; jedem gewählten Soldat die Beteiligung an der Nationalversammlung ermöglicht wird, ohne

datz er um Urlaub nachzufuchen braucht. Die zur Nationalversammlung gewählten Soldaten sind tat- sächlich in den Stand gesetzt worden, ihr Mandat auszuüben. Deshalb erübrigt sich ein solcher Antrag.

Abg. Dr. Cohn (U.S.): Landsberg kann nicht für bie künftige Regierung sprechen, und es ist auch fraglich, welche Kraft die Regierung gegenüber den militärischen Kommanbostellen hat und später haben wird. Diese Kraft mag jetzt noch sehr groß sein. (Jia, na, bei den Unabhängigen) Aber niemand weiß, wie es in drei Monaten sein wird. Die (Erfahrungen, die wir und ich selbst mit dem alten Militarismus in dieser Beziehung gemacht haben, nötigt mich, um An­nahme dieses Antrages zu bitten.

Abg ßoebe (So;.): In der Sache wollen wir alle das gleiche Da die Auslegung zweifelhaft ist, haben wir uns entfchloffen, für den Antrag zu stimmen.

Die Abgg. v. Payer (Dem.) und Dr. Meyer- Kaufbeuren (3 r.) erklären, daß ihre Fraktionen gleichfalls dem Anfrage zustimmen werden.

Um,45 Uhr beginnt

d c Abstimmung.

Unter Ablehnung der Anträge der Unabhängigen werden die ersten Paragraphen angenommen und nur bet § 5 setzen sich die Unabhängigen einmal durch. Ausdrücklich wird in das Gesetz aufgenommen, daß Soldaten und Beamte keinen Urlaub bedürfen, wenn sie als Mitglieder der Nationalversammlung zu der Tagung zu reisen wünschen. Die Annahme erfolgt einstimmig, nachdem sämtliche Parteien durch den Mund ihrer Führer eine entsprechende (Erklärung ab­gegeben Haden.

Lebhaft werden die Erörterungen bei § 6. Die Unabhängigen wollen über die Regierungsvorlage hinaus die Geheimoerträge von vornherein abschaffen, während der Paragraph »elbst nur die Bereitwilligkeit ausspricht, mit der Geheimdiplomatie zu brechen, falls es auch die übrigen Staaten tun würden. Staatssekretär Preuß weist eine formale Aenderung, die die Unabhängigen verlangen zurück. Es sei gleichgültig, ob man von Einwilli­gung oder von Zustimmung des Hauses zu diesen Anträgen spreche. Haase ergreift das Wort, um in tönendem Pathos die alte Geheimdiplomatie und die Geheimverträge in Grund und Boden zu wettern.

Der Staatssekretär des Auswärtigen Graf Brockdorff-Rantzau stellt sich zum erstenmale vor. Solange er das Amt führt, wurden keineGeheim- oerträge geschloffen werden. Der schleswig-holsteinische Demokrat weißt doranf hin, daß Wirtschaftsverträge sehr wohl einmal geheim bleiben mußten. Auch Dernburg spricht in ähnlichem Sinne. Lands­berg, der wieder für die Regierung das Wort er­greift, brüdtt sich ein wenig gewunden aus. Man könne nicht mit gebundenen Händen der (Entente gegenübertreten.

Endlich ist auch dieser strittige Paragraph an­genommen. Eine Auseinandersetzung von peinlicher Komik folgt. Der Reichspräsident Joil nach § 7 mit einfacher Stimmenmehrheit ge­wählt werden. Konrad Hausmann beanstandet diesen Ausdruck, der die richtige Uebersetzung für absolute Mehrheit" ist, und nun beginnt der Streit. Die deutsche Sprache ist allen nicht klar genug. Man einigt sich schließlich darauf, wieder bas Wortabsolut, einzusehen.

Gothein beanstandet die Unterschrift des Ge­setzes, dieder Reichspräsident" undder Präsident der Reichsregierung" lautet. Beide sollen ja erst durch dieses Gesetz geschaffen werden. Es ist ein staatsrechtlicher Einzelfall. Man findet schließlich nach dem Vorschläge Waldstein einen Ausweg, daß das Gesetz nicht verkündet wird, sondern mit seiner An nähme in Kraft trete, und daß der Präsident der Nationalversammlung die Unterschrift zu ihr gibt. Bis eine Reichsregierung vorhanden ist, bleibt der Präsident der Nationalversammlung der höchste Beamte des Reiches.

Die hritt* Lesung.

Da sich kein Widerspruch erhebt, kann man auch in die dritte Lesung eintreten. Die ersten fünf Paragraphen werden ohne (Erörterung angenommen. Erst bei § 6 wird es wieder lebendig. Um einer Le­gendenbildung vorzubeugen, erklärt Landsberg im Namen der Bolhsbeauftragten, daß wir fest ent- schloffen sind, die Geheimverträge abzuschaffen, daß wir aber nicht eher daran gehen, als bis auch die anderen Staaten ihre Bereitwilligkeit da u erklärt hätten. Haase genügt bas nicht Er wünscht, d ß wir auch auf biejem Gebiete bahnbrechend wirken sollen. Dernburg und Ioephel-Sachsen weisen das zurück.

Dr. Waldstein, der Demokrat aus Altona, führt einen Hieb gegen Cohn, der vom Hause stür- misch begrüßt wird Er bittet, daß nicht nur die Ge- Heimverträge zwischen Regierung und Regierung, sondern auch zwischen Abgeordneten und Regierungen in Zukunft unterbleibe- sollten, während Cohn de- hanntlid) mit dem russischen Deaufttagten Zoffe die beu sche Revolution ins Werk gesetzt, (Beider genom­men und geheime Abmachungen getroffen hat.

Die Abstimmung kommt zu Ende. D e Rofver- fassung ist zur Tatschache geworden. Einstimmig wird beschloffen, dem Präsidenten der Nationalversammlung bie Einwilligung zur Unterschrift zu geben.

Rücktritt 6er Regierung.

Die Regierung legt nunmehr ihre Aemter in bie Hände der Nationalversammlung zu- rück. Payer ersucht sie, die Geschäfte vorläufig noch weiterzuführen, - vorläufig, d. h. bis morgen ober übermorgen die Neuwahl erfolgt ist. Als einzig-r Punkt steht auf der morgigen Tagesordnung die Wahl des Reichspräsidenten, der dann seinerseits den Präsidenten der Reichsregierung ober wie man früher sagte, denReichskanzler" ernennt.

Die BDuug des üübtuetts.

Weimar, 10. Febr. (W. D.) Die Derhanblungen zwischen ben Parteien über bie Bildung bes Kabinetts waren, wie schon kurz berichtet, aus Montag vertagt worben. Die jüngeren Mitglieder der Deutschen bcmokrattschen Fraktion haben gestern ihren grundsätzlichen Standpunkt durchgesetzt, daß erst der Ministerpräsident bestimmt wird und dieser bann seine Mitarbeiter aus ben'Par- telen wählen soll. Das bedeutet also ein grunb- sähliches Abweichen von der in ber letzten Zeit be­obachteten Methode, daß bie Parteien ihrerseits die Personen bestimmen, bie sie als Vertrauensmänner in bie Regierung haben wollen.

Weimar. 10. Febr. Die sozialbemokratische Reichstagsfraktion hat unmittelbar vor Beginn der heutigen Plenarsitzung beschloffen, baß der Abgeord- nete Dr. David auf die Präsidentschaft in der Nationalversammlung verzichten soll, um damit den Weg frei 311 machen für die Kabinettsbildung aus der Mehrheitssozialdemokratie, der Deutsch.Demo- kratischen Partei und der Christlichen Dolkspartei.

Vie Berner Konferenz

Bern, 10. Febr (WDB.) Meldung der Schweizerischen Dcpcschen-Ägcntur. Die Tc- batte über die Kriegsgefangenen

2111* Sem Ueiche.

Ein Rcichslobliamt.

r(l n, 9. Febr. Wie bttTeufche Tacr-t- .y'-ihntg" hört, nnrb m Roft'rungskrri'en bie Er- rtdrimg eines Re ichslobnamtrs in Er- iväcy.mg g-zvg.m Ti-'me a Irr 6ka*erbejivevx fo.l.it einer löontro.k von fK tcfjy.ix^it un:er» nrorfen werden Dem Sobnamt o l das Recht zu- fahrt, ben Unternehmern ocgtbenenja.b den Lohn vorzu'chreiben.

Eichßoni.

Berlin, 10. Febr. (TDTB.) Nach einer Meldung berB. Z.- ist es dem ehemaligen Polizeipräsidenten

nrurbe tn der heutigen Nachtsitzung der Inter­nationa'en ^ozia istenkonfetenz fortgesetzt unb endete mit der Annahme einer Resolu- t i 0 n, die die Forderung aussvricht, daß alle Kai.-gsgesangenen h.imbe Srdcrt werden müs sen. Um eine Einigung möglich zu machen, vernichteten Eisner und Renaudel auf bie in der Bormittagssitzuna eingebrachte Reso­lution. Als letzter Punkt kam das Thema Diktatur und Demokratie zur Ver­handlung. B r a n t i n g legte als Berichter­statter der Kommission eine Resolution vor, in der es u. a. heißt:Die Konferenz be­grüßt die gewaltigen Revolutionen in Ruß­land, Oesterreich uito Deutschland und fordert -die Arbeiter aller Länder auf, demokratische revolutionäre Einrichtungen anzustreben, in deren Rahmen sich sie politischen Umwäl­zungen vo.lziehen sollen. Die Inferenz steht nach wie vor auf dem Bosen der Demo­kratie, die auf Freiheit in Rede unb Schrift, auf dem gleichen und allgemeinen Wahlrecl>t und der Koa.itionsfreihert beruht. Die So- zialisierung der Betriebe muß planmäßig er- ,olgen. Tie willkürlicl)e Uebernahme einzel­ner Betriebe durch kleine (Gruppen von Ar­beitern ist nicht als Sozialisieruirg anzusehen. Tie sozialistische Entwick.ung ist nur dann durchführbar, wenn sie von vornl-erein die Mehrheit des Volkes hinter sich hat; feder Versuch einer Diktatur eines kleinen Teils deS Proletariats ist der sozialistischen Entwicklung gefährlich."

Tie Verlängerung «es Waffenstillstände».

Berlin, 10. Febr. (WTB.) Wie Berliner Blätter melben, werden sich bie Mitglieber ber Wa fen- still st anbskommission unter Führung Erzoer- gers zu ben neuen Waffenstillstanbsocrhanblungen morgen von Weimar nach Trier begeben.

Hindenburg und der Waffenstillstand.

Berlin, 9. Febr. Ter Vizepräsident der Na.'io.ralverjämmlung Fehrenbach l,iclt in Dei- Mbcrg tritt Rede, bie interessante Einzelh-etten über das 3urKtiibeft>mntcn des Waffenstill - st a ndes mit btt Entente enthält. Nach bem Bericht derMünchener Post" yben wir aus der Rede fblgrenbc Stelle nri.-bcr:Am 10. No- b-ntber war b'r bekannte Sonntag zur (Entgegen» rahme der Wasim i lstmrbsb.dingungen. Neben bem reuen R.-ichs'an-ler Ebert unb feinen Staats­sekretären Sch ixmann und A2andt>:berg teuren noch bie Männer der alten SReg erumi und ich im Kanzlerlxtuse anwes md. Scholz verlas die Be- br:gongen. Sie könnm sich denken, mit rovldjcn Gesü.Am wir fie anbörten. Tann war das Tele- 0 amm ber Wan^'sillfamdslommiss on verle rn nyrben, worin bie Kv nmission mitteilte, es bleibe nichts übrig, als die Sköiummgen gl a 11 an5u » ne hmen. Darnach wurde ein Telegramm H indenburgs verl.-stn, nvrin er ersucht, alle Bcbingimgen sofort anzunehm-.m, er könne die Armee nicht mehr beieinander befallen, sie laufe ihm jetzt schon davon. Sonst sei er genötigt, mit der oa.'tym Armee zu kapinckteren. Ebert stellte mm di.' Frage: Wer ist dagegen? Da erfolgte fcnes furchtbare Ich will fassen, daß

ich niemals mehr ein so furchtbares Schveigen er­leben werde."

(Llemenccau und Pichon über die Lage.

Paris, 10. Febr. (W. B.) Clemen ceau machte bem Vertreter berAffvciateb Preß' folgenbc (Er­klärungen: (Es ist sehr schwer, bie Inbustri« Frankreichs wieber ins Leben zurückzurufen. Deutschlanb dagegen habe alle feine Werke in Orb- nung halten können unb kann dieselben sofort wieder in Betrieb setzen. In kommerzieller unb industrieller Hinsicht sei beim Kampf zwischen Frankreich und Deutschland diesem der Sieg geblieben. Was die Finanzen anbelange, so seien die deutschen Kri gsschulden infolge der Blockade ausschließlich inländische, deren Zahlung leicht verweigert werden könne, während Frankreich seine Schulden bezahlen müffe. Die Guthaben, bie Frankreich vor bem Kriege im Auslande gehabt habe, beliefen sich auf 50 - 60Milliarb. von denen im günstigsten Falle vielleicht zwei Drittel nachträglich wieder hereinkvmmen könnten. Das in der französischen Wir schaft steckende ausländisch« Kapital werde möglicherweise wieder gedeckt w.rden können.

Was die militärische Lage angeht, sagte Clemencean, so hat die gegenwärttge Lage gewiß Sc- unruhigendes. Die Alliierten haben allerdings die deutsche Marine beschlagnahmt und den Feind ent­waffnet. Aber cs bleibt noch bas chaotische Ruß- lanb, woher bie beutjdjen Truppen Hilfe beziehen könnten. Wenn bie englische Armee oemobilijicrt und die amerikanische nach den Bereinigten Staaten zurückgekehrt ist, so steht Frank- reich isoliert da und dann konnte die Gefahr entstehen, daß Deutschland den Streit mit Waffengewalt wieder auf nim mt. Dies müßte große Beunruhigung Hervorrufen, wenn nicht Wilson seine Zusicherungen gegeben hätte. Clemenceau schloß mit den Worten: Alle unsere Dläne bauen sich auf auf der großartigen Grundlage, die Wilson gelegt und auf den Prinzipien, die er verkündet hat. Wir haben keine Aspirationen und wir setzen unser ganzes Wiffen und Können ein zur Schaffung einer besseren Welt, damit bie ganze Menschheit in Gerechtigkeit leben kann.

Paris, 10. Febr (WTB.) Haoas. Pichon legte am Sonntag der ausländischen Presse seine per- sank che Auffassung über bie Lage dar. Heber die Konferenz auf der Prinzeninsel erklärte er. sie habe keine Daseinsberechtigung mehr, da alle ru fischen Organisationen mit Ausnahme ber Bolschewisten die Teilnahme verweigerten. Auf Befragen über die (Erneuerung des Waffenstillstandes sagte Pichon die Lage sei ernst: das deutsche Heer sei ein nich gering zu schätzender Faktor. (Er weigerte sich aber, Näheres über die dem neuen Deutschland aufzuerlegen.' den Bedingungen mitzuteilen, da die Alliierten erst am Montag endgültig darüber beraten würben.

Eichhorn gelungen, nach Braunschweig zu entkommen, wo er sich bes Schutzes ber unabhängigen Regierung zu erfreuen scheint.

Bahlen in end)ien=(fobnrg und (Aolba

Coburg. 10. Febr. (WTB.) Bei ben gestrige» Wahlen zur gesetzaedenden Lanbesversamm« lung für ben Sta -t Coburg wurden für bie List« ber Mehrheitssozialisten 20558 Stimmen und für bie gemeinschaftliche Liste des Bürger- und Bauernbundes 14 503 Stimmen abgegeben. Das Ergebnis in einige« Ortschaften steht noch aus, kann aber nichts an bet Zusammensetzung bes Landtages ändern. Die Zahl der Sitze verteilt sich wie folgt: 7 Mehrheitssoziallsten, 3 Demokraten, 1 Deutsch-Nationaler (Bund ber Lanb- wirte).

Aus Statt und Land.

Gießen, 11. Februar 1919.

Kultige Lebett-tn:ticltuarlen

für bie 7. Woche vom 10 bis 16. Febr. 1919. Brot: 2250 Gramm Brot ober 1680 Gramm Mehl,

Brot Klg...........45 Pf.

Weizendrotmehl Klg.......56

Weizenbrot Klg.........80

Weißbrotbäcker: Gg. Keil, Reustabt, Gg. Schil­

ling, Bismarckstr., Deichert, Liebigstr.

Butter: Marke Nr. 7. 50 (Br. Butter zu 66 Pf Fleisch: Wochenabschnitt 7.

Metzger für Frembe: Braun, Seltersweg.

Metzger für Urlauber: Irinhaus, Seltersweg. Kartoffeln: Anteil 5 Pfund zum Preise von 40 Pf. Nährmittel: Marke 2 Februar 1919

Die Nährmittel für Februar sind eingetroffen. Nähere Bekanntmachung über bie Verteilung erfolgt noch.

Iugezogene: Kleinhenn, Bahnhofstr.

Urlauber: Becker, Löwengasse. Lebensmittel: Marke 4.

1 Pfunb Zwieback, 4 Pakete Gemüsekonserve« zum Preise von 2.50 Mk.

Zucker: Marke 2 Februar 1919

Jucker für Februar noch nicht eingetroffen.

Zugezogene unb Kranke: Beibuj, Bahnhofstr. Urlauber. Geschw. Leo, Bahnhosstr.

Seife: Marke für Februar 1919.

Anteil 125 Gramm KA -Seifenpulver ju 15 Pf. unb 100 Gramm KA -Seife zu 40 Pf.

Gemüse: Stäbt. Objt- u Gemüseverkaufsstelle, Turm­haus am Brand.

Kohlraben, Rote Rüben, Zwiebeln.

Samenverkauf: Brotkartenbezirk 2, Turmhaus am Brand. Bor- und Nachmittags.

Erbsen, Bohnen, Gelbe Rüben und Mairüben.

Einbrüche in Gießen.

Gießen kann sich bisher eines offiziellen Bolsche­wismus noch nicht rühmen, umso schlimmer greift der Privatbolschewismus um sich. Die Einbrüche häufen sich von Tag zu Tag.

Der heutige Polizeibericht besagt: In ber Nacht zum 10. d. M. würben in hiesiger Stabt zwei Einbruchsdiebstähle ausgeführt, wobei den Dieben ein größerer Geldbetrag in bie Hänbe fiel, der aus allen Sorten Papiergeld mit einer großen Anzahl Kriegsnotgelb ber Stabt Gießen, in 20-, 10- unb 5-Markscheinen, eine Sammlung pon Kriegsnotgelb aus verschicbenen anderen Städten, Silber-, Nickel- unb Kupferneib, 4 Zehnmarkstücke aus Gold mit Bildnis Kaiser Friedrichs und mehrere Zubiläums- 5-, 3- unb 2-Markstücke von Hessen, Preußen unb Württemberg, bestand. Ferner wurde in der gleichen Nacht aus einem Gartenhaus in der Rodheimer Straße 12 Stallhasen unb in ber Nacht zum 6. b. M. aus einem (Barten in ber Nähe bes Bootshauses an ber Lahn 4 Stallhasen gestoh en.

Bei einem ber angeführten Fälle hanbelt es sich um einen Einbruch im Stabttheater, ber mit abgefeimter Umsicht ausgeführt würbe. Die Täter, benn es hanbelt sich um wenigstens zwei Mann, haben ben (Eingang burch ein Kellerfenster an den Anlagen gefunden. Sie gelangten an das Bib iothekszimmer, dessen Türe sie mit Diebesgeschick durch Anbohren bes Schlaffes öffneten. DieTüre zum Kassenzimmer unb Prioatdureau bes Direktors öffneten sie burch Aus­stemmen ber Füllung, wozu sie sich eines Stemm­eisens bedienten, das sie der Tischlerwerkstatt des Stadttheaters entnommen hatten. Die Einbrecher hatten es nur auf Gelb und Briefmarken abgesehen. Kleidungsstücke liehen sie hängen Sämt iche Be­hälter sowie der Geldschrank wurden erbrochen. Den Dieben fielen die Postwertzeichen ber Portokaffe, eine Prioat-Münzensammlung und erhebliche Bargeld- betröge in die Hände. Sie müssen die ganze Nacht hierdurch gearbeitet haben. Denn sie nahmen sich Zett alle Briefe zu durchstöbern. Die Fußspuren lassen auf mindestens zwei Täler schließen. Ob bie Diebe ortskundig gewesen sind steht noch dahin. Zweifelhaft ist auch, ob sie wußten, daß durch die Abwesenheit bes Direktors größere Geldbeträge vor­handen waren. Der Schluß, daß bie Tageseinnahme des Samstag unb Sbnntag noch nicht auf bie Bank überführt fein konnten, lag nahe. Bemerkenswert ist, daß bie Einbrecher beim Oeffnen ber Türen die gleich- Taktik anroenbeten, wie bei einem Einbruch im Realgymnasium. Man darf demnach annehmen, daß es sich um die gleichen Täter handelt.

Ein weiterer frecher Einbruchsdiedstahl wurde im Walbhause d-s Herrn Geh.-Rat Sommer an bet Station Schiffen berg verübt, worüber bie nachsteh nde Wiederholung einer Anzeige unseres Blattes Aus­kunft gibt.

50 Mark Belohnung erhält, toac als erster die Urfaber oer mch-rfacfan Gin* bräche in dem Wal 0 haus bei Station Schiffenberg nachnxnft. Dte Lifte der gestoh'.e- nen Gegensrändc ist bei i>em Po.izciamt ttießen einzufehcn Bei bem letztem Einbruchs voriae nnirbcrt zwei Reform betten, n>eiß lackiert über sckswar^em (»rund, sowie eirr Nachttifck>> ttr.it; lackiert auf braunem Grund, mit grauer Marnrorplatt? gestoh'en. Weitere Gegenstände fanden sich yir Abholung bereite gestellt vor. Bor Ankauf tnirb gewarnt.

* Bekam vfung deS ^leckfieberS. Nacbfam in unserer cnyxtrt xxi.nat zwei Fälle von Fch.ckfteber »Dryftmimcn find, muß mit der Ci idil öpu. g dieser schre en a istecke.tten Krank» fait, die bisher i-r T.utschlanb nicht einheimüch war, a rechnet w r)en. Es stritt fe't. daß der Er» r\-yr der ürankfai: in dem Blute des firemifn vor» Ixriben ist und nach den neueren Fvrschunge» durch Vermittlung ber Kleiderlaus von einem Mensche : aus bat anderen üb.rtrag« n*irb. Mit dem Blute er^s an Fleckfieber er» LanKen Menschen nimmt die Laus den thrninjeitia F irn aui und bring- ihn i.i ihrem Körper zur V.nnebrrn'g und fHcinntg. f Tag-- nach dem SauAtkt ttermeg sie bi? Kr-rufatt z 1 übertrag«. Auch die iimo*- Brut, bie aus den Eiern von ine fixierten Läu en a iS'ck.lüvfk, kan t die A ksteckung vermittel i. Tas n-irk'ainste Schutzmittel die Anstockuns und Wcuerverbrellung der ILanh