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Menschen- und Völkerleben. Die staatsmännische Sxmb fehlte, aus der Tragödie herauszuführen.1 Auch Tatiachrn Eönnen ge älscht werden, und die Niederla^ze Deutschlands ist die gkößie Fälschung der Geschichte. Tre un e Heu re llebermack-t vergönnte den deutschen Sieg nicht, weil die game historische Gesckg!>te Eirop^s ixtxntr ausging, einen starken Staat in Mitteleuropa nicht an k>mmcn zu lassen. Besonders der Ehrgeiz Frankreichs wehrte sich da- ae nu, Deutschland en stel-en zu lassen und Hal des­halb den Ätiog 1870 entfesselt. Zu dein harren Frieden damals hatte Di.mrrck bine vollspftch'- logischeu Gründ '. Auch ol/ne die Abtrennung Loth­ringens unb die Milliardenenlschäd-irung hätte Frankreich die Nieder a e nickst überwunden. Die Ruhmsucht Hal Frankreich zum mi!i aristischsteu Volk der Erde gemacht. So mußte das Deutsche Reich ton An an i an freien die Gefahr nach Westen und bald nach Osten tämpien, seit Rußland das erstarkte Teulschlmrd fürchten lernte. Bismarck hat alle Mittel angewandt, diese geährliä)e Entwick­lung zu verhindern. Nach 1871 hat es in Deutsch­land keinen friedliebenderen Mann gegeben als Bi?marck. Im Gauben an Oesterreichs Tauer schloß er das Bündnis, an dem wir zugrunde ge-. gangen sind. Aber auch er sah bald die kommnde Zerrüttung Oester reich-Un- yarns imb schloß den russischen Rück- versich nmgsvertrag, gegen den die Erprivisck-e Politik sich versündigte. Unbegreiflicherweise wurde das Bündnis mit Oesterreich-Ungarn nicht gelöst, ttls die dcutlichssen Spuren seines Verfalles sich zeigten. Zu der Gefahr des Zweifrontenkrieges kam der Gegensatz gegen England. Deutschland hat zu­viel Diplomatie gehabt, aber zu wenig staatsmän­nische Ideen. Niemals hatten wir einen festen Stützpunkt. Mit Planlosigkeit haben wir jede Groß­macht vor ben Kopf gestoßen. Nach dem russisch- japanischen Krieg hatte man Rußland im Westen befriedigen müssen, um seinem Expansionsdrang entgegenzukommen. Das hat Deutschland nicht getan unb außerdem in der Marokkoaffäre Fränk­isch vor den Kopf gestoßen. Dem Deutschen und *11(1) den Parteien hat es an Urteil über äußere Politik gefehlt. In der ganzen Geschichte gibt es keinen Klrifti, in den ein Volk nfdt so großer sitt­licher Kraft eintrat, wie das deutsche in den Welt­krieg, niemals hat es einen erschütternderen Aus­gang gegeben. Die sittliche Kraft im Kampf um Sein oder Nichtsein, bis zu Ende durchzuhalten, haben wir nicht besessen. Eine 2000jäyrige Ge­schichte ist zugrunde gegangen. Der deutsche Staat, den man endlich errungen hatte, ist vernichtet. Disziplin besitzt der Deutsche nicht, er hat sie sich mühsam anerzogen, sie ist ein Glanzstück seiner Er-' ziehung. Jetzt ist sie völlig abgetragen, aber nicht von innen her, sondern von außen. Nährstoff hatte sie tm Innern, und wir haben alles getan, was unsere Feinde wollten. Sittliche Kräfte bleiben aber nicht von selbst und aus lieber Beugung beisammen. Die demokratischen Länder haben durch die Dik­tatur den SiegeswUlcn des Volkes zum Durch­halten gezwmigen. Wir haben immer weiter auf- gedroselt. Aber ein Beamtenstaat Fann keine Dik­tatur aufrichten, sondern nur Männer, die aus feem Willen des Volkes hervorgegangen sind. Wir hatten den technisch am besten regierten Staat der Welt, aber es fehlte ihm die Saele des Volkes. Preußen war ein Staat der Gesinnungs- tzfichterei, der die Seele des Volkes nicht mehr kannte. Es gab einen Bureaukratisnrus der Par­teien und der öffentlichen Meinung. Um den deutschen Geist hat sich niemand mehr bekümmert. Dem Deutschen fehlt es, wie Bismarck sagt, an Ii- vilkourage, an moralischem Mute. Auf dem Markt­platz zu Jena hat Bismarck starke Parlamente ver­langt. (Er wollte den Beamtenstaat mit dem Volks- «eist und der Volksseele verschmelzen. Er durfte das Werk nicht zu Ende bringen. Die Berufenen müssen den Staat und das Volk leiten, aber sie müssen von der Masse des Volkes getragen fein. Wir Haden das Elend des monarchischen Beamtentums erfahren. Herrschen muß der Volkswille, aber wir müssen auch die Traditionen der Geschichte in den Volksstaat der Zukunft hinüberretten. Man kann Besorgnisse haben, ob die künftige Regierung Deutschland eine achtungs­volle Stellung im Kreise der Rationen verschaffen kann. Aber mögen Fehler gemacht werden, das Volk muß durch die Schule der Verantwortung hindurch, um einen starken Staat aufrichten zu können. Es wäre ein verhängnisvoller Fehler, wenn die sozialdemo­kratische Partei glaubte, uns allein ihrerseits nun herrlichen Zeiten" entgegensühren zu können Es gibt keinen Staat ohne starke bewaffnete Macht. Mit Rom war es zu Ende, als zum ersten Male die Legionen gemeutert hatten. Heute ist es noch an der Zeit, die Disziplin aus dem Volke heraus neu zu schaffen. Alle Kräfte muffen in die Wagschale gewor- ten werden, alle Parteien und jeder einzelne muß feine Kraft einsetzen. Die Aufgaben sind noch ge- wachsen. Nie ist ein Staatswesen mit solchem Glanz zugrunde gegangen, wie Deutschland in diesem Kriege. Wir werden von England und Frankreich einen Frie- den erwarten mäffen, den die Weltgeschichte noch nicht gesehen hat. Schwere Lasten werden uns verbleiben. Die Demokratie muß die Illusion verlieren, in abseh. barer Zeit einen Schatten von Gerechtigkeit und Duld­samkeit bei England zu finden. England sucht über die europäische Halbinsel den Weg nach dem Welt- land Asien. Der Weltkrieg war ihm ein Kolonialkrieg. England hat den Weltenthron besttegen, cs kann tun und lassen, was ihm beliebt. Dagegen können wir uns nicht durch Macht und Gewalt retten, sondern nur dadurch, daß mir Geist und Seele freihalten von Sklaventum England gegenüber. Wir müssen uns mit tiefer Seele in deutsche Geschichte und in die deutsche Seele versenken. Wir müssen den besten Staat der Well schaffen. Arbeiten müssen wir und Diszi­plin schaffen. Rur fester Zusammenhalt und Einheit können uns bestehen lassen. Wir müssen die deutsche Seele finden, wir müssen nicht weniger leisten wollen, als die Vergangenheit, sondern mehr, und uns einig als die Brüder eines Volkes fühlen. Fort mit den Vorwürfen der Schuld. Fehler darf man nicht dem Gegner als sittliche Schuld vorwerfen. (Es war ein Verhängnis, daß wir neben dem Feldherrn keinen Staatsmann hatten, der das Volk zusammen hielt. Wir müssen eine Einheit schaffen, die durch das Ge- wicht der sittlichen Kraft zusammenhält und kein Sklaventum auskommen läßt. Auf daß wieder eine Zeit kommt, da wir mit vollem Herzen das Lied wieder anstimmen können das kein Lied der Throne, sondern ein Lied der Gerechtigkeit und Freiheit ist, das LiedDeutschland über alles". In der Aussprache gab Prof. Bousset zu, daß auch die Parteien sich künftig mehr mit äußerer Politik befassen müßten (Er legte dann dar, daß man bei den Schwierigkeiten der ganzen poli- tischen Lage auch anderer Ansicht über politische Zweck. Mäßigkeit e n könnte Demokratie und Bürokratie, Dolkswille und Sachverständige müßten verriniqt werden. Um die Ordnung, das Vaterland zu erhöh ten, müßte über allen Parteien das Bewußtsein stehen, daß wir zusammengehören. Ferner sprach ein Herr Krause. Auf Wunsch legte hierauf Dr. Horneffer die Unterschiede der einzelnen Parteien bat, was roie-

I herum hochinteressante Ausführungen brachte. Frau Oberstleutnant Naumann, die die Versammlung leitete, schloß mit warmen Dankesworten (für den Redner.

* Diebstahl. Am 7. d. M., gegen 7 Uhr abends, wurde einem Reifenden an dem hiesigen Bahnhöfe aus einem Abteil 2. Klaffe des Zuges Marburg- Frankfurt a. M. eine kostbare grauweiß melierte, grün gemusterte Reisedecke entwendet. Für die Wiedererlangung hat der Geschädigte eine Belohnung von 100 Mark ausgesetzt. Sachdienliche Mitteilungen erbittet die hiesige Kriminalpolizei.

* * Besitz wechsel. Die Firma Birkenhoff und Diebes in Aßlar erwarb vom Weißbindermeister Ehr. Schmidt für 112000 Mark dessen Haus Bismarck- sttaße 43. - Das dem Architekten Louis Seuling gehörige Anwesen Friedrichstraße 7 ging für 41000 Mark in den Besitz des Büfettiers Aug. Schwarz über.

* * Lichtspielhaus. Ab morgen, Samstag, kommt der Detektiv-Schlager in 4 Akten ..Der Gast aus der vierten Dimension" mit Hans Mierendorf als Detektiv Harry Higgs in der Hauptrolle zur Auf­führung. Außerdem das zwciaktige LustspielWer heiratet die Braut.?"

^0d?)cbul?iacbricbfctt«

Bern, 8 Jan. (WB.)Progrös de Lyon" mel­det aus Straffburg, daß am Dienstag die deutschen Professoren und Privatdozenten der Uni­versität in Straff bürg nach Deutschland ge­bracht worden sind, insgesamt nahezu 70 Personen.

Aunst und w ssenschaft.

Peter Altenberg f.

* Wie aus Wien gemeldet wird, ist dort der Dichter Peter Altenberg gestorben.

Peter Altenberg ist fast 60 Jahre alt geworden. Mit ihm ist ein echter Dichter dahingegangen. Sein erstes BuchWie ich es sehe" erregte Aufsehen durch die Knappe überraschend anschauliche Art, in der er Ge­danken und Bilder formulierte. Man hat ihn oft mit dem französischen Dichter Paul öerlame verglichen und dieser Vergleich entbehrt nicht der Berech­tigung. In Wien war er eine beliebte, volks­tümliche Persönlichkeit, um die sich bald ein ganzer Legendenkranz spann. Seine Dichtungen sind nicht in allzu weite Kreise gedrungen, denn sie sehen ein literarisches Feingefühl voraus. Wer aber einmal seine Art lieb gewonnen hat, wird sich immer wieder von seinen impressionisttschen Schöpfungen angezogen fühlen.

Grnge'uttdt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dein Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Jedermann hat ein Einsehen imb fügt sich, vielfach bei großem Schaden, den $fcitimnrirngert [über die Lichterspcrrnis. Weshalb haben sich nicht mich die militärisckM Stellen zu fügen? Wenn man z. B. des Abends an der Oberrealschule vor­beigeht, sieht man, daß diese Gebäude, die Ern- giiartienmg haben, bis Mitternacht bis zum letz-« ten Zimmer feenhaft beleuchtet sind. Manches Zim­mer, das vielleicht mir von einem Hftrcn Unter­offizier belegt ist, wird durch vier große Lampen mit etwa 400 KerzenstHrke beleuchtet, wo eine Kerze genügte.

Ebenso wie das viele unnötige Herumkutschie- ven mit Kraftwagen, dürste auch die feenhafte Be­leuchtung während der Nachtzeit abzustellen sein wenn nötig unter STnrufimg der Volksregierung.

Kirchliche Nachrichten.

Gottesdienst am Sonntag. 12. Januar (1. Sonntag nach Epiphanias).

In der Stadt kirche. 9Vs: Pfr. Mahr. 11 : MMärgottesdienst; Pst. Ausfeld. 2: Ärnderk. f. 'ne Matth.-Gem. 5: Pfarrass. Schäfer. 8: Ver­einigung d. fonf. männl. Jug. der Matth.-Gem. Dienstag, 14. Jan., 4: Frauenmiss.-Verein. Frci- ltag, 17. Jan., äbds. 8: Vereinig, der ko ns. weibl. Jugend der Matthäusgemeinde.

In der I o h a n n e s k i r ch e. 9Vs: Pfarrer Beckstolsheimer. 11: Kinderk. für die Lukasgem.: Pfr. Bechtolsheimer. 5: Pfr. Adolph. 1/28: Verein, der fonf. weibl. Jugend der Lukasgem. V?8: Ver­einigung d. fonf. männl. Jug. d. Joh.-Gem. Kirchberg: Vorm. 10. Mainzlar: Bonn. 10.

Briefkasten der Ne-aktion.

E. S. Kranfenbrot. Auf Ihr Eingesandt hin haben wir beim städtischen Lebensmittelamt Erkun­digungen eingezogen und erfahren, daß das der Stabt zur Verfügung stehende Weizenmehl infolge der hohen Ausmahlung in letzter Zeit nicht von besonderer Güte war. Ferner hat sich die Qualität verschlechtert, weil Sauerteig verwendet werden mußte, da Hese im Handel völlig fehlt. Um den als berechtigt anerkann­ten Beschwerden vorzubeugen, wird in allernächster Zeit wieder reines Weizenmehl zur Herstellung von Krankenbrot verwandt werden.

Letzte Nachrichten.

Lin blutiger Lag in Berlin.

Berlin, 10. Jan. (Privatnirldung.) Die fnrchtbarcn Straßculämpfc in Berlin haben in letzter Nacht einen nicht mehr zn iiberbieten- den Höhepnnkt erreicht. Der Schlesische Bahnhof ist nach stundenlangen Kämpfen mit Maschinengewehren und (Heschiitzen durch die Rcgiernngstruppen zurückcrobcrt wor­den. Mehrere Hundert tote Sparta­kisten, fast alle mit Bauchschüssen, liegen im Bahnhofsgebäude.

Die Strotze Unter den Linden ist im Pc sitz der Regrerungstruppen Es wurden mehr" fach S teil feuer ge sch ütze ausgestellt, nrutmatzlich, um von hier aus über dus Sch'otz h-mvcg das Porizeig-ebände zu besch-etzen. Stundenlange Kämpfe fa. den im Z-itnngs- viertel der Jerusalemer Straße ftrtt. vier PU es bis gestern abend an80Toteundzahl- reiche Verwundete gegeben. Dir- beritzer Seerstraß: ist von NegisrungsM'pp n besetzt. Für hnttc. spätestens morgen, ist die Verlängerung des verschärften Pela- gerungsznstandes und des Stand- rechtes in Berlin zu erwarten. Damit dürf­ten die Kämpft in ihre letzte, entscheidende Phase einrreten.

Der Kampf im Zeitungsv'.erlel.

Berlin, 9. Jan. Ter Kampf im Zeitungs­viertel nahm im Lause des fltachmittags an £ef- rigkeit zu. Der Stampf tobt in der Hauptsache um

das Berlagsgebäude von Rudolf Moffe, m dem Spartakus fein Hauptquartier aufgeschlagen bat, unb das von ihm nach wie vor befefrt gehalten» wird. Die dem Mossehaus gegenüberliegenden Häuser dienen den Regierungstruppen, bie mm her Leipziger Straße angerückt sind, als Unterichlups, und die bercf.rs bis in das Httns der Kaffoegro»- handlung Gdarbt, bas dem Moffehaus an der Ecke der Schützenstraffe gegenüberliegt, vorgedrungen sind. Bis zum Dach hinauf ist das Haus mu Re- gierungstruppen besetzt, bie mit Gewehren imb_Dca=> schinengewehren bas Mossehaus beschießen. Spar­takus erwidert heftig und hat bisher alle Angriffe abgeschlagen. F-eruxr wird bas Mossehaus vom Toenhofplatz sehr stark beschossen von Garbe­schützen, bie hinter Bäumen, Zeitungsbuden imb Litfaßsäulen Aufstellung genommen haben., Ter fi.inbentange Feuerkampf bat eine größere Zahl von Toten unb Verwundeten ge­fordert. Zu einer Entscheidung ist es bis zur Stunde noch nicht gekommen. Gleichzeitig besetzten bie Re­gierungstruppen bie Jemsalemerkirche, bie von dem Verlagshaus Mosse unb Ullstein ungefähr gleich­weit entfernt liegt. Auf der Brüstung des Glocken- turmes dieser Kirche wurden zwei Maschinenge- wehre, darunter ein schweres, aufgestellt unb das Feuer in bet Richmng nach dem UltstLinhaus in der Kochstraße angenommen. Daraufhin besetzten die Spartakisten einige Däuser in der Jerusalemer- traffe, von denchi aus bfc Kirche besser erreicht werden kann als vom Mossehaus selbst, unb be­brohen nun die Kirche.

Rückkehr zur Vernunft?

Berlin, 9. Fan. Die Arbeiter der Deutschen Waffen- und Munitionswerke, die als Garde- truppen Liebknechts gelten, haben einen Aufruf erlassen, worin sie erklären, daß jetzt, nachdem so viel Blut gefloffen ist, die Führer aller Parteien zu­rücktreten sollten. Die Arbeiter seien des Kampfes müde, und wenn die Parteien sich nicht einigten, so würden die Arbeiter am Montag die Arbeit wieder aufnehmen und nicht mehr auf die Straße gehen. (F. Z)

Berlin, 9. Fan. Die Verhandlungen der stret- kenden Straßenbahner vor dem Gewerbegericht haben zu einem Schiedsspruch geführt, durch den den Sttaßenbahnern nach dem Vorschlag der Direk- tion eine einmalige Zulage bis zu 500 Mark und Lohnzuschläge unter der Voraussetzung zugebilligt wurden, daff die geplante Tariferhöhung die Geneh­migung der Aufsichtsbehörden erhöh. Die Straffen bahne ihrerseits wurden verpflichtet, den Betrieb heule nachmittag 3 Uhr wieder aufzunehmen. Das ist auch geschehen.

Ter Kampf in öer Ostmark.

Posen, 9. Jan. Mit bem heutigen Tage haben übernommen: bas Amt bes Oberpräsiden­ten unb Regierungspräsidenten in Posen der Rechtsanwalt unb bisherige Nrickrstagcabgeord-- nete Trarnprczinslv aus Posen, das Amt bes Präsibenttn ixt Ansieblungskommission Bank- bireklor Vionski unb bas Amt des Polizriprä- fiixmtcn. Azevecki aus Posen.

Nach einer Bekanntmachung erklärt der Ober st e polnische Volksrat, daß durch bie Macht der Ereignisse der letzten Tage die politische wie auch die militärische Gewalt auf die Polen übergegangen sei. Tie bisherigen Behörden hätten sich außer­stande erklärt, Ruhe. Ordnung und Sicherheit ausrechtzuerhalten. Tie Arbeiter- und Soldaten­räte seien machtlos und die Unordnung nehme zu. Jnfolgebessen übernehme er bie Leitung fcer Regierung imb bie militärischen Angelegenheiten, bie endgültige Regelung Ser polnischen Frage ber Friedenskonferenz überlassend.

Eingreifen der Belgier in Düsseldorf?

Brüssel, 10.. Jen. Reutecmeldung. Anläß­lich der Unruhen in Düsseldorf haben sich die dortigen deutschen Beamten unter bel­gischen Schutz gestellt. Der Polizeipräsident imb der Oberbürgermeister von Düsseldorf haben die belgischen Behörden ersucht, einzugrei- fen. Die belgischen Behörden verfolgen die Er­eignisse mit Aufmerksamkeit.

Unruhen in Stuttgart.

Stuttgart, 10. Januar. (WTB.) Während Western vormittag bie von ben Unabhängigen ver­anstalteten Demonstrattonen ziemlich ruhig ver> liefen, kam es am Nachmittag, besonders gegen (abend im Weichbild der Stabt zu lebhaften .stünd- gebungen, besonders vor dem Ministerium des ^leußern, am Arbeitsministerium und am Rathaus. Der Verkehr im Hauptbahnhof wurde aus einige Stunden eingestellt, abends wieder aufgenommen und um 8 Uffr wieder geschloffen, da man einen Putsch befürdüete. Tas Ratl-aus wurde von den Spartakisten be ctzt und DaetJÜrjerrnti .er Lautert- schtager samt dem (bememberat für abgesetzt er­klärt. 2leußerft unruhig ging es vor, der großen Infanterie-Kasenre zu, wo auch Schüsse fielen und Leuchtraketen auf stiegen. Bis gegen Mitter­nacht bew.gten sich au geregte Mengen auf den Straßen. £>ier rief manSbod? Spartakus", dort .hoch SckZcibemann". Zu Störungen ernster Art ist es nicht gekommen. Die Arbeiter bei Bosch und Taimler haben bie Arbeit niepergelegt. Nach cr:c< vom Stuttgarter Tageblatt ver aßtan Erklärung ist in einer gemeinsamen Sitzung der Lainde.'aus- schüsse der Arbeiter- und Saldatanräle beschloffen morben, von den technischen Einrichtungen des Blattes Gebrauch zu machen und todbrenb der Tauer des gegenwärtigen Slrei es zur Forderung der Arbeiterau, Eiärung in ausgiebiger Weise bei zutragen.

Verlängerung des W-aftenstillftandtS.

Genf, 9. Jan. Tie franzö'ischen Zeitungen enthalten heute eine Reihe von halbamtlichen Mitailungen über den Waifcnstlllstand und die FriedcnüverHandlungen, die in ihrer Gesamtheit von großer Bedeutung sind. Eine Note des Kriegsministeriums künligt zunächst an, daß Marschall Fach im Namen der alliierten Regierungen beit Waffenstillstand ent- fpnchnd den Bestimmungen des Prvtakolls front 13. Dezember am 17. Januar verlängern iinrb bis zum Abschluß der Frt densprälirninarien. Nach Ankurrdigun^n ber Agence tzavas ist es mdglich, daß der Marschall Fach in Ausführung bereite erlpbener Reklamatiwen bestimmte Va bingwtgen stellt für bie Zurückziehung deutscher I ruppen an der Ostgrenze- eine gestrige sNittcilung des Ministeriums des Aeußem an die Presse hinzu uft, Hal Wilson gleichzeitig einen Entschluß l-etamttgegcbe;i, persönlich an oen F-riebensfrerhatitstuw'en der Alliiert.-n teiU ztutehmen Tie erste Folge die'es Wilsonschen Entschlusses war, daß Clemeuceau für beult, Temnerstag, eine Vorkonferen z nach dem Ministerium des Aeus^rn einberu'en hat. an ber Wilson, Lansing und Oberst Lwusc sowie Bal­

four, Lord Robert Cecil. Drfanbo it^b &>nnüu> teilnehmen )ollen. Was die L-altung Wllions m diesem wichtigen Abschnitt des Begums der tyrt£> deusverhanbt ungen bestimmt hat, ergibt ita ohne Sck».meiigleiten aus einer wer erm Jtote, die das französische Ministerium des Aeutzeru durch die Agence L>avas den Zeitungen hat zu­gehen lassen. In biei'er Note wirb bte _fnnv zösische Republik darauf vorbereitet, daß die Gründung des Vereins der Völker wahr- sch.inlicki nidit von den übrigen Friebensbedvu- gimgen der zeriegsent chädigung uttb ber ©renj- beftimmimgeit getrennt werren könne, um auf einer späteren Konferenz beffanbeit ^zu roertei. Es steht fest, daß die Vereinigten Staaten die Gründung des Vereins der Rattoncn als wesent- lickx's Kriegsziel ansehen, und außer 8!euhork hätten bereits 14 weitere Staaten Brsch ässe in diesem Sinne ge afft, besten sich bie m iften an­deren Staaten anschließen würben.

Die Wahlbem g'.mg.

Magdeburg, 9. Jan. Die Teuffche bemo krarische Partei, die Deittsche Volkspartei, die kLeutschnationale Volkspartei und die Christliche Volkspartei in dem Wahlkreis Atagdeburg-Anhalt haben ftir die Wahlen sowohl zur Narionalversamm- timg, als auch zur Preußischen ver'assunggebendcnl Versammlung Listenverbinduttg beidüoficn.

Braunschweig, 9. Jan. Wi? los Amts­blatt erfährt, ist eine Einigung ber beiden, sozialdemokratische nParteiender Re­publik Braunschweig zur sltationalversgmmlung zu­stande gekommen. Es wurde beschlossen, ba beide Parteien auf dem Boben des Erfurter Programms stehen, in ^amwver beim Zentral-Wahllomitte eine Verbindung ihrer Listtn herbeizuführen. Der Be­schluß ist bereits ausgeführt.

Bolschnvisti ch? G-cwalt'atcn in Riga.

Berlin, 9. Jan. Der bisherige deutsche Ge­sandte im Baltikum, August Winnig, teilt fol­gendes mit:

InRiga, sowie in den übrigen von ben Bol­schewisten besetzten Teilen Livlands und Kurlands herrschen furchtbare Zustände. Nach dem Einrücken ber Bolschewiken haben bie örtlichen Bol- schcwiki unb bolschewistische Truppen unter ber ein­heimischen Bevölkerung, insbesondere unter den Deutsch-Balten und unter den dort gebliebenen bcutfdien Reichs angehörigen ein Blutbad ver­anstaltet. Verhaftet sind auch die drei Mit" gl jeder ber deutschen Gesandtschaft, die int Vertrauen und die Exterritorialität in Riga zurückgeblieben sind. Ihre amtlichm Gelder in Höhe von einer halben Million sind beschlagnahmt. In Tukum und einigen anderen Orten ist man mit den Balten ebenso verfahren. Die Teutsch-Ballenl unb auch die Letten und andere Personen wurden perffafiel, die .in ber deutschen Gesandtschaft ge­arbeitet haben.

Ein Schwindel NadekS.

Berlin, 9. Fan. (Durch FunkspruchI Der m Berlin weilende Radek hat die aufständischen Spar, tahusleute ermahnt, auszuhalten, bis russische Truppen hereinkommen. Der Soldatenrat der 10. Armee würde die Ruffen durchlaffen. Don der Ostfront wird uns mitgeteilt, der Durchmarsch da Russen sei ganz ausgeschloffen. Kein Soldatenrat bul» bet die Einmischung der russischen Truppen in unser« revolutionären Kämpfe. Die Behauptung Radeks ist sinnlos und eine Beleidigung des deutschen Proletariats, deffen Söhne an der Front stehen.

Ientralrat der sozial. Republik Deutschland: gez. ßeinert

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung

betreffenb Lieferung von Zuckerrüben.

Vom 3. Jamurr 1919.

Durch Besetzung des .streifes (^roff-(Seron ist die Lieferung von Zuckerrüben an bie Zuckerfabrik Groß-Gerau z. Zt. unmöglich. Ta uns bekannt geworden ist, baff noch große Mengen Zuckerrüben in diese Fabrik gelte ert roerben sollten, haben wir uns mit ber Reichszuckerstelle wegen Namhaft­machung einer anderen Fabrik ins Benehmen gesetzt. Tiefe Stelle hat bar au bin verfügt, daß die Lieferung dieser Zuckerrül>cu an die 3uderfabril Gernsheim er eigen solle, die zu bereu Annahme bereit sei. Wir empehlen deshalb etnxriiieu In­teressenten, sich loegen Einlieng der lei ihnen lagernden Zuckerrüben um'er üffttb mit tec Zucker­fabrik Gernshrim ins Benehmen zu setzen.

Darmstadt, den 3. Januar 1919. tzessisck>es LüN exmiilrun sa nt. Neumann.

Uetann»«'

Be t r.: Feldbercinigung Aliendor an der Lumda, hier den allgemeinen Melioratimsplan.

In der Zeit vom 22. Januar bis einschließlich 6. Februar üb. Js. liegen werktags auf ber Lttss. Bürgermeisterei Ällendorf die Arbetten bes 1. Ab­schnitts, nämlich:

der allgemeine Meliorationsplan nebst Er- länterungsbeiicht und PrüfmtgsprottckvU zur Einlicht ber Beteiligten offen.

Tag ahrt zur Erliebung von Einwendungen hiergegen rindet daselbst

Freitag den 7. Februar Ifb. IS., vormittags 11 bis 12 Uhr, statt, wozu ich die Beteiligten mit der Andrvhuns einlabe, baff die Nickckerfck-einenden mit Einwen­dungen ausgeschlossen sind.

Tie Einwendungen sind schriftlich unb mit Gründen versehen einzurrichen.

Friedberg, den 31. T<-ember 1918. Ter Dess. Feldbereinigungskommiffär:

___________Dr, Iann, Rk<ii?rimgsrat.

Bekanntmachung.

Aus Grund des § 22 ber Wahlordnung für bte Wahlen zur verfassunggebenden deutschen Notio» nalfrerfammlung habe ich

Rechnungsrat Valentin Herbert, Geschäftsführer öermaim Nordmann, Anna Walz, Oberstaatsaitwalt Rudolf Münzer, sämtlich zu Darmstadt,

tz<u Beisitzern des Walilausschuffes des 34. Wahl­kreises Liessen, und zu torat Stellvertreter

Rechtsanwalt Walter Karl M e i s e l, Frau Amia Maria R a u ck geb. Eckerlein, beide ebenfalls zu Darmstadt, bestimmt.

Tie öffenlliche Sitzung des Wahlausschüsse», in der über bie Zulasiung ber Wahlvorschläge und ihrer 93erbinbungen entschieden wird, findet Mon­tag den 13. Januar 1919, vormittags 9*/2 Uffr in dem Sitzungssaal des Kreisansschuffes des Krerse4> Darmstadt dahier, Neckarsttaffe 3, statt.

Der Dahlkommir ar des 34. Wahlkreises löeffen Dr. Neid hart.