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Ter Lietzener Anzei-« erscheint tätlich, oufeec Sonntags. - Beilagen: Siebener KamiIienbiötter;

Ute.« Hut für den Kreis Siehe«.

Bezugspreis: monatt.Mk. 1.35, viertel- iährl'ch Tlt. 4.05; durch Abhole- u. Ziveigstellen rnonall Tif. 1.25 durch die Post Dik. 4.05 viertel- S ausscht. Beilellq.

prech Anschliisje: fürbicSchr'ttleitungll2 Verlag,Geschäitssleile51 AnschrtttfürDrabtiiach- rrchlen: Anzeiger Siehe«.

169. Jahrgang Freitag,

GietzeimAnzeiger 's». General-Anzeiger für Gberheffen Swittingrrunddruck u.Verlag: vrühl'fche Univ.-Buch u. Steindruckerei R. Lange. Schriftieitung, Geschäftsstelle «.Druckerei: Schulstr 7.

10. zanrrar M9 abi.ü^a.e von Anzeigen s. die Lagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejedeBerbuldüchkert oeilenpreise:

für örtliche Anzeigen 25 Ui.Jür auSiDÜrltfle 30 Bi., für Reklamen '.L-nebfl 20°leue* runas-uf.dlatt.Blaljvor' fchrisi 20 % An'schlag. Dauptschriitleiier: Aug. Goeiz Verantwortlich für Politik: Ang. Goetz, für den übrigen Teil: Dr Reinhold Zenz; für den Anzelgenteü: v. Beck; fämtltch in Gießen

Vrockdorff und dar Berliner Lhaos.

' Unser Berliner Mitarbeiter schreibt uns:

Das Berliner Chaos hat auch die auswärtige Politik Deutschlands lahmgelegt. Graf Brock- dorfs-Rantzau erklärte den Volksbeauftragten, daß es nicht möglich sei, in dem Zustand, in dem sich Berlin derzeit befindet, Politik zu machnr und -u regieren Die Beamten des Auswärtigen Amtes sind durch die Einstellung des Groß-Berliner Ver­kehrs und dürft) die blutigen Kämpfe in der Wil- Helmstraße von ihren Bureaus abgeschnilten. Und gelingt es einem von ihnen, durchzukommen, so ist nur ein spärlicher telephonischer Dienst möglich. Ter |9fftenbetricb muß eingestellt werden. Die Verbin­dung mit der Wasfenstillstandskommission ist unter­brochen. Was man zu sagen hat, geht über die Vntenteofsiziere, die in verichiedenen Berliner Lw- Itels wohneir. Diese Ententcofsiziere beschäftigen sich , scheinbar nur mit der photographischen und kine- matographischeu Aufnahme des Berliner Bürger­krieges. In Wahrhaft haben sie die Aufgabe, den Fortschritt der polittschen Auflösung und das Vordringen des Bolschewismus zu beobachten R7Ü> ihre Berichte durch Kuriere an die Rheiu- greuze zu senden, wo alles sofort nach ßonhon! fcmb Paris gedrahtet wird. Dort lauscht man mit gespannten Sinnen. Besonders in Lon­don. TieDaily Maft" l)at es bereits verraten. Sie meldet, zur Abioehr des.Bolsck^ewisnrus von Europa ständen wichtige Beschlüsse bevor, die nicket einmal angedeutet werden könnten. Damit ist aber sckwn alles angedeutet. Tie Entente plmtt den Abbruch des Waftenstiftstu-rds und den Vor­marsch gegen den russisch-deutfftreu Bolschewis­mus. Bckamitlich wolften die Alliierten in der zweiten Sitzung der Wasfenstillstandskommission in Tri^r am 13. Dezember 1918 das Waften- sti lstand a kou m n zuw'ch't (i3 zum 17. La uar verlängern. Ter Vewfttzcnde der Deutschen Wasfenstillstandskommission hatte dann in der­selben Sitzung noch durchgesetzt, daß die endgul- tige Mmachung b« Fassung erhielt:Diese Ver- lÄrgerung um einen Monat wird unter Vorbe­halt der Zusttmnrung der alliierten Regierungen bis zum Abschluß des Präliminarfriedens aus- gedelmt werden." Deutscherseits war mit Recht vorausgesetzt worden, daß die Entente tatsächlich fernen Grund finden würde, den Waffenstftl- standsvertrag nicht über den 17. Januar hinaus bis zuM Abschmß des Präliminarfriedens zu ver­längern. Run ist jetzt aber plötzlich eine Änftage ,der Entente bei der deutsckxen Waffenstillstands- femmission eingelausen, welche mit den Worten beginnt:Ta der Ablauf des Wassenftillstauds bevorsteht..." Taraus geht klar hervor, daß die Entente sich jetzt auf den Standpunkt stellt, den Waffenstillstand nicht über den. 17. Januar hin­aus bis zum Abschluß des Präliminaftriedeirs zu verlängern. Tie Erklärung für birfen Gesinnungs­wechsel kann mir in der Mft:eftung gesunden werden, welche die Entente bereits vor vierzehn Tagen in Spaa hat verlautbaren lassen, und deren EckZo laut unb deutlich in der feindlichen und neutralen Presse bis heute widerhallen. Sollte in Deutschland eine Regierung Liebknecht-Ledebour ider Name Ledebour war ausdrücktch genannt) zur Macht kommen, so würden alle Verhandlungen, auch die in Spaa, sofort abgebrochen werden, an eine Versorgung Deutschlands mit Lebensmitteln und Roh­stoffen wäre dann nicht mehr zu denken und der Kriegszustand mit Deutschland träte im vollen Um­fange sofort wieder ein.

Es bedarf keines weiteren Wortes, um mit voller Eindringlichkeit zu beweisen, daß die Ereigniffe, welche sich gegenwärtig in Berlin abspielen, nicht geeignet sind, den Slandpunkt der Entente zu ändern und uns dem Frieden auch nur um einen Schritt näher zu bringen. Das Traurigste dabei ist, daß die Berliner Zustände ganz allein die Schuld an dieser Lage tragen. Die Entente will jetzt selbst die Beschleunigung des Friedens. 3n London ist man nervös geworden. Bei der Demobilisierung englischer Truppen sind Unruhen ernster Natur zutage getreten. Am 13. Januar soll die erste Zusammenkunft der interalliierten Friedens­konferenz in Paris stattfinden. Das britische Außen­ministerium und das Londoner Kriegsamt haben, wie über Holland gemeldet wird, darauf gedrungen, daß zunächst eine allgemeine formelle Feststellung der Tatsache eines Friedenszustandes die erste Aufgabe der Friedenskonferenz sein soll. Diesem Vorschlag, der dem Wunsche einer rascheren allgemeinen Abrüstung ent­springt, soll sich Wilson ausdrücklich angeschloffen haben. Und nun soll infolge des Berliner Anarchismus dieser erste Schritt eines vernünftigen Entgenkoinmens wieder zurückgenommen werden? Zwischen dem 13. und 17. Januar fällt die Entscheidung in Paris! Unabseh­bares, grenzenloses Unglück kann für Deutschland verhindert werden, wenn es in den nächsten Tagen gelingt, den Bolschewismus niederzuzwingen und eine glaubwürdige, tragfähige auswärtige Politik des Reiches wiederherzustellen.

Flucht Eichhorns.

Berlin, 9. Jan. Wie ber Charlotten­burgerNeue Zeit", die sich während der Re- volulionstage sehr gut unterrichtet zeigte, von zuverlässiger Seite gemeldet wird, hat der amtsentfetzte Polizeipräsident Eichhorn, der durch seinen Widerstand gegen seine Ab­setzung die Veranlassung $um Blutvergießen gegeben hat, das Nutzlose jeder weiteren Ver­teidigung eingesehen. Um dem Schicksal zu entgel>en, das seiner harrt, wenn er gefangen toüro, ist er nach Dänemarkentflohen, woher übrigens der russisck)e Bolschewist R a - d e k gekommen ist, um den Aufstaub mit an- Atteln zu helfen. Daß er jetzt sein Heil in der Fluck)t sucht, kennzeichnet seine Feigheit und seine Verrätergesinnung.

Aus Stadt und Land.

Ließen, den 10. Januar 1919.

Lebensmittel.

** Die neuen Lebensmittelkarten werden am Samstag, 11. d. Mts., vormittags 8l/212 Uf)r, in den zuständigen Bezirken ausgegeben.

** Käse-Verteilung. Don Samstag, den 11J bis Donnerstag, den 16. ds. Mts. einschließlich ge-< langt Käse zur Verteilung. Der Verkauf des Käses erfolgt nur gegen Vorlage des Bestellausweises ber! Lebensmittelkarte und Abgabe des Bezugsabschnitter Nr. 15. Auf jeden Abschnitt entfällt ein halber Käse- zum Preise von 45 Pfg. Näheres siehe Bekannt­machung.

** Petroleum-Verteilung. Die Marken für § 'Petroleum zur Versorgung bis zum 15. Februar d. I. | werden am Samstag, 11. ds. Mts., vormittags 8/3- t bis 12 Uhr, in den zuständigen Bezirken ausgegeben.

* Nähgarn-Verteilung. Das für das 2. Halbjahr 1918 bestimmte Nähgarn ist jetzt ein­getroffen und in den Geschäften, bei denen die Be-, stellung erfolgt ist, gegen Vorlage der Nähgarnkarte abzu holen. Bei der Firma Holterhoff u. Söhne ist bas Nähgarn noch nicht eingetroffen. Näheres siehe Bekanntmachung.

** Freibank. Samstag, 11. Januar 1919, werben von 2-4 Uhr die Nrn. 201-400 beliefert.

** Amtliche Personalnachrichten. 3n den Ruhestand versetzt wurde am 4. Januar 1919 ber Präsident des Landgerichts ber Provinz Rheinhessen Geheirnerat Dr. Philipp Hangen auf sein Nach- suchen unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste mit Wirkung vom 6. Januar 1919.

** Aus dem Stadttheaterbureau. Weges plötzlicher Erkrankung des Herrn Ielikofs muß in der morgigen 11. Freitagsabonnements-Dorstellunz stattDer Revisor" LessingsEmilia ©alotti gegeben werden. Ferner wird nochmals darauf hin. gewiesen, daß die Vorstellungen von nun an bereits um 7 Uhr beginnen.

** lieber die Sozialisierung des Produktionsmittel wird in der Gießener Hochschulgesellschast Prof. Skai weit einen Vor-, trag halten. Die Vergesellschaftung der Produkt ttonsmfttel, eine alte Forderung des Sozialismus! in seinem Kampfe gegen das Privatkapital, ist zu einem Schlagwort in dem politischen Parteien-, kämpf der Gegenwart geworden, ohne daß immer eine klare Vorstellung darüber herrscht, um was es sich eigentlich dabei handelt. Es ist daher zu be* jguüßen, daß von einem Rationalökonomen biefd, Frage streng sachlich unb unter Ausschluß jeher parteipolitischen Stellungnahme erörtert und auf ihre Durchführbarkeit hin untersucht wird. Der Vor­trag findet am nächsten Montag (13. Januar), um 81/« Uhr, im großen Zörsaal des Vorlesungsge-i bändcs statt. Gftsbe sind willkommen.

** Die Gießener Frauenvereini- gung für Wühlarbeiten veranstaltete geftern abenb tut StadttHeater eine Frauenver- lanunlung, die man wohl als die einbrucksvollsts der ganzen Wohltätigkeit bezeichnen kann. Schott allein der Umfamb, daß sie über den Parteien . stand, gab ihr ein besonderes Gepräge. Tie stärkste Wirkung hatten aber die Persönlichldft und die in zwingender Logik aujgebauten Ausführungen des Redners Dr. Ernst Hornesfer. Sein Go daukengang, den der Raummangel leider aussulw- licher zu behandeln verbietet, war etwa folgender: Tie Frau ist unvermittelt vor die große Ausgabe gestellt, am Schicksale des Vaterlandes mit-n- ivirken. Sie Eami dies nur, wenn sie die Eutw-ick-, hmg der Lgge kennt. Sie muß Stellung 5um Weltkriege nehmen. Hier ist ein Unterschied zu machen zwisck-en Schuld und Fehlern. Fehler sind in Hülle und Fülle gemacht worden, etwas gart» anderes ist die sittliche Schickd. Bon der <rchult^ losigkcit unseres Volkes am Weltkrieg ist der Redner überzeugt. Tie Niederlage beweist nichts über Schuld oder Unschuld. Ter Erfolg ist nicht der letzte Richter darüber. Tie Idee der ftttlichen Ge-- recbtigfiit führt einen schweren Kampf mit der Wirklichkeit. Sonst gäbe cs feine Tragödie M

Die Berliner Sicherheit-Mannschaften für die Regierung.

Berlin, 9. Ian. Der Charlottenburger Polizeipräsident Richter ist gestern nachmittag zum stellvertretenden Polizeipräsidenten von Berlin ernannt und als solcher dem Minister Emst zugesellt worden, dem provisorisch die Leitung des Polizei­präsidiums anstelle von Eichhorn übergeben worden ist Der neue Polizeipräsident ist mehrheitssoziahsti- scher Stadtverordneter in Charlottenburg.

Don den Mannschaften des Berliner Sicherheits­dienstes haben sich mehr als Zweidrittel gegen Eich­horn erklärt.

Spandau in der Mgierungsgrivalt.

Spandau, das am Mittwoch vorübergehend in die Hande der Unabhängigen unb Spartakisten gefallen war, ist seit Donnerstag vormittag von diesen wieder geräumt worden. Die Munitions­und Artillerielager sind wieder im Besitz der Re- gierungstruppen. In Spandau herrscht Ruhe. Die Bevölkerung und Arbeiterschaft steht auf Seite der

aufe der Nacht zum Donnerstag ist auch

ß>as Proviantamt in Tempelh 0 f von Negier rungstruppen ohne Verlust genommen worden.

Austritt der Unabhängigen aus dem badischen Kabinett.

Karlsruhe, 9.Jan. Die bisherigen Mitglieder der vorläufigen Volksregierung aus der Partei der Unabhängigen, Brümmer und Schwarz, haben gestern ihren Austritt erklärt, weil die Wahlen zur badischen Nationalversammlung eine bür­gerliche Zweidrittel-Mehrheit^ ergeben haben. Daher erachten sie die Vorbedingungen, die sie am 11. November zum Eintritt in die Re­gierung bewogen haben, als nicht mehr ge­geben. Die vorläufige Regierung hat die Aus­trittserklärung angenommen.

Eine Kundgebung Heidelberger Professoren.

Heidelberg, 9. Ian. 76 Professoren unb Dozenten ber Universität Heidelberg haben eine Kundgebung unterzeichnet, die ber kubischen Volks» regierung zu Händen des Ministers des Auswärtigen Diettich zugestellt wurde, in ber dringend verlangt wird, zu verhindern, baß künftig burch einseitige Veröffentlichung amtlicher Dokumente ein falscher unb verhängnisvoller (Einbruch über bie Frage der Schuld am Kriege erweckt werde, daß vielmehr der Über- ragende Anteil der Schuld der Feinde nachgewiesen werde und daß für uns der reindeutsche Charakter der von der französischen (Eroberungsgier angegriffenen deutschen Landesteile nachgewiesen werde. Angesichts derüberwältigenden Bedeutung der äußeren Bedroh­ung" möge der innere Haber bes Volkes zurückge- stellt werden.

Der Wahltag in Deutsch-Oesterreich.

Wien, 8 Ian. (WB.) Der Staatsrat hat be­schloßen, als Wahltag für die Konstituante enb- gültig ben 16. Februar festzusetzen.

Deutsch-österreichischer Wafsenersolg.

G r a z, 8. Jan. (Wiener Korr.-Bureau.) Ferlach wurde von den Deutschen erstürmt. Die Bevölkerung jubelte den einziehenden Truppen stürmisch zu.

Ein Anschlag auf Kramarsch.

Prag, 8. Jan. (WB.) Meldung des tschecho­slowakischen Pressebureaus: Auf den Ministerpräsiden­ten Kramarsch gab ein junger Mann im Gange zum Empfangssaal der Hradschiner Burg, während Kramarsch sich im Gespräch mit einem Maler befand, von rückwärts einen Revoloerschuß ab, der jedoch fehlging. Als Kramarsch sich umwendete, erhielt er einen Schuß. Das Projektil traf ihn in der rechten Drustseite, blieb jedoch im Notizbuch stecken. Der Attentäter wurde verhaftet. Er heißt Alois Stastny, ist achtzehnjährig und bei Prag geboten. Er ist Schrei­ber im Staatsbahnmagazin und Anhänger der tschechi­schen sozialdemokratischen Partei. Stastny erklärte, daß der Anschlag vor einigen Tagen in einer Ver­einigung beschlossen worden sei, über deren Existenz er ebenso wie über den Beweggrund des Attentates, für das er sich freiwillig gemeldet habe, jede Aus­kunft verweigerte.

Der amerikanische Vorschlag über die Völkerliga.

London, 8. Ian. Daily Mail meldet: Der amerikanische Vorschlag über die Völkerliga, der von der britischen Regierung angenommen wurde, besagt in seinen Hauptsätzen: 1. Der Völkerbund wird -seine Arbeitsorganisation in einem kleinen Lande wie Belgien oder Holland haben. 2. Jede Nation wird einen Botschafter dorthin entsenden, der gleich­zeitig Mitglied des Kabinetts seines Landes ist und der gleichen Partei angehört, bie bie Regierung bil­det. 3. Die Botschafter werben einen ständigen Amts­sitz haben und stets im Einvernehmen mit ihren Re­gierungen vorgehen. 4. (Es soll ferner ein Bölk er- bundsgerichtshof geschaffen werden, ber dem Ver­bund unterstellt, aber von diesem getrennt ist. 5. 3m Falle eines Konfliktes zwischen zwei Nationen kann der Streitfall drei verschiedenen Gerichtshöfen unter­breitet werden: a) Die beiden Streitenden können sich mit beiderseitigem Einverständnis an Öen obersten Gerichtshof eines jeden an ihrem Konflikt nicht be­teiligten Landes wenden, b) Sie können sich an den Völkerbundsgerichtshof wenden. c) (Ein Streit­fall kann dem Gerichtshof der Völkerliga vor- getragen werden. 6. 3m Falle der Weigerung einer Nation, sich an irgendeinen dieser drei Gerichtshöfe zu wenden, sollen bie streitenden Parteien gezwungen

Regierung Jrn L

werden, je einen Schiedsrichter zu wäh'en. Die so ernannten beiden Schiedsrichter werden einen dritten bezeichnen. Wenn diese beiden Schiedsrichter über die Wahl eines dritten nicht einig werben können, wird der Gerichtshof der Völkerliga einen solchen ernennen. 7. Wenn endlich bie beiden im Konflikt lebenden Parteien das Schiedsgericht nicht annehmen wollen, wirb der Völkerbund Mächte dieses Bundes bezeichnen, die den Auftrag erhalten, einen Druck auf bie streitenden Parteien auszuüben.

Die Umbildung des^labinett- Lloyd George.

London, 8. Jan. (WB.) Havas. Daily Tele­graph bestätigt, daß Churchi ll das Kriegsministerium übernimmt. Lord Hilner bleibt Minister ohne Porte­feuille.

Trotzki Diktator in Rußland?

Kopenhagen, 8. Jan. (WTB.)Berlingske Tidende ' gibt eine Meldung der GöteborgerHandels- tidning" aus Bergen wieder, wonach dort aus Mos­kau eingetroffene Reisende berichten, Trotzki habe Lenin verhaften lassen und sich selbst zum Diktator ausgerufen. Der Grund zu diesem aufsehenerregen­den Bruch sind angeblich Meinungsverschiedenheiten über die dolschewikische Reformarbeit. Lenin erstrebte den Anschluß an bie Menschewiki unb wollte die Ab­schaffung des Terrorismus durchführen.

Aus Hessen.

Eine Warnung der hessischen Regierung.

Darmstadt, 9. Jan. Ministerpräsident Ulrich erläßt folgenden Aufruf an die Arbeiter-, Bauern- und Volksräte:

Es ist zu meiner Kenntnis gekommen, daß spartakistische Elemente versuchen wollen, die Wahlen zur deutschen und-he ssi s chen Na­tionalversammlung zu stören, ja unmög­lich zu mad>en. Es sollen zu diesem Zweck die SoLaten in den Kasernen aufgeputscht und Unruhen in ,ben Städten hervorgerufen .wer­den. Arbiter-, Bauern- und Volksräte seid auf der Üntt. Tiefe Versuche müssen entschieden zurück­gewiesen iverden. Jetzt ist es euere oberste vornehmste Aufgabe, die ruhige Durchführung der Wahlen zur deutschen Natioualversammlung und zur hessischen Volkskammer sicherzustellen. Seid auf der Hut. Von welcher Seite auch Anschläge gegen den ordnungsmäßigen Aufbau unserer hessi­schen Republik kommen mögen, sie müssen ver­eitelt werden. Ihr Arbeiter-, Bauern- und Volks- räte müßt jeden Versuch der brutaleir Tittatur einer Minderheit von links oder von rechts energisch zurückweisen. Unser gemeinsamer Ruf bleibe: Es Libe die Freiheft, die Demokratte, die Republik!

hätten unb von den für rheinische Verhältnisse paffen­den unb erprobten wirtschaftlichen Verorbnungen und 'Maßnahmen haben manche bei ihrer dem Kreise Wetz­lar aufgenötigten Aus- unb Durchführung viel Un­willen unb Unfrieden gestiftet. Dabei muß zugegeben werden, daß der Kreis Wetzlar allen Grund hat, seiner Zugehörigkeit zu Preußen dennoch gerne unb dank­bar zu gebenden.

Nun ist aber eine neue Jett angebrochen. Das beutsche Reich geht baran, sich eine neue Verfassung zu geben unb neu zu gliedern. Da erscheint es für ben Kreis Wetzlar selbstverstänblich - und für bie Wahl zur Nationalversammlung geschieht es bereits -, daß er nicht als zur Rheiuprovinz, sondern zu Heffen- Naffau zugehörig betrachtet wird. Hoffen wir, daß die neue preußische Negierung bie schon unter dem früheren Minister Dreros begonnenen Vorarbeiten zur tatsächlichen Loslösung von der Rheiuprovinz unb Ein­reihung in Hessen-Nassau rasch zu Ende führen unb der preußischen Nationalversammlung zur Genehmi­gung bald vorlegen kann.

Was die Republik Groß-Hessen betrifft, so' wird darüber in ber deutschen Nationalversammlung zu reden sein. Jedenfalls sollten die für ben Wahl­kreis Hessen-Nassau unb Kreis Wetzlar ausgestellten' Kandidaten, wenn sie auf ihren Wahlreisen mit ihren Wählern Fühlung nehmen, die Gelegenheit benutzen, sich über die Stimmung bes Wahlkreises zu dem Ge­danken, eine Republik Groß-Hessen zu schaffen, zu ver­gewissern. 3d) für meine Person bin durchaus der Meinung des Derfaffers bes Aufsatzes in Nr. 303 bes >Wetzlarer Anzeigers", baß völkische Art Uebergänge haben muß, um Reibungen zu vermeidet und daß die Großhessische Republik ein ausgeprägtes Mitteldeutsch­land zwischen Nord- unb Südbeutschland bilben mürbe."

Wahlvorschläge der Deutschen Volkspartel in Hessen.

Die Deutsche Dolkspartei gibt nunmehr folgenben Wahlvorschlag für bie Nationalversammlung bekannt: 1. Dr. Ioh. Becker, Finanzminister, Darm= stabt, 2. Frieds. Schott, Lanbwirt und Bürgermeister, Uffhofen lNhein), 3. Friedr. Heck, Dehonomierat, Landwirtschaftslehrer, Alsfeld, 4. Dr. Hans Gmelin, llniöerfitätsprofeffor, Gießen, 5 Heinrich Köhler, Oberbürgermeister, Worms, 6. Karl Läufer, eoang. Arbeitersekretär, Darmstadt, 7. August Biegler, Land­wirt, Dorn-Dürkheim, 8. Georg Bickel, Landwitt unb Gemeinderechner, Affolterbach, 9. Fräulein Luise Schweisgut, Lehrerin, Darmstadt.

Für die hessische Volkskammer hat die Deutsche Dolkspartei folgende Kandidaten aufgestellt: 1. Oberstaatsanwalt Wünzer - Darmstadt, 2. Kom­merzienrat Klingfpor-Gießen, 3. Affeffor Dingel» dey-Darmstadt, 4. Frau Bi er au-Darmstadt, 5. Dr. Osann-Darmstadt, 6. Pros. Dr. Schian- Gießen, 7. Zimmermeister Haury-Darmstadt, 8. Frl. Din­gelbein, Lehrerin, Gießen, 9. Malermeister Launs» Sach- Gießen, 10. Genoffenschaftssekretär Kirchner- ießen, 11. Prof. Dr. Krausmüller - Gießen, 12. Gewerkschaftssekretär Laufer-Darmstadt.

Ein Volksschullehrer im hes­sischen Ministerium für Bild ungs- we 1 en. Lehrer I. Jung, Darmstadt, wurde b's auf wefteres zur Aushilfe als flimmberechttgter Re­ferent in das Ministerium für das Bildungswesen berufen, um an der Umgestaltung unseres Sckml- wesens im Sinne des Voltsstaates mitzuarbeiten. Mit dieser Berufuna wird einer Forderung des L>essisck,en Landes-Lehrervereins Rechnung ge­tragen. Lehrer Jung, der von jeher ein eifrig tätiges Mitglied der F-ortschrittlichen Volkspartei gewesen ist und schon seit einer Reihe von Jahren «auf sckmlpolittschem Gebiete eifrig gearbeitet l)<ft, wird auf die Dauer seiner Venvendung als Volks­schullehrer beurlaubt.

Bepublit Erotz-hessen.

ImWetzlarer Anze iger" schreibt neuerdings das Mitglied des Kreistages Wetz­lar, Dr. Ger st er, u. a. Folgendes:

(Es ist merkwürdig genug, und nur durch die Schwerfälligkeit der Bureaukratie zu erklären, daß der Kreis Wetzlar, nachdem er über 50 Jahre von Koblenz ausregiert" worden war, auch nach 1866 nicht in die Provinz Heffen-Naffap ausgenommen wurde, was mit Ausnahme der preußischen Regierung jeder Mensch für das allein Richtige hielt. Jedenfalls haben die Vertreter des Kreises im Kreistag unter sich einstimmig den Wunsch geäußert: los von Koblenz, wenn sie auch aus berechtigten Gründen die Abtren­nung nicht beantragen, sondern ber preußischen Staats­regierung überlasten wollten. Die Derwaltungsbeam- ten, bie uns aus dem Rheinland geschickt wurden, haben sich bei aller Tüchtigkeit bei ber Bevölkerung nicht immer bie persönliche Beliebtheit erwerben kön­nen, beten sie für ersprießliche Amtsführung bedurft