Ausgabe 
9.9.1919
 
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fratict, seine Dieirstgescki<cfte in Main; wieder aus- zunehmen, nachdem dieser erklärt hat, bafc er den Gebrauch des Streiks als politisches Mittel ver­wirft. Infolgedessen hat Adelung seine Zusage Zur Wahl als Oberbürgermeister der Stadt Offen­vach zurückgezogen.

Die amerikanische Zone.

Berlin, 9. Sept. LautBerl. Lok.-Anz." rneldet die in Koblenz erscheinende amerikanische Zeitung .Amaros", daß die amerikanischen Be- !hörden beschlossen haben, das Gebiet des Kob­lenzer Brückenkopfes, smvie das Gebiet aus dem linken Rheiimfer bis zum Bezirk Trier unter amerikanischer militärischer nnö ziviler Kon­trolle zu lassen.

Denunziationen.

Im Mainzer Gesängnis sitzt, so schreibt wF. Z", der Finanzasseswr Eduard Blan­kenhorn aus Worms infolge einer Tenanzia- lion seit acht Wochen, weil er zu einer Kasfx- Haus-Dame, die sehr viel mit französischen Osfi- wwx und Mannschaften verkehrt hat, gesagt hobm soll:Sie kommen auch noch auf die sch.varze Liste." Tie Franzosen haben das ausge.'egt als Beleidigung vonAngehörigen der Armer" und als Drohung. Obwohl ihm nichts nachge'wiesen worden ist, noch nachgewiesen werden kann, bl'ibt er, schlecht verpflegt, nun schon über 8 Wock>m im Gefängnis. Niemand darf ihn besuchen, und es kommt noch immer zu keiner Gerichtsverhand­lung. Als Finanzassessor war Blankenhorn mit der Steuerveranlagung der ländlichen Bevölkerung des Kreises Worms betraut, und man vermutet, daß die Denunziation von Leuten ausging, die seine gerechte Amtsführung fürchteten. Uebrigens sitz-n »oegen ähnlicherDelikte" nicht weniger als 65 angesehene Bürger im Mainzer Gefängnis und warten von Tag zu Tag vergebens auf ihre Ab­urteilung.

Dia. Mainz, 9. Sept. In einer Verhand­lung vor dem hiesigen Schlichtungsausschuß, in der die beim sozialdemokratischen Kon­sum v e r e i n beschäftigten Transportarbeiter und Bäcker gehstfcn gegen ihre Arbcitgeb:r auf Bewil- ligung höherer Lohnforderungen tlagten, bemerkte der Leiter des Konsumvereins:Wir können nicht dulden, daß sich die Arbeiter stundenlang in dte Speisesäle setzen und Verhandlungen pflegen, wäh­rend die Arbeit liegen bleibt. Wenn heute die Arbeiter die Macht haben und ohne Rücksicht auf das wirtschaftliche Leben auszunutzen suchen, so werden wir das nicht dulden." Tie von ben Ar­bitern gestellten Forderungen wurden vom Schlich- tuugsausschuß abgelehnt. Tas Bemerkenswerte an der Meldung ist, daß der Leiter eines sozial- oenrokratischen und nicht irgend eines bürgerlichen «'der sozialistisch ausgedrückt,kapitalistischen" Unternehmens diese Ausführungen machte.

Aus dem Reiche.

Der Kultusminister an die streikenden Schüler.

Wir hatten von einem Telegramm der streckenden Obersekundaner des Greifs­walder Gymnasiums an den Kultus­minister Haenisch berichtet, worin das Ver­bleiben der Kaiserbilder in den Schulzimmern gefordert wurde. Aus Oberhof ging nun dem Schüler - Streikausschuß des Gymnasiums Greifswald folgende A n t w o r t zu: - verstehe rmb würdige durchaus die Ge­

fühle, die die Schüler ans den Sekunden des Gy­mnasiums zu ihrem Telegramm veranlaßt haben. Trotzdem vermag ich zu meinem Schauern der Bitte nicht zu entsprechen. Tie Entfernung der Bilder war wegen allgemeiner unliebsamer Vor­fälle zu einer politischen Notwendigkeit geworden. Ausnahmen von der Regel würden zu unmöglichen Kvnseguenzen führen. Wollen die Schüler ihre alten Ideale weiter pflegen, so bin ich der Letzte, der ihnen das verwehren möchte. Diese Pflege kamt aber auch ohne äußere Wählzeichen geschahen. Ich habe zu der Schülerschaft meiner Vaterstadt und dem nüchtern pommerschen TatsaiHmfinn das feste Zutrauen, daß man sich auch in Greifswald in das Unabänderliche fügen und nicht zu Unbesonnen- heit (unreinen lassen wird. 5Zn alter Anhänglichkeit an Greifswald und sein Gymnasium, Haenisch."

Die Schüler in Grerfswald haben den Streik inzwischen beendet und besuchen wie­der den Unterricht, dagegen wird aus S t o l v gemeldet, daß dort die Schüler der höheren Lehranstalten in den Streik getreten sind und dieselben Forderungen aufgestellt haben wie die Greifswalder.

Die Versorgung mit Schuhwaren.

Berlin, 6. Sept. (Pr.-T.) In der Reichs- zentrale für Heimatdienst fand gestern vormittag eine Versammlung statt, an der neben den Fachverbänden eine Anzahl Vertreter der Re­gierung teilnahmen, um über die künftige Or- ganisation der SchuhoarenVersorgung Mitteilung

zu macken. Der Vertreter des Rerchswirtschasts- müiisteriums teilte mit, daß sich der Regierung ein Konsortium zur Verfügung gestellt habe, das unter strengster Kontrolle der Regierung sowie als Kommiss vuär des Reiches für die Verarbeitung der vorhandenen Leder bestände sorgen will. Bei der Ausschreibung der Aufträge sollen in erster Reihe die stillgüegten Fabriken und das Schuh- warenhaudtverl berücksichtigt werden. Bei der Ver­teilung der Schuhwaren an die minderbemittelte Bevölkerung sollen die Preise der Zeit vor dem 1. Mai zugruiide gelegt werden, so daß der Preis für den anständigen Straßenschuh sich auf 35 bis 40 Mark stellt. Von der Regierung werde alles getan werden, um in ganz kurzer Zeit einen Normalschuh zu verhältnismäßig bil­ligem Preise an die minderbemittelte Bcv-ckerung abzugeben. Es iverden Maßnahmen getrvfftn wer­den, um jegliche Schiebung auszuschließen. Die Verteilung jener Schuhwaren wird durch die Kom­munen organisiert w.rden.

Bon den Unabhängigen.

Berlin 8. Sept. Auf einer General- versammlungdes Brandenburgischen Bezirks­verbandes der Unabhängigen, die gestern stattsand, referierten Haase uno Däumig über Parlamentarismus und Rätesystem. Während Haase mit großer Schärfe gegen die radi­kale Phrase und gegen die Fetischrerehruug des Rätesystems sprach und die weitere Benutzung des Parlamentarismus als eine Waffe des revvlu- ttvnären Kampfes verteidigte, warf Däumig dem Vorredner vor, daß auch dieser sich im Grunde genommen nur wenig von den Rechtssozialisten untericheide. Auch Haase wolle, wie die Rechts- sozialisten, durch Demokratie zum Sozialismus g-langen. In Wirklichkeit müsse der Weg umge- l'ehrt durch den Sozialismus zur Demokratie führen. Der Parlamentarismus bebeute im jetzigen Augenblick, wo es ums Ganze gehe, eine ungeheure Gefahr. Eine Sammlung des revolutionären Pro­letariats sei nur auf dem Boden des revolu­tionären Rätesystems möglich, da5 die wuchtigste Waffe, des Proletariats, die Arbeitskraft, zusam- menfasse, um der kapitalistischen Gesellschaft beit Stoß zu versetzen. Die ..Debatte über die beiden Referate und die Beschlußfassung wurden auf eine spätere Versammlung versä-oben.

Aus Liessen.

Obcrhessische VanernLewegung.

# Krets Schotten, 8. Äpt. Orts­gruppen des Hessischen Bauernbun- des wurden gegründet in Ober-Seibertenrod mit (Vorsitzender Bürgermeister K. Rühl», in Ilsdorf eine sieche mit 28 Mitgliedern (Vorsitzender Ernst Schaubachi, in M i 11e l - S e e- men eine solche mit 20 Mitgliedern (Vorsitzender Hemrick) Nies) und in B usenborn eine sola> mit 22 Mitgliedern (Vorsitzender Wilhelm Hof­mann IIA

* Kreis Lauterbach, 8. Sept. Orts­gruppen des Hessischen Bauernbundes wurden ge­gründet ht Steinfurth, 30 Mitglieder, Vor­sitzender Beigeordneter Günther, in Fleschen­bach, 16 Mitglieder, Vorsitzender Heinrich Ort» ttetn in Obe r-Mvvs, 39 Mttglieder, in Rad- mühl, 30 Mitglieder.

* K r eis Alsfeld, 8. Sept. Ortsgruppen des Hessychen Bauernbundes wurden gegründet tn T a n n e n r o d, 29 Mitglieder, Vorsitzender ; Julius Binding, in Büßfeld, 25 Mitglieder,! Vorsitzender Johannes Stöcker, in Groß- Felda, 42 Mitglieder, Vvrjitzeiüer Rudolf Schüst- ler, in Ober-Ohmen, 79 Mitglieder, Vor­sitzender Johannes Höhler, in Nie'der-Brei- d e n b a ch, 17 Mitglieder, Vorsitzender Friedrich Zulauf, in Strebendorf, 30 Mitglieder, Vor­sitzender Heinrich Brrkenstock, in H e i m e r t s h a u- sen, 43 Mitglieder, Vorsitzender Lehrer Heinrich Bernhard.

Arrs Stafct und Land.

Gießen, den 9. Sept. 1919.

** Amtliche Persvnalnachrichten. Am 1. September ds. Js. wurde der Generalsekre­tär der La'idwirtschaftskammer, Oickonomierat Tr. Georg Hamann zu Darmstadt zum kommissari­schen Mitglied der Abteilung für Forst- und Kame- ralverwvltung des Ministeriums der Finanzen er­nannt.

** Aus dem Militär-W ochenblatt. Ter Abschied mit der gesetzlichen Pension und der Erlaubnis zum Tragen der bisherigen Uniform wurde dem Oberstabs- und Regimentsarzt Dr. Gerl ach und dem Oberstabsarzt d. Res. (Gießen) Dr. K i ß n e r bewilligt.

** Minister Oeser gegen die Un­ordnung in den Zügen, lieber die Un­ordnung in den Zügen wird jetzt viel und .vobl nicht mit Unrecht geklagt. Die Eisenbahnverwal- tung will deshalb schärfere Maßnahmen dagegen ergreifen. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat eine besondere Verfügung in diesem Sinne an die Eiseickahndirektionen erlassen. Die Klagen irHIBWIlllll ................ umr,«

nckteu sich u. a. insbesondere dagegen, daß in den Abteilen für Nichtraucher geraucht wird. Dann beschivert man sich darüber, daß die Reisenden in steigendem Maße eigenmächtig eine höhere Kliffe benutzen. Bekanntlich darf dies nicht ohne die Anweisung des Zugpersonals geschehen. Die Auf- sichtsbeamten sollen deshalb mit verschärftem Nachdruck gegen diese und andere Uebelst.inde vor­gehen. Tie Züge sollen häullger als bisher durch besondere Beamte.nachgeprüft werden. Vor allem soll dies auch auf den größeren Bahnhöfen ge­schahen. Die Uebelstände rühren meist von der Ueberfüllung der Züge her. Diesem Grundübel soll deshalb mehr als bisher vorgebeugt werden. In Betracht kommt dafür die Bahnsteigsperre und eine Einsckwänkung des Verkaufs von Fahr­karten, wie dies schon bisher in den einzelnen Fällen geschehen ist. Tie neuen Anordnungen mögen auch als Warnung für die Reisenden dienen, sich an die geltenden Vorschriften zu halten.

** Ein Lazarettzug mit Verwundeten aus französischer, Gefangenschaft Gegend von Lille kam gestern hier durch. Dr. Göhring richtete einige Worte der Begrüßung an die Heim­kehrenden. 47 Mann wurden ausgeladen und znm hiesi«m Durchgangslager überführt. Die Insassen dcs Lazarettzuges drückten ihr Erstaunen darüber aus, daß sich trotz des fast zweistündigen Auf­enthalts des Zuges die Regimentska pelle nicht zur Begrüßung eingefunden hatte.

, Zur Arbeitsbeschaffung für die Kriegsgefangenen hat der Reichsarbeits­minister eine einheitliche neue Verordnung über die Einstellung und Entlassung von Arbeitern imd Angestellten während der Zeit der wirtsck>aft- lichen Demobilmachung erlassen. Sie will den Heinckchrenden den Wiederaufbau ihres wirtsckaft- lichen Lebens erleichtern. Di.' Arbeitgeber werden verpflichtet, die früher beschäftigten Kriegsgefan- genen wiedereinzustellen. Früher war diese Pflicht auf gewerblick)e Arbeiter in Betrieben mit 20 oder mehr Arbeitern beschränkt. Jetzt wird fein Unterschied mehr zivischen gewerblichen und son- tigen Arbeitern, z. B. in der Landwirtschaft, ge­macht, noch auch eine bestimmte Betriebsgröße ver­langt. Die Sondervorschriften über die Streckung der Arbeit durch Verkürzung der Arbeitzeit wer­den jetzt auch auf die Angestellten angewandt, wie dies für die ganze Verordnung gilt. Die Frist für die Meldung der Kriegsteilnehmer beim alten Arbeitgeber ist für die Kriegsgefangenen und Zivll- intevnierten von zwei auf sechs Wochen ver­längert ivorden.

** Tas Wohltätigkeitsfest der ehe­maligen 116er auf ber Liebigshöhe bvichche nach> Abzug aller Unkosten den ansehnlichen Rein­ertrag pon etwa 6000 Mark, lieber die Art und Weise der Verteilung dieser Summe unter die Kriegsgefangenen wird später berichtet werden.

** Durch Einbruch wurde in der ver­flossenen Woche aus einer Wohnung in der H-nsel- straße 1 braune Handtasche, 1 Paar braune Tou­ristenstiefel, 1 Paar schwarze Herrenstiefel, 1 Paar Hosenträger mit Spiralen, 1 Browning, 2 weiße Herrenhemden, gezeichnet, rot Z. K., entwendet, außerdem heute ein breiter goldener Ring mit hockgefaßtem Brillmtt im Werte von 2000 Mk. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die hiesige Kri­minalpolizei entgegen.

** Als Mietgeldschwindlerrn tritt hier tn letzter Zeit ein Dienstmädchen auf, die sich Marie Müller aus Lang-Gons neimt, Bauern- kleider trägt, deren Namen fidj aber als falsch erwiesen hat. Es wird nachdrücklichst vor ihr ge­warnt und ersucht, falls sie wieder auftreten teilte, ber Polizei Kenntnrs zu geben, so daß man ihrer habhaft werden Ealtn. Auf Gnuck von Anzeigen in den Zeitungen, in denen Tienstmädck^en gesucht werden,, erscheint sie bei den Herrschaften, ver­mietet sich und tvird auch toegen ihres guten Ein­druckes stets angenommen. Sie läßt sich 3 Mark Mietgeld auszaylen und verschwircket.

** Besitz wechsel. Tas HanS Roonftr. 18 bisher dem Bauunternehmer Schcppelmann zu Gießen gehörig, ging für 50000 Mk. -an den Naturheilkundigen Joh. Schwab, zur Zett in Nttttte, über.

** Birnenversteigerung. Donnerstag deir 11. September sollen an den Kreisstrahen Lou- dvifNordeck unb LondorfKesselbachGells- Hausen die Birnen (Nabewauer-Graubirn) von etwa 16 Bäumen versteigert luerben. Näheres siehe An­zeige.

** Oefsentliche Bücher Halle. Im August wurden 1349 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 783, Zeitschris­ten 94, Jugendschriften 110, Literaturgeschichte 20, Gedichte und Dramen 29, Länder- und Völker­kunde 40, Kulturgeschichte 23, Geschichte und Bio­graphien 75, Kunstgeschichte 11, Naturwissenschaft und Technologie 40, Haus- und Landwirtschaft 13, Gesundheitslehre 15, Religion und Philosophie 25, Staatswissensckaft 26, Sprachwissenschaft 12, Fremd; prachttches 33 Bände. Nach auswärts kamen 19 Bände.

** Paketeinsammlung durch die Post. Es ist iwch nicht genügend befannt, daß die Post abzusendendc Pakete auf Bestellung a u S

den Wohnungen abholen läßt. Man brmrcht nur ein an das Postamt II gerichtetes offenes Schreiben (zweckmäßig auf Posrkartenfor- mnlar) mit den Porten:Paket ab ho len .bei (Name und Wohnung)^ nicht freigemacht in den nächsten Brrefkastelr zu werfen oder einem Brief­träger mttzugebeu, und die Sendung wird bei der nächsten Bestellfahrt gegen eine Gebühr, von 30 Pf. vom Hause des Absenders abgehvlt. Das Verfahren ist einfach und bequem und besonders wlck>en Personen zu empfehlen, denen kein Dienst- bote zur Verfügung steht.

" Belohnungen für den Nachweis v e r s ch o b c u e r Leeresgeräte. Es ist der Lessentlichreit immer noch ni.ht genügend bekannt, daß das Reichsverwertungsamt für den gZatf)' mere versckwbenen Heeresgeräts Belohnungen zahlt. Die AbteilungSBiebererfaffung", der beim Reickwschatzministerium die Bearbeitung der Hee- resgutschiebungen obliegt, hat in letzter Zett recht beträchtliche Prämien auszahlen tonnen. Wer Augen und Ohren offen hält und seine Wahr­nehmungen an die zuständigen Stellen toeiter» gibt, leistet also nicht nur dem Vaterlande Dienste und hilft die Schädlinge am deutschen SBoIte» körper bekämpfen, sondern hat auch noch die Chan­cen, für diese seine Aufmerksamkell reckil erheblich belohnt zu werden. Anzeigen dieser Art werden zweckmäßig entweder an ixe AbteilungWieder­erfassung" des Reichsschatzmttlisteriums, Berlin, Französische Straße 55, oder au fcte Zweigstellen des Reichsverwertungsamtes gerichtet.

. ** Inden Schwarz-Deiß-Licht- spielen tritt ab heute die beliebte nordisch- Künstlerm Gerd Nissen inTas Brandmal", ein Sitten- und Kriminalroman in 4 Akten, auf Außerdem kommt noch das tnvinftige Lustspiel Bräutigam als Braut" zur Aufführung.

Landkreis Gießen.

** Bauern, 9. Sept. Am Samstag aven» entstand auf bis jetzt unaufgeklärte Weise am Waldrand des Distrikts Baufchlag ein Wald- branb. Durch das tatkräftige Eingreifen der hiesigen Feuerwehr und dank dem geringen Wind; tonnte dem Feuer bald Einhalt getan werden. Ter angerichtete Schaden ist gering. P hil. Som - m erlab VI. mißhandelte gestern abend feinen Schwiegersohn, einen ruhigen Menschen, mit ein»m Stuhl ohne befanderen Grund in brutaler Weise, sv daß nach Anlegung eines Natverbondes beut: ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. Nächsten Sonntag findet hier das Dekanats-Gustav-Adolf-Fest statt. Die Festrede hält Pfarrer Strack von Wallernhaus«en.

O Grünberg, 9. Sept. Der flä bti [d)e' Voranschlag für 1919 schließt mit einer Ein­nahme- und Ausgabensumme von 286 894,13 Mk. ab. An Gemeindesteuern werden 72 696,16 Mk. erhoben. Gegenüber der allgemeinen Steucr- erhöhund ist unsere Gemeinde in ber angenehmen Lage, die Steuersätze vom Vorjahre etwas zu ermäßigen. Während im Vorjahve der Satz von 1,18 Mk. auf 1 Mk. staatliche Einkommensteuer zur Erhebung kam, genügt dieses Jahr schon ein Ausschlag von 1,08 Mk. Das allgemeine An- wackren von Vermögen in der Kriegszeit ermög­lichte diese Maßnahme. Zum Empfang bet Kriegsgefangenen bewilligte der Stadt- Vorstand einen Kredit bis zu 1000 Mk. Augen­blicklich ist man mit ber Errichtung einer Ehren- Pforte am Bahnhof befrftfftigt. Die Zahl der in Grünberg beheimateten Gefangenen beträgt 25.

-m. Utphe, 9? Sept. Am letzten Tonncr5* tag frühgegen 6 Uhr brannten auf dem hie­sigen Jpofgut zwei mit Heu gefüllte Scheuneir nieder. Zum Gluck befand sich das Getreide in den Feldscheuern, sonst wäre es vernichtet nmbm. 45 Wagen Heu fielen den Flammen zum Opfer. Man vermutet Brandsttftung, weshalb bei den Feldscheuern Wachen aufgeftellt wurd.'n.

Starkenburg und Rheinhessen.

sw. Darmstadt, 8. Sept. Nack) 8stürckiger Tauer wurde nach luxf^matigcn Verl?andlungen der Vertreter der Arbetter mit der Direktion des Theaters nick einem Vertreter des Minifleriums ein Arbeiterausstand am Landesthea- t i r behoben. Bis spätestens To-nner.tag follm die Wünsche des Personals erfüHt sein.

= S prendlingen (Kr. Offenbach), 7.Sept. In der Nähe des Vorwerks Neulwf wurden in der Nacht zum Samstag der Hilfsschutzmanir Hmrs Baum und die Arbeiter Möller unb- Stotz beim Obstste hlen txnt hefigen Flur- schützen überrascht. Ber dem dabei entstandenen Kamos schloß der Hikssschutzmarm mit seinem Dienst- revolver auf die Beamten. Anstatt diese zu treffen, schoß er feinen Mitdieb Möller mit einer ShuteE in den Kops. Baum und Stotz flolten darauf. Möller, der sich noch eine Strecke ans dem Rade fortschleppte, bann aber zusamimmbrach, wurde spä­ter aufgefunden und dem Krankeichaus Langen zu- geMhrt, wo er lMmmgslos darniederliegit. Baum wurde heute früh in seiner Wolmung zu Frankfurt verhaftet, er hatte sich Samstag vorsichtshalber schon von ber Hllfspolizer abgemeldet.

Das Glück der andern.

Original-Roman von Erich Ebenstein.

Copyright 1916 by Ordner & Comp., Berlin W 30.

(Nachdruck verboten.) Fortsetzung 2.

Bei Geras," antwortete Emmy, ohne aufzu- sehm «oder von dem lieblosen Hinweis auf ihre nun schon vier Jahve währende Verlobung mit Oberleutnant Ko mell Notiz zu nehmen.Aber sage Mama nichts. Sie würde sonst aufmerffam werden. Ich glaube, Lotte ist in Bertie Geras verliebt. .

Evelyn machte eine zornige Bewegung.

Dann werde ich Mama im Gegenteil bei­zeiten darauf aufmerkfam machen! Es wäre ja doch zu altern, wenn Lotte sich mit dem grünen Jungen, ber noch dazu Mutter und Schwester unterstützen mufc, einliebe!"

In diesem Augenblick trat die Mutter, Frau «tota Loienstein, ein und stellte das Abeickbvot auf den Tisch: eine Schüssel Kartoffeln in der fexyalc und zwei sauber entgrätete Heringe, die bereits in fünf Portionen geteilt warm.

Ä> u^cks?" fragte Evelyn naserümpfend.

Tic Mutter w.rrf ihr einen ärgerlichen Blick ru und antwortete sckmrf:Nein! Du tveißt sehr gut, daß ich auch jetzt am, Ende deS Monats nicht mehr vorsetzen kann. Es ist ja ein wahres Wunder, M Zck btsher mit der winzigen Pension ohne Schu.dm durchkam. zie anderen sind auch immer zuftv.dm, nur du nörgelst fortwälwmd! Vermute ttch, well du durch deinen Umgang mit Baronesse Millner verwöhnt bist und nicht ahnst, wie furchte bM:.schwer es bei den teuren Zeiten überhaupt ift, durchzukommen I"

»©ott ja, Mama, dos predigst du mir täg­liche bis zum Ueberdruß!"

Warum wlllst du es bann nicht endlich ein- sehen? Ich wollte nichts sagen, wenn du wenig­stens bemüht wärest, etwas zum Haushalt bei­zutragen. Emmy näht sich wenigstens ihre Aus­stattung und Lotte bereitet sich auf die Lehrerinnen- prüsung vor. Hilde Sattler nebenan gibt Klavier­stunden . . ."

,/Mag Sie! Sie wird dabei dann eben auch ewig ^ne arme, unbeachtete Klavierlehrerin bleiben. Wir aber tverben gute Partim machen!"

' Tie Mutter seufzte.

O ja wie Emmy zum Beispiel, die nun vrer Jahve mit Oberleutnant Kornett verlobt ist und wartet, daß ein Wunder ihnen die Kaution verfckafst. Ich sage ja nichts bagegen, denn sie haben sich lieb"

Evelyn unterbrach die Mutter spötttsch:

Ich aber sage dafür desto mehr Dagegen! Es war eine grenzenlos Tummheit von Emmy, an eine solche Bettel heirat zu beuten!"

Emmy fuhr zornig auf.

Ich berbitte mir diese Ausdrucksweise! Du natürlich in deinem kalten Hochmut, ber von Hiebe nie -eine Ahnung haben wird, nmnst bas dumm! Aber man wird ja sehm, ob du diefabelhafte" undgroßartige" Heirat wirklich einmal mackst, von der du immer träumst. Bisher habe ich nickst einmal bemerkt, daß du auf Männer überhaupt einen Eindruck machst. Tu bist ihnm viel zu kalt und herzlos!"

Evelyn lächelte. Sie dachte an Gottorb, mit dem sie vor einem halben Jahr halb aus Lange- melle, halb, um eben ihre Macht auf Männer-

herzen zu erproben,^ jenes Spiel begonnen, das beute nach ihrer Ansicht [ein Ende gefunden hatte.

Tie Ihren wußten davon nichts, kannten Paul Gotborb, der ber Hauslehrer von Beate Millners Brüdern war, nicht eutmoL

Sie selbst aber wußte sehr genau, baß ihre Macht nmn sie wollte eine sehr große war. Und.sie wußte bies nicht durch Gottorb allem . . Allewmgs hatte sie dabeileider" auch entdeckt, daß ihr Herz nicht so ganz dem Verstand untertan war, wie sie wünschte. Das überlegene Lächeln um ihren feingeschnittenen Mund vertiefte sich.

Weil ich mir keine Mühe gebe, die paar Jünglinge zu erobern, die mir durch Geras yb Sattlers kennen gelernt haben? Meine liebe lEmmy! M änner, wie ich sie mir als Bewerber bente, kommen nicht zu Losensteins in die Hüttcl- borserstraße!"

Natürlich! Tu denkst wohl an einen Prinzen, ber tm Palais Millner bei deiner Freundin Beate auf dich wartet!" höhnte Emmy gereizt.

Evelyn zupfte ein paar votblionde Löckchen zu- recht, bi; ll)r in die weiße Stirn gefallen warm. Nun^ es muß ja gerade kein Prinz fein. Aber mit einem Oberleutnant Habenichts wäre ich na­türlich nicht aufrieben!"

Streitet doch nickst immer, ihr beiden!" sagte ungeduldig.Es ist so ungernüte llkb- Modefta, geh und rufe Lotte, wir wollen lieber elfen, solange die Kartoffeln noch warm sind."

'Htte ijt woch nicht zu Hause, Mama . . ."

Sie wird, nock) bei Erna Geras sein," fiel Emmy hastig em,sie lernen ja immer nach der Schule noch zusanwten!"

Evelyn brach in boshaftes Lachen aus.

TaS beifit, sie läßt sich von Bertte Geros anschmachten! Ja, ja, sieh mich nicht so verdutzt an, Mama du wirft sehr bald das Vergügen haben, noch einer so aussichtslosen Verlobung, wie die Emmys.ist deinen Segen erteilen ?u dürfen! Ob dir das bann bei all deiner Vorliebe für rührende Liebesgeschichten gerabc anzenehn sein wird, lasse ich bahingestellt."

Frau Loscnsteins sorgenvergrämtes Gesicht starrte erschrocken von einer Tochter zur andern.

Emmy Mvdesta ift das ivalw?"

Beide schwiegen. Innerlich waren sf? empört über Evelyns rücksichtslose Art, der Mutter in dieser Weise Mitteilung von Lottens Herzens­geheimnis zu madien.

Aber das wäre ja wirklich schrecklich! Jetzt, wo Lotte nur mehr anderthalb Jahre zum Leh­rerinnenexamen bat! Und der junge Geras bit doch erst vor einem Jahr die Prüftingen gemarfit. Wer weiß, wann er eine Anstellung findet?"

Er ist cm strebsamer und begabter Mensch!" wagte Emmy zu bemerken.Ich glaube, daß er es noch einmal sehr weit bringen wird."

Wenn er bis dahin nicht verhungert ist," wart Evelyn ein.Jedenfalls wird Lotte eine alte Jungfer darüber: beim ans Heiraten ist da wohl noch lange nicht zu denken."

So wird sie eben auch warten, Ivie Egon und ich! Die Hauptsache ist doch die Liebe! Firmen Mädchen fliegen die guten Partien eben nickt nur fv zu, da muß meist ein paar Jahre gewartet werden."

(Fortsetzung folgt.)