Nr. 181
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pdjtschecNonto: gtenftnil a. M. 11686
Samstag, 9. August 1919
Erstes Blatt
169. Jahrgang
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
ZwMrngsnmdönKk u. Verlag: vruhl'sche Univ.-Vuch- u. Zteindruckerei R. Lauge. Zchristleitung, Geschästrstelle u.vnickerel: Zchulftr. 7.
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wochemitabNck.
Die Blicke des deutschen Boltes sind all- zusehr rückwärts gebannt auf den katastrophalen Zusammenbruch, den wir vor knapp einem Jahre erlebt hoben und von dessen Folgen — dafür sorgt die Entente — wir uns in Jahrzehnten noch nicht erholt hoben yerben. Ein Weltengebäude fiel in Trümmer, Weltanschauungen stürzten im Wirbel seines 'Sturzes mit, oder wankten in ihren Grundfesten. Was uns übrig blieb ist ein chaotisches Trümmerfeld auf dem wir neu aufbauen sollen. 9teu auf bauen. Dazu bedarf es sittlicher Kraft und zukunftsfroher Zuversicht, tu nahe liegt uns iiod> das erschütternde Erleben, als daß wir die Blicke frei bekommen Limiten für die Aufgaben, die vor uns liegen. Not drückt uns. Alles was wir tun, sind Ytotstandsarbeiten, die über die nächsten Tage binweghelfen sollen, aber keine Gewähr der Dauer in sich tragen.
Wir müssen den rückwärts gewendeten Blick losreißen und auf Gegenwart und Zukunft richten. Es ist menschlich verständig, daß wir angesichts des größten Zu- ammenbruchs der Geschichte nach den Ur- achen forschen, um zur Erkenntnis unserer eigenen Grenzen vorzudringen. Wir müssen wissen, warum der Bau des alten Reichs- oeväudes nicht tragkräftig war, wo seine Tragfähigkeit überspannt wurde. Wir müssen die Ursachen erforschen, die verantwortliche Staatsmänner und Heerführer zur Ueber- schätzung seelischer und materieller Kräfte, ju Fehlern in der Beurteilung der militäri- sihen und politischer Lage veranlaßten. Wir loben aber kein Recht, das zweischneidige Schwert der Parteipolitik gegen Männer zu zücken, denen niemand den Vorwurf machen lamt, sie hätten nicht zum Besten des Volkes zu handeln vermeint.
Wir haben noch nicht die sachliche Objek- irvität und den zeitlichen Abstand eine so । grundstürzende Epoche', wie die unsrige, in | ihren verborgenen und darum nicht minder I wichtigen Zusammenhängen, zu erkennen. Es I führt zu nichts, hier unb da ein Gliedchen ' der großen Kette hcrauszureißen und zu sagen: „Seht, hier ist die Wahrheit", während es nur ein Bruchstück ist, das im Zu- i sammenhang entgegengesetzte Bedeutung ge- wiimen kann. Eine solche Art der Wahrheitsforschung ist eher eine Wahrheitsverschleierung. Und hat es nicht den Anschein, als sei es unserer Regierung darum zu tun, durch solche Wahrheitsverschleierung unsere Blicke für Aufgaben zu verschleiern, die ihr näher liegen sollten und die sie noch nicht zu lösen vermochte?
Alle diese Aufgaben, die der Lösung harren, lassen sich im Rahmen einer kurzen Betrachtung nicht einmal aufzählen. Immer intb immer wieder ließe sich dabei die Frage «heben: „Was gedenkt die Regierung dagegen zu tun?"
Eines sei hervorgehoben, was uns mit schwerster Sorge erfüllen muß. Nach fünfjähriger systematischer Aushöhlung seiner körperlichen Kräfte tarnt nun der Deutsche für schweres Geld sich soweit unrationierte Lebensmittel beschaffen, daß er wenigstens einem weiteren Kräftevarfall entgegenzuwir- !en vermag. Nach öjähriger seelischer Höchstspannung työnnt sich mancher eipto Parze Erholung in einem Winkel des Deutschland, das uns noch.geblieben ist. Er wird heirnkehren, und es wird in den Winter gehen. Und dieser Winter wird vielleicht furchtbarer sein, als die letzten Winter des Krieges. Wir werden vielleicht keinen Brand haben und kein Licht. Wir werden unseren Verkehr emsch-ränken, müssen. Die Ernährung wird einschneidende 1 Störungen erfahren. Wir werden die Kohlen- forberungen des Friedensvertrages nicht erfüllen, gegen Kohle keine Nahrungsmittel im Ausland kaufen können. Wer auf dem Lande herumkommt, weiß, wie jetzt schon unsere Ernte gefährdet ist, weil es an Druschkohlen mangelt.
Eine Kohlenkonferenz hat in den letzten Tagen unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Bauer in Berlin stattgefunden. Ihr Ergebnis war niederschmetternd. Der Rückgang der Produktion ist so groß, daß sie droht, das Verkehrswesen und die Industrie lahmzulegen. Wenn auch von den Alliierten zugegeben wurde, daß die Lieferung der lnc Friedensvertrag festgelegten Menge von 4® Millionen Tonnen eine physische Unmög- llchleit ist, so werden sie doch auf Lieferung erheblichen Mengen bestehen, denn die Dohlenlnappheit ist eine Weltkrisis. Daher isst auch an Einfuhr von. Kohle nicht zu denken. «.'Der kommende Winter", so lautet der Trost preußischen Eisenbahnministers, „wird / Deutschland auf jeden Falt in Hinsicht auf
Einfuhrmaterial die einschneidendsten «ulschränkungen auferlegen, er wird eine «ohlerrnot von großer Härte mit manchen
unvermeidlichen Entbehrungen für die Bevölkerung bringen." Unter solchen Umständen ist ein preußischer Erlaß, der in den preußischen Staatsforsten ein Drittel Brennholz mehr als bisher schlagen läßt, auch nur eine mäßige Abhilfe. Die Kernfrage deS Problems ist, wie die Regierung die Arbeitswilligkeit in den Gruben, die dauernd von wilden Streiks heimgesucht werden, wieder erweckt. Stellte dock) ein Delegierter aus dem Ruhrgebiet fest, daß im laufenden -Monat auf 27 Arbeitsschichten von 7 Stunden in 27 Arbeitstagen 31/2 Feierschichten auf den Mann kamen. Und in den Arbeitsschichten ist die Produktion so schwach, daß der „Vorwärts" die Möglichkeit voraussieht, die Entente werde durch Einfuhr fremder Arbeitskräfte eine Erhöhung der deutschen Steinkohlenförderung erzwingen, woduttch wir uns im Gebiet der gesamten Steinkohlenindustrie einer erhöhten wirtschaftlichen Versklavung durch die Entente aussetzten. Es besteht sogar die Gefahr, daß sich die Entente bei Nichterfüllung der Friedensbedingungen des Ruhrgebietcs bemächtigt. Was gedenkt die Regierung zur Hebung der Kohlenproduktion zu tun? Das ist eine Frage, die uns mehr bewegt als die Frage wer schuldiger ist, als Herr Erzberger, damit man Pie Mißstimmung des Volkes auf ihn abwälzen kann.
Diese Frage berührt uns auch mehr, als die Vorgänge im Osten unseres Reiches, wo ein Habsbürg den Bolschewisten Bela Khun in der Regierung Ungarns abgelöst hat. Mögen die Weltverbesserer und Weltverteiler in Versailles, möge die Entente dort Ordnung schassen. „Was gehen uns die Sorgen des reichen Herrn Rothschild an", sagte dieser Tage Theodor Wolff im „Berliner Tageblatt im Hinblick auf die Verwicklungen, die der Entente bei ihrer Grenzregulierung in Europa und Asien aufleimen. Uns liegt auch hier näher. Daß uns die eigenen Grenzen so wie sie uns beschnitten wurden, erhalten bleiben.
Schwere Sorgen lasten auch hier auf uns. Für eine Neugruppierung der Territvriälstaa- ten unter Betonung der Stammeszugehörig- keit treten auch wir ein, aber wir verurteilen jedes landesverräterische Treiben, das in Loslösungsbestrebungen vom Reiche gipfelt. Die Bewegung für eine Neugestaltung der innerdeutschen Grenzen wächst überall, zumal in den Grenzlanden, und die „Köln. Volksztg." hat recht, daß Volksbewegungen nicht mit Paragraphen wtzuschlagen sind. Es ist fraglich, ob bei dem Sturmlauf in den Rheinlau- den die Sperrfrist des § 18 der Reichsverfassung beibehalten werden kann. Das im Rheinland mächtige Zentrum hat sich durch eine Entschließung des Augustinusvereins (Kath. Preßverein) gegen seine Abgeordneten der Nationalversammlung, die für die Sperrzeit stimmten, erneut der Rheinlandfrage angenommen. Die „Köln. Volksztg." hofft auf einen Kompromiß mit den Zentrumsabgeordneten der Nationalversammlung und den ausgesprochenen Anhängern einer Rheinischen Republik bzw. eines Rheinischen Gliedstaates. Das Zentrum will also erneut mit dem Landesverräter Dorten zusammengehen und seine Sache zu der eigenen machen. Unter solchen Umständen ist die Betonung, daß man den westdeutschen Gliedstaat „im Rahmen des Deutschen Reiches" wolle, ohne Wert, denn Dorten und Konsorten sind mit den Alliierten so liiert, daß ein losgelöstes Rheinland sofort französischem Einfluß unterstellt wäre. Dem entgegenzuarbeiten ist unsere unabweisbare Pflicht. Volksbewegungen lassen sich nicht mit Paragraphen totschlagen, aber sie müssen in die rechten Bahnen gelenkt werden. Das besetzte Gebiet darf nicht sich selbst überlassen, es muß durch Zusammenschluß mit weiten, rechtsrheinischen Gebieten — wie es dec Plan Groß-Hessen oder Nheinfranken vorsieht — mit dem deutschen Reiche unlöslich verankert werden. Der grofeügigen Propaganda, die Torten wahrscheinlich sogar mit französischen Geldern entfaltet, muß von uns aus entgegengearbeitet werden. Der dentsckie Michel darf nicht wieder schlafen, wenn ihm unersetzlichste Glieder -entrissen werden sollen. Wie können wir ein neues Haus errichten, wenn wir uw- tätig zusehen, daß uns die Wände eingertffen werden! Richten wir den Blick von der Vergangenheit auf Gegenwart und Zukunft!
Gefahr eines neuen Cisenbahnerftreiks.
Berlin, 8. Aug. Der „Berl. Lokalanz." erfährt von zuständiger Stelle: Der neuen Streck- Hetze unter den Eisenbahnern, die von Erfurt crus unter Leitung des Rechnungsrev'.sors Sch u tz ftebbTroirb von der Regierung größte Wichtigkeit beigemessen. Gewisse Vorgänge lasten nämlich erkennen, daß diese neue Bewegung mit kommunisliick)eii Wühlereien zusrmmenhangk Von verschiedenen lommnnsttischen Führern in Mitteldeutschland ist nämlich in den letzten Tagen erstatt worden, daß man in vier, spätestens aber m lechs Wochen losschlagen würde, um m D e u t) ch l a n d die Macht an sich iu reißen. In erster
Linie müßte man dafür sorgen, den gesamten Verkehr in Deutschland still z ule ge n, da mit die Regierungsmaßnahmcn bei diesem neuen Putsch möglichst ecschtoert würden. So steht )ich denn das Ministerium der öffentlichen Arbeiten der drohenden Gefahr eines neuen Erie n- bahnerstreiks gegenüber. Dabei hat stch bic Regierung nicht nur an ihre Versprechungen gehalten und sie praktisch durchgeführt, es ist nicht nur eine Reihe mittlerer Eifenbahnbeamten in höhere Stellen ausgerückt, sondern es sind auch andere Wünsche der Eisenbahner erfüllt worden oder gehen der Erfüllung. entgegen. Trotzdem den Eisenbahnern alles dies bekannt ist, sind sie bereits am 6. Juli in Erfurt zu einer neuen Versammlung zusammen getreten, in der die Vorbereitungen für einen neuen Streik getroffen wur- ocn. Von der Eisenbahndirektion wurde seitdem nicht nur das Ministerium ständig auf dem Laufenden gehalten, sondern man versuchte, die Ersen- bahner über das niederträchtige Treiben radikaler Drahtzieher aufzuklären. Trotzdem haben die a^cker der neuen Bewegung einen ziemlichen Anhang gewonnen. Es ist festgestellt worden, daß es fach um eine kleine Clique handelt, die aus persönlichem El/rgeiz diese Bewegung schürt, dhe unter der Flagge der Demokratisierung der Eisenbahnen die große Masse der Eisenbahner irre- führt. Es sind Anzeichen vorhanden, daß die große Masse der Eisenbahner dm Ausstand gar nicht haben will, und es ist sehr zu bezweifeln, daß bei einer einwandfreien Abstimmung sich eine große Anzahl für diese Lockung einfangen läßt. Aber es ttrirb der unglaublichste Terror aus - geübt. Unter der Drohung, daß sich weigernde Eilmbahner unweigerlich an die Lust gesetzt wer- ben, erpressen die Schürer der Bewegung mit allen Mitteln Beiträge für einen Streikfonds. Da die Bewegung bereits auf mehrere Punkte Mitteldeutschlands über gegriffen hat, kann man ersehen, wie gefährlich sie ist. Von der Regierung, die schon unter dem Zwang der drohenden Kohlmnot mit den größten Schwierigkeiten zu rechnen hat, werden alle Maßnahmen getroffen, um die Bewegung zu unterdrücksr.
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Italienische Arbeiter für die Saargrrrveu.
Bern, 8. Aug. (Wolff.) Das Zentralorgan der italienischen Gewerkschaften teilt mit, daß Frankreich von Italien 150 000 Arbeiter erbeten habe, die in den 93ergroertat des Saarbeckens die deutschen Bergarbeiter ersetzen sollen, weil diese unter dm versklavenden Arbeitsbedingungen nicht arbeiten wollten. Das Blatt fordert die italicnischm Arbeiter aus, alle von Frankreich ausgehenden Arbeitsanerbieten mit dem größten Mißtrauen aufzunehmen.
Englands Kohlenförderung.
London, 8. Aua. (Wolff.) Reuter. Im Unterhaus teilte Bridgeman mit, daß die Kohlenförderung in der mit dem 27. Juli endigenden Woche nur 2*/2 Millionen ergeben habe. Das bedeute gegenüber den durchschnittlichen Wochenziffern für die Periode vor dem 16. Juli eine Verminderung um nahezu 50 Prozent.
Schwierige finanzielle Lage Englands.
London, 8. Aug. (Wolff.) Reuter. Im Unterhaus gab Chamberlain eine sehr ernste Erklärung über die finanzielle Lage ab und sagte: Wenn Die Ausgaben nicht vermindert werden und die Produktion nicht vermehrt wird, geht das Land ge^adewegsdem Bankerottentge- g e n. Das einzige Heilmittel für den ungünstigen Stand der Valuta sei, die Einfuhr zu vermindern und die Ausfuhr nach den Ländern zu vermehren, die bar zahlen könnten. Man werde der Lage Herr werden können, wenn das Volk den Schwierigkeiten geeinigt und mit Patriotismus begegne.
Ein weiterer Rechtfertigungsversuch der Regierung.
Berlin, 8. Aug. (Wolff.) In der „Deut- schm Allgemeinm Zeitung" von heute abend wird von besonderer Seite unter der Nebers chri ft „Wie ich es auffasse — Herr Michaelis und die Frie- dmsfühler" ein Artikel veröffentlicht, der sich gegen die Michaels - Hindenburtzs - Luden- dorff-Helfferich-Erklärung über die Vorgänge vom September 1917 wendet: „Wenn Michelis seine und die Haltung der Regierung zu rechtfertigen sucht dadurch, daß er die Ernsthaftigkeit des englischen Friedensfühlers wegleug- net, so hat er immer noch nicht verstanden, woran es ankommt. Die damalige Regierung ist nicht schuldlos, weil die Engländer es an einem ernsthaften Friedenswillen haben fehlen lassen, sondettt sie hat schuldhaft gehandelt, weil sie einen ernsthaften Friedenswillen niem al s bewiesen hat. Die Regierung hat ganz richtig in der belgischen Frage das Kernstück der Fttedens- äktion erkannt. Trotzdem und trotz ihrer Ver- fprechm an die Parteiführer hat sie sich niemals zu einer Erklärung über Belgien verstehen formen. Gerade die Stelle, die die größte Macht und den stärksten Einfluß hatte, war am weitesten entfernt von der Zustimmung zu einer solchen Erklärung. Dies geht am klarsten aus dem Schreiben Michaelis an Hindenburg vom 12. September 1917 hervor. In diesem teilt er mit, daß er die Forderung der Obersten Heeresleitung in seine Vcrhandlungspläne aufgenommen habe. Durch H armesworths Darlegungen im Unterhaus ist der Beweis geliefert, daß auch der neutrale
Vermittler zu einer Erklärung von deutscher Seite nicht ermächtigt war. Harmesworth begründet auch das Scheitern jedes weiteren FrüchepsgespräckZS damit, daß die deutsche Regierung keine Erklärung über Belgien abgegeben habe. Der Artikel schließt: Michaelis führt durch seine ganze Darstellung, die sich bezeichnendenveise auf das Zeugnis von Herren stützt, die bis vor kurzem feierlich erklärt haben, sie wußten von der ganzen Angelegenheit nichts, lediglich den Beweis, daß auch über ferner Leitung der auswärtigen Polittk und seine Einschätzung von Begriffen wie territoriale Integrität mtb Souveränität die verhängnisvoll« Motte stehen: Wie ich es auffasse."
Eine Abstimmung in Ratibor.
Berlin, 8. Aug. (Wolfl.) Der „Vor- wärts" meldet: Bekanntlich ist dem südlichen Teil des oberfchlesischen Bezirkes Ratibov von der Entente oas Recht auf Volksabstimmung nicht zuerkannt worden. Wie wenig aber die Bevölkerung des Ratt- borer Bezirks geneigt ist von Deutschland loszukommen, beweist eine Abstimmung, di« spontan aus der Bevölkerung entftanben ist und die alle Wahlberechttgten einschließt. 95 Prozent aller Wahlberechttgten stimmten für Deutschland, die übrigen fünf, Prozent verhielten sich indifferent und nur, vereinzelte Stimmen erklärten sich für den Anschluß gn Tschecho-Slawien.
Die proviforische Negierung in Budapest.
Budapest, 8. Aug. (Ung. Korr.-BureTu.> Die provisorische Regierung wird solange im Amte bleiben, bis der Erzherzog nach Anhörung dec Landbevölkerung, der Arbeiterschaft und der Bürgerschaft ein liebergangskabinett ernennen kann. Ihre erste Ausgabe ist die Aufrecht- .erhaltung des inneren Friedens und der Ordnung^ Die Einwohnerschaft begrüßte die historische Wen-, bujig in dem Geschicke des Landes mit großer Freude. Nach den Stürmen der BergangeitheiL wirkt das Hervortteten der Person des Erzherzogs Joses beruhigend und verheißend. Heute früh erschienen die während der bolschewistische» Aenr unterdrückten Blätter in Extraausgaben,' die int Nu vergriffen waren. Die Häuser tragen festlichen Flaggenfchmuck in den seit Monaten vermißten ungarischen Farben. Aus den Sttahen herrschte den ganzen Tag lebhaftes Treiben. Nach ans der Provinz eingetroffenen Nachrichten sand die Nachricht von der Ernennung der provisorischen Regie« rung auch auf dem Lande überall begeisterte Stuf* nähme.
Brandstiftungen in Portugal.
Bern/8. Aug. (Wolff.) Der „Temps"! meldet aus L i s s a b 0 n: In der ganzen Provinz und m Lissabon selbst dauern die verbrecherischen Brandstiftungen an. Im Militärpark von Lissabon brach einBrand aus. Es wurden mehrere Verhaftungen vor- genotnmen.
Sus dem besetzten Gebiet.
Verkehrserleichlerungen im besetzten Gebiet., Der Oberbefehls! aber der 10. Armee, General' Mangin, erläßt eine Reihe von „liebergangs- vvrschriften zur Regelung des Verkehrs der Schifffahrt, der Fischerei und der Jagd int Bereich der 10. Armee", die im Bereich der 10. Armee bedeutende Verkehrserleichterungen bringen, int Verkehr vom unbesetzten ins besetzte Gebiet aber nichts wesentliches ändern. Im besetzten Gebiet fallen die Sperrstunden weg, der Verkehr ist Tag< und Nacht freigegeben. Die rote Karte genügt für. das gesamte besetzte Gebiet, zum betreten des Bereichs der anderen alliierten Armeen bedarf es des Zwischenzonenstempels. Für die Reise ins besetzt» Deutschland können Geleitscheine auf drei Monate ausgestellt werden. Die Rückwanderung er*, folgt nach wie vor durch' das Griesheimer Lager.t Personen, die vor deml 1. August 1914 int besetzten Gebiet ansässig waren, können zurückwandern, ohne daß es einer anderen Förmlichkeit als der Durchsicht ihrer Papiere und der Feststellung der Inden- tttät bebarf. Sie braunen nicht im Xiager zu bleiben. Die Stunde des W i r t s ch a f t s s ch l u s s e s wird auf Mitternacht verlegt. Der Gebrauch des Telephons ist freigegeben. Die Reise aus dem unbesetzten nach dem besetzten Deutschland erfordert einen Geleitschein, der beim Oberbefeblshaber der ^Armee zu beantragen ist. Er wird für längere Zeit als einen Monat nur nach Anhörung des Kreisadministta- tors, für kürzere ohne einen solchen erteilt. Zur Erleichterung von Sonntags- und Feier- tagsausflügen ins besetzte (Gebiet werden besondere Erlaubnisscheine, die unverzüglich ausgestellt werden körnten, von den Verbindungsoffizieren in Frankfurt und Darmstadt foldxn Personen und Gesellschaften bewilligt, die darum nach- Men. Diese Bestimmung ist die wesentlichste Er- leichtenma. Ein besonderer Passus befaßt sich mit dem Aufrttthalt in den Taunusorten und in Wiesbaden. Es heißt dort, daß dafür besondere Vorschriften erlassen werden. Wie der „Mainzer Anz." erfährt, soll es sich dabei, entsprechend dem ganzen ©rmt der Verordnung, ebenfalls um Erleichterungen handeln, insofern als der Verkehr zwischen den Taumisorten, die vielen Kranken und Erholungsbedürftigen Kräftigung bringen, und dem unbesetzten Deutschland anders gestaltet und der- einfacht oder für den Kurgebrauch besondere Bestimmungen gcrioffen werden. Es kann auch daran gedacht werden, daß zahlreiche in der Grenzzone wohnenden Personen Besitz im besetzten Gebiet ha*.


