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m. 287 Swett« Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Montag, 8. Dezember W9
Die Hebung unserer landwirtschaftlichen Produktion.
Der Präsident des Hessischen Landes-Ernäh-- LungSamteS, Neumann, veröffentlicht in der „Darmstädter Zeitung" längere Muemlfynmgcn, denen rotr folgenöed entnehmen: Die deutsche Landwirtschast ist heute nicht in der Lage, das deutsche Volt zu ernähren. An dieser harten Tatsache ändern alle Schönfärbereien nichts. Während vor dem Kriege noch eine Fläche von 15 Millionen Hektar bewirtschaftet wurde, beträgt die heutige Bewirtschastungssläche nur nodj etwa 13 Millionen Hektar. Aber nicht nur die Anbaufläche ist zurückgegangen, sondern auch die Erträgnisse des Bodens haben einen gewaltigen Rückgang erfahren. Es ist oft gesagt worden, daß während des Krieges mit unserem Boden Raubbau getrieben wurde. Wie groß dieser Raubbau war, mögen folgende Zahlen beweisen: Nach der Statistik wurden vor dem Kriege vro Morgen 11,5 Zentner Weizen geerntet, während die Ernte jetzt nur noch 7—8 Zentner beträgt. Bei anderen landwirtschaftlichen Produkten zeigt sich derselbe Rückgang, ja bei Kartoffeln und Zuckerrüben ist er noch wesentlich größer.
Die erste Voraussetzung für eine Verbesserung unserer Ernährungsverhöltnisse ist also die Hebung der landwirtschaftlichen Produktion. Dies kann nur geschehen, wenn dem Boden mehr Düngemittel zugeführt werden, wie es in den letzten Jahren möglich war. Durch den Rückgang der Viehzucht fehlt es an natürlichen Düngern. Höchstens 50 Prozent der Friedcns- prvduktion an Stallmist stehen heute der Landwirtschaft zur Verlügung. Biele Landwirte, die früher nie daran gedacht haben, künstliche Dünger zu verwenden, sind heute zu seiner Verwendung infolge Mangels an Stallmist gezwungen. Die Nachfrage nach künstlichen Dlingern ist desl)alb enorm gestiegen, während die Produktion dauernd zurückgegangen ist und nicht im entfernte freu die Nachfrage decken konnte. Außer der Knappheit hat auch eine enorme P reissteigerung aller künstlichen Düngemittel stattgefunden. Diese Preissteigeruirg hat auf die Verwendungsfreudigkeit der Landwirte wiederum einen außerordentlich nachteiligen Einfluß gehabt.
Das Reich wendet heute gewaltige Mittel Dur Verbilligung von Lebensmitteln, die aus dem Auslände eingeführt werden, auf. Fünf Milliarden Mark sind bisher für diesen Zweck von der Nationalversammlung bewilligt worden. Man nehme einen Teil dieser bewilligten Summe und verwende iljr zur Verbilligu n g der künstlichen Düngemittel. Dadurch würde der Landwirtschast die Möglichkeit gegeben, billiger -u produzieren. Der Bauer würde mit dem Düngemittel nicht mehr so sparsam umgehen, wie bei den jetzigen hohen Preisen, und dem Boden zuführen, was ihm gehört. Nur wenn das geschieht, kann an einen Abbau der Preise für Lebensmittel herangetteten werden. Steigem aber die Preise für künstliche Düngemittel weiter, wie es jetzt der Fall ist, dann wird die Verwendung eingeschränkt, die Erttägnisse des Bodens geben weiter zurück, und ein weiterer Rückgang bedingt Steigerung der Preise.
Außer der notwendigen Verbilligung der fünftfid^n Düngemittel ist weiter erforderlich, die Produktion zu steigern. Die Landwirtschaft hat für das Erntejalpr 1919 mir rund die Hälfte des Stickstoffes und rund ein Drittel der Phosphorsäure wie im letzten Friedensjahre, Kali nur rund 12 Proz mehr erhalten Dazu fehlen rund 50 Prozent des Stallmistes. Beim Kali ist zu bemerken, daß 1918 von der Landwirtschaft fest bestellt waren 1 200000 Tonnen, ober nur 800 000 Tonnen geliefert werden konnten. Die deutschen Sttckstoffwerke sind gebaut für eine Leistung von 500000 Tonnen Stickstoff, das ist das 2'/i>sache des Friedensbedarfs. Es müßte non möglich fein, das Doppelte des Friedens- bedarss der 200000 Tonnen betrug, also rund 200 000 Tonnen Stickstoff mehr herauszubringen. Kali haben wir im Frieden 1200 000 Tonnen gefördert, davon blieb die Hälfte im Inland, die aubere Hälfte wurde auSgeführt. Auf Grund dieser Zahlen müßte es nun heute möglich sein, eine Million Tonnen Reinkali der deutschen Landwirtschast zuzusühren. Bei der Phosphorsäure können wir nicht helfen; es fehlt die Anfuhr von Rohphosphaten und 50 Prozent des Thomasmehls vom linksrheinischen Gebiet. Nun wird aber Plwsphorsäure vom Boden mehr festgehalten. als die beiden anderen Nährstoffe. Es wäre bei Phosphorsäure deshalb zu ertragen, wenn noch einige Jahve weiter Raubbau ge- tritben würde.
Es bleibt also racr die Verwendung von Stickstoff und Kali übrig. Würde man der
deutschen Landwirtschaft 400 000 Tonnen Stick- swff und 1 Million Tonnen Kali Mführen, was zweifellos möglich ist, dann ivürbat wir im nächsten Jahre voraussichtlich so hohe Getreide- und Kartoffelernten machen, daß wir nicht nur die Bevöllcrung voll mit Brot und Kartoffeln ernähren, sondern auch noch Schweine mästen könn- etn. Die Landwirtschaft (ihutte billiger produzieren, sie könnte meljc produzieren und für die Bevölkerung gäbe cs wieder mehr und billigere Lebensmittel. Die Grundbedingung für den Wiederaufbau unserer Wirtschaft und der Gesundung des Volkes wäre damit erfüllt. Eine andere Möglichkeit, um aus dem jetzigen Elend lieraus- zukommen, ist nicht gegeben, deshalb muß geschehen, was allein uns Helsen kann.
25jähriges Jubiläum öcs städtischen Wasserwerfer.
Heute vor 25 Jahren — am 7. Dezember 1894 — fand die feierliche BetriebZübergabe und Inbetriebnahme des Pumpwerks Queckborn der Stadt Gießen ftitt.
Die Vorarbeiten für die Anfänge der städtischen QuÄlttasserversorgung begannen Mitte der siebziger Jahre des vorjährigen Jahrhiuiderts. Es nnrrben zunächst im Jahre 187b jenseits der Lahn Nahrungen niedergebracht, die aber feinen Erfolg geyeigt haben. Man begann mm mit den Schürfungen im Quelleimebi't de- Erlenbrunnens und am Amtebevg im fiskalischen Wald fct der Nähe dos SchfffenbcryeS. Zwischendurch besckMiate man sich mit den bedeutenden Mengen Wasser des Vvamlsteinbevgwcrkes. stäach dem Gutachten wurde dieses Projekt aber fallen gelassen.
Mitte des Jahres 1882 wurde beschlossen, die Quellwasserleitung aus dem Stadl Walde in Ausführung zu bringen. Es wurde ein 440 Meter langer begehbarer ©trotten am Erlenbrunnen imb ein etwa 20 VÖeter langer Stollen am Anncbevg getrieben, sowie ein 1/0 Kubikmeier fassender Wasserbehälter auf dem Lutherberge erbaut. Nachdem das vorgesehene Straßenrolwnetz hergestellt war, erfvljgke cm Jahre 1883 die Wasserabgabe durch 16 ösintttiche Lentilbrunnen.
Im Jahre 1885 wurde am Hubertusbrumnen eine weitere Queklsassungs mittelst S4terlei:mlg aus- geführt ine) an die vorgenannte Znbringerleitung angefchlossen. Msdann wurde im fragenden Jaber in der Gemarkung Große n-Bnseck eine begehbare und 60 Meter lange Sa mmelg aller ie her gestellt und diese mit dem Wasserbehälter aus dem Lutherberge mit einer 6830 Meter langen und 175 Millimeter weiten Zubrin^rleitung in Ber- Wasserbehälter eine Vergrößerung um 350 Kubikbindung gebracht. Zu gleicher Zeit erfuhr der Wasserbehälter eine Vergrößerung um 350 Kubikmeter Nutzinhlllt unb es wurde im Jahre 1886 tDnennxiffer in die Häuser geleitet. Der Gesamt- wasserzulauf betrug täglich rund 500 Kubikmeter. Durch ben Bau einer weiten Sammelgallerie wurde di? Gewinrrungsanloge im Grvßen-Busccker Gebiet 1889 erweitert und 1890 wurde der Wasserbehälter auf dem L-urherberge auf 1000 Klubü- mcter vergrößert. '
Die anfänglich mir für ein beschränVeS Bedürfnis angelegte Queltwasserteitung lixtrbe immer unzuoeichcnder. Da m der NKfte der Stadt Gießen größere Quellengebiete nickst rwrlxmben waren, ent- schlos; sich die Stadtverwaltung, baß fcTx ergiebige Quellengebiet westlich von Qlreckoorn zu erwerben. Am 11. Dezember 1893 wurde mit den Ourllfaffu ngScrbeitat begonnen und ein Bnnmen mit 3,50 Meter Durchmesser und einer Tiefe von etwa 8 fDtdrr, auf festem Basalt stehend, erbaut. Gleichzeitig wurde mit dem Bau des Kessel- imd MalchinenlMlses, eines 30 Meter hohen Kamins und der der Grün- berger Landstraße entlang laufenden, etwa 18 000 Meter langen Zubringerleitung von 275 Millimeter begonnen.
Der auf dem Üuftttbenge ftebarte Wossetbel>Ater daher in der NK-e des Dorfes Aiinerrd, 5,2 Kilom. liegt nicht hoch genug, um die erhöbt liegenden Stadtteile grnügenb zu beroäffem. Man beschloß daher in der Nähe dcs Dorfes Annerod, 5 2 Kilom. von Gießen entfernt, einen WastetbeMter von 3000 Kubikmeter Fasfungsraum hcrzustellen, bider HochdruckbelEter wurde mit dem NüLerdrilckbe- häller auf dem Luther berge mit einer 225 Millimtr. weiten und 3920 Meter langen Rohrleitung verbunden. Die Sohle des Niederdruckbehälters liegt etwa 26 Meter über dem Niarktplatz in Gießen, die des Hochdruckbehälters etwa 60 Meter. Das Stadtrohmetz wurde nun vollständig ausgebaut und in 2 verschiedene Druckzonen geteilt.
1905 wurde eine Erweiterung der Brunnen- ankagc des Pumpwe-ä^ QueLorn vvv^envnnnen. Aach die Maschrmmcmlage wurde im gleichen Jahve durch den Einbau einer Dampfmaschine mit direkt verbundener Punrpe von 120 Kubikmeter Stundenleistung erweitert.
Seegespenftec.
Roman von AnnyWothe.
AjKritaetacb^ CepviW 1<na KaB? Vo^e-Me, Ldpdg.
kNachdrack verboten.) Fortsetzung 5.
„Na, da- alte Takelzeug soll hier des Nachts rum geistern Am Tage hat es noch kein Mensch gesehen Aber jede Nacht, so behaupten btc Lister, zieht es durch den Königshafcn und bann ankert es hier, gerade gegenüber vom Gotteskoog. Ganz gespenster da ft soll eS ausjchen. Weder Steuermann noch Matrosen wären da. Die Leute furo schon völlig närrisch geworden, beim Ingewart FeriS ist aus List zn Haufe. Man behauptet, die Sache ginge nicht mit rechten Dingen zu. Jngewart Fertt alte Mutter liefe wie wahnsinnig tn List herum und behauptete, ihr Sohn lebe, während die Lister sich geheimnisvoll zuflüstern, er wäre tot und das Gefpensterschift erschiene, seinen Tod zu künden."
Estrid sagte kein Wort. Stumm räumte sie das Geschirr ab, während der Kapitän leise lachte.
„Ww abergläubisch doch das Seevolk ist. Nun soll der „Schwarze Falke" gar ein Geisterschiff fein. Bor zwei Wochen bin ich ihm erst im Kanal "hegend."
Klirrend fiel Eströd ein Teller ans der Hand.
, Wie ungeschickt," sagte sie, sich bückend, die Schoben aufzulesen, um die tiefe Mat zu verbergen, dre über ihre Wangen flammte.
Ter Kapitän sah forschend der jungen Frau fat daS heiße Gesicht. Peter Bouken meinte gleichmütig»
„Na, es gibt schlimmere Tinge, als ein zerbrochener Teller. Aber das kommt davon, wenn man, wie Estrid, an Geister glaubt. Doch ich muß sehen, daß ich die nasse stuft ruuterkriege. Abjüs KinnerS."
Er nickte ferner Frau und dem Bruder gemütlich zu, bann ging er mit dröhnendem Schrrtt ins Haus.
„Ein prachtvoller Mensch, der Peter/' sagte der Kapitän, ihm nachblickend. „So tret innerlich ausgeclichen, so verläßlich und treu. Ihr habt einen Schatz in ihm gefunden, Frau Estrid."
Diese hielt noch immer wie geistesabttxfend den zerbrochenen Teller in der Hand.
„Me,nt 3br?" gab sie tonlos zurück. Dann schritt sic dem Zimmer au.
Bent Banken sah ihr kopfschMelnd nach.
Schön war ja die Frau seines Bruders, mehr als fd>dn, aber so einfach schien das Auskommen nicht mit ihr. Woher sie dieses Lächeln halte, dieses
Lächeln um den Mund von seinem Ko- mllenror und den seltsamen Blick der halbver- schlcierten Augen, deren Farbe er noch nicht ergründen konnte.
Bet dem Gedanken an dieses Lächeln klopfte ihvr das Herz, als müsse es zeripringen, und doch stieß ihn dieses Lächeln ab. Ost, wenn ein Blick ihrer Augen ihn traf, da war es Bent, als ginge cm Schauer über ihn hin.
Bent Banken erhob sich mißmutig. Tas fehlte noch, daß er sich um Schön-Estrid den Stotn verdrehte Gleich nach dem Essen wollte er hinaus- teBfln und sich von einer frischen Brise die dummen Gedanken vertteiben lassen.
Tas Meer roar ja seine einzige Uwte und sollte es bleiben.
Der Wasserverbrauch nahm ständig zu und nachdem die Klinifdneubauten und die Heck- und Pslegcanstalt fMtggestelll waren, mu feien sämtliche Pumpen saft täglich in Betrieb genommen werden. Um die dringend erforderliche Ma- schinenreseroe zu haben, bc'schlosfen die städtischen Behörden, die Kessel imb Maschim-nanlagen durch Einbau eines Zweislammrrohrresiels sowie einer Heißdampfmaschme imil direkt geLippeltcr und langsamlaufende Pumpe von 325 Kubikmeter Stundenleistung »Au vergrößern. Diese vergrößerte Anlage wurde 1910 in Betrieb genommen. Bvr Ausstellung der gwßen Dampfpumpe wurde ein Laufkran von 4000 .Kilogramm Tragkraft eingebaut
Die von dem Pumpwerk nach dem Hocbdruck- behälter führende Zubringerleitung von 275 Millimeter genügte mit der Zeit nicht mehr und es wurde desl-alb im Jahre 1913 und 1914 eine Parallellcitung von 400 Millimeter ansgesührt, die am 1. Sluguft 1914 in Benutzung genommen werden konnte, d/pchst dem HviÄnuckbehaller wurde eine UmfülTnmgdleitimg und betontere Zubringerleitung ausgeführt, die geftatien, daß die sehr hach gelegenen (Mxhibe direkt Wafjer aus der 400 Millimeter neuen Zubringerleüung zugefüyrt werden kann.
Gelegentlich der Feldbereinigung im Dorfe Queckboni wurden die nach und nach gekauften Grundstücke vertauscht und mit unserem Qucllen- gebiet vereinigt, das jetzt einen Flächeninhalt von 22 940 Quadratmeter aufweist. Durch die Bergrößerung des Grundstücks wird es nunmehr ermöglicht die Brurmenanlagc durch den Bau eines iDCtteren Brunnens zu vergrößern.
Nicht unerwähnt soll bleiben, baß bie Bewohner bcs Dorses Queckborn laut Vertrag vom Jahre 1893 das Trink- und Gebrauchswasser aus dem stäbtischen Pumpwerk unentgeltlich beheben unb daß das 2173 Meter lange Ortsrohrnetz nebst Behälter von 100 Kubikmeter Fassungsraum von der Stadt Gießen erbaut ist und von dieser unterhalten werbrn muß.
Zur Kennteichnung bet großen Zunahme bes Wasserverbrauclis unb Ausdehnung der Anlagen mögen nachstehende Zahlen dienen:
Jahr
Gesamtwassel gewinnung
Länge der Zubringer» leitungen
Länge des Stadtrohr» netzes
Anzahl der Anschlüsse
Anzahl der Feuer» Hydranten
cbm
m
m
1890
214 520
12 075
17925
539
113
1895
334 355
33 995
29 180
913
177
1900
730 831
33 995
38 393
1 483
254
1905
1 115 666
33 995
43 450
1 945
309
1910
1 478 416
35 380
47 538
2 185
387
1915
2 152 986
48 635
50 131
2 381
445
1918
2 718 050
48 635
50131
2 399
445
Das Wasser wird regelmäßig monatlich von dem Untersuchun^amt der Provinz Oberhessen und von dem Hygienischen Institut der Landes- universilät bakteriologisch unb von Zeit zu Zeit chemisch unten acht. Es ist völlig einwandfrei und von vorzüglicher Beschaffenheit. -ng.
Vie ttartoffelvecsorgnng.
fKetm ftabt, 5. Tez. Umfangreich- Rat* tvsifel beschlagnahmnngen fanben am Mittwoch in Grofe-Bieher«u statt, loobci die ReichS- wehr-Klnnpagnie mit einer Anzahl Arbeiter in TLligkeit trat, die dos Rathaus besetzten. Die ganze Bauernschaft hatte sich eingestlnden, um gegen daS Ergehen zu protestieren. Es fanden sehr lebhafte Unterhandlungen statt, wobei scstge- stellt wurde, daß Groß-Bieberau schon 1200 Zentn. an den ^tvmmunalverband Tarmstädt abgegebcn hat die nutzt alle ordnungsmäßig «bucht sind. Es firrscht große Erbitterung unter der Eimvohner- sckfast, da man erfahren konnte, daß der Verband noch Kartvifeln nach Mannheim geliefert bat. bie nicht alle ordnungsmäßig gebucht sind. Es noch 250 Zentner Karvojfeln freiwillig abgelierfett, wobei man allerdings auch zu den ©aattartoffeln greifen mußte.
Turnen.
= Bad-Nauheim, 4. D^. In eine schwere Lage ist der noch junge hiesige M änne-c- turnverein gekommen, der sich üirz vor dem Striege vom Turnverein 1860 losgelöst Irai, aber auch der Deutschen Turnerschaft angehört. Da er nicht über eine eigene Turnhalle verfügt, wir er bisyer aus Wirtshausräume angewiesen und hat ttotz aller Schwterigkeiten schon schöne turne* rifd)c Erfolge aufzuweifen gehabt. Um den Turn* l«ttteb noch mehr zu heben, hatte er sich an die Stadt mit einem Gesuch um Ueberlassnng einer der städt. Schulturnhallen gewandt. Die Stadt- verorbnetenverfammlung lehnte das Gesuch aber mit Stimmenmehrheit ab und scAug bem Berein
In jäher Wut überstürzten sich bie Wellen bet Norvfee. Tie Nächte waren rabrnschwarz. Ter Sanb der weißen Dünen wirbelt: hoch auf und ter ganze Strand erschütterte unter bem Wogenbonner, als müsse er in Stücke geh'n.
Sölvc war schon einige Tage im Gotteskoog.
Estrid hatte so sehr gewünscht, daß die Schwester zu ihr kam, und Mutter Wibke hatte sie endlich ziehen lassen, wenn auch nur ungern.
Wlicke Wedderkcn war noch nicht einmal im Gooteskoog genesen. Sie hatte nichts g:gen Peter Bonkcu. Sie achtete unb schätzte ihn, fast hatte sie ihn fogar lieb wie einen Sohn. Nur daß er Estrids Mann war, das wollte nicht in ihren starren, rcchllerischen Sinn.
Sie hatte Esttids festem Willen gegenüber oie Heirat nicht hindern tonnen, aber man sollte ihr nicht nachsagen, daß, sie mitschulücg sei an dem Treubruch, den Estrid begangen.
Estrid empfand das Fernbleiben der Mutter schmerzlich, zumal Peter immer wieder fragte, warum denn die Modder nicht zu bewegen sn, das 5xms ihrer Tochter zu besuchm.
Nun war wenigstens Sölve da und ihr frohes Wesen erfüllte den ganzen Gotteskoog mit Sonnenschein, wenn draußen der Sturm feine wildm Weisen blies.
Ter Kapitän hatte auch sein Wohlgefallen an Sölve unb oft neckte er sie mit bem Br über um bie Wette. Sölve wußte sich geschickt gegen bie beiden Brüder zu vetteidigen, so daß Estrid oft dachte:
„Wo hat das Kind nur diese Gewandtheit her? Früher war sie still und schüchtern und jetzt sprudelt sie wie ein Wasiettall."
eine Wiedervereinigung mit dem Turnverein 1860 vor. Da em Zularnmeiischluß der bereu Vereins aber auf schwer zu iibevrombenbe todntnerigteitert stößt, wirb fid) hosientsich doch noch ri.i Weg finden, dem Männerturn'verein mls feiner fchwerea Lage zu helfen, wenn er nach einem B-rsarnrn* lungsbcsdüuß. nochmals Berlxlnbttlngen mit der Stabt animüpfen wird. Ein Schülerwettur nen soll nach einem Beschluß der Milglteberver- sammlung iwd) vor Weihnachten abgchalten ner den.
Gerlcht-saal.
Hamburg, 5. Dez. (Priv.-Tel.) 38egtu Raubmordes verurteilte das außerordentliche Kriegsgericht den Hafenarbeiter R o ß unk den Flfctzer Ahrens, beide aus Hamburg getüttig, jirm Tobe, sowie zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit. Die Gs nannten haben am 3. Sept, auf dem Gelände des Balmkoss Tiesstaak zwei Beamte der Wcrsserinfpet' tion, die eine Kiste mit 75 000 Mk. Lochigellerr trugen, überfallen unb durch Revolverfchüsje ttoA sich verletzt.
yochschulnachrlchten.
kr. Frankfurt a. M., 7. Dez Der Rektor der Universität wird in den nächsten Tagen rinnt Aufruf veröffenllictzen, in der er die Studentenschaft ungeachtet des Skarck»punktes, <mf dem der Einzelne steht, aufforbert, die Politik auS de« Halle über Universität zu entfern^ ba die Universität als wisieni'dxrftlictzes Institut nur reine BilbungSbestrebungen $u bei folgen habe, ohne Rücksicht, welcher polllisctzen Änstztzit der tew zelne huldige.
vermischtes.
* Sonntagsarbeit der Presse. Qx linger Blätter bringen folgende Mittecknng an ihre Leser.1 „Laut Beschluß der neugegrünbeten Solinger Pressevercinigung sinb die umerzcichneten Alätt« übereingclommen, über olle an Sonn* unb Feiertagen stattsinbenden Beranstaltun* gen nicht mehr zu berichten. Nur in ganz be* sonberen Fällen (z. B. Wahlen) können Ausnahmen gemacht werden, nachdem bie Solinger fßveffe* Vereinigung darüber entschieden hat. Um eine rin«< heitlictze Behandlung der Presse zu sichern, wertete auch eingesandte Berichte über Sonntagsveranstal^ tungrn keine Aufnahme mehr finden (mtogcitommai sind die den Zeitungen zu-gehcnden Bettchte über die Ergebnisse der spvttlid-en Veranstaltuirgen deS Sonntags). Ta die Presse ohnehin feinen Achtstundentag kennt, ist ihr Wimsch, an Sonn- unb F-icttagen frei zu hoben, ohne weiteres ocrfhäniM lutz." (Tie Kölnische Presse hat schon vor länge red Zeit beschlossen, über Thkttterororstellungcn an Sonntagen nicht mehr zu bettchten.)
^ Flucht von Scapa Flow. Aus »l wirb und geschrieben: Im Krifatzeim auf sseler Hauptbahnbof wurde bieser Tage eini Matrose verpflegt, einer her Helben, bie nutbalfrn^ baß bie beutfebe Flotte nicht ehrlos irntewiejangritl ist. Gs war ber Matrose Keller. Er besaite» sich unter den Scapa Flow-Leuten, die in England! zurückgehalten werden. Als mm kürzlich ein Dampfer mit deutschen Lriegsgesangenen nach der Heimat ging, verstand er eS, zn flüchten unb diesen Dampfer zu erreickwn. Einem englischen Posten, der ihn stellte, drückte er verstohlen ein Pfund in bie Harte», unb der Tommy drückte seinerseits bribe Augen zu Und nun folgte eine veberfahtt nach Deutschland, erfüllt mit Hoffen, gequält durch bie Sorge, es könnte heraus kommen, daß er, dessen Flucht schon überallhin gemeldet fein müßte, auf diesem Dampfer sei. Beim Verlasjen. de» SchifftS in Willtelms^aven schien «S noch ernmal, als sollte alles vergebllch gewesen sein, aber das Glück rvaxl ihm zum letzten Male hold. Don Kassel aus reifte der Matrose, Überglücklich, feiner eigenen Hetouck zu, einem kleinen Dörfchen im SchwarzwaLe.
Briefkasten der Nedaktion.
3. £. in B. Die Wa iscnren te wird mutz den gesetzlichen Dcstimmungen nur bis zam volto endeten 15. Lebensjahre gezahlt. Ist die Witwe selbst versichert, so erhalten die Kinder bei Volk endung des 15. Lebensjahres auch eine Waisen- aussteuer
Eangjä^riger Abonnent. Die Gemeinde ist rr E, nicht verpflichtet, derartige Bcrordmmg«r wieder-, holt bckamttzumachen. Daß andeve Emwvhne^ sich auch einer liebertretung schuldig machen. än< dert an der Sache nichts. Wir glauben kaum, daß Sie Erfolg haben.
lj. K. ÄtefjtiL Als Äuge höriger der Reichswehr haben Sie bzw. Ihre Frau Anspruch auf Kricgswvchenhilfe. Die Auszahlung erfolgt, sofern Ihre Frau nicht choa selbst Mitglied einer Krankenkasse ist, in diesem Falle durch die Orls^ kranken küsse Gießen-Stadt.
Estttd war weicher als sonst zu der jimgen Schwester. Zuerst wallte noch immer der Zorn in ihr mit in Erinnerung an den Hochzeitsabend, au dem ihr Sölve Io bittere Worte gejagt, jetzt sah sie tn Sölves Gegenwatt einen gewissen Schnkv wenn ihr auch nicht klar war, vor wem Sölve sie schützen sollte.
Während der Sttrrm draußen fernen Grimm anötolte und die Wogen donnernd an den Strand schlugen, saßen die beiden Brüder mit Estrid und Sölve gernüllich beim Lampenschimmer tm Delck, wie fast immer des Abends. Tie Tage rourb;rt schon kürzer, unb wenn auch das Svnnengold' immer noch hell über die rotblühende Heide strahlte, die Stürme, die oft des Nachts mit tobender Gewalt einlebten, verhießen den -nahenden Herbst.
Im Pesel war es heimlich und traut. Ur» väterhausrar an den Wänden, schön geschnitzte Tttlhcn, kostbares Gerät aus schwerem Sckber auf den Bortbrettern unb fromme Sprüche in dem braunen Gebälk über den lickstgrünen Kacheln.
Estrid war anscheinend in ihr )8ud) vertieft, aber sw hörte doch auf das leichte Geplänkel, das zwifctzcn Sölve unb dem Schwager hin und her ging. Auch Peter, der voll Eifer die Zeitung studierte, horchte zuweilen auf, und immer schallte dann lern herzliches Lachen dazwischen.
Woher dieser Mann nur den unverwüstlichen Frohsinn nahm? Estrid hätte ihn darum baffen können.
Sölvc wickelte Garn, daß ihr der Aavitäu mit m,geschickten Händen hielt.
(Fortsetzung folgt.)
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