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Sranlfnrt a. m. 11686

Montag, 8. Dezember 1919

169. Jahrgang

Erstes Blatt

GietzeimAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Swillhtgsninbörud u. Verlag: vrühl'sche Univ.« Such- u. Stetnöruderet R. Lange. Zchriftleitung. Geschäftsstelle u. Druckerei.- Zchulstr. 7.

Aanahme so« »nzcigeil s. die Lage^uu,inner vis EmN.ichmiiiag vorher. rtU Ißr l mm ^öhe lür ureigen u.34mm Breite örili t) 15 l>t, auSiväitS 18 lür Reklamen von 70 mm Ereile 48Pf. nedsl 20*/, Teuerungs­zuschlag. Bei Platz- vorschn'i20", Anisa lug. Hauvtjchri tieiicr: Aug. Goeg. Verairtivortli.h für Politik: Ang. <Äoeq; für den übrigen Teil: Dr Reuihold Zenz; für den AiizeigeiUeil: ö. Beck; säinlilch in Gießen.

Vie Schweiz und die deutsche Uonkurrenz.

Ein wirtschaftspolitischer Mitarbeiter schreibt uns:

Seit längerer Zeit besänftigen sich ver­schiedene Industrien sowie die Presse der Schloeiz mit der Ueberschwemmung des dor­tigen Marktes mit billiger ausländischer, vor­nehmlich deutscher Ware, die infolge der Ba- lutadisferenz zu Preisen geliefert werden kann, die unter den Herstellungskosten der Schwei- zer Fabrikanten liegen. Die Ursache der ge­genwärtigen Lage der notleidenden Schwei­zer Industrien ist wenn auch nicht die ein­zige, so aber die hauptsächlichste der Sturz des ausländischen, vor allem des deut>ä>cn Wechselkurses. Daneben spricht mit, daß die schweizer chen Industrien noch im letzten Kriegsjahre ohne Rücksicht auf den Preis Roh­stoffe zusammenkauften, deren Einfuhr erst viele Monate nach dem Einkauf möglich war und die, durch Transportkosten, Zinsverlust und Versicherungsspesen erschlich verteuert, zum Teil erst jetzt verarbeitet werden können.

Neben den elektrotechnischen Spezialfabriken beschweren sich am nachdrücklichsten die Schweizer M öbelfa­hr t f a n t e n über die ausländische Einfuhr, die nach Angabe des Generalsekretärs Stucki auf einer weiteren Sitzung des Sachvcrstän- digcnausschusses am 5. November im Oktober 1919 in den hauptsächlichsten Positionen schon 40 bis 100 v. H. mehr als im Oktober 1913 betragen habe. Die Möbelindustrie behauptet, daß die deutsche Konkurrenz sie um 150 v. H. und mehr unterbiete.

Ebenso klagt die Schweizer Papier- i n d u st r i e über die deutsche Konkurrenz. An­geblich werdctz, von Deutschland Papiersorten zur Hälfte oder zupi dritten Teil des Preises angeboten, für den die schweizerischen Fabriken sie Herstellen können.

Klagen erhebt ferner die Schweizer M a- schinenindustrie über die/deutsche Kon­kurrenz, die vor allem bei WerKeugmaschinen eingesetzt hat, von denen zwarsl919 nicht so­viel wie im letzten Friedenshalbjahr, immer­hin aber bedeutend mehr alsÄn den Vorjah­ren, cingeführt wurden. I

Zu den notleidenden Industrien rechnet sich auch die schweizerische Automobilin - d u st r i e. Zwar hat Deutschland ^er Schweiz im ersten Halbjahr 1919 noch für über 6,5 Mill. Fr. Automobile abgenommen, und sei­nerseits für knapp 2 Mill, geliefert, doch hat sich das Bild in den letzten Monaten zuun­gunsten der Schweiz verschoben.

Benachteiligt fühlt sich ferner die K le i n- eisenindustrie. Werkzeuge aus Eisen im Gewicht von weniger als 2 Kilogramm ge­hören zu den Waren, in denen die Einfuhr aus Deutschland im ersten Halbjahr 1919 die Einfuhr im letzten Friedenshalbjahr der Menge nach bedeutend übertroffen hat. In diesem Zusammenhänge sind auch Fahrräder zu erwähnen, von denen int ersten Halbjahr 1919 aus Deutschland 13 967 Stück cingeführt wurden gegen 11919 im gleichen Zeitraum 1914.

Weiter empfindet die Schweizer Brau- i n d u st r i e die neuerwachte deutsche Konkur­renz sehr unliebsam. Sie stellt die den deut­schen Brauereien gegebene Erlaubnis, für die Ausfuhr ein viermal stärkeres Bier zu brauen als für den einheimischen Verbrauch, als eine Art Schmutzkonkurrenz hin und fordert in großen Anzeigen die Biertrinker auf, das aus­ländische Bier zu boykottieren. Schließlich rech­net sich noch die Konfektionsindustrie zu den unter deutscher Einfuhr leidenden Erzeuger­kreisen. tr ,

Als Schutzmaßnahmen gegen Die Einfuhr aus Deutschland wurde von einem Teil der Interessenten ein unbedingtes (SinfubröÄbot, von anderen eine Kontingentierung her Ein­fuhr gewünscht, während andere die Erhebung von Zuschlag öllen als Ausgleich für Valuta­differenz forderten oder das Heil darin erblick­ten, Deutschland zur Aufhebung seiner Ein­fuhrverbot zu zwingen.

Demgegenüber betonten die Schweizer Regierungsvertreter sowohl wie die Vertreter des Sachretftändigenausschu ses, daß eine Einfuhrbeschränkung die ganze Konsumenten­schaft schwer treffen würde. Auch müsse das Verhalten des Auslandes im Falle eines Er­lasses von Einfuhrbeschränkungen bedacht werden.

Auch Zollzuschläge seien schlecht durch­führbar. Man könne schließlich für eine Ware doch nicht einen Zoll erheben, der ein mehr­faches des Wertes der Ware selbst ausmacht. Zudem sei eine Entscheidung über die anzu­wendenden Grund ätze unmöglich. Auch würde der Bezug der Zollgebühren wegen der P.eis- fchwankungen der importierten Waren äußerst schwierig sein. . ... .

Wenn auch die schweizerische Regierung Don bet Einführung von Importbeschränkun­

gen bisher abgesehen hat, so ist es durchaus nicht ausgeschloisen, daß sie sich schließlich doch noch dem Druck der in Mitleidenschaft gezo­genen Kreise fügen und zu Maßnahmen ge­gen die deutsche Einfuhr greifen wird.

(Eine Rede des Reichskanzlers.

Berlin, 6. Tez. (WTB.) Bei dem Emp­fangsabend des Vereins Berliner <ß,r c s s e im Berliner Rathaus h.ell der Reichs­kanzler eine l> chbedeutsame politische Rcde^ Er sagte u a : Wie sehr uns an der schl uniaen 3iati- ioation und der Errichtung des PvonMls gelegen tft, mögen einige Stel en aus der.^nstruk rm.be­weisen i-ic am 23. Mvembec nach Pariv ging. Tarin' hieß es: Die ausgesprochenen Zweitel an bet aufrichtigen Absicht Deutschlands, i>ie Bestim- mungen des Waffenstillstandes und des Friedens- Vertrages zu erfüllen, sind unbegründet. Xie bausche Regierung verwahrt sich gegen den Bor-

Der deutsche GewerkschastSbnnd.

Berlin, 6. Dez.

Neben den Arbeitnehmergewerkscl-asten, bi* po­litisch der Sozialdemokratie folgen und in der Hanptsack)c e neu Zusammenschluß int Al'gemeinen Deutschen-Gewerkschaftsbund gefunden haben, be­stehen aftbere ftrcnp gewerkschaftliche Organisa­tionen mit kaum geringerer Bedeutung für i ie wei­tere Entwicklung unserer Berhältiiiste. Gelets von der Ueberzeugung, daß bei nachdrücklichster Inanspruchnahme aller gewerlschasllickicu Mittel nicht Klassenkampf, Internationalismus, son­dern nationales Bewußtsein und natio­naler Lebenswll.e, dazu die Pflege der sitt­lichen Ideale des deutschem Volkes unerläßliche Pflicht jeder sozialen Bewegung ist, schlossen sich die Gewerkschaften mit 1.7 Millionen Mitgliedern im Deutschen Gewerkfchaftsbuud eug zu ammen. Damit nahm die in den Sturmtagen der Revolu­tion entstandene lose Vereinigung der n i ch t s o - zialistischen Gewerkschaften eine feste und dauernde Gestalt an. Für dm neuen Bund gilt auch der von der Sozialdemokratie ab- aelohnte Grundsatz, daß Arbeiter, Angestellte unv Beamte infolge der besonderen Leistungen nnb Aus­gaben im Wirtschaftsleben eine dieser Besondrheit entsprechende Sozialpolitik treiben wüsten Die dem Deutschen Gewerkschaftsbund angechlosseneu Ver­bände werden sich bab i gegenseitig fördern und in allen Fragen, die alle Arbeitnehmer in gllicherWeise angehen, gemeinsam handeln. Der Bund gliedert sich in drei Gruppen, nnb zwar : den Gesamtverband deutscher Angestellten-Gewerkschaften, Gesamtver­band der christl. Gewerkschaften und G^'amto r' and Deutscher Beamten, Staa sangestell en-Gewvrk- schaften. Tie Arbcitergruppe bilden die im Gesamt­verband der christlichcm Gewerkschaft vereinigten Verl'ände. Ter Angestelltengriippe gehören an: Deutschnationaler D and lungsgehi ls<n-B er band, der Verband weiblicher Handels- und Bureauangestell­ten, der Reichsverband deutscher Bureauangestell-! ten, bisher Rcichsvcrband der Angestellten, Deut­scher Technikerverband und der Reül)sverband deut­scher Gutsbeamten. Tie Werkmeistergruppe des bisherigen Rcichsverbands der Angestellten wird nach erfolgter Verschmelzung mit dem beutfeben Mei­sterverband als neue W rkm isterorgani ation hinzu­treten. Weitere Anschlüsse stehen bevor. Die Ve- amtengruppe umschließt im früherenReichskar- tdl" die vereinigten Beamten- und Staatsar- beitergewerkschaften. Den Vorsitz im Deutschen Gewerkschastsbund führt der preußische Wohlfahrts- Minister A. Stegerwald, Stellvertreter |tnb Otto Thiel vom Deutschmationalen Hanblungs-- gehilsenverband und Gutsche vom Gesamtver- banb deutscher Beamten- und Staatsangestellten- Gewertschasten. Mit der Geschäftsführung wur­den Tr. H. Thisfen, früher Di ettor <i es ocr größten Angestelltenverbände, zuletzt Regierungs­rat in der Angestelltenversicherung, und Redakteur Breddemann von den christlichen Gewerkschaften betraut. Die Geschäftsstelle befindet sich in Berlln, Kochstraße 9.

Die Deutsche Volkkpartn g gen Erzberger.

Die Fraktion der Deutschen Volks­partei in der Nationalversammlung hat m ihrer Sitzung vom 3. Dezember 1919 die folgende Entschließung gefaßt: , .

Der Herr Reichsfinanzmnnster hat tn ferner Rede vom 27. November 1919 in der National- veri'ammlung geren den Bundesstaat Brennen bic heftigsten Angriffe gerichtet, welche in der 9fcbnui£ hmq gipfelten, die priußrscke Regwrung hab? durch Gewalt und durch Nichtachtung der berechtigten Empfindungen die Bestrebungen der emzeln n Lan­desgaue brutal unterdrückt und ihnen gcgiuV'er über ein Jahrhundert eine verkehrte Gewaltvolliik getrieben. Er hat dreie schweren Anschll>rgungen gegen Preußen erhobn in dem Augenblick, wo bu Abstimmungen unmittelbar bevorst hen, durch welche die Ang^chörigen toter Grbr tstoi.e Preu- ßens ihrem Willen, bei Deutschland zu bl i>en oder sich von unserem Vaterlande zu trennen, Ausdruck geben sollen, und zu etner Zert wo in anderen Geb ttfte l n Preußens bedenk iche Wispft te w gs- beftrebungen sich immer von ncu?m geltend mad^en. Er 'bat dadurch nicht nur das An seh n, sondern auch den Bestand des deutschen Re ches in nickst al»zu- sehendern Maße gefährdet und letzten Endes inveren Feinden in die Lände gearb i et, denselben Fein­den, welche unsere Vernichtung beschlossen haben und diesem Ziele Tag für Tag und Stück für Stuck näher kommen, denselben Feinden, tvelche in Estaß- Lothringen, Eupen, Malmedy und den besetzten Teilen Pofens seit Monaten durch brutal aas- «übten Terrorismus den Beweis liefern, wie von chncn die berechtigten Empfindungen und Bo-

nicht mehr unter dem Prozentsatz zu lombardieren, zu dem sie die Wechsel diskontieren. Ter Vorsitz in dem Kuratorium soll dem Reichskanzler ver­bleiben. Der Aussckmß beschloß, die Zahl der vom ReichSrat zu wählenden Mitglieder des Kurato­riums aus sechs zu erhöhen, so daß also die ge­samte Mitgliederzahl ackst betragen soll. Weiter beschloß der Ausschuß, daß es zu der Kündigung der Privatiwtenbanken ohne gleichzeüiie Kündi­gung der Retchsdank nur dann kommen tatm, nxmn die allgemeinen Bestimmungen des Vankgesetzes von Grund auf geändert werden und die Anteils­eigner der Notenbanken sich weigern sollten, die neuen Bestimmungen anzunehmen, während die Reichsbank und die Anteilseigner sie annehmen.

Der Reichsrät erklärte sich auch einverstanden mit den Ausschußbesckstüssen über die Aenderung des Gesetzes vom 4.8.1914 über die Höchst­preise. Die Höchstpreise können von der Re­gierung oder von den von ihr bestimmten Be­hörden nur int Einvernehmen mit dem Reichsrat festgesetzt werden. Ferner soll nach den Ausschuß­beschlüssen nur der Reick>srat berufen sein, den Zeitpunkt des Außerkrafttretens der Verordnung über die Höchstpreise sestzusetzen.

Wurf, für die Verzögerung des Inkrafttretens des Friedensverrrages vcoantnwrllich zu sein. Bereits am 16. Juli haben wir ratifiziert. Seitdem war- teten wir darauf, daß die zur Errichtung des ersten Ratiftlationsmw'otolls erforderliche Zalst ratifizie­render Hauptmächte znsammenkäme. Ter deutsche Vertreter in Pans war seit langem mit ber Voll­macht zur Umerzftchmmg des Raftsikationsproto- tolls vt-rsehcn. Erst am 2. Novemler wurde uns Kenntnis taixm gegeben, daß England, Frankreich uiti> Italien die Ratisiiätiou cclljo:',eii haben. Diese drei Mächte haben aber nicht iljr« Beveitwilligkeit erklärt, den Frieden durch Errichtung des Ratifi- katwnspvotokolls ohire »veueres in Kraft zu setzen, sondern stellten hierfür neue schwere Bedingungen, die in teiner Bezielmng zum Friedensvertrag stehen. Tie deutsck-e Regch-rung wünscht nach wie vor die schleunige Herstellung des Friedensznstan- des durch Inkraftsetzung des Versailler Vertrages. Ter Reichskatlzler schloß mit einem starken Appell auf dieser Grundlage, auf der auch die übergroße Mehrl>eit von Volk und Volksvertretung stehe, zusammenzuhalten in Einigkeit und Recht.

Au» dein Aeiehe.

Die Aucsch eiNlngin g-g-n die deutsche FricrEvclega.ion.

Berlin, 5. Tez. Die Mitglieder der Ra­tio nalverfammlung Frau Werde (T. Vp.), Frau Behm (T.-Natl.), Frau Dransf.lo (Ztr.), Frau Tr. Lüders (Dem.) und Frau Schuch (Soz.) haben die ftl^nde Anfrage eingebracht:Bei der Tlbreise unterer Frieden sdelegation aus Versailles find, wie bekannt, mrsere Vertreter mit Steinen beroarfen und schwer verletzt worden. Am schw rsten getroffen ist Frau Dorn- bl ü t h, ti: an den Felgen ihrer Verletzung noch h-ute feilet und arbeitsunfähig ist. Wir fragen die Regierung, welche Schritte s« zu tun ge.enkt, um eine gerechte Entschädigung für Frau TornbliUH von der fran-ösischen Regierung zu erlangen

Ti.' A^nrerung d's Bankg^tz^s.

Berlrn, 6. Tez. (WTB.) Der Reichsrat nahm heute nach den Ausschußbeschlüssen die Vor­lage betr. die Aenderung des Bankgesetzes vorn 14. März 1875 an. Die von der Regierung vor- geschlagene Neuregelung entscheidet sich für den Fortbestand der Reichsbank unb der daneben noch bestehenden Notenbanken. Solange die Befteiung der Reichsbank von der Notensteuer fortbesteht, soll über die Gewinnbeteiligung alljährlich Be­stimmung getroffen wer en. Ti-. Auf he wg ocr 1914 beschlos enen Notenstraversrecheit daN nur unter Mitwirkung des Reichsrates geschehen. Mit Rücksicht auf die Abtretung deutscher Gebiete, namentlich auf Danzig und Memel, Mirde in ber neuen Vorlage die Gründung von Zweiganstolten außerhalb Teutschlands erlaubt. Bezüglich der Prr- vatnvtenbanken soll eine Kündigung stattfinden, falls sie nicht bis Ende Dezember^ 1919 sich dem gleichen Kündigungsrecht unterwerfen, das für bte Reichsbank vorgesehen ist für den Fall, daß im Lause der nächsten zehn Jahre die Notensteuer­pflicht wieder eintreten sollte. Die Pravainoten- bankeu sollen sich ferner verpflichten, Wertpapiere

Vorarlberg.

Bern. 6. Tez. (WTB.) Schweizerische De- veschenagentur. Gcgenübm: den in jüngster Seit erfolgten amtlichen Erllärungen ber östemeichi- schen Regierung sicht sich der Bundesrat verail- Lu.i.t, teusuneben, datz er nstmals das Ox- ringfte getan hat, was als Ermutigung für Vorarl­berg, sich von Oesterreich zu trennen, ausgelegt werden kon te. Bun esrat Cal o n der als X'e » ter tws politischen Departements hat kürzlich in seiner Rede vor dem Ständcrat ausgesuhrt und auf das Bestimmteste erklärt, die Schweiz mische sich in keiner Weise in die Anaelegenlieiten zwi­schen Vorarlberg und Oesterreich ein. Vom poli­tischen Standpunkt aus bestehe für die Schwerz, rnfoiem und nifolxmge als Bovarlterg erneu vur- gricrenben Besdai ddil von Or-ftem-id) bil.e, na:e Vorarlberger Frage nicht. Ader die Frage würde für die Schweiz eine andere Bedeutung und einen anderen Charakter annehmen, wenn Vorarlberg sich von dem Staat trennen wollte, dem es angehört, um sich einem anb.-ren Staate an zu- gl jedem. Unabhängig von jeder politischen Er- wägamg ist der Bundesrat bereit, soweit tunlich, dem tüchtigen, flcinen benachbarten Volke zu Hilfe zu kommen, um es ihm zu ermöglichen, die ge­waltigen Schwierigkeiten seiner Lebensmittelver-i orgung zu überwinden. Er ist auch bereit, so­fern Vorarlberg ihn dazu aufforbevn sollte, auf der Friedenskonferenz unb beim Völkerbund das Sellstbestiimnu. gsrecht Borar lberg s zu un- : e r st ü tz e n. Ter Bundesrat ist aber entschloß en, ich jeden Schrittes zu enthalten, der die Los- ösunb dieses Landes von der Einheit, ber es zurzeit angehört, zum Ziele hätte.

Der Prozeß Marloh.

Berlin, 6. Dez. (WTB.) Bei, der Fvrt- etzung der Beweisaufnahme im Prozeß Marloh kam es zunächst zu einer sehr lebhaften Aus­einandersetzung mit dem Zeugen Hauptmann Kessel» Es folgte bic Vernehmung des General­leutnants von Oer tzen, ber am 8. November von Rump eingeladen worden war, seiner Be- prechung mit Kessel in der Wohnung Rump beizuwohnen. Ter Zeuge bekundet u. a daß Kessel vor allem gefordert habe, daß Marloh verschwinden müsse. Er (Oertzen) habe Kelsel er­klärt, daß zu diesem Zweck eine Smnnre von nicht weniger als 500 000 Mark ersorder.ich fei, in der Erwartung, daß Kessel diese ungelxmerliche For­derung ablebiten werde. Kessel habe zwar auch die Hergabe von 500000 Mark abgelehnt, jedoch erflärt. daß er sich dafür verbürge, daß 200 000 Mark gezahlt wurden. Er habe Finanzleute hinter ich, die diese Summe erlegen würden.

Berlin, 6. Dez. (WB.) Im Prozeß Mar- loh erklärte Hauptmann von Kessel im An- chluß an die Aussagen des Generals v. Oertzen, er habe bezügl.ch der Be.ehlsertei'ung nichts zu verbergen. Er habe alles seinerzeit als Erpres­sung ausqesaßt. Oertzen sagte, er batte die Empsin- >img, daß Kessel den Befehl nrcht abse.chwächt, ondern sogar erle i d) verstärkt habe, um zu zei­gen, er, Kessel, mit feiner Staffel leisten önne. Auf Vef agen des Reckstsanrraltes Gruen- pach gibt Kessel an, er habe eine erneute Flucht Marlohs zu verhüten gesucht roo auf ter Ver­teidiger feststettte, t> Dtar.ol) erklärte, er werd: sich gegen eine Flucht oder gewaltsame Entfüh­rung energisch,-zur Welw setzen. Pfarrer Rump er Härte auf die Frage des Vorsitzenden: Alles, was Kessel über das angebliche Ultimatum gesagt habe, ist erstunken und erlogen. Alle Anerbietungen gingen von Kessel aus. Er hat auch stets so getan, als wenn alle möglichen Regie­rungsleute, sogar Noske unb Ebert, hinter ihm ständen. Die weitere Beweisaufnahme ergibt, daß auch Leute erschossen worden sind, die ohne jed­wedes Verschujd n ganz zufällig an dem kri iichm Tage vor das Haus in Der Französischen Straße gekommen sind unb auch zur Besatzung der Reichs­bank gehört haben. Nach Schluß ber Beweis­aufnahme wurden de Zeugen v.-reidigt. Ausgenom­men von der Vereidigung wurden auf Beschluß des Gerichtes Kessel, Wehnuyer, Leutnant Hoffmann und Pfarrer Ruinp, da sie ber Miltäterschaft bzw. ber Beihilfe zu der strafbaren Hanblung des An- aellagleir, nämlich zur u 'erlaubten Gnufentung vom Dienste* verdächtig erscheinen.

Bregenz, 6. Tez. (WB.) Gorrbureau. In der heutigen Landtagssitzung, die nah:zu den ganze-,i Tag in Anspruch nahm, wurde die Frage des Sel bst be st i m m un g s re chtcs Vorarlbergs vevhandell. Der Antrag des Landesrats besagt, daß der Landtag von der Stoatsregiernng in Wien verlängern soll, baß sie das Selbsldestimmung^recht des Laiches Storartbcrq aner'en.e unb be Frage des Selostbestiminungr- rechts beim Obersten Rat in Paris bzw. beim Döjkerlmnd unabhängig madje. Dieser Antrag wurde mit 20 gegen 7 Stimmen ang-mommen. In einem weiteren Antrag nnrb ter Landesvrt er­mächtigt, das Selbstbesiimmungsrecht erforder­lichenfalls selbst geltend zu macksen.

Die Haltung Amerika;.

W a s h i n a t o n, 8. Tez. (WTB.) Die Sena­toren Fall und H i t ch c o ck, die beauftragt waren, borüba: zu berichten, ob Wilson durch seine Kranlh it nicht in der Lage ist, die Ge'chäfte wller- zusühren, kamen am 6. Tezemoer abends noch einer Konferenz von 45 Minallen überein, daß Wilson geistig genügend rege ist, um sich ein Urteil über kritische Fragen zu bilden. Beim Verlassen des Weißen Hauies sagte Hitchoock zu Wiljvn bezüglich der Ratifikation des deutschen Friedensvertrages durch Amerika:Tas SBinfen mit dem Oelzweig auf beiden Seiten könne zum Ergebnis fuhren." Ter Präsident erwiderte hierauf:Mr wollen die andere Partei winken lassen. Wir beide haben alles getan, was wir konnten. Tie Verantworlllng liegt jetzt auf den Schultern der anderen. Innige i>er Aktion der republikanischen Partei ist ber Plan, ber mit Deutschland den Kriegszuitarrd für bandet erklärt, b gut wie fallengelasfen worden."

Haag, 6. Dez. (WTB.) Ans Washing­ton wird gemelbet: Um allen sensationellen Ge­rückten über eine angebliche Verschlimmerung des Befindens Wilsons entgegen$utreten, ist be­schlossen worden, in Zukunft über seinen Gesund­heitszustand wöchentluhe Berichte zu veröffent­lichen.

Französische Drohungen.

Paris, 6. Tez. (WB) DemMatin" wird aus Straßburg gemeldet: Seit drei Tagen ftndet eine starke Verschiebung von Artil- lerte nach dem rechten Rheinufer statt. Zahlreiche Geschütze sckm>even Kllllers haben i te Kelster Rheinbrücke passiert. Man bri ßt diese ungewohnten Truppen- und IZIrt.Kerietcr;duebun* gen mit der durch die Haftung Teutschia.ds gc* schaffen en politischen Lage in Zu amnnnhang.

Ein englisch'belgisches Abkommen.

Brüssel, 6. Tez. (WB) Wie die Brüs­seler Zeitungen melden, ist ein A b ko m men zwi­schen der englischen Armee und dem bel­gischen Staat getroffen worden, nach tem a l l e s r o 11 e n d e M a t e r i a l, das sich als eng­lische Kftiegsbcut-e in Belgien beffstdet, m ben Besitz des belgischen Staates übergeht.