ßreltag, 8. Rugufl 1919
Erster Blatt
169. Jahrgang
Wrefjenb.
Bauordnung er--
irb, wie folgt, ab
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zeichneten ersuchen die Reichsregiemng, bei Neu- ausgabe des Weißbuches 1919 die vorstehende Er
klärung abdrucken zu lassen.
oeg zurückgelegten Stitomcter werden
Aufhebung der Frühdruschprämlen.
Wie das Hessische Landesernährungsamt mit- teilt, werden im laufenden Wirtschaftsjahr die von vielen Seiten so stark angeseindeten und als Ungerechtigkeit den Kleinbauern gegenüber empfundenen Frühdruschprämien ausgehoben.
Belgien erhalten hat."
G a s p a r r i fragte den englischen Vertreter um seine Meinung über diese Antwort. Letzterer antreortete, daß eine Erklärung über Belgien ihm wünsck-cnsweri erscheine, denn es sei sehr wichtig insbesondere für Großbritannien. Nachdem die
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NMg «r ö Mal iwt bei iXUutmd). B" chrere Wuhlmc -zogen, so crmoigi folgende defichtigt' ekM auberholb fr; -Heu ihm weiter die Tagegelder zu.
1919 in Stah.
Ein Anschlag auf österreichische Staatsmänner.
Wien, 7. Aug. (Wolff.) Die Blätter melden die Verhaftung eines Mannes, der von einer arideren Person, deren Name noch unbekannt ist, gedungen würde, um den Präsidenten Seitz und den Staatskanzlcr Dr. Renner zu ermorden. Es ist bisher nicht gelungert, ein klares Bild der Angelegenheit zu gereimten und cs besteht auch noch keine Sicherheit, welches die Motive des Mordplanes gewesen sind. Die polizeilichen Erhebungert erstrecken sich namentlich nach der Richtung, ob etwa weitere Personen an der Verschwörung beteiligt sirtü.
Wien, 7. Aug. (Wolff.) Der Gesandte der ungarischen Volksrepublik Böhm gab nach dem Einlauferr des Nachttelegramms seine Demission:
Rückkehr deutscher Gefangener.
Breinen, 8 .Aug. (Wolff.) Gestern tra? fen in s'Gravenhage mit dem Dampfer „Sizilien" aus Kanada 871 Mannschaften von „KaiserWilhelm der Große" ein.
Köln, 7. Arm <Wolff.) Im Laufe dieser Woche trafen uf bcm Uebergabebahnhof Deutz über 800 deutsche Kriegsgefangene in englischen Lazarettzügen aus englischen Gefangenenlagern in Nord frankreich ein.
Rotterdam, 7. Aug. (Wolff.) Gestern sind Mit dem Dampfer ,Lutterworth" 198 deutsche Zivilgesangene aus England in Rotterdam eingetroffen.
April 1903 ‘IHKU'n Gefami-
Tie Abdankung dcS Kaisers.
Hannover, 7. Aug. (WTV.) Zur Borges chichte der Abdankung des Kaisers veröffentlicht die „Deutsche Volkszri ung", das Organ der deutsch-hannoverschen Partei, einen Brief Scheidemanns vom 29. Oktober 1918 an den damaligen Reichskanzler, Prinz Mar von Baden, in dem der Staatssekretär Scheidemann untev HiiNveis darauf, daß durch das Zensurvcrbo- der Oessentlichkcit die Möglichkeit genommen sei, durch Diskussion die Frage zu klären, die zu einer brennenden Schicksalsfrage des deutschen VolteZ wurde.
Wieder ein neues Ministerium in Ungarn.
Budapest, 6. Aug. (Wolff.) Ungarisches Korresp.-Birreau. Heute abend 7 Uhr erschienen in dem Ministerpräsidium General Schmetzec, Polizeioberinspeltor Wellenberg, der frühere Sekretär des Nationalrats Dr. Fritz und der gewesene Sektionschef im ungarischen Kriegsmini- stcrium Franz Scillery und forderten die eben zur Beratung versammelten Minister aut, abzudanken mit der Begründung, daß die Regierung nicht die Gesamtheit der Nation vertrete. Nach einer kurzen Beratung beschloß die Regierung, zu demissionieren. Die Ententemission übertrug die oberste Gewalt dem Erzherzog Joseph, der den gewesenen Sektionschef im Kriegsministerium Stephan Friedrich zum Ministerpräsidenten ernannte. Mit der Leitung des Kriegsministeriums wurde General Schmetzer betraut. In der Stadt herrscht Ruhe. Tie Missionen der Ententemächte hielten am Abend eine gemeinsame Beratung ab, zu welcher der Erzherzog Joseph und der Minister-
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v laatssekretärs des Auswärtigen die kaiserliche Er-I britisck-c Regierung Bericht übe: diese Unterhand- J echttgung, gegebenenfalls erklären zu dürfen daß hingen erhalten hatte, fügte sie bei, daß es un- ^eupchland zur Wiederherstellung der territortalen i zweckmäßig sei, .sich in parlamentarische Dis
kussionen dieser Frage hineinziehen zu lassen, und daß die Zentralmächte, wenn sie zu Verhandlungen bereit seien, ihre Friedensbedingungen bekanntgeben sollten. Ter englische Vertreter erhielt infolgedessen Instruktionen, in welchen er aufgefordert wurde, in keiner Weise in die Verhandlungen des Vatikans und Deutschlands,einzugreifen und sich, wenn man ihn erneut um seine Ansicht befragen würde, zu verweigern, sie bekanntzugcben!
Dabei blieb es. Denn die deutsche Regierung gab keine Erklärung-über Belgien ab. Es ist des- lwlb klar, daß die britische Regierung zu dieser Zeit Deutschland kein Friedensangebot machte, — doch war sie natürlich bereit, im Einvernehmen mit ihren Verbündeten jeden auf» richtigen Vorschlag zur Herbeiführung des Friedens zu prüfen.
Eine Rechtfertigung der Rcichsrcgierung.
Weimar, 7. Aug. (Wolff.) Bon zuständiger Seite wird uns mitgeteilt: Ter englif che Friedensfühler vom August 1917, den noch vor wenigen Tagen der frühere Reichskanzler Dr. .Vdichaelis in einem offenen Briefe an die Presse ausdrücklich als „F r i e de ns f ü hl e r"bezrichnetL, wird au; Gruird einer kurzen Reutermeldung von der deutschen vochtsstehendeir Presse nunmehr einfach wegzulcugnen veiffucht. Alle diese Versuche werden scheitern. Ter englische Friedensfühler ist eine historische Tatsache. Er bestand aus einer mit ausdrücklicher Zustimmung Frankreichs durch Vermittelung des apostolischen Nuntius an die deutsche Regierung überreichten Anfrage Englands nad) den deutschen Kriegszielen, tnsüesottdere nach einer einwandfreien Erklärung- über Belgien. „Sei diese Erklärung befriedigend," so heißt es wörtlich in dem Schreiben des Nuntius Pacelli an den Reichskanzler Michaelis vom 30. August 1917, „so meint Seine Eminenz (der Kardinal-Staatssekretär), daß ein bedeutender Schritt zu einer weiteren Entwickelung der Verhandlungen gemacht würde." Und der Nuntius fügte seinerseits hinzu, daß „durch eilte versöhnliche Antwort der gute Fortgang der Friedensunterhandlungen erleichtert wird". — Kein Parteimanöoer Wird im Stande sein, über den Wortlaut dieses zum ausgesprochenen Zwecke der Friedensvermittelung geschriebenen und Überreichten amtlichen Schriftstückes einer neutralen Macht hinwegzutäuschen. Keine Pressepolemik wird die Tatsache aus der Welt schaffen können, daß die deutsche Regierung unter dem Einfluß der obersten Heeresleitung uub der hinter ihr stehenden alldeutschen Kreise diese Erklärung Über Belgien nicht abgab und dadurch die Friedensmöglichkeit verscherzt.
Die Verantwortlichkeit am Kriegsausbruch.
Berlin, 7. Aug. (Wolff.) Tie deutsche Viererkommission, bestehend aus den Professoren Hans Delbrück, Mendelssohn--Bart- h o l d y, Graf M v n t g e l a s und Mar Weber, die den Bericht über die Veranttoortlichikeit am Kriegsausbruch verfaßt hat, veröffentlicht folgende Erklärung:
Bei der Abfassung des Berichts über die 93er- antwortlichikeit am Kriegsausbruch war der deutschen Viererkommffsion nur bekannt, daß der B e - richt des bayerischen Legationsrates v. Schoen vom 18. Juli 1914 in der damals vorliegenden Fassung Mehrere Irrtümer enthielt. Aus den inDvi schien von Schoen in der „Deutschem Allgemeinen Zeitung" vom 2. August im Beiblatt zur Morgenausgabe veröffentlichten Aufklärungen geht hervor, daß die irrtümliche Darstellung des Berichts, als dessen Verfasser unrichtigerlveise der vom 4. Juli bis 26. Juli beurlaubt von Berlin abwesende bayerische Gesandte Graf Lerchenfeld bezeichnet war, darauf zurückzuführen ist, daß wesentliche Stellen des Berichts wegge- lassen waren. Diese Stellen beweisen neuerlich, daß die Reichsleitung den eunopäischen Krieg nicht gewollt und betrieben, sondern von Anfang an aus die Lokalisierung des Kon flikts Mischen Oesterreich und Serbien hingearbeitet hat und ernstlich bestrebt war. alle Anlässe zu einem europäischen Kriege auszuschalten. — Zur Begründung der außerordentlichen Verspätung dieser Aufklärung teilt Schoen mit, daß bei NackMri'chung nach seinem Bericht sowohl das Konzept aus den Berliner Gesandtschaftsakten als auch.das Original aus dem Archiv des Münchener Ministeriums des Aeußern verschwunden waren. Erst durch Haussuchung bei der Witwe Eisners und dem früheren Sekrc-tär Eisners, Fechenbach, wurden sie wieder zu Tage gefördert. — Die Unter-
Annahme von Anzeigen s. die Xaqesnummer vw zum Nachmittag vorher ohnejedeVerbmdtichkeit Preis für 1 mm höhe für An<eiaenv.34mmtweite örtlich 15 t)i., auSwärtS 18 Pf., für Reklame- an zeigen von 70 mm Brette 48 Pf. Bei Platz- porfd)riit20°/.9biifri)(afl. Hauvtfchnitleiter: Aug. Goetz. Verautworrtich für Politik: Ang. Goetz, fürdeuübrigcnTeil: Dr. Reinhold Zenz; für den Anzeigenteil: p. Beck: sämtlich ui Gießen
Präsident Friedrich zugezogen roaren. Tie Derm tungen galten den schwebenden Fragen, tvobe» volles Einvernehmen erzielt wurde. Der Präsiden? der Friedenskvmmission Elemenecau und die ans ländisck-en Regierungen wurden von dem (Srgebni3 der Beratung sofort verständigt.
Die Entente empfiehlt Mäßigung.
Paris, 7. Aua. (Havas.) Nach ZeittmgS- meldungen hat der Oberste Rat die Waffen- sttllstandsbedingungen, die den Ungarn durch die Rumänen auferlegt worden sind, und die tschechw slowakischen, die jugoslawischen und italienischen Rechte verletzen, zri hart befunden. Er gab den Rat zur M ä ß i g u n g. Das „Journal" glaubt zu wissen, daß der 8iat Vorschlägen werde., die Bedingungen zu revidieren.
Die Blockade gegen Ungarn aufgehoben.
Amsterdam, 7. Aug. (Wolff.) Reuter meU bet: Der Oberste 31 at in Paris hat beschlossen, (t> i e Blockade gegen Ungarn auf sur heben.
Gewalttätigkeiten der Rumäne«.
Wien, 7. Aug. (Wolff.) Die Blätter melden aus Budapest weitere Gewalt« tätigkeiten der rumänischen Be« satzunZstruppen. Gestern nachmittag versuchten mehrere rumänische Abteilungen von der Czepeter Waffen- und Munitions. fabrik Besitz zu ergreifen. Die Arbeiterschaft setzte sich zur Wehr. Nach kurzem Feuergv fecht, worin die Rumänen Sieger blieben besehen diese die Fabrik.
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Frankreich und der Friedensvertrag.
Bern, 7. Aug. (Wolff.) Den letzten Mel^ düngen französischer Blätter zufolge soll bie- Beratung des Friedensvertrages mit Deutschland durch die französische^ Kammer erst am 2. September beginnen.» Jedoch haben sowohl Bivrani wie Barthon gegen diese Absicht energisch protestiert. Bix Viani erklärte, der Friedensausschuß lehne jeden späteren Zeitpunkt als den 25. August für die Diskussion ab. Während der Erörterungen über den Friedensvertrag in Kammer und Senat werden die Arbeiten der Friedenskonferenz unterbrochen werden.
Malmedy.
Brüssel, 7. Aug. (Wolff.) (HavaS. Reuter.) „Soir" teilt mit, daß das Ministerium des Auswärtigen heute ein Telegramm von Foch erhalten hat, in dem Belgien aufgefordert wird, das Gebiet von Malmedy, das durch den Friedensvertrag zu Belgien geschlagen wurde, militärisch zu besetzen und in Verwaltung Lu nehmen.
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SietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Swillikigrnmddruck u. Verlag: vrühl'sche Univ.-Such- u. Zteindruckerei R. Lange. Schriftleltung, Seschästrstelle u. Druckerei: Schulstr. 7.
Integrität Belgiens bereit sei. Nachdem der Kaiser die Vertreter der Armee und Marine aufgefordert hatte, ihre Ansichten über die für die Beurteilung der Frage in Betracht kommenden militärischen und maritimen Gesichtspunkte vorzutragen, sprach sich der Chef des Admiralstabes dafür ans, daß die flandrische K ü st e in deutscher Hand bleiben müsse. Die Vertreter der Obersten Heeresleitung legten die militärischen Gründe dar, die in Rücksicht auf diese exponierte Lage des für die Kriegführung durch seine kriegÄvirtschZaftlichen Erzeugnisse unentbehrlichen rheinisch-westfälischen Industriegebietes und die spätere Verteidigungsmöglichkeit des Reiches die militärische Kontrolle über die F e ft u n g Lüttich und Umgebung erwünscht erscheinen ließen. Der Kaiser entschied im Sinne meines Antrages, mit dem Vorbehalt einer erneuten Prüfung, falls der Verzicht auf Belgien nicht bis zum Jahresende den Frieden sichern und so einen neuen Kriegs- Winter ersparen sollte.
Auf dieser Grundlage beauftrage ich den Staatssekretär des Auswärtigen, seinen neutralen Vertrauensmann zu instruieren. Dem neutralen Vertrauensmann wurde in meinem Auftrage weiter eröffnet, .unsererseits sei VvoauSZetzung für Verhandlungen mit England: Erhaltung unseres Besitzstandes vor dem Kriege einschließlich der Kolonien, Verzicht auf Entschädigungen, Abstandnahme von einem Wirtschaftskriege nach dem Krieg. Ter vom Reichsminister Präsidenten Bauer veröffentlichte Briefwechsel zwischm mir und Hindenburg vom 12. und 15. September 1917, der übrigens in der amtlichen Wiedergabe um die für das Verständnis wichtigen Schlußsätze meines Schreibens gekürzt ist, ändert an diesem Sachverhalt nichts.
Es handelte sich bei den militärischen Wünschen ebenso wie bei den wirtschaftlichen Wünschen hinsichtlich Belgiens nicht nm Borde halte, die gegenüber England gemacht wurden, sondern um Ziele, die in den Verhandlungen mit Belgien selbst an gestrebt werden sollten. Die dem Briefe des Feldmarschalls beigefügte Denkschrift Ludendorffs vom 14. September 1917 hatte ohnedies nur den Zweck der schriftlichen Niederlegung seiner im Kronrat gemachten Ausführungen, wie daS auch aus ihren Mngangsworten deuttich her- vorgeht. Tie Attion des neutralen Vertrauensmannes ist durch diese Tinge in feiner Weise eingeengt oder e.rschwort worden. Sie führte jedoch schließlich zu einem durchaus negativen Ergebnis: Stellte sich doch heraus, daß auf der von der deuffchen polittschen Leitung umschriebenen Grundlage, die durchaus der Reichstagsresolution vom 19. Juli 1917 entsprach, bei der britischen Re gier un g keinerlei Geneigtheit zu Friedensverhandlungen bestand. Daraus ergab sich, daß der Kardinalstaatssekretär und der Apostolische Nuntius in 9JZünd)en der Mitteilung des Foreign Office und des britischen Gesandten beim Vatikan eine dieser Mitteilung nicht zukommende Bedeutung beigelegt hatten.
Hieran schließt sich folgende Erklärung an: Tie Unterzeichneten bestätigen, daß die obige Darstellung, soweit sich die Dinge unter ihrer Mitwirkung und mit ihrer Kenntnis abspielten, in allen Punkten den tatsächlichen Vorgängen entspricht. (gez.):v. Hindenburg, (gez.)Gudendorfs, (gez.): H e l f f e r i ch.
Kein Friedensangebot Englands.
In Beantwortung einer .schriftlichen Anfrage teilte der englis che Unter st aatssekretär für auswärtige Angelegenheiten, Harmsworth, im Unterhaus mit, daß die Erzbergersche Erklärung über das Friedensangebot der Entente die Tatsachen nicht richtig dargestellt habe. Die schriftliche Antwort lautet nämlich:
Die englische Regierung hat die Absicht, sobald wie möglich dem Parlament die hierauf bezüglichen Dokumente zu unterbreiten. Am 21. August 1917 erhielt der britische Gesandte beim Vatikan Instruktionen dahingehend, den Kar- dinalstaatsskkretär dahin zu unterrichten, daß die britische Regierung nichts darüber sagen, könne, welche Antwort int gegebenen Falle auf die Frie- densvorschläge des Papstes erteilt werden würden, denn sie habe ihre Verbündetm noch nicht darüber befragen können und daß es für alle Fälle unangängig erscheint, die Herbeiführung eines Abkommens dnrck) die kriegführenden Mäckste zu suchen, bevor die Zentralmächte einige Angaben über die Ziele, zu deren Erreichung sie den Krieg fortsetzten, gegeben hätten. In seiner Antwort reihte Gasparri das Aktionsfeld ein und teilte mit, daß die deutsche Regierung ihre Absicht habe kundgeben lassen, die Unabhängigkeit Belgiens wiederherzu st eilen, inbem sie auf die Resolution des Reichstags zugmisten eines annexionslosen Friedens sich stützte. Der Vertreter Englands meinte, daß die britische Regierung keine authentische Kopie dieses Dokuments besitze, welches übrigens nicht genüge, denn der Reichstag habe keine Vollmacht, über diesen Puu.t zu ent|'d)ciben. Am 21. August teilte der Kardinal mit, daß folgendes Telegramm als Antwort auf das britische Telegramm abgegeben mürbe: „Ter Kardinalstaatssekretär behält sich vor, auf das Telegramm zu antrearten, nachdem er von Deutschland eine formelle Erklärung über
Der englische Zriedenrsühler.
Die augenblickliche Regierung, die sich in bci< Tagen entwürdigenden Schauspiels in der Natwnalversammkung durch Herrn Erz- beryer festgelegt hat, sucht ihre parteipolittsch gefärbten „Enthüllungen" iveiterhin als historische Tatsachen zu halten. Abermals benützt sie das Wolffsche Bureau zu einer Mitteilung von zuständiger Seite, um ihrer Enthüllungstaktik den Schein eines Parteimano- vers zu nehmen. Unglücklicherweise trifft dieser Rechtfertigungsversuch mit einer amtlichen Erklärung der englischen Regierung zusammen, die in den Worten gipfelt:
Es ist also klar, daß bie britische Regierung zu diesem Zeitpunkte Deutschland keine Avancen machte. Aber sie war selbstverständlich bereit, im Einvernehmen mit ihren Verbündeten jeden aufrichtigen, auf den Frieden zielenden Vorschlag zu prüfen, den sie von der deutschen Regierung hätte erhalten können.
Diese Bereiterklärung ging aber in ihrer Tragweite nicht üher das hinaus, was englische Staatsmänner in jener Zeit wiederholt öffentlich geäußert hatten. Die Enthüllungen kennzeichnen sich nach der amtlichen englischen Erklärung und nach der neuerlichen Darstellung des Reichskanzlers Michaelis zum mindesten als eine ungeheuerliche Uebertreibung und Irreführung, die mit einem Kraftaufwand unternommen werden, den man besser zur Behebung der Kohlenkrisis angesctzt hätte.
Unter diesen Umständen ist es wohl zu verstehen, wenn gegen die Regierung in weiten Volkskreisen eine Erbitterung aufsteigt, die sich vornehmlich.gegen den Drahtzieher der ganzen Tragikomödie Herrn Erzberger richtet. Veranlassung zu diesem Kesseltreiben wie es der „Vorwärts" nennt, ist nicht seiner Ansicht nach eine Ablehnung des erzbergerschen Steuerprogramms, sondern lediglich ein Reinlichkeitsgefühl, das sich gegen unsaubere Machenschaften wendet, mit denen man versucht, stch selbst rein zu waschen, indem man andere mit Kot bewirft.
Eine Erklärung des früheren Reichskanzlers Michaeli».
Berlin, 7. Aug. (Wolff.) lieber den englischen Friedensfühler veröffentlicht die „Vossische Zeitung" eine ihr von dem früheren Reichskanzler Michaelis nach einer Besprechung mit Vertretern der früheren Obersten Heeresleitung mrd dem früheren Staatsminister Helfse- rich und in Gemeinschaft mit diesen gegebene Darstellung, die in ihrem sachlichen Teil folgendermaßen lautet:
Am 5. September 1917 ging in Berlin ein ,Schreiben des apostolischen Nuntius in München an den Reichskanzler ein, das auf Grund einer in Abschrift beiliegenden Mitteilung der brittscheu Regierung an den britischen Gesandten beim Vatikan der kaiserlichen Negierung eine Erklärung über ihre Absichten bezüglich Belgiens nahelegte und dabei als Ueberzeugung oes Kardinal-Staats- frkretärs aussprach, daß durch eine befriedigende Erklärung ein bedeutender Schritt zu weiterer Entwicklung der Verhandlungen gemacht würde. Ich war mit dem damaligen Staatssekretär des Auswärtigen v. Kühlmann, mit dem ich alsbald das Schreiben des Nuntions eingehend besprach, der Meinung, daß. angesichts der begleitenden Kommentare des, Kardinal-Staatssekretärs, zwar die starke Möglichkeit eines englischen ernft- hasten Friedensfühlers vorliege, daß ledoch aus dem vom Nuntius mitgeteilten Text der Mitteilung des Foreign Office an den britischen Gesandten beim Vatikan sich nicht mit der för die Abgabe der gewünschten Erklärung über Belgien erforderlichen Sicherheit die Ernft- baftigfeit der englischen Bereitschaft ergebe, auf einer für Deutschland im übrigen annehmbaren Grundlage in Friedensverhandlungen einzutreten.
Deshalb vereinbarte ich mit Kühlmann, daß zunächst durch einen von Kühlmann vorgeschlagenen ittutralen Diplomaten die englische Regierimg auf we Bereitsck-aft sondiert werden sollte. Um der Kritischen Leitung für diese Aktion die nötige vewegungsfreiheit zu sichern, erschien mir eine für aue Instanzen bindende En ts cheidung des Kaisers erforderlich. Diese Entscheidung holte M in dem am 11. September 1917 im Schloß K.llevue zu Berlin stattgehabten Kronrat ein. Mit dem Staatssekretär des Auswärtigen war ich tet Ansicht, daß der Schritt des Münchener farntius vorsichtigste, diskreteste Behandlung er- drdere. Es wurde deshalb sowohl den Ministern m> Staatssekretären, wie auch den Herren von der Obersten Heeresleitung und der Marine nur w Tatsache mitgeteilt, daß von neutraler Seite dem Reichskanzler ein Schritt unternommen wor- A. fei, der auf einen englischen Friedensfühler 'chlußen lasse und daß die Wiederher ft el- 'ung der territorialen Integrität °6lgien§al§ Voraussetzung für das 93e» rotten dieses Weges bezeichnet werde. Dagegen vuwe weder im Kronrat noch in den vorher imd facher stattgehabten Besprechungen eine Mittei- l’n9 über den Weg gemacht, auf dem die Angele- keichnt an die politische Leitung gelangt war, noch über den Weg, auf dem die Ängelegenheit f^iter verfolgt 'werden sollte. Im Kvanrat vom i“ September beantragte ich mit Unterftützung des


