Ausgabe 
7.11.1919
 
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169. Jahrgang

Zrettag, 7. November IW

Gießener Anzeiger

Chefs

eidigt.

(Forietzung folgt.)

Darauf erfolgt die

Vernehmung des Admirals Koch, des ersten Mitarbeiters des verstorbenen deS Admiralstabes v. Holtzestdorff.

____ von allen wichtigen Eingängen dem Kaiser Mitteilung -u machen.

Zimmermann: Bei der Bedeutung dieser

Annahme von Anzeigen f. die Lagesnlnniiier vis zum Nackminag vorder ohne iedeBerbindlictikeil Preis für \ mm höhe für An zeigen d.34 mm Breite örtlich 15 bi., auswärts 18 'Bf., für Reklaine- an,eigen von 70 mm Bre ie 48 Pf. Bei Platz- o o r feil ri' > 20°A i ns ckla g. Hauotschri'tleirer: Aug. (Äoen. Leranlivontich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz: für den Anzeigenteil; p. Beck: säniklich in Wieben

Zinrmermann: ______ ________

Eingänge nahm ich an, daß sie dem Kaiser mit-

Orient- und Oftafrikakämpfern tu Brunsbüttel ein.

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Ter Elttzrrer Anzekget erscheint läßlich, außer Sonn- und Feiertags.

Lezugsprett:

inonntl.Pkk.1-60, viertel- jährlich Mk. 4.80; durch Abhole- il Zweigstellen monatl 'Dir. 1.50; durch dieBoft Mk.S. viertel- läl)rL ausschl. Bc tellg. tlcrnipred) - Ansckstüsie: für bte£ditiftlcilunpll2 Verlag,Geschästssiellebl Anschrist fürTrahluach- rrchlen: Anzeiger Eiehen.

Poftscheclionto:

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Unsere Gefangenen in zrarüreich.

Berlin, 5. Nov. (Wolff) General 9?u baift Vorsitzender dw interalliierten Waffenstillstands-- kimmifsion, teilte in einer N o t e an den Präffden- ten der deutschen Wasfenst llstandskommi'sion mit, daß nach einer Entscheidung d.-s franzö i chen Un- terstaatssekretärs für Militärsusti; alle bisher in Frankreich zurückgehaltenen und mm attbehrlich ge­wordenen Sanitätssoldaten in ti1 Heimat ent'aneu werden sollen, formt eine derartig Maßnahme vereinbar ist mit dem GZundhettszustand der deut­schen Kriegsgefangmen und den dem genannten Unterstaatssekretär zur Briügung gestellten Transportmitteln. Die Zall d:r entbehrlichen Sanitätssoldaten und der Zeitpunkt ihrer Heim- sendung werden noch bekanntgegeben werden.

Rückkehr von Orient- und Ostasrikakämpfern.

Berlin, 6. Nov. (WTB.) Am 10., 13. und 16. November treffen doer Dampfer mit

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Sin z Heimer: Ist von diesem Telegramm des Grasen Bernstorff auch dem Kaiser Mtt- beilmtg gemacht worden?

rD. Bethmann Hollweg: Eine große Zahl von eingegangenen Telegrammen ist _ dem Kaiser in das Große Hauptquartier nachgeschickt worden. Ein anderer Teil wurde dem Freiherrn

Die Washingtoner Konferenz.

W a s h i n g t o n, 5. Nov. (Wolff.) Havas. Der internationalen Arbriterkonferenz wurde ein Be­kehren über die Abmachung einer internationalen Konvention betr. die Einführung der 4 5 - Stun - d e n tv o ch e für alle Länder, welche 1921 den Fricdensvertrag ratifiziert haben, unterbreitet. Ge­wissen Staaten sollen Abweichungen gestattet wer­den. Wan schlägt die 48 Stunbenwoche für alle Industrien vor, die ununterbrochene Schichten be­treiben. Für Japan, China und Jittnen werden Ausnahmen gestattet, in Anbetracht der speziellen Verhältnisse und der unvollständigen Entwicklunx in diesen Ländern. Den entsprechenden Regie- "inmgen wird es außerdem freigestellt, für die Dauer von Kriegen oder ähnlichen außerordent­lichen Zuständen diese Verernbarung aufzuheben

Die Londoner Konferenz.

London, 5. Nov. (Wolff.) Reuter. Die vom Rote zur Bekämpfung der Hungersnot tor* ganiiverte internationale Wirtschaftsvonserenz b> riet über die Wirtschasts-- und Finanzlage Euro­pas. Ter Holländer Tr. Wench'bachl, d:r seit Kriegsausbruch etn Wiener Spital leitet, gab furchtbares Bild von den Verheerungen, int Hun ger und Krankheiten in Wien angerichtet haben. Prost sor Brentano (Deutschland) erNärte es fei zwecklos, sorgfältige internationale Bor- kehrungeil für die Erhöhung t>.-5 Lebensstandards in der ganzen Welt zu treffen, so lange der Standard der großen Missen Zentraleuvap-.s fast aur dem asiatischen Niveau stehe. Sir Georg: Paish, der d.e Verhältnisfe in Deutschland unter­suchte, sagte, Europa stelle vor einer unermeßlichen Katastrophe, und, wenn der europäische Kredit nicht niederhergestellt werde, werde eine gewaltige bol sck-cwistische Erhebung die Folge sein. Prosffsov Starling, der an der RegrerungsVommisfion nach Deutschland teilgenoinmen hat, erklärte, Deutsche land stehe am Rande des Verhungerns. Millionen würden dort diesen Winter sterben.

Die Gewaltpolitik der Entente.

P a r i s, 5. Nov. (Wolff.) Reuter. Der Oberstr Rat setzte biePiederlanoe davon in Kenntnis, daß er an seinem Beschluß, die nach?lusbruch des Krieges gekauften deutschen Schiffe nicht als holländisches Eigentum anzuerkennen, festhalte.

Churchill über die deutschen Truppen im Baltikum.

London, 5. Nov. (Rexttexri Unterhaus. Auf Erwiderung auf eine Anfrage erklärte Churchill, das verfügbare Beweisma-eriol aeige, daß die Stärke der deutschen Streitkräfte m den baltischen Staaten etwa 35 000 Mann betrage, von denen 15 000 Mann anscheinend) xewillt seien, nach Deutschland zurückzukehren. Die übrigen 2 0 000 seien den deutsch­freundlichen russischen Truppen unter Bermondt beigetreten, dem Judenitsch die Anerkennung verweigere und den er in die Acht erklärt habe.

Rückzug der Armee Koltfchak.

Omsk, 6. Nov. (WTB.) Reuter. Die Zivil­regierung räumt Omsk. Die Armee Ko l t s ch a k zieht sich aus der ganzen Front zurück.

, 1 Schlosser, 1 Schreker.

älter, 8 Schrlslsetzer imb Schreiber und Aelsen e, nb Ausläufer, Maschinen- Mechaniker, 1 Svenaln u. Iller, 2 GLriner, 3 Stbxei- fi&TAiSS} i'

4 Lletzger, 1 HauSmetlier chniker, 1 SimmmM» er, 1 Zabnielbniker, ein arirnbnmechouer.

, 2 Schlosser, l Svengl«. , 3 Altubmacher, I Äon* Mwirn 1 *>«*=' Abteil«»«-

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General-Anzeiger für Oberhessen

ZwNttngrnrnbdruck u. Verlag: vrühl'sche Univ.-Such- u. Ztetndruckrrei 8. Lange. Zchriftleitung. Geschäftrstelle u.Druckerei: §chu!str. 7.

wider - ztubmattier, rec l lunger ftamW.«

5 Zigarren- \x. WtV lomwn. 2 Iritallaleure, ,aitux, 1 dolzblldhauer, ex uub Zusammensetzer,

v. Grünau zugesprochen mit dem allgemeinen Auftrag, Kaiser M

Aus dem Reiche.

Gegen den Generalstreik.

Berlin, 5. Nov. (Wolff.) DerVorwärts*' enthält eine Erklärung des Vorstandes der Be­zirksorganisation Groß-Berlin der S. P. D.. die il a. folgendes besagt: Der Beschluß in der Generalversammlung des Deutschen Metall- arbeiterverbandcs über die Erklärung des General­streiks wurde damit begründet, daß die Metall­industriellen die Rechte der Arbeiterräte und Ar- beiterausschußmitglieder beseitigen wollten. Diese Darstellung ist irreführend. In der Versammlung der Parteileitungen der Demokraten, U. S. P., S. P. D. und der Vorsitzenden der beiden Voll­zugsräte Groß Berlins ist vereinbart worden, daß die Rechte der Arbeitervcrtretungen nach Aufnahme der Arbeit gesichert werden sollten. Die Frage der Arbeiterräte sollte durch den Streik bzw. seine Beilegung nicht berührt werden, lieber die ma­terielle Streitfrage war, wie der Aufruf weiter sagt, schon vorher eine Einigung mit den Unter* nebmern erhielt worden. Es fehlt also in Wirk­lichkeit jedes Kampfobjekt. Wir lehnen jede Ein­mischung in den in der Metallindustrie ausgebro­chenen Streit ab, müssen uns aber gegen jede Axrsdehnung des Kampfes auf die lebenswichttgen Betriebe, sowie auf die übrigen Zwerge unseres ohnehin schwer zerrütteten Mrtschastslebens

Berlin, 6. Nov. (WTB.) Reichswehr­minister Noske löste den Vollzugsral der Arbeiterräte für Grok-Berlrn auf, weil er mit rvahrheitswidriger Begründung die Arbeiter zum Generalstreik ausfordertt und dadurch Unruhe und Zwiespalt in die Reihen der besonnenen Arbeiterschaft getragen habe.

Gegen Schleichhandel und Schichertum.

Berlin, 6. Nov. (Privattelegr.) Ein« rheinische Handelskammer richtete an sämtliche Firmen chres Bezirks das Er­suchen, ohne Ausnahme jeden Angestellten, Beamten und Arbeiter zu kündigen, der dem Schleichhandel, dem Schiebertum und der Be­stechlichkeit überführt sei.

teln, von denen das eine der sichere Un­tergang war. Tie Antwort auf das deatfch.' Friedrnöangelwt hotte gezergt, daß uns»re Feind; es aut die Vernichtung Deutschlands abgesehm hatten. Admiral von Haltzendarff war der 9bv> fick.!, daß die Zeit von da ab nicht mehr für uns, sondern gegen uns arbeite. Der'Mi'.g könne att dem Lande nicht mehr gewonnen roerbm und außer­dem verlangte die Oberste Heeresleitung die Unter­stützung der Marine.

Vorsitzender Warmuth: Wußte Herr von Holtzendorff, daß die Wilsonsche Friedensaktion von Deutschland angeregt wurde?

Admiral Koch: Ich weiß es nicht genau. Ich nehme es an. Er war fast immer im Hauptquartier.

v. Beth mann-Hollweg: Bei den oiel- fachen Besprechultg-en, die ich mit dem Admiral von .Holtzendorff über dcn U-Bootkricg hielt, und über die Stellmxg Amerikas zu unserem Friedensangebot habe ich ihm wiederholt angedeutet, daß wir darauf hinwirkten, Wilson möge einen Friedensappril veranlassen.

Vorsitzender Warmuth: War auch die Oberste Heeresleitung barüb.r orientiert, daß die Wilsonsche Friedensaktion von Deutsch­land angeregt worden war? Ist sie dauernd auf dem Laufenden gehalten worden ?

v. Bethmann Hollweg: Aus dem Ge­dächtnis möchte ich eine Antwort darauf nicht geben, weil die Akten das notwendige enthalten. Was in den Akten steht, ist genau formuliert.

Vorsitzender Warmuth: Es handelt sich doch um so marftmtt Dinge, daß ich glaube, baß Exzellenz auch aus dem Gedächtnis oussagenk können. Die Tatsack>e, daß, von uns aus das Wil- sonsche Friedensangebot angeregt worden war. und gefördert ronrbe, ist in der ganzen Friedensfrage so einschneidend, daß ich nicht unterdrücken Cann, zu sagen, daß wohl doch im Gedächtnis Ew. Exzelleitz haften müsse, daß es auch jetzt noch möglich fein muß, sich aus dem Gristichtnis zu äußern. Wir möchnm nur wissen, inwieweit Sie der Obersten Heeresleitung von diesen Dingen Kenntnis gegeben haben.

von Bethmann-Hollweg: Diese Aus­führungen des Vorsitzenden zivingen mich, meine grundsätzliche Auffassung von meiner Stellung dem Ausschuß gegenüber klarzulegen. Ich bin als Aus­kunftsperson geladen und werde unter Zeugeneid vernommen. Meine Aufgabe kann nur fein, dem Ausschuß in den Fällen, wo er sich aus den Akten nicht unterrichten kann, Auskunft zu geben also eine Ergänzung der Akten zu liefern. Diese Ergänzung wird sich zweifrilos daraus beziehen, daß ich ine Grunde und Ziele meines Handelns klarlege. Es kann aber nicht meine Aufgabe sein, aus dem Gedächtnis dem Ausschuß eine Darlegung der Geschehnisse und Begebenheiten zu liefern, die her Ausschuß sich selbst aus den Akten verschaf­fen kann. Einstweilen stehe ichnochnicht als Angeklagter hier, fonixrn als Aus- kunftspersvn und Zeuge und ich lege größten Wert darauf, daß diese scharfe Schridmrg gemacht werde. Wir stehen ja ht einem eigentftmtidjen Verfahren. Es werden hier die Bedingungen eines Tatbestandes lestgesteUt, aus 'Grnid deren ich demnächst vr:l- leichst vor dem StaatSgerichtshof als Angeklagter erscheinen muß. Das ist juristt ch eine ungeheuer­liche Auffassung. Selbstverstäud ich wird mich diese Sachlage nicktt davon ibhrlteu, hier bei ntzincr vereidigten Aussage die Wa h r he i t zu sagm.

Nach meiner Stellung als früherer Reichs­kanzler tarnt von mir nicht verlangt werden, daß ich über die Einzelheiten der Ausführung von Richtlinien, die ich gegeben habe, Auskunft geb. Dazu hatte ich meine Mitarbeiter, die in vollem EiEang mit mir gearbeitet haben. Aber bei der großen Komplikation des Weltkrieges konnte ich imftrter fmrr die großen RichEri-en angegeben, die es klar zu sehen galt. Soeben wird mir ein Tele­gramm vom 1. Okrober 1916 an den Frei­herrn von Grünau überreicht. Sie wollen nachfolgendes Telegramm Generalfeldmarschall v. Hindenburg imb in Abschrift Admiral von Holtzendorff zustell'-n. Das nachfolgende Telegramm hieß:Gras Bernstors ist aus persönlichen Befehl Sr. Majestät des Kaisers angenneen, den P r as i- benten Wilfons zum Erlaß eines Frie- densappellszu veranlasse n." Die Sage ist also absolut geklärt. Dieses Telegramm befindet sich bei den Akten. Der Ausschuß muß wissen, daß der Reichskanzler seine Vertreter im Großen Hauptauartier am 1. Oft. beauftragt hatte, sowohl der Obersten Heeresleitung wie dem Sldmiralstab ausführlick>e Mitteilung zii machen. Wetter wurde mir aus den Akten ein Telegramm vom 27. No­vember an Generalfeldmarschall v. Hindenburg vorgelesen, Präsident Wilson habe vertraulich Graf Bernstorfs wissen lassen, daß er in der Zeit zwi­schen jetzt und Neujahr einen Friedensappell zu erlassen gedenke. Mir scheint, daß diese Frage nun restlos beantwortet ist.

Abg. Dr. Sinzheimer: Aus den Akten ergibt sich Wetter, daß auch G meral Ludenbor ff imterridrtet war. Es fragt sich nun, ob in der kri­tischen Zeit vom 26. Dezember bis 9 Januar bie wichtigen Tel gramme des Grafen Bernstorff, daß Präsident Wilson ihn um ver tra u licke Mitteilung der Friedcnsbebingungen bitte, trotz der Entente'.wtt der Obersten Heeres­leitung mitgetcilt worben sind.

v. Bethmann-Hollweg: Was die Oberste Heereseitung anlangt, so nchme ich nick, dem Gedächtnis nicht an, daß der Inhalt der Depeschen wört.ich ober auch nur annähernd wört­lich der Obersten Hoeveslntung mitget ilt worden ist. Besttmmtes kann ich aber nicht angeben, -veil ich glaube, Admiral v. Holtzendorff Mitteilung gemod t zu haben.

Zi mmerm ann: Selbstverstänblich s nb alle wichtigen Telegramme der Obersten Heereslettung mitgeteilt worben.

geteilt worben sind.

Sinzheimer: Die gleichen Mitteilungen find auch nach Wien telephoniert worden. Am 26. November wurde sogar telephoniert, Wilson suche die Konferenz zu verhindern, was tatsächlich unrichttg war.

Zimmermann: Ich hatte die Ansicht aus dem Telegramm des Grafen Bernswrsf gewonnen, wir wollten schnell eine Konferenz, Wckson aber zögere.

Sinzheimer: Am 25. Dezember hat Gene­ral L u d e n d o r f f in einem Telegramm gesagt: Trotz aller Friedensschalmeien werbe der Krieg mit allen Mitteln fort geführt werben. Die Oberste Heeresleitung schien also an bie Wilsonsche Frie- densvermittlung nicht mehr zu glauben.

v. Bethmann-Hollweg: Die Sk.'pns ber Obersten Hoeres. ritung tnbe^jg auf die Poli.ik Wilions war jingeljeuer. So erklärt sich Lud?n- dorn's Tc.egramin. Ucber diese Frag? können Wir aber erst dann verhandeln, wenn ein Vertreter der Obersten .Heer.'s.eitung g'hört Wirb.

Vori. Warmuth: Dr.s ist auch meine Aut- fassung. Die Vernehmung des Gmerals Ludm- dorfs 'steht in Kürze t;t Aussicht.

9Ibg. Dr. Cohn: Hatten Sie in jener Zett noch Nachrich en aus Neuhork vom Gen:ralkonsulat, die sich in anderer Richtung bewegen, als die des Grasen Bernstorff?

Zimmermann: Jawohl. Es waren ntcht- amtliche Nachrichten. Nach ihnen wurde Wilson an­ders beurteilt, als Graf Bernstorff ihn beurteilte.

Dr. Cohn: Ihre Skepsis mußte dadurch ver­stärkt werben.

Zimm ermann: Zweifellos.

Dr. Cohn: Haben Sie auch den Reichs­kanzler, die Oberste Heereslettung und den Ad- mttalstab darüber unterrichtet?

Zimmermann: Den Reichskanzler sicher.

Dr. Cohn: Entlstttten diese Nachrichten nicht auch die Veriicherung, daß Amerika unter keinen Umständen in den Krieg gegen Deutschland ein­treten würde, gleichwie, was Deutschland tun würde.

Zimmermann: Darauf kann ich mich nicht entf innen.

Dr. Sinzheimer stellt fest, daß die Be­richt bei den Akten vorhanden sind, aber in den Auszug nicht ausgenommen worbm sind.

Dr. David: Ist der Staatssekretär a. D. Zimmermann persönlich zu der Auffassung ge­kommen, den U-Bootkrieg möglichst bald und zwar schon im Januar zu eröffnen?

Dr. Cohn stellt fest, baß b%m Ausschuß solche Berichte aus Neupork nicht vorli gen.

Zimmermann vettvahrt sich erregt gegen die Vorlegung solcher Fragen. Sie dürfen mich nicht zum Meineid führen wollen.

Zimmermann: Es handelt sich dabei nicht um den rücksichtslosen U-Bootkrieg, sondern um den U-Bootkrieg gegen bewaffnete Handelsschiffe. 1916 hatte Lansing eine bemerkenswerte Mittei­lung an die Kriegführenden gemacht, in ber er sich auf den Standpunkt stellt, daß bewaffnete Han­delsschiffe als Kreuzer betrachtet werden könnten imb daß, falls die Entente sich biei'em Standpunkt nicht anschlösse, bie amerikanische Negierung in Erwägung ziehen müsse, ihren Standpunkt zu walwen, 5. h. duß solche Schiffe in amerikanische Häfen den Vorschriften für Kreuzer unterworfen werden müßten. Dieser U-Bootkrieg gegen bewaff­nete Handelsschiffe hätte bie Friedensaktion, nicht gestört.

Dr. David: nehme an, daß Sie diesen Standchmkt auch den Hnilitärifchen Steilen gegen­über zum Ausdruck gebracht haben.

Zimmermann: Dem Admiralstab gegen­über sickier.

Dr. David: Der Reichskanzler und Helffe- rich teilten diesen Standpunkt nicht?

Zimmermann: Ich hoffte, in dieser Frage mit Amerika zu einer Verständigung zu kommen.

Damit ist diese Angriegenl-eit erledigt. Es wird Staatssekretär a. D. Dr. Helsferich ber»

Vorsitzender Warmuth: Vorbehaltlich der Verlesung von Niederschriften des Herrn von Holtzendorff bitte ich Sie, zu beantworten: 1. Was bestimmte das Drängen nach dem rücksichtslosen U-Bootkrieg? Welche Gründe schien diesen er­forderlich zu machen? 2. Was rechtferiigt die Zu­versicht zu den Leistungen des unbeschränkten U- Bootkrieges? 3. Was war bie Ursache, daß dieser mit Sicherheit angegebene Erfolg ausblieb? Schließlich wird noch bie Unter frage gestellt wer­den: Wie war technisch eine Möglichkeit gegeben, den einmal in Szene gesetzten rücksichtslosen U-Dootkrieges wieder rückgängig zu machen?

Admiral Koch: Wider Erwarten ver­zichtete England auf eine Seeschlacht. England konnte mit leichten Streitkräften und Hilfssahr- zeugen aller Art die Zugänge zur Nordsee ab­sperren und durch wirtschaftliche und physische Aushungerung des deutschen Volkes den Frieden erzwingen unter gleichzeitiger Vergewaltigung von Neutralen. Auf diese Weife entstand die sogenannte Hungerblockaoe, die Unserem Volke so schwere und entsetzliche Leiden gebracht hat. Seit Herbst 1914 hatte England so seine Hand an unserer Gurgel und Deutschlarrd war dagegen fast mack^los. Zum erstenmal war durch das U-Boot die Möglichkeit gegeben, ohne den Be­sitz der See^rrsckrast die Axt an die Wurzel der englischen Seeherrschaft zu legen. Die Anwendung dieses Machtmittels war abhängig von ber militärischen Notwendigkeit. Im Herbst 1916 war es immer klarer geworben, daß die physischen inib wirtschaftlichen Hilfsmittel Deutsch- latchs und vor allem unserer Verbündeten in ab­sehbarer Zett zur Neige gihaen im Erschöpfungs- kamps und bt ber Hungerblockade. Eine 2lussicht auf eine günstige Entscheidung des Landkrieges war kaum noch vorhanden. Nach der Ansicht des Admiralstabes mußte auch bie Rücksicht auf bie Neutralen zurücktreten. In der Denkichrist des Ädmiralstabs, die am 22. Dezember im Haupt- cuartier übergeben wurde, ist die Ansicht Holtzen- Lorfss hierüber festgelegt. Darin heißt es, baß das «snbe des Krieges baldigst herbeigeführt werben müsse, wobei auch oie Folgen einer amerikam- fschen Kriegserklärung nuckstern abzuwägen seren. Ans blieb nur die Wahl zwischen zwcr Mrt-

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Parlamentarischer Untersuchungsausschuß.

WTB. Berlin, 6. Nov. 1919.

Staatssekretär a. D. Z i m m e r m a n n: Ich habe mich auch mtt Gerard darüber unterhalten ob es nicht möglich wäre, ein größeres Entgegen kommen feiner Regierung herbeizusühren. Gerard erklärte, daß seine Regierung die Neittralität nach außen hin wahren müsse. Es könne von der En­tente nicht unlirmerft bleiben, wenn wir zu häufig von dem axnerikanischen Kabel Gebrauch machten. Infolgedessen waren wir verpflichtet unsere Korre­spondenz mit dem Botschafter möglichst zu be­schränken. Funkentelegraphischer Verkehr war für geheime Nachrichten durchaus unerwünscht. Ein verfönlicker Meinungsaustausch mit dem Bot­schafter ober eine Ucbcrmittelung persönlicher Ein­drücke aus ber Botschaft wäre uns sehr erwünscht aewesen. Die Heimfahrt des Geh. Rat Elbert scheiterte, wett die Gesellschaft, der das Handels- unterfeeboot gehörte, sich nicht Unannehmlichkeiten mit der amerikanischen Regierung aussetzen wollte.

Abg. Schücking: Sahen Sie in dem Ver­halten ber amerikanischen Regierung in bi .fern Falle eine unsreundlicke Hnndttmg?

Graf'Be r n.st'sr s f: Wir w ren der Ansicht, baß der Standpuntt ber amerikanischen Regierung f al ich fei. Txrie glaubte, sie könne nach berHaiger Kenvention nicht anders h-xndeln.

Au» eine Anfrage des Sachverft«ttngen Dr. Hötzkch erklärte Gras Bernst-orfs weiter: Wenn eine genügende Anzahl von Telegrammen vorhanden war, so konnte jede Chiffr: dechiffriert werben.

Tr. Hötzsch: Von Verrat 'ober Leichtserttgkstt ist also kerne Rri^e?

Grat Bernstorff: Ich glaube nicht an Ver­rat 'Ober Fahrla sigkeit.

Berlin, 6. Nov. ^WTB.) Vorsitzender Warmuth eröffnet die Sitzung um lO1^ Uhr. Sachverständiger v. Romberg: Gras Bernstorff stand auf iym Standpunkt, daß Wilson uns 9er» hältnismäßrg günstig gefinnt sei, während in Berlin das schwerste Mißtrauen bestand. Ich habe den Eindruck, daß zwischen der Botschaft in Washington und ber Zentralstelle hi Berlin in dieser wichtigsten Zett nicht immer die notwendige Verständigung bestand. Wäre ber Botschafter nicht in der Lage gewesen, einmal nach Deutschland zu reisen ober wenigstens einen Beamten ber Botschaft nach Deutschland hinüberzuschicken?

Graf Bernstorff: Unser einziges Kabel war zerstört worden. Die amerikanische Regierung hat sich zu Anfang aus den Standpunkt gestellt, baß die drahtlose Station vor dem Krieg nicht vollkom­men in Betrieb war und baß sie nach den Be­stimmungen der Haager Konvention nicht er­weitert werden dürfe. Auch war französisches Ka­pital daran beteiligt, und die französischen Mit­besitzer verlangten sofort die Schließung der Sta­tion. Die amerikanische Regierung nahm darauf die Station selbst in Verwaltung und verlangte, baß sie von allen Telegrammen Kenntnis erhielt. Es bestaub die Absicht, ben jetzigen Unterstaats- fefretiir Albert auf bem Handelsunterseeboot ,,Deutschland" nach Berlin zu schicken. Diese Reise scheiterte aber an dem Einspruch des Kapitäns König. Ich selbst konnte natürlich nicht weg. Die Entente würde mich nicht durchgelassen haben.