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Nr. 105

TerIcfctner flujdftt erscheint wqlich, anker Sonn- und Jeiereag-.

Bejugsprtis: monatl. M k. 1.35, oiertel- iührllch Mt. 4D5 durch hbbole- u. Zweigstellen monatl Tlf. 1.25. durch die Bost Mk. 4.05 viertel- jdl)rt ausschl. pestellg» siernfpreck - Anictzlüste: für die 6d)rtltleiiunqll2 Ber1aq.«eIcha'lssteUe5I AnIchr^tsirDralUnoch- r,chten:>N)et-erOiezei.

poftschrtNoule: 5r«Nkfvrt a. M. 11686

169. Jahrgang

Mittwoch, 7. Mai 1919

SieMnek Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

SroiTIhtgsrunbörnd u. Verlag- vrühl'sche Univ.-Such- u. Steinörurferei N. Lange, bchriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schulftr. 7.

Annahme von Snjtigta f. die L.ane»n»nnmer DK zum Nncl'mtnaq vorder ohne jede l^ rdnidilchtcU 5eilenord|<:

für örtliche .'innigen 25 Itejür au«ioärltge 30 'LU, für 'Jieflamen 2HC.1. - nebst 20* e7eut- niniKAuf "laq;Plaigvor- schrni 20 H tluMd lag. Vauvtichn tleiter: Äug. Goerg. Berantivorrlich für Politik: Dlua. Äoetz. für den übrigen Teil: Dr. Reinhol) Zenj; |ur den Änzeigeitteü: v. Beck; lämihd) in Sieben

der der

tion überreicht worden.

Die Frage von Fiume nicht geregelt.

Versailles, 6. Mai. Tic Rückkehr

deutsche Delegation wird durch sechs Be­vollmächtigte, begleitet von Scftetd.cn, und fünf Zeitungskorrespondenten vertreten sein.

Der Frieden: entwuf der Entente.

Paris, 7. Mai. (üxroa5.) Ter Text des Präliminarfrieden s mit Tcuschland wurde in einer g b-:iinen Sibung heute nachmi trg um 2 Uhr oen Telegierten der mi. Deutschland, in Krieg befindlichen alliierten Mächte mitgeteilt.

Die Ankunft der Italiener.

Paris, 6. Mai. (Reuter.) Tas^Beglaubi- gungsschrciben der italienischen Telega-» tien ist heule morgen der deutschen Delega-

Eine Frage über den früheren deutschen Kaiser im englischen Unterhaus.

Amsterdam, 6. Mai. (Reuter.) Aus eine Anfrage im Unterhaus, ob beschlossen wor­den sei, daß der ftühere deutsche Kaisen nicht bestraft werden würde, antwortete der Staats­sekretär für Inneres, daß diese Ansicht nicht den Tatsachen enlspreche.

Ein großes belgisches Munitionsdepot in dir Luft geflogen.

Brüssel, 6. Mai. (Havas Reuter.) Tas «riesige M u n i t i o n s d e v o t auf der Rennbahn Groenenteel bei Brussel ist heute morgen in die Luft geflogen. Rach einer spä ercn Meldung soll sich die Munition unter der Einwirkung der Sonne selbst entzündet haben. Es gelang, 600 deutsche Kriegsgefangene zu ret­ten. Wie verlautet, ist eine Anzahl Personen getötet worden.

Einmarsch der Alliierten in Budapest?

Paris, 6. Mai. (Havas.) Das rumä­nische Presse-Bureau erhält aus Wien die Be­stätigung des Einmarsches der alliierten Truppen in B ud ape st.

Der frühere russische Vertreter in Berlin, Joffe, getötet.

Berlin 6. Mai. Wie den Berliner Morgen- blättern berichtet wird, ist nach einer Meldung aus Warschau bei der Einnahme von Wilna durch die Polen der ftühere Vertreter der Sowjet­republik in Berlin, Joffe, getötet wordent Die Ermordung der Münchener Geiseln.

München, 5. Mai. lieber die Ermor­dung der Geiseln ist streben eine amtliche D a r st e l l u n g erschienen, aus der hervorgeht, das, hie Leichen zwei Tage lang nicht identifiziert inertem konnten, da die Spartakisten am medizi­nischen Institut zwei schwere Maschinengewehre und ein Geschütz ausgefahren Hütten, so daß es den Beamten der Mi'.i ärpolizei nicht möglich war, mit den Agnoszierungszcugen in das gerichtlich-mcd9° zinische Institut zu gelangen. Nach übereinstimmen­den Aussagen der Tatzeugen spielte sich die Erschießung der Geiseln folgendermaßen ab: Tie Geiseln wurden über Nacht meistens im Keller eingesperrt', es wurden am 28. April noch Hwei Soldaten der Garde-Schützendivision eingeliefert, deren Namen noch nicht festgestellt sind. Tie Soldaten wurden geschlagen, und es wurde ihnen gesagt, daß sie erschosten werden sollten. Infolge­dessen war die Stimmung unter den Gefangenen eine sehr betrübte, um so mehr, als tags zuvvr die Polizeidirektion, Die unter kommunistischer Führung stand, die in dem Hotel Bier Jahreszeiten ver­hafteten Personen einlieferte und zwar Walter Neubaus, Walter Teilte Graftn Mia von Westarp, Anton Daumenlang. Diesen Geiseln war fdyem in der Polizeidirektion mitgeteilt worden, welchem Äzicksal sie entgegengingen. Sie waren deshalb zunächst ganz fassungslos. Obersekretär Taumen- lang weinte bitterlich, und es machte auf alle Anwesendm einen erschütternden Eindruck, als er erzählte, daß er ganz und gar unschuldig sei irnb nicht wisse, warum er hier sei. Er bäte Weib und Kinder und wollte gern frei sein. Taumenlang war blutüberströmt /rls er ins Luit- poldgymnasium eingclie'ert wurde. Er batte flüch­ten wollen und war deshalb mißhandelt worden. Am 30. April, 10 Uhr vormittags, wurden die zwei von der Roten Garde eingebrachten Soldaten, von denen der eine, wie er erzählte, Familienvater und in Berlin wohnhaft war, während der zweite ein 18- bis 20jähriger lediger junger Mann war, hin gerichtet. Ter junge Soldat war vorher furcht­bar geschlagen und mißhandelt worden. Tie beiden Soldaten wurden in den Hof geführt und mußten sich an die Wand stellen, kamen in ein Scbützenftuer und brtzchen zusammen. Die übrigen Geiseln mußten dabei zusehen Damit war sicher, daß auch sie das gleiche Schickal ereilen werde. Tic Gei'eln schrieben AbschiedSbriese und horten am Nachmittag, daß Dr. Levien an­wesend sein sollte. Was er dort tat, weiß bis jetzt niemand. Der Kommandant der Wache, Fritz Seidel, gab nun gegen 4 Uhr seinem Stellver­treter, 'Willy Hausmann, den Befehl, die Geiseln auszusucken, die hingerichtet nrerben soll­ten. Dausmann kam mit einem Schreiber in das

Soldiien. Aus den Fenstern säten ungefähr 150 bis 200 Soldaten heraus. Außerdem standen im Lose 8 bis 10 Mann, darunter Soldaten, Ma trosen und ein Zivilist mit einer Chauffeur-Leder ade. Ter Zivilist lachte und |reute fick) der kommenden Tinge. Die Opfer standen zusammen- .^drängt zw schni zwei Bäumen in einer Ecke. ?\m Hof smnden der Schreiber und Hausmann Vorne auf der Wüte spielten Soldaten auf der Mundharmonflh. hierauf wurden einzeln die Na men aiifgerufen; und ungefähr acht Meter von bei Wand entfernt nahmen dir Mörder Austiellung. Vorher müß en die Opfer alle ihre Wettsarlnn und Brieftaschen an den Soldaten abyten, der das zstommando hatte. Als erstes Opfer wurde der Obers.krelär Daumenlang mit dem Gesicht Mir Maner von rückwärts erschossen. Er ,betete Tic Schlüsse sielen unregstmäßig und es ist nicht erwiesen, ob ein Kommando gegeben worden tvar. Wer als Zweiter erst!)osfen worden ist, tbanrtc 'irch-t einwandfrei ftstgestellt werken: auf das Opfer wurde noch rachtnäglich von einem Zivilisten ein Schuß abgegeben und zwar ganz in der Nähe des Kopfes, so daß die Sckiädeldecke zertrümmert tourte. Ter Tritte, der cicfuticrt wurde, war Oberleutnant v. Teuchert, der sich nicht umdrehen wollte, sondern aufrecht sdehen blieb und zu den Soldaten fagle:Ich sehe dem Tod ins Auge!" Mittler­weile wurde der Prinz Thurn und Taxis, da er ciTärtc, daß er nicht der ^suchte Thurn und Taxis sei, sondern ein anderer, nochmals zur Seite geführt, da die Soldaten ausdrücklich ver- >ang:en, daß man keinen Unsckmldigen töten solle. S e i d e l, der mit einem Weib am Schreibtisch saß, ,'ag'e bloß:Weg damit, bei uns gibt es kein Ver hanteln! Entweder Ja ober Nein!" Als nächster wurde wahrscheinlich Professor Berger gelötet, wobei vermutlich auch Dum-Dum Geschosse verwen­det wurden, da seine obere Gst'rchtshälste vollstän­dig zertrümmert war. Als fünfter ist tvahrscheinlich kWalter Nenhans, auch von rückwärts, erschossen worden, als sechster wurde Friedrich Wilhelm v. S e y d l i tz ermordet. Als siebentes Opfer kam Gräfin Westarp daran. Sie bat, noch tdjrcv iten zu dürfen; dies wurde ihr gestattet und sie schrieb auf dem Rücken eines Soldaten ungefähr 10 bis 15 Minuten. Sie sagte zu den Soldaten: .Lch bin unschuldig, macht doch aus mir /'keine Leiche!" Den Zettel übergab sie dem Schreiber, drehte sich zur Wand, nahm das Gesicht lin bte ^ände und fiel getroffen von einigen Schüssen auf bte anderen Leichen nieder. Ms letzter kam Prinz Thurn und Taxis an die Reihe. Er war sehr gefaßt und rprhig und »gab noch den Austtag, wenn jemand von den anderen Geiseln entlassen werde, so solle einer den Vorgang im Parkhotel melden. Auch Prinz Thurn und Taxis muß von Dum-Dum Geschossen getroffen sein, da der obere Teil dos Gesichtes vollständig fehlt. Bon einem Augenzeugen wird berichtet, daß gegen 4 Uhr im Luitpold-Gymnasium ein Plakat auf» gehängt wurde, auf dessen Rückseite folgendes mit Bleistift geschrieben stand:Erscheßt 22 Leute, aber sucht Euch die s e i n st e n heraus!" Gezeichnet war der Befehl von Egel Hofer, dem Münchener Stadtkommandanten ter Räterepublik und Oberst- kommandicrenden der Roten Garte, der am 1. Mai festgenommen werden konnte und Samstag vor­mittag bei einem Fluchtversuch im öoie der Residenz erschossen wurde Daß das Ober­kommando den Befehl gereten hat, geht auch aus dem Abschiedsbriefe des Willy Hausmann hervor, ter ftch später selbst gerichtet bat; die Sekretärin des Eglchoser behauptet zwar, daß Eglhofer nichts davon gewußt habe, und auch eine andere Schreiberin erzählt, daß Eglhofer, als er von ter Erschießung hörte, mit Tränen in den Augen gesagt habe:Das habe ich nicht ge­wollt !" Bis jetzt ist der Zusammenhrr.ig ter Dinge noch nicht klar erwiesen. Tie Leichen wurden wei­ter nicht verstümmelt und auch von den Soldaten nicht beraubt. Wahrscheinlich wurden in der Naclst die Opfer durch Leichenschänder teilweifie ausgcplüntert.

Tie furchtbare Tat verbreitete sich mit Blitzes­schnelle in ter Stadt. Tiefem Umstande ist es zu- zuschreiben, daß sich die Bürgerschaft be­waffnete und auch kleine Vortrupps in die Stabt einmarschierten und bte Stadt früher be­setzten, als es im militärischen Plane lag. Nach­träglich wurde noch im Luitpold-Gymnasium ein männlicher Geschlechtsteil gefunden sowie Ein­geweide; letztere wurden zur Feststellung ins ge­richtlich-medizinische Institut gebracht, ob sie von Menschen herrühren. Es wird nach den übrigen Leichen g'fahndtt, doch hat bisher kein Zeuge ge­meldet, daß noch mehr Geiseln dort umgebracht worden fiitb. Es ist jedoch möglich, daß im ge­heimen von einzelnen Leuten weitere scheußliche» Morde verübt worden sind. Ueber das Gerichts­verfahren kann noch nichts gesagt werten. Tic Angelegenheit ruht in den fänden der Staats­anwaltschaft. Alle Täter, so schließt ter Bericht, werten verfolgt und zur raschen Aburteilung ge­bracht.

Noch immer ernste Lage.

Berlin, 7. Mai. Wie bte Berliner Morgen blätter melden, ist die LageinMünchennoch immer als ernst anzusehen und macht schärfste Aufmerksamkeit notwendig. Durch du scheinbare Ruhe, die augenblicklich in Münckrn herrscht, dürfe man sich nicht täuschen lasten. Die Gegner warten nur auf eine Gelegenheit, um aufs Neue loszuschlagen

München, 7. Mai. Das Geschäftsleben in Münckvn kehrt mietet in normale Daunen zurück. Der Münchener Stadtkommandant hat bis cutt weiteres die Herstellung von kommunrstt'chen, spat- takisti'chen und bolschewistischen Zeuungen und Zeitschriften verboten.

italienischen Delegation wird von Presse mit lebhafter Befriedigung zur Kenntnis genommen. Tie Presse stellt jedoch fest, daß die Frage von Fiume nicht geregelt sei.

Die pause vor der Enthüllung.

Die große Eröffnungssitzung in Versail­les findet heute nachmittag auch im Beisein von fünf deutschen Ze ittiugs Vertretern statt. Alle Gedanken der Deutschen wandern heute dorthin, und die Arrteilnahme des Volkes an dieser Lösung seiner Schicksalsfrage ist doppelt stark und innig, weil es an den Auswüchsen der inneren Revolution, beson­ders infolge der kläglichen und frevelhaften, jetzt Gott sei dank unterdrückten Kommu- nistenherrschaft in München, einen wahren Ekel bekommen hat. Das kommt auch z. B. imBerliner Tageblatt" zum Ausdruck, in­dem es hofft,daß die vordringlichen Eitel­keiten schweigen, und daß die radikal gewor­denen Literaturbüblein begreifen lernen, wo das Lebensiwteresse des deutschen Volkes heute liegt". Noch vor wenigen Tagen hatte ein Ver­treter der so bezeichneten Gattung, nämlich der frühereVolksbeauftragte" Emil Barth, in einer Versammlung die gröbsten Beschimpfun­gen gegen unse« Regierung und Unterhändler ausgesprochen und wieder mit gewaltsamen Volkserhebungen gedroht für den Fall, daß unsere Delegierten den von der Entente dik­tierten Frieden nicht unterzeichnen würden. So hat dieser Herr unsere Auslandspolitik in so schwieriger Situationerleichtert". Beson­ders gegen den nach Versailles mitgegange- nen Minister Landsberg hat er Gift und Galle ausgesprüht, ihn den Mephisto des deutschen Volkes, ferner Schurken und Verräter ge­nannt, so daß schließt ch der im radikalen Fahr­wasser sich bewegende Versammlungsleiter immerhin sich veranlaßt sah, die Anwesenden wegen dieser Ausdrücke, die aus demüber- sprudelnden Temperament Barths" zu erklä­ren seien, um Entschuldigung zu bitten.

Was soll nun geschehen, wenn die Pläne ter Gegner Deutschlands enthüllt sind? Da heißt es vielfach: nicht die Unterhändler, die wir nach Versailles geschickt haben, nicht die Reichsregieruag, nicht die Nationalver­sammlung in Weimar sollen das letzte Wort haben, sondern ein Referendum, das ist eine allgemeine Abstimmung im Reich, soll den Willen des Volkes zum Ausdruck bringen. Es ist bezeichnend, daß ein Mann wie Pro­fessor Dr. Rade ht der demokratischen Par- teikorrespondenz von dieser Art von Demo- fratie abrückt. Er schreibt u. a.:

Das klingt sehr demokratisch, und ist es doch nicht Teim die Fragen, die in einem Elchen Frie- denssckstuß gelöst sein wollen, finb so verwickelt iirb bedürfen einer selchen Kenntnis und Einsicht, daß ilne wirklich? Durchtei:g mg nur einem klein n Beuchtet ter Nation, ter mit besonderer Sach- Eeimtnis und mit besonderer Politischer Einsicht 'begabt ist, zugemutet werden Boom DaS temo- tfratito gefdmtte Volk muß von den kundigen Män­nern, te-nen es ferne Regierung und denen es in diesem Falle die Friedens ver Handl trugen anver- irant hat, verlangen, daß sie die Verantwortung reilos tragen und über das Für und Wider zu einem festen, klaren Entschtusie flommrn. Appel­lieren sie an das Volk, so ist das man verzeihe das starke Wort eine Feigheit. Die Be­auftragten sollen ihren Auftrag, den sie übernom- tnrn haben, erfüllen und sich nicht in «Momenten, hw> eZ gilt, hinter ihre Auftraggeber zurückziehen. DaS wäre HeineFlucht an die Oessentlichkeit", frut Appell an die Volkssouveränität, das wäre ein Abschieben und Weilerschieben her Verantwor- hma auf Schultern, die dafür nicht gemacht sind pnd sie mcht zu ttanen vermöchten. Der wahrhaft demokratische Wog ist bet Weg der Einsicht, des gkrtrauenS, ter Gefolgschaft gegen die Sachver- fständi'ten. Appelliert man in Fällen W*e diesem an die Masse des Volkes, so hmßt das die Für- 1br<Te für feine Zukunft einem Ätteriespiel aus- tulicfem."

Ganz unsere Meinung? So viel hat sich ja bereits gezeigt, daß die Meinung aller Volksschichten mit Ausnahme vielleicht einer kleinen Schar Barth'scher Anhänger sich fest auf den Boden gestellt hat, keinen Frieden anzunchmen, der nicht der Novem­ber-Abmachung entspricht.

P ar is, 5. Mai. (Wolff.) Havas: Amt­lich. Wilson, Llotzd George und Cle- inenceau versammelten sich am Montag nachmittag, um sich über die im Trianon-Pa- laft zu den Sitzungen der Konferenz getroffe­nen Verfügungen Rechenschaft abzulegen. Zu der Sitzung am Mittwoch, bei der ter Präliminarfriedensvertrag ter deutschen De­legation überreicht wird, werten zugelas­sen die Vevollmäckstigten der Vereinigten Staaten, Groß-Britanniens und seiner Domi­

nions, Frankreichs, Italiens, Japans, Bel­giens, Brasiliens, Griechenlands, Portugals, Äutnäniens, Serbiens und der tschecho-slowa- kischen Republik. Die Bevollmächtigten werden von je einem Sekretär für jede der Mächte begleitet sein. Es wurde gleichfalls beschlos­sen, daß Vertreter der Presse zuge-

Zimmer ter Geiseln und rief die einzelnen Namen nach seinem Ermessen dem Schreiber zu Nachdem er ud) acht ausgesucht hatte, nahm er einen Rot- - ---- ----- o t = - stift, unterstrich die Namen und schrieb dazu das

lauen werden, und zwar tn einer Getarnt- Won: ,,Erschießen", vier auf wurden die Geiseln Sahl von 30 für die Großmächte und 10 für nt den £»of gebracht und auf Alarmläuten versam­mle Mächte mit besonderen Interessen. Die1 mellen sich un Hofe des Luitpoldgynamsiums 200

vcrsassunMdtnk't DoHsfammcr Oes grcijtaUes hcffcn.

19. Sitzung vom 6. Mai 1919.

Präsident Adelung eröffnet um/jll Uh^ die Sitzung. Vor Eintritt in die Tagesordnung schlägt Präsident Adelung vor, um jeden gefchafts^ ordentlichen Zweisel - zu beseitigen, die Ä b st i m mung über d i e Abfindung mit dem Groß Herzog zu wiederholen. Es erbebt sicv kein Widerspnich. Tie Abstimmung wird wiederholt. ^Ein Teil der Sozialdemokraten verläßt den Saal.> Tie Abfindung wird daraus gegen die Stimme« ter Unabhängigen angenommen.

hieraus wird der Verwaltungsvoran» schlag der Volkskammer für 19 19 ohne Debatte angenommen, eine Vorstellung d e s' Lehrers Weckerl e zu Dietesheim für erledigt erklärt.

Dem Zentrumscmttag (Frau tzattemer Gen.) über

Berufung von Frauen in RegierungS- und Verwaltungsstellen

wird vom Ausschußberichterstatter Abg. 6i6> nert (Soz? zugestimmt. Er nennt ihn eine Kon­sequenz des Wahlrechts für die Frauen. Ihre Berufung wird ermöglicht, da bei der Berufung nicht mehr Examina, sondern Krirntnisse maß­gebend sein sollen. Er beantragt, den Antrag der Regierung zur Berücksichtigung zu überweisen.

Frau Abg. H a 11 e m e r (Ztt.) begründet ihren Antrag Zur Lösung der sozialen und chari- tatioen Ausgaben, in allen Frai^n weiblichen Bildung und Erziehung, in ter Kinder-,, Armen- und Äranfcnfüriorgt, Waisen- und Ge-- sangencnpilege, Sittllchkrits- und Wolinung^psleg^ werte die Mitarbeit der Frau dem Wohle deS ganzen Volkes dienen.

Frau Abg. Balser (Demokr.) erklärt, di^ ganze FrEntewegung in vessen begrüße lebhaft den Antrag. Für Frauenbildungsfragen verlangenl wir eine Berufung einer Frau ins Ministerium mit dem Rang eines Vortragenden Rates. Wir Höften^ eine Frau mit geeigneter Vorbildung in Vorschlag! bringen zu können. Frau Abg. Rauck (Soz.)'. Die Sozialdemokratie hat schon lange die Forde-, rang erhoben. Abg. Dr. Osann (D. B.> stimmt dem Antrag zu. Die Erfahrung ter 'ebtett Monate habe gezeigt, daß sich die Frauen auf dem politischen Gebiet bewährt haben und zur Mit­wirkung am staatlichen Leben herangezogen werden müssen. Der Ausschußantrag wird einstimmig angenommen.

Zur Anfrage Dr. Dfamt über Wohnungsnot erklärt der Präsident des LanteSarteitsamteS Raab, daß sich die Wohnungsnot seit ter letzt eie Regierungserklärung weiter Derfd>ärft. Es war deshalb notwendig, den Kretsdirektoren bte Neckte von Bezirkswohnungskom mis- saren mit ausgedehnten Besugni, seit ein^uräu^ men. Tie Regierung ist in Bcrlm vorstellig ge>» ivarden, die Vollmach.cn zur Bel-edung ter Wote nungsnot zu versckärsen. Ten Gemeinden wird» ein Recht auf Beschlagnahme lecritctenter Woh­nungen und deren Zwangsverniietung verliehen­werten. Tic Verordnung i,t bereits in Vorberei­tung Es sollen bi? Maßnahmen auch aiif bernitzte Wohnungen ausgedehnt we.ten. Ten willkürliches Mietsteigerungen soll entiegengetrrtcn werten. Durch ten auf Hessen «rlfallenden Teil von Sau* eostenzuschLissen (Reich 6 Millionen, S'aat unb Gemeinte je 3 Millionen).tnen, unter ter An­nahme des Meft^aufwanteS von 2500 Mark für eine Wohnung. 1200 Warnungen hergestellt wer­ten, ein Tropfen auf einem heißen Stein Tie Regierung ist für alle Anregungen empfänglich.

Ter Antragsteller Dr. Osann weist auf bte Verick-ärsung ter Woftiung^not burch Zuzug au& Elsaß-Lotbringen, Saargebiet, den teutfden Ge- genten, wo iitnere Unruljen f'attfanten, hin. Er begrüßt die Maßnahmen der Rechentttg sie dürfe bei allen Maßnahmen zur B.kämpfuitg der Woh­nungsnot auf die Mitarbeit teS grnzen HauseK rechnen. Jedem teuften Volk gmossen müle eine würdige Wvhnstä te b. fdxifft werten.

Nach einer Pause, in der der Jeltesteurat zu-» sammentritt, Abg S ch i l d b a ch (Soz.): Wir lft- ten schon vor dem Kriege an einer teuernben Mah­nung not Tic Wohnungsfrage ist eine Botensrage. Ter Boten muß verstaatlicht und der Spe^ulatnne entzoMn werden. Tic Erhöhung ter Baukosten rechtftrligt die Erhöhung der Mieten nicht; denn die Akkordlöhne sind im Frieden surüdgenötigen/ t>ic Erböhimg der Stunden löhne tourte durch bte Intensität ter Arbeit ausgeglichen. Sondern sie tourte durch die Bodenpretssteigcrung verursacht. Tic Steigerung dw Sterblichkeit ist nicht nur auf pie Blockade, fontern auch auf die Wohnungsno­zurückzuführen. Tie WohnungsInspektion in Hessen hat nur auf die Schäden aufmerksam gemacht, Co nute sie aber nicht beseitigen. Das Gesetz über Klcinsidlungen war auch nicht wirksam. Wir müs­sen die Bodenftage regeln. Grund unb Boden müssen m bas Eigentum des Staates und ter Gemeinte überführt werten. (Zuruf des Abg. Dorsch: Auch das Ackerland!- Ja, auch das Acker­land; denn wir können nicht ten Botenwucher in ter Stabt bekämpfen und im Land gestatten. Widerspruch rechts.) Tie Scholle soll ten Bauern in Erbpacht gegeben werten auf 99 Jahre. Dadurch werten die Interessen des Bauern völstg ^eioahrt. Er ist nur durch irreführende Agitation kopfscheu gemacht Worten. Auf keinem Gebiet, latm die Lwzia- lifierung so wirkungslos durchaefuhrt werden al4 beim Grund und Boten, vor alem dem städtische».

(Schluß folgt«)