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Montag, r. April 1919

159. Jahrgang

Erste; Blatt

Würzburg sind Vvm Zenttalrat arist-'grr Agiler crusgeforbert worden, in gleicher Weise vorzugehen.

Absetzung

Ausrufung -er Räle- repudlik in Bayern.

Was man nach allen Vorzeichen zu er­warten hatte, ist nun wirklich eingetroffen: in München ist die Räterepublik ausgerufen worden. Folgende Meldung gibt uns davon Kenntnis: ,

M ünchen, 7. April. Nach Mitternacht wurde im Wittelsbacher Palais in Anwesenheit des Münchener Zentralrats sowie von Vertretern der drei sozialisttschen Parteien und des revolu- äonären Arbeiterrats die bayerische Räterepublik

da Frankreich seine Kapitalien in den nächsten Jab»! ren selbst brauchen wird, politisch schnnt aoeri Frankreich den Ticheckw-Slowaken verpfluhtet. Zn- folgcdejscn sind die Verhandlungen, iveldtc von we­nig berufenen Lreidcn in Bern vonviegetw mtt französischen Interessenten geführt weiben, frucht­los und irreführend. Nach den Erklärungen der Vertreter der auswärttgen Missionen denkt b.e En­tente gar nidxt daran, Tentsd>-Oe.erreich zu ve- setzcn und zum Ausmarschrarim gegen Ungarn zu madien. Infolge der ungar iidxrn Umwälzung per* schärst sich immer mehr der Eindruck, dal; sich m diesem Gebiet ein größeres Atazedonieil entwickelt. Gerade dieser Umstand muh uns -in der Absicht bestärken, unser Land und unser Volk mög­lichst rasch aus dem brennenden Öause herauszu- führen kund den Anschluß zu vor wirklichen. Da sich Deutschland in der allgemeinen Amlömng and) seinen bisherigen Feinben immer mehr als das Element der Konsolidierung Eu­ro p a s erweist und dadurch aud) für den Weiten einen erhöhten Wert gewinnt, ist cs mir unzweifch hast, daß die cAnschKißpolitik siegreich fein wird. W^enn nidrt im (letzten Augenblick die Entenb Deutschland ganz unerträgliche Bedingungen aus- erlegt und dortselbst einen Umsturz bewit t, dürfe, wir hoffen, daß wir gemeinsam aus oer «roßer europäischen Verwicklung herauskommen, soiocit e? eben besiegte Staaten können.

werden. ~ _

Wie das Ereignis tm Snnbe ausgenom­men wird, ob Rordbayern der roten Fahne folgen oder sich loszulösen trachten wird, bleibt abzuwar en. Der Bauernschaft soll bezüglich der Sozialisierung ein gewisses Entgegenkom- Tnen zugesichcrt worden sein. Ob der Strom in das große Bett eines Bündnisses mit der russ^ scheu Räterepublik münden wird, muß sich gleichfalls noch Herausstellen.

Die Kundmachung bei revolutionären Zentralratei.

Annahme von Anzeige« s. tie Xagesnummer vis zum Nacbmiliaa vorher ohne jcbeBcrbniD.iu teil

Sclltnprcife: für örtliche Anzeigen 25 bi.für auswärtige 30 Pt., für Reklamen Mk.I.-nedsi 20" »Teue- rungs-ns lag.Platzvor- febrih 20 % Abschlag. Hauvtjchri'tleuer-. Aug. (fcoeg. Perautworttich für Bolit«t: Auq. Goetz, für ben übrigen led: Dr. Remholo Zcnz; für den AuzeigeuleU: o. deck: sämtlich in Gießen

Eine Rede öes deutsch-österreichischen Stcalsfanjkrs.

ferenj in den nächsten Tagen ein gellend befassen wird In (i.-gxive l^ n Krei'eu glaubt mnn an tnc Möqttdrke- en, d.e F i.ibset g'.i e.t zw shcn der Entente und der russ.sd-eu Reg erung zu beendigen.

Niederlage der Bolschewisten.

S t a n i s l a u, 6. April. (WTB.) Ukrai­nischer Pressedienst. In der O st u k r a tn e ging die Sowjet-Armee bei Kowcl zu den Ukrainern über. 35 Oeichütze wurden be­reits abgelie'ert. Die feindlichen Abteilungen ergaben sich in Gruppen von mehreren hun­dert Mann.

Der Fricdeuivertrag.

Haag, 5. April. Reuter meldet aus Paris: Von veraulworÜichcr Seite wird mNMtcüt, daß der Frie densvert ras <un Mittwoch fer- t i g sein wird.

Durchreise vrk ttrmee Haller über Gießen

Paris, 6. April. (WTB.) Nach einer Havasmeldung aus Spa werden die Truppen des Generals Haller auf der Eisenbahn­linie Koblenz Gießen Kassel Halle Eilenburg Kottbus Kalifch so­wie über Stettin und Königsberg nach Polen gebracht werden können. Außer dem Haupt- ablommen wurde ein S o n d e r a b k o m m e n unterzeichnet, welches die technischen Truppen­transporte und die Art und Weise der Be­zahlung des Transportes regelt.

Rumänischer Bormarsch gegen Ungarn.

Bern, 5. April. (WTB.) Einer Mel- dun^des rumänischen Preisebureaus aus Her­mannstadt zufolge hat das rumänische Heer Befehl erhalten, die neue, von der Pariser Kon­ferenz festgelcgte Demarkationslinie gegen Ungarn zu besetzen. Den vorrückenden Ru­mänen wurde von den Ungarn kein Wider­stand geboten.

Aus Rußland.

Aus dein Uelche.

Höchstpreise für Kohlen.

Berlin, 5. April. (WTB.) Amtlich. Reichowirt'chaftsminister setze Höchstprc i e für Kohlen fest, um die vom Rheinisch- Westfälischen Kohlensyndikat be­schlossene Kohienpreiserhöhung u n möglich zu machen. Die festgesetzten Höchstpreise ent­sprechen den am 3l.März in Geltung ge­wesenen Verkaufspreisen des Syndikats und gelten vom 1. April ab. Eine endgültige Ver- otbnung erscheint in den nächsten Tagen.

Aus dem Berfasrungiausschuß.

Weimar, 5. April. $tn Ber^assungsaus- schuß wurde am Samstag mit den Stimmen der Demokraten, des Zentrums und der Sozialdemo­kraten die dreijährige Legislatur­periode angenommen. Ter Artikel 61 bat folgenden Wortlaut erhalten: Der Reichstag besteht aus den Abgeordneten des deutschen Volkes. Tie 'jCbgeorbneten werden in allgemeiner, gleicher, un* mittelbarer und geheimer Wahl^ von den über ?0 Jahre alten Männern und Frauen nach beit Grundsätzen der Verhälttnswal l gewählt Tas Näl;ere bestimmt ein Reichttagswahl -e etz, das anch die Wahl des Reichspräsidenten imd die Volks­abstimmungen regelt. Gegen diesen Arttkcl 61 stimmten die gesamte Rechte und auch das Zentrum geschlossen. Er ist nur mit den Stimmen der fünf deutschdemokratischen Mitglieder und der Vertreter der beiden sozialdemokratischen Richtungen ange­nommen worden.

Ter Verfassungsausschuß hat den Arttkel 45 des Entwurfes in folgender aFssung angenommen: Ter Reichstag versammelt sich jedes Jabr am ersten Mittwoch im Monat November am Sitz der Reichsregierung. Der Präsident des. Reichstages muß ihn früher einberusen, wenn der Reichspräsident oder ein Drittel der Reiä-siagS- mitgliederd ies verlangen.

DieArbciterrcchte in derReichSvcriasfung.

B e r l i n . 5. Apr'ck. (WTB.) Das Kabinett hat nachsel cnae Abänderungsvorschläge zu Artikel 34 der Reichs Verfassung angenommen:

De pariser Aons renzen.

Paris, 6. April. (WTB.) Havas. Tiplo- matisdwr Si uationsbericht. Die vier' dkgrerung^ Oberhäupter hielten am Samstag zwn Sitzungen ab Ta Wilson noch immer leidend utjyurbe er durch Oberst House vertuen. In der L>ams- tagssitzung wurde ci.i erster Forcschirtt verzeichnet. Tie Redaktion der in den t e r r i t o r t a l e n Fra­gen gefaßten Beschlüsse wird eifrig sortgeietzt Tas Problem der Entschädigungen ist auf dem Wege der Lösung. Ter Tag war besonders befriedigend in Bezug aus die Regelung der An­gelegenheit von Ta n zig. Man rocrit tn wohl- uuterrichleten Kreisen darauf hin, datz das Prin­zip des Turchzugö polnisdwr Truppen durch Tan- zig von Marschall Foch aufrecht erhalten wurde und von Erzberger im Namen Deutschlands formell angenommen wurde. Ta es aber den Alliierten für das Entsenden der Truppen nach Tanzig an Schilfen fehlt, waren die -icuWn mit bem Truppentransport auf dem La n dw ege einverstanden. Tie Armee H-aller tmrd also ganz Teutschland mit zehn Zügen am Tage durch- aueren, um die Eiienbahuttutc von Warichau zu gewinnen. Äkan ist der Ansicht daß di^ Lchung die Alliierten voll befriedigt. a.aS Schicksal Lan- zias wird erst später befannt gegeben. Es wird jedoch versichert, daß die Alliierten diese Frage in befriedigender Weise lösen werden.

Tie Arbeiter sind dazu berufen, gleich­berechtigt in Gemeinschaft mit den liniernebmerrt an der 9b gelung der Lohn- und Arbeitobedin-gtun- gen sowie an der gesamt!virtschasttichen Entwick­lung der produktiven lkräfte mit^nnnrfen. Tie beiderseitigen Organisationen mrd ihre tariflicheI Vereinbarungen werden anerkannt. Die Arbeiter! erhalten zur Wahrnehmung ihrer sozialen uiü» ihrer wirtschaftlichen Interessen nack) Betrieben und Wirtschaftsgebieten gegliederte gesetzlich« Vertretungen in Betriebs- und Be- zirksarbeiterräten und im Reichs-Ar - bei t er r a t. Die Bezirksarbeiterräbe und dea Reichsarbeiterrat treten zur Erfüllung gefamtnrirt- sckwftlid^er Aufgaben und zur Mitwirkung bei der Ausführung der Sozialisierungsgesetze mit bea Vertretungen der Unternehmer zu Bezirkswirt­schaftsräten und zu einem Reichswirtschaftsrat zu­sammen. Sozialpolitische und wirtschaitspvli'ssche Gesetzentwürfe von grundlegender Bedeutung sollen von der Reichsregierung vor ihrer Einbringung im Reichstag dem Reick^swirtschaftsrat zur Begitt- achtung vorgelegt werden. 2er Reichswirtschaftsral bat das Recht, selbst solche Gesetze beim Reichstag zu beantragen, die ebenso wie Vorlagen der Reichs­regierung ober des Reichsrates zu behandeln sind, Den Arbeiter- und Wirtschastsrüten können auf den ihnen überwiesenen Gebieten Kontroll- und 25er- waltungsbefugnisse übertragen werden. Aufbau und Ausgabe der Arbeiter- und Wirtschastsräto sowie ihr Verhältnis zu ankeren Selbstverwal- tungskörpern werden durch Reickfsgesetz geregelte

Diesen Zusatzartikeln sotten ausführliche Be^ gründungen beigegeben werden.

Kundgcd'.tnfttu in Weimar.

Weimar, 5. April. (WTB. > Erne Demo n-> ft r a t i o n w ge^i der L e b e u s m i 11 e l b e s cha Pq jung wurde heute nachmittag vom Gewerk­schaft s k a r t e l l veran.lallet. Ein Zug von etwa 1000 Arbei ern und 'ArbeiUerbrnen begab sich « Ruh. vor das Rathaus. Die Führer überreicht«»

Ungarns Lage gegenüber der Entente.

Budapest, 6. Weil. (WTB.) Nach einer Meldung des llngaris<!>en Kvrresvondenzbur^us machte der VolksSommissar für lurSivärtige Ange­legenheiten, Bcla Kun, über die Bevatungei, des rctwlutioruiren regietenben Rates mit General Smuts den Vertretern der Preise ausführlickie Mitteilungen. Taii-t heißt es: Tie Verl>inblunt>u ind in dec her-lihsen Weise verlau en. Es bestehl alle Hosfimug, daß seitens der Entere auch kemer- lei feind icht' Ang isftabsickst gegenüber der unga» rischen Räterepublik vorhanden s.'in wird. Ter General bat unser Anerbieten gern angenommen, non ad) parallel mit der Pariser Konferenz Ver- tretcr der auf dem Gebiet der früheren öster­reichisch-ungarischen Monarchie entiianbcnen Staa­ten womöglich rn Prag oder Wien zusrmmenlreten sollen. Mein Vorschlag geht dalnn, das; die Ver- tretcr der ungarisd-im Räterevublik, der dentsch- österreichiichen Repu lik, des s awischen Könrg- reichs, des rumänisdZen Königreichs und »er tschecho f'.atrafifdk'n Republik dringend in Prag> ober Wien zusammentreten mögen. Tie Konferenz ntäre dazu berufen, die Fragen bezüglich der pott- rischen Greiizen, was auchür uns setw wichtig tit, sowie die Fragen der nnrtfd>iftlid)cn Berl-älturße unb des Verkehrs zu klären. Tie Verl-andlungcn mit Smuls sind noch unbecrtxt, nachxm es Fragen gibt, roeMK bis jetzt ungelöst geblieben sind, so zum Beispiel die Fr'age txr Schaffung einer neutralen Zone. Wir unsererserts Malten aus den prinzipiellen Verhandlungen jede Frage nationalen oder äbnlid>e;t Charakters aus. Wcr fielen aus unierem sozialistischen S andpunkt. Die­ser bedeutet, oafj uns nur die ßizialen Interessen der Streitenden berülyrai, die m den oi^upiertcn Gebieten w-chmm. Wir geben diesbezügKch Ml- serem $ßunfd>e Ausdruck, daß das barbar W Ver­halten gegenüber den in den besetzten Gebieten vorkommenden Arbeiterbewegungen aushvrei, möge.

München, 6. April. Tie Korrespond. Hoff­mann meldet amtlich: Telegramm an farntticje Arbeiterräte des werktätigen Vo.kLs Bayern hat seine Part-n"n^>'n überwunden imd sich zu ernem mächtigen Einheit b ock g^gen icbc Herrschaft, und Ausbeutung zuiammengeschlossen in den Arbeiter-, Soldaten- und Bauem-Ratm die ganze ösfentlickie Gewalt^ Ter Landtag ift aus- gelöst. Än die Stelle der .Minister treoen dte Be­auftragten und Kommissionäre des Volkes. In der Leitung herrscht vollkommene Ordnung. Die Wirtschaft und Verwaltung toerben sort- «eführt. Alle Angestellten- und Bcamten- verbände haben sich mtt den Arbeitern solidarisch erklärt und . gewährleisten ge­meinsam den Schutz und die ^ortsuhrung der Produktion. Tie Betriebe werden durch dteBe- triebsräte ber Arbeiter und Angestellten kontrol­liert und gemeinsam mit der Leitung verwaltet^ Alles gehört der Gemeinschaft. Darum ^st lebe selbständige Sozialisierung ausgeschlotien T»e Ar­beiter-, SoldaLn- u. Dauernrcrte haben dte Pflicht, überall für den Schutz der Raterepubltk und für ruhige Entwicklung zu sorgen, ök übernehmen Vic Kontrolle der Verwaltung und ,md dem werk­tätigen Volk für alle Handlungen und Unterlas­sungen verantwortlich.

Montag ber 7. April ist nationaler tyetertag. Die Arbeit ruht an diesem Tage Die Epenbrh- nen, Nahruugs-, Wasser-, Leucht- und Herzbe- triebe versorgen das Volk weiter.

Der revolutionäre Zentralrat VryernS. Im Auftrag: Nrektsch.

M Senate» durch den Stndentenrat.

München, 6. April. Die Studenten­schaft der Universität Müuctzu hat m cm B« sammlung des allg.mteiiteu Studentemmsschussts beschlossen, den bisiierigen ütna t a l s abae- setzt zu erklären und die Verwaltung der Unt- versität einem Stubentenrat zu übertragen, dem ein Fachbeirat von Universltätsprvicslvreit be^e-. geben wirb. Tie Studentenausschu'se der Tec^Iren niedren Hvchscl,ü:le und der Handelshod'-samle tn WÄchm sowie oer UwiberfUiiten in ErlanLiM und 1

München, 6. April. Ministerpräftbeilt Hoffmann, der wegen des Ernstes der 2age kurze Zeit in Berlin weilte, ift wieixn in Mün­chen eingctryf'en. TieBayer. S^a.itsztg." bitte in ihrer politischen Betrach.ung am Samstag der Ansicht Ausdruck gegeben, daß mit der Ausrufung ber Räterepublik am Sonntag zu rechnen ei. Bis Sonntag mittag ersolfte eine solche Aus­rufung nicht. Die Stabt ist volltommen ruhig. Die Zeitungen ber Unabhängigen und Kommunisten erschienen am «Sonntag in Extraausgaben. Sie berichten über die Veranstattungen der Arbeitcr- chast am Samstag. Nach der MüncheiterRoten Fahne" lebneit die Kommunisten eine Beteiligimg an der Schein-Räterepublik ab. In der Neuen Zeitung", dem Organ der Unabhängigen, wi^d erklärt, daß kein Ziveisel sei, day die bau» risck)e Bourgeoisie ©übbatjern als Position aup gdbc und alle Hoffnungen aus die anderen Landes­teile setze. In einer Massenversammlung des Pro­letariats am Samstag sprach auch Miniiter Unterleitner von den Unabhängigen. Er suhrte u. a. aus: Dem Weltkrieg ist der gigan^ tischste Klasscnkampf gefolgt, den die Weltgeidych'.e je erlebt hat. Die Bewegung ist aber nod) nicht zu End«. Noch sind die Kräfte am Werk, die glauben, die revolutionären Arbeiter unterbrüden zn können. Jetzt soll bie Räterepublik kommen unb ber Sozialismus verwirklicht werben. (Lebhafter Beifall.) Wir geben rn Bayern wieder Anstotz zu einer neuen Bewegung und iverben in Deutschla.to vorangehen in der (hntsTung des getarnten Prole­tariates In Bayern gibt es und darf es keinen Noske geben. Wir haben in Bayern keine roeiue Garde, aber wir wollen jetzt eine rote Garde schaffen. (Stürmischer Beisall.) Bon a.len Städten Bayerns treffen Nackwich'eti ein, daß sie dre Räte­republik begrüßen. Wir werden untern Brüdern in Ungarn und Rußland die Hand reichen. (Bei­fall ) Wir erwarten aber auch, daß nch unsere Brüder in Frankreich, England und Amerika sowie in Italien uns ansckließen werden. Dann hat der Sozialismus seinen «Sieg errungen. Noske, Scheide­mann »und feine fliegen werden binroeggeiegt werden wie Wilhelm II. und Ludwig III. Ueber die Meldung derVoss. Ztg.", daß die bayntche Negierung den Landtag nach Bamberg ver­legen wird, ist an hiesiger ötelle nichts tetoiutt.

Wien, 6. April. (WTB.) Heute begann die vierte Konferenz der > Staatsregierung und der Landesregierungen. Staatskanzler Renner er­öffnete die Verhandlungen mit einer Ansprache, in ber er erklärte: Die panikartige Beunruhi- gai ng, bie von Ungarn ausgeht, ist nicht in dem 'Grade gevedjtfertigt, tote sie auftritt. Ich hoffe zuversick-ilich, daß wir, wenn uns nicht große eurobätfdx Umwälzungen mitreißen, dauernd im­stande sein werden, die demokratifche Politik auf­recht zu erhalten und die Arbeiterräte orga­nisch in bie Verfassung einzusügen. Die Auf­rechterhaltung ber heutigen Siaatsiorm bärgt aller- bings von äußeren unb innerar Voraussetzungen ab. Wenn das Rätcsysbem in Deutschland ober in ber tschccho - slowakischen Republik burchdringen würde, wäre es tuns schon wesentlich schverer, standzuhilten. Daß es in Umarn i azu kam, körnte uns nicht überraschen. Die Polit.c oer,En- te n te griff in Ungarn besonders unüberlegt unb blind zu. Die kurzsickKige Polittk der Entente, ms- l^sonders kurzsickutig wegen ber maßlosen Forde­rungen der ftanzösischen Bourgeoisie und ihrer inv- perftalistisd)en Nachläufer, kann ganz Europa in den Zustand der Auslösung g'türzen. Es scheint jedoch, daß ber Eindruck der Eveignissc in Ungarn aut die Entente so mächtig war, daß man sich zu besinnen beginnt. Vielleicht wird bas ungarische Unglück für pns einen Vorteil bringen, weil die Eittente letzt mit größerer Gewissenhaftigkeit unsere Leiden ve- urteilen unb boch bavor zurückschrecken wirb, dietes Ecperiment der Amputation des Landes und der Nation an DeutsdpOesderreich n:ü> Deutschland noch einmal zu madrn. Die durch gewisse Agenturen m der (Sdjnxij veiöfsentlichten Nachrichten sind durch- aris unzutresfenb. Infolge ber systxnnatpchen Ar­beit unseres auswärtigen Amtes kann angenommen werden, baß zum mindesten Amerika und Eng­land, aber auch (Italien gegen den An­schluß an Deutschland nichts wesent- licheseinzuwenden haben und aus dem An- Muß auch leine tuns schädigenden Konsequenzen ableiten werden und daß bloß Frankreich ein Be­denken hege. Die Staatsreg-icrung selbst hat sich von allem Anfänge an auf Wilson unb Amerika, bann auf Englanb unb auf besten unvoremgenom- nwne Staatskunst gestützt. Auch die Beziehungen zu Italien iix-cden sorgsälttg gepflegt. Frankreid^ hat uns erst in den letzten Tagen euren ständigen t^rtreter geschickt, dessen Anwesenheit uns über- aus erwünsdst ist. Wien hat aus manchen Gründen,

ausgerusen. . , , .

Der plötzliche Umschwung hat vteclerlei Ursachen. Der vor einigen Wochen in München abgebaüenc Nätekongreß hatte poch mit erheb­licher Mehrheit hen Rätestaat abgelehnt. Aber puf dem radikalen Herd in der Hauptstadt schmorten die bolschewistischen Lockungen wei­ter. Die Aufregung unb Entrüstung, die jrühcr zur gewaltsamen Entfernung Dr. Le­viens aus dem sVetchandlungssaal geführt hatte, ist erkaltet, nicht mehr vorhanden. Zwar hat eine bayerische Landeskonferenz der so­zialdemokratischen Partei noch am gestrigen Sonntag in Nürnberg mit 42 gegen 8 Stim­men sich gegen die Einführung der Rätere­publik erklärt. Aber es wird berichtet, daß m den Massen der sozialdenwkrattfchcn Mehr- heitspartci erhebliche Wandlungen sich voll­zogen hätten. Ebert und Scheidemann ent­wickeln nicht genug revolutionäres Feuer, bic Ernährungslage ist nicht besser geworden, und man will Taten sehen. Opportunitätsgrundc spielen bei der neuen Wendung der Dinge natürlich ebenfalls mit. Besonders ein­zelne sozialdemokratische Führer haben sich darum beit Rätegebanken zu eigen ge­macht, so baß cs schließlich banni

(flaust, daß noch vor einigen Tagen bie Mün­chener Unabhängigen und Kommunisten in der anmarschierenden Räterepublik ein Haar fan­den und diese .überhaupt nicht mitmachen wollten. Aber die Bolksmassen wollten den ,Einheitsblock". Der Landtag, her ein unzeit- aemätzes Lebenszeichen hatte .geben wollen, [ft aufgelöst; er ihatte den Lauf der ^inge unfreiwillig beschleunigt. Bis zur Stunde hat es den AnfclMn, als sei die bayerische Räte­republik nicht mit Feuersbrünsten und Schwefeldüftenatisgebrochen". Nach der Kundgebung des Zentralrates pouzieht sich die Umwandlung friedlich und in Ordnung Wilde Sozialisierungen sollen nicht geduldet

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Psftfchecttontv:

zranfturt a. M. Ub8b

Stockholm, 6. April. (WTB.) Ern Funk- spnrch aus Moskau meldet, daß die au6er* ordentliche Kommission in Petersburg eine neue Verschwörung gegen bie Sowiet-Re­gierung au^-bedl ba.be, welche zum Ziele hatte, durch Sprengui-.ge-k, $aW-Tii»ninx^n unb Brand­stiftungen eiien bewasf. r!en Auf: and »u orgmtt- sicren Unter anberem satten Agcnten bes W>- mirals Ko l t f d>a k DcriudM Tjobcn bie Waser- flation in Petersburg in bie Lu t zu fprcugmn Bn der itortfdxrfirrig ber aufgeftlnde enHi l emmftd-me ift eine Reihe no:er Soiba'en oemnnibet nyrberr

Bern, 6 April. (WTB.). Ein Fmiftpruch

Ken in unW'ly I wcht"Utzt" Hnar^kll^' 3uianirHenbange wegen, I l^or fd>I ä ge ber ru ff i f eben Sowie t- alte L>ympathien für iFrankrelch. Leiber werben ] Regierung mit taien diese alten Beziehungen mt- bis letzt wenmnutzbar.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gderhesfen

SrointngsnmWrHd u. Verlag: Srühl'lche Uaie.-Bu* u. Steindruckerei K. Zange. Schriftleitnng, <5efdjjftsjtelle u.vruckcre«! $<fin'!>r. 7.