Ausgabe 
7.1.1919
 
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Kr. 5

Ter Sieder erscheint tätlich, außer Sonntags. - Beilagen: iL^entr^amilknblärttr;

Kwsl.latt

Wr den Kreis Sietzes. Vezngspreir:

tnww.il. 'M 1.35, viertel- iäljvUd) Mk. 4.05: durch Adhole- n. Ztveigstellen monvrtl Mk. 1.25: durch die Poft Mk. 4.05 viert eff fährt cmsschl. Beitellg. ?-ctii|pvcd) - Anschlüsse: für Du Schrillleitunqll2 15erlan,C>.fjd)<Ht9fte(le51 AnIchristfürDrabümch- richken: Änzeizer Sietze».

M. Jahrgang

Dienstag, 7. Januar |9f9

SmiffittgsnmMraS u. Derlag: NrLHI'sche Usis.-Such- u. Strinüruckerei R. Lang-. Schttft!e!t»ng, SeMst-MIe ».VrEret- SchMr. 7.

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Ketlenoreise: für örtliche Anzeigen 25 Pf., für auswärtlge 30 für Reklamen Mk.l.-nebft 20^',Teue- runaS-uschlag;Plaljoor- schrrst 20 % Aufschlag. HuuotschrüNeiter: Aug. Gacn. Derautmortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; für den Sliijeiflcnteil: ö. Beck; sämtlich in Gießen

ie jene t. njetget

äk. General-Altzeiger für Oberhesien

Die Berliner KramaBe.

In 93 e r H tt ist der Bürgerkrieg ent- brarntt, der hoffentlich nur ganz kurze Zeit dauern wird. Die Regierung hat in Gemein­schaft mit dem Zentralrat beschlossen, gegen die Störenfriede mit allen Mitteln einzu- schreiten. Es fdjeint, als ob ihr solche Macht- mitlel in ausreichendem Maße zur Verfügung ständen. Sv viel bis jetzt wenigstens bekannt geworden ist, haben dieSpartakisten" keine neuenVorteile" errungen; freilich ist der Kampf noch im Gange. Es muß sich auch erst noch Herausstellen, ob die Regierung sich nur verteidigen, oder ob sic selbst stark durchgreisen und zum Angriff gegen die Aufrührer vor­gehen wird. Ebert und Scheidemann hielten Ansprachen, die ihre Entschlossenheit zum Aeu- ßersten bekundeten. Die Regierung hat es dies­mal abgelehnt, zu verhandeln, hoffentlicl) bleibt sie auf diesem Standpunkt. Ledebour har, wie früher schon einmal, auch diesmal wieder der Regierung ein Protokoll zur ge­fälligen Annahme vorgelegt, aber Ebert und Scheidemann werden wohl nicht mehr in den sauren Apfel beißen. Scheidemann hat in sei­ner Ansprache zuge^ben, daß es ein Feh­ler war. Unabhängige in gleicher Zahl in die Regierung aufzunehmen.

Dis Umtriebe der Spartakusleute.

Nürnberg, 6. Ian. (WB.) DieNürnberger Zeitung" meldet aus Berlin: In den Abendstunden wurden außer dem Wolffschen Telegraphen Bureau fast sämtliche Berliner Zeitungen beseht, so 3- B. das Berliner Tageblatt, die Vossische Zeitung, Morgenpost und Lokalanzeiger. Anscheinend sind diese Aktionen bisher ohne blutige Zusammenstöße verlaufen.

Der Spezial-Korrespondent derNürnberger Zei­tung* meldet über die Besetzung des Wolffschen Telegraphen-Bureaus aus Berlin: Der Angriff auf das Wolffsche Telegraphen-Bureau erfolgte ganz plötzlich. (Eine nur lose zusammenhängende Demon­stration kam kurz nach 7/, Uhr vom Gendarmen- markt her die Charlottenstraße herunter. Zivilisten mit einzelnen, anscheinend unbewaffneten Soldaten und Matrosen untermengt. Die Spitze bog in die Zimmerstraße ein und machte gegenüber der dortigen Einfahrt des Wolffschen Telegraphen-Bureaus Halt. Eine Deputation drang schnell ein, überwältigte und entwaffnete den dort stehenden Posten der Schuh­wache, der folgende stärkere Trupp bemächtigte sich in derselben Weise des Haupteinganges in der Char­lottenstraße, gewann schnell den Hof, überwältigte und entwaffnete die Schutzwache von 20 Mann in der nach dem Hof zu befindlichen Wachtstube und be­setzte mit Gruppen von 3 bis 4 Soldaten, die fast nur mit Handgranaten bewaffnet waren, jeden Raum der politischen Redaktion und der anderen, im Betrieb befindlichen Abteilungen des Unternehmens. Man suchte nach den überall vermuteten, natürlich aber nicht vorhandenen Waffen. Als Führer trat ein Matrose von der Torpedo-Division auf.

Ein Strsßenkampf.

Berlin, 6. Ian. (WTB) Nach Ausgang der Demonstrationen auf der Wilhelmstraße kam es heute in den späten Nachmittagsstunden zu einem ernsten Straßenkampf zwischen Spartakusanhängern und Dolkssoldaten. Durch die Menschenmenge bahnte sich ein schwer bewaffnetes Panzerautomobil, das von Spartakusleuten geleitet wurde, den Weg zum Reichs- »anzlerhause. Die Besetzung des Reich Kanzler- Hauses griff das Panzerautomobil mit Handgranaten an. Auf Seiten der Spar­takusleute soll es zahlreiche Tote gegeben haben. Die Besetzung des Reichskanzlerhauses hat dagegen nur einen Mann verloren. Einzelheiten sind noch nicht festgestellt.

Nürnberg, 6. Jan. MTB.) (Ein Spezialtele- Gramm desFränkischen Kuriers" meldet aus Berlin: In der Zeit von 2 Uhr bis in die Abendstunden war adie Lage folgende: Die Spartakusleute halten die Wilhelmstraße besetzt, etwa an der Stelle, wo der Wilhelmsplatz nach Süden abbiegt, ferner befinden sich Spartakusleute am Ausgang der Voßstraße nach der Wilhelmstraße. Die Mehrheitssozialdemokraten find rund um den W lhelmsplatz aufgestellt und stehen in der Wilhemstraße auf der Höhe des Auswärtigen Amts. Vor dem Reichskanzlerpalais sind Anordnun­gen getroffen, um den Truppen das nötige Schußfeld zu geben. Die Dalkone der Palais rund um die Reich-Kanzlei sind von Militär mit Maschinengeweh­ren besetzt. (Einen besonders gerissenen Theaterkoup hatten sich die Spartakusleute ausgedacht. Plötzlich erschien in der Wilhelmstraße ein Lastautomobil mit vielleicht 10 Soldaten bemannt. Die Bemannung gab sich durch lautes Rufen als regierungstreu aus. Rufe: ..Wir bringen Gewehre'" und die Gitterpfortcn der Reichskanzlei öffneten sich. Dort aber war man auf der Hut, die ganze Gesellschaft wurde als Spar­takusleute entlarvt. Sie hatte geglaubt, durch ein derartiges Manöver sich der Reichskanzlei durch Uebcrrumpdung der Wache bemächtigen zu können. Die Waffen wurden ihnen abgenommen und die Leute abgeführt. Die Agitation der Spartakusleute war äußerst rege. Auch Herr Radek war wieder aufge­taucht und hat verschiedene Ansprachen gehalten.

DieFranks. Nachrichten" erfahren: Die Ent­lastung Eichhorns hat das anscheinend Unmögliche zusta de geb acht, die Spartakusleute und Un-. a bhängigen zu einigen. Beide Parteien haben ein gemeinsames Flugblatt herausqegeben, in der es tt. a. heißt: Die Re ierung Ebert-Scheidemaun will damit nicht nur den letzten Vertrauensmann der revo­lutionären Arbeilerschaft beseitigen, sondern vor allem ein Gewaltregiment gegen die revolutionäre Arbeiter- phaft anheben. Mit Hilfe der Bajonette will die

Ebert-Regierung sich die Gunst des kapitalistischen Bürgertums sichern. Arbeiter, Parteigenosten! Das dürft Ihr nicht dulden. Zeigt den Gewalthabern von heute (Eure Macht!

Eine Ansprache Eberts an Scheidemann.

Nürnberg, 6. Ian. (WTB.) Ein Prinat- hMegramrir desFränkischen Kuriers" meldet: Kurz lurch 1 Uhr erschien Ebert an einem Parterrc- fenfter der Reichskanzlei, von der Wnge lubelud 'begrüßt. Er sagte, die Regierung habe die Freiheit geschaffen und wolle das Selbstbestimnrungsrechl des Volkes unter allen Umständen durchsetzen. Sie habe sich deshalb für die Nationalversammlung ein# gesetztuud werde ihre Durchführung erreichen. Tie Beseitigung der stdationa!Versammlung sei aber das Ziel der unabhängigen Sozialdemokraten, die diese Wahl mit Gewalt verhindern wollten. Wenn sie es wünschen, steht eben Gewalt gegen Gewalt. Die Regierung wird ruhig ihre Prinzipien durchführen, die sie sich vorgenvmmen hat. Ebert schloß mit einem Lwch auf die nntge deutsche Republik. Stür­misch forderte die Menge dann S che i d c m a n n z der dann auch am Fenster erschien. Er mußte lange warten, ehe er zu Wort kommen tonnte.Vor einer halben Stunde," so sagte Scheidemann,haben die Unabhängigen und Stürtakusleute denTodvon Ebert und mir beschlossen. Bor einer Stunde fuhr ein Wagen über die Linden mit einem Waggon, an dem zwei Puppen bangen, die Ebert und mich aufgehängt darstellen. (Lebhafte Pfuirufe unterbrachen den Redner.) Solche Bedrohungen sind uns gleichgültig, sie lassen uns kalt. Wir l-aben. am 9. 9U)vember die deutsche Republik ausgerufen, *nxir sind für das gleiche Recht aller ein getreten, wir haben die Pantät gefordert 3:3; das war ein Fehler. (Lebhafte Bravorufe.) Die Mitarbeit der drei unabhängigen Sozialdemokraten bat sich als schädlich erwiesen. Heute sind wir frei. Was braucht iws deutsche Volk aber letzt? Friede und Brot! Es gibt uns aber kein Adensch Friede oder Brot (ohne Ordnung, toemt diese Sparurlüsschweinerei weitergeht. Wir sind dann dem Sxunger preisgege­ben, und die Kriegsiahre werden dann noch über» troffen werden. Wir haben gegen lebe Diktatur gekämpft, wie auch gegen die Diktatur des Kaisers. Wir toollen aber wach keine Diktatur Liebknechts oder Rosa Luxemburgs." (Lebhaftes Bravo bei den Zuhörern. UeberaH werden Stufe laut: Waffen, Waffen, wir wollen uns nicht niederkartätschen> lassen.)Sie sollen und müssen Waffen haben. Bleiben Sie treu bei der Sache. Wir werden iut|ere Pflicht bis zum letzten tun. Schwören Sie ffie Menge bleibt etwa eine Minute fang mit ab ge­kommener Kopfbedeckung stehen), geben Sie diesem Schwur Ausdruck in dem Ruf:Es lebe die Deut­sche Republik."

Scheide mann, dar im Lause seiner Rede immer erregter und blässer wurde, konnte am Ende kaum iroch vor innerer Bewegung sprechen. Er w-mkte der rubelnden SJienge zu, die von der Rede tief ergriffen ausharrte. Inzwischen traf eine Abtei­lung bewaffnetes Militär in der Reichskanzlei ein. Wie wir hören, sind aus Potsdam größere Trup- penmaffen nach Berlin unterwegs.

Berlin, 6. Ian. (Priv.-Tel.) Demvnstra- tionszüge der Mehrheitssozialiften ström­ten zum Wilhelmsplatz. An den Fenstern der Rerchskanzlei erfreuen die Volksbeauftragteu Scheidemann und Wissel und hielten An­sprachen. Vertrauensmänner der Demonstranten faurden in die Reichskanzlei gerufen, wo ihnen mit» geteilt wurde, daß die Regierung mit Hilfe regie­rungstreuer Truppen und Unterstützung der De­monstranten denV o r w 5 r t s" i m S t u r m z u erobern, versuchen würde. Außerdem wurde mit­geteilt, daß sich Spandau in den foänben der Spartakisten befände. Das dortige Rathnus sei be­setzt und die Arbeitermassen, die s pacta kistisch ge­sinnt .seien, befänden sich im Marsch auf Berlür. M.litärifches ELngreifeu der Regierung.

Berlin, 6. Ian. Heute mittag fand in der Reichskanzlei ein Kriegsrat der Volksbeauff tragten statt unter Beteiligung der Mitglieder des Zentralrates der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands. Die Negierung beschloß, sofort mit allen ihr zu Gebote stehenden militärischen Machtmitteln einzugreifen und dem Treiben der Spartakus-Leuten ein Ende zu setzen. Ium Ober- kommandierenden der Regierungstruppeu wurde der Dolksbeauftragte Noske ernannt. Die Regie­rungstruppen werden mittels Lastautos von allen Stadtteilen in das Stadtinnere befördert, wo sie in der Nähe der Reichskanzlei gesammelt werden. 3m llnnern der Stadt ist den Pastanten die Weisung er­teilt, so schnell wie möglich die Straßen zu verlästern Alle Fenster mästen geschlossen sein. Die Negierung hat es ab gelehnt, mit den Spartakus-Lewen zu verhandeln. Die beiden Parteien stehen sich in der Wilhelmsttaße in 100 Meter Entfernung kampfbereit gegenüber. Nach demAchtuhr-Abendblatt" dürfte es zu neuen blutigen folgenschweren Zusammenstößen kommen.

Ein Aufruf dcS HentralratS.

Berlin, 6. Ian. lWTB.) Ter Zentral­rat der deutsche sozialisttsä^u Republik, der von der Reichskonffoenz ber A.- u. S.-Räte eingesetzt worden war, erläßt fotgeirben Aufruf an alle Ar­beiter- und Soldat en röte Deutschlands: Are alle Arbeiter- und Soldateuräte Deutschlands!

Ter fiXmgreß aller Arleider- und Soldatear- räte Tnllschlands hat tms, wie Euch bekannt, zu ;einem Vollzugsorgan ernannt und uns feine Voll- macksten übertragen. Wir haben in den ersten Wochm unserer TätigKfft mbs fast ausschließlich mit den zum .Himmel schreienden Zuständcm in Berlin besckßiffigeu müssen, wo eine kleine Miifter- lstit gegen den allgemeinen Willen des Volkes, besonders auch dec Berliner Bevölkerung, und gegen den ausgesprochenen Willen der Arbeiter-1 und Soldaten rät? ganz Ta.iffchauds eine OkicalU Herrschaft zu errichtert bestrebt ist, Tas oerbryche-l

rische, alle Errungenschaften der Revolution ge­fährdende Treiben bewaffneter Banden hat uns genötigt, ber Reichsleitung außerordentliche Boi l machten zu erteilen, damit in Berlin endlich einmal die Ordnung und die Rechtssicher­heit, die unter dem freiheitlichsten Regime erst recht notwendig ist, wiederl>ergestellt luerben kann. Alle M einungs verschiede:! l)citen im einzelnen müssen jetzt zurückgestellt werden hinter das Ziel, die schwer erTämbten Volks fr eiheil eu zu schützen, einen Frieden nach innen und außen zu sichern und damit das ganze werktätige Volk vor neuem furchtbaren Unglück zu bewahren. Es ist die Pfliclst aller Arbeiter- und Soldatenräte, mts und die Reichsleitung dabei mit allen Mitteln zu unter­stützen. Haltet, was dazu erforderlich ist, bereit. Ze einmütiger sich die Arbeiter und Soldaten Deutsch­lands und die von ihnen gewählten Diäte zusam- menfchließeu, desto rascher unrd der Kampf nach dem Willen des Volkes entschieden sein.

Der Zentralrat

der Deutschen Sozialistiscl-en Republik.

Da; Wahlergebnis in baden.

Karlsruhe, 6. Ian. (WTB.) Das Wahlergeb- i nis zur badischen Nattonalversarnrnlung in allen vier Wahlkreisen ist folgendes:

1. Wahlkreis (Konstanz): Zentrum 79770, Demo­kraten 36383 Stimmen. Zwei Gemeinden stehen noch aus.

Verteilung der Mandate: Ienttum 8, Demo­kraten und Sozialdemokraten je 4.

2. Wahlkreis (Freiburg): Deutsch-Nationale Volks« Partei 164^4, Zentrum 115000, Demokraten 61442, Sozialdemokraten 74392, Unabhängige 2704-

Verteilung der Mandate: 6 Demokraten, 8 So­zialdemokraten, 13 Zentrum, 1 Deutsch-Nationaler

3. Wahlkreis (Karlsruhe): Deutsch-NationaleDolks- partei 28472, Zenttum 92252, Demokraten60849, Sozialdemokraten 106342, Unabhängige 5450.

Verteilung der Mandate: 6 Demokraten, ^So­zialdemokraten, 10 Ienttum, 3 Deutsch-Nationale.

4. Wahlkreis (Mannheim): Deutsch-Nationale Volks­partei 25 1 25, Zenttum 82035, Demokraten 68 437, Sozialdemokraten 96884, Unabhängige 6431.

Das vorliegende Ergebnis des Wahlkreises Mannheim ist noch nicht als endgültig zu be­trachten.

Verteilung der Mandate: 8 Demokraten, 11 So- ziald ^.okrateu, 10 Zentrum, 3 Deutsch-Nattonale. 7,'ttb Wtä.-c^ebms in allen 4 Wahlkreisen ist also bis jetzr fvtgenoes: 24 Dehtohratcn, 35 Sozial­demokraten, 41 Zentrum, 7 Deutsch-Nationale und keine Unabhängigen.

Nachstehend ein vergleichender Ueberblick über die Wahlergebnisse von gestern und vom Jahre 1913:

Zentt. Demokr. Soz. Unabh. Dtsch.-Nat. Gestern: 369000 227000 316000 14600 70000

1913: 116153 110225 74638 - 30342

Verhinderung der Wahlvorbereitungen

in den besetzten Gebiete«.

Berlin, 3. Januar. Die Deutsche Waffenstillstands ko m Mission teilt mit:

Die Vorder eitungenzurNatio- nalversammlung werden trotz der von Marschall Fach bereitwilligst erteilten Zu­sicherung von den militärifck)en UnterbeAr- den der Alliierten in den besetzten Gebieten unnötig erschwert.

Zum Beispiel wurde die Ausreifr-Er- laubnis aus Wiesbaden und Biebrich ncuh Berlin verlängert, obgleich sie ausdrücklich für die Zwecke der Nationalversammlung nachge­sucht war.

In St. Wendel und im Kreise Saarlouis verkündigte die französische Militärbehörde, Wahlversammlungen, Ausstellung von Wäh­lerlisten und andere vorbereitende Maßnah­men zu den Wahlen seien verboten.

Im Kreise Simmern (Hunsrück) wurde die Veröffentlichung der Bekanntmachungen über die Wahlausschüsse verboten.

In Kreuznach erließ der französische Kommandant folgende zwei Befehle:Mit­teilung zur strengen Durchführung: Keine Wahlhandlung, welcher Art sie auch sei, auch keine vorbereitender Art, wird im Kreise Kreuznach geduldet. Genauere Befehle sind abzuwarten auch für die Aufstellung der Wahllisten." Ferner:Bis auf weiteres sind die Wahlen für die verfassunggebende Natio­nalversammlung streng verboten. Kein: vor­bereitende Versammlung darf stattfinden, keine darauf bezüglick)e Versammlung wird ge­duldet werden. Oberstleutnant Philippi."

In Aack)en wurden mehrere Mitglieder der sozialdemokratischen Partei, darunter zwei Kandidaten sür die Nationalversammlung, von der Besatzung festgenommcn.

In Creseld wurde der Postbezug rechts­rheinischer Zeitungen VerLo.cn. Es fammt hin­zu, daß die Besatzungsbehörden auch den deut- sck-en und preußischen Staatsanzeiger aus den besetzten Gebieten ausschließen, so daß die Ver- waltungsbelVrdcn die rerchs- und bundes­staatlichen Verordnungen entweder überhaupt nicht, oder zu spät erfahren.

Die Was eustillstandslommission hat alle diese Verstöße gegen die unzweideutigen Wil­lensäußerungen des Marschalls Joch in Spaa zur Kenntnis gebracht mrü hat um sofortige Gegenbefehle von feiten des Oberlommam- dos der Miierten ersucht.

Die Verlängerung dcS WLffcnstfflsimrdcs.

i. Köln, 7. Jan. Von der deutschen Waffenstillstandskommission erfährt die Köln. Ztg.", daß die Verlängerung des Waffenstillstandes spruchreif sei. Der Vorsitzende der alliierten Waffenstill­stand skomMission in Spaa verlangie am 6. Januar tuxh genauere Angaben als bisher über die bisl>erige Demobilmack)ung, um dar­aus die Absichten der deutschen Regierung zu erkennen.

Reisen in überseeische Gebiete.

Berlin, 3. Fan. Die Deutsche Waffenstill'» ftandskornrnission ersuchte die Alliierten um Aus­kunft, wann und unter welchen Umständen deutsche Staatsangehörige nach den Überseeischen Ge­bieten, insbesondere nach Südamerika, reisen können. Die (Entente wurde gebeten, deutsche Staatsangehörige schon jetzt auf neutralen Schiffen ungehindert reifen, zu lasten.

Eine Rede Wilson; in Hom.

Rom, 5. Jan. (WTB.) Von einem Spe-zial- kvrrespondenten wird uns mitgctcilt: In Beant-, ivartung der Rede, die in der Parfamentssitzung an Wilson gerichtet wurde, sagte Wilson u. a.: Ich bin überzeugt, daß die Sxrrni das Prinzip anerkennen, daß es nicht unsere Sache ist, den Völkern zu sagen, welche Regrerungsforrn sie sich zu geben haben. Wir sind Fvennde der Völker der zusammengebrochenen Reiche. Unsere Pflickck be­steht darin, so zu handeln, daß sie einen gewissen, Schutz genießen und daß sie sich erholen. Unsere Ausgabe in Paris besteht also darin, ein freund- schaftlicires Verhältnis unter den Völkern der Welt herzustellen. Es ist zwar leicht, von Recht und Gerechttgkeit zu spreckwn, aber es ist manchmal! schwierig, sie in die Tat umzusetzen. Tazu wird eine Reinheit der Motive und eine Selbstlosigk^rt not-, wendig, wie sie die Welt bei Beratungen von Na­tionen noch niemals gesehen hat. Sic werden mit) deshalb verzeihen, wenn ich einige Elemente bet (neuen Lage Ihnen vorlege. Es gibt nur eins, woL die Natiimen zusammenhalten kann, wenn die Ge­walt ausgeschlossen wird: das ist Freundschaft rmti guter Wille. Es wiiL deshalb unsere Aufgabe in Paris sein, öine Wellsremidschaft zu Organisiere» uw) darauf zu achten, daß die moralisch«! Kräfte, off avf Rcrch und Gerechtigkeit hinzieien, vec» ertigt' werd«'., '-Tck> ff ne

gegeben wird, an dec süh die Bölver der Weft gern und mit Freuden beteiligen. Unsere Auf-- gäbe ist mit anderen Worten nichts geringeres als eine neue internationale Psychologie zu 'chaffen, eint neue Attnospl>äre zu bilöen. Glück­licherweise kann ich sagen, daß bei meinen Ver­handlungen mit den misgezcichneten Herren, die Ihre Natiorr führen, und jenen, die Frankreich und England führen, ich die Ueber;eugmtg gewann, daß diese Atmosphäre im Entstellen begriffen ist. Bei dieser Gemeinsamkeit der Ansichten braucht man Dor keinem Hindernis zurückzuschrecken: Din- bemiffe sind nur da, um überwund«: zu werden. Tapfere Männer lassen sich durch Hindernisse nicht labschrecken, sondern werden herausgefordert, fie (ü£>crroinbcn. So sollte es auch unser Stolz semd alles zu überwinden, was uns im Wege steht. Wir wissen, daß es kein neues Mächtegleich-, gewichtgebenkann, und es muß deshalb ein Ersatz dafür geschaffen werden. Es freut mich, über« all bet den großen Nationen die Aufsaffung vori zufinden, daß dieser Ersatz ein völlig einiger Völkerbund fe.in muß. Was die Menschen ffüher nur theoretisch und idealistisch be« 1 trachtet haben, stellt sich letzt als praktisch not­wendig heraus. Wir stel-en am Beginn eines neuen Zeitalters, in dem durch die Staatsmänner die Menschheit zu neuen Zielen und Errungenschaft^! emporgeführt werden falL"

LudcnLorsf.

i. Leipzig, 7. Jan. (Drahtmeld. Pri- vatnachr.) Die ,Leipziger Neuesten Nachrich-- ten" erfahren. Laß Generalquartierincister Ludendorff von einer Erholungsreise, die er mit Zustimmung der Regierung unternom­men hatte, zurückgekehrt ist. Er ist gegenwärtig mit der Abfassung seiner RechtfertigungL» schrift beschäftigt.

Gießen, den 7. Januar 1919.

Gültige Lebensmittelmarke« für 2. die Woche vorn 6. -12. Januar 1919. Brot: 2250 Gramm Brot oder 1680 Gramm Mehl. Brot pro Klg.........45 Pf.

Weizenbrotmehl pro Klg.....56 ,

Krankenbrot pro Klg.......64 ,

Krankenbrotbäcker: S. Katz, Neustadt, W. Hoel.

ters, Frankfurter Str., A. Deibel, Neuenweg. Margarine: 40 Gramm zu 27 Pf.

Fleisch: Wochenabschnitt 2.

Metzger für Fremde: Von-Eiff, Luöwi«fftt.

Metzger für Urlauber: Wilh. Vogt, Löwengasie^ Kartoffeln: Anteil 7 Pfund zum Preise von 56 Pf. Nährmittel: Marke 1 Januar 1919.

Die Nährmittel für Januar sind noch nicht ein- getroffen. Nähere Bekanntmachung erfolgt noch. Zugezogene: Geiste, Seltersweg 2.

Urlauber: Gans, Dammstr.

Jucker: Marke 1 Januar 1919.

Der Jucker für Januar ist noch nicht .ingetroffen

Nähere Bekanntmachung erfolgt noch.

Jugezogene: Schlierbach, Frankfurter Straße.

Urlauber: Klingelmeyer, Ludwigstt. 56.

Lebensrnittel: Marke 14. Anteil Pfund Mar* melabe zum Preise von 50 Pf.