Jugenderziehung mutz jetzt wieder in sichere und ernste
B e 1 r.:
67id
Belchsf erwertangsanif, Berlin If 8, FriedridislriOe 66
und 50 Gramm KA.-Seife zu 20 Pf.
Gemüse: Stöbt Obst» u Gemüseoerkaufsstelle, Turm
haus am Brand.
Wei kraut, Kohlraben, Rote und Gelbe Rüben zu den Tagespreisen.
"Freibank. Mittwoch den 8. Januar werden von 2—4 Uhr die Nrn. 1651—1774 beliefert.
** Die Höchstpreise für Pferdefleisch sind durch Bekanntmachung des Hessischen Landes-Ernäh- rungsamtes vom 31. Dez. 1918 festgesetzt worden und aus dem Anzeigenteil des heutigen Blattes zu ersehen
Darum:
Liefert ab!
Evangelische Volksversammlung über das Thema „Trennung von Staat und Kirche".
Bietzen, 6. Ian. 1919.
Die IohannesKirche vermochte die Zahl der Gäste zu der gestern abend vom evangelischen Kirchenvorstand einberufenen evangelischen Volksversammlung nicht alle zu fasten, und so veranstaltete man gleich, zeitig eine Parallelversammlung in der Stadtkirche. „Ach bleib mit deiner Gnade- wurde a's Lröffnungs- lieb gesungen. Prof. Dr. v Schian führte als erster Redner aus: Vor einigen Monaten dachte noch niemand daran, datz uns dieses Thema beschäftigen würde aber wir haben in kurzer Zeit viel erlebt, und die Ereignisse haben auch hinübergegriffen aufs kirchliche Gebiet Die Sorge um das, was die neue Zeit der Kirche bringen wird, hat uns zusammengeführt Kaum war die Revolution und damit die neue Re- gierung gekommen, so erschien sofort eine Kundgebung auf Trennung von Staat und Kirche. Diese Kundgebungen waren in einzelnen Bundesstaaten besonders scharf. So in Preutzen, Sachten, Hamburg. Will die evangelische Kirche nicht erdrückt werden, so muh sie durch Mastenkundgebungen und Wahlbeteiligung zeigen, datz sie lebt. Der Kirche mutz die Möglichkeit bleiben, dah sie ihr Werk am deu schen Volke tun kann. Der Kirche mutz mindestens eine lange Fri i gewährt werden, damit sie sich rüsten und einnd)ten kann für die neuen Verhältnisse.
Der zweite Redner, Houptlehrer Knautz, be. schäftigte sich besonders mit dem Religionsunterricht den Schulen und forderte besten Beibehaltung als
Besitz von Heeresgnt ans unlauteren Quellen wird bestraft mit
Gefängnis
bis zu 5 Jahren u. 100 000 M. Geldstrafe.
Amtlicher Teil.
Die Wahlen zur deutschen Nationalver» sammluug und zur hessischen Volkskammer.
Gietzener Stadttheater.
Emilia Galotti.
Trauerspiel von Lessing.
Gietzen, 6. Ian. 1919.
Da ein Lessingsches Stück seinen ganz besonderen Stil hat, so ist es die erste Aufgabe der Spielleitung, diesem Stile in jeder Beziehung gerecht zu werden. Adolf Tei eky, besten Regietätigkeit bereits mehrfach sehr erfreuliche Leistungen bot, zeigte heute auch für Lessingschen Geist das richtige Verständnis unb für Lessingschen Stil bas richtige Gefühl. Die klare Durchsichtigkeit, mit der er selbst bie Rolle bes Marinelli burchführte, bewies bies am besten, es machte sich seine Auffassung aber auch in der ganzen Aufführung geltend durch eine leichte Hemmung, die es jedem Gefühlsausbruch verbot, über gewiste Grenzen hinaus. zuschietzen. 9/eben Marinelli, dem ja eigentlich jedes warme Gefühl fremd ist, bestimmte diese Auffassung sehr glücklich die Gestaltung des alten Odoardo durch Carl Volck. So ist der Vater der zweiten Lavinia wohl zu verstehen. Vom gleichen Geiste gebändigt, wurde auch der Prinz, dem Hans Heinz Heres auher einem auffallend zeitgemühen Profil auch ernste Arbeit angedeihen lieh, zu einer Persönlichkeit, die trotz innerlicher Unreife des Mitgefühles sicher ist. Der einheitlichen Austastung fügten sich ebenso glücklich ein Walter Hanser, der den Grasen Appiani mit der sicheren Ruhe eines Gdelmannes des Herzens spielte, Curt Lerch als Maler Conti, Ludwig Grosser, ein früheres Mitgl ed der hiesigen Bühne, als Bandit Angelo, und in den 'Nebenrollen die Herren Wilhelm Koch, Emil Walden und ArturReppert, dessen Pirro sich allerdings einen Anflug von klassischem Pathos nicht ganz versagen konnte. Weniger einheitlich war die Auffastung der Damen. Friedel Doerr als Emilia Galotti mit ihrem stets leise ver- haltenen Spiel, dessen Innerlichkeit dadurch umso klarer zutage tritt, war vollkommen stilecht. Else All- ner als Gräfin Orsina durfte im Spiel ebenfalls gelten, da ihre Rolle starke Temperamentsausbrüche erheischt. Ihre Stimme, die den Ton des modernen Gesellschaftsstückes wohl zu treffen vermag, klang hier trotz beabsichtigter Leidenschaftlichkeit, vielleicht auch gerade deswegen, seelenlos, schwingungslos und quälend Das gleiche gilt von Auguste Marcks, deren Mutter Claudia weder darstellerisch noch stimm- lich sich mit Lesti gscheM Stile irgendwie vereinigen lieh.
Der Spielleitung verbleibt hier noch die Auf- gäbe, ausgleichend einzugreifen, denn dies waren die einzigen Anstände der sonst durchaus würdigen Aufführung. 2Z.
Für die Verwertung von fteiwerdenden Heere«, gütern für unsere Volkswirtschaft ist im Bereiche der Finanzverwaltung ein besonderes Amt, das Reichs» verwenungsamt, geschaffen worden, das dem Reichs, schatzamt untersteht. Die Ueberführung aller Läger aus der Militärverwaltung in die Derwallung des Reichsverwertungsamtes ist vom Kriegsministerium bereits in die Wege geleitet. Auch bie Wiederherbci. chaffung von gestohlenem Heeresgut gehört zu den Aufgaben des Reichsoerwertungsamtes.
Das Re chsverwertung amt weist deshalb heute in einem Inserat daraus hin, daß nach dem von der Reichsregierung am 14 Dezember 1918 erlaßenen Gesetz jeder, der die angeordnete Ablieferung unter» lätzt, sich also noch unrechtmäh gerweise im Besitze von Heeresgut befindet, mit Gefängnis bis zu 5 Iah- Iren unb mit Geldstrafe bis zu 100 000 Mark be I straft wird.
An den Cbcrbürgermeiftcr zu Gießen und die Siirgermcifterticn der Landgemeinden des reifes.
I. Um den Parteien die Verteilung ihr.'» Stimmzettel bei den bevoritrb-irden Wahlen zu er leichtern, Meisen nrir Sie an, die Ihnen durch dir Parteien für die deutsche Nationalversammlung demnächst zugehenden Stimmzettel am Tage der Wahl außerhalb des Wahlraums in jedem Stimmbezirk zur Abgabe an die Wähler zur Verfügung zu halten. Tabei wird Ihnen empfohlen, ivrmtz irgend möglich, die Ihnen von beit Parteien Angehenden Stimmzettel unterschiedslos spätestetls am Tag vor der Wahl den Wahl berechtigt eit zu- zustcllen. Die Bürgermeisvereicn lverden nochmals besonders darauf lyntgetrriefen, daß nach §34 der Wahlordnung der ver.assunggebenden Nationalversammlung die Stimmzettel im Wahlraum weder aufgelegt n o ch verteilt werden dLirsen. Dte gleichen Anordn' N'i'm sind auch Ar die Verteilung der Stimistzntel für die Wah en Mr hessischen Volkskammer zu treuen.
..Was die Anfertigung der Stimmzettel cmlangl, so ist den Parteien empfohlen, für die Wahl zur deutschen Nationalversammlung tat gesamten Wahlvorschlag der Partei, d. h. die Namm sämtlicher von der Partei vorgeschlagenen Bewerta in dem Stimmzettel aufzunehmen und für die Wahlen zur hessisck>en Volkskammer den Stimmzettel nur mit dem Zwnnwort, als welches der Dcante der Partei zu wählen sein mödjüe, zu De rieben.
II. In dem Muster für das Protokoll für oie CSahlen zur verfassunggebenden Volkskammer der Republik Dessen find aus Seite ß Zeile 5 von oben die Worte „sowie außer Berücksichtigung gelassene Umschläge" zu stteichen. Die Wahlvorsteher wollen Sie hierauf aufmerkiam machen.
Gießen, den 0. Januar 1919.
Kreiöamt Gießen. J.V.: Welcker.
Bekanntmachung.
Bezug: Verordnung des Herrn Oberbürgermeisters vom 2. 1. 1919 bett. Gin unün hing des Gasverbrauchs und der cleb . irischen Beleuchtung in ber Stadt Gießen (Gießeiter Anzeiger Nr. 2).
Wir mack-en darauf aufmerksam, daß mit Nück- icht auf Ziffer 3 Aos. 2 der an gezogenen Verordnung alle Gast- und Schanknnrtschasten, sowie Vereins- tntb Versammlungsräume von jetzt ab um 10 Uhr abends schließen müssen.
Es wird erwartet, daß die Beteiligten die erwähnte Vorschrift genau einhallen und die Sckmtz- matmschast nicht zwingen, mit Strafanzeigen vor- zu geben.
Gießen . den 4. Januar 1919 Polizeiamt Gießen Geb h ardt.
Letzte Nachrichten.
Ter Öfirgcrfricq in Berlin.
Berlin, 7. Ian. (WTB l Wie wir erfahren, haben pd) noch gestern abend bie Solbatenräte aller Berliner Garnisonen auf Seiten ber Regierung gestellt. Auch von den Garnisonen in Brandenburg, Frankfurt a. Ober unb Cüstrin sinb gleiche Kundgebungen noch in ber Nacht an bie Regierung abgegangen. Volkskommissar Noske hat im Auftrag ber Regierung noch gestern abend bie Alarmbereitschaft an bie ganzen Garnisonen Grob- Berlin ausgegeben.
Berlin, 7. Ian. Nach bisher vorliegenden Mel- düngen kam es im Laufe des gestrigen Tages an 5 Stellen zu Zusammenstößen, bei denen es Tote unb Verwundete gegeben hat. Auch in der Nacht haben Straßenkämpfe vor ber Nei vskanzlei stattgcfunden. Spartakus versuchte einen Hanbstreich auf bie Reichskanzlei. Die regierungstreuen Truppen feuerten. Es gab 20 Tote unb mehr als 40 Der- wundete.
LvartalnS in Mülheim und Oberhausen.
Düsseldorf, 7. Ian. (WTB ) In Mülheim und Oberhausen haben die SpartakusanHänger die öffentlichen Gewalten an sich gerissen. (Es würbe die Herrschaft bes Proletariats nach cuisischem «Bor- gang proklamiert.
Nordsckleswig.
Lübeck, 7. Jan. (WTB.) In Nordschles- wig stellen sich bie Arbeiter in zunehmendem Matze in den Dienst ber dänischen Agitation. Auch Zahlreiche Agitatoren weilen auf nordschleswigisch.m Boden. Man kann in Nordschleswig mit einer Be. wcgun" nach den Dorgängen im Osten Preußens rechnen.
mit großem Beisall aufgewmrmene Rebe gipfelte in dem Sckttuß, daß nur die Arbeit aller Bevölke- rimgsfcknchten Deutschland ivieber retten könne. Alles mit dem Volk und für das Volk.
** Der Bürgerrat für Stabt unb Kreis Gießen hat bem Insanterie-Negt. Kaiser Wilhelm Nr. 116 aus ben als Liebesgaben eingegangenen Beträgen eine Summe zur Verfügung gestellt, aus ber oberhessischen Kriegsteilnehmern bes Regiments Beihilfen zur Auftichiung ihrer Existenz gewährt werben sollen. Näheres siehe Anzeigensteil.
“ Deutsche Dolkspartei Heute abenb finbet 7'Uhr im Fürstenhof eine öffentliche Frauenoer. sammlung statt, in ber Frau Else Roloff unb Herr Prof. Dr. Schian sprechen.
** Schwarz-Weiß-Lichtspiele, Sel- terslveg 81. Ab heute bis inkl. Freitag, 10. Jan., strängt der große Sensations ilm „Tie tanzende 5)a7my", Trama einer .Halbweltdame, mit Hanny Weiße in der .Hauptrolle zur s2hr stihrung. Außerdem das dreiaktige Lustspiel „Komtesse Else".
** Lichtspielhaus. Heute wirb zum letzten Male gegeben Der Weg, ber zur Verdammnis führt. Von Mittwoch bis Freitag den 10. Jan. spielt Maria Widak in ber Cebenstragöbie Das verhängnisvolle Andenken.
Wilson in Rom.
Basel, 6. Jan. Nach einer Meldung ber Agen. zia Stefani besuchte Wilson mit seiner ©emablin an Samstag bie historischen Stätten Roms. Auf bem Kapitol hielten Fürst Colonna unb Titonni Absprachen auf die Wilson erwiderte. Er bankte zunächst für das ihm verliehene Ehrenbürgerrecht von Rom. Nach einem geschichtlichen Rückblick wandte er sich den Zen tralmächten zu unb führte u. a. aus: Wenn Deutsch, land in Frieden nur noch e;ne Generation abgekartet hätte, würde es sich die Weltherrschaft des Handels errungen haben. Es wollte diese Herrschaft jedoch nicht durch seine Geschicklichkeit unb Tät gkeit erobern, sondern durch bie Waffen Ich würde Amerika niemals verlassen haben, wenn ich nicht gefühlt hätte, daß bie Zeit gekommen ist, wo bie Menschen ihre lokalen Intereflen unb Ziele vergessen mußten, um sich 3» vereinigen in bem großen Vorsatz, nunmehr alle für immer in Brüderlichkeit verbunden zu fein! Um 9,30 Uhr abends fuhr Wüson mit seiner Frau nach Genua ab.
Bern, 6 Ian. Die Mailänder Preffen finden in dem Besuch Wilsons bei dem Pap st e einen Hof- iichkeitsakt. Es dürften keine politischen Fragen zur Erörterung gekommen sein, was auch besonders daraus hervorzugehen schien, daß die Unterredung Wilsons mit dem Kardinalsstaats-Sekretär Gasparri niu wenige Minuten gebauert habe.
Die Enteilte gegen den Bolschewismus.
Dasel, 7. Ian. (WTB.) „Daily Mail" meldet aus Paris: Feldmarschall Mackensen wird von Saloniki nach Frankreich überführt. Es stehen wichtige Beschlüffe der Alliierten, bie nicht einmal angebeutet werden können, gegen ben Bolschewismus in Europa bevor.
Sozialistische Konferenz in Lausanne.
B e r n, 6. Jan. Wie ber Vertreter be3 WTB erfährt, hat B r a n t i n g an di-' sozialistiick-e Par tei ber Schweiz sowie an bas Zentvaltomilce dos sch.ucizerisäien Gewerksckiaslsbunoes lele-raubiert. baß Schweden an bem sozialistischen Kongreß von Lausanne tei.nehmen werde unter ber Bedingung, daß gleich,-eitig ein nationaler Gewerkschaftskongreß ftatt- finbet. Tie schwebisckkm delegierten nnwtat ant 13. Januar in ber Scknoeiz cintrc fen. Tie Be rahingen sollen unbedingt <nn 21. Januar beginnen. Das neue Zentralkomitee der s ch w e i z e - rischen sozialistisä»en Pattei ivir) morgen über die Teilnahme an der Lausanner ^on e.e.iz beschließen und 10 Delegierte ernennen. Das Siym mitce, das in seiner letzten^itzung sich gegen tert Bolschewismus ausgesprochen lat, lat s«i eTele- giert?n beauttvagt, ,ich an die Grundsatz' des Slein- sozialismus zu halten und jede Diktatur deS Proletariats abzulehnen.
Roosevelt f-
Frankfurt, 6. Ian. Das „Hollanbsch Nieuws» Bureau" meldet aus New Pork: Expräsident Roose» oelt ist per angene Nacht gestorben.
Landkreis Gietzen.
j. Grün berg, 6. Jan. Gestern nachmittag 3 Uhr fand im „Gasthaus zum Rappen" eine sehr gut besuchte Wahlversammlung statt, in welcher Professor Mittermaier von Gießen über das neue Wahlrecht zur deutschen Naiio.nalversamm-- lung und zur verfassunggebenden Volkskammer der RejTublik Hessen Vortrag l-ielt. Redner schilderte die Vortttle und Nachteile des neuen Wahlreck)ts in objektiver Weise und mahnte dabei auch die t'lnwesenden beiderlei Geschlechts, bahin zu wirken, das; die Einhnt des Reiches nicht ge ährdet werde, daß wir itneber zu geordneten Zu ständen im Reiche kommen und die Reichsgren^n gegen das Eindrür- gen unserer Fei::de wiürer gesichert »vertat. Jns- l'-esondere ermahnte er an Pflichterfüllung. Auch Pro essor Tr. Roloff von Gießen bet-.iHgte sich in sachlichem Vortrage an ber Debatte. Beiden Rednern wurde reicher Beifall zuteil.
** G r ü n b e r g, 6. Jan. Tas dem Kaufmann Dellwig gehörende Geschättch'Us am Vtarktplatz in Grünberg ist an Kauintann Weiß aus saiger bei Tillenburg zum Preise von 53 000 Mk. übergegangen.
Krcis Büdingen.
Büdingen, 6. Jan. Tie Tanzlust- bar fetten haben seit kurzem im Kreise eb.cn derartigen Um ang angenominen. das; sie in ivetten Bevölkerungsschiteil Aergenas und Anstoß erregen. Das Kreisamt gibt dazu bekamt!, daß es lortan aegen die Jnl)aber von Wirtschaften, die in eftren Lokalen Tanzvergnügen ohne kreisamtliche Erlaubnis veranstalten, stra rechtlich vorgeht.
Starkenburg und Rhnnhessen.
** Darmstadt, 5. Jan. Kirchenrat Belte, ber von der Kirchenbehörde um Uebernahme der Stelle des Direktors am Predigerseminar in Frieo- berg ersucht worden war, bat, wie wir vernehmen, sich entschlossen, in seiner hiesigen Stellung zu verbleiben. Die Mitglteder der hiesigen evangelischen Gemeinde werden dies mit Befriedigung vernehmen.
Hessen-Nassau.
_ . 5= Frankfurt a. M., 6. ^n^Dic Jndu- strtelle Vereintgung beschloß mit Rücksicht auf den Kohlenmangel in-ber Woche 35 Stun den arbeiten zu lassen. Sie hält es jedoch für einen Irrtum des Arbeiterrates, wenn dieser meint, burch Ein ülirung des Seckisstuudentagcs die Gin- stellung größerer Arbeitetntengeu zu ermöglichen, dadurch gewölMe man die Leute nur an Unterstützungen. In einzelnen Fabriken faben die Ar- better bereits gegen die sechsstündige Arbeitszeit prchesttert. — In den Bureaus >ourde die neue Zett nur Protaveise eilige,üßrt. Bei der Schiitz- mannschast kam l-eute der Achtstundentag zur Einführung.
= Frankfurt a. M., 4. Jan. Ter Dramaturg des Lchausptelhauses, Dr. Gwrg Plvtke ein hervorragender Literat und Thea'ersachmann ist in ber vergangenen dtacht der Grippe erlegen ^vr feiner Berufung an bas Schauspiellmus war er Tramaturg des hiesigen Reuen Theaters.
** Amtliche Personalnachr ich- ten. Am 28. Dezember d. I. wurde der Bor- ftanb eines Finanzamts, Finanz rat Heinrich Kriegk, zur Zeit in Darmstadt, vom Tage des Dienstantritts an zum Vorstand des Finanzamts Butzbach ernannt. — In den Ruhestand versetzt hnirbe am 23. Dezember der Lehrer Heinrich Keil zu Darmstadt auf sein Nachsuchen vom 1. Januar 1919 ab.
** Meldepflicht für gewerbliche Verbraucher im Januar. Ge- werblick-e Verbraucher von mindestens 10 Tonnen Kohlen, Koks und Briketts monatlich müssen laut Bekanntmachung des Reichskommissars für die Kohlenverteilung vom 4. Dezember 1918 (Reichsanzeiger Nr. 294) die üblichen Meldungen in der Zeit vom 1. bis 5. Januar 1919 erneut erstatten. Die vorgeschriebenen Meldekarten sind bei den bekannten Stellen zu dem bisherigen Preise von 0,25 Mk. für ein Meldekartenheft mit vier Meldekarten (0,30 Mk. mit 5 Karten) nebst Wortlaut der Bekanntmachung, sowie von OJOo M7. für eine Einzelkarte erhältlich.
•* Iugendkundgebung. Auf Einladung der Deutschen d^rnokralischen Partei hatte sich gestern abenb im „Fürstenhof" eine sehr zahlreiche Zuhörerschaft eingefunben, darunter viele junge Soldaten und zahlreiche Studenten, die den Ausführungen der Redner mit größter Aufmerksamkeit folgten. Prof. Michel, der als Vorsitzender die Erschienenen begrüßte, knüpfte an die Wotte Napoleons von der Tragödie der Staaten an bei dessen Zusammenkunft mit Goethe vor 100 Jahren in Erfurt und fordert die Jugend zur tätigen Mithilfe auf beim Neuaufbau des Reiches in der jetzigen Schicksalsstunde Deutschlands, der größten Dölkertragädie der Weltgeschichte. Dr. Avemarie wandte sich in warmen Worten und in wohlgesehter ' Rede an seine jungen Freunde, gedachte in Dankbarkeit der zurückgekehrten und der gefallenen jungen Helden im Kriege und entwarf in kurzen Zügen ein Bild der seligen schweren Lage des Reiches, wo nach der (Bötterbämmerung der Monarchen jetzt bei der Gründung der deutschen Republik der Platz der Jugend bei der schwarz-rot-goldnen Fahne der Freiheit des Jahres 1848 sei. Die Jugend wolle sich nicht durch Schlagwotte von links oder rechts einfangen lassen, sie nehme das Recht der Kritik den Alten gegenüber für sich in Anspruch und halte im Glauben an ein neues Leben die Hoffnung fest im Herzen auf eine bessere Zukunft unseres Volkes. Prof. Dr. Mittermaier ermahnte als Lehrer der Jugend die jungen Leute, angiffichts der Rechte, die sie jetzt im neuen Staate in einem frühzeitigen Alter erhalten haben, an die damit übernommenen Pflichten, an ihre Ver- antroortuna, an die Pflicht zu ernster, gewissenhafter Arbeit, zu Orbnurtg, zur L-'ettrsterziehung, gur J’frfjtung vor dem erfahrenen Alter, zur Bewahrung ihrer Ehre und zu Opfern für den Staat, denn auf der Jugend, auf charakterfesten Männern beruhe die Zukunft bes neuen deutschen Staates. Direktor Dr Strecker sprach in ausgezeichneter, mit vielem Bei- fall aufgenommener Rede über die wahre und falsche Freiheit. Die Jugend sei rasch begeistert für die Freiheit, die viel Schönes, aber auch viel Gefahrvolles In sich berge Don der Freiheit könne jeder für sich nur so viel in Anspruch nehmen, als sich mit der Freiheit des anderen vereinbaren lasse; nur durch Selbsterziehung kö ne die wahre, die sittliche Freiheit erlangt werden, jeder Mißbrauch der Freiheit führe zum Schaden So sei es auch mit der moralischen Sittlichkeit auf, bem Gebiete der Politik. Hier habe der alte Imperialismus und Militarismus in Heber- treibung der nationalen Leidenschaften und der Wünsche der Alldeutschen jeden vernünftigen Gedanken durch die Zensur unterdrückt, zu viel Freiheiten für uns in Anspruch genommen und die Frei- he>ten der anderen Völker mißachtet unb ben friedlichen Dölkerdundsgedanken bekämpft, bis die Gewaltherrschaft zusammengebrochen sei Jetzt aber habe der Mißbrauch der Freihei.t durch die Revolution zu einer neuen Gewaltherrschaft im Innern geführt, die nicht rasch genug wieder beseitigt werden könne, da- mit wieder Ruhe, Ordnung und Sicherheit eintrete. Die Jugend dürfe nicht den Sirenenrufen ber falschen Freiheit folgen, sondern sie müße ber Stimme ber Vernunft Gehör schenken. Die wahre Freiheit liege in der goldenen Mitte, bie Freiheit von rechts habe mit der Erstredung der/Weltherrschaft zum Krieg unb zuletzt zum Zusammenbruch geführt, die Freiheit von links habe durch die Revolution jetzt fast zum allgemeinen Chaos gefühtt; bie Freiheit der Vernunft werde zur Kulturaemeinschaft der Völker führen. Im Verein der demokra ischen Partei diene die Jugend durch ihre Stimmenabgabe der Freiheit, der Gerechtigkeit. In Vertretung bes erkrankten Prof. Dr. E ck roanbte sich ber Lizentiat Herpel, der als früheres Mitgli-d des sozialistischen Solbatenrates in Hohen- salza interessante Streiflichter auf die erlebte Freiheit von links unb rechts zu werfen in der Lage war, an die Mitglieder des Wandervogels und der Sportvereine zur Hochhaltung der Freiheit und der Ideale der deutschen Jugend im Sinne ber reinen Mensch, lichkeit und zur Betätigung des fteiheitlichen Dranges ig der deutschen demokratischen Partei. So war der Abend recht lehrreich unb. eindrucksvoll für unsere Jugend >
Eisenbahnbeamten.Versammlung. Un. ter dem Vorsitz des Reserre-Lokomotioführers E. S i. mon fand am 5. Januar im .Fürstenhof" eine Eisenbahnbeamten-Versammlung statt, in der Herr Pros. Dr. Gmelin über die Verhältniswahlen sprach. Anschließend wurde deschloflen, einen Be- amtenausschuß zu bilden, zu dem jede Beamten- i Organisation für jede altgefangenen 50 Mitglieder einen Vertreter eutienbet. Die Vertreter sind so zu wählen, damit sie am 12. Januar 1919, vormittags 9 Uhr, zur ersten Besprechung und Wahl geschafts- führenden Ausschusies sich im Hotel Hopfeld ver. sammeln können Eine weitere Einladung erfolgt nicht Zu den Unkosten der öffentlicheu Versamm- hing hat jede Ortsgruppe für jedes Mitglied 15 Pfg. , bis zum 12. Januar zu entrichten.
** Ocffentlicke Eisenbabnerver- sammlung. In einer gutbeiudren Eisen, bahnerverjammlwig im Hotel Lckütz sprach gestern
Seife: Marken für Januar 1919 t abend Sxvt Generalsekretär Riedel, Berlin. Er' erstes and wichtigstes Erziehungsmittel. Gerade jetzt
Anteil 125^Gramm KA^Seifenpulver^ zu 1 ö Pf. f charaktcrisirtte in lre fenta Weise das a.'te unb sei dies erforderlich, wenn das deutsche Volk nicht neue System und betonte besonders die Zusammen- geistig und sittlich zu gründe gehen soll. Unsere •arbeit alter Arbeiter- und Beamterwerbände. Seine Jugenderziehung muß jetzt wieder in sichere und ernste
Bahnen gelenkt werden.
Frau Martha Sievers führt aus, was die Frau und Mutter der Kirche zu danken hat. Die christliche Mutter rnüffe dafür wirken, daß die Schule nicht entchristlicht werde. Mit dem Religionsunterricht würde man den Kindern das Beste nehmen Wir Mütter sichern unfern Kindern den Religionsunterricht dadurch, daß wir unsere Wahlpflicht erfüllen.
Landgerichtsrat Sch mahl gibt einen Ueberblick über die hessische Kirchenverfassung und die rechtliche Stellung der Kirche zum Staat, die Kirche dürfe bei ber Neuorbnung nicht geschädigt werden. Die theologische Fakultät an der Universität muß im Intereffe ber Universität beibehalten werden Im Intereffe ber Iukpnft des deutschen Volkes ist die Erhaltung des Religionsunterrichts erforderlich. Jeder evangelische Christ habe die Verpflichtung, bei den Wahlen für bas Recht ber Kirche einzutreten
Pfarrer Bechtolsheimer führt aus, daß gerade das Sturm aufen gegen die evangelische Kirche eine gewaltige (Erregung der Christenheit gebracht habe, und auch Gießen biete heute eine solche Kundgebung in seinen be den evangelischen Gotteshäusern. Die Kirche sei nicht kulturfeindlich, sondern ein Bollwerk gegen Aberglaube und Unwissenheit und von jeher eine Pflegestätte für das Volkswohl. Bei der Wahl gelte es, an die Urne zu gehen und für Recht und Freiheit ber Kirche einzutreten. Die Dolksversamm- lung schloß mit dem Lutherlied: „Ein feste Burg i unser Gott." Das (Ergebnis der Versammlung war folgende Entschließung:
„Die heute in der Iohannishirche zu einer von beinahe 2000 Personen besuchten Versammlung, in der über die Frage „Trennung von Staat und Kirche" verhandelt wurde, ßufammengetretenen evangelischen Bewohner von Gießen ermatten von Regierung und Volksvertretung unseres Landes, daß e ne Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche mit Rücksicht auf die Gesinnungen und Bedürsniffe des überwiegenden Teils der Bevölkerung ohne Uebereilung, schonend und nur nach reiflicher Erwägung vorgenommen werde, daß insonderheit durch Erhaltung der bestehenden Gesetze und Verordnungen die kirchliche Sonn» tagsfeier geschützt und der christliche Charakter unseres Volkslebens gewahrt bleibe, daß der Religionsunterricht in den Schulen erhalten bleibe und daß die Kirche finanziell in jeder Weise sicher gestellt wird."


