Theiß IV. 83, Wilhelm Wißner IL 57 und Johannes Nikolai III. 43 Stimmen. JnfvtAÄressen ist eine Stichwahl erfoickerlich. Sie falbet Sonnlag den 7. September zwischen Heinrich! Rech II. und Heinrich Theiß IV. statt. — Unsere B ü rge r- mei st erwähl wurde von der Gegenpartei angefochten, die vvm Kreisausschuß bostenfällig ab- gewiesen wurde. Di eGegenparter hat aber gegen dieses Urteil Berufung eingelegt, und somtt wird es immer noch eine Zeitlang dauern, bis der neue Bürgermeister bestätigt und in sein Amt eingcführt wird.
Sport.
Lawn-Teirnis-Turnier Bab-Nauheim.
2. September. Durch herrliches Wetter begünstigt hat das Turnier bereits am 2. Spieltage einen glanzenden Verlauf genommen. Alle bedeutenden Spieler finb bereits eingetroffen und einige Wettspiele wurden weit geförberr. Dir Plätze sind in vorzüglicher Verfassung. Zahlreiches Publikum verfolgt die spannenden Kämpfe mit größtem Interesse.
3. September. Tic heutigen Spiele haben die Abwickelung des Turniers außerordentlich gefördert. Tie Vormittagsspiele brachten den Sieg von Frl. Gaßmann-St^hanus, eines jungen Spielerpaares aus Hannover über Frl. Weiher- mann-v. Bissing, ein Ereignis, aus dem man die Hoffnung schöpten kann, daß endlich ein Nachwuchs an erstklassigen Spielern ersteht. Ebenso vielver- sprechenc ist Stephanus im Einzelspiel, da er gegen Oiaft ein ganz vorzügliches Spiel lieferte. Seine Leistung ist umso höher zu bewerten, als es Gost am Nachmittag gelang, im brillanten Spiel Froitzheim einen Satz abzunehmen. Auch ein anderes Spiel zeigte einen entwickelungsfähigen Meister des Tennisschlägers in Herrn Laichmann. Er verlor zwar gegen Kleinschroth, hatte aber vorzügliche Momente, so daß ihm eine glänzende Zukunft vorausgesagt roerden Etnrn.
4. September. Interessante Spiele gab es am Donnerstag. In dem Herren-Einzelspiel um den Nauheimer Pokal trafen sich in der dritten Runde am Mittwoch Oskar Koeuzer und H. Schomburg. Kreuzer blieb nach kurzem Kampf mit 6:2, 6:4 Sieger. Ein ebenfalls sehr interessantes Spiel lieferten Landmann und H. .Kleinschroth, in dem Kleinschroth mit 8:6, 6:3 Sieger blieb. Es war ein sclcönes Mel, in dem man Landmanns Untvoinicrtheit stark herausmerkte. Seine Anlagen zum Tennis berechtigen zu den größten Ermattungen, falls er mehr trainieren könnte. Das internationale Spiel am Mittwxh war das Zusammen- ' ressen des Weltmeisters Froitzheim mit Gast, bei dem es Froitzheim erst im dritten Satz nach schwerem Kampf gelang, mit 6:4, 5:7, 6:2 Sieger zu bleiben. Gast setzte andauernd stark an, wobei er besonders seine starke Vorhand cmwen- den konnte, während sich Froitzheim fast ausschließlich auf gute Verteidigung mit langen Schlägen au^ die Grundlinie und schrägen Passierbällen am Netz legte.
*
** Fu ßball spart. Auf dem Sportplatz an der Hardt findet morgen nachmittag 4 Uhr ein Fußballwettspiel der Schülermannschaften Spottklub „Preußen", Duisburg und Verein für Nasen- spiele 1900, Gießen, statt.
Turnen.
Morgen findet in Gießen ein Gauwetturnen statt. Mehr als 700 Wetturncr werden in friedlichem Kampf ihre Kräfte messen. Ein Teil der auswättigen Turner trifft schon heute hier ein. Unter Vovantritt einer Musikkapelle marschieren die Turner geschlossen zum Turnplatz. Nachmittags von 3 Uhr ab ist Konzert. ^Öer Eintritt für den ganzen Dag ist auf 50 Pf. festgesetzt. In Anbttracht der großen Bedeutung, die dem Turnen zufällt, dürften sich morgen dre Gießener aus der Hardt zusammenfinden.
Märkte.
z. Marburg, 5. Sept. Auf dem gestrigen Schweinemarkt standen 308 Ferkel und Läufer zum Verkauf. Die Preise stritten sich wie folgt: .Äeuic Ferkel 60—90 Mk., größere 100—150 Mk., kleine Sauter 200—300 Mk. und ältere Ware 400 bis 500 Mk. das Stück. Bei Schluß des Marktes gingen die Preise immer mehr zurück.
vrennhol; aus dem deutschen Wald.
Der deutsche Wald, der durch Jahrtausende der gute hilfreiche Freund des Germanen gewesen ist, soll uns auch jetzt wieder aus unserer großen Not an Herzmitteln, soweit es in fernen Kräften steht, helfen. Bereitwillig bietet er uns Brennholz dar, das einst das Hauvtfeuenmgsmaterial der Deutschen bildete, feit dem Heraufkommen des Kohlezeitatters aber immer mehr in den Hintergrund trat. Ter „freie Wald" ist stets ein Ideal des Deutschen gewesen, nm dessen Besitz er heftige Kämpfe ge- sühtt hat. Aus der deutschen Walüfreiheit, die noch immer in unsere sonst streng geregelten Zustände hineinvagt, strömt ein tieferer Einfluß auf unsere
Sitten, als man wohl glauben mag, wächst die Sie'' zum deutschen Wald, die dem Deutschen eingeboren ist. Durch Jahrhunderte hat der Wald fein Holz den Mensen geliefert, um sie vor Kälte zu schützen. Und wenn der Mensch des Mittelalters sich etwas Furchtbares vvrfteltte, bann stieg ihm das Gespenst der Holzn-ot auf, das seit den Tagen Katts des Großen immer wieder zur Warnung vor federn Mißbrauch dieser kostbaren Waldgabe dem Volke vorgehalten wird. Als wich- ttges Zeichen für das Herannahen des Jüngsten Tages und des Weltgerichts prophezeit Luther, daß dann Deutschland entblößt sein werde von rvttdem Holz; die deutschen Reichstage des 16. Jahrhunderts beschäftigen sich mit der Einführung eiu?r „Holzsparkunst", und der Verfasser Der Mainzer Forstordnung von 1765 erhebt die Klage: „Ein Hausvater versorget sich jetzo mit '.oeniger Kosten und Mühe auf ein Jahr mit Boot, denn mit Holz."
Erst die immer mehr sich ausbreitende Verwertung der Kohle hat diese Sorge in den Hintergrund gedrängt. Aber jetzt zwingt uns die Kohlennot wieder baju, untere Zuflucht zum Brennholz, zum Heizmittel unserer Väter zu nehmen. Ganz verschwunden ist ja diese Versorgung von Ofen und Hero aus dem Wald niemals aus deutschen Landen. Tie Bauern und besonders die Leute im Gfcbirge hielten fest an dem uralten Recht, sich Holz zu sammeln aus dem Forst, und nichts hat erbitternder genrirft auf die Schichten der Land- teoölkerung, als die Sperrung be£ Waldes, als das Holzsammelverbot, das hie und da mit Strenge durckgefühtt wurde Freilich ist es heute unmöglich, wie in vergangenen Jahrhimderttn, daß wir uns wieder ganz aus dem Brennholz des Waldes öeriorgen. Wir sind in der Haupt sacke angewiesen tauf die Schätze jener toerftriwerten deutschm Mälder, die in den Kohlenflözen uns zur Verfügung stehen. Wie Pvof. v. Mammen in einer interessanten Abhandlung nachweist, kam die deutsche Kohlenförderung der letzten Jahre der Srennfraft von ungefähr 500 Millionen Kubikmetern Holz gleich, und wollte man eine dieser Kohlenpvoduktton entsprechende Brennholzmenge hervorbringen, fo müßten wir in Deutschland zehnmal sv viel Wald- ftäche besitzen als wir haben, also statt 14 Millionen Hektar 140 Millionen Hektar: das Zweiein Halbsache der Fläche des Deutschen Reiches müßte dann bewaldet sein. Wollte Europa feinen ganzen Bedarf an Wärmeenergien aus dem Walde decken, so müßte es statt zu einem Drittel zu vier Fünfteln seiner ganzen Oberfläche bewaldet sein. Der Bedarf an Brennholz überwog ja bei uns bis in die letzten Jahve die Verwertung von Nutzholz, und von den 54 Millionen Kubikmetern Holz, die jährlich in Deutschland erzeugt wurden, wanderten gegen 55—60 Prozent, also ungefähr 30 Millionen, als Brennholz m den Ofen. Auf dem Lande bestehen ja noch heute die alten Hei zvor richtungen, die auf Holzbrond eingerichtet sind: die Bewohner hängen mit großer Zähigkeit an der von den Vätern überbmmenen Sitte des Holzverbvennens, und sehr wichttg ist ja auch, daß der kleine Mann auf dem Lande sich durch Sammeln von Holz den Bvennbedart ohne bare Auslagen, hauptsächlich durch seine Arbeitskraft verschaffen kann. Immerhin war der Verbrauch von Brennholz gegenüber der Berroettung als Nutzholz allmählich zurückgeaangeu. Während der Nutzbolzverbrauch auf den Kopf der Bevölkerung von 0,37 Festmeter im Jahre 1872 auf 0,44 Festmeter im Jahve 1903 stieg, sank der Brenntxolz- verbrauch in denselben Jahren von 0,77 auf 0,50 Festmeter auf den Kopf der Bevölkerung. Während des Krieges hat dann der begimrende Kvhlen- manget schon in höherem Maße dazu geführt, wieder auf das Brennholz zurückhugrrifen. Tie Preise für Brennholz stiegen bedeutend: ht den Staatswaldungen wurde auf einen größeren Einschlag Bedacht genommen: ja, es wurden in verschiedenen Gegenden Brenndolzentschädigungen an die Familien der Kriegsteilnehmer gewährt oder wenigstens Brennholz an Bedürftige zu ermäßig* ten Preisen abgegeben.
Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.
Datum
l|
' O
1 |H
der Lust
Absolute Feuchtigkeit
Nelative Feuchtigkeit
Grad der D?wSl» kung tn Zehntel der sichtbaren Himnieltfläche
Wetter
5. 9. 1 nm. II 23.9
5. 9. 1 abbs.ij 15.4
6.9. vm. 11.5
Höchste Temperatu Niedrigste „
8.5
10.1
8.9
am
,, 5
39
77
88
.9.= . 9. -
3
0 1
=24.r,
= 7.4",
Hefter trocken warm nachts Tau
6. 9. = 14.5°.
6. 9. = 8.7°.
Wettervoraussage
für Sonntag:
Ziemlich heiter, Gewitterneigung, Temperatur wenig geändert, vorwiegend südöstliche Winde.
gänglich bleiben
Aus
dem
— Wedekind-Urauifübrung ___
M ü n ck c rt wird uns geschrieben: ,L» crakle s", Wedekinds nachgelassenes dramatisches Gedicht, ein Werk von Schönheit und Kraft, dabei stark in sri- nem ethifdien Amen, gelangte im „Prinzregenteu- tHeater" zu München als letztes der „F-estsviele 1919" zur Uraufführung. Das Wert geht ganz andere Wege als die anberen Arbeiten seines Dich-
'FürftenHauses anzu sehen ist. Die Großherzoain batte den Verbleib dieses wichtigen Institutes in Weimar ausdrücklich auf die Zeit der Regierung des Weimarischen Fürstenhauses begrenzt. Man hofft jedoch, daß dieser Schatz ber handschriftlichen Hin- terlaffcnfd)aft der iveimarisch'en Dichter, der durch die Schenkungen des literarischen Nachlasses anderer Schriftsteller und Dichter zu einem einzig- artigen Literaturmufeum gervorden ist, Weimar erhalten bleiben wird Aohulich verhütt es sich mit den überaus wertvollen Sammlungen von Kunstschätzen, Bildern und Handzeichwmgen, die das dveimarische Schloß enthält, und dem im Museum am Kartspiatz rmtergelwachten alten Porzellan und Kupferstichen. Wie diese Sammlungen, so sind auch die Wandgemälde Prellers im Mu seum ausdrücklich als Eigentum des Fürstenhauses vorgesehen, und sie wurden so gefertigt, daß sie leickst cnlfentt werden können. Es stehen daher nod) langioierige Auseinarrdersetzungen bevor, bis
Zenilleton.
Die Wahrung -er Weimarer Kulturgüter.
Die Einberufung der NattonalVersammlung nach Weimar hat die Bedeutung dieser Stadt als br.t geistigen Mittelpunkt Deutschlands aller Welt wieder klar vor Augen gestellt. Daher ist es aber auch eine besonders wichtige Aufgabe, die weimarifchen Kulturgüter zu schützen und zu erhalten. lieber die Schwierigkeiten, die dabei zu überwinden finb, macht Eleonore v. Bojacowski im neueste,! Heft der „Deutschen Revue" eingehende Mitteilungen. Vor allem muß die finan- nelle Grundlage' für die Unterhaltung der Kunst- und Erinnerungsstätten, für die bisher der Landes- furft sorgte, geplulffen werden. Die von dem ehemaligen Großherzog gewährte Beihilfe betrug ungefähr l Million Mark. Die geplante Sicherstellung soll nun in Zukunft in der Weise erfolgen, das der Staat eilten Teil der Summe aus der dem Großherzog weiterhin nicht mehr zu zahlenden .Domänenrente bestreitet unb die Stadtver- tretung außerdem 100 000 Mk. zu dem gleichen Zweck jährlich bervilligte. Dies ist aber nur mög- heb, wenn das früher regiereiche Haus die zu mtterhattenden Institute, Einrichtungen imd Anlagen dem Staate überläßt. E lmndelt sich dabri um die folgenden Stätten: Wittumspalais, Goethe aartenhans, Schloß und Part Belvedere, Tiefurt, J-ürstenarnft, Knustlerheim, Lisztmuseurn, Park zu Weimar, Mniit-ckule, Hochschule für bildeiche Kunst und Nationattheater. Eine Ausnahme bildet das Goethe- und Schiller-Archiv, bdv von der Groß herzoain Sophie au* eigenen Mitteln erbaut unb ausoestattet wurde, daher als Privateigenttem ocs
über das weite« Schicksal der Kunst und Lite ratnrschätze Weimars Klarheit geschaffen ist. Die ganze Nation aber hat ein Interesse daran, daß diese kostbaven Vermächtnisse großer Zeiten geistigen Leden Deutschlands erhalten unk
Gefängnis auSgebrrxheu ist und bannt den Beweis erbracht hat, daß gewisse Leute auch ohne Einverständnis der Regierung aus Staatsgeläng- nissen herouskoinmen.
2tber wo bleibt brc sittliche Emrüstung der „Jreihril" gegenüber den schMterlichen Greuel taten, die der Münchener Ge i je l m o rdp r o- zcß enthüllt? Nicht ein Wort der Verur tcilung haben wir bisher in der „Freilieit" g: lesen über jene verkommene und blutgierige Bande im L ui tpoldgymnasium, von der jetzt ihr? eigenen Führer auf der Anklagebank aussagen, daß sie aus fast nichts als Gesindel bestanden habe, das plündern und stehlen wollte und tatsächlich nach Her zenslust geplündert und gestohlen bat. Mein Wort der Verurteilung über diese Führer selber, bk aus ehemals gelben Tenunzianten, mit allen G' schleck,tskrankheiten behafteten Zuhältern usw. über Nacht zu „Arbeiterführern" wurden und an nickt dachten, als ihren blutgierigen unb rohen Inst int ten freien Lauf zu lassen. Kein Wort der Ver urteilung über den frivolen Akt der Dinriclftung selber, bei dem Dirnen lachend aus den Kaserne'' fenstern schauten, während die Opfer unter gerne« iren Mißlckndlungm zur Richtstätte geschleift rom den, nachdem man sie tagelang in ein 5telterL>± geiperrt hatte — in dem nach dem Urteil ein Mitangeklagten nicht einmal Schwerverbreck'er hat ten fitzen dürfen —, nachdem man sie seelisch mir körperlich in der niedrigsten Weise gefoltert um gequält batte! Kein Wort der Verurteilung über die Vollstrecker des ohne Gericht unb Unter suchung erlassenen Todesurteils, die sich hinter her in viehischer Weise brüsteten, wie sie di» Opfer aus nächster Nähe mit ihren Kugeln zersetzt hatten!
Letzte Nachrichten.
Die Ergebnisse der Leipziger Messe.
Berlin, 5. Sept. (WTB.) Nach der „Teut- toen Allgemeinen Zeitung" sind die Ergebnisse der Leipziger Messe sehr günstig. Infolge des Eingreifens der Kundschaft aus den bisher feindlichen Staaten wurden die früheren geschäftlichen Verbindungen wieder angrfnüuft. T« Einkäufer aus Nordamerika und England haben effektive Aufträge'erteilt, während die Franzosen in der Hauptsache sich zu unterrichten suchten unb die Erteilung von Aufträgen durch den Besuch der Fabrikplätze in Aussicht stellten^ Die Amerikaner machten großen Bedarf, mrmerilich in Porzellan geltend Auch Südamerika, Italien, Spanien und Polen waren unter den Einkäufern vertreten. Was die Beteiligung der Jnlandkunds-chaft an der Messe anfangt, so war sie auf den Don der Zurückhaltung gestimmt, wohl in Erwartung eine? baldigen Abbaues der Preise.
Raubfälle in Köln.
Köln, 5. Sept. Privattelegranrm. Hier wurden einem Kafienboten einer Speditionsfirma von drei Unbekannten 5 0000 Warf geraubt. Tir Räuber verletzten den um Hilftrufenden durch zwe' Messerstiche und entkamen. — Einem Bürger wur den durch Eindruck 100000 Mark geraubt, veriächtige Personen wurden verhaftet, das Geld aber nicht bei ihnen gefunden.
Ein Waldbrand im Bodetale.
Be rli n, 6. Sept. Wie dem ,,Berliner Tageblatt gemeldet wird, brach gestern im Bodeval unmittelbar bei Tha le ein großer Waldbrand au? dem große Waldbestände im Roßtrappen-Wald zum Opfer fielen.
Der Münchener SeiselmorSprozeh.
München, 5. Sept. Ter angeklagte 26- jährige Student Petermeier, Sohn eines Mimchener Tövsermeisters, war im Gymnasium als Telephonist unb Kurier tätig. Während der Tage der roten Republik wurde Petermeier Führer des Flugzeuges, da» Axelrcst» nach Budapest und.Mostau bringen sollte, jedoch bei Wasserburg am Inn tine Noftandung machen mußte, woraaf Axelrod und der Angeklagte nach München zu- rürftcbiten. Tie Flieger hatten den Auftrag gehabt, bei Bela Kun Gelder für die Münchener Bewegung abzuholen. — Am 24 April war Petermeier wieder in München unb erhielt vom Stadtkommandanten den Befehl zur Erschießung der Geiseln ausgehändigt, den er Egelhofer mit dem Bertnerk verlegte. „Bitte das Weitere zu veranlassen. Petermeier." Egelboser hat dann darauf geschrieben: „Meine Einwilligung gebe ich." Darauf ist der Zettel ^ui Seidl weitergegangen. Am 28. früh morgens, so gibt der Angeklagte »eiter an, erschienen fünf Rotgardisten nachmals in meinem Zimmer unb verlangten, daß ich das Todesurteil der Geiseln unterzeichnen sollte Angeblich hat er ihnen erwidert: „Tas ist ja Unsinn. Lieber lasse ich mich seiber erschießen." Der Vorsitzende hält ihm vor, daß er am 31. Juli wegen Beteiligung am Hochverrat in dieser Sache zu V/2 Jahren Zuckthaus verurteilt worden ist.
Hierauf beginnt
die Zeugenvernehmung, die sich im wesentlichen um die Vorgeschichte der Griselermorduttg drehte. ES wird eine große Anzahl von Personen vernommen, die sich zur Zett der Ermordung im Luitpold-Gymnasium unter den roten Soldaten befanden. Sie alle schildern Haußmann als einen Blutmeirsckvli unb Seidl als den eigentlichen Treiber. Die Zeugen bekunden übereinstimmend, daß bei einem Verhör der beiden Husaren, wobei Lewin, Axelrod und Levins anwesend waren, eine große Anzahl Weiber begeistert vor Freude darüber waren, daß man nun endlich ein „paar von der Sorte" hatte. — Ter Zeuge Rechtsanwalt von Scanzoni, der Mann der Prinzessin Füritenbevg, wurde in der Nacht vvm 23. .zum 24. Avril verhaftet. Ter Haftbefehl lautete auf den Namen feiner Frau unb seines dreijährigen Kindes. Sie wurden in das Gymnasium gebracht, wo ihnen Seidl erklärte, wenn in der Nacht etwas passiere, würden zunächst die Geiseln abgeschafft. Später erhiriten sic von den Wachtposten die Mtt- teilung, es sei dock? selbstverständlich, daß die Geiseln umgebrach-t mürben, wenn etwas passiere. Sckickelhofer erklärte ihnen das gleiche.
Oberleutnant T r u t h wurde mit Oberleutnant Baron Moser zusammen in Hast genommen, an- geblicki, wett zwischen ihnen ein gegenrev-olutionäreS Komplott bestehen sollte. Ter Haftbefehl ist von Seidl untersckriebeir. Seid! schrie sie mit „Saubande!" an, und als Moser seine UrrschLild beteuerte, packte ihn Sridl und wart ihn an die Wand. Tabei fuchtelte er forttvahrend mit seinem Revolver herum. Ms Ääoser sagte, er würde sich bei dem Revolutionstribunal beschweren, schrie Seidl: „Auf das Revoluttonstribunal pfeife ich. Wir erschießen, tuen wir mögen!"
Bavvn Moser erklärt, der AngeÄagte Seidl habe ihn in hundsgemeiner Weise behandelt und ein bireft tierisches Benehmen habet zur Schau getragen. Als ber Schlüssel zum Gei telMler plötzlich verlorengegangen ivar, war den Geiseln mehrere Male mit sofortiger Erschießung gedroht worden. Ein Zeuge Jung habe gestern im Zeugenzimmer zu ihm gesagt: Snen Sie vorsicKig mit Ihren Aussagen, es können auch noch andere Tage kommen. Man habe überhaupt für die Angeklagten Stimmung machen wollen. Rechtsanwalt Sauter, München, fragt den Zeugen, ob richt auch Leute draußen mären, die gegen die Angeklagten Stimmung machten. Moser meint, er habe nichts davon gehört. Die weiteren Zeugen, die zur Vernechmung gelangen, sind Persönlichkeiten, die in den Tagen vor ber Geiselerschießung wegen ihrer sozialen Stellung ober wegen angeblicher reaktionärer Umtriebe, deren man selbst Kommunisten beschuldigte, verlostet und dann ins Gymnasttun ein geliefert wurden. Sie geben in ber Hauptsache einander gleich, -v Schilderungen von den Vorgängen, die zur (V rfdjie^ung führten und über die Zikstände in: muasmm, wie sie aus dem Gang der Ber-
hanuiungen schon bekannt geworden sind'.
Berlin, 6. S^pt. Der „Vorwärts" schreibt unter ber Ueberschrift: „Unabhängig-sittliche Enttüstung. Wo bteibt sie im Müiu^rrer Falle?":
Tie „Fvrihrif^ schäumt Doch immer in sittlicher Entrüstung über die gar nicht stattgefundene Flucht Runges 'ber Frau Luxemburg getötet hat' aus dem Milttärla?.avett, wahrend sie natürlich gar rnchts dabei fand, daß ihr Gewährsmann, der über das angebliche Wohllriaen Runges berichtete, ber Komnnmist Eberlein, als Mitinsasse desselben Gesängrislazavetts tatsächlich aus dem
Neuapostolische Gemeinde
Gottesdienste: Sonntag nachmittag 3'/, Uhr 7905____________Mittwoch abend 8'/, Uhr.________
Ztadtmisfion Gießen, Löberstr. 14
Jeden Sonntag Abend 8'/, Uhr Religiöser Vortrag
„ Mittwoch ,, 8l/e " Bibeistunde
Jedermann herzlich willkommen. ,0I,0D
Cafe Einhorn.
Täglich nachmlttagR n. abyjide erstklassige Künstler-Unslk! GroSo ansnafcl In Kochen und Torten, tt. Kficho and Getränke. Oiw? Neuer Inb.: Hermann Geihel
Universität Frankfurt a.M.
Normales Wintersemester beginnt nicht Iß-Okt., sond. 25. Sept, und endigt BLJnn. — Anschließ, im Bedarfsfall FrÄkJalirs-Ziriselianseniester. Vorlesungsverzeichnis vers. Buchhandlung Blazek 9t Bergmann, Frankfurt a. M.. iPostsch.- Kto. 11746) g. Voreinsendg. v. 90 Pf. (8751ss
das Fazit seines Lebens und Schaffens sieben wollen, in eurer — wie Goethe sagte — großen Abrocknung und Konfrifion. Sind alle Werke Wedekinds persönliche Auseinaudersctzunnen. so zeichnet dieses sich durch die zum Sftrrrblld und großem, menschlichem Paradigma erhobene Art der Gestattung persönlichen Kampfes aus. Dre Aufführmtg dieses wahrhaften Fest spieles war unter Steinrücks glänzender Regst vmi Hähern, ftfiier feierlichem, künstlerischem Ernst getragen. Pirchans Bühnenbttder .teiflten Erftn dunasgabc und erlesenen Oteschmack. Stein rück schuf, als Darsteller des Herakleo, eine unvergeßliche Figur von ehernem Wuchst und gcwalttger Kraft, bahn gelang es rhnl, all die treten Zügc des verinnerlichten Herakles glaubhaft zu macken Nicken ihtn sei Ulmers Promatheus, ber Ompiial- Felizttas Persttrgo, Lenao Pptdia und Annemaru Seidels Joie gedacht. Ter Beifall bee Hauses nwi eine endlose Huldigung für die Tarstettrmg und für ihn, der sie leider nicht mehr hatte sehen dürfen
* Lasgrößte Vermächtnis ' lireinc Universität ist, rott' aus 'Jtemrorf meldet roirb, von einem Neuyorter Rechtsamrall Jobr W. Sterliilg gemacht worben Sterling, der iir vorigen Jahr g.storben ist, hinterließ laut fcuirm jetzt vcrönclttlachten Testament die Riestnsumme von 18 Millionen Dollars brr yjalc-Hnt versitöt Er bestimmte, daß mit dieser Summe ein prächtiger Bau errichtet roerbe als baueptbr Erinnerung an die Dankbarkeit, die er für feint alle Uriu’rftiät empfinde.
ters. Den zeitgebundenen Soziologien unb Theodizeen, den Grotesken und Karikaturen steht hier eine Dichtung gegenüber, die in klassischer Reinheit Ewigkeitszüge trägt. Für Wedekind ist Herakles nicht die Spottfigur des Rachgeborenen, auch richt der göttliche Heros des klassischen .Hettenis- nnls, fonbent rin Mensch mit einem Menschen- schicksal. Das Stück, in drei Akte geteilt, besteht aus 12 Bildern, bereu jedes durch irgend ein großes Geschehen farbig betont ist. Zusamnrengehal- ten werden Oiese Bilder durch dir Figur des Helden und feinen Kampf geatn sein schlechteres Ich. Aber fern Weg ist Unheil, das aus all seinen Taten keimt: Er besregt Furyloo in heldischer Kunst, aber er tötet den ihm blindlings verttauenden Sohn der Meineidigen, ber ihm den Siegespreiv, die schöne Jole, versagt. Er empört fick gegen die Pythia und Apollo, als die Seherin ihm Heilung versagt lind als er, nach drrijäbriger Liebes Zlneck/schaft bei Ompbalo, endlich frei, nach Tötung des Wasscrstieres, mit Dejanctea Hochzeit hält, da nrirb er indirekt zum Mörder des könig- lid:en Lieblmgssklaven. Er tätet den Soriaur Nassus, caubt Jolv, die TockÄer des Fnrpchs, und ist erst spät »um Werk feinet Lebens befähigt, zur Cntstsselung de-- Metttd-eubt-ttande- Promrtheus. Tas etwa ist die äußere £trif des Stückes, das schnell feint Finale findet, nadjbem Heraklec vergiftet durch das mit dem Nossus-Blute getränkte Festgewand Jein äußeres Verderben, aber gleich reitig den Weg zur Criösung firtdet. Nack' Avolloc- Lpruch steigt er mit dem Flammenraucke semes Schetterhauiens von des höckiten Berges Giriel gut Himmel, in die Geureinsckrit mit den Göttern. Frank Wedrtinds letztes Wert ist sein zu größter Rrinhett Geklärtes: als habe der Dichter einmal


