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Erstes Blatt

Zrettag, 6. Zum 1919

169. Jahrgang

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Juni 1919 liegt as topographische zeichnis zur Em­

des Ausschlusjes itt Gründen ver- iöns einjurcichen.

octMtagen.

Ücnen Ber­an Wochentagen sür den gejchäsi- im LadeniÄusse erden.

zu 2000 Mark, Konnten bestraft.

Ausschlagen milchten. England bereitet to Note vor, um seinen Standpunkt in er Revisionsfrage darzulegen, und wird sie araussichtlich spätestens am Freitag ver- ifentlichem

In Italien tritt das Bestreben her- 3T, die Abänderung des Vertrags zu be- lltzen, um das Veto gegen den Anschluß ruisch-Oesterreichs auszuschalten und damit fc Bildung des befürchteten Donaubundes ft verhindern.

^heinischeVeraterderFriedensdelegation

. Köln, 5. Juni. (Privattel.) Oberbürgermeister poenauer, Gey. Kommerzienrat Louis Ha- stn der sozialdemokratische Kölner Abgeordnete Möllmann, Regierungspräsident v. Starke der Führer des Koblenzer Zentrums, Rechts» ^alt Lönnartz, sind zu vertraulichen Be­übungen nach Versailles berufen worden und mittag dahin abgereist.

in Sieben, im Neustadt 55 \\,

W Einttäge der t den össentlichm en nicht imhi ent- iten bei dem zu- l zu lassen, damit imgungsverfahrm

sammlungen sind verboten.. Die Führer des A-e> monstrationszuges vom Dienstag rourbett festge-- nommen.

= Mainz, 5. Jmri. Tie französischen Be­hörden gehen seit Mittwoch mit allen erdenk­lichen Zwangsmaßregeln gegen die Bürger vor, die die neue Republik öffentlich mißbilligen. Sie verhaften Geschäftsleute, die ihre Läden geschlossen hatten, Lehrer, die am Schulstreik sich beteiligten, und die Personen, die Plakate abrissen. Selbst Schulkinder fliegen ins Gefängnis. Die Gefäng­nisse sind übervoll. Vielfach iverden schon die Sträflinge" abgeschoben. Vergebens ist es bis­her gelungen, den Präsidenten Adelung aus der Haft zu befreien.

'UdbneimMs-

Volke erst die BeibrikMmg jener Entschädigungs­summe ermöglichen. Dazu gehören ausreichende koloniale Gebiete als Stütze für die heimische Wirtschaft als Abflußgebiet für einen Teil der deutschen Bevölkerung, der fürderhin in Deutsä)- land selbst keine Existenzmöglichkeit mehr finden wird.

ebmng^M . Juni AöslF BeMder M - d.'handlung v® dsM Kreislttch cinigungsverftyren n spä ÄusWses fsreiW*1*'

Wiesbaden,5. Juni. Der von Herrn Dorten eingesetzteMinister" für das Schulwesen, Klaus Kraemcr, bisher Oberlehrer am hie­sigen Gymnasium, ist schon seit November in der Rheinischen Volkszeitung" in der allergröbsten Werse für die Westdeutsche Republik eingetreten; er hatte dieser Aufgabe seither bedeutend mehr Zeit gewidmet als seinem Schuldienst, so daß vielfach sich Eltern darüber beschwerten, daß er seine Unter­richtsstunden dazu benutze, Zeitungsartikel zu schrei­ben. Als die Republik am Sonntag ausgerufen war, lehnte er den Vorwürfen seiner Kollegen gegen­über jede Beziehung zu dieser Schöpfung ab und tat seinen Dienst noch bis Dienstag nachmittag. Mittwoch vormittag erhielt sein Vorgesetzter eine Visitenkarte des Oberlehrers Kraemer, in der ihm dieser mitteilte, er sei bis Pfingsten verhindert, sei­nen Dienst zu tun zu gleicher Zeit war die Ernennung" Kraemers zum Unterrichtsmrnister schon im Druck! Auf die sofort zugegangeiw Aufforderung, den Grund seiner Verhinderung an- Hngeben, ließ er erwidern, er sei in den letzten Tagen in der Schule so ^angefahren und angefres­sen" worden, daß er nicht mehr kommen könne; er habe auch Nerven. Aber er werde in der dienst­lichen Sprechstunde des stellvertretenden Direktors erscheinen. Wer aber trotz dieser dienstlichen Zusage nicht erschien, war Herr Kraemer! Dieser Mann fand also zu einer Beit, wo die Zeitung natür­lich nur dieRheinische Volkszeitung" schon ferne Ernennung veröffentlicht hatte, nickst den Mut zu einer offenen Erklärung.

- Höchst a. M.. 5. Juni. Zur Unter- drittkung Der gegenrepublikanifchen Bewegung er­ließ die französische OrttKommaudantur strenge Maßnahmen. Es dürfen nicht mehr als fünf ä^rfonen auf -der Stpaßss heuammeichehen, Acr-

Herr von vethmann-hollweg und die §chu!dsrage.

Namens der deutschen Friede,'.sabordnung ha­ben die als Pazifisten ivohlbelannten Herren Hans Delbrück, Graf Montgelas, Professor Max Weber und Albrecht von Mendelssohn-Bartholdy dem Rat der Vier eine Denkschrift über die Schuld am Ausbruch des Weltkrieges überreicht. Es ist dies der erste Schritt, den die deutsche Regierung tut oder chich tun läßt, um ihre Auffassung über die Schuldfrage zur Geltung zu bringen. Es der steht sich von selbst, schon im Hinblick auf die Verfasser der Denkschrift, daß von einer Partei­nahme zugunsten der deutschen Regierung vom Sommer 1914 nicht die Rede sein kann. Tie Verfasser sind vielmehr bestrebt, nichts außer Be­tracht zu lassen, was die deutsche Regierung von damals belasten könnte. Trotzdem kommen auch sie, obgleich sie sich zweifellos gegenseitig im Be­streben nach Unparteilichkeit überboten haben, zu dem Ergebnis, daß der Krieg Deutschland durch die Zuspitzung eines allgemeinen Weltkonfliktes! und im besonderen durch Rußland aufgezwungen worden ist. Ebenso bemerkenswert wie diese Tat­sache ist die zweite, daß die Verfasser der Tenk- schrift an Herrn von Bethmann Krrtik geübt und ihm den Teil der Schuld aufgeladen haben, den sie für Deutschland glauben zugestehen zu müssen. Herr von Bethmann hat sich dieser Kritik nicht rtchig gefügt und so erlebt man jetzt das Schau­spiel, daß der ehemalige Reichskanzler mit den Männern in Streit geraten ist, die ihn früher nicht hoch' genug loben' und preisen konnten. Zu dieser Fehde zwischen Herrn von Bethmann und seinen früheren Lobrednern wird man als Un­parteiischer sagen müssen, daß die Verfasser der Denkschrift dock; wohl nicht ganz int Rechte sind. Sie suchen nämlich den Fehler dr§ Herrn, von Bethmann darin, daß er nicht früh genug ein ge­griffen habe, um die Aktion Oesterreich-Ungarns gegen Serbien iju zügeln und daß er cs ..aus Mangel an staatsmännischer Kunst und Entschluß­kraft" nicht erstanden habe, rechtzeitig einen Aus­gleich in der hochgespannten intcrncuionalen Lage zu finden. Wir glauben demgegenüber, daß di? deutsch« Regierung 1914 alles getan hat, wa5 in ihrer Kraft stand, um den österreichisch-ungarischen Konflikt mit Serbien nicht zum Weltbrand werden zu lassen. Wenn die Verfasser der Denkschrift hier auf deutscher Seite einen UnterlassungSschler suchen, so tun sic damit lediglich der Entente einen Gefallen.und setzen sich überdies mit ihrer eigenen Ansicht in Widerspruch, daß Rußland den Krieg wollte und daß. e-s deshalb eben über alle Vermittlungsversuche hinweg zum Kriege schritt.

Auch der andere Vorwurf gegen Herrn von Dethmanu-Hollweg scheint uns nicht ganz gereckt zu sein. Man kann mit den Verfassern der Denk­schrift der Ansicht fein, daß die staatsmännische Knnst und die Entschlußkraft des Herrn oon Beth- mann-Hvllweg angesichts des drohenden Wcttl'on- ftiktes versagt haben. Man kann die boshafte Bemerkung. des Vorwärts, daßpersönliche Uw Vollkommenheit" nochder beste Eutschuldigungs- grunb für Herrn von Bethmann" sei, gelten lassen Wir glauben aber nicht, daß man den Grundfehler des Herrn von Bethmann da ,rüden wird, wo ihn die Verfasser der Denkschrift und der Vorwärts suchen. Tie internationale Politik des Herrn von Bethmann-Holliveg bat nicht des­halb Schiffbruch erlitten, weil er die Verständigung mit unzulänglichen persönlichen Mitteln b'trtcb, sondern weil sie falsch orientiert war. Es ist nach den vielen Enthüllungen seit Ausbruch des Weltkrieges kein Zweifel möglich, daß die deutsche Politik gerade dadurch, daß sie einzig uub allein auf Verständigung eingestellt war in die Kriegs­fälle der Entente geriet. Teutschland ist diplo­matisch besiegt in den Krieg gegangen und die deutsche Regierung ist durch den Ausbruch des Weltkrieges, den sie angeblich planmäßig vorbe­reitet haben soll, derartig überrascht worden, daß nickt nur die Stärke des stehenden Heeres unzu­länglich war. soirdern auch Getreide unb wichtig? Rohstoffe noch kurz vor Kriegsanfang aus Deutsch­land ausgetülrt wurden. Tiefer völlige politische Zusammenbruch, de.se.i Schatten sich dann immer tiefer auf Teutschland senkten und auch von un­seren glänzenden Wasientaten auf die Dauer nicht überstrahlt werden konnten, ist das eigentliche Schuldkonto der Regierung des Herrn von B.tth mann-Hollweg. (Regelt die Schuld am Weltkrieg braucht man ihn sicher nicht zu rechtfertigen, denn niemand bat den Krieg weniger gemacht und we­niger gewollt als er.

Line neue Phase in den §riedens- verhandlungen.

Während sich die Anzeichen mehren, daß Ibie Feinde und es wird jetzt besonders (fttgland genannt geneigt sind, in eine Revision ihres ursprünglichen Friedensent- wnrfes einzutreten, ergibt sich zugleich durch Die Gewaltpolitik der Franzosen in den Hcinlattden eine neue Lage. Etwas Rühm .lidjed oder irgendwie Nützliches ist für unsere vcstlichen Nachbarn aus ihrem brutalen Auf­treten nicht erwachsen. DieRegierung" Dor- !M ist in Wiesbaden unsanft entfernt, zum 5eil sogar verprügelt worden, und die beiden sozialdemokratischen Parteivorstände, denen ter maßgebende französische Offizier die Re sicrung der Republik angeboten haben soll, haben sich für dieseEhre" schönstens be­dankt. Es ist kaum daran zu denken, daß ,bie Beamten sich eine andere Verräter-Re­gierung gefallen lassen werden. Der hessische ^iinstet prüfident Ulrich hat gegen die Miß- Handlung der aus Rheinhessen ausgewiesenen Personen und gegen diese Ausweisung selbst, t'.e einen unerhörten Gewaltakt darstellt, Mimisch Verwahrung eingelegt.

So wird es hoffentlich unseren Unter» PMern in Versailles nicht zu schwer wer­ten, den ganzen Skandal für Deutschland nutzbringend zur Sprache zu bringen. Es tnegt Aufsehen, daß gestern verschiedene rhei­nische Persönlichkeiten, die den Bestrebungen n einer Neugrüpvierung der Staaten inner ulb des Reichsverbandes, zum Teil nahe» landen, nach Versailles berufen worden sind fs mag sein, daß Graf Rantzau sie nur d(£ Berater und Zeugen zu sprechen wünscht, ober man schwebt über die Gründe dieser Berufungen, die ja auch durch neue geane- nsche And«eutmrgen oder Vorschläge veranlaßt fein konnten, einstweilen völlig im Dunkeln. & heißt, datz Lloyd George heute oder mor­gen die Welt mit einer Note, die den engli­schen Standpunkt darlegt, überraschest werde.

*

Lugano, 5. Juni. Nach einem Pariser »Aegramm desEorriere della Sera" herben sich die Abänderungen, die der Ver­wand bei den Fliedensbedingungen zugesteht, kitf alle Teile des Vertrages erstrecken, ranri) England ist nicht abgeneigt, auf eine fminber wichtige Kolonie zu verzichten, um Iutschland mit einem Mandat zu betrauen, r Viererrat hat zur Prüfung der Abäude- ngen besondere Ausschüsse ringe- it, von denen der finanzwirtschaft- ck e besonders große, auch auf poli- che Dinge sich erstreckende Bedeutung hat. ls geht schon aus seiner Zusammensetzung Ebor; eS gehören ihm an: der britische nanzminister Sonar Law, der franzö- che Minister für den wirtschaftlichen Wie- raufbau Loucheur, der italienische Mi­ste'? Crespi und der amerikanische Fi- mzdelegierte Lamont; für die Dauer der liweiligen Aöloesenheit Bonar LawS wird lot)b George selbst in diesen wichtigen Ausschuß eintreteiL Im wesentlichen sind die Verbündeten namentlich der deutschen For­mung geneigt, die Gesamtentschädi- 'una auf eine feste Summe festzusetzen, penn sic auch mehr als 100 Milliarden

Landesverrätern zurückziehen; in demselben Augenblick wäre auch die Ruhe und Ord­nung in der Stadt, die sehr gefährdet ist, wiederhergestellt. Der Oberst Pi ne au hat eine Bekanntmachung anschlagen lassen, in der er mitteilt, wenn die Beamtenschaft sich einig bleibe, die neue Regierung nicht auzu» erkennen, dann solle eine Volksabstimmung entscheiden. Außerdem kündigte er die Frei­lassung der Leute an, die wegen Abreißens der Plakate verhaftet waren, bis zum Wend war aber niemand freigelassen.

Der neue Justiz Minister, Rechts­anwalt Eckermau n, hatte Mittwoch abend die erste Gelegenheit zur Ausübung seines Amtes, freilich in mehr passiver Weise, indem das aufgeregte Volk in das Regierungs­gebäude etnbrang, und ihn gründlich d urch- prügelte.

(Eine Kote des Grasen Hanftau.

Berlin, 5. Juni. (Wolff.) Graf Rantzau hat eine neue Note betreffend die Loslösung der Rheinlande und der Pfalz, unter Bei­fügung der Note, die Erzberger am 2. Juni an General Nndant gerichtet hat, Clömenceau überreichen lassen. Darin heißt es:

Dazu kommt, daß Deutschland die Lasten, die es in beut Fricdcnsvertrag aus sich nehmen will, nur tragen kann, wenn die territorialen und wirtschaftlichen Unterlagen seiner finanziellen Leistungsfähigkeit unangetastet bleiben. Es bedarf feiner Ausführung, daß die Abtrennung von Ge­bieten mit so großer Bevölkerungszahl und so hoch entwickelter Industrie wie die Rheinlande die Grundlage des deutschen Friedensangebots er­schüttern müssen. Wenn also die Behörden der Okkupationsmächte, die den Abfall der Rhein- landc fördern, der Meinung sind, daß sie dadurch den Interessen der alliierten und assoziierten Re giernngen dienen, so vergessen sie, daß sie zwar vielleicht den tatsächlichen Machtbereich dieser Re­gierungen sür den Augenblick vergrößern, zugleich aber die rcchtliehcn Sicherheiten verringern, Die ihnen für die Durchführung der Friedensbedm- gnngen haften sollen.

Hessische Protestnote«.

Vie Dortenschr Rcpnblif.

Regierung, Magistrat, Stadtverordnete und alle Beamten und Lehrer sind, so wird derFranks. Ztg." aus Wiesbaden ge­schrieben, einmütig in dem Entschluß, der neuen Regiemng jede Anerkennung zu ver­sagen. Da Landeshauptmann Kreckel dem Herrn Dorten auf dessen wiederholtes Er­suchen die Ueberlassung weiterer Räume für seine Regierungszwecke rundweg abschlug, so zog Dorten mit seinen Spießgesellen schließlich aus dem Landeshaus heraus und siedelte in die Staatsregierung über, beim diese war, weil gerade Mittwoch war, und an diesem Tage nachmittags dienstfrei ist, nicht im Hause; doch ist der stellver­tretende Regierungspräsident entschlossen, von seinem Hausrecht (Gebrauch zu machen. Der Landeshauptmann hatte dem Usurpator ertlärt, er könne die neuen Männer als Be­hörde nicht anerkennen; er und seine Beamten hätten in keiner Weise den Anordnungen der neuen Männer nachzukommen. Herr Dor­ten hat auch versucht, von dem Botenmeister des Landeshauses die Herausgabe der Schlüssel zum Dachgescl) zu erzwingen, um die Fahne der neuen Republik, die ein Mitglied der neuen Regierung bereits bei sich hatte, zu hissen. Als der Beamte nicht nachgab und erklärte, den neuen Männern keinen Gehorsam schuldig zu sein, wurde er gröblich beleidigt und bedroht. Aber das Hissen der Fahne unterblieb.

Die französischeBehörde läßt der neuen Regierung zwar ihren Schutz ange­deihen, denn sonst wäre schon längst kein einziges Mitglied mehr in oer Stadt, viel­leicht nicht mehr am Leben, aber fit bat es nicht gewagt, ihr auch den Gehorsam zu erzwingen Das müßte sie schon mit Waffen­gewalt versuchen. Aber wenn noch etwas Ver­nunft bei den Franzosen vorhanden ist, so werden sie es nicht soweit kommen lassen.

Bürger aus ihrer Heimat lege ich besonders Ver­wahrung ein, da sie lediglich als Patrioten gehan­delt haben nmb dafür die Anerkennung der Volks­genossen verdienen.

Ullrich, Ministerpräsident.

Gleichzeitig ging in derselben Angelegen­heit eine Protestnote an die deutsche Waffen- stillstandskommission in Spa ab.

Was die auSgewiesenenMainzererzählen.

Darmstadt, 5. Juni.

Tie verhafteten Mainzer Abgeord­neten undLehrer sind gestern abend aus dem besetzten Gebiet ausgcwicsen und heute morgen in Tarmsladt emgetroffen. Es wurde sofort eine ein­gehende Vernehmung durch die Regierung einge­leitet, die bei Schluß des Blattes andauerte. Ihre Feststellungen sollen veröffentlicht werden.

Herr Abg. Reiber erzähle uns über leine Erlebnisse folgendes: Ohne Verabredung hatten wir Lehrer von der Gvetheschule am Montag mor- gz.t unsere Schulkinder nach Hause geschickt. SckMN 5 Minuten nach 8 Uhr war niemand mehr im Schulhanse. Auch in anderen -Sdjodcn, jedoch nicht in allen wurde «gestreikt.- Schon um Z/z12 Uhr wurde ich in meiner Wohnung verhaftet und als­bald cmem Verhör durch die französische Feld­gendarmerie unterzogen. Daran schloß sich eine ausgedehnte Vernehmung sämtlicher 7 verhafteter Lehrer. Diese Vernehmung gcftaltete sich äußerst dramatisch. Fußtritte, Fausthicbe und die Reit­peitsche spielten dabei eine erheblick>c Rolle. Man wollte insbesondere feststellen, ob der Streik von höherer Stelle angoorbnet wocden sei. Ausfallend war auch, daß, obwohl sich evangelische und katho­lische Lehrer an dem Schulstreik beteiligt hatten, kern katholischer Lehrer verhaftet wurde. Während unserer Vernehmung wurden immer neue Ver­haftete cingebracht, ht der Hauptsache waren es Cisenbahnk^amtc. Sie waren zum Teil gefesselt. Ihre Zahl soll bis Dienstag mittag auf 120 an» gewachsen gewesen fern.

Tie Vernehmung dauerte bis in den spaten Älbend. Wir wurden sodann immer zu Dreien in eine Zelle gesperrt, wo wir frierend und hungernd die Nacht am Boden gekauert zubrachten. Am nächsten Morgen erhielten hnr sodann einen Schluck Kaftee ohne einen Bissen Bvot. Am Mittag er­hielten wir zu dritt eine Schüssel Suppe. Wegen unserer Bitte um einen Löffel wurden tvir ausge­lacht. Mit /dieser einen Schüssel, die wir zu reinigen so wenig Möglichkeit hatten, als wir uns selber waschen konnten, mußten wir uns während unserer ganzen Haft begnügen. Die Brühe tranken wir und die Brocken löschten wir mit den Fingern heraus.

Am Mittwoch mittag wurde uns mitgeteilt, daß wir ausgcwiesen seien. Wir wurden nach Worms gebracht, erhielten im dortigen, Gesänge- nenlager je einen Laib Brot und z>vei Büchsen Konserven für zwei Tage und wurden sodann über die Rhcinbrücke abgeschoben. Es waren fol­gende zehn Herren, die heute vormittag in Darm­stadt eintrafen: die Abgg. Adelung, Schildbach unb Reiber, her Führer des Mainzer Buch­druckerstreiks, Oberfaktor Conradi von derMain­zer Volkszeitung", Hauptlehrer Jockel, die Lehrer Senz, Scheu, Schott, Machemer und Born.

Die Ausgewicscncn hatten keine Gelegenheit, von ihren Familien Abschied zu nehmen und auch nur das Allernottvenbigstc mitzunehmen. Ihre Ausweise wurden ihnen abgenommen, lieber das Schicksal der übrigen Verhafteten ist nichts wei­teres bekannt.

Die von der französischen Zensur geknebelten Blätter dürfen nichts bringen oder werden soaar gezwungen, gröbliche Entstellungen der Wahrheit anszunehmen. So sind in Rheinhessen die ver­schiedenen Kundgebungen der hessisck>en Regierung unb der hessischen Volkskammer entweder überhaupt nicht oder in entstellter Form bekannt geworden; woraus zu erklären ist, daß sich die Bevölkerung vielfach in ihrem schweren Kampf für ihr Deutsch­tum von den Brüdern im Reiche im Stiche gelassen fühlt.

Die Hinrichtung Levins».

München, 5. Juni. (Priv.-Tel.) DaS standgerichtliche Urteil gegen Levinö ist in beit Mittagsstunden im Hofe dcS Gefäng­nisses Stadelheim durch ein Militärkom­mando vollstreckt worden.

Darmstadt, 5. Juni. (Wolff.) Die hes­sische Regierung hat heute an den französi- jd)en Oberbefehlshaber General Mangin in Mainz folgende Note gerichtet:

Mainzer Bürger, die anläßlick; des Streiks ver­haftet und jetzt ans Rheinl)essen ausgewiesen wor» den sind, wurden von französischen Offizieren bet ihrem Verhör tätlich m i ß h a n b e i i und per- sönlick beleidigt. Gegen dieses Verfahren protestiere ich im Namen der MemchltästcU!

Falls Sie, Herr General, die Tatsaclien fest-

1 des Kreises ?; xWUlür 1918

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«er Lietzener »vzeiger erfthnnt täglich, außer onn* und Feiertags.

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, Unsere kolonialen Ansprüche.

8s. Berlin, 5. Juni. (Wolff.) Ausländische r mesden, daß man sich in den Kreisen der

I ä V r c mit dem Gedanken trage, bet Friedens- fl IP 9 Deutschland seinen o ft a f r i k a n i s ch e n

" Bttr** re' t tz zurückzugeben. Um allen Mißver- itri*l|e D WkLünnsen vorzubeugcn, sei demgegenüber betont, Die Rückgabe Teutsch-Ostafrikas allein noch v* diefreie, unboreingenontmenc unb absolut

1/|UIV ,kLRegelung^" unserer kolonialen An» , ijgfF**bedeuten würde, die uns beim Abschluß goffln M Wafsenstillstonbes von der Entente durch die iw .MM.WghE der Wilsonschen Grundsätze zugesichcrt W^eu ist. Wenn die Entente von uns eine Ent- Mavlgung in der Höhe erwartet, wie sie in den. »» v -r.- -v v

k^'chcu G -envorschlägen angeboten wurde, so züstellen geneigt seui. wUten, dm ich bereits vre ,i: J sie im Friedensvcrtrag die V o r a u s -1 Namen der Äctßhandeltm und BclcWtgten zu ^zhrer uttuiigen schaffen müfseu, die dem oeutscheu' Kenntnis zu bringen. Gegst dee Mrswcipmg der

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