Donnerstag, 6 Mruar
ZwIllkigrnindLru« u. Verlag: vrühl'jche llnio.-viich- u. Steindruckerei kl. Sange. S^riftlcitnng, Seichästskieile u.vrnS-rel- Schalpr I.
1BEL 44.
tin
i Komposition
Brüss«l .5. Febr (WTB.) Savas. Infolge des Beschlusses der belqischen Arbeiter-Partei, sich nicht an der Berner Konferenz xu beteiligen, hat Bandervelde seine Demission als Vorsitzender des Irrternationalen Bursaus gegeben.
ÄNuulsme von 4iijcigci f. die iaqesnummei vis zum Nachmittag vorder ohnejedeBerbmdlichkelt Scilenpreife: für örtliche Anzeigen 25 Bt.,für auSroärtige 30 Pi^ für 9ieflamen Mk.l.-nebst 20" glcue- rllnaszus i-lag;Plal;oor- fdiriii 20 % Au'jchlag. Lauvtichri'tlciler: Aug. (tzoeq Verantwortlich für Politik: Ang. Goetz, für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz: für den Anzeigenteil: v. Beck; sämtlich in Gießen
tvürbigem Mummenschanz und auch von der unzulänglichen Entschuldigung, durch den Krieg und feine uns auferlegten Entbehrungen seien eben diese Unsitten entstanden und zu erklären. Wer solchem Volksgcschmack ent gegenkommt, der hat von dem Weimarer Geist der Wiederaufrafsnng iwch keinen Hauch verspürt.
Tanzvergnügen und Maskenbälle.
X H e u ch e l h e i m, 6. Febr. Hier ist der sogenannte Faschingklub wieder ausgetancht, Bälle werden abgehalten, wobei die ganze Nacht durch getanzt und Licht verbrannt wird. - Aus unserem Ort sind heute noch etwa 100 Kriegsteilnehmer vermißt oder in Gefangenschaft.
m Klein-Linden, 5. Febr. Seit Ende November finden hier ununterbrochen jeden Sonntag Abschieds- Kränzchen statt. An manchen Sonntagen wird sogar in zwei Wirtschaften getanzt bis fast in den hellen Tag hinein, worauf die Teilnehmer an diesen Veranstaltungen meist musizierend und johlend durch den Ort ziehen.
Mqli olle.plattiert
3014,5015 JO 16.50 schein H
WRCKi
Sonntags. - Beilagen: Gteßeier $*mili<nNätter, Kieistktt
fftr fcte Kreis Siehe», vezngrpreir:
tnonati. Mk.l.35, vierteljährlich Mk. 4.05 , durch Abhole- u. Zweigstellen monatl Tlf. 1.25 durch die Post Mk. 4.05 viertel- fährt ausscht Beitellq. Fernlprech - Anschlüsse: für die SchriftleitungN2 Verlaa,Geschäitsstelle51 AufchrihsürDrabtnach- richten: Anzeiger Gießen.
n Welt
Äglich:
lonzert
Eintritt freu
mend
,8Uhr;
Die Verner §ozia!iftenks»ferenz.
Bern, 5. Febr. (WTB.) Zu Bcgiim der heutigen Sitzung der Internationalen Sozialisten- konscrenz leg'en die schweizerischen G r ü t l i a n e r Verwahrung ba gegen ein, daß sie n u r a l s G ä ste zugelassen feien, und verlangten Aufnahme als gleichberechtigte Teilnehmer. Branting sicherte Durchprüfung des Beschlusses betr. Zulassung der Grütlianer zu, verwehrte sich aber dagegen, daß ter Ausschluß aus eine unberechtigte Beeinflussung des Bureaus zurückzuführen fei.
Die Diskussion beginnt mit der Aussprache über den Völkerbund.
Thomas (England) null die Vergangenheit ruhen lassen, das Hauptinteresse habe der Zukunft zu gelten. Das ganze Zukunftsprogramm konzentriere sich jetzt auf den Völkerbund, der jetzt in Paris geschlossen werden müsse, nicht als irgend eine Friedensbedingung, sondern als Basis einer Friedenskonferenz. Nur ein solcher Frieden könne in Betracht kommen, weil er affe zukünftige Kri.ge wirksam verhindern köime, die mit ihrer vergrößerten Technik des Ende i>-r Zivilisation bedeuten würden. Mit erhobener Stimme erklärt Thomas unter stürmi'ch.'m Beifall der Versamm- luug: „In Paris darf kein Friede zwischen Siegern und Besiegten geschlossen werden, welcher Haß und Erbitterung zurücklassen würde, sondern ein Friede n der Wilsonschen Versöh- n u n p." Darum dürfe der Völkerbund Rtne Liga der enzelnen Staaten, sondnn müsse die Liga der gesa mt en Welt sein. In Par's sagten einige Vertreter, einige Staaten seien wegen ihrer Vergangenheit nicht als Mitglieder geeignet. Das würde be-beuten, daß sich eine Koalition gegen die andere bildet, und das wäre dann der allgemeine Bankerott. Ern Völkerbund dürfe kein Fetzen Pa pier, sondern er müsse eine lebendige Macht sein Um ganz klar zu sein über die Haltung Deutsch lands und um seinerseits kräftig für die englischen Forderungen eintreten zu können, lege er, Thomas, den deutschen Delegierten die Frage vor.
Kämpfe in Petersburg.
B e r I i n, 5. Febr. Aus Helsing^ors wird ge» meldet: Die Verhältnisse in Petersburg werden immer verzioeifelter. Wahrend der letzten Tage überschritten 300 Flüchtlinge die finnische Grenze, die nach Stockholm befördert werden sollen. Sie erzählen, daß in Petersburg ein Aufruhr früherer Soldaten üorgviomnicn sei. Tie Aufruhrer hoffen, daß die Semenowsche Garde sich anschließen würde. In den Straßen wurde mit tvkaschinengewehren geschossen. Die Kronsladter Festungsgeschütze griffen ein. Es gab zahlreich! Tote. Ursache des Aufruhrs war unter anderem, daß die Bolschewisten für die neu einberufenen Jahrgänge keine Verpflegung zu schaffen vermochten. Die Soldaten sollen nicht mehr als „Rote Armee" bezeichnet werden. Die Drittel- lungen zeigen die fortschreitende innere Aushöhlung der Bolschewiliherrschaft. Darüber können auch Erfolge an einzelnen Fronten nicht Hinwegtäuschen. In Estland ist außer Walk auch Werrv in die Hände der vereinigten finnisch-estnischen Truppen gefallen. Nach hierher gelangten Mitteilungen ist in der russischen Kolonie zu Paris die Hoffnung auf Hilfe des Verbandes ausgegeben. Um so zuversichtlicher wird aber auf Rußlands. Erneuerung durch das Wiedererwachen, des nationalen Bewußtsein Der traut, wie es sich in ganz Sibirien, im Amur- und Don gebiet zeigt, als dessen sinnbildliche Verkörperung Admiral Kvl- tschak erscheint.
Die Polenkämpse und die WaffenstillftaudSkvm Mission.
“*«• „D gartet!.
Sä ersitflt vS -U 2^Saalug 4 Uhr.
w Wieseck, 5. Febr. Das Faschingstreiben hat in diesem Fahre einen Aufschwung erlebt, wie nie zuvor. Mit Ausnahme der Montage ist hier in Wieseck an jedem Abend, meist in zwei Wirtschaften gleichzeitig Tanzgelegenheit, die bis spät in die Nacht hinein rpährt. Sonntags werden Maskenbälle veranstaltet, die außerordentlich starken Zuspruch finden, allerdings auch von Mädchen, die noch halbe Kinder sind. Unsere heutige Fugend kann sich wahrhaftig nicht beklagen.
Büdingen, 4. Febr. Tanzbelustigungen, zu denen nicht zuvor durch Vermittlung der Bürgermeistereien die Genehmigung des Kreisamts eingeholt worden ist-, sind unzulässig Den bestehenden Vorschriften entsprechend wird in Zukunft für die einzelnen Gemeinden des Kreises nur noch alle 4-6 Wochen einmal Tanzerlaubnis erteilt werden.
# AUs dem Niddertal,6. Febr. An Tanzbein st jg ungen fehlt es auch unseren Dörfern nicht. Jede sich bietende Gelegenheit wird dazu benutzt, um bis in den Morgen hinein zu tanzen. Alle behördlichen Ermahnungen und Verbote hatten bis jetzt wenig ober keinerlei Erfolg. Es wäre höchste Zeit, daß hier energisch ein geschritten würde. Besinnliche Leute fordern dem Ernst der Zeit entsprechend eine längere Landestrauer.
aa. Fried berg, 4. Febr. Mit Rücksicht auf den Ernst der Zeit wird die Abhaltung öffentlicher Maskenbälle in Friedberg in diesem Fahre nidit genehmigt
n Offenbach, a. M., 4.Februar. Gegen die immer mehr überhand nehmende Tanzwut nimmt nun auch der hiesige Volksrat in einer Verordnung ganz entschieden Stellung. Für alle öffentlichen Lustbarkeiten gelten bezüglich ihrer Häufigkeit und Reihenfolge die vor dem 1. August in Kraft gewesenen Bestimmungen, die besonders auch für alle öffentlichen Veranstaltungen (Walzerabende, Tanzpartien) der gewerbsmäßigen Tanzlehrer und Tanzmeister Geltung haben. Tanzveranstaltungen von Vereinen dürfen nur genehmigt werden, wenn der Verein, bereits vor dem 1. August 1914 bestanden hat und mindestens 100 feste Mitglieder zahlt. Bis zum 1. April 1919 darf nur eine Tanzveranstaltung tattfinden. Ma skeraden und Kostümveranstal- htngen aller Art sind verboten. 0m Falle Besitzer von Lokalen gegen die sofort in Kraft tretenden Bestimmungen verstoßen, werden ihre Räume ge- chloffen. Von der Gesamtbevölkerung wird erwartet, daß sie dem Ernste der Zeit Rechnung trägt.
— Wiesbaden, 5. Febr. 3m „Vergnügungspalast" kam es zwischen Gästen zu wüsten Auftritten. Als man auch gegen inzwischen alarmierte Schutzleute tätlich wurde, machten diese von der Waffe Gebrauch.
rung von Tieren sowie Saatgut, ferner alle Rohstoffe und bearbeiteten Artikel, die für die Industrie unentbehrlich sind, einschließlich Brennstoffe aller Art. End lich wird mit besonderer Genehmigung noch die Ein. fuhr besonderer Erzeugniffe zugelasien, die etwa als für das wirtschaftliche Geben der rheinischen (Bebtet» unentbehrlich erkannt werden. - Der Güterverkehr aus dem besetzten Rheinland einschließlich der Brückenköpfe mit Bestimmung nach dem unbesetzten Deutsch«, land ist untersagt. 3n Ausnahmefällen kann bte Ausfuhr gewißer Fabrikate genehmigt werden, doch müßen sich die Sendungen streng auf die Tagesproduktion der Fabriken beschränken und dürfen dich Vorräte, die am 15. Fanuar vorhanden waren, nicht berühren.
In der Sitzung der WassenstillstandSfom- in Spaa vom 3. Febrrtar kündigten die alitierten Mächte in einer Note die Entsenoung einer alliierten Kommission nach Polen an. Dreier solle die Aufgabe zufallen, die dortigen Unruhen bei zutagen. Die Kompulsion werde die polnischen Behörden veranlassen, sich jeder Getoalt gegen die deutschen Trnpven zu enthalten. Der Verband müsse aber darauf bestehen, daß sich die deutschen Behörden in Deutsch-Polen von jetzt ab nicht mehr in Angelegenheiten d-.s öffentlichen Lebens einmischen, sondern die Beendigung der Arbeiten der FriedtMskvnferery abluarten. Der stellvertretende deutsche Vorsitzende behielt sich die ÄntworL vor. Er stellte fest, daß innerhalb der deutschen Grerrze die deutsche Regierung daS unzüoeifelhaft» Recht und auch dte Pflicht haste, für Ordnung zu sorgen und ihre Untertanen zu schützen. Die äugen* blitliche Lage fordere von Deutschland ein schnelle» Eingreifen in den deutschen Oststeprovinzen. Die furchtbarsten Verbrechen wurden fettens der Polen an deutschen Untertanen verübt. Die schlechte Haltung der polnischen Truppen und die Judenpogrome in Polen zeigten klar, daß dieser Staat gerade das Gegenteil eines Bollwerks gegen den Bolschewismus sei. Die dem Deutschen Reiche von dort drohende Gefahr sei besonders ernft.
General Nudent erwchertc, die genaueren Weisungen bezüglich der Ostfragen wurden bec deutschen Regierung noch zugehen. Auf seine Bitte bin erklärte sich die deutsche Kommission bereit, die Ausführungen ihres Vorsitzeitden schriftlich noch genauer zu formulieren.
Gcgcn die Vo«löfnnfl des linken RheinuferS.
Köln 5. Febr. (WTB.) Die Handelskammern von Aachen, Bonn, Koblenz, Düssel- dorf, Eupen, Köln, Münchefr-Gladbacl), Neuß, Solingen und Stolberg nahmen folgenle Entschließung an: Dem feierlichen Einspruch der Abgeordneten -sämtlicher politischen Parteien und Oberbürgermeister im besetzten preußisck>en Gebiet gegen jede Lo s l ö s u n g des linken Rhein- ufers oder einzelner seiner Teile vom Deutschen Reich schließen sich die obengenannten Handelskammern mit Entschiedenheit an. Als gesetzlich berufene Vertretungen von Handel, Gewqrle unb Industrie erheben die Handelskammern einen entschiedenen Anspruch, bei Beratungen darüber, loelche deutschen Freistaaten verfassungsmäßig zu [üben sind und bezüglich der Regelung aller wirtschaftlichen Fragen, zu denen auch die Abgrenzung von deutschen Freistaaten gehört, erttsprecheird der Bedeutung des Wirtschaftslebens gebührend gehört zu werden.
-icue Bcrrehrübcsiimmnngen für das besetzte Gebiet.
Berlin, 1. Febr. Eine Neuregelung des Verkehr» nach den linksrheinischen besetzten Gebietenist soeben erfolgt und tritt sofort in Kraft. Danach, da f der Rhein mit der Eisenbahn außerhalb der Brückenköpfe nur noch in Duisburg, Düsseldorf, Mannheim und Worms überschritten werden, mährend innerhalb der Brückenköpfe die interalliierte Kommission die Stellen bezeichnet, an denen ein Ueber, gang stattfinden kann. An diesen Stellen haben die Mil türzüge der verbündeten Armeen, die in den Bezirk der Brückenköpfe fahren oder von dort kam. men, ferner Züge mit Material deutscher Herkunft, das gemäß den Waffenstillstandsbedingungen geliefert werden muß, sowie die Rücktransporte des abgelehnten Materials freie Ueberfahrtr- Außerdem werden ohne besondere Genehmigung folgende Transporte zugelaßen: Lebensrnittel einschließlich Getränke für die Zivilbevölkerung, Futter oder Körner für die Emäh.
sollte man rn den Kreisen außerhalb der Regierung nicht so viel Aufrufe und Vorstellungen an die Feinde, desto mehr Augenmerk aber auf die Gemütsverfassung unseres Volkes selber lenken. Wir haben in den letzten Tagen uns öfter mit der wachsen-
Vergnügungssucht eines großen Teiles untres Volkes befaßt und alsbald eine Fülle Zuschriften darüber erhalten. Wie wir in Blättern lesen, stehen diese Dinge auch anderwärts stark im Vordergrund. Nun muß man sich unseres Erachtens davor hüten, gleich einer Straßrnverdunkelung auch eine Seelenverdunkelung herbeizuführen. Es kann und darf sich nicht darum drehen, daß wir gesundem Lebensdrang, echtem Selbstvertrauen und einem 'bescheidenen Maß von Zerstreuung den Zutritt verbieten. Pedantische Verfrübungen der Polizeistunde lielfen auch nicht viel, und so weit die Kohlen- und Lichtersparnis nicht dabei mitsprechen muß, sollte man damit nicht engherzig verfahren. Zeit und Gelegenheit zur Aussprache, zu einem Mindestmaß von Geselligkeit, muß uns bleiben. Für besondere Lustbarkeiten, Tanzvergnügen und Maskenbälle ist dagegen jetzt unter keinen Umständen die Zeit! Das hessische Ministerium des Innern hat deshalb mit Recht verfügt, daß die Abhaltung öffentlicher Maskenbälle in diesem Jahre mit Rücksicht auf den Ernst der Zeit von den Polizeibehörden durchweg nicht zu gcnehmigen^ist. Da auch, so heißt es weiter, im Hinblick auf die Kohlennot und die Einschränkung des Lichtverbrauchs eine Beschränkung der Dauer der öffentlichen Tänze überhaupt erforderlich ist, so können Tanzerlaubnisscheine für die Folge nicht länger als die Feierabendstunde dauert, erteilt werden. Auch Privatvergnügungen haben sich hiernach zu richten, andernfalls kann entsprechende Entziehung des Lichtverbrauches ein- treten.
Der Eingriff war unbedingt nötig. Don frberall her melden unsere Berichterstatter das Erwack)en von Faschingsklubs, das Auftauchen der Bälle und Kränzchen. Die Tanzwut trassiert in bedenklichstem Maße. Das trifft sowohl Stadt wie Land. In einem Leitartikel der „Franks. Ztg." lasen wir den Satz: „Wenn beute in allen Großstädten die so lange Furückgcdämmte Lebensgier in heißem Genießen ausbricht, weirn, in dieser furchtbaren Not und Demütigung des Vaterlandes, Hunderttausende sich selbst und alle Würde vergessen unb nur dem Tag unb allen Freuden, die er erraffen läßt, sich hingeben, bann klingt der grelle Lärm der Tanzmusik wahrhaftig, als spiele der Tod selbst uns unter dem Jauchzen der Taumelnden zum Tanze auf." Nun, viel schlimmer als auf manchen Landorten kann es auch in den Großstädten nicht sein. Wir müssen aus diesem besinnungslosen Treiben I>eraii§! Ein „Vortragender Rat" im preu- ßisck)en Kultusministerium, Prof. Dr. Becker, fdjreibl in der „Voss. Ztg": „Mr besitzen mir noch geistige Machtmittel." Gebrauchen Xe« sie richtig, wenden wir uns ab von un-
toie sie sich zum Militarismus und zu der Abrüstung. namentlich aber zur Verstaatlichung dcrRüstu ngsge feil schäften stellten. Eng- land, £xi5 leracÄoegs bau deutsch n Militarismus durch den enchi'cheu ersetzen wolle und das die Dienstpflicht endgültig abfdyafien wolle, müsse wißen daß der Geist des deutsck>eu Militarismm iür alle Zeiten dahin sci. Darüber hinaus wolle England cs verhttrdern, daß die Arbeiter hinfort durch die Rüstungsindustrie ausgebeutet mürbe1' Thomas erklärte: „Zwei Gefahren drohen der Arbeiterschaft: Die Gefahr oec mu.cariichu Rüstungen unb die Gefahr des Bolschc- wism us." Gegen beide Gefahren müsse man sich
wenden. Man müsse auch daraalf bringen, daß die Pariser Konferenz sich energisch mit dem Ar- beiterproblcm befasse.
Im Auftrage der deutschen Delegation dankte M nlle r der englischeit Delegation für ihre durch Thomas ausgei'prochencn Worte der Versöhnung und bcautnvrtete, von lebhaftem Beifall der englischen und französischen Delegierten unterbroefx:», die Frage von Thomas dahin, daß die deutsche Sozialdemokratie immer den Militarismus bekämpft habe. Müller stteifte kur; die Vorgeschichte des Krieges, dessen eine Ursache gewiß in wirtschaftlichen Rivalitäten zu suchen sei »dessen H a u p tu r s a ch e aber doch das F l o 11 e n Wettrüsten, zwischen England und Deutschland ae- iresen sei. Welche aufklärende Arbeit die beutfdjc Sozialdemokratie auf diesem Gebiete geleistet habe, kömie daraus ersehen werden, daß
Tirp tz zur Z> it der bestgelMt.' Mann sei. Für die d-eutsche Sozialueawläatie gelte noch heute der Punkt des Erfurter Programms, der Ersetzung des stehenden Heeres durch ein Volksheer fordere, das jeden Angriff munöglich mache, und die Dienstpflicht durch in ter nationale Verträge möglichst kurz befristen wolle. Aber schon sage Ülemenceau, Frankreich brauche sein Heer noch lange, unb die englischen Delegierten in Versailles sagten, England könne auf seine Flotte nicht verzichten. Die, deutsche Soriald-unokratie denke anders, denn bei internationalen Verträgen
Die Erwartung der Volker.
Heute beginnen rn Weimar die Tagungen der deutschen Nationalversammlung. Sie wird allein die politische Rettung uns nicht bringen können. Wenn ein Schiff leck ist wenn seine Maschinen zerstört sind, können auch dte besten Kapitäne unb Steuermänner ihm nicht forthelfen. Das Fahrwasser der deuffchen Natioiralversammlüng ist die Stimmung und Erwartung des Volkes. 9hir im lebendigsten Zusammenklang mit dem Ban oen, Fühlen unb Denken ber deutschen Gesamtheit kann die neue Volksvertretung etwas Nützliches vollbringen. Es bilde ,ich dabei keiner ein, er müsse sich sogleich über -den Inhalt von Denrsckwiften und politischer Fragestellungen entscheiden. Jeder soll auf feinem Pesten fein; das Losungswort heißt, wie oft wiederholt werden muß: Arbeit!
• Handarbeit und Geistesarbeit! Wer die Hände regt z,um wirtschaftlichen Wiederausbau, der wird auch im inneren Herzen spüren, was er erfdjafft, er wird in der seelischen Verwirrung, die wir vielfach um uns sehen, den rechten Weg zu fiitbcn wissen.
Wir haben die allgemeinen Weck- und Protestrufe führender Persönlichkeiten, aucb die offenen Briefe unserer Dichter unb Denker vernommen und erkennen auch daraus, roie die Lage für uns steht. Auch sie sind solche Kapitäne, die auf dem Fahrwasser der Wolksstimmung st-euern. Fast möchten wir glauben, daß in dem Bries Gerhart Haupt- mamrs z. B. etwas zu viel von frol-er deutscher Selbstbehauptung preisgegeben worden ist. So schlimm die Stunde ist, wir wollen uns davor hüten, als Bettelvolk zu erschei- rten. Wir sollten einen vernünftigen Optimismus nicht verlieren und uns eine gewisse Fröhlichkeit sogar bewahren. Nicht also als ^rschmetterie Christenheit in Sack und A^)e trauern. Was noch in uns selber lebt, das uruß gehütet un£> 'bewacht werden. Darum
chlM
Freitag *«7.^ orrileigere ich m der , -es Herrn »eiaritb i«ciniania wegen
WMmi« .n Ne'^urall.mSderd, Srä* 1 S'S
'Srtgtl 6orbrroto-
mthfr ?ÄSunb
SSä*»“*
• isf*-** u'a-m. 1494D
!lgek«na.
oerdtn^
wvhoxk
fit S?nflnerbol>
11. v'S ^ Krpel
i,?.ovireiS' m. * *
AWKi’sSJen.
" Arven
er
SÄ***,
habe auch Deutschland nichts zu fürchten. Die weitere Frage von Thomas nach den Rüstungs- gesellsckiaften bearttwvrtete Müller dahin, daß Deutlchland g:gen eine Verstaatlichung der Rüstungsbetriebe nichts eiirzuwenden habe, ebensowenig dagegen, roenn diese Betriebe unter internationale Kontrolle gestellt werden würden. Der deutsche Mil i tarismus ex isti erc nicht m e h r, zum Teil infolge der Ereigiiisse von draußen unb zum Teil infolge der Zersetzung im Innern. Gewiß würden die deutschen Nationalisten wieder stärker loerden, die deutsche Sozialdemokratie aber werde den Kampf gegen sie aufnehmen und diesen Kampf siegreich bestehen, wenn dafür gewrgt würde, daß in Paris kein Macht- frreden, sondern ein Rech.sfrieden geschlossen würde. Müller ist mit Thomas der Ansicht, daß neue Kriege vermieden werden müssen: er halt aus physischen Gründen auf Jahrzehnte hinaus einen Krug für Ausgeschlossen unb glaubt, daß nach dieser Frist die Sozialdemokratie stack genug sein 1 »erbe, daß sie jeden Krieg verhindern könne, nwbei Müller auf die wichtige Rolle der Frauen, der natürlichen Kriegsgegner hinwies, besonders auch rm Hinblick aus Deutschland, wo sie gleiche polttische Rechte besäßen wie die Männer.
Bern, 5. Febr. (WTB.) Vizepräsident Wi- b a u t brachte eine aus der Kommission hervorgegangene Resolution über den Böckerbund zur Verlesung. In der Fortsetzung der Diskussion sprach der russische Delegierte Bien stock von den Mängeln der Internattonale. Weil die Internationale sich nicht eftlgemischt habe, sei die russische Revolution zugrundegegangen. Jetzt sei die deutsche Revolutton in Gefahr. Die Internationale müsse ihr zu Hilfe kommen. Der Zionist Locker (Palästina) verteidigt in längeren Ausführungen den Antrag, daß der Völkerbund nicht allein eine Föderation der Staaten, sondern eine Gesellschaft der Nationen sein müsse ohne jebe Ausnahme und ohne jede Rücksicht auf Selbständigkeit oder territorialen Besitz. Der Redner begründete unter gleichzeitiger Erwägung der Lage der jüdischen Bevölkerung in Rnmömen und Polen die. Notweirdigkeit und Berechttgung der jüdischen Selbstbestimmung.
Troelstra (Holland) legt den Hanptwerr darauf, daß keine Nation hinfort ein Sklavenleoen führen darf. Die Jnternattonale sei ein Heer ohne Waffen, aber sie müsse die Waffe dec Ueberzeugung haben, und sie begrüße alles, was dem Zustandekommen des Völkerbundes bienen könne. Troelstra begrüßte die Resolutton für den Völkerburrd, die der Zustimmung aller sicher sein förate. Er begrüßte es auch besonders, daß keinerlei Forderungen nach einer internationalen Einschränkung zur Durchsetzung der Völkerbundsidee in der Resolution enthalten sei. Die Hauvttordenrng, di? der Völkerbund erheben müsse, sei die, daß er die Disttioution und die Produktion der Welt beherrsche. Die größte Gefahr, die auftanrbc sei die, daß man in Paris einen Völkerbund willkürlich festsetzen wolle. Troel- hra verlangt einen Völkerbund, in dem solche Schändlich leiten wie die Zurückhal- tungderdeutschenKriegsgefangencn unmöglich seien. Auch die Verhälttttsse in Ungarn und die Eigenmächtigkeiten der Polen bei ihrem Vorgehen auf Danzig forderten den Protest der Jnternattonale heraus. Das internattonale Proletariat müsse darüber wachen, daß der Völkerbund kein Schwindel werde. Die Arbeiter müß:en aufgeklärt werden über den wahren Charakter des Völkerbundes.
02238 UN eines 9en an.
9 ^der unb reUchlllar.
169. Jahrgang } 2...........3,
Eichener Anzeiger
» General-Anzeiger für Gberheffen ä


