Ausgabe 
5.9.1919
 
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Zwillingrrund-ruck u. Verlag, vrühl'sche Univ.-Such- u. SteindrnSeret R. Lange. Zchristleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Zchulstr. 7.

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Nr. 207

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Die deutsche Antwort an Llemenceau.

Berlin, 5. Sept. (WTB.) Die deutsche Negierung lieh Clemenceau gestern eine Antwort auf die von der Entente gefor­derte Abänderung der deutschen Reichsverfas- sung übergeben, worin gesagt wird, daß Deutschland sich gegenüber der Note der alli­ierten und assoziierten Mächte nichtinder Lage sehe, seinen bisherigen Standpunkt in der Frage der Ver- einigungDeutsch-Oesterreichs mit Deutschland aufrecht zu erhalten. Dadurch werde jedoch eine Abänderung des Wortlauts der Verfassung nicht notwendig, denn in Artikel 178 der Verfassung werde vorgeschrieben, daß die Bedingungen des Frie­densvertrages durch die Verfassung nicht be­rührt werden. Da Artikel 61, Absatz 2 nun mit den Friedensbedingungen in Widerspruch stehe, erklärt die deutsche Regierung, daß die Vorschriften dieses Artikels, Absatz 2 der Ver­fassung solange kraftlos bleiben, als nicht der Rat des Völkerbundes der Abänderung des staatsrechtlichen Verhältnisses zu Oesterreich zustimmt.

Das Frarrenwahliecht in Ftalien.

R o m, 4. Sept. (Wolff.) Zlgenzia Stcfunt. Tre Kammer hat ihre Tagungen wieder auf» genommen und beginnt mit der Beratung, bd Gesetzentwurfes über die parlameutariscl>e Initia­tive. Tie Kaimner nahm einen von der Regierung eingebrachtrn Zusatzantrag an, welcher den Frauen das aktive und passive Wahlrecht

Frankreichs, daß die rumänischen gegenüber den Ententeforderuugcn unparteiisch geprüft werden.

der Alliierten in Teutschlmid von der deutschen Regierung getragen werten müßten. TieNeue Korresporrdcnz" verlangt gerade

Hoste über die Lage im Baltikum.

Berlin, 4. Sept. (WTB.) Noske mochte einem Vertreter derDeutschs Allg. Ztg." u. a. folgende Mitteilung über die ßage im Baltikum: Die Lage in Lettland kann nicht'mit Befehlen gelöst werden. Nicht mit Unrecht ist die Truppe aufgeregt, weil sie sich in dem betrogen sieht, was die lettische Regierung ihr versprochen hat. Nur von der persönlichen Einwirkung des Generals v. d. Goltz verspreche man sich Erfolg. Die Lage im Baltikum ist außerordentlich unsicher. Infolge der Haltung der Entente gegenüber der Armee Judenitsch und des Geistes bei den rein letttschen Truppen, ist mit einem weiteren Vordringen der Bolschewiki zu rechnen, was nach einer Räumung durch die deutschen Truppen stets auf einer Ge­fährdung des deutschen Bodens gipfelt. Werden also die deutschen Truppen zurückgezogen, so muß in Ostpreußen ein neues Verteidigungssystem ge­schaffen werden. Die Letten und die Engländer würden es bald einfehen, was sie mit der vorzeiti­gen Ausschaltung des deutschen Elementes er­reicht haben. Da im kommenden Winter infolge der großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten mit Unruhen zu rechnen ist, so erklärte der Minister weiter, müsse man im voraus diesen vorbeugen. Die uns belassene Truppen st ärke reiche aber nicht dazu aus. Es fteöe zu erwarten, daß die Arbeiten der neuen militärischen Kontrollkommission der Entente sich dem deutschen Volke bald recht fühlbar machen werden. Wenn man sich überlegt, daß 60 Offiziere des Verbandes ständig über das Reich verteilt sein werden, und hört, daß jetzt schon Uebungsschießcn deutscher Truppen, wie in Darmstadt, von einem Entente­offizier kontrolliert werden, dann bedürfe es keiner Erklärung dafür, daß die Reichsregierung gegen diese Auslegung des Betrages sofort Einspruch erhoben hat.

Die Uebergriffe der Polen.

Breslau, 5. Sept. (WTB.) Wie das Gene­ralkommando des 6. A. K. Nritteilt, melden die beim

Die Rückkehr Ser Gefangenen.

Berlin, 5. Sept. Wie dieKöln. Ztg." er­fährt, ist nach Mntlichen Mitteilungen, die von der englischen Regierung eingelaufen sind, nunmehr mit Sicherheit eine beschleunigte Rückkehr unterer in englischen Lagern befindlichen Gefangenen zu erwarten. Man plant englischerseits die Heim­kehr von täglich 10 000 deutschen Kriegsgefangenen.

Don einem Offizier erhalten wir folgende Zuschrift:

Vor längerer Zeit ging durch die Presse ein: Nachricht, daß die deutschen Kriegsgefan­genen oes Lagers Oswestry gementTt hatten. Als Grund iraren meines Wissens ange­gebenUnregelmäßigkeiten bei der Essenausgabe". Aur eine Anfrage schreibt ein Freund mir von dort am 17. 8. folgendes:Wir haben damals gestrnkt, weil ein Mann grundlos er­schossen w u r de." Es wäre angebracht, wenn solche Fälle vion berufener Stelle untersucht würden.

polnischen Auf st and nach Polen verschlepp­ten O f f i z i e r e nach ihrer Rückkehr, daß sie nach ihrer Gefangennahme von regulären polnischen Truppen übernommen und in polnische Militär­gefangenenlager überführt wurden. Die polnischen Kominandobehörden haben sich also hierdurch einer Beteiligung am Aufstand schuldig gemacht. Unsere Osftziere und Mannschaften würden angeblich als Internierte, in Wirklichkeit aber wie Gefangene be­

werfen. Diese Klausel sei ebenso unannehmbar nrie die Neutralitätsklauscl. Bratiann werde demis­sionieren mid durch Manuelescu R a m n i t i a n u, ehemaliger Präsident des Kassationshiofes, ersetzt werden. Tiefer Kabinetts,oechfcl bedeute jedoch keine Aenderung in der rumänischen Außenpolitik.

TieNeue Korrespondenz" fügt offiziös einige Betrachtungen hinzu, über das große Interesse, das Frankreich! an einem zufriedengestellten Ru­mänien habe und macht die augenfällige Ent­hüllung, daß Frankreich bereit war, die rumänische Politik in Ungarn zu un­terstützen, jedoch auf amerikanischen T^nck eine Schwenkung vornehmen mußte. FraNlkrMH könne den Groll begreifen, bc**, Rumänien ftch frage, warum es die Okkupationsllosten in Ungarn selber tragen solle, während die Kosten dec Okkupation

Die griebmerörferimg in der französischen Kammer.

Paris, 4. Sept. (WTB.) In Fortsetzung ferner Rede in der Kam mer stellte Barthou die Frage, warum die Regierung in dem Augen» blick, als der Waffenstillstand geschlossen wurde, nicht von dem verfassungsmäßigen Vorzugsrecht Gebrauch gemacht hcrbe, die T e m o b i l m a ch u u g zu verlangen und so einer Forderung der Zivil» massen zu genügen und der einmütigen Auffassung des Parlaments ReckMung zu tragen. Ter Reoner stellte hierbei die Frage an Clemenceau, ob die Alliierten eingewilligt hätten, den Artikel, die Re- dnktion der deutschen Armee innerhalb drei fUZonatfi nach Inkrafttreten des Friedensvertrages zu vcr-i langen, zu ändern. Ziveifellos bildet die deutsche Armee für Frankreich keine Gefahr mehr. Aber Frankreich muß an Polen denken und an die Volksabstimmungen in den besetzten Gebieten, wo sich gegenwärtig ungeheuerlich Dinge abspielen. Barthou stellte sodann den offenFunbigen Wider» spruch in Bezug auf die Dauer des franz ö» sii ch-engl i i ch-amerika ni sichen Son­derabkommens fest. Wetter führte der Redner noch aus, daß es notwendig sei, eine Streitmackä ins Leben zu rufen, die imstande sei, die gau^e Menschheit zu verteidigen. Eine Freiheit ist ent­standen uird bräitgt uns und der ganzen Welt eine neue Politik auf. (Beifall auf allen Bänken.) Tie Frage der Verminderung der Rüsttmsen muß ebenfalls! gelöst werden. Ter Redner bemerkte, daß die französische Telegation es war, die dies« Frage vor der Friedens von fcren z au frönte. Er wünsche, daß tv von Frankreich aufgestellten Thesen über die Frage der Rüstungen mid Kontrolle den Vorzug erhalte. Ueber Parteien und Programmen müssen wir jenes schöne und edle Ideal Frank­reichs stellen, daß dieser Krieg der letzte war und unser Sieg ein Sieg der Wiedergutmachung fei. (Tosender Beifall.) Als Barthou von der Tribüni heruntersteigt, geht Clemenceau auf ihn zu und drückt ihm die Hand. In der weiteren Fortsetzung der Debatte bedauert Franklin Bouillon, daß das »nichtigste Verlangen in Bezug aus die Grenzen nicht aufrecht er Briten tverden konnte und daß die Einheit Deutschlands gestärkt wor­den sei. Er beklagte sich über die ungenügmröenr- finanziellen Garantien und hofft im übrigen, daß: Amerika nicht Frankreich angesichts des Sieges untergehen lasse.

wiison und der Senat.

Versailles, 4. Sept. (Wolff.) Nach einet Washingtoner Meldung desNew Pork Herald" verweigerte Wilson dem Cenatsausschuß für die auswärtigen Angelegenheiten die Vor­legung der Friedensvertragsentwürsq m i t O e st e r r e i ch, B n l g a r i e n und der T ü r- k e i. Er weigert sich auch, den Tert der Erklärung über die Besetzung des linken Rhein- ufers, die am 16. Juni zwischen Frankreich, England und Amerika festgestellt wurde, mitzn- teilen.

Versailles, 4. Sept. (Wolff.) Nach der Chicago Tribuna" kabelte Wilson der amerikani­schen Friedensdelegation nach Paris, er habe feine Ansicht, aus O st- und W e st t hr a z ie n einen unabhängigen Staat zu machen, nicht geändert. Tas sei Wüsons Antwort auf dis telegraphischen Vorstellungen von Veniftbos.

Korea.

Von der schweizerischen Grenze, 5. Sept. Wie die ,,Köln. Ztg." meldet, hat bet Mikado Kvrea die Autonomie und Turchfüh- rung von Reformen versprochen. Tie Militär-, regierung ist durch eine Zivilverwaltung ersetz? worden.

Ei« Attentat ans den Premierminister von Aegypten.

London, 5. Sept. (WTB.) Reuter meldet von einem A tten ta t auf den Premier­minister von Aegypten, der aber nicht ver­wundet wurde.

Der Srieöensoertrag mit ©efterreid).

Wien, 4. Sept. (Wolff.) Tie Blatter ver- öffenttichen Acußerungen des Staatskanzlers Renner. die er in St. Germain gegenüber pri­vaten Berichterstattern machte. Renner erkennt an, d_ß aus jeder Seite des Vertrages das Be­mühen spricht, die verworrenen Verhältnisse Halb­wegs zu ordnen. Trotzdem habe sie, was nicht verwunderlich fei. die innersten wirtschaftlichen Zusammenhänge nicht vollständig erfassen noch über die L a st en, die der Krieg zurückließ, auf die Nachfolgestaaten gerecht verteilen können.

Politisch und national," fio fuhr der Staatskanzler fort,sind wir schwer getroffen. Unser Staat ist beschränkt auf die deutschen Alpen­länder. Die vierhundertjährige Gemeinbürgschaft der Alpendcutschen und der Sudetendeutschen ist zerrissen und crwch «von den deutschen Siedlungs­gebieten in den Alpen sind uns wesentliche Stücke vorenthalten. Tas urdeutsche Marburg, dessen deutschen Charakter die Antwortnote selbst hervorhebt, soll künftig ferne Vertreter nach Bel­grad schicken. Feldberg und Gmunden- Bahnhof bleiben verloren. Tie Nationalver­sammlung wird darüber entscheiden müssen, ob trotz dieser Opfer der Vertrag unterzeichnet werden kann. In nationaler Einsicht büßte unsere Republik ihre Handlungsfreiheit ein. Tie mit elemen­tarer Gewalt in den Novembertagen hervor­getretenen Anschlußbestrebungen sind auf den schwierige Weg der Verhandlungen mit dem Völkerbund verwiesen. Wir erhalten eine poli­tische Souveränität, von der »vir kaum Gebrauch machen dürfen und werden dazu der vollständigen ökrnomischen Oberhoheit der alliierten Großmächte unterworfen, die in der Reparationskom- Mission verkörpert ist mit dem Völkerbund als höchster Instanz. Man ist versucht zu sagen, das wäre zu ertragen, wenn man nur wüsche, ob der Völkerbund bestehen und so organifiert fein wird, daß er imstande ist, gerecht zu fein. Jedenfalls ist für Deutsch-Oesterreich der Bestand und das Funk­tionieren des .Völkerbundes eine wesentliche Be- biniing des Vertrages, mit dem auch dieser steht und fällt. Sehr erschwert haben die Mächte sich ihre Aufgaben und uns das Leben dadurch, daß sie uns für alle Sürttreir des alten Regimes zum Sündenbock machten und uns zu dem Uebermaß von Kriegsschulden die noch nicht konsoli­dierten . Schulden, wie Auslandsschulden, Valuta- schulden, die im Ausland befindlichen Banknoten usw. ausbürdeten. Sie wollen den Ertrinkenden retten und belasten ihn zuvor mit einem Mühl­stein. Unser Volk ist nun vor die furchtbarste Prüfung gestellt. Tiefe Probe wird uns nun ent­weder außerordentlich stärken oder andauernd ver­elenden. Wir müssen uns zusammennehmen, in doppeltem Sinne uns einheitlich organisieren, zu einer wirklichen Gemeinschaft werden im ganzen imd jeder einzelne muß alle Kraft zusammen- nehmen, dairn kann es gelingen."

Ei» Ultimatum an Rumänien.

Amsterdam, 5. Sept. (WTV.) Nach einer Reutermeldung haben die Alliierten der rumänischen Regierung ein befristetes Ultimatum durch einen Abgesandten über­reichen lassen. Sollte sich Rumänien weigern, die Bedingungen des Ultimatums in der an­gegebenen Frist zu erfüllen, so wären die di- plomatischen Beziehungen zwischen den Alli­ierten und Assoziierten einerseits und Ru­mänien anderseits aufgehoben.

Bern, 4. Sept. (Wolff.) TieNeue Korre­spondenz" verbreitet eine ausführliche Darstellung über die Gründe des Zerwürfnisses zwi­schen Rumänien und der Entente. Die von der

handelt. Die Unterbringung erfolgte in völlig ver­schmutzten und verlausten Baracken, meist ohne Decken und Strohsäcke. Die Verpflegung war un­genügend und unbeschreiblich schlecht. Die Mann­schaften hatte keine Bewegungsfreiheit. Die Decken wurden ihnen größtenteils wieder fortgenommen. Es tarn vor, daß Offizier und Mannschaften ge­schlagen wurden. Nur dem energischen Eingrei­fen der Amerikaner ist es zu danken, daß trotz des Widerstandes der Polen die Gefangenen aus ihrer unwürdigen Lage befreit wurden.

Breslau, 4. Sept. (Wolfs.) TieSchief. Ztg." meldet aus Kattowitz: Gegen 300 ver­schleppte deutsche Einwohner trafen ge­stern wieder in Kattowitz ein. Während der vierzehn tägigen Gefangenschaft machten sie eine schwere körperliche und seelische Leidenszeit durch. Jhve Befreiung ist dem energischen Eintreten der amerikanischen Kommis ron zuzu'chreiben, die feit Freitag in Krakau weilte. Die Zurückgekehrten befinden sich in jämmerlicher Verfassung. Sie sind halb verhungert und ihrer Kleidung und der Wertsachen größtenteils beraubt. Sie wur­den schwer mißhandelt mrd stehetz unter schwerster seelischer Depression. Tie Gendarmen und Polizei- wachtmeister, fünfzehn an der Zahl, steckten in völlig zerrissenen polnischen Uniformen. Tem Ge­meindevorsteher S ch i d l o - Eichenau waren die Zähne herausgeschlagen.

Was die französische! Heeresleitung da veröffentlicht, bestätigt Vieles, was wir be­reits wußten. Interessant ist, daß der Feind über die deutschen Pläne so gut unterrichtet war; Verrat und Schrvatzhaftigkeit haben also leider in unseren Reihen eine traurige Rolle gespielt. Was die Moral im deutschen Speere beim Kriegsende so weit untergraben hat, darüber könnte man auch nur die alten Tatsachen und Meinungen wiedergeben. Lu­dendorff, obwohl er dieses Unvermeidliche mit in den Kreis seiner Berechnungen hätte stellen müssen, hat da zu einem großen Teile recht.

Die französische Heeresleitung über den deutschen Mederbruch.

Das französische Große Hauptquartier hat soeben eine Denkschrift über die deutsche militärische Katastrophe herausgege­ben. Die BerlinerFreiheit" veröffentlicht einen Auszug daraus. Die Denkschrift stellt zunächst feft/ daß die französische Heereslei­tung im Augenblick des großen deutschen Stoßes bei Reims sowohl über den deut­schen Plan, wie über die K r a f t v e r - hältnisse der deutschen Armee, be­sonders über den Stand der Reserven, aufs beste unterrichtet war und bei ihrem großen Gegenangriff vom 17. Juli in der Ucberzeugmlg handelte, nunmehr das stra­tegische Uebergewicht endgültig gewonnen zu haben. Die Arbeit der Alliierten sei nun darauf hinausgegangen, das deutsche Heer durch dauernde Angriffe mehr und mehr zu erschüttern und zu verwirren, bis endlich am 26. September die Generaloffen - sive begonnen habe. Schon bis dahin habe die deutsche Armee fast das ganze im Jahre 1918 eroberte Gebiet aufgeben muffen und sei, wie aus einer in der Denkschrift ver­öffentlichten deutschen Urkunde hervorgehe, schon am 20. August zu einer Gegenoffensive nicht mehr fähig gewesen.

Am 26. September habe das deutsche Heer nur noch 21 frische Divisionen gegenüber 43 am 15. Juli in Reserve gehabt und trotz einer Front­verkürzung von nahezu 200 Kilometern noch die­selbe Zahl von Divisionen einsetzen müssen, weil sie .schwächer und von geringerem Kampfwcrt waren. Selbst dieser Stand habe nur durch Auf­lösung von 16 Divisionen, durch Herabsetzung der Bataillone von vier auf drei Kompagnien (nach den LudendorffschenKriegserinnerungen" tettweise auf Zwei Kompagnien) und Heranziehung vieler zur Munitionserzeugung dringend nötiger Reklamier­ten erreicht werden können. Deshalb sei das Ober­kommando der Alliierten seit Ende August zu der Raren Einsicht gekommen, daß ein allge- Tneincr Sturm den v ö'l l i ge n Zusammen­bruch dec erschöpften deutschen Armee her bei führen werde.

Tie Abnutzung des deutschen Heeres (et rapid fortgeschritten. Tie Zahl der in Reserve befindlichen beutfdjen Truppen (ei trotz dem Ein­satz auch kampfunfähiger Formatvonen während des Rückzuges von 40 Pis 50 Prozent auf 11 Prozent zurückgegangen wie die Gefechtsstärke der einzelnen Kcmponien, obwohl die Gesamtstärke um 23 Di­visionen vermindert wurde und fast die Hälfte aller Bataillone Kompanien zusammenlegte, von durchschnittlich 120 Mann am 15. Juli auf 50 Mann beim Abschluß des Waffenstillstandes zurück­gegangen sei, so daßdie Stärke der auf der Westfront kämpfenden Jnfanterietruppen auf die Höhe ihrer Stärke am 15. Juli" veranschlagt worden sei.

Die Denkschrift fährt fort:

Die ganze deutsche Armee hatte eine kolossale nervöse und körperlich Anstrengung diircyzumachen, neben welcher die März-, April-, Mai- und Juni- Offensiven reines Kinderspiel gewesen waren. Sech­zig Prozent der Divisionen find ununterbrochen während der Monate September und Oktober in Stellimg geblieben, die anderen haben zwanzig bis dreißig Tage unausgefetzt gekämpft. Am 10. No­vember hingegen standen sämtliche kampffähigen Divisionen im Gefecht oder sie waren kaum zurück­gezogen worden. Alle waren mehrere Male ein­gesetzt worden. Schließlich blieben also keine frischen Reserven übrig.

. Zu gleicher Zeit hatte der Feind mit der Initiative der Operationen am 18. Juli auch den Vorteil verloren, nach eigenem Willen den 2lozugskämpf zu leiten. Von diesem Zeitpunkt an hatte das Oberkommando der Alliierten die Versicherung, denAbnutzungskampf mit amerika­nischer Hilft weiterführen zu können; es nötigte die Deutschen, sich demselben ohne Unterbrechung zu fügen. Dies alles hatte genügt, den Alliierten den Sieg zu sichern.

Die moralischen Kräfte waren nicht weinger tief gesunken als die physischen. Tie Ur­sachen dieser Entkräftung lagen nänllich zu tief. Tie erste war das Sche i t e r n de r »I u l i o f f e n-> Nve. Am 15. Juli schenkte er (der deutsche Soldat) feinen Führern noch, Vertrauen, er war zur letzten dlnstrenyung .bereit, obwohl ihn die lliüdigkeit schon erveichite. Llber in der Champagiie und aur der Marne bleibt sogar der Anfangssieg j5- T~ Das war der Beginn des Wankens r- r eNn nung imdeu Ischen Heere; der Soldat und selbst der Offizier fingen Ian tzu zweifeln, i/te französische Gegenoffensive am 18. Juli und fcaim die nachfolgenden Offensiven der Alliierten im AuMst und tsq>t. vervollständigten nach und nach das Werk, welches mit der Niederlage vorn 15. ^uh begonnen hat Die Anstrengung eines ununter­brochenen Kampfes, ber Mangel an Ruhe in einem ruhigen Abschnitt oder hinter der Front, die un­genügende Ernahrmig, bie Grippe trafen, indem tee die körperlichen Kräfte heruntersetzten, auch beii Geist der kämpfenden Truppen Tie eifrige von Alliierten durch Anftufe, Flugblätter! Flugschriften uslv. in tat ftindlickien Stellen betrie­bene Propaganda verschärften die Demoralisation.

Tas Verlangten nach Sieg um des Friedens willen erzeugte nach und nach das Ver­langen nach Frieden um jeden Preis. Zuerst das Versagen einzelner, dann das Ver­sagen ganzer: Verbände kam immer häufiger vor. Tie geistigen Triebfedern waren am Morabend des Waffensttllsttmdes also gebrochen.

Erstes Blatt (69. Jahrgang Freitag, 5. September chj9

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Entente geforderten Gavantten für den Sftutz der Minoritäten in Rumänien wären unvereinbar mit den rumänischen Interessen unb der rumänischen Würde, umsomehr, als Rumänien bereits den Ju­den völlige Gleichibereck,rignng vor dem Gesetze ein­geräumt hlche. Nunmehr verlangen die Mlücrten in dem mit Oesterreich abgeschlossenen Vertrage die firöntnotle über die rumänischen Gesctzesmaß- I nahmen gegenüber den Ukrainern, Buh-aren und Transylvaniern. Außerdeni soll sich Rumänien allen Forderungen der Eittentc hrnsickttlift> der Handelsverträge und des Transitverkehrs unter--