Ausgabe 
4.7.1919
 
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Stettag, 4. Juli 1919

169. Jahrgang

Erster Blatt

Abordnung ein und verbreitete sich zunächst I sammelten 800 Mitglieder des Gtettxitjdxifi' über oic Streiklage in Frankfurt. Aus seinen Aus- Bundes 2eut]d>er Eisenbahner der Ortsgi iührungen sprach Die Ueberzeugung, daß es sich I Tarmsbadt mißbilligen einst immig

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~L^elßeiBPBD. anßcftertten im Frankfurter Direktionsbezirk ist noch einmal hell ausgeflammt, und es heißt.

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den -Eisenbahnern das Slreikrcchi tokder zu xtifty-

burdj ' pesagt wurde, das; die Eiuführung .des 9täte, f h ft e ms Vom Minister. g e ne- nti gt und bi6

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ein gesetzlid/ uinschn-iebeires Sttekreck>' mit Sd^idjr'

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um einen Teilstreik handele. Er erklärte ferner, daß auch die Frankfurter Bezirksleitung von An­fang an gegen den Streik gewesen sei, von den Massen aber zur Ausrufung des Streiks g e - zwungen worden sei. Von der Frankfurter Streikleitung überbrachte er die Aufsorderuny für Die Gießener Eisenbahner, solange im Streit zu verharren, bis von Franksurt aus abge- blasen werde: dies werde voraussichtlich noch im Lause der Nacht geschehen. Neserveführer M u h l war für sofortigen Abbruch des Streiks, wenn es sich Herausstellen sollte, daß von einem Generalstreik keine Rede sei. Oberbahn-

Entschließung zu unterstützen."

In der Sitzung war Ministerialdirek­tor Neumann anwesend, der erklärte, daß die Regierung bereit sei, zu vermitteln. In den Eiseu- bahuwerkstät'en wcroen die Arteten für die En­tente misgcsührt. Heute nachmittag soll eine neue Versammlung über Beilegung des Streiks be- chließen.

assisleut De t r 6e trat nochmals für schleu n r gen Abtransport der in Gießen durch den Streik fest gehaltenen fremden Gäste ein. Er war ferner bei Fortsetzung des Streiks sür Aufrecht­erhaltung der A r b e t t e r z ü g e. Gülerboden- arbeiler Venner agierte lebhaft sür F 0 r t - setzung des Strerks, indem er die Ausfüh­rungen des Zugführers Simon a n z w e i s e l t. Oberbauarbeiter Pseifer war dar Ansicht, daß

rm. Darmstadt, 4. Juli. Gestern und heute ruhte hier der Zugverkehr. Tie Eilenbahn-

Noch kein Ende des Eisenbahn-Ausstandes

Ur. 153

Ter Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer Kann- und Feiertags.

B-zngrpreir:

monatl. AN. 1.60, viertel« jährlich W. 4.80; durch Äbhole- iu Zweigstellen monatl. Mk. 1.50; durch die Post Mk. 4L0 viert el- jätjrl. auSfcht. Beslellq. s^rnsprech - Auschlüsie: >ür die Schri'lleitunql 12 Berlag.GefchästssteUeSI AnschristsurDrabeuach- nchleu: Anzeiger Sieben.

Postscheckkonto:

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lungs- und Schiedsgerichtsverfahren ersetzt wrrdcrr. Gefordert wurde ferirer die praktisdM Anerkemnnrg der Eisenbahnergewerlsd>aften als Taiifvertrags- vrgane.

Zur bevorsteheirden Preissenkung der Lebens­mittel forderte der Verbandstag, daß die auf» gewendeten Staatsgelder tofrflid) bat Ver­brauchern, nicht dem Zwiscklmhmrdel, zugute teilt* men. Tie übrigar Besdstüsse bezogen sich auf Errich'tung eines selbständigen Li-asserl. LLintuii?'. e riums, Fragen der Wrrtfd>aftspolitrk und Spetzial- ragen der einrelnen Bedienftetengmptxat.

annciljme oon Mnitije« s. Die Xagesmimmer DU zum Nachmittag vorher otrnejebcVcrbmdtichkeu Preis sür 1 mm höhe für An eigenv.34mmZreitr örtlich 15 Pf., auswärts 18 Ps., für Reklame- an zeigen von 70 mm Breite 48 PI. Bei Platz- t>ovfcbnii20u, Autfchlag. Hauvtjchriitleuer: Aug. Goeg. Verantwortlich fnt Politik: Aua. Goetz, für den übrigen Teil: Dr. Ncmhold Zenz; für den Anzetgenteü: v. Beck: sämtlich ui Gießen

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Tanz undTheater

verhafteten Arbeiter sich bereits in Frei­heit befänden, so daß die Hauptziele des Streiks als e r rei ch t angesehen werden könnten. Unter» asfistent Stephan schloß die Versammlung mit der Erklärung, daß man Freitag vormittag 9 Uhr im Cas 6 Leib nochmals zusammen kommen wolle, um die beiden anderen nach Frankfurt ent­sandten Vertreter zu hören und bann unter allen Umständen die Entscheidung über Abbruch oder Fortdauer des Streiks zu fällen.

Hier Tag!

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die Gießener Eisenbahner anderNaseherum- g e s ü h r t würden und macht der Streikleitung Den V 0 rwurs, daß sie vor Einstellung der Arbeit nicht versud)t habe, auf dem Verhand­lungswege etwas zu erreichen. Er glaubte, daß das Ansehen der Eisenbahner durch den Streik schtoer gelitten habe. Stadtv. Zug­führer Simon wies die Vorwürfe i£Len ner s r zurück. Er teilte ferner mit, daß ihm in Frankfurt

umiNiii, toseld, welcher das rein >er,r>!t und keine ermüden- rren jeint, aber Dafür aller- Drefluren und rein künsi- en, iii für ledermanns Ge- rorge getragen.

lischt Zwischrnspiele vokzüglichcn Clowut men Auguste.

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a u s gc brache neu Streik und lehnen die Verantwortung sür die daraus entftebenben Folgen ab, da er etnc fdtfvcre Schädigung des deut schm Volkes herbeisührt und auch nidxt voir der Grvß- Organisation der Arbeiter angeordnet ist, also nur einem Teilstreik darstellt. Sie erklären sich bereit, den Eisenbahnverkehr soweit wie möß- lid) mit allen erlaubten Mitteln au r» rechtzuer halten um> erfuchm die Bevölke­rung, ihre im Sinne der AUgenteinl-eit gefaßte

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Die vSchfte

daß auch andere Stellen, in Kassel und Han­nover, davonangesteckt" worden sind. In der Bevölkerung hat man für diese Bewegung nicht das mindeste übrig: auch die Veamten- 'chast weiß, daß das Lahmlegen des Verkehrs InuLe geradezu ein Verbrechen ist. Wir glau­ben, daß auch viele Arbeiter nicht daran denken würden, die Arbeit zu verlassen, wenn nicht unruhige Elemente das Heft in die Hand genommen hätten. Was soll man dazu sagen, daß in Franksurt jetzt einOberzugrat" die Lage beherrscht! Es wird uns zuverlässig mit- iieteilt, daß auch mit Flugblättern des Spar­takusbundes gearbeitet wird, die für die Räte­republik Propaganda machen. Damit erhält die Bewegung einen politischen Charakter, der die noch Sck;wankenden und Unentschlossenen cntschieden auf den Boden der Ordnung und Gerechtigkeit weisen muß. Und es gibt Gott fei Dank noch vernünftige Arbeiter und Be­amten genug, die sich den Wahnwitz nicht lange gefallen lassen werden. Die Versamm­lungen, die im Verlaufe des gestrigen Tages und heute früh hier in Gießen geführt worden iind, waren freilich vielfach von radikalen Rednern beherrscht: es ist ja aber bekannt, daß die Besonnenen und Arbeitswilligen sich bei solchen Gelegenheiten nicht vordrckngen, sondern schweigen. Eine Abstimmung ist bis zur Stunde noch nicht erfolgt, weil man über die allgemeine Lage des Streiks im Un­gewissen ist. Man hat jedoch Streikposten er­wählt, die Telephonzentrale, das Telegraphen- lmreau und die Stellwerke besetzt! Wer hätte dies in unserem ehedem so wohlgeordneten Staatswesen sür denkbar gehalten! Die Min­derheit knebelt die Mehrheit und Allgemein­heit! Denn vom Gießener Bahnhof war zu erführen, daß in der vergangenen Nacht und | uuch heute morgen der Personenverkehr nach Müllen Richtungen hin ausrechterhalten worden »war. Es tonnten auch einzelne Güterzüge mit »Vieh und Lebensmitteln befördert werden. 1 Pendelverkehr ließ sich dadurch bewerk-

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Gebäude und Verwaltungen werden vcm Streik­posten überwacht. In den Kreisen der ©tieiflcirjng nimmt man an, daß sich mich die Bezirk» Öan- nover, Kassel und Erfurt der Bewegung anfchltcßen werden. Im Übrigen hat sich die Bergung, von belanglosen Zwischenfällen abgesehen, bis jetzt ruhig vollzogen. Aus Bad Dornburg wird (Kmett)et, daß dort am Donnerstag früh Soldaten sich des Bahnhsls bemäditigen wollten: doch rourde der Ver­such rasch unterdrückt.

Ausstand auch bei der Main-Ncckar-Vahn.

Sei del berg, 4. Juli. (WTB.) Die Ar- beiter und Beamten der M a i nN eckar-Bahn ind seit heute in den Ausstand getreten.

VerbandStag der Gewerkickp-st deuifckjer Eiseu- bahner und Starrtschediensteter.

Elberfeld, 2. Juli. £>ter tagte am 29., 30. Juni und 1. Juli ein außerordentlicher Ver- bandstog der Gewerksthast deutscher Eiienvaliner und Staatsbediensteter. Vertreten waren 800 Orts­gruppen durch 170 Vertreter. Als Ergebnis der dreitägigen Verhandlimgen werden 2kfdjlitfic ge­atzt, in denen entgegen den wilden Eifeirbahner- räten uad> Frankfurter, Hamburger und Erfurter Neuster die Sd>affung einer geordneten Jnterefscn- Vertretung auf demokratischer Grundlage, die Ein- bezielMng zum .mi^ndefstm der Eifenbalmbetritl>s- beamten hr das Betriebstätegesetz imi) Die Neuord­nung des Beamtenred^ces gefordert wurden. Gegen die -vilden (ä.fenbafjiterftreirä wurde scharf Stel- timg genommen, ebenso auch gegen die Versuche,

Gießen, 4, Juli. Um 9 Uhr vormittags wurde die gestern abend abgebrochene V e r f a m nv* lungder streikenden Eifenbahnarhei- lerim Cas6 Leib fortgesetzt. Dreher StrauV, Mitglied der gestern fnad> Frankfurt entsandten Ab­ordnung« fordert die Versammlung auf, die strei­kenden Frankfurter Eisenbahner voll und ganz zu unterstützen und mit aller Energie am Streike sestzuhalten. Hilfsarbeiter Degen, der eben­falls in Frankfutt war, ist auch für Beibehaltung des Streiks und fordert erte .Verschärfung des Streiks durch sofortige Besetzung der Tele­phonzentrale und der Stellwerke. Unterassistent Stephan teilt mit, daß er heute früh mit dem Frankfurter Bezirksoorsitzenden tele­phonisch gesprochen und von diesem die Auf­forderung erhalten habe, unter allen Um­ständen am Streike fest zuhalten und ihn nicht vorzeitig auf eigene Faust abzubrechen.

Eine Abstimmung über Beibehaltung oder Abbruch des Streiks ist bis zur Stunde (V2II Uhr) noch nicht erfolgt.

Es wird nun eine 12köpfige Streiklei- tung gewählt, die int Hotel Kobel ihr Bu­reau cinridjten soll. Es werden weiter Abord- nunacn gewählt, die die Stellwerke und die Telephon zentrale sowie das Tele­graphenbureau der Eisenbahn sofort be­setzen sollen. Von der Versammlung werden ferner 60 Mann als Streikposten gewählt.

Bahnmeister Rademeier spricht sich ein­dringlich für sofortigen,Abbruch des Streiks aus; er ist überteuert, daß das Ansehen der Eisenbahner durch bat Streik sehrgelitten habe. Unterassistent Stephan weist die Ausfüh­rungen des Vorredners zurück. Zugführer Otter glaubt nicht, daß Freiwilligen truppen zur Unterdrückung des Streiks aufgeboten werden. Lo­komotivführer Simon bemängelt, daß die Streik­leitung n-chts unternehme, um sich über die Lage (bei den Nachbardirektione n klar zu wer­den. Weiter fordert er, daß die Streikleitung Leute tznr Verfügung stellt, die die Vorarbeiten und den Transport von Lebensrnitteln ufw. bewerkstelligen, damit die Arbeitswilligen für andere Arbeiten zur ^Aufrechterhaltung des Betriebes frei werden. Ein Limburger Arbeiter erklärt, daß die Lim- bürget Beamten einstimmig beschlossen hät­ten, sich nicht an dem Streik zu beteiligen. Der Vorsitzende der Limburger A r b e i t e r ist ebenialls nicht für den Streik. Die Limburger Arbeiter seien nicht für einen Teilstreik. Zur Zeit arbeitet in Limburg noch alles.

Eisenbahnassistent Detr6e bittet die Ver­sammlung, den s^weis zu erbringen, daß die An- ivesenden so diszipliniert sind, ihn mit Ruhe anzu­hören. Er fragt, ob die Anordnung auf Streik von Berlin gekommen sei oder von Frankfurt? Ein Teil­streik sei entschieden zu verwerfen: die Beamten­schaft werde ihn jedenfalls nickst mitmachen. Er be­tont die große Verantwortlichkeit der Eisenbahner tmd macht der Streikleitung den Vorwurf, daß sie nichts getan habe, sich über die &erl)ältnifle im Neich zu unterrichten. Er fordert die Versamm­lung auf, unter allen Umständen über die Fort­setzung des Streiks sofort aktzustimmen.

Die Versammlung dauert weiter.

Die Stellungnahme der DannstäÄter Eisen- bahubeamten.

Da- Urteil im Mordprozeß Klüber.

Halle a. S., 3. Juli. (WTB.) Im Pro- zeß wegen Errnorimng des Obertentnantd oon SH über , der am 2. März in Halle nach dem Einrücken der Regi?rnngstruppen während der Un­ruhen von einer Menschenmenge in den Fluß gestoßen und durch Schüsse schwer ver­letzt unterging, wurde das Urteil nach zehntägiger Verhandlung vor dem Sck)wurgericht gefällt. Von den 11 Angeklagten wurde der Invalide Otto Bauer wegen Mordes zum Tode verurteilt- wegen Bet Hilfe zum Morde erhielten der -schauspieler Heinrich Gierhold 13y2 Jahre Zuchthaus, der Handlungsgehilfe Rudolf Richter 12 I a h r e und der Geschirrführer Kürt Kyrttz 10 Jahre Zuchthaus: wegen Totsck^lags erlstelt der Mechaniker Erich Fiedler 9 Jahre Zucht­haus. Tie übrigen Angeklagten erhielten Zucht­haus- und Gefängnisstrafen.

Ein KriegSgefangcnen-Anfstand.

Amsterdam, 3. Juli. (WTB.)Tailv Ehrvnicle" meldet, daß am 2. Juli im Gefangenen­lager von Oswetry 2000 Kriegsgefan­gene aufsässig -würben. Es heißt, daß sie ihre Mittagsration nicht reclstzeitig erhalten lKtven. Tie Gefangenen hätten sich mit Stücken bewaffnet und gedroht, an^ngreifen. Englische Verstärkungen hätten den Aufstand mit bewaffneten Baioilett unterdrückt.

Lloyd George über den Gericht»hos gegen den Kaiser.

Amsterdam, 3. Juli. (WTB.) Reuter. Lloyd George teilte im Unterhause mit, das; der Gerichtshof zur Aburteilung des Kai- 'ers seinen Sitz in London haben werde. Es verlautet, daß die an Holland zu richtende Ans- lieserungsnote von 22 oder 23 Macksten unter- ckwieben sei. Tas Gerichtsverfahren »Derbe von einem Ausschuß geregelt, den die Alliierten zur Turchsührung der Frirdensbedingnngen errichten. Ter Gerichtshof wird aus fünf Richtern bestehen. Man hofft, daß die Gerichtsverhand- hingen im Herbst ftattjinben werden. Man er­wartet zuversichtlich, daß der Kaiser zugegen sein wird, da seine Auslieferung von sämtlick-cn alli­ierten und assoziierten Mächten gefordert wird.

Manerwartet" undfordert" von Holland hoffentlich vergebens. Auch die 22 oder 23 Mächte" haben das Völkerrecht zu achten.

Beratungen in Gießen«

Gießen, 4. Juli. Tie streikenden Eisenbahnarbeiter versammelten sich ge­stern nachmittag 4 Uhr abermals im Coss Leib. Nachdem Unterassistent Stephan mitteilte, daß die n a ch F r a n k f u r t entsandte Abordnung noch nicht zurück sei, wurde von Oberbahnassistent Detric eine Entschließung der Be­amte n sch ast zur Verlesung gebracht, die in einer um 1 Uhr abgehaltencm Versammlung von förmlichen Vorsitzenden der hiesigen Fackwerbände einstimmig angenommen worden war. In dieser Entschließung hüßt es, daß die Gießener Beamten- schast den Arbeitern gegenüber sich so verhalten will, wie es die Arbeiterschaft gelegentlich der Turchsetzung der Teuerungssordenmg den Be­amten gegenüber geplant hatte, mit anderen Wor­ten, die Beamten verrichten ihren D i e n st weher, weigern sich aber, irgendwelche Arbeiten der streikenden Arbeiter zu übernehmen. Die Beamtenschast sehe sich jedoch gezwungen, Gewerkdisziplin zu halten und die Be­schlüsse des Teutsck»en Eisenbah:ibeamtenbundes zu befolgen. Aus ihrer Mitte erklärt die Gießener Beamtenschaft weiter, daß sie einem Teilstreik ober verstecktem politischen Machwerk den Rückendehre, da sie Diener des Volks­ganzen und nicht einer politischen Richtung sei. Güterbodenarbeiter Benner suchte zu betoev sen, daß ein Generalstreik im ganzen Reich nickst spontan ausbrechen könne: er müsse, wie seiner­zeit die Revolution, pon Ort zu Ort übergreifen. Er sprach dahw gegen Abbruch des Streiks, auch wenn es sich um einen Teilstreik handeln sollte. Oberschaffner Dachner (Frankfurt) schilderte die Streiklage in Frankfurt und be­hauptete, baß es sich bei dieser Bewegung nicht um einen von Frankfurt inszenierten Putsch, sondern um die Ausfühnmg einer von Berlin gegebenen Parole handele. Oberbahnassistent Detrie forderte schleumge Maßnahmen, um in der Bevölkerung die schon vorhandene M i ß st i m- mung gegen die Äsenbahner nicht noch weiter anwachs«: zu lassen. So fei vor allem dafür Sorge zu tragen, daß allen den Personen, die wegen der Verkehrseinstellung in Gießen zu­rückgehalten werden, so bald wie möglich Gelegen^it zur Rückkehr in ihre Heimat ge­geben werde. Unterauistent Stephan hielt ebenfalls die Wegschasfung der hier angesammel- ten Reisenden, des Viehs und der Lebensmittel für notwendig, wollte aber erst die Rückkehr der Frankfurter Abordnung erwarten. Es wurde eine aus drei Arbeitern und einem Beamten be­stehende Abordnung gewählt, die nach Kassel fahren soll, um sich an Ort und Stelle von den dortigen Verhältnissen zu überzeugen. Hier wurde die Versammlung vorläufig abgebrochen.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Sroillingsranöbrud u. Verlag: Vrühl'sche Unio.-Vuch- u. Zteindruckerei R. Lange. Zchrlftleituug, Gefchäftrftelle u. Druckerei: Zchulftt. 7.

Minister-RuhtgehSIter in Hessen.

Ein auf dem Umschlag mit dem Stempel des Staatsministeriums versehener Brief, von dem uns im übrigen unbekannt blieb, wer der Verfasser ist, beschäftigt sich in polemischer Weise mit einer Notiz derWormser Zei­tung", welche die bekannte Ruhegehalts-Vor­lage angegriffen hatte. Es werden zuerst fol­gende Sätze des, wie es in dem Manuskript heißtOrgans der Wormser Ueberpatrwten" zitiert:

In Beamtenkreisen hat der sozialdemokra- bische Versuch, den Parteiministern das Recht auf Ruhegehalt zu verschaffen, größtes Erstaunen her­vorgerufen. Es ist für die Beamten nickst ganz leicht, sich daran zu gewöhnen, daß die höckstten und bestbezahlten Stellen im Lande künftig dem eigentlichen Beamtenstande nicht offen stehen sol- ten, sondern Leuten Vorbehalten bleiben, die außer einer bewährten Parteigesinnung zunächst nichts mitzubringen brauaben. Die Jagd nach diesen ober­sten Stellen aber wäre in der Tat fürchterlich, wenn ein kurzes Einnehmen des Mimsterstuhles das Recht auf lebenslänglichen Genuß von 50 Proz. des Mi­nistergehalts zur Folge hat e. Wenn nun die Ge­halte der hessischen Minister mit 15 000 Mk. an* gegeben werden, so dars doch nickst übersehen wer­den, daß zu diesem Gehalte noch die Nebenein­nahmen als Abgeordnete der Volkskammer und als Mitglied der Nationalversammlung treten Be­träge, die mindestens nochmals aut 18000 Mk. zu bemessen smd. Der Ministerpostcn ist also ein guter Posten auch ohne Ruhegehalt!"

Dazu wird in dem erwähnte 1 Darmstädter Brief in sehr ausführlichen Darlegungen Stel­lung genommen, aus denen wir das Wesens liche hiermit entnehmen:

Muß doch jeder Beamte, der sich nicht ledig­lich vom bloßen N.id leiten läßt, wisten, daß bte Behauptung, unsere höchsten Stellen leiert oon Leuten besetzt, die nichts miüubruiasn Öattea^

die Streikbewegung sich wieder verschärft haben: aber das kann eine Tendenzmeldung )er Frankfurter Streikführer fein. Es find folgende Meldungen eingelaufen:

Der Streik in Berlin.

< Berlin , 4. Julr . (WTB.) Tie Straßen­bahn. die Hoch- und Untergrundbahn ! sowie bte Omnibusse sind infolge des Stniks auch heute noch untätig» Ter Verkehr nach den tiorar ten wird, wenn auch unregelmäßig,duvch- ^esührt. Die Stadt- und die Ringbahn werben infolge des Lokmwlivmangels erst in etwa drei bis vier Tagen wieder arbeiten. Heute nachmittag sollen wieder Verhandlungen stvttfinden.

Die Bewegung in Frankfurt.

-- F r a n k f u r t, 4. Juli. Die Lage in der Cisenbahnerbewegung int Direktionsbezirk Frankfurt scheint sich noch weiter zu ver­schärfen. Die Bahnhöfe stehen nach wie vor unter strengster Kontrolle. Sie dürfen seit üestern abend nur von Personen betreten wer­ten, die sich durch einen von der Oberzug- leitung gestempelten Ausweis legitimieren. 8on den Nachbarbezirken liegen bis zur Stunde noch keine bestimmten Nachrichten vor, ob sie sich dem Streik anschließen werden.

Zn leitenden hiesigen Streikkreisen will man wissen, daß sich in der vergangenen Nacht auch Hannover und Kassel dem im Widerspruch mit Nachrichten der Frank- Nim Widerspruch mit Nachrichten der Frank­furter Blätter, wonach die Beamten und Arbeiter in Kassel sich weigern, sich am Streik M beteiligen. Die Streikleitung ist auch der Ansicht, daß der Streik heute in Berlin in verschärftem Maße wieder ausgenommen toirb. Es soll Aussicht bestehen, daß die R e- flictung zu Verhandlungen bereit ist. Der Streit wird, wie man die Lage in hiesigen btreikkreisen beurteilt, nur noch von kurzer Dvuer fein. Kohlenzüge zwischen besetztem und unbesetztem Gebiete verkehren. Die Stim­mung der Bevölkerung ist sehr gegen die streikenden eingenommen, da infolge des gestrigen Schulfchluffes taufende Fa- Milien verreisen wollten und nun daran ge­hindert sind.

Frankfurt a. M., 4. Juli. (WTB.) Der streik der Frankfurter Eisenbahner v«t durch die Einbeziehung ber anderen Stationen tas Direktionsbezirks eine wesentliche Verschärfung wahren. AufallenStationenruhtnun- Dehr der Beiried Me eüachahnstEisÄM

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Auf ber Liebi gsh öhe wurde abends 8 Uhr die Versammlung fortgesetzt. Die nach Frankfurt entsandte Abordnung war immer noch nicht zurück. Untcrassistent Stephan teilt mit, daß der Ab­transport der sich hier ansarnrnelnden Lebens­rnittel nsw. begonnen habe. Wetter stellt er ausdrücklich fest, daß es sich nicht um einen politischen Streik, sondern lediglich um einen solchen wirtschaftlicher Natur handelt. Auch für wilde Streiks, d. h. solche ohne aus­drückliche Anordnung der Verbandsleitting feien. .

die Gießener Arbeiter nicht zu haben. Um r/°10 beam ten hielten gestern morS^r cme Vcr^amiw Uhr endlich traf Stadtv. Zugführer Simon als lung ab, m ber folgende (5ntjd)11 e Bung <uv Vertreter der nach Franksurt e»tsaudtc»igenommen wurde: Le toite uu LmlerMl ver-

«e Bffl III nd fälligen, daß die Streikposten aufgehoben und IIBI miUHl Arbeitswillige nicht verhindert wurden.

Ob es richtig ist, daß von der Reichs- I regierung Verhandlungen eingeleitet worden Ter ivorslvndLl finb, darüber verlautet nichts. In Berlin soll

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