schert nur mSgNch ist auf ®tunb knltarvffer (Semem- Schaft, and mir oerkenuen di« Beben hing der kulturel« len Sonderheiten für das starke Leben eines Volkes durchaus nicht, aber wir betonen mit besonderem Nachbruck, dah bas deutsche Volk bei allen Unterschieden in i'-'-en Stammeseigentümljchkeiten eine gemeinschaftli^ e deutsche Kultur besitzt. (Beifall.) Was oer öorreöner fordert, kommt einer Zerstörung Preu- gens gleich. Die aber ist unvereinbar mit der Befestigung eines einheitlichen und starken Reiches. (Vereinzelter Widersprach) Man darf sich zur De qrünbung dafür auch nicht auf alte historische Ansprüche berufen. Die alten dynastischen Sünden sind für heute kein Beweis mehr. (Sehr richtig, links.) Tur das, was augenblicklich ist und sein muh, kann überzeugen. Wir wollen nicht zurückschauen, sondern vorwärts. Preuhen besitzt immerhin eine grohe einheitliche Derwaltungsorganisation, mag sie auch eines gründlichen Ausbaues bedürfen, es hat Finanzen, bie sich wieder erholen können, es hat ein Eisenbahnsystem, alles Kräfte, die vernichtet auch eine Schwächung des Reiches bedeuten würde. Wir Vertreter Preu: hens im Staatenausschuh haben stets den Einheitsgedanken vertreten und haben vor einer Ueberspannung oer Sonderwünsche gewarnt. Preuhen hat sich bereit erklärt, dah sein Heer Reichsheer, seine Eisenbahnen zu Reichseisenbahnen gemacht würden. (Es hat die größten Zugeständnisse auf finanzpolitischem Gebiet gemacht. Preuhen kann nun aber auch erwarten, dah, nachdem es sich der Einheit des Reiches so weitgehend zur Verfügung gestellt hat, es eine gleiche Bereitwilligkeit auch von anderer Seite hört. (Sehr richtig, links.) Phantastische Pläne, die nicht aus dem Bedürfnis des ganzen preuhischen Volkes hervorgehen, und die darauf hinauslaufen müssen, Preußen zu zerstückeln, weil dieser ober jener Teil des Volkes es bequemer findet, seine eigenen Wege zu gehen, können wir nicht verantworten (Sehr richtig! Unruhe bei den Welfen.) Verantworten nicht vor Preuhen und verantworten nicht vor dem Reich. Der unglückliche Krieg hat Anlah zu Streit und Iwie- tracht und Eifersüchteleien gegeben. Die Menschen neigen nun einmal mehr dazu, nicht reiner und größer, sondern kleinlicher und gehässiger gegeneinander ,u werden. Aber über diese Wirkung des Krieges hinaus müsien wir den Weg zu einem einheitlichen deutschen Geiste finden. (Beifall.) Lasten Sie daher alles fallen, was die Reibungen und Feindschaften nur noch vermehren würde. (Sehr richtigst Würde man Preuhen zerstückeln und seine Kräfte schwächen, so wäre bas bas schlechteste Beispiel für die Einheit Deutschlands, es wäre nicht ein Weg aufwärts, sondern abwärts, nicht ein Weg vorwärts, sondern zu- rück, ein Weg zum Untergang.
Abg. Vogel-Nürnberg (Soz.): Mit einem Schlage die ganze bestehende Gesellschaftsordnung umzukrem- peln, ist unmöglich. Es gilt, die Schranken zu brechen, die der organischen Entwicklung entgedenstehen, und es gilt, diese Entwicklung zu beschleunigen. Die Sozialisierung kann nur schrittweise, und sie kann nur für ganze Betriebszweige, nicht für einzelne Betriebe • rfolgen. Mit den Bergwerken soll ja schon in aller- nächster Zeit der Anfang gemacht werden. Die Durchführung der Sozialisierung auf internationalem Wege, wie (Eisner in einer seiner letzten Reden noch propagierte, ist ein zu unsicherer Faktor, als dah wir in unserem totalen wirtschaftlichen Niederbruch und bei Verarmung der ganzen Welt darauf unseren Neubau "'-richten könnten. Die gesamten Bodenschätze müsten umgehend in den Besitz des Staates übergeleitet werden, und zwar kann das ohne jede Entschädigung ge« schehen. (Hört! hört? rechts. Beifall bei den Soz.) Das wertvollste Gut der Nation, bie Arbeitskraft, muh unter den Schutz des Reiches gestellt werben. Richt Arbeitszwang, sondern Arbeitspflicht und Sicherung eines gewissen Existenzminimums, Er- roerbs- und Arbeitslosenfürsorge muh gesichert sein. Ein Mindestmah von guter Dolksschulbildung muh für jedes deutsche Kind fichergestellt sein. Nicht nur die Sorge für bie schulentlassene Zugenb, sonbern auch die Pflege und Erziehung der noch nicht schulpflich. tigen Kinder muh auf eine reichsgesehliche Grundlage gestellt werden. Auf dem Gebiete des Derkehrwesens, her Wehrmacht und der Finanzen muh dem Reich die Souveränität zustehen. Einheitlichkeit des Der- lichrswesens und Reichseisenbahnen halte ich im 3m tereste Bayerns, trotz aller Vorzüge des bayrischen Eisenbahn- und Postwesens für richtig. (Hört, hört!) Ob und inwieweit zur Ausschaltung bet Hegemonie Dreuhens eine Zerschlagung Preuhens notwendig sein wird, wird davon abhängen, welche endgültige Lö. hing bie Fragen des Verkehrswesens, der Wehrmacht und des Finanzwesens finden werden, in denen bisher die Hegemonie Preuhens am festesten verankert gewesen ist. Unsere endgültige Stellungnahme zur Präsidentenfrage wird davon abhängen, welche Aufgaben und Befugniste denz Präsidenten zugebilligt werden sollen. Sie werben bies verstehen, dah wir nach den Erfahrungen, bie man in (Englanb unb Frankreich gemacht hat, bie,er Frage mit besonderer Kritik gegenüberstehen.
Hierauf wird gegen 1 Uhr die Weiterberatung bis 4 Uhr ausgesetzt.
Ilm 4 Uhr 20 Minuten werden Nr Verband* fintflcn wieder ausgenommen.
M>g T-r. Beuerle ($entr.): Wir ituUcn in ber baprrvdien BoskSpartti gegenüber den uni- tarifdjen Bestrebungen bie Mfvechrrrhaltunq ber diebhaartiden Interessen gewahrt wissen. Der Parti kulariömu4 wurzelt ncdt tu ReichSgrssnerschuft, sondern in dem Festhalten bet Eigenart dcS eigenen Lmtdes. In dein vorliegenden (Pnt* umrf erscheinen un4 zu weitgehende ZugestSnd* nissc an den UnitariSnrus. TaS bat>cnfcw Delk ist für den UnilarismuS nidtt zu haben, weil es darin immer die Ofcfafrr einer ÄTrvreußnng wittert Die Aufrecht erhal tung M br41)crigeit prvip tzischeu Besitzstandes läßt fid) nicht mehr rechtfertigen
Minister P ren ß ivideripricht der Grundtendenz dieser .Rede.
Abg. Düringer (Teutschnationai': Gegen efroaigt Bläue zur Zerstückelung Preußens er lieben wir schärfsten Einspruch. Wir stehen für Erste ftummern in den Ernzelstaaten rin Wir verlangen eine Sidjerftcllung der dwistlidrn Mirdx turdi Ausnahme von Normativbesriurmungcn in bie Brrfafsum,
Abg Schücking (Dem.': Für das i<’l t bedeutet tvs Versa ssuwr-lverk einr Wiedergeburt cm hiahrbaft deutsdient Geist Die dreijährige Legislaturperivd-? für die Re,d»Smg^n»hlen mSd^ len wir auf fünf Fahre herlämiert wissen. Das gesamte Sd'ul unb Unterticht-wesen muh ein- Brülidl aufck'baut werden kibcitfo müssen nnr im Verftbtt5ioesen nxxh zu größerer Einheitlich- kett ’Bmmnvn.
A1"i Tr. Del-Hvrn ^Selfie) verlcmgt oie VeN'ständiakeit Hannovers.
Preußisd-er ^uftisnttnifrer Heine. Dem Wunsche eines Derlei der hannoverschen Bevoi teruna nach einem seldstSndigen Staat sbeht die viel größere Masse ber sozialdeovkratischcu Vir- bätet' al« Gegner gcgatiUxt.
Hierons Wb bie Deiterbevatmry auf Disrs- tag nachmittag 3 Uhr vertagt.
Schlich 7y, Uhr.
Au» Stadt und Land.
Gießen, 4. Mär^ 1919.
Die MietSschranbe.
Man schreibt uns:
Der Giehener Hausbesitzerverein, ber natur- gernäh nur einseitige Interessen vertritt unb vertreten kann, hat mit seinem Artikel zur Rechtfertigung ber Mietsschraube, bie mehr wie kräftig angezogen wirb, eigentlich gar nichts bewiesen. Tatsache ist, bah bie Bewohner einer Reihe von Häusern auf dem Selters« weg im Juli um je 100 Mark pro Wohnung ge. steigert würben unb jetzt wieber um 260 Mark. (Es handelt sich um Wohnungen, bie 900—1000 Mark kosten unb die also eine Mietssteigerung von 35x erfahren haben, ein Aufschlag, ber ganz unberechtigt ist. Diese Fälle liegen aber nicht vereinzelt. Miels- erhöhungen von 20 - 35 Proz. kamen in ber letzten Zeit so massenhaft vor, bah eine Flucht in bie Oeffentlidjkeit unb ber Hinweis für bie Mieter, bah wir in Gießen ein Miets-Einigungsamt haben, im Interesse ber Allgemeinheit nur gerechtfertigt ist. Dabei haben bie Hausherren währenb ber Dauer bes Krieges gar keine Ausgaben für Reparaturen unb Herstellung verwohnter Räume gehabt. Heber bie Wirtschaftlichkeit von Häusern für den (Eigentümer ist schon viel geredet und geschrieben worben. Daß aber das Anziehen der Mietsschraube in der Weise, wie es in Giehen geschieht, ein entsprechendes Anziehen der Häuser- preise in unserer Stadt zur Folge gehabt hat, wird doch auch der Hausbesitzerverein nicht abstreiten, denn beinahe in demselben Prozentsatz, wie man die Mieten gesteigert hat unb noch steigert, ist auch ber Verkaufspreis der Immobilien gestiegen. Der Hinweis, dah ein Teil ber Bewohner von Mietswohnungen ab vermietet unb sich babei vielfach übermäßige Jim- mermieten bezahlen läßt, ist doch kein Grund, nun eine allgemeine Wohnungspreissteigerung bis zu 35 Proz., wie beabsichtigt fein soll, durchzudrücken. Darüber, ob 10-15 Proz. ein angemessener Aufschlag für Wohnungen für die jetzige Zeit ist, find Zweifel- los die Mehrzahl der Bewohner unserer Stadt, nämlich die Wohnungsmieter und auch bas Mieteinigungs- amt, anberer Meinung als bie Hausherren und deren Vertretung, der Hausbesitzerverein.
Es wäre zu wünschen, daß die Mieter, ähnlich wie die Hausbesitzer, sich zu einer Mietervereinigung zusammenschließen würden. (Ein Mieterverein, ber sämtliche Mieter ober ben größten Teil von ihnen umsaht, kann bie gemeinsamen Interessen besser ver- treten als ber Ecnzelmieter. Aus Mieter-, Haus- besitzerverein und Mietseinigungsamt könnte bann in Fragen von allgemeiner Bebeutung ein Schlichtungsausschuh gebildet werben. Dor dem Kriege hat hier in Gießen bereits eine Mieteroereinigung bestanden, die während bes Krieges aber ruhte unb auch keine Beiträge mehr eingezogen hat. Unseres Wisiens ver- fügt ber Verein noch über ein kleines Vereins- vermögen.
*♦ Aus dem Stadttheater- Bureau. Am Samstag wird als 18. Freitags-Abonnements-Vorstellung die neue "Komödie von Müller-Schlösser, „Der Glücks- kandidat", gegeben. Die Gießener Bühne ist die erste, die das lustige Werk nach dem Düsseldorfer Schauspielhaus zur Aufführung bringt, wie sie desselben Verfassers Komödie, „Schneider Wippel", als eine der ersten gebracht hat. In Düsseldorf ist das Werk mit großem Erfolge bereits 25mal in Szene gegangen.
** Postverkehr mit der belgischen Vesahungszone. Der gesamte Paketverkehr sowie der Privatbriefversand und Briefverkehr nicht eingetragener Firmen »wischen der belgischen Besatzungszone und dem unbesetzten deutschen Gebiet ist in beiden Richtungen vorläufig gesperrt.
** Einschränkung ber zweiten Wagen- klasse. Infolge Abgabe einer großen Zahl von Personenwagen 2. unb 3. Klasse an bie (Entente unb bes badurch entftanbenen Mangels an betriebsfähigen Wagen bieser Gattung ist, wie bie Eisen- vahnbirektion Berlin schreibt, damit zu rechnen, bah in nächster Zeit die 2. Wagenklasie in einer Reihe von Zügen fortfallen muß unb bah bie 2. Wagen- klasse auch in ben übrigen Personenzügen nicht immer Dorganben sein wirb.
*♦ Besitzwechsel. Beim Berkaus des Pfaffschen Anwesens in der Liebigstraße betrug der Kaufpreis nicht 61000, sondern 65 000 Mark.
♦♦ Der Volksbund zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivtlge- f a n g e n e n veröffentlicht in unserem Blatte einen Aufruf, in jeder Stadt, jedem Dorf sofort Ortsgruppen zu gründen.
"Schwarz.Weiß-Lichtspiele, Seltersweg81. Von heute bis Freitag, 7. März, kommt bas Drama „(Erträumtes* mit ber jungen Künstlerin Eva May in ber Haupttolle zur Aufführung. Auherbern wirb noch bie breiaktige Detektiv-Groteske „Die liebes- volle Detektei* geaeben.
Starkenburg und Rheinhessen.
Darmftabt, 3. März Aus Rimbach i. 0. wirb eine schwere Bluttat gemeldet. Der auf bem Gutshofe Litzelrimbach bei Rimbach wohnenbe 2anb- wirt Abam Helfrich erhielt am Samstag abenb gegen R Uhr ben Besuch einer zweifelhaften Gesellschaft von 10 Personen, bie angeblich beabsichtigten zu Hamstern. 2Tte ber Lanbwirt aber erklärte, baß er nichts abgeben könne, fiel ein Schuh aus einem Revolver, ber ihn in den Kopf traf unb sofort tötete. Auch bie Frau soll schwer verletzt sein. Die Danbe brang bann in bas Anwesen ein unb raubte, was ihr in bie Hänbe fiel, vor allem bas vorhanbene bare Gelb, unb bann Lebensrnittel aller Art, insbefonbere Schinken usw. Die Danbe verschwanb in ber Richtung nach Mörlenbach, konnte aber schon am Sonntag früh zum Teil mit ben Lebensrnitteln festgenommen werden. Wie wir noch erfahren, ist ber größere Teil ber Danbe jetzt bei ben Unruhen in Mannheim burch bie Spartakisten aus bem bortigen Gefängnis entlassen morben. Der Staatsanwalt sowie bas Gericht stellen die nötigen (Ermittelungen an.
Hessen Nassau.
Tic Sladtvcrordactcllwühlca in Frankfurt.
Frankfurt a. M, 3. März. Nach ben bisher oorliegenben Meldungen sollen bie Sozialdemokraten iMehrheitssozialdemokraten unb Unabhängige) 41, bie Demokraten 24, Zentrum 12, Deutsche Volks- Partei 10, Deutsch-National.n 6 unb bie Mittel- Itänbler 3 Sitze bei ber gestrigen Stabtoerorbneten* wähl erhalten haben. Jn ben Vororten mit starker mbuftrieOer Bevölkerung haben bie Sozialdemokraten bie überwiegende Mehrheit errungen, dagegen haben
in den mittleren unb kleinen Städten bes Nassauischen Landes, soweit bie Meldungen bisher vorliegen, die Bürgerlichen bie Oberhand
= Jöppernt t., 2. Mary. Unter Futterrüben versteckt entdeckte der hiesige Arbeiter» unb ©aucmruX in einem (äfenba^roagen etwa S 0 SackMehl, drefftrdie Frankfurter Ansmltsver» rrraüimg Düttenmühle bestimmt waren. 3rmet wurde in der Nacht zatm Freilos das Auw der Anstalt dabei erwischt, als es mit reichen Wurst» Vorräte« beladen von einer damstzersahrt aus der Wetterau brimfrbrte.
Tie neue Schule.
** In der Freidenke rvereini- g u n g Gießen sprach gestern abend im Saale des „Großherzog von Hessen" verr Neuendorff, Leiter der Dürerfchute in Dochwaldhausen, über das Tbema: „Neue Ziele der Jugenderziehung und die Einheitsscbule". Jetzt, wo die Blüte unserer wehrfähigen Jugend geknickt oder in ihrer Entwicklung gehemmt darnieder liege, müsse neben dem wirtschaftlichen Aufbau Deutschlands mit fast noch zwingenderer Notwendigkeit die Neugestaltung der inneren Kultur in Angriff genommen werden. Als die nagenden inneren Schäden der alten Zeit stellte der Vortragende den Materialismus hin, der unser ganzer- Volksleben verseucht habe, und den ideenlosen Verwaltungsapparat, der Aufstrebendes zu Boden gedrückt habe. Nicht ohne Schuld am Zusammenbruch sei auch die Schule gewesen, da ihr der jugendliche Geist gefehlt hätte. Die viel erörterte Einheitsschule werde ihr Ziel^ den Aufstieg der Begabten verbunden mit dem Ausgleich sozialer Gegensätze nie erreichen, solange nicht die Verwandlung der Unterrichtsschule tu eine Lebensgemeinschaft ermöglicht werde. Eine wichtige Aufgabe der Schulgemeinde bestehe darin, zwischen Schule und Familie eine Brücke zu schlagen und Besprechungen über Schuleinrich- tungen zu ermöglichen. Und es sei schließlich noch darauf hingewiesen, daß der Redner in seinen Ausführungen u. a. des Theaterspie- lens als eines guten Bildungsmittels der Schule gedachte. — Wie zu erwarten, waren die verschiedenen ebenso interessanten wie aktuellen Probleme, die der Vortrag aufrollte, Gegenstand lebhafter Diskussionen. Vor allem fehlte es, namentlich von feiten hiesiger Schuldirektoren, nicht an einer entschiedenen Stellungnahme gegen die Bewegung, die in den Novembertagen von der Dürerschule in Hoch- waldhausen ausgegangen war.
Darrn stabt, 3. Marz. Die stäbttjche Verwaltung hat ben Stabtoerorbneten zur Reuarbnung bes Schulwesens eine Vorlage unterbreitet, welche u. a. auch eine Denkschrift bes Oberbürgermeisters enthält mit Anträgen zur Hebung bes Volksschulwelens, Ausbau ber Mittelschulen in eine neunstufige Anstalt, Vermehrung ber Freistellen, freie Lehrmittel unb ein Umerhaltungskastenzuschuß bei ben begabten Kin- bem. (Es soll eine Kommission berufen werben, bie aus Vertretern ber Schule unb bes praktischen Lebens, bie zu ben (Bebanken ber Denkschrift, insbefonbere zu folgenden Vorschlägen Stellung zu nehmen hat. 1. Errichtung einer Dersuchsschule innerhalb ber Vorschule, in welchen begabten Kindern eine abgeschlossene vertiefte Bildung gewährt, unb praktijch veranlagte Kinder besonders technisch unterrichtet »erben sollen. 2. Die allgemeine (Einführung von Differenzierungsklassen in der Volksschule, entsprechend ben befonberen Cem* und Unterrichtsbedingungen. 3. Pflege bes Werkunterrichts in den Volksschulen. 4. Ausstellung der Volksschule nach ber Seite ber Hygiene unb Pädagogik, ber Klaffenzahl, Klaffen- und Zuhörerräume. In dem Dortrage, ben der Oberbürgermeister am 27. Februar zur Information unb (Einleitung ben Stabt* oerorbneten erstattet hat, finb folgende Richtlinien aufgestellt: 1. Die Hebung ber Volksschule als eine soziale, ethische und unterrichtliche Notwendigkeit, er* gibt sich in Uebereinftimmung mit bem neuen Der» saffungsenttvurfe, für bas beutsche Reich als bie Folge eines Schulorganismus, welcher ber Volksschule als Unterbau eigenwertige Aufgaben zuweist. 2. Bei ber neuen Schulorganisation sollen für ben Unterricht bie Gesichtspunkte ber Selbsttätigkeil ber Schüler unb bes individuellen Unterrichts- betriebes beachtet werben. Nicht nur bie Begabten, sonbern auch bie Schwachen sollen in einer Unterrichtsmethode geförbert werben, welche auf die große Differenz in ber Dildungsfähigkeit ber gleichaltrigen Schüler Rücksicht nimmt. 3. Die ganze Volksschule soll gehoben werben. Das zukünftige Verhältnis von Volks- unb Mittelschule soll Gegenstand besonderer Beratungen sein. Der Oberbürgermeister empfiehlt bie Verschmelzung ber Stadtschulen unb ber derzeitigen Mittelschulen als die grundsätzliche richtige Lösung. 4. Das Berufsleben soll unter Berücksichtigung ber Fähigkeit zu befonberer Geltung kommen.
turnt« unb Sport.
** Männer-Turnveretn Am Samstag hielt der M.-T.-B. im Vereinsheim Zffohler nach drei Jahren zum erstenmale wieder eine ordentliche Mitglieder-Ver- s a m m l u n g ab. Di« während des Krieges abwechselnd den Verein leitenden Turner A. Bindewald und E. Lang berichteten über die Vereinstätigkeit, während W. Weis den Turnbericht erstattete. Den Heldentod fürs Vaterland starben 42 Vereinsbrüder, darunter der 1. Sprecher, R.-A. E. Kaufmann, und der 1. Schriftführer, Lehramts-Ass. Müller Die Neuwahl des Vorstandes hatte folgendes Ergebnis: Gg. Kling 1. Sprecher, E. Lang 1. Schriftführer, Gg. Dreher, Rechner, W. W e i s 2. Sprecher, Th. S p a tz 2. Schriftführer, E. Müller 1. Turnwart, H. Thöt 2. Turnwart, Fr. Wenzel Zeugwart, Gg. Todt Gegenrechner. Gg. Zörb Fechtwart, C. Bernhard Sptelwart, E. Bürck und R. Leisler Beisitzer.
** Der Turnverein von 1846 hielt am Samstag seine Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende begrüßte die Erschienenen und gedachte der für das Vaterland (yestor- benen und der Toten des letzten Jahres. Der Jahresbericht wurde genehmigt und der Rechner entlastet. Der Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: Sprecher: W. Erle, Hch. Bieber: Turnwarte: Karl Erb, Paul Renger: Schrift- ivart: Hch. Wahl: Rechner: P. Treuke: Bei- schor: Ä. Schwab, Fr. Bellof und Aug. Loos.
Der Turnwart berichtete, daß am Sonntag den 9. März, vvrm. 9 Uhr, die erste Turnff stunde für die Männer-, Jugend- und SchL- lerriegen stattfindet Weiteres darüber roub noch im Anzeigenteil bekannlgegeben.
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde.
'Mttttooch, März, abbs. 6: Pchsionsar, dacht m bet Zohanneskirche, Pf Bechtolsheirner.
Letzte Nachrichten.
Das Zozialifierungsgesttz.
Berlin, 3. März. (WTB.) Die Reicksregiemng Na: beschlossen, dem SlaatenLuSjchuß sofort ihre Enttvürfi? zu emrm SozialisierungSgesctz und zu einem Gesetz über die Kohlenwirt- f dia f t zur Einbringung an die Nmünuttversamm- Lung Dcrbulegm. Im väurourf eines Sozmlisie-' rungsgesetzes heißt es: Al. Jeder Deutsche hat seine geirrigen und toryerlidxm Kräfte fo yi betätigen. w es das Wech! der Gciamthcit von ürh fordert Die Arbei.skraft als Höch tes öin» schastsgut der Nalro-n steht unter bent Schutz des Reiches Das Reich gewahrlers« jedem Deuftchen die Möglichkeit, durch eint seinen Fuü.gieüen ent* iprettienbe Arbeit sein Leben zu unterhalten. 3» weit er A.rbcusw.lei»enhrtl nicht -u finden vermag, wird ihm nach Maßgabe eines besonderen ReicüSgesetzes der.Unterhalt an5 öffentlichen Mitteln gewährt, ff 2. Wirtschaftliche llntmieitmunflat und Werte prsbesondere Bodenschätze unb Naturkräfte, an die deutsche Genu in wirtschaft zu überführen, sowie die Derstrlln " und Untei- iaintnq der wirtschaftlichen Güler für die deutsche Gemeinwirtschaft Utgunsten des Reichs, der Gliedstaaten, lSemeinden oder Gemeftcdeverbände zu regeln, ist Sache des Reiches. § 3. Tie putsche Gemein, wirtschaft wird von wirtschaftlichen Selbst* vermaltungsförpern geleitet "Lee Selbstverwal- ttmgslörper werden vom Reich beaufsich:igt. Das Reich tonn sich bei ber Durchführung der Aufficht der Bcchörden der Gtiedsmatcn bebiennt. A 4 In Ausführung der im § 2 dotyricIrenen Befugnis ivird ungesäumt durch besonder^' ^ ichSgesetz btt? Ausnutzung von Brennstoffen, Z^.i scrkrästen und frnftigen natürlichen EnergiegueUen unb von der aus ifcncn ftammniden Energie Etiergieivirtschaft) nntf; gemeinwertschastrichen Gesi'.üsvunften oeran- laßt. Zunäcbtt tritt für das Xcnyebiet ber Koh- lenwirtschait etn Gesetz über die .stegriunq ber Kohlenwirtschaft gleichzeitig mit diesem (Befett in Kraft
Das ber Nationalversammlung zugehende Gesetz wirb morgen veröffentlicht.
Die Pcrbanblnngen in Svaa.
Berlin, 3. März. Sitzungsbericht ber Waffen. ftiOftanbskommiffion in Spaa vom 2. März. Auf bie ftühere beutsche Anfrage, ob bie Nachricht, baß Ge. nerat Liman von Sanbers in Konstantinopel vor ein Kriegsgericht gestellt worben sein soll, ben Tatsachen entspräche, teilte General Nubant mit, er habe eine Bestätigung bisher nicht erhalten. (Es sei ihm in dieser Angelegenheit nur bekannt, baß Liman von Sanbers sich zur Zeit auf Malta definbe. Dann überreichte Nubant eine Note, in ber über mangelhafte Ablieferung ber lanwirtschaftlichen Maschinen unb bie Einstellung ber Kohlentransporte aus bem rechtsrheinischen nach bem linksrheinischen Gebiet Klage, geführt wird. Nach ben Erwiderungen ber brutschen Vertreter übergab bie deutsche Kommission den Alliierten ein Gesuch bes Ientralvereins für bie deutsche Lederindustrie, in bem dieser bittet, baß fertiges fieber aus bem besetzten Gebiet in bas unbe- setzte zurückgebracht werben darf, wenn die Nohwar» aus bem unbesetzten Gebiet stammte
Zum Generalstreik in Berlin.
Berlin, 3. März ,(WTB.) Aus Grund eines BefdUusses der Vorstände in der int deutschen Bannt en bunde zu scumnenges M ossrncn verbände (darunter die Bcrhäude der Eiienbayn- und Bostbeamtetc' lehnt der deutsche Beamtenbund den Eintritt in den allgemein« Beamtenstreik al» 6kgmmn6na(jmif itcgcn den Generalstreik der Arbeiter ab. tlnd ttttt der deutsch Beanrtcnbund nicht in den Streik im Anschluß an einen rtivaizen Büraerstnik. Ein besonderer Aussdmß des deutschen ÄaintenbundeS ist ermächtigt, etwaige weitert Maßnahmen yt treffen
Im „Vorwärts" wird auf bad bestimmteste versichert, daß die Möglichkeit bestehe, die Ausbreitung der .Unruhen in Berlin zu verhindern. In mehreren Fällen sei der Einfluß nc^fthen Geldes und russischer Agitation fest-'
Schlimme Vorgänge in Halle.
Leipzig, 3. Märtz. (WTB.' Neber Mr Vorgänge in .Halle veröffentlich die Leü»° Higer Bolkeftcinmg eine längere larftrllima, der wir folgendes entnehmen: Am Sonnabend um 2 Uhr nachmittags rückten die Regierung-- truppen in Stärke vvn vier Kompagirien unter Führung des (Enteralmaiors> Maerker von Mrrieburg her in volle ein und befttzban die Ar» tiflcrirfafemc und den Bahn hol tarnt Ixmtäcb» 1'9 cn i- sich d r 'Bwl urt? branff-u bi- zum Marktplatz vor. Als dort ein größerer trupp den- Dersuch machte, die rote Fabne vom RatbauS herunttr^uholen, scürztt sich dte erregte :stdenge ans bk <90[baten, entriß ihnen die ftkinehre, worden Maschtttengewehrwagen in die Saale. Ear Auto mit zwei Offizieren wurde umgestürzt. Ein; Offizier wurde in die Saale gewvrton, wv cv ertrank. Heftig? .ikänttch- wurden Sonntag tagsüber und in der Nacht zum Mvntag geführt, die jidj namentlich zwischen der Post und dem Ttvarcr, daS von Malrvten besetzt war, absvieftcn Die Regierungstrupven verlncntdeieu bei diesen üämpfi-n Mrnenwerfer Um 1 Uhr morgens war dte militärische Lage in Halle 'wlltommen vev» worren. Die Stadt litt fürchterlich Jn den gr>- den GeschöftSsttaßen .rmrden die Geschäfte völlig auAgevlünbcrt. Ga nze Warenhäuser sinc» bis unter das Dach ausgcrauvt. Berg' von Gtosft^itteru, Berpackungsmitteln, Maschen, Scderben unb Waren teste liegen in den Strahen Noch in der Nacht zum Thontag itrnrrn die Plünderer eifrig an der Arbeit Die ftie-cl.ist<stras>en bitten ein unbeschreibliches Bild Biele Zivilisten haben während der Ereignisse da^ Uctm verloren
Weimar, 3. März (WTB.) Heute lst in Weimar ein Zug ans Wittenberg eingetroffen, der ben Weg über Halle nehmen konnte. Der Pan- lamentsjug hat heute noch einmal ben Weg über Chemnitz unb Gera eingeschlagen
Wilson- Nlicklkbr noch Europa.
Amsterdam, 3. März. (WTB) Laut Reuter wirb Wilson am 13- ober 14. März in Brest landen unb herauf sofort bie Arbeit im ZufammenhanG mit dem Präliminarfriebensvertrsg beginnen.


