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4.2.1919
 
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159. Jahrgang -

GichenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Ittrirb, Ihr fernerhin sorgen werdet, das; Ruhe und Ordnung in Berlin erhalten bleiben."

vrockdorff-Rantzau über die deutschen Kolonien.

Berlin, 2. Febr. (WTB.) Der Staatssekre­tär des Aeußern Graf Brockborfs-Nantzau äußerte sich gegenüber dem bringen Vertreter der Chicago Daily News" zu der Frage der deut­schen Kolonien wie folgt: In diesen Tagen wird in Paris über die deutschen Kolonien ver­handelt. Unsere F.i ide sind daniit beschäftigt, die deutschen Schutzgebiete, deren sie sich unter Bruch internationaler Verträge uni), unter Poisgalx wesentlicher Interessen der weißen Rasse bemäch.ig. haben, untercirander zu verteilen. Ein allerdings unbr^aubigtes Reuterteb'g^amin rne'det sogar, daß Piä id nt W il son die au st a tische fR<gv.rilig ansgeiordert habe, ihre Rech sgründe sür u/* Be­setzung der deutschen Kolonien in der SüÄee dar- zulegen. Deutschland kann nicht zngestepcm, daß über sein Eigentum ohne seine Zustimmung ver­fügt wird. Rech.sgründe für den Raub, der an ihm begangen wurde, erkennt es nicht an. Es ver­langt, bei der Neuordnung der dacrschast der neißen Rasse über die tropischen Gebiete und bei der Verteituna ihrer Erzeugnisse ^gelassen zu wer­den. Der fünfte der 14 Punkte Wilsons bezeichnet als Aufgabe des Weltfrichens eine freie, weiL- b.e.rjige und unparteiis che Schlich- ler kolonialen Ansprü che, bei oeMnir Interessen der eingeborenen Bevölkerung gleiches Gewicht haben müssen wie die berechtigten. .Fordernr^gen der Regierung beten Rcchlsauspiuch '«uftfofoniaTe SouEmN. Ä"icffg'stellt werden fo-t. 'Während der Pariser Beratungen l>at der Präsi- deut sodayn, wemi wir zutreffend berichtet sind, «:n Grundsatz vertreten, daß die Kolonien unrir eine, internanonale' Kontrolle gestellt werden sollen.

Deutschland hat vor Annahme der Waffenstill- standsbedingungen die 14 Punkte Wüsons an­erkannt. Auch die Eitteitte hat diese Punkte, ürs- besondere den fünften, ohne jede Einschränkung an­genommen. Deutschland geht davon aus, daß der Grundsatz der internationalen Kontrolle auf die Kolonien aller Mächte des europäischen Kultur­kreises Anwendmrg findet. Zwar versucht England durch ein verleumderisches Blaubuch die deutsche Kolonialherrschaft als unerträglich dar;ustellen-, dieser Versuch muß jedoch schon an- dem Zeugnis scheitern, das die ersten Geister Englmchs über die kolonisatorischen Sünden ihres eigenen Volkes ab­gegeben haben. Wir Deutschen sind fern davon, leugnen zu wollen, daß in dem knappen Menschen­alter, seitdem Deutschland Kolonialpolitik betreibt, Mißgriffe vorgekommen sind. Wir behaupten nur, daß sie nicht entfernt an die Verheerungen herair­reichen, die andere kolonisiersrde National in den Ansängen ihrer Tätigkeit veranlaßt haberr. Wir tzännen uns aut eine große Anzahl von Zeugnissen fremder Besucher berufen, die bis kurz vor Aus­bruch des Weltkrieges die deutsck-e Verwaltung in den Schutzgebieten gerühmt und als Muster hin­gestellt haben. Das deutsche Volk hat die Befähi­gung zu kolonisatorischer Arbeit in Asien und Afrika erbracht. Jedenfalls hat es wie jedes andere große Volk Anspruch auf Teilnahme an den Erträg- Lnssen der tropischen Zonen und an der Beivirt- schaftung der Gebiete, aut denen sie gewonnen werden. würde also auch für den Fall, daß sämtliche Tropenkolonien unter internationale Kontrolle gestellt werden sollten, eine angeinelfene territoriale Beteiligung an der Verwaltung des gesamten tropischen Kolonialgebi'ws verlangen. Wenn Frankreich, England und Belgien nach den Aitungsberichten über den Gang der Pariser Ver­handlungen den Plan verfolgen, die deutschen Kolonien unter sich zu verteilen, so entfernen iie sich damit von den Grundsätzen, auf denen der Völkerbund im Sinne der Wilsonschen Botschaften errichtet tocrden kann.

Es liegt nicht im Interesse der Dölkergernein- schaft, daß England bei jedem europäischen Kriege, an dem es teilnimmt, Kolonialbesitz einheimst, wie ihm das seit 200 Jahren regelmäßig gelungen ist. Es liegt nicht im Interesse der Völkergemeinschaft, daß Frankreich seinen Kolonialbesitz, dem es schon jetzt wirtschaftlich und bevölkerungspolitisch nicht ge­wachsen ist, immer weiter ausdehnt, um ihn seinen Finanzleuten durch künstliche Absperrung der übrigen Nationen ausschließlich vorzuenthalten. Die natur. licheEntwicklungMittelafrikas drängt zurInternationa- lisierung. Es ist anzunehmen,daß die einzige große Kolonie der afrikanischen Nasie, der sogenannte schwarze Gürtel von Nordamerika, künftig in immer engere Beziehungen zu dem Mutterlande treten wird. Die kulturellen Fortschritte, die die afrikanische Naße unter dem Einfluß der großen Republik des Westens ge- macht hat, werden ihre Rückwirkung auf das Mutter­land ausüben, und die amerikanischen Einflüße, die sich vor dem Kriege im wesentlichen auf ganz Liberia beschränkten, werden ganz Westafrika ergreifen. Einem aufmerksamen Beobachter konnte es nicht entgehen, in welch starkem Maße die Beziehungen des nörd­lichen Amerikas zu dem westlichen Afrika sich während des Krieges verdichtet haben. Amerikanischer Handel und amerikanische Schiffahrt haben den Platz besetzt, der infolge der kriegerischen Inanspruchnahme europäischer Nationen offen geblieben war. Es ist nicht einzusehen, weshalb Afrika unter europäische Mächte territorial aufgestellt werden soll, die keinen anderen Erwerbstitel als die völkerrechtswidrige Er­oberung für sich geltend machen können, während andere Nationen an der Ersä.ließung des verteilten Gebietes mindestens das gleiche Intereffe haben wie sie.

Nicht das ist das Ziel der deutschen Kolonial- Politik, daß alle Kolonien tropischen Charakters un­mittelbar unter eine internationale Regierungsgewalt gestellt werden; vielmehr erscheint auch uns eine an­gemessene Zuteilung der Kvlvnia^gebiete an einzelne Vlationen w Verwaltung unter eigener Verantwsr»

Vie Tagung

der Nationalversammlung.

Die Berliner ,FZolksbeauf trag den" und vre Fraktionen sind bereits in Weimar ein- getrosfen. Leider gehen wieder Befürchtun­gen um, bte Spartakisten planten Putsche, unb in Weimar selbst fdjeint bei ärtrick-r Sol­datenrat nicht gerade ein Hort der Sickierheit ul sein, beim er hat gegen bie Verstärkung der Garnison mit regierungstreuen Truppen ganz unvernünftig Protest erhoben unb kleine Abteilungen sogar verhaften lassen, die allerdings nneber freigelassen worden sind. In Bremen ist ein Kompromiß geschlwsfen werden, wonach dort die Regierung inpari­tätischem Sinn" ausgewechselt wird: Zwi- sclienfälle sind aud) dort.nach immer nicht aus- 8<ch^ssen. Einigermaßen, beruhigend ist es, daß bie Berliner Vvlksregierung energische Maßnalnnen getroffen und in Aussicht gestellt hat gegen jeinvebe Störung der Orbnung. Jn- zivischen hat diestiote Fahne", das Organ der Spartakisten, das feit dem 16. Januar gestern zum crsteümal wieder erschienen ist, ein bißchen /Rückzug geblasen.

»Ne MäÄ)tergreifüng durch dasProletariat und die Durchführung des Sozialismus hat zur Voraus fetzung, daß die überwicgende Mehrheit^des Pr.ole- tariats sich zum Willen hindurchringt, 'die Dikta­tur zu ergreifen. W^r glauben nicht,*daß bie« fer Äugend lick schMr gekommen ist. . Wkd glau-' den, daß tP^'Entwickktng,. ir8r nächsten Wochen un -5 Monate 'erst>das Proletariat als Gesamtheit zd der Auffaffung wird heranreifen kaffen, daß nuu in seiner Diktatur sein Heil liegt Die. Regier ning (Ebert - Scheidemann^ .lauert auf die Ge^ ^egenheit, diese EntwickluH»^^ Blut zu ersticken-' 'Das Proletariat hat diLMsicht, diese Provokgtton zu Schanden zu machen,«n es vermeidet,'in.be- waffneten Aufständen den Henkern Opfer freiwillig anzubieten. Es gilt vielmehr, die Geister bereit zu machen für die kommende Stunde. Dor allem ist Überall auf Neuwahl der Arbeiterräte zu bringen unter der Parole: Heraus mit den Ebert-Scheide- männern aus den Arbeiterräten, heraus mit den Henkern."

Hoffen wk, daß bkMeister über bie ßfcifter" denn doch in einem anderen Lager sitzen werden! WelckZe Regierung wird wohl an die Stelle derjenigen von Ebert und Scl>eidemmrn treten? Die amtliche .Korre­spondenz der demokratischen Partei schreibt dazu:

Es ist an dieser Stelle wiederholt ausgeführt worden, daß es wünschcitswert ist, Regierungs- und Mehrheitsbildung aut so breite Grundlagen zu stellen wie nur irgend möglich. Es ist zu hoffen, daß Mehrheitssozialdemokratie, Deut- scheDewokratie und ChristlicheVolks- p a r t e t sich daran beteiligen werden. Gewiß ge­nügen auch sozialistische und Deutsche Demokratie zu einer sicheren Mehrheit. Wo aber Entscheidungen folgenschwerster Art über die deutsche Zukunft ge­troffen werden müssen, da sollten bie weitesten Volkskreise zur Mitverantwortung herangezogen Werden, soweit ihre Vertreter dazu bereit sind.

Der Friede wird, auch wenn es gelingt, ihn im Sinne der Wilsonschm Forderungen auszuge­stalten, für uns bitter schiver. Soll ihn eine Mehr­heit verantworten, die vielleicht nach einem halben ' Jahre eine Minderheit ist? Der Neuaufbau des !Reicl>es rührt Probleme von gewaltiger Tiefe auf: U n i t a r i s m tt s, Föderalismus. Parti- k u l a r i s m n s! Noch sieht man überl)aupt nicht, wie aus dem Meinut'.gschaos, .auch nmerhalb ein­zelner Parteien, sich ein fester Mehrheitswille in der Nationalversammlung bilden soll. Und doch muß es geschehen! Die Minder­heit muß sich der Mehrheit, fügen, zunächst innerhalb- bet einzelnen Parteien, dann in der Vollversammlung des deutschen Bolkshauses. Ge­rade hier tut es not, bie Christliche Volks- Partei in weitem Umfang? zur Mitarbeit und Mi'verantwortuiig hermr-uriehen: nur so sch ütt uns bne Einheit der jungen deutschen Republik wirklich fest Deranflert."

Es nnrb nicht ganz einfach und leicht fern, biefen Gedanken praktisch zu Venvirk- lichen. Bei so vielen, unterschleblichen Mei­nungen auch außerhalb der Parteiprogramme Wird es eine zeitlang bauern, bis eine Klärung eintritt. Der Parti kularismus wird sich zu verstecken fudjen und öfters ein anderes Mäntelchen um hän­gen. Die großen Fragen der Reichsver- terfaffung müssen im Grundsatz geklärt unb gelöst werden, unb Hand in Hand bamitwirb die Einsetzung der Reichsregierung erfolgen, die mit festem Griff die Belange des Reiches festhalten muß.

Berlin, 3. Febr. (WB.) Nach der A. a. M." sind heute vormittag die Volk s- veauftragten vom Anhalter Bahnho-f zur Narionalversammlung riach Weimar abge- teift. Die repub ikanischm SäMtztrupp.m sieten auf dem Bahnhof das Ehreirbataillvn. Bolksbeauftragter Ebert hielt an das Ba­taillon folgende Ansprache:Kameraden! Im Namen der Reick)sregicrung baute ich Euch für bte aufopfernde Tätigkeit der letzten Wochen und hoffe, baß, während wir in Wei­mar bas Werk vollenden wollen, bas zum Degen des touljdj&u Bolles gereich»

Ihing als bie beffere Losung, lieber ber Verwaltung ber einzelnen Staaten muß aber eine Kontroll- instanz bes Dölkerbunbes stehen, bie bem star­ken Ausbeutungsintereffe bes Mutterlanbes bas Menschheitsintereffe ber wohlwollenben Behandlung der eingeboienen Bevölkerung gegenüberstellt.

Neue Forderungen Frankreichs.

Paris, 3. Febr. (WTB.) DemEcho de Paris" zufolge beschloß bie intern ationale Waffen st illsta ii dsiommissiou in 6m eine _ ausreichmd beglaubigte Delegation nach Deutschland zu senden, um bie Herausgabe des beschlag.lahmlen und ber Entente g« hörigen Eigen­tums zn sichern, ba trotz bes Ablmnmens vom 13. Dezember 1918 Deutschland sechs Wochn spater noch nicht bie geringste Erklärung darüber abgegeben Hal«, aus welche Weise es eine Heraus­gabe ins Werk zu setzen gebende, llcbrigens teilte G r a f B r o ck b o r f s - R a n tz a u ber Kommission mit, er verweigere den alliierten Uittersuckmugs- beamten das Paßviinm, unb die deutsche Regie­rung gibt bekannt, baß sie auf ihrem Standpunkt hinsichtlich ber beschlagnahmten Güd:r von Deut­schen in.Elsaß-Äothringen beharre. Es ist Ivahr- scheiirlich, baß sich die Kommission in Spaa hier­über äußern unb dafür Sorge tragen wird, daß ihre Abmachuitgm beachtet toerren.

Der Nachfolger Winter'seldt».

Berlin, 3. Febr. (WTB.) Als Nachfolger des Generalmajors v. W i n te r f e I b t als Vor­sitzender bet Wafsenstillstandskommi sim wurde Ge­neral Freiherr v. Hammer st ein, zur Zeit Abschnittskommandeur in Wesel, berufen.

Tie VerkehrSsperre zum besetzten Gebiet.

Frankfurt a. M., 3. Febr. (WTB.) Das Zlvilkommiffariat teilt uns mit, daß durch vereinzel­tes Auftreten oon Fleckfieber in einzelnen Städten des besetzten Gebietes die ftanzösifche Besahungs- behörde sich genötigt gesehen hat, den Verkehr von Zivilpersonen nach dem besetzten Gebiet zu sperren. Der lokale Arbeiter- und Schülerverkehr wird hiervon vorerst nicht betroffen und bleibt in den bisherigen Grenzen bestehen. Auf Grund dieser Be- |timmung ist es völlig zwecklos, Gesuche zur Einreise m das von den Franzosen besetzte Gebiet, und seien die Gründe auch noch so dringender Natur, vorzu- legen.

Die Berner Sojiaiiftenfonferenj.

Paris, 3. Febr. (WTB.) Havas. Auf der Versammlung ber interalliierten Ge­werkschaftskonferenz erklärten die ame­rikanischen und belgischen Vertreter, sie würdeir nicht nach Bern gehen, sondern in Paris bleiben. Die Zcät sei nötig, um die Jnter- alliierten-Konferenz vorzubereiten, aber sie würden mit den Deutschen erst nach dem Frieden verhan­deln, auf 'alle Fälle aber würden sie durchsetzen, daß in dem Friedensvertrage Bedingungen ein­geschaltet werden, die den Interessen der Arbeiter aller Länder entsprechen. I o u h o u r erklärte, es sei unmöglich, bte Interalliiert eit-Konferenz in Paris zustande zu bringen vor der Konferenz in füern. Er fügte hinzu, nach ber Niederlage der Zentralmächte ober nach ber Revolution ihrer Völ­ker sollten die amerikanischen Vertreter der Inter- nationalen Gewerkschastskonserenz beiwohnen, die sie einst als Vorspiel ber Friedenskonferenz ge­priesen hatten. Jouhoux bedauerte bie Weigerung ber Amerikaner und Belgier und erklärte, der Wl- aemeine französische Strbeitcrbunb werde zur Kon­ferenz nach Bern gehen.

Die schweizerischen Sozialdemokraten und die Berner Konferenz.

Bern, 3. Febr. <WTB. Ausführliche Meld.) Der außerordentliche sozialdemokratische schweizerische Parteitag war mir von 362 Delegierten aus 180 ©et-ionen von insgesamt 565 ©ehtonen besucht, dazu 3.9 weiteren Siimm- berech ig:en aus der Geschäf süirimg ber Natioi'al- fraftün. In einem Antrag.' d s Parteivorstanbs wirb erklärt, daß es von höchstem Interesse für die Zukunft der Arbeiterfsasse d.w Welt erachtet werde, daß die Einigkeit gegenüber dem Welt- kapiwlismus gewahrt werde. Trotz der durch den Krieg berborgenif.nen takti'chm Mrinuitgsver- sch.edenheiten hält der Parttivorstand die Beteili­gung an der in t er nationalen Kon serenz für geboten, wobei bie sch.oeizerischen Delegierten die Grundsätze des schiorizerischeit Parkeipt'v- gramms btfürroorten sollen. Der Antrag wurde vom Naiionalrat Greulich und aicberen unterstützt. Ihm gegenüber stehl eia Antrag Schneider (Bafel), ber festftellt, daß die sozialdcmokraäsch; Partei ber Schiveiz aus bem Boden des Klassen­kampfes und ber internationalen Solidarität des Proletariats gegen die iviber die Arbeiterklasse ver­bündete Bvucgoi sie steht. Diese muß sich im Krieg unb Frieden als Grundlage ber Verwirklichung der sozialistischen Ziele bewähren. Die sozealdemokra- li-che Partei ber Schweiz versuchte aus eigener Initiative, bie Ginberufungm internationaler Kon­ferenzen zu unternehmen ober durch das Inter­nationale Bureau in Brüssel zu erwirken. Diese fd).i:erten jedoch an dem Widerstand der sozialisti- scb.n Mrhrh.i sparteie i i>.T fricgfüljrenben Länder. Die Partei lehnt es entschiedeil a b, sich an ber Organisation der Konferenz zu beteiligen, die nichts loci ter ist als eine im Widerspruch zu den proletarischen Interessen stehende Fortsüh'.ung der während bs Kriegs befolgten fw'iidjen Richt­linien. Sie beauftragt die Geschästslriking, sosort eine Konferenz aller auf dem Boden des Klassen- kamries stchenden sozirlistischen Parteien rinzu berufen, zwecks Wri.ersührung ds in Kienthal und Zimmerwald begonnenen Werk s.

Natioiralrat P l a t te n stellt fo yenden Zusatz- «Ums; «Die toici ut au Äeriuch der I

Sorialpatrioten, nach vierjähriger Skrlrugrama bes Klassenkampfes wiederum bie Führung an sich iU reihen. Die Konfereir-trilnehmet luoUeii eine .üomöbte internationaler Berstäub gung auf।rieten unb grireue Ti-ner tx-r Lanriswurgeoisie bleiben.. Wir lehnen es ab, auf der Konferenz vertreten zu lein, wo die für den Mord an Li bknocht und Rosa.' Luxemburg nwralisch verantwortlichen Mchrheits-< geiwssen srtzeu unb begrüßen die russische Revolu- iton und den Schlachtruf ber deutfcy.m unb cussv- id):n Revolu ionäre und die Weltrevolukwu. Wir iind der Aufsassung, daß zwiscl>eu den Sozialisten ber alten Internationale ein unübcrbrücf.'aret Gegensatz mit den Zimmerwalderu besteht, Wsl,alb der Parteitag die Einladung dem ütteruationLlen sozialistischen Buremi zurückweist."

In ber Hauptabstimmung wurde der Antrag Schneider-Platten mit 238 gegen 147 Stimmen angenommen.

Damit ist entschieden, daß die internatio­nal e Konferenz nicht.deschickt wird. Partlipräs.deut Müller (Be'rn) gab hieraus bie Erklärung ab, daß er persönlich den Beschluß oes Parteitages als einen schweren politiscl)en Fehler und eine ntternationale Blamage betrachte unb der Meinung sei, daß cs sich nicht bloß um eine taktische, sondern eine partripolttifche grundsätz­liche Entscheidung handle. Er lege dcslmlb^ur Amt als Parteipräsidcnl nieder. Äu Stelle Mül­lers (Bern) wurde in die tzjefchäs.Äritung Partei^ letretär Münch sowie als Partcip.asiL-eitt Ge­rn rinderat und Gvmnasiallchrer Meinhard (Bern) gewählt, nachdem Grimm abgelehitt batte, t/ie Wahl airzunehmen und der neue Präsident er­klärt hatte, die Wahl als Anerkemmug der auch von ihm Dertretenen Zimmerivalda: Potitck zu be» ttachten.

Die Haltung der belgische« Sozialdemokratie.

Brüssel,-3. Febr. (WTB.) Die Drüffeler Zei­tungLtoile Delge" vorn 31. Januar teilt mit, daß die belgischen Delegierten in Paris von den anderen 'Vertretern bestürmt seien, ihren Widerstand gegen die internationale Sozialistenko nserenz aufzu­geben. Dandervelde, belgischer Iustizminister und Delegierter bei der Friedenskonsere' z, teilte darauf­hin seiner Partei mit, daß er sein Mandat als Prä­sident des internationalen sozialistischen Büros nieder­legen werde, wenn die belgische Sozialistenpartei bei ihrem Widerstände beharren würde.

Ein Friedeudvertras der skandinavischen Länder.

Stockholm, 3. Frbr. (WTB.) Tdeqttrt»* btyran. Die Regierung peröfsentlicht Henri ein Blaubuch, das einen die internationale Rechtsord­nung betreffenden Konvenlionsentwurf enthält, der von einem von den drei skandinavischen Län­dern eingesetzten Ausschuß ausgearbeitet worden ist. Der Entwurf stipuliert zunächst i?i? allgemein? Ver­pflichtung aller an dem Abkommen beteiligten Staaten, es nicht wegen irgendeiner unter ihnen entstehenden Streitigkeit zu Fei rdseligkrilen kom­men zu lassen, ehe die Streitigkeit Gegeastand ber Behandlung in friedlichen Formen geireic i ist. Als eine solche Behandlung wird vorausgesetzt entweder ein Verfahren vor einem Schiedsgericht, über daS bei den Friedenskonferenzen im Haag ein lieber- rinkommen getroffen worden war, ober vor einem festen .Gericht, das gemäß den in dem Entwurf enthaltenen Vorschlägen neu eingesetzt werten soll oder durch ein Untersnchungs- unb Aw>gleick>sver- fabren nach bem Vorbild b'1- bekannten B hm»- sck)en Verträge. Das Er bwis des Gerich s e fah­rens soll für die Parteien uLirinb fein, wahrem» das Ausgleichsverfahren nur als Gruirdlage zur Verständigung dienen soll.

Anr dem Nelche.

Die Regelung der Kommandogewakl.

Berlin, 3. Febr. (WTB.) Das Kriegsintn^a sterium unb Unterstaatssekretär Gvhre geben be* kannt: Dem Kriegsministerium gingen im An­schluß an ben gemeinschaftlichen Erlatz ber Reichs­regierung, bes Zentralrates und bes Kriegsmini- steriums vom 19. Januar betreffend die vorläufig« Regelung ber Kommanbogewalt unb der Stellung ber Soldatenräte im Friedensheev usw. von allen Seiten zahlreiche Protestkiardgebun- gen zu. Es hat zu ihnen folgende Stellung gty nommen:

Die verworrenen Zustände im deutschen HeeiI verlangten gebieterisch eine unverzüglickte Regelung der Kommanbogewalt. Die Regierung ließ firn hier* bei von bem Gedanken leiten, daß Verhältnisse ge» schassen werben, bie von allen Seiten (niertam^ werden konnten. Das hatte zur Folge, daß voq beiden Seiten Ansprüche und Rechte geopfert wer« den müssen. Nur wenn dieses geschieht und sich beide Teile ans den Boden ber Regiernngsverfü> gung stellen, kann aus "bie Wiederkehr eines geord­neten Zustandes gerechnet werden. Die Opfer, bie jetzt gebracht werden, sind nicht einer Partei ober ber Regierung gebracht, sondern bem Wohle des Volkes und. des Vaterlandes. Das deutsche Volk wird es den Osftzieren und Unteroffizieren ebenso wie den Soldaten einst danken, wenn sie r< schrver- fter Zeit zu ihm standen. Selbstverständlich muß es der Nattonalversammlung überlassen b e ben, bür enbgülligen Bestimmungen für bas spätere Fri» dens- bzw. Volksheer anzugeben."

Die spartakistifcheu Gefahren.

B e r! i n, 3. F^br. (WB.) Wie berVvr> wärts" erfährt, bereitet bie Regieruirg einen Erlaß vor, ber burch bas neue Hervortrcteu gewalttätiger Unternehinungev veraittaßt ist. Die Regierung erklärt darin ihre Entschlossenheit, geawltfaine Ert>ebmlgc^

die jrecheitliche Ordrmng der Ätew