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Erstes Blatt
169. Jahrgang
Zreitag, 5. Moder W9
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Gberhefsen
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Ver „vorwärts" gegen die Unabhängigen.
Wem: auch in Berlin jetzt wieder einige Tumulte aus Anlaß des Ausstandes der Me- tallarbeiter stattgefunden haben, so ist doch auch dort ein erfreulicher Umschwung cingc- treten. Die radikalen Lärinmacher haben nicht mehr die Oberhand, wie das neueste Vertrauensvotum für Noske bezeugt. Aber die gegenrevolutionären Bewegungen von Links her ruhen nicht, und heute ergeht sich der „Vorwärts" in einem heftigen Ausfall gegen die „Freiheit, das Organ der Unabhängigen, das er ein „schieläugisches Sensations- und Revolverblatt" nennt. Mit Recht ist der „Vorwärts" diesmal entrüstet. Denn die „Freiheit hetzt die Entente gegen die Regierung auf. Noske hatte am Dienstag im Haushaltungsausfchuß der Nationalversammlung die Gründe dafür an- gefiihrt, daß die Reichswehr nicht, wie beabsichtigt war, bis zum 1. Oktober auf 250 000 Mann herabgesetzt werden konnte. Es sind dieses die unerwarteten Ereignisse in Oberschlesien, Westpreußen und Kurland. Die bolschewistische Gefahr für die heimatlichen Gebiete ßn Oberschlesien und Westpreußen machten es sogar notwendig, die dort stehenden Truppen ;u verstärken. Diese Erklärung benutzt die Freiheit, um unter der Ueberschrift „Noske im Porzellanladen" wie folgt loszuziehen:
„Mit diesem Eingeständnis hat die Regierung sich selbst gerichtet. Jhve Beteuerungen, daß ;'e alles getan hab?, um die Räumung des Baltikums ,durchznführen, und daß sie infolge ihrer Entmasinung nicht in der Lage sei, ihren Befehlm an die kurlmüoiscben Truppen [tarieren Nachdruck zu verleihen, werden durch die Erklärungen Nos,'es Lügen gestraft. Was auch die Regierung weiterhin zu ihrer Entschuldigung Vorbringen sollte, ist nun von vornherein als T ä u schu n g s v e r- s u ch gekennzeichnet."
Man muß dem „Vorwärts" recht geben: Darin liegt eine gemeingefährliche Denunziation.
Die „Freiheit" weiß, so erklärt er, daß dir Entente, um die rasche Räumung Kurlands zu erzwingen, die Versorgung Deutschlands mit Lebensmitteln und Rohstoffen zu unterbinden droht. Ebenso weiß sie, daß die Regierung alles in ihrer Macht liegende tut, um die um ihre Hoffnungen betrogenen renitenten Truppen zum Gehorsam zu zwingen. Sie weiß auch, daß der Reichswehrminister energische Offi- ziere mit besonderen Vollmachten an Ort und Stelle geschickt hat, daß eine strenge Grenzsperre jeden weiteren Zuzug an Menschen und Material nach Kurland verhindert, und daß auf Leute, die die Grenze überschreiten, geschossen wird. Der „Freiheit" ist ferner bekannt, daß die nicht aus Kurland Zurückkehrenden ihrer Löhnungs- und Versorgungsansprüche verlustig gehen, lind doch wagt sie es, indem sie dem Reichswehr Minister die Worte im Munde herumdreht, die Regierung der Hinterhältigkeit und des Doppelspiels zu verdächtigen. Was kümmert sie es auch, ivemt die Ernährung des leidenden Volkes bedroht wird!
Tie Einwohnerwehren denunzierten die Unabhängigen als geheime Milrtävorganisatwnen und haben dadurch nicht geringe Beunruhigung, namentlich bei den Franzosen hervor gerufen, obwohl die Einwohnerwehren ihre polizeilichen Funktionen in aller Oeffentlichkeit ausüben. Immer wieder verbreiteten die Unabhängigen falsche Zahlen über die deutsche Heeresstärke."
Wir meinen, wenn man in Paris diese Auseinandersetzung zwischen „Vorwärts" und „Freiheit" liest, wird man dort aller unnötigen Besorgnisse sich entschlagen. Nur wenn es Frankreich wirklich darum zu tun ist, mit den Unabhängigen „Deutschland zu einem bolschewistischen Tollhaus zu machen", wie sich der „Vorwärts" ausdrückt, wird es uns drängen, unsere Polizeiwehrtruppen auf ein gefährliches Maß herabzumindern.
Straßentumulte in Berlin.
Berlin, 2. Ott. (Wolsi.) Nach den Abendblättern gelang es den Sicherheitsorganen bis auf einen Fall, überall die Ansammlungen der Metallarbeiter unblutig zu zerstreuen. Nur nach Auf- wsmig der Versammlung in den Pharussälen in der Müllerstraße kam es zu einem Zusammen- it o b, als die Polizei den Versammlungsredner und zwei andere Personen, die die Menge zum Wider - Ulurd aufgesordert haben sollen, festnahm und ab- lur'Tm . Menge, aus der Sckenährufe gegen den Rcick'swehrminister und den Polizeipräsidenten laut wurden, der Aufforderung zum Auseinandergehen nicht r^svlge leistete und die Verhafteten be- frelen wollte, gaben die Polizeibeamten mehrere Schufte ab, wodurch nach dem „Lokalanz." zehn Personen verleht und eine getötet wurden. Nach dem „Berliner Tagebl." sollen z,vei Perioncn getötet und sechs verletzt worden sein.
Demokraten in der Reichrreglerung.
Berlin, 3. Ott. Gestern abend trat die demokratische Fraktion der Nationalversammlung zu einer nochmaligen Beratung wegen der Kabinettsbildung zusammen, -ter Abg. Koch, der Bedenken gehegt hatte, das! Reichsminister rum des Innern zu übernehmen, nachdem er erst in diesen Tageri zum Oberbürger-1
meister von Düsseldorf gewählt worden war, stellte, da auf, seinen Eintritt in das Kabinett, wie die „Bloss. Ztg." sagt, besonderes Gewicht gelegt würbe, fehle Bedenken zurück, und 6>ie Fraktion sprach ihre Zustimmung dazu aus, daß
ch i ff e r und ,K o ch dem Rufe d. s Reichs- kanzle rs zum Eintritt in das Kabinett Folge leisten. Verschiedene Blätter nehmen an, daß der Reichspräsident, bevor er gestern nach Frankfurt reifte ,die Ernennung vollzogen habe. Wegen der Besetzung des neu ges ch offenen Ministeriums für die K r i e g s s ch ä d e n n n d den Wiederaufbau ist eine Entscheidung noch nicht getroffen. Es handelt sich darum, einen Mann zu finden, der nicht nur ein Organisator ersten Ranges ist, sondern auch über diplomatische Gaben verfügt und es versteht, die höchstmögliche Produktivität im Zusammenhang mit Arbeitern und Angestrilten zu erzielen. Nach dem „Bckri. Lokalanz." taucht neuerdings der Name Melchior auf, der in den Kreisen der Demokraten für besonders geeignet gehalten werde.
Die Ratifikation öcs $rieöcnsvertras$ durch Hrankreich.
Paris, 2. Okt. (WTB.) Die Kammer nahm die Ratifikation des Friedensvertrages von Versailles mit 372 gegen 53 Stimmen an.
Bern, 2. Okt. Nach dem Berner „Bund" wird infolge der Auflösung der italienischen Kammer und «besboib, weil in Amerika die Ratifikation nicht ver sechs Wochen erfolgen kann, mit dem Inkrafttreten des V.'rsailler Friedensvertrages nicht vor dem 1. Dezember zu rechnen sein.
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Die Lebensmittelsendungen nach Deutschland.
Amsterdam, I. Okt. (Wolff.) Der Mitarbeiter der „Times" für Schiffahrtsfra- gen schreibt: Die englischen Reeder wurden infolge des Streiks genötigt, die Fracht preise zu ermäßigen, da bereits ein Angebot von 50000 Tonnen amerikanischer Schiffe vorhanden ist, um Korn aus 'Argen tinien noch dem Kontinent zu bringen. Dres' gereicht Deutschland zum Vorteil, da es jetzt zu ermäßigten Frachtpreisen mehr Lebensmittelsendungen erhalten kann.
Der Streit in England.
H a.a g, 3. Okt. (WTB.) Ter Londoner Korrespondent des „Nieuwe Eourant" meldet: Ein gewisser Teil der Presse kracktet, den Ernst der Lage zu verkleinern und das Publikum glauben zu machen, daß man nunmehr alle Schwierigkeiten überwinden werde. Jeder verständige Mensch, sehe aber ein, daß das der reinste Selbstbetrug> sei, da die Folgen des Streiks tvotz der Bemühungen der Regierung täglich größer werden. Die Fabriken sckiließen wegen Mangels an Steinkohlen und Rohstoffen. Tie Streikfuhrep, die sehen, wie fest und entschlossen Regierung und Publikum ihnen gegenüber flehen, rufen die ganze Gewerkschaftsbewegung zuÖilfe. Dadurch werdr bald der größte Teil der britischen Industrie in den Streik hi nein gezogen und das Wirtschaftsleben! lahm gelegt werden. — Aus Neu York meldet her „Nieuwe Courant", daß man in amerikanischen Handelskreisen die Verluste, die den Vereinigten Staaten durch Stillegung der Ausfuhr nach England erwachsen, auf 10 Millionen Dollar täglich schätzt.
Amsterdam, 2. Okt., (Wolff.) Ein gestern früh in London ausgegebener Bericht besagt: Im Z u g b i c n ft sind weitere Besserungen ein- getreten. Es sind mehr Eisenbähner zur Arbeit zuriickgekehrt. Für die Streikenden sollen Ersatzmänner vom Londoner Omnibusdienst eingestellt werden. Ferner wird mitgeteilt, daß die Lebensmittelversorgung in den letzten 24 Stunden befriedigend vonstatten gegangen ist.
Reue Unruhen in Aegypten.
Bern, 2. Okt. (WTB.) Mailander Blätter erfahren, daß in Aegypten dienationalistische Bewegung zu neuen Unruhen geführt hat. Militär mußte einschreiten. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Mehrere Teilnehmer an den Demonstrationen wurden verwundet.
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Einladungen zur Arbeitertonferenz in Washington
Berlin, 2. Okt.. (Wolff.) Wie die Pol. Pari. Nachrichten hören, sind gleichlautende Einladungen zur Teilnahme an der Arbei ter - konferenzinWashingtonanden deutschen und österreichischen Vertreter in Verwules ergangen lieber die Antwort auf die Einladung und über die Entscheidung, ob baraujbin eine Beteili- gungg Deutschlands au der Washingtoner Konferenz möglich, ist, schweben gegenwärtig Beratungen in Berlin.
Aus dein Reiche.
Die neuen Reichsministerstellen.
^Be r liw, 2. Ott. (Wolff.) Der Haus- h alt saus sckuß der Nation alversa mnllung^- nehmigte die beiden neuen forderten Reichs- mini sthr stellen Mit großer Mehrheit.
Erklärungen des Reichswirtschaftsministerv.
H a m b u r gi, 3. Okt. (WTB.) Hier hat geftern die Hamb u rger Gr oßh a ndel swvAc begonnen, an der auch, ReMminister SckMidt tett-
nahni, der in länggerer Rede über die Zukunft des deutschen Handels sprach, worin er die Kriegswirtschaft, deren Mängel er ancrfamite, als die heute einzig denkbare Wirtschaftsmetl/ode bezeichnete. Die Aufslellung eines Wirtsckttstsplanes auf lange Frist fei bei der außen politisch'u Lage unmöglich. Die Ausnahme großer ausländischer Kredite zur Beseitigung der unaufhörlichen Cichwankungen des Markwertes sei angebahnt. Tie endgültige Heilung könne aber nur durch eine internationale V o l u t a r e ge l u n g, gestützt durch eine internationale Anleihe, bringen. Dieser Weg werde noraussich'llvch in nicht zu ferner Zeit beschritten werden. 'Ter Minister stellte die Freigabe der Einfuhr für eine Reil-e weiterer Rohpofse in Aussicht. Unkontrolliert könne der Wirtschaftskörper angesichts des Standes unserer Ein- und Ausfuhr nicht gelassen werden. Ter Minister wies dann auf das allmähliche Erwachen des Pooduktionswillens des kutfden Volkes hin und schlvß mit dem Ausdruck her Zuversicht, daß, luenn auch eine an harter Arbeit überreiche Zeit vor uns liege, so auch eine Zeit des Neuaufbaues, in der der deutsche Handel wieder eine seiner Bedeutung entsprechende Stellung einnehmen werde.
Petroleum und Heizöl?.
Berlin, 2. Okt. (Wolff.) Zn der Mitteilung Erzbergers zum Abschluß eines größeren Warenkredits lvrichtet die „B. Z.", daß es sich dabei vor allem Hin bedeutende Mengen Petroleum und Heizöle handelt; die Verhandlungen über andere Waren seien noch im Gange.
Die beabsichtigte Senkung der Lebeusmittel- preisc.
Berlin, 2. Okt.' (WTB.) Im Haush.rltungs- ansschuß der preußischen Landesvei ammlung machte Finanzminister ©übetunt Angaben über die Aktion zur Senkung der Lebensmittelpreise, wofür das Reich annähernd 21/« bis 3 Milliarden Mark aufwenden werde. Es sei zu hoffen, daß infolge der neuen Aktion die Ernährung der Be- bölkeruug^ für den Winter einigermaßen gesichert sei. Vorbedingung dazu sei aber, daß u. a. die Margarinefabriken genügend mit Noblen und Rohmaterialien beliefert werden. Sollte dies nicht der Fall fein, so würden neue große Beträge für eine vermehrte Einfuhr hon Rohstoffen für die Mar garinejabrikation notwendig werden. Die Altgabe von Auslands mehl solle weiter zu billigen Preisen, aber in etwas geringerem Umfange erfolgen Der B r o t p r e i s werde ungefähr um 15 Prozent erhöht werden, was einen Zuschuß von 233 Millionen bis Ende des Erntejahres erfordere.
Ein Reichsarchiv.
Berlin, 2. Okt. (Wolfs.) Nach einem Beschluß der Reichsregierung sollen die umfangreichen Archive ziviler und militärischer Dienststellen zu einem Reichsarchiv vereinigt und demRei^- ministerium des Innern unterstellt werden. Bei der Erörterung dieser Entschließung wurden in der bayerischen Presse lebhafte Proteste wegen der angeblich geplanten lieber fübrung der Kriegsgeschichte Bayerns für die Zwecke des Reichsarchivs nach Berlin erhoben. Demgegenüber darf festgestellt werden, daß nach den Vereinbarungen der beteiligten militärischen Dienststellen Einverständnis darüber herrscht, daß die lriegsgeschichtlicheu Archive der Länder ohne deren Einwilligung dem Reichsarchiv, an dem im übrigen alle Landesregierungen beteiligt sein werden, nicht zugeführt werden können. So fanden lediglich Verhandlungen über die Heberlassnng der bayerischen Operationsakten aus dem Weltkriege zu gemeinsamer Arbeit statt, da diese für eine ber Ausgaben des Reichsarchivs, nämlich für die Sichtung und Ordnung des gefaulten kriegsgeschicht- lichen Materials des Weltkrieges 1914/18 erforderlich sind. Hierüber ist bereits im wefentlichen ein Einverständnis erzielt worden.
Neubildung der sächsischen Regierung.
Dresden, 2. Ott. (WTB.) Als Abschluß der Beratungen zwischen den Vertretern der s o - zialdemvkratischen und der demokratisch, en Volkskammerfraktion über den Eintritt von Mitgliedern der demokratischen Partei in die sächsische Regierung wurde eine Verständigung darüber herbei geführt, daß die Richtlinien der Regierung, nie sie von dem Abgeordneten Tr. Gradnauer in der Volkskammer bargelegt wurden, voll in Geltung bleiben und auch von den in die Regierung eintretenden Temottaten im wesentlichen anerkannt werden. Tie demokratische Fraktion übernimmt das Kultusministerium und das Finanzministerium. Ten Vorschlägen der demokratischen Fraktion entsprechend wird der Ministerpräsident den Abgeordneten N i t s ch! k e in das Finanzministerium und das Mitglied ber Nationalversammlung Schulrat S e i f f e r t in bas Ministerium für Ailtus unb Unterricht berufen.
Meuterei im Braunschweiger K^eisgefängnis.
Braunschweig, 2. Ott. (Wolff.) Wie die „Braunschweiger Neuesten Nachrichten" melden, kam es am Mittwoch im B raunschwei ge r Kreisgefänynis zu einer Meuterei der Gefangenen. Eine mit Holzspalten beschäftigte Rotte ovn 15 Mann drang, mit Beilen bewaffnet, nach dem Hauptausgang des Gefängnisses vor. Die zu Hilfe gerufene Reichswehr schritt gegen die Meuterer ein, von denen zehn zu entkommen wussten) Die eingeleitete Untersuchung ergab, daß die Meutt terci von langer Hand vorbereitet roar. Zwei ber entflohenen Meuterer konnten inzwischen wieder eingefangen werden.
Heimkehr der Kriegsgefangenen.
Hamburg, 2. Okt. (WTB.) Wie die Marine - Schiffsbesichtigungs - Kommi'sion mitteilt, ist das englische VerbotdesAus-l
laufensderdeutschenGefangenen» Transportdampfer heute zunächst für vier unserer Dampfer aufgehoben worden, und zwar werden „Orotawa" nach Harwich, „Melille" nach Jersey, „Villareal" nach Southampton und Jersey, und der Dampfer „Bagdad" nach Newcastle gehen. In diesen Häfen warten bereits Kriegsgefangene, die vor Ausbruch des englischen Eisenbahnerstreiks dorthin geschickt worden waren, auf den Abtransport. Wann weitere Kämpfer auslausen können, wird von dem Verlauf des englischen Eisenbahnerstreiks abhängen.
Au; dem besetzten Gebiet.
Die Unterhaltungskosten der Besatzungen.
Versailles, 2. Okt. (Wolff.) Der „Temps" meldet: Die französische Regierung soll in der vorgestrigen Sitzung des Fünfe r r a t e s verlangt haben, daß die Unter- haltungskosten für das französische B e- s atzung sheer in Deutschland auf bet Basis des französischen Tarifs, der pro Tag 16 Frs. pro Soldat Vorsicht, nicht auf der Basis des amerikanischen Tarifs, der 30 Frs. vorsieht, berechnet werden.
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-- Diez, a. d. L., 2. Okt. Die sechs französischen Armeepferde, für deren Verschwinden dem armen Unterlahnkreis eine Geldbuße von 150 000 Mk. auferlegt werden sollte, haben sich wieder ein- gefunden. Sie waren gestohlen und wurden von Gendarmen angehalten.
Aur Hessen.
Aus dem Finanzausschuß der Kammer.
l Darmstadt, 2. Oft.
Der Finanzau sschuß der Volkskammer trat heute vormittag zu einer Sitzung zusammen. Zunächst stellte sich der dlusschuß auf den ablehnenden Standpunkt der Regierung gegenüber der Eingabedes Vereins deutschen Zeitungsverleger auf Gewährung eines Zuschusses zu den Papierkoften. Die Regierung hat sich seither nicht dazu verstanden, einen Staatszuschuß zu leisten, weil sie das Reich für verpflichtet ansah, für die durch Kriegsmaßnahmen notwendig geworbene Unterstützung ber Zrittmgsverleg« aufzukommen. Sie sah aber auch die Notwendigkeit einer allgemeinen Unterstützung nicht ein. An diesem Standpunkt sei umsomehr festzuhalten, als das Reich selbst den Zuschuß wegfallen lasse. — Ein« Eingabe desKreisgeome tersS. inFried- berg über Bureau kostenrist durch Entgegenkommen ber Regierung gegen Den berechtigten Teil ber Eingabe er längt: ebenso wird eine Vorstellung des Vereins der Geometer 2. Klasse dadurch für vorläufig erledigt angesehen, daß die Regierung in Verl>andlungen mit dem Verein getreten ist. — Der Ausschuß stimmt der Bewllligung eines Staalszuschuß an den 9. Kreis ber Arbeiter- Turnvereine (Frankfurt a. M.) zu. — Eine Vorstellung bes hessischen O ber leh rer Vereins um Abkürzung ber Vorbereitungsbienstzert der Lehramtsreferendare (Kriegsteilnehmer) wurde von der Regierung bereits stattgegeben, lieber die weiter geforderte Gewährung von Wartegelbern an die Lehramtsassessoren schweben noch Verhandlungen. — Eine Vorstellung der Stadt Mainz über Gewährung eines Zuschusses für das Stadttheater wird zurückgestellt, da noch in diesem Monat eine Konferenz über die Zukunft der Landestheater stattftnden soll. — Eine Eingabe ber mittleren Justiz beamten (Ortszulage für Staatsdienstanwärter) ist durch bte letzte Teuerungszulage erledigt. — Zwei Anträge E i ß n e r f (S.) auf Revision des Urkunbenstempels und Kiel (USP.) auf Aushebung des Stempels bei Austritts- erllärungen aus ber Kirche würben gegen zwei Stimmen abgelehnt. — Ein weiterer Antrag Kiek auf Erhöhung aller Rentenbezüge um 200 Pro-, führt bahin, baß der Ausschuß die am 1. Oktober eingetretene Erhöhung ber Rentensätze für ungenügend erklärt und die Regierung bittet, in diesem Sinne beim Reich vorstellig zu werden. —; AlsMaterial für bie neue Besoldungs- or bnung wurden eine Reihe von Vorstellmigen! verscÄebener Beamtengruppen ber Regierung überwiesen, ebenso wird als Material überwiesen eine Vorstellung des Reichskmndes ber Kriegsbeschädigten auf Steuerfreiheit ihrer Bezüge. — Der Västvaltungsbericht der Staatsschulden ver wa l t u ng für 1914 wirb genehmigt. Endlich wird noch mitgeteilt, daß die neue £eue> rungsVorlage für bie Beamten (Anschaffungsbeihilfen) dem Ausschuß in aller Kürze zugehen werbe.
Zranksurter Einsuhrmefie.
Frankfurt a. M., 2. Ott. (Wolff.) Dev zwefte Meßtag setzte mit f lo t te n Geschäftsabschlüssen am Vormittag ein, bce such uach-mt- tagS noch steigerten, mir Reiseartikel aller Art, von ber Wollenbecke bis zum Spankoffer unb Luxuskästcn für Autos wurden Bestellungen auf» gegeben. Holland machte Einkäufe von Damentaschen: Toiletteartikel mürben gefragt. Auch für chrrurgisch-hygienische Gegenstände wurden man« cherlei Abschlüsse gemacht. Befriedigt äußern sich Firmen für Bureaubedarf und Papierwaren. Lebhaft gestaltete sich bie Nachfrage nach Schmierölen. Aus verschiedenen Branchen hört man, baß Einkäufer sich für bie kommende Woche angemeldet haben, nach Schluß der jübischen Feiertage. Sichtlich erfüllt die Messe auch den Zweck, Jntevessentew mit neuen Waren bekannt zu machen unb sie zu Verarbeittmgsversuchen von bestimmten


