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Samstag, 3. Mai 1919

169. Jahrgang

Erstes Blatt

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kein Hindernis mehr entgegen.

Die Zriedenskonfcrenz.

Die erste Zusammenkunft.

-ille durch Urk regen weisen m von Ucberiixyi rechts und liifc

Berlin, 2. Mai. (Priv.-Telegr.) 9iad) demLolalanzeigett' wird in Berichten aus Paris gemeldet, daß Orlando Wilson einen ne uen B ors ch l a g zur FrumerFrage

Annahme von An)ktg«> f. die £age*iiummet vin ^um'ltnchmida-i vorher otjnejfbev.'vbuibiidileit 5cil<nprei|t:

für örtliche Anzeigen 25 Vf., für au^iDÖrtige 30 ^f, für Reklamen TILL - nebst 20* e7cue- run^ubnlatui'laijooc- schrisi 20 % Au'scillaq. Lauvtichri'tteüer: 2hig. \8>oti\. Bevanhoortlid) tut Politik: Aua. Goetz, für den übrigen Teil: Dr- Reinhold Jens; lut den Anzeigenteil: v. Beck: fämtltd) in Gietzen

Maifeiertuudgcbungen in Pari».

Paris, 2. Mai. (WTB.) Havas. In allen Berichten der Polizeipräfettur über gestrige Vorgänge wird die Zahl der De­monstranten aus 20 000 angegeben und gesagt, daß nach bem Eingreifen von Militär die Manifestanten an drei Stellen Hinder­nisse über die Straßen legten, wobei mit Revolvern auf die Kavallerie und die republikanische Garde geschossen wurde. Um 6,40 Uhr säuberten Truppen die Gegend des Ostvahnyofes. Bald darauf legte sich die Er­regung und die Menge ging auseinander. Auch an anderen Stellen kam es zu Krawal­len, bei denen mehrere Personen verletzt wur­den. Bei ben Kundgebungen am Nachmittage wurde der Generalsekretär der Coufedöration g6n6rate du travail, Jouhaux, ebenso der De­putierte Paule Poncet verletzt. Im Faubourg du Temple mißhandelte die Menge eine« Polizisten.

Die Befreiung Münchens.

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bcnrrädft nachsvl-cn."

Okai Brockdorff erwiderte in deutscher Sprach:: ,^Jch habe bie deutsche Prüfirns^mmis- sivn beauftragt, ihre BollinoclZl zu übergeben. Ich s^lle Jh. :cn hiermit den Vorsitzenden der Kommis- itpn, Reich >j ustizminister Landsuerg, vor." Lands- berg stritte hierauf die übrigen Mitgjlreder der Kommission und Herrn Schauer vor.

Cambon stellte seinerseits die ihn begleiten­den Vertreter der Gvoßmäll^c vor, nämlich Lord Harbin^ statt Bonar Lan> für England, Henri Wlfite und Atatsni. Er bat bann um bie Vollmacht. Graf Brvckrorfs veranlaßte den Minister Laiidö- berg, die rnzsoischxn von Geheimrat Gans bereit1 a*Mtenc a&finKxdX Cambon zu übergeben, der nnebeann die Vollmachten unserer Ge»«r Gaus einhändigen ließ. ....

Unter den der dmttchen Prufung^Sommriiwn Ttortiegcnben llrhmben fehlen die von Italien, (lu^xidca und Monteuogno. Tie Vollmatte Scr- bicns ist im Namen des Könisreichs der werben, knwitert und Slowenen ausgeuellt. Aus der an- deren Seite sind Vollmachten angelegt für Bo­livien und Peru, die uns nicht ben Krieg erftort, sondern nur bie Beziehungen mit uns abgebrochen bähen. Vom arobischm (Staat Hedschas, der uns Weber ben Krieg erflärt, noch txm uns cüs selb- sündiger Stqat anerkannt worben ist, werden wir bie VollmaäA unter bem Vorbehalt annchmenf daß die Devehunyen zwischen diesem Staat M-s t*r TicJfct in eiter von unserem ehemals: Bunoesgenossen anerkannten Werse griSart werden.

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Ter Inhalt der Vollmachten ist sehr mannigfaltig. Tie bodäufifle Prüfung ergab, daß sie die Telegierten als ausreichend beglaubigt erkennen lassen. Tie Unterschiede bestehen Haupt- such'ich in dem Vorhandensein oder Fehlen aus- drusklicher Vorbehalte tvegen einer Rattfikattont durch den Souverän ober brs Parlaments oter einer Zustimmung bet Regierungen und Staats­oberhäupter. Bekanntlich forderte Clemenccau in einem zweiten Telegramm, daß die deutschn Tele- girrten bie gleiche Vollmacht haben müßten wre die Telcgierten der alliierten und assoziiertes Machte Jedenfalls findet sich für ben Inhalt der deutschen Vollmacht irgend ein Vorbild unter ben Vollmachten der Gegner, sodaß auf Anerkennung brr deutschen Vollmacht gerechnet werben darf. Tie Vollmacht der deutschen Delegation ist eine Generalvollmacht.

Tie Delegierten der alliierten und assoziierten Großmächte find folgende: Vereinigte Staaten: Präsident Wilson, Lansmg, Henry Wlfite, Oberst House, General Miß: Eng­land: Lloyd George, Balfour, "Bonar Lam, Banes, Milner: Tvminions: Kanada: Borden, Fester, Tolierty, Sitton; Australien: Hughes, Cook; Süb- rtfrifa: Botda, Smuts: Neuseeland: Massav. Word: Indien: Montagu, der Maharadscha von Bikanir, Lord Sinho; Frankreich: Clemenceru, Pickwn, Kl-ok, Tardieu, Jules Cambon: Japan: Saionji, Makino Chinda, Matsui, Jttlin; Bel­gien: Huymans, von den .Heuvel, B-ndervelde; Griechenland: Beniselos, Bolitts, Romanos: Por­tugal: Costa Soares, Norton de Mattos, Frnre b'Andrade, Batallm Reis: Rumänien: Brattanu, General Coe-da, Waida, Voevod Misu, Antvnesru, DiammrdY, Tanielovol; Serben, Knoatrn und ^>lo- benen: Pasitsch. Trumbiffch, Desinpch Zolger Ferner fr b durch Delegierte berTctm: Broschen, Edina, Kuba, Guatemala, Haiti, Hedschas, Hon­duras, Liberia, Nikaragua, Panama und Sram.

Die Isolierung der deutschen Abordnung.

Berlin, 2. Mai. (WTB) Der ^^Svnr^rts" oibt febtenbe Melbwrg seines Versailler Korre- ftonbenten wieder: Wir sind von aller Welt abgeschlossen, wir emjifanrrn fernen Besuch und ferne Nach^, außer durch Seihtmrn, ine ieborfi am 1. Mai nicht erschienen sind. Tre Ab- sverrung am 1. Mai ist rwch strenger. Tre ganze Tel-'vatton muß von 2 bis 6 Uhr nachw.ttags rm ,Hotri du Reservorr" bleiben wo ihr der Pari' -tut Verfügung steht. Aus alledem folgt, baß keinerlei Verbindung zwi'chm ben Pariser Genossen und den deutschen Sozialdemokraten besteht.

Frankfurt a. M., 2. Mai. Wie d« Frff. Leitung hört, ist Herr Oscar Oppen­heimer, Inhaber des hiesigen Bankhauses Lm- coln Menny Oppenheimer, -ls Ft n an z sach­verständiger von der beutsschen Regierung nach Versailles berufen worden.

Ein neuer Vorschlag Orlando» an Wilson.

Der Zusammenbruch in Ungarn.

Wien, 2.Mai. Aus Budapest wird ge­meldet Tb? ungarische Räteregierung hat sich durch eine Mittelsmacht an die h cllge sranzösische Mission gewandt, um bei dieser Schütz zu suchen. fTie Mission stellte folgende Bedingungen: Sofor­tige Kapitulation, Ablieferung sämtlicher Waffen, Munition und sonstigen Kriegsgeräts, Beeyung von Budapest durch bie (rntentetnunen, Absetzung der Rätereaierung und Ersetzung durch ein demo­kratisches Regime . Ter Mütelsmann erklärte, er habe Vollmacht, diese Bedingungen anzuneh- sm e n, stellte aber als Gegenbedingung Schutz der persönlichen Sicherheit für die gegenwärtige Re­gierung und deren Familienangehörige, -i-ieie Be­dingung wurde abgewiesen. Inzwischen hat srch eine Anzahl Mitglieder der Rätcregierung bereits m Sicherheit zu bringen gesucht. .Die Rumänen setzten ihren Vormarsch fort. haben dre Theiß überschritten und ihrem Einzug nach Budapest steht

Der Ministerpräsident Scheibemann hat bet einer Maifeier-Versammlung in Ber (in bie Fülle seiner Empfindungen und lieber- lenimqen in bem Ausruf gipfeln lassen: was wir nutzt alles seit dem 9 November erlebt batten! Und doch werde dieses halbe ^ahr in ber Weltgeschichte nur eine Sekurtde bar* -en Der alte Sozialistenhäuplling, bet in t den Bollsrnengen zurief, daß

gierte find, hab Graf Brockdorff Antwort, er werbe die bcutklx' >tvmmrssion persönlich ein] übten.

Tie ZusammL-Linst fanb heute nachmittag 3 15 Uhr im Hotel Inanon in au Flucht forreften Formen unter voller Walirmry bet Meicl^creckr ttiMisg und Gegvnritigflcit statt. Graf Brochdorfs- 9ianftiu, die Täriüiebcr ber Prufirn^kommiiswn und Zusttzrat Schmer als Teümeticher nnirbcii bei ihrer Ankunft zu ben delegierten ber Gegner geleitet. Ter Bvtttnfler Cambon begrüßte su mit einer Anspraiie etwa svlg^nden Inhalts: yterr Gras! Wir ljaben Sie gebeten, hierher zu Ännmen, um die Vollmatt/en ber deutschen Tele- gkrien von Ihnen ui Empfang zu nehmen. Un* lererseits werden h>tr Ihnen bie Bollmachen der Vertreter bet alliierten und assochietten Regie" ru. gen übergeben. Wir werden Ihre Vollmatt:i.en prüfen intb Sie werden mit unseren Bollmach.en das Glcitt^ tun. Einige unserer Vollmachten fehlen ixxli, etwa von Mei oder drei Staaten. Sie narben

zcm hütet ein peinliches Ehrgefühl; er tarn « erst, als bie Gegenfeite ihn wissen ließ, daß i er Personen gegenüber stehen würde, bie mit , gleichen Rechten ausgestattel sind. Wir halten es- für durchaus richtig, daß unsere deutscl)c Abordnung von vornherein auf Würde und volle Respektierung chrer hohen Mission hält. Si e wird wohl mehr als einmal scharfe Zurückweisungen ein treten lassen müssen, und sie muß beizeiten mit der gcgnerqdjcn Arrnahrne aufräumen, , als sei sie etwa gewillt, sich als Vertretung eines aus der menschlichen Gesellschaft aus- gestoßenen Volles betrachten zu lassen. Es soll äußerlich hervortreten, daß unsere Dele­gation keine Sühnemission bezweckt, sondern daß sie im Lichte ber zahlreichen Proteste steht, die unsere Regierung in der.ganzen Waffenstillstandszeit wider unrechtmäßige und unmenschliche Handlungen unserer Geg­ner hat entlegen müssen. Der Maifeiertag hat unserer Abordnung mir noch die einmütige Entschlossenheit unseres Volles mügegeben, den Frieden abzulehnen, wenn er mit den getroffenen Abmachungen, auf die auch Herr Wilson m seinem Streit mit den Italienern noch einmal sich berufen hat, nicht überein» stimmen sollte. Nach Pariser Verlautbarun­gen wird schon in den nächsten Tagen ein Auszug aus den von ber Entente formulier­ten Friedensbedingungen in der Presse ver­öffentlicht werden, so baß auch die deutsche Bevölkerung den weiteren Verhandlungen mit Verständnis folgen kann. Es ist anzunehmen, daß diese Verhandlungen öffentlich ge­führt werden. Dies entspricht bem demo­kratischen Geist, den Wilson wäl)rend des Krie­ges so eindringlich gepredigt hat. Und be­schränkte Redefreiheit würde sich Graf Brock- dorff-Rantzau auch wohl schwerlich gefallen lassen. Die erste Meinungsverschiedenheit wird wohl bei der Frage derRückgabeder deutschen Kriegsgefangenen ent­stehen. Die deutschen Herren werden diese Frage an die Spitze aller ihrer Forderungen stellen, und zwar werben sie bedingungs­lose und sofortige Rückgabe fordern, während neuerdings verlautet, ber Kriegsrat unserer Gegner wolle bie Gefangenen zwar freigeben, aber nur im Austausch gegen eine ausreichende Zahl für den Wiederaufbau zer­störter Gebiete bestimmter deutscher Arbeiter.

Beim Beginn der Friebensverhandlungen hielt Hindenburg die Slnnde für gekom­men, seinen Rücktritt anzukündigen. Er hat in seiner Stellung als Oberster Heerführer die deutsche Revolution eine Strecke wett be­gleitet, und während Bismarck, der Reichs­gründer, von sich sagen konnte, er habe Deutschland in den Sattel gehoben, so daß es : reiten könne, sehen wir den Helden von Tan- nenberg in der Rolle des bis in den Tod ge- - treuen Helfers, der den gestürzten Retter stützt : und aufrichtet, bis er sich mühsam fortbe­wegen kann. Ein düsterer Anblick, aber menschlich verklart und versck)önt durch den Mann, der wahrlich eine Zierde des deutschen Militarismus gewesen ist und mit dessen Aus­wüchsen nie etwas zu schaffen hatte. Er sagt in seinem Telegramm an Ebert, den Reichs­präsidenten, baß die neue Zett feinen Anschau- imgen zuwider laufe, und doch beruft er sich bei fernem Wunsch, sich ins Privatleben zu- rückzuzieheii, in erster Linie auf sein hoh<" Alter, so daß feine übrigen Bekenntnisse nur ein natürliches Schmerzgefühl einschließen. Prunklos, schlicht, aber gerade darum von tiefer Tragik ist dieser Abschied Hindenburgs. Ihm bleibt unsterbliches Verdienst. Wille und Pflicht waren seine rüftigen Begleiter; dar­über hinaus lebte in seinem Tun nur noch der von falschen Aiiwandlungen freie Trisö echter Liebe zu seinem Volle.

Welt sein! J

Zu solchen Sphären wagen wir mcht ru ] ftreben, und wir glauben nicht daran. Gerade ; »eil, seit dem 9. November, die Ereignisse 1 so kaleidoskopartig gewechselt haben. Der ! Mang des WortesSpartakist" z. B. ist , beute völlig anders geworden! Wie standen mir zuerst unter seinem Schrecken, einer schwarzen Gewitterwolke, die von Osten heran- Ö, lange über ber Reichshauptstabt hing, ganze Teutschland verdüsterte und schließ- ktch, unter Zurücklassung einiger Wvlkenfetzen, nach Süden, dem Lande Kurt Eisners, nfrhxmberte! Dori sperrte bas bolfchewi;tt^che Ungeheuer noch einmal dräuend ben Rachen »eit auf und schien Feuer und Schwefeldunst wieder nach Norden blasen *u wollen. Aber feine Kraft ist jetzt verbraucht, weil es keine rechte Herrfck)aft mehr über die Geister hat. Die Münchener Führer waren keine ernst zu nehmenden Männer; sie hatten zudem nur eine Minderheit um sich versaitimelt, während das übrige München zuerst in ber allgemeinen Lethargie verharrte, später aber, nach glaub­würdigen Korrespondeiizen, gelegentlich sogar sich ein stilles Lachen abgewann. Man sah die Befreiung herankommen, und wer nicht gerade unter den Wenigen war, deren Woh­nungen aufgeteitt, berat Besitzverhättnifse stark bcbroht waren, konnte bas interessante politische Phänomen in Ruhe betrachten. Als über bie ersten RegierungStruppen tn bie Stadt einzogen, bildeten sich, so totrb gemel­det, augenblicks Bürgerwehren zur Unter­stützung der Befreier; erbitterte Einwohner schossen auf die Rotgardisten, die sich stellen­weise verzweifelt wehrten, aber zweifellos bald bis auf den letzten Marrn überwunden sein werden. Die Spaltung und Gegensätze tu der Führerschaft hatten zu diesem Ende das ihrige beigetragen. Gleichwohl, es ist eine Tragödie, dieses aus den Fugen gegart* gene Bayern: wenn auch verhältnismäßig wenig Blut geslosseit ist ob die Spartakisten wirklich zuletzt einzelne Geiseln erschossen ha­ben, bedarf noch zuverlässiger Nachprüfung so sind doch furchtbare Schädigungen wirt­schaftlicher Art in dieser fnapp 4 Wochen alten Räterepublik" umgegangen, und das ganze Deutschland hat darunter gelitten. Es heißt, die Reqierungsiruppen hätten Niünchen völlig umstellt, damit die bolschewisttschen Führer nicht entkommen könnten. Möchte es nur ge­lingen, alle die Unheilstifter und Gernegroße -der verdienten schweren Strafe entgegenzu- fützren!Stadtkommandant Mattose (!) Egl- hofer" hat bereite kapituliert! Der langsam und allmählich in Deutschland wieder er­wachende Geist ber Ordnung und Vernunft hat ietzt die spartakisttsche Gespensterwirtschaft satt bekommen, deren Intimitäten alle Zwei­fel und innere Unentschlossenheit beseitigen. 9hm müssen noch die Epidemien der Streiks und Wrrtschaftszerslörungen auf hören. Höhere Löhne, steigende Preise, bankerotte Betriebe, sinkende Valuta welcher vernünftige Ar­beiter will diese Folgen, die uns in Verelen­dung stürzen, noch weiter mitmachen?

Ein neues Tor der Zett öffnet sich: Wird eS das F r i e d e n s t o r sein? Wir können es nicht mit grünen Zweigen bekränzen, mögen ims jedoch auch feinen Kassandra-Stimmun- gen übergeben. Unsere Delegation in Ver­sailles ist bereits über die Schwelle:in aus­gesucht korrekten Formen, unter voller Wah­rung der Gleichberechtigung und Gegenseitig­keit" fand im Hotel Triauon der Austausch der Vollmachten statt. Gras Brockdorff-Rant-

B a m^er g, 2. Mai. Gestern abend ist die bayerische Truppe des Generalmajors Sie­bert von B o g e n h e i m ans in München ein­gerückt und hat das Maxirnalianeurn besetzt. Heute mittag marschieren von allen Seiten die übrigen reichsbeutschen und bayerischen Truppen unter den Generälen v. Oven und M ö h.l in bie Stabt ein. Die rote Armee leistete nirgends ernsthaften Widerstand unb löst sich jetzt vollständig auf. Die Vollsbeaus- tragten Toller und Männer, die mit der Regierung Hoffmann unterhandeln wollten, wurden abgesctzt. Tr. Gustav Landauer wurde von Regierungstruppen in Groß-Ha­bern in der Wohnung von Eisners Wttwe g e - fangengenommen. Heute soll ein Putsch von Studenten, Offizieren und regierungs­treuen Soldaten die Residenz, die Komman­bantnr ber Rotgardisten und bie Polizeübirek* tion an sich bringen. Die Flugzeuge unb bie meisten Maschinengewehre ber Spartakisten find durcy Sabotage unbrauchbar gemacht worden. Alle Kirchtürme, Privathäuser, Straßenkreuzungen, Kasernen, die Deutsche Bank, die Kruppwerke und die Maffeywerke, das Landtagsgebäude und die Residenz sind mit Maschinengewehren stark armiert. 9hir ber Hauptbahnhof wurde von den Sparta- listen für neutral erklärt, so daß bereits Pan­zerzuge der Reichstruppen cinfahren konnten. Die Truppen halten auf dem Bahn­hof einen Ordnungsdienst. General v. Oven hat den Ring um München fest geschloffen. Nach der Besetzung von Kempten, Rosenheim, Starnberg unb Dachau verläuft bie Sperre jetzt bei Oberföring, Zamborf, Perlach unb Talkirchen, Laim unb Nymphenburg, so baß eine Flucht der rotgarbistischen unb kommunistischen Führer verhin­dert ist. Bei Starnberg hatten bie Sparta­kisten 27 Tote, die Württemberger unb Bayern feine. Bei Tachau verlor das Freikorps Gör* litz einen Offizier uni> zwei Mann. Pasma wurde fast ohne Schuß genommen. Auch Münchens selbst hofft man ohne viel Kampfe Herr zu werden. Eine in der Stabt selbst augenblicklich gebildete Sicherheitswehr aus Münchener B ü r a e r n hat in die Kampfe eingegriffen. Die Zerfetzung der Roten Armee hat bereits große Fortschrttte bemacht. Aus ben Häusern würbe von den erbitterten Mün­chener Einwohnern auf die Rotgardisten ge­schossen. Wie dieAugsburger Postzettung meldet, teilte ein von ber kommunistischen Regierung verbreiteter Anschlab nut, baß von ben verhafteten Geiseln verschicberie Per|öii- lichketten, darunter Geheimrat Töberler^ Prof Stuck, Fürst Albert von Thurn unb Taxis mit Gemahlin, Fürst Wrede usw. er- schossen worben seien.

Stuttgart, 2. Mai. (WTB.) Das Krieas- miniftcrium meldet: Verluste auf Seiten ber Spartakisten mindeitens 60 Tote Verluste von Gruppe Haas ein Toter, zwei Leichtverwundete.

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General-Anzeiger für Oberhesfen

u. Derlag: vrühl'sche Unie.= Bui)= u. Slemüruderei R. £«nge.Sd|riftleitung. <Be(d|äftsftelle u-vruckenl- Schxlftr. 7.

Versailles, 1. Mai. (WTV.) Im

.geftngcTT Tages war bem Guven. Brock- ___.sf-R antzau im Auftrage unserer Gegner tcklevhonisch milgcteitt worden, daß bcui mittag 12Ubr ün Hotel Tricrum die Sxmrnttifam ber alliierten und ano-uierten Regieru:tgrn zur P- fung der Vollmachten eintreffe unb ber Graf mifwforbcrt nrröc, sich dort mit ben beut= sften Vollmachten einzunnbcn. Ter Graf ließ er' mibem, baß er die beutüf/e Kvmnnstnm zur Pru- fuw» ber Vrülmach'en, bestehend aus bem ReiätS- justrzmrnister Landsberg., bem QtenrtttffoirtmiiRg unb Tir^k.or Der Rochtsabteiluns der beutfchnD FrieHensbelegatton, Simons, unb dem Justitiar des Auswärtigen Reichßminilteriums Gebermrat 6>aus, bcauftmgit habe, zwecks Prüfung ber beider- seinem Vollmachten zur angegebenen Zeit im Tria'.uon zu sein. Taoaufhin flam heute mTttot) bir amtliche telcvhv.ttsche Mitteilmts.day der Prafi- beut ber gegnerifikmi .Prusuwgsivmnnffton, ocr B-ot schafter Jules Cambon, benGrafenBrock^ borff-Rantzau bitte, felbü kommen zu wollen Außer Cambon toürbet ^mrbtiv I v '^ankreich intb England werden I le

........ an bet Spitze, feinen Sonntag mtd lernen Feiertag, ja sogar auch keineNacht- ruhe gehabt hätten, fühlt es jetzt, wie sehr eine Negierung aud) bie Gebulb unb Genügsam- feit des Dolles braucht. Er denkt über die Auspeitschung der Massen anders als früher, und würde am tiebften das hochgeschwollene Meer von Agitation und Propaganda, ge­steigerten Forderungen und Illusionen nach­haltig absliehen lassen. Sein publizistischer Mitstreiter, berVorwärts'", hat einen Tag vor der Maifeier geschrieben, das Proletariat habe jetzt leinen eigentlichen Klasfenkampf mehr zu führen, vielmehr sei unser Boll tn dieklassische Zeit" des Sozialismus emge- treten, wo schrittweise bas erreichte und er­reichbare Ziel verwirllicht würbe . . Das berührt sich wieder mit dem indessen eni wenig «ranzig schmeckenden Optimismus Schei- demanns, hoffentlich vom nächsten Jahre ab würde der 1. Mai ein Feiertag für die ganze