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Attz«ns der Stadtverordneten.

za. Gießen, 31. D^ember.

Am letzten Tag im alten Jahre mußten die «dadtvLter nochmals ihres Amtes walten, da ihre Zustimmung zu einer Verordnung über die Er- irerbs^ysenfürsorge notwendig war. Nach frncht- Loser D -otte, die sich darum dreht', daß di' Sta-f die Auslagen nur vorlagsweise übernehmen solle, wurde im Sinne der Verordnung beschlossen. Von besonderer Wichtigkeit war noch, daß infolge der Einführung des Achtstundentags eine finanzielle Mehrbelastung der städtischen Betriebe entsteht, die in einer Erhöhung des Licht- und Wasser- Preises zrttage treten wird.

Die Sitzung begann um 31 /2 Uhr und wurde, da Oberbürgermeister Keller erkrankt ist, vom Beigrwrvneien Kreuz ien geleitet. Anwesend waren außerdem: Beigeordneter Grünewald sowie die Stadtverordneten: Heichelheim, I a n n. Krumm, L ö b e r, Orbig, Petri, Plank, Simon, Sommer und Vetters. Zu Urkundspersouen mürben erwählt Jann und Simon.

Unter Piknkk 1, Mittelungen, teilte Berg. Krenzüm den Dank des Vereins städt. Beamten und Gießener Lehrer für die bewilligte Teue- rmrgszulage mtb des Arbeitsausschusses des Kura­toriums der Garämbauschule für den bewilligten Zuschuß von 500 Ml. mit.

Punkt 2 betraf die OrtSsatzung einer Vervrd- Ttirreg des NeichSwirtschastsamtes über Erwerbs losenfürsorge. Die Höhe der Sätze sind aus der in unserem heutigen Anzeigenteile veröffent­lichten Verordnung zu ersehen. Der F-ürsorge- ausschuß besteht aus dem Oberbürgermeister, ztv-ei Arbeitgebern sowie zwei Arbeitnehmern und je einem Stellvertreter für jede Grupoe. Die Kon­trolle mnerstrht dem Städt. ArbeitsnachlveiS.

Stadtv. Sommer äußert Bedenken gegen das am 13. September 1918 erlassene Gesetz, da die finanzielle Last den Städten aufgebürdet wurde.

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Er trat loohl für das Gesetz ein, rofnrfrbte ober, daß die Stadt mir vorlagsweise die. Auslagen übernehme. Eine Abschiebung von Aufgaben des Staates auf die Gemeinden sei unzweckmäßig und müsse vermieden werden. Sonst hätten wie in diesem Falle eirnelne Gemeindeit, wie Gießen, mit besonders großen Auslagen zu rechnen, da mit einein Zustrom aus den Industriegebieten zu rech­nen sei.

Beig. Krenzien wendet dagegen ein, nur der sei berechtigt, die Unterstützung zu empfangen, der seinen Wohnsitz in Gießen habe. Den Sätzen liege der ortsübliche Tagelohn zugrunde.

Beig. Grünewald führte an, daß es sich um ein Gesetz der anerkannten Neichsgetvalt handle unb ausgeführt tverben müsse. Die Verordnung sehe auch an erster Sttckle Reichsmittel vor. Eine Kritik sei zwecklos.

Stadw. Krumm stimmt der Verordnung zu und drückt sich sehr pessimistisch über die Wirt- sck)astsverhältnisse aus. Stadtv. Jann rät zur Vorsicht bei der Zuteilimg der Erloerbslosen- fürsorge. Beig. Krenzien versichert, der Ar­beitsnachweis biete dafür Gewähr. Stadtv. Schaffstädt wies darauf hin, die finanzielle .Last verteile sich auf alle Gemeinden. Weiter ver­breitete er sich über die Unlxütbarkeit der hohen Löhne, die auch der Verordnung zu.gründe lägen. Dr. Seip äußerte sich zmn Tage-'ohn, der vom Reichsversickierungsamt eingesetzt iverde. Auch hier sei eine Abänderung unmöglich. Stadtv. Vetters flimnitc Beig. Grünewald zu. Unterstützung sei irotwendig, allerdings müsse Bedürftigkeit vor- liegeir und die Arbeitslosen müßten geeignete; Arbeit annehmen, da ihnen sonst die Unterstützung entzogen werde. Beig. Grünewald weist darauf hin. Arbeitsgelegenheit sei genügend vorhanden, z. B. durch Straßenauffchluß. Beig. Krenzien versichert, alles sei in die Wege geleitet, Arbeits­losen Beschäftigung zu geben. Stadtv. Krumm sieht doch Arbeitslosigkeit voraus. Der Privatmann tönne nicht bauen und den Gewerbe treibenden

Telgte es an allem, auch sie würden arbeitslos wer­den. Die nnrtschaftlichen Zustände köimten nur durch ein vermehrtes Arbeiten der Notenpresse gehalten werden. Hierauf wird der Verordnung ein­stimmig zitgestimmt.

Punkt 3 betraf die Nachbewilligimg von Mit­teln für die Einführungdes Achtstunden­tages in den städtischen Betrieben. Die Ginfüljrung verlangt eine Mehrbelastung der städtischen Finanzen für das Stadtbauamt um 50000 Mk., Eleklrrzitäiswerk 28 000 Mk., Straßen­bahn 25 000 Mk., Gaswerk 33 200 Mk., Wasser­werk 3500 M., zusammen 139 700 Mk.

Stadtv. Krenzien bittet, die Mehrbeträge tzU bewilligm intb zu genehmigen, daß die Be- triebsdeputation über eine Erhöhung der Licht- und Gaspreise berät, wodurch der Ausfall wieder ein» gebracht werden soll.

Beig. Grünewald spricht über die wirt­schaftliche Lage, die um? noch neue Nullstundentage bringen werde. Tas wirtschaftlicl-e Leben gehe daran zugrunde und mache uns dem Auslände gegenüber konkurrenzunsähig. Trotzdem müsse der Antrag bewilligt werden. .

Stadtv. Krumm erwünscht baldige Vorlage der erhöhten Licht- und Wasserpreise. Stadtv. fetter 5 verteidigt den Achtstundentag, der die Leistungsfähigkeit der Arbeiter erhöhe. Den Kvsten- mrschlag der Stadt findet er reichlich hoch gerechiret. Stadtv. Heichelheim schlägt vor, die Bor- beratung der Deputation zu übertragen. Der An­trag selbst loirb genehmigt.

fjhrnkt 4 betraf Neubeschaffung von Diensträumen für die Stadtverwal­tung. hierzu ist eine Austeilung des Stadtver­ordnetensaales in Arbeitsräume vorgeschlagen. Die Stadtverordnetensitzungen sollen in einem benach­barten Saal abgehalten werden. Beig. Grüne­wald widerspricht, zumal da bei der bald zu er­wartenden Neuivahl der Stadtverordneten ein großer Saal erforderlich sei. Stadtv. Sommer hält es für einen Schildbürgerstreich, die Erweire-

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rung der Stadtveovrdnetenversammlun i - unmöglich zu machen. Ter Antrag iv c an ine Baudepittaition zurückverwiesen.

Punkt 5, Uebemahme der Miete für die Brockensammlung mff die Stadtkaffe für >> c Dauer des Krieges wird genehmigt. Die Miete re- trägt 85 Mk.

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Stadtv. Schaff ft ädt fragt an, worauf die gestrige Störung des elektrischen Lichtes zurück" zuführen sei. Beig. Krenzien gibt Auskunft, es ffch um einen Mfaschineit defekt infolge allge­meiner Abnutzung und erhöhten Wasserdruck des Lnxlflvassers auf das Abdampswasser gehandelt hab-. Dadurch sind Schrauben abgcDrodjcn und du Pleuelstange ist in llnorbrnrng geraten. Stadtv. So mmer hält es für unl>eintlich, daß in wenigen Tagen fünf Ataschinendefekte eingetreten seien. Er verlangt UutersuäMNg durch einen Sachverstän­digen. Beig. Kr enzren betont nochmals, bte all - gemeine Äbnutzung sei schuld.

Stadtv. Jann wendet sich gegen das Rau. chen auf dem Friedhof.

Stadtv. Krumm legt Beschwerde ein, bie Geschäfte müßten um 5 Ulyr aus Mangel an B. leuchtung schließen, während verschiedene Lokale bis 3 Uhr nacksts Tanzerlaubnis erhielten.

Beig. Krenzien antwortet, die Feie, abend st unde werde in den nächsten Tagen all gemein auf 10 Uhr festgesetzt.

Außerhalb der Tagesordnung wird außerdemi über die Trennung von Hofreiten bv schlossen. Es handelt sich um eine Hofreite in der Steinstraße und um eine weitere in der Marburg?r Straße-Bückingstroße. Die Genehmigung wird bk- dingungsweise erteilt und die Befreiung von § IG der Polizeiverordnung befürwortet.

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