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169. Jahrgang
Anzeiger für Oberhessen
Zwi.Üugsr.mddruS u. Verlag: vrühl'fche Univ.-Such- u. LteindruSerei R. Lange. Schr-ftl-itnng, SefchSstrsteUe u. Druckerei Schulftr. 7-
Gebot der Selbsterhaltung des Bürgertums, skorps die alleinige miliiärisck>e Komm midoaewalt der bürgerlicheu Gesellschaft, der ^erteidi- mis. Danttt nt beutirf^rine ITrmoqlrrf)- (jung unseres Wirtschaftslebens gegen ver- tot ter ®»ie«wfmnw ter
Nichtende Experimente der sozialistischen Par» srgaffenM(rftanbS.omnii"fiion mmereat, nunmehr
Die Gefahren im Osten.
kommcmdo bei* 3. amerikanischem
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beginnt. „ ,
Berlin, 2. Ian. WTB.) Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" schreibt über die Vorarbeiten strr die Friedenskonferenz: ,
„Wie Mir von zuständiger Seite erfahren, nehmen die von der Reichsregierung angcoitnctcnt Vorarbeiten für die Friedens w uferen; einen guten Fortgang und dürften demnächst zum Abfchlui; gelangen. — Der Schwerpunkt der Arbeiletr liegt naturgemäß beim Auswärtigen Amt, wo das austerorventlich umfangreiche Matenal von der politiickxm, handelsvolilischeu und Itechlsabtciümg bearbeitet wird. Außerdem nehmen aber auch zahlreiche Reichsämtec und sonstige Behörden, namentlich das Reichsamt be-3 Innern, das Reichswirtschaftsaint, das Reichsschatzamt, daS Reickn-teiinid- hi'itsamt, das Reichsmariueamt und das Kriegs- Ministerium an diesen Arbeiten teil. Für besondere Fragen technischer Natur sind sehr zahlrcühe namhafte Sachverständige zur Mitarbeit herangezogen worden."
Die Amerikaner in Kolkten^
— Koblenz, 1. Ian. Die Amerikaner Hand« haben ihre hiesige Herrschaft mit weitherzigster Milde. Die Bürger hörnten gehen, wohin sic wollen, zwischen dem rechtsrheinischen und linksrheinischen Gebiet be- steht keinerlei Paßzwang. Der Wunsch des Ober- kommandierenden, daß die Bevölkerung tun möge, als ob eine fremde Besatzung gar nicht da wäre, ist tatsächlich ersüllt. Die Soldaten geben dem Stadtbilde eine sehr lebhafte Rote: sie machen viel Einkäufe an Goldsachen und Juwelen, eine besondere Boriicbe zei« gen sie jedoch für deutsche Ordensauszeichnnngen und militärische Gradabzeichen, sowie für Helme, Deo-n usw. Das von den Amerikanern veranslaitete nachtsfest für die Bürgerschaft zeigte einen außer- ordentlichen Besuch. An dem Regierungsgebäude prangte ein riesiges mit zahllosen elektrischen Lämpchen übersätes Mooskreuz; in der Anlage erhob sich ein acht Meter hoher lichtcrgeschmüchter Tannenbaum. Die Jugend erhielt eine Menge Süßigkeiten unt Tausende von Blechtrompeten. Auf den Plätzen spiel, tetr die amerikanischen Kapellen deutsche Weihnachts- lieber. Für die Bevölkerung richtete die Verwaltung K 0 n s u m a n st a l t e n ein, in denen alles für billiges Geld zu haben ist.
Reifen ins besetzte Gebiet.
Rach Ikbcreinbommen mit dem Ober»
der Liften mit größter Beschleunigung ein zu- laden, lieber das Ergebnis der Beratungen werden wir berichten.
„Sozialismus ist Arbeit".
Rach dem jüngsten Schneefall suchte die Stadtverwaltung von Berlin zur Straßenreinigung 1000 Mann. Auf ihre öffentliche Aufforderung meldeten sich von den lOOOOO Arbeitslosen der Reichshaupt- stadt - 17 Mann! Und während täglich Tausende und Abertausende den großen Städten zuströmen und dort die Massen der auf Kosten des Staates versorgten „Arbeitslosen" vermehren, schaut vieler Orten die Landbevölkerung vergeblich nach Arbeitskräften zur Bergung der Kartoffeln und anderer Hackfrüchte aus die vermutlich vielfach dem sicheren Verderb entgegengehen. Und während zahlreiche Industriebetriebe aus Mangel an Kohlen stillgelegt werden müssen und die Heizvorräte für Eisenba n und Haushaltung völlig auf die Neige zu gehen drohen, bleiben die Nachstagen nach Bergwerksarbeitern nahezu ergebnislos. Staat dessen aber wird immer und immer wieder zu neuen Streiks in den Kohlengebieten aufgerufen. Wann wird endlich Vernunft und Pflichtgefühl dieses wilden Taumels Herr werden und uns zu geordneten Zuständen kommen lassen?
der französischen Kammer sich zu folgendem Satze verstiegen: „Wenn Deutschland füt seine Expansionsgelüste das günstige Gelände findet, \ das es sich durch den Bolschewismus vorzubereiten hofft, so würde durch diese Gefahr der ganze Vorteil unseres Sieges vernichtet." Es wäre an der Zeit, daß die Engländer nnd Franzosen selbst einmal mit den Bolschewisten in engere Verbindung treten würden. Wir Deutsche aber müssen eine kraftvolle Re- gierung haben. Erstens, um die Gefahren für unsere Ostinarken wirksam und durch Taten zu verteidigen, zweitens, um die Zumutungen gewisser Kreise der Entente abzuweisen und in das rechte Licht zu stellen.
Zur Einigung de; Bürgertums.
Die Deutsche Volkspartei hält es für die dringlichste Aufgabe aller bürgerlichen Parteien, ohne Unterschied, bei den bevorstehenden Wahlen eine sozialdemokratisches Mehrheit zu verhindern. Jede andere Frage des staatlichen Neuaufbaues kann deshalb! hinter diese Frage zurücktreten, weil die Ge- fahr einer sozialdemokratischen Mehrheit in den Parlamenten unmittelbar drohend ist. Das selbständige Vorgehen der bürgerlichen Parteien ist nach der Neberzeugung der Teut- frfjen Volkspartei nur geeignet, eine möglichst große Anzahl von wahlberechtigten Männern und Frauen an deit Wahltagen -an die Urne zu bringen, ohne daß eine allgemeine Ver- "Mischung der politischen Grundsatz und Par- teiuuterschiede eintritt. Unter der^tzerrschaft des Verhältniswahlrechtes ist die Notwendigkeit eines einheitlichen Wahloor- schlages, ocr unter dem früheren Wahlrecht zur Ue.berwindung der Sozialdemokratie unbedingt Erforderlich mar, nicht mehr gegeben. An dessen Stelle'tritt mit dem gleichen Er-
M.2
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Die Lage im Osten.
Posen, 31. Dez. (WTB.) Zn Gnesen haben die Polen, wie aus polnischer Quelle gemeldet wird, ohne Blutvergießen die Dragonerkaserne besetzt und die Verwaltung der Stadt übernommen. Am Sonnlao kam eine Abteilung des Heimatschutzes aus Bromberg an, welche die Uebergabe der Stadt Gnesen forderte. Es entspann sich ein kurzer Feuerkampf, bei dem es einige Tote auf beiden Seiten gab. Darauf wurden Verhandlungen eingeleitet, welche damit endeten, daß die Deutschen sich verpflichteten, Gnesen und Umgebung zu verlassen, während die Polen die Hälfte des eroberten Kriegsmaterials Herausgaben Die Gefangenen wurden freigelassen. Verschiedene kleine Städte wie Schrimm, Lzempin usw. wurden aufgrund friedlicher Vereinbarung in polnische Verwaltung übernommen.
Die Räumung Rigas.
Sankvertehr: Gewerdebank Gießen
teien, daß die bürgerlichen Parteien von jenem Mittel der Vereinheitlichung ihrer Kampffront gegenüber der Sozialdemokratie einen zielbewußten Gebrauch machen. Die Darmstädter Ortsgruppe der Deutschen Volkspartei hat deshalb am 21. Dezember an die sämtlichen bürgerlichen Parteien nachstehendes Schreiben gerichtet:
„Tie Gestalt'.arg des Wahlrechtes sowohl im Reiche wie in Hessen wird die Gefahr einer sozial- demokratischm Mehrheit in den beiben Parlamenten als unmittelbar bevorstehend zur Folge haben. Tie Abwehr einer sozialdenwkratischen Mehrheit in den Parlamenten imb damit die Abwehr der Ver- wirklichung des Erfurter Programms auf dem Geriete der Wirtschaftspolitik nnd der sozialdemokratischen Forderungen auf kulturellem Gebiete, ist nach Unserer Auffassrmg die dringlichste, allen bürgerlichen Parteien gemeinsame Ausgabe. Es muß deshalb alles geschehen, nm zu verhindern, daß tatsächlich die sozialdemokratisckien Parteien die Mehr-
Die Friedenskonferenz.
L o nd on, 2. Jan. (WTB.) Wie die „Evening fltews" meldet, wird ein großer Teil der brthldpt Delegation zur Friedenskonferenz am nächsten Samstag nach Paris abreifen. Der britlscheir r^rre- densdelegation merben außer Llotzd George, Balfour imb Bonar Law noch angeboren.: Lord Soar- dinrjs: ferner vom Ausroärtigen Amt Sir Wrlirr.m Tvrell, Sir Louis Mallet für türkische Angelegen- heilen, Sir Howard für Angelegenherten Rord- europas, Sir Ralph Paget für BalkananIckegen- leiten. Es ivirb der FriLdensdelegation auch eine Abordming des Kriegsamts, der Admiralität und des Luftamts angehören.
Lon d 0 n, 2. Jan. .WTB? Reuter. Eine amtliche Erklärung bestätigt die Meldung der „Ebeumg fltews" über die britische, nach Pans gehende Ao- lordnrmg und fügt hinzu, daß der Premierminister Und Bonar Law erst Mitte nächster Woche abrersen. Balfour befindet sich bereits in Frankrerch. Mmr nimmt an, daß die Konferenz am 13. Januar
1 tiigt von heute ab für Reisen der Zivilbevölkerung in das von Amerikanern besetzte Gebiet ein von einer ordnungsmäßigen staatlichen Verwaltungsbehörde (Landrat, Bürgermeister, Polizei, nicht Arbeiter-, Soldaten- oder Bauernrat) gestempelter Passierschein (Reiseerlaubuis) mit Angabe des Zwecks, Dauer, Ort usw. der Reise und Personatbeschreibung. Für sämtliche Reisen in daS besetzte Gebiet des Abschnitts III ist tunlichst die Strecke Jachen- bürg — Altenkirchen — Bendorf - '. hren - boeitstein—Coblenz zu benutzen. Zivilpersonen, die das amerikanische GeRei zu verlassen wünschen, melden sich in Covlenz bei der amerikanischen Paßal'teiluug im Regierung s geb äud^, 1 Treppe, am Rh. in. die durch die englische bezw. französisch.' Mission beim Oberkommando der amerikanischen Armee die Genehmigung zur eventuellen Weiterreise vermitteln will. Die französische Mission fordert zur Weiterreise einen Passierschein mit Photographie des betreffen-
solge der Gedanke der Verbindung der, Kandidatenliste. Die Deutsche Volkspartei halt es allerdings für ein dringendes |
Die Versammlung des Landesausschusses der Deutschen Volkspartei für .Hessen hat in der Sitzung am 30. Dezember beschlossen, entsprechend den Darmstädter Vorschlägen, die Parteileitungen sämtlicher bürgerlichen Parteien zu Verhandlungen über die Verbindung
f. die L-'.gcsn.umwer bis- zum Rachmiuci i vorher ohnejede L'crb'jiDiidjfc'.t
Zcilrw-rnse: für örtliche 'Anzeigen- 25 bi.,für ait-jioc. rtige 00 Pi., bi- Reklamen Mk.l.-uel-st 20 ' „ireuc- rmmszuj t Lei;'-15(ar,oo'.' schrüi 20 % A«'schlag. HauptjchriNleiter: 2lug. Goeg. Verantwortlich biv Polit । : 'Au v l'>oet;. für den übriacnXcil: Dr. Reinhold Zenz: für den Anzeigenleä: -b. Beck; |ämti 1 d) in Gießen
drohten Lage, daß ein Halten bef Stellungen um Hm- zenverg unmöglich war. Mit dem Augenblick, m dem die Truppen der Bolschewiken die Iägelstellungen er- reicht haben, ist die Räumung Rigas unvermeidoch geworden, besonders wenn man die Stadt schonen und nicht einer Einnahme mit stürmender Hand aus- jetzm will. Die englische Flotte hat sich außerstande erklärt, ihrerseits kämpfend und schützend einzugregem Unter diesen Umständen ist, nachdem der Abnaiisport aller Truppen sich vollzogen hat, die Räum> ng Rigas noch im Laufe dieser Woche beschlossen worden. Die Akten der Gesandtschaft und der größere Teil des Personals sind bereits nach Mitau übergestedelt. Der Gesandte mit seinem engsten Stabe ist noch m Riga geblieben, um erst im letzten Augenblick gemelnsam mit der provisorischen lettischen Regierung ebenfalls nach Mitau zu gehen. Da noch tausend Reichsbeuduie sich in Riga aufhalten und große Werte an Prwat- besitz und Heeresgul noch nicht abtransporvert sind, wird auch nach der Uebersiedelung der Gesandt^chajt nach Mitau ein Vertreter des Gesandten mit etroatgen Hilfsarbeitern in Riga bleiben, um die reichsdeutschen Interessen auch gegenüber den Bolschewiken zu vertreten.
Riga, 1. Jan. Am Silvestertag haben die deut- scheu Streitkräfte der Eisernen Division ihre Stellungen bei Hinzenberg räumen und sich auf die Fagel- stellung zurückzichen müssen, die nur wenige Kilometer von Riga entfernt ist. Der deutsche Gesantfte, der sich tags zuvor im Panzerzug in die vordersten Stellungen begeben hatte, um sich über die Lage zu unterrichten und die Truppen zum Widerstand anzufeuern, traf die schwachen Streitkräfte bereits in einer so be
reit in den Parlamenten erlangen.
Jeder Abgeordnetensitz, der für dos Bürger- tum erreichbar ist, muß mit allen Mitteln erstrebt werdeir. Tas wirksamste Mittel, welches das Wahlrecht bietet, ist die Verbindung der Wablvorschläge der bürgerlichen Parteien. Eine solckte Verbindung beeinträchtigt in keiner Weise die durchaus selb- ständige Werbearbeit nnd Politik der bürgerlichen Parteien.
Sie ermöglicht jedoch sämtlick)en bürgerlichen Parteien eine günstigere Stellung gegenüber der Ueberlegenheit der sozialdemokratischen Wähler-
Dre deutsche Demobttisatisn.
Berlin, 1. Jan. (WTB.) Die Entente erblickt, wie die Deutsche WaffenstillstanLslmn- mission mittcilt, den tzanptstmck des Wafseustill- standes darin, eine Wiedermifirahme der Feindseligkeiten durch Teir'rschland zu verhiudenr Dar Geist, in welckiem alle weiteren Verhandlungen von feiten der Entente geführt werden, hängt also davon ab, die Ghttente zu überzeugen, daß DeuNch- laird die Demobilmachung ohne jeden Hinlerech'an- leu tatsächlich so schnell wie.möglich durchführt. Darum war es von Wichtigkeit, der Entente eine illcbersicht über die Fortschritte der deutschen Demobilmachung zu bieten. Das ist von feiten^der Deutschen Wafsenstillstaudskommission zum Jahresschluß in Form einer Note geschehen. Aus dieser Uebersicht geht hervor: An der gesamten, Westfront befhtben sich, abgesehen von den Friedens- garnisouen, nur roch einige 20 geschlossene deutsch Divisionen, deren älteste Jahrgänge auch bereits entlassen worden sind. Die Arnleeoberkommaudvs und Heeresgruppenkommandos sind bereits in der Auflösung begriffen. Damit geht die nlilitärisch Kommandogewalt an der Ostgrenze der neutralen Zone vollständig in die Hand der Friede n- Generalkommandos über. Dieser Zustand ioir> bei der Heeresgruppe A bis zum 2. 1., bei de>- Oeercs- gruppe B zUstschn dem 10. und 13. 1. und bei der ^leeresgrup re C etlua um dieselbe Zeit erreicht sein.
1 Im Bereich der frübeten 5>eeresgruppe D übt I schon jetzt das Generallomincurdo des 14. Armee-
Waffenftillstandskommisiüm angeregt, nunmehr weitere Erleichterungen für den Verkehr und die Verwaltung im besetzten Gebiet zu gewährest uno an allen geeigneten Sitzen der alliierten Kom- mandobehörden d.ncksche Verhiickarngsofftziere em- zustellen. Diese sollen die Kontrolle der Polrzer- truppen in der neutralen Zone,, Regelung örtliche Anfragen sonne Einreiseerlaubnisse u lv. erlcichteru. Ferner wiederholte die Deutsch Wafienstillstands- kommission ihr Ersuchen, zum Rücktransport der deutschen Truppen aus der Ukrame (mirb 2oO 000 Mann) den Scetveg fr einig eben. Rach der letztem Meldimg ist die Bach für den Abtransport aus Nikolajew bereits in den Händen starker Bolich- niiftenbanben. Der Landweg ist völlig,abgeschnckten. Einen deutschen Bahnschutz gibt es nicht mehr. Die Gefalw wächst täglich, da mit den Angrifseir übermächtiger russffchr revolutionärer Kräfte zu rech Iren ist. Tie Kampfkraft der noch auf _ russischem Boden stehenden deutschen Truppen ist infolge der Abgabe von Waffen und Munition an die Entente sowie durch beit Mangel an Geldmitteln und ausreichender Verpflegung sehr geschwächt.
Tie Berechtigung dazu wurde zugeftazchen. Eine Verpflichtung gegenüber den Alliierten, für Ruhe und Ordnung zu forgen, hat Deutschland damit nicht übernommen. Deutschland ist der Ausgabe nachgekommen, im Osten für Ruhe und Ordnung zu sorgen, freiwillig, solange es in seiner Macht lag. — Nunmehr tat neuerdings der Vorsitzende der Teutsck>en Was fensti! l standö Lo mm issüm, Staatssekretär Erzberger, unter Bezugnahme auf diese Erklärung des Generals Winterseldt den deutschen Vertreter in^Spaa gebeten, nochmals darauf hin zuweisen, daß die Auffassung, als ob wir in Artikel 12 die Verfstlichiung übernommen haben, unsere Truppen so lange int Ostgebiet zu belassen, bis t-ie Alliierten ihren Abzug für zweckmäßig
halten, nicht der getroffenen Abmachung entsprickst. Wir haben seinerzeit — so lautet die Aeußerung des .Staatssekretärs Uwrtlich weiter —, als von ctns die sofortige Näumrmg verlangt wurde, mit Rücksicht auf die Unmöglichkeit ihrer ra scheu Lüis- sührung wegen des Mangels an Effenbahn material hmd im Einblick auf das bedrohte Schicksal der besetzten Gebiete darum gebeten, unsere Truppen noch länger dort lassen zu dürfen. Tavauf wurde uns ü>i-es .in Form der endgültigen Fasftorg des 'Artikels 12 bewilligt, .so daß die Worte: „Sobald die Alliierten den Augenblick für gekommen erachten" den äußerstell Zeitpunkt bezerchnest, bis zu dem wir die Gebiete besetzt halten können, nicht etwa den frühesten, zu dem »vir berechtigt li'.id, ie zu räumen. Tie Annahme der (Entente, als ob msere Tnippen eigenmächtig ober gar auf höheren Befehl dem Bolschewismus absichtlich Vorschrib leisten, sei es direkt ober durch Behinderung anti- bolschewistischer Ataßnahmen, ist nicht zutreffend. Auch wir und unsere Truppen sehen in dem Bolschewismus eine außerordentlich große Gefahr und tun alles, um diese Gefahr abzmvelwen. Tie Entente wird yngeben müssen, daß diese Gefahr für uns viel größer ist als für sie selbst ober sonstige Staaten der Welt, und kann davon überzeugt sein, daß wir schon im eigenen Interesse alle möglichen Maßnahmen treffen, um das Vordringen des Bolschewismus zu verhindern. Daß unsere Truppmr nach vierjährigem Kampf in Anbetracht der Lage nur ued) den Wunsch nach Rückkehr in die Heimat hegen und daher dem Vorrücken der.roten Truppen nicht überall den Widerstand entgegensetzen, der inte selbst erwünscht ist, können wir nicht bestreiten. Wirr 'tun aber alles, was in unseren Kräften stellt, um dieser Kampsmüdigkeit der Truppen durch Ermahnung, Aufklärung und Ersetzung durch frisckinre Trichpenkörper entgegenzuwirdm. Wenn die Entente die Auffassung hat, der Bolschewismus sei eine Gefahr, der auf jeden Fall mit allen Mitteln entgegengetreten werden müsse, und wenn sie der Ansicht ist, daß innere Kräfte dieser Aufgabe nicht genügen, wäre es zweckmäßig, wenn sie i'elbjt ihre Lösung in die Hand nehmen ober wenigstens sich daran beteiligen würde. Jedenfalls müßten wir nochmals darauf Hinweisen, daß wir die Aufgabe lediglich im Interesse der Allgemeinheir und der besetzten (Miete übernommen haben und auch gern weiter nach Möglichkeit übernehmen wollen, daß uns aber eine entspreck)ende Verpflichtung im Artikel 12, wie die Entstehungsgeschichte der jetzigen Fassung klar ergibt, nicht auserlegt worden ist.
Zreitag, 5, Januar M
Annahme von Anzeigen^
Die Ereignisse und Bedrohungen im Osten des Reiches erfordern zur Zeit eine ganz besondere Aufmerksamkeit. Der preußische Minister Eugen Ernst, der in Begleitung Paul Goehres, des Bevollmäcktigten des Kriegsministeriums, ;m Auftrag der Regierung in Pofen geweilt hat, um an Ort und Stelle Untersuchungen mizustellen, ist zurückgekehrt und hat einem Vertreter der Presse gesagt, man müsse sich in Deutschland unbedingt klar darüber sein, daß die Machtverhältnisse in Posen in den letzten Tagen sich sehr zugunsten der Polen gewandelt lstitten. Posen und der westliche Teil der Provinz befänden sich in den Händen der Polen. Unter diesen Umständen müsse man in Güte | mit den Polen verhandeln. Diese hätten ihm j gesagt, sie hätten zwar zur Errichtung des großpolnischen Staates die feste Absicht, die Provinz Posen abzutrennen, doch wollten sie die deutsche Regierung nicht vor vollendete Tatsachen stellen. Die Entscheidung solle von der F-riedenskonferenz gefällt werden.
Die Blätter der verschiedensteii Parteien wenden sich mit vollem Recht gegen diesen eigentümlichen Standpunkt. Unsere Regie- rungsvertiteter haben in den Ostmarken keine rühmliche Rolle gespielt. Auch Herr v. Ger- lach, der dort „Verhandlungen" geführt hat, ist von den Polen zum Besten gehalten wor-
Wo diese.sehen, dE bie Deutscheu^zu oer lozimveuw 1 rm 1 i-ar-ri «sumer-
schwach sind, UM das Feld behaupten, ma^en Ohne daß eine Verwischung der grundsätz- greifen sie dreist zu. Was soll au.' linieren I Unterschiede zwischen den bürgerlichen Par- deutschen Landsleuten werden, die wir nach I M befürchten wäre, kaiur durch eine Verbinder Auffassung Ernsts unrühmlich im stiche tnng der Listen zugunsten des Bürgertums ein Gelassen sollen? Wie bitter rächt sich jetzt die >vinn von unter Umständen drei bis vier Mandaten Auflösung des deutschen Heeres! Es wäre erzieU .werden.- ,
früher ganz nmnöglich gewesen, eine Mel. unb mroben te 6a
Ltnrt prtrfl- w hite bpfrmt hi? Bolen dem vorbereitenden Landesausschuß der Deut,ck>en
Äin ÄatMiS Bolksvartei in Hessen beantmgtn, bafi sich die bür- ^akf tätigten, auf Berlin vorzumar schier en. glichen Parteien also (»on links nach rechts) die Man hatte ein homerisches Gelachter darüber I Demokratische Partei, die Deicksche Volkspartei, das angestinnnt. Jetzt aber ist diese Meldung, Z^trum und die .Hessische Volkspartei durch Ver- die freilich unwahr ist, vielfach geglaubt wor- binbung ihrer Wahlvorschläge nach Möglichkeit zum den. Der neue Chef des Militärwesens in Schutze der bürgerlicheii Interessen bereinen, der deutschen Regierung, Noske, wird gegen-1 Ta die zu diesem Zivecke erforbprl-- beit herüber den Gefahren im Osten kräftig zupacken Handlungen teilten Wlssckmb dulden waren wtr müssen. Auch daß die russischen Bolschewisten für eine m»glic6ft umgehende RuAuhevmg sich der Stadt Riga bemächtigen können, ist Uber Ihren Standpunkt zu der,^age, »erbuntmi.., ein großes Armutszeugnis für den gegenwärtigen deutschen Militarismus. Die Entente, die auf ihren einstigen Bundesgeiwssen, .Rußland, jetzt nicht mehr gut zu sprechen ist, will uns aus dem Vomnarsch der Bolschewisten einen Strick drehen! Dabei hat es bei -den Waffenstillstandsverhandlungen deutschen Lrängens bedurft, daß unsere Truppen aus •~en im Osten besetzten Gebieten nicht geradezu fluchtartig abziehen mußten. Aus der Erlaubnis, dort einstweilen rwch standhalterr zu dürfen, will man in Paris und London jetzt eine Pflicht machen, die uns auferlegt lverden solle, um die bolschewistische Flut
einzudämmen. Picyow hat in


