\t. 150
Swetter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Dienstag, 1. Juli 1919
Ber
vor
iruct verboten.)
Fortsetzung 2.
[i. Tas Betriebs personal der hrsgesell sch asten tal
Letzte Nachrichten.
Der Zrledcnsvertrag vor der französischen Kamircr.
lbewegung setzte. In seiner Proklamation fordert er das Volk auf, sich zur Verteidigung d.'s Landes MsammenMschlietzen. Sein Hauptquar Lt b. findet sich in Amasia. und sein Einfluß erstreckt sich über das gesamte Vilajet Brussa bis zur griechischen Befttzungstzvne. Ter Kommandant des 17. Armeekorps hat sich dieser
Gin neues Jahr," sagte Rayna, die kleine riiter eng an sich ziehend. „Em neues Jahr i>r neues Leben."
Wettervoraussage
für Mittwoch, 2. Juli 1919.
Vorwiegend bedeckt, zeitweise Regenschauer, Temperatur wenig geändert, westliche Winde.
agna Svendburg
inoman von Anny Wothe.
»Laß uns Frieden machen," bat sie schüchtern lehnte das Köpfchen mit den von Tränen über- Uten Augen an Ragnas Brust. „Ich weiß, daß i was du tust, gut und recht ist. Laß Ragna st. Großmutter, bitte, bitte!"
»Nein," sagte die Gräfin hart, und stampfte szisch den Krückstock, dessen fte sich beim Gehen jette, auf den Boden, daß es in dem hohen torf) widerhallte. „Sie bleibt hier."
..So werde ich ohne deine Erlaubnis und ohne tot Segen hinaus wandern müssen, Groß- ta," sagte Ragna fest und ein feuchter Schim- i trat in ihre großen, strahlenden Augen. Sie it^das Fenster des Turmgemackes auf und, Sigrid eng umschlungen, blickt sie hinaus in schneeige Winternacht. Es hat lufgehört zu toen, voll quillt das Mondenllcht zum Fenster mt bis hin zu der Greisin am Kamin, die müh- ■cie ent'allene Bibel auf hebt und mit zitterigen ^rn bei der auflohmden Flamme liest: „Lobe 'Herrn meine Seele." Die alte Frau sieht nichts ' der ganzen vollen Pracht der Winternacht da too. Tas Meer, das den ganzen Tag sich J getobt, ruht jetzt.still und verträumt, nur ^steigt sein Wellcnsang empor.
Tas Licht des Leuchtfeuers flackert hell auf 6 grüßt wie ein freundlicher Stern durch die ^lle Schneenackst zu dem einsamen Schlosse jp't. Vom fernen Torf her klingt es Mitter-
' US dem Amtsverkündigungsblatt.
Das Amtsverkündigungsblatt t 49 vom 30. Juni enthält: Tre Wahlen zum pvinzialtag und Feldbereinigung foju cn.
Die Wahlen zum Provinzialtag
[ Tie Neuwahl des Provinzialtags ist auf Sonn- y den 31. August 1919 festgesetzt worden.
I. Abstimmungsbezrrke. Auf B.sch'uß 6 Stadt verordne teuversammlungen und Ge° rinberätc kann durch die Bürgermeister bestimmt nbnt, daß die von ihnen für eine vorangegan- to Wahl angeordneten Abgrenzungen der Ab- immun^sbezirke auch für die Prooinzialtagsmahl Nkigkcrt besitzen. Zur Erzielung eines einhfit- ckn und verein facht en Verfahrens empfiehlt es I, toenn sämtlich? Gemeindevertrelungen in Stadt b Sanb Beschluß fassen, daß für die Provinzial- stttvahlen die gleichen Abstimmungsbezirke be- ihn bleiben, loie sie für die voran gegangenen ttictagswahlen abgegrenzt worden si.d. Bezüg- 6 her die Wahlen zum Provinzialtag betreffen» Bi Vorgänge sind besondere Wahlakten anzu- beu. di. von den die Wahlen zu den Kreistagen nrsfendeu Akten streng zu trennen sind.
I II. Verwendung vorhandener »äh le r l i sie n. Tie für die Wahlen der Stadt- krimctfit sowie der Gemeinderatsmi g ieder be- beu Wählerlisten find für die erstmalig am tAugust stattfindenden Wahlen zum Prvviu- Itag anzuwendcn. Zur Ausübung der Wahl I hiernach nur die in den bereits vorschrifts- »g abgeschlossenen Wählerlisten als stimmbe- tgt anerkannten Personen zuzulassen. Eine Mmaligc Offenlegung der Listen hat daher nicht Kt stattzufinden. Jede Aba d rung durch Auf- Inre ober Slrcichung von Wählern ist untersagt. IIII. Wahlvorstand. Tie Wahlvorsteher B ihre Stellvertreter werden für die Gemeinde 1 für jeden in ihr gebildeten Absfimmungs- Mk vom Bürgermeister auf Beschluß des Gc- Mderats oder der Stadlverordne enversammltmg Wnmt. während Beisitzer und Schriftführer vorn Mvorsteher ernannt werden. Tie Namen der IKahlvorstehern und bereit Stcllvertre ern er» luten Persönlichkeiten sind bis spä estens zum I Juli d. I. dem Kreisamt anzuzeigen.
A m st e r d a m , 30. Juni. (W. B.) Die „Times" berichtet aus Athen, daß dort eine antt liehe Meldung aus Konstantiiropel eingetvofsen ist, daß sich Mustafa Kemal Pascha, Befehls baber einer Heeresgruppe und unlängst zum Inspekteur der anatotischen Heere ernannt. an die Spitze einer gegen die Zentrale der Regierung gerichteten Aufstandsbewegung setzte. In
Tas Mandenlicht streut zitternde Funken auf die beiden Blondköpfe der Mädchen. Die Alte am Kamin klappt langsam die BibÄ zu, die rote Flamme glüht noch einmal hell.auf, dann erfischt sie ganz.
Es stvncht eine Möwe droben Tahin mit klagendem Schrei, Und einsam kommt sic geflogen. Und einsam fliegt sie vorbei.
Es dunkelt still auf den Wellen, Es dunkelt still in der Höh'!
Ter Bogel fliegt weiter und weiter. Hinaus in die Nacht und die See.
Edmund Hoefer.
Noch lag dichter Schnee auf den Buchen des Parkes von Svenoburg, noch glltzertc er in der sinkenden Wintersonne von den Türmen und Giebeln herüber zu dem alten Leuchtturmwächter, der glaubte, eitel Gold zu schauen und Frühliirgs- hift zu spüren, wenn seine alten Augen wie geblendet die Türme von Svendburg streiften. Freilich, wenn man große Tränentropfen in Den Augen hat, wie der alte Karras, bann blickt das Auge nicht klar, und man hält manches für „Gold was glänzt".
Tränentropfen^ Ter alle wetterharte Karras, der Ragna Svendburg einst auf den Knien geschaukelt und der ihr bester, und wie sie sagte, ihr einziger Freuno war, wie kam er dazu?
Ja, er wußte es selber nicht, aber Dort auf bet schmalen Holzbank hrtte sie noch gestern abend gesessen, uird während er Lampe um Lampe entzündete und die Meereswellen krachend den alten Turm umbrausten, hatte sie ihm gesagt, daß sic gekommen wäre, um Abschied zu nehmen, Abschied für lange Zeit, vielleicht für immer. Und dann hatte sie ihm erzählt, just an der Stelle, wo sie als Kind so andächtig seinen Märchen gelauscht, daß sie hinaus wollte in die Well, fort von der
von der Ausnahme ihrer Tätigkeit ab. Höhnisch wurde an manchen Stellen von den Streikenden erklärt, daß cs sie wenig kümmere, wenn in Berlin eine Anzahl von Frauen und Kindern verlmngcrc. Tie allgemeinen Jnterelsen werden in frivolster Weise vollständig von diesen wilden Streikeiw außer Acht getanen. Es wird also die Pflicht der Regierung sein, dafür zu sorgen, das unabsehbares Unheil von der Berliner Bevölkerung abgehallen wird. Ta die Anorditungen bet Or- ganisationsleiter keine Beachtung sinken, wurde angeordnet, daß jedem Versuch den Eisenbahn verie hr weiter zu unterbinden und durch Terrorismus die Arbeits ausnahme zu verhindern, mit größtem Nach druck entgegcnzutreten ist.
Schwere Ausschreitungen in Bielefeld.
Berlin, 1. Juli. In Bielefeld sind in Fortsetzung der Lebensmittelkrawalle neue schwere Ausschreitungen vorgekommen. Bei blutigen Zusammenstößen gab es Tote und Verletzte. ES gelang den Kommunisten, sich in den Besitz von Waffenvorräten zu setzen. Ratham uno Bahnbos wurden besetzt. Tie Behörden haben Regierungstruppen zur Helft gerufen.
Einmarsch der Reichswehrtruppen in Hamburg.
Hamburg, 1. Juli. (WTB.) Der Einmarsch der Reichswehrtruppen von allen Richtungen entwickelt sich plangemäß.
Das bayerische Schützenkorps in Altona.
Altona, 1. Juli. (WTB.) Das bayerische Schützenkorvs ist hier eingerückt.
Ein Waffenerlaß NoskeS.
Berlin, 30. Juni. (W. B.) Amllich. D» sondere Vorkommnisse veranlassen mich, im (Sht- Verständnis mit dem preußischen Handelsministerium und auf gründ des § Ob des Gesetzes üb:r den Belagerungszustand, allen in unter dem Bc lagcrungszustand stehenden Gebie t e n gelegenen Waffen- und Munitionsfabriken sowie Zwischenhändlern und Verkaufsstellen jeglichen Berkaus von Waffen, Munition und Sprengmitteln zu untersagen. Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft, falls die bestehenden Gesetze keine höhere Strafe andröhen. Ausnahmen unterliegen nur.er besonderen Genehmigung. Ich mache die Polizeibehörden für die lieberwachung und Turchführung des Berbo.s verantnwr.lich uni> weise insbesondere auf eine scharfe Kontrolle der Berkeh smi t l hin. Ter Olerbefehlshabcr. Nvskc
Die Hindenburg-Säule in Libau.
Berlin, 1. Juli. Nach den Morgenölättern wurde nach der Besetzung L i b a u s durch die Eng- läuder die Hindenburg-Säule, die von den deutschen Truppen am ersten Jahrestage der Einnahme Libaus errichtet worden mar, von der eng- lif d/cn Besatzung unter Teilnahme des gesamten Offizierkorps entfernt und die Gedenktafel, Adler usw. bejeitigt und in Verwahrung genommen. Auf den Trümmern der Säule wurde die lettische Fahne gehißt.
Eine Aufslandsbewegung in der Türkei.
verständlich ganz auf Seite Ihrer Frau Großmutter und muß mir als Oberhaupt der Famrfie ganz energisch verbitten, daß Sie als Gräfin Svendburg hinausziehen in die Welt, das Glück zy erjagen. So etwas überläßt man in unseren Kreisen kleinen einfältigen Bürgermädchen oder überspannten Personen, die zu viel Romane gelesen. Das mag hart klingen, und ich bitte meine gnädigste Kusine, mir meine Freiheit und ^Kühnheit zu verzeihen, mit der ich meine Meinung schreibe, aber wer das Leben kennt wie ich, der weiß, daß es ein Unding ist, wenn junge Mädchen unserer Gesellschaftssphäre eine andere Selbständigkeit erstreben, als die durch die Ehe. Eine derartige Versorgung, die haben Sie mir in Ihrem wirklich reizend geschriebenen Briese, für den ich Ihnen entzückt die Hand küsse, auseinandergesetzt, wäre eine Schande. Ten Aufenthall auf Schloß Svendburg und die Jahresrente, die ich Ihnen als Erbe Ihres Vaters bot, haben Sie stolz abgewiesen, es bleibt mir also nur Übrig, Sie im Interesse unserer Familie zu zwingen, entweder eine standesgemäße Heirat einzugehen, oder sich von Ihrem nächsten Verwandten erhalten zu lassen, was durchaus keine Schande ist, wie Sie anzunehmen scheinen, sondern das Einfachste und Nttürlichste von der Welt. In einigen Wochen hofft ich auf Svendburg einzutreffen, wo wir ja ganz gemächlich alles Weitere ohne Aufregungen, die mir, nebenbei bemerkt, ein Greuel sind — besprechen können Meinem reizenden Mündel Sigrid, deren Bild mich entzückt hat — warum schlossen Sie Ihr Bild nicht Sigrids Bildchen bei? — bitte ich zu sagen, daß ich zwar nicht dichten kann, wie ich gern möchte, daß ihr aber doch zu Füßen liegt Ihr Sie, meine Gnädigste, hochverchrender Vetter Sven Svendburg.
Eine heiße Rote des Unwlllens stieg in Ragnas- Wangen. (Fortsetzung folgt.)
Paris, 30. Juni. (WTB.) Havas. Longe Eröffnung der Sitzung waren in der Kammer alle Tribünen besetzt. Am Regierungstisch sitzen Clemenceau und alle Minister. Tesch anel
Das Programm des Kabinetts Bauer.
Berlin, 1. Juli. Einern Vertreter der „Deutschen 9IHgemeinen Zeitung" mochte Reichs- ministerpräsident Bauer über die politifclsen Auffassungen und das Programm b?r Regierung Mitteilungen, denen zufolge die Regierung ihre Hauptaufgabe darin si ht, den enormen Erfordernissen unser r Friedevsverpsl ich tu n gett gerecht zu werden und die Grundlagen eines neuen sozialen Wohlstandes zu kgen. Tie wirtschaftspolitischen Kampf - begriffe und Kamps m et Hoden des alten Staates, Lohnkämpfe. Str^-iks und Aussperrungen Erhielten eine veränderte Bedeutung. Es müsse das Mittel gefunden werden, vom gemeinsamen Interesse aus die das allgemeine Wohl schädigenden to.i r ts cha s t l i ch e n Streitigkeiten durch Schiedsspruch autoritativ zu regeln. Tie Regierung strebe danach, einen gerechten Ausgleich von Lohn und Arb-eitsfra^en mit dem staatlichen Interesse zu verbinden, damit überhaupt gearbeitet wird. Dieses. Programm werbe zugleich für die moralische Stellung Deutschlands nach Außen: ?lns der aufge- zwungenen Abrüstung würden wir eine wirtschaftliche Rüstung machen und hoffentlich dadurch unsere Gegner am schnellsten dahin bringen, unserem Beispiel zu folgen und ebenfalls ab^urüften. Auch die Idee des Völkerbundes habe ihre besten Wurzeln im sozialen Arbeitsstaat, denn es gäbe kein festeres und haltbareres Band, als das der internationalen Arbeitsgemenrsckiaft und des Jn- teresfts au einem ungrftörten und durch feine Kriege unterbrochenen Austausch der Güter.
Neuer Streik in Berlin.
Bewegung aug?schlofsen. Eine Sonderkommission ist von Kvnstaminopel nach Anatolien gesandt worden, um die dortige Bevölkerung zu beruhigen. Tie türfiicbc Regierung fordert Mustafa Kemal ■ Pascha auf, nach Konstantinopel zu kommen. Dieser weigerte sich jedoch, dieser Aufforderung Folg- zu leisten.
Der 10. deutsche Gewerkschaftskongreß.
Berlin, 1. Juli. Ter 10. deutsche Gewerk« schaftskongreß wurde gestern in Nürnberg von dem Abg. L e a i c n eröffnet. Vertreten find 52 ; Verbände mit fast einer halben Million Ätttglie- bent durch 664 Telegierte. Sehr zahlreich ist daS Ausland vertreten, so Schweden, Dänemark, Norwegen, Holland, die Schwei; und Oesterreich In feiner Eröffnungsansprache forbert Legien zur Einigkeit der Arbeiterklassen auf, um den Sozialismus zu sichern.
dem er getragen ist, betrifft, will ich der Diskussion, die sich hierüber anbahncn soll, nicht vor- greifen. Aber in dec Stunde, da sich das größte Drama der Geschichte erfüllt Hit, und da wir nod) zittern bei dem Gedanken an die Ausgaben, die so herrlich erfüllt wurden, soll die erste Regung unserer Seele ein großes Hoffen Frankreickts und der Welt sein. Tas Ideal Frankreichs ist das der Gerechtigkeit. An die Grundsätze des na t io* nalen Lebens muß sich die O r g a n i s a t i o n der Arbeit fügen, wenn sie sich durch die modernen gesetzmäßigen Mittel vorwärts bewegen will Dem Arbeiter geziemt es, sich zu mäßigen und sich zu beh.-rrschen und von den vorabsd)cuungswür* tagen Schmeichlern zu befreien, die ihn lehren, daß die Macht für ihn sei und daß er ungestraft alles tun dürft, ohne daß er die Verantwortlichkeit dafür trage. Tie Regierung muß mit gutem Beispiel vorangehen. Sie wird alles tun, was in ihren Kräften steht, um nach und nach wieder die rationelle Ordnung anstelle der durch bte Gewohnheiten des Krieges eingefübrten empirischen Vorkehrungen wiederherzustellen. Möge man von uns keine Theaterfeste verlangen. Em Volk kann nicht unvermittelt ohne Uebergang aus den Wirren einer hartnäckigen Verteidigung zu dem Leben zurückkehren, wie es unser aller Wunsch ist. Meine Herren! Sie sind die nationale Vertretung. Niemand zweifelt, daß Sie sich Ihre Pflichten nicht nach Ihren Ueberzeugungen auferlegen. Das Werk, bei dem es uns an Sbrer Mitarbeit nie gefehlt hat, wird in der Weise zu Ende geführt, wie Sie es nach Ihrem Ermessen für gut finden. Sie werden sich in aller Gründlichkeit aussprechen. Tas Gesetz will, daß in den Demokratien das Volk das letzte Wort spricht. (Tie Rede wurde öfter von Beifall unterbrochen.)
nordischen Insel und dem Vaterhause, ohne Schutz hinaus, hinaus!
Ta hatte ihn eine verzweifelte Angst um seinen Liebling gepackt, und er hatte gebetet und gefleht, oaß Ragna aushalte am heimischen Herde. Sie aber hatte nur energisch das stolze Köpfchen geschüttelt und ihm gesagt:
„Nein, Karras, rch muß, ich muß!" Und dann war sie still im Dämmerlicht vor ihm auf die Knie gesunken und hatte le.se gefleht: „Sieh, Karras, ohne Geleit, ohne Segenswunsch gehe ich hinaus, vielleicht harten Kämpfen, vielleicht tiefem Unglück, vielleicht aber auch dem Glücke entgegen, das ich mir durch eigene Kraft erbauen will. So segne du mich denn, der du mich stets wie ein Vater geliebt, der du mich lehrtest, das Böse scheuen und das Gute tun, segne mich, Alter!"
Und die alten schwieligen Hände des Leucht- turmwächters hatten sich zitternd um den blonden Kopf des Grafenkindes geschlossen, das fick so demütig vor ihm neigte und inniger als das Gelet des alten Karras war wohl nie eins zu Gott emporgesliegen.
Jetzt stand er auf seinem Turm und lugte nach dem Schlosse hinüber, vielleicht, daß ec es da drüben noch einmal aufleuchten sah, das goldene Haar seines LieblinD.
Ragna aber stand in ihrem Zimmer am Fenster uno dachte kaum des alten Spielgefährten, denn all ihr Denlen und Empfinden mar in diesem Augenblick durch einen Brie' geseßelt, den sie bei dem letzten Tagesschein müh am cntZistertc. Ter Brief, Den sie heute schon unzählige Male gelesen, lautete:
Gnädigste Kusine!
Ein Schreiben Ihrer Frau Großmama ruft mich, als den ältesten Träger unseres Familiennamens, gegen Sie, oder fce.fcr gc'agf, gegen Ihr eigenmächtiges Vorgehen zu Hil',e. Ich stehe selbst-1
IV. Beruf ungderWählerzurWahl. In jeder Gemeinde hat der Bürgermeister mindestens eine Woche vorher — also unter allen Umständen vor dem 24. August l. I. — den Tag der Wahl und die Stunden der Abstimmung, den Wahlraum, sowie die Namen der Wahloor- sdeher und ihrer Stellvertreter in ortsüblicher Weise bekanntzumachen. Weiter wollen die Bürgermeister rechtzeitig vor der Wahl für Bereitstellung der Wahlräume sowie sämtlicher für die vorschriftsmäßige Abwicklung des Wahlgeschäfts nötigen Einrichtungen Sorge tragen.
V. Vornahme der Wahl. Insbesondere wird auf die den Wahlvorstehern obliegende Verpflichtung zur rechtzn.igen Einladung der Mitglieder des Wahloorstandes aufnrerfam gemocht. Weiter ist zu beachten, daß die Stimmzettel und Umschläge nach vorheriger Ber i gelang nicht von dem Wahlvorsteher in Bevwalw zu nehmen sind, sondern der Bürgermeisterei des Wahlortes zur Aufbewahrung behändigt werden müssen.
VI. Ein sen düng de r Wahlakten. Um die rechtzci.ige Feststellung des Wahlergebnisses zu ermöglichen, sind die sämtlichen aus über 450 Abstimmungsbezirken eingehenden Wahlakten so zu bearbeiten, daß, wie gesetzlich vorgeschxieben, ft'chon am achten Tage nach der Wahl das Abstimmungsergebnis von der Pro- vinzialwahllommission einwandsrei sestgestellt werden kann. Es muß also jeder Wahlvorsteher — wo mehrere Abstimmungsbezirkc bestehen, der Wahlvorsteher jedes Absfimmungsbezirles — unbedingt dafür besorgt sein, daß alsbald nach Schluß der Wahl seine gesamten Wahlakten, das sind. 1. die Wählerliste, 2. das Wahlprotokoll, 3. bi: Gegenliste, 4. die beizufügenden S.immz>ct el und Umschläge, dem Bürgermeister seiner Gemeinde in versiegeltem Paket abgelieftrt werden.
Ter Bürgermeister hat den ihm so eingelieftr- ten Wahlakten, ohne das Pake^ zu öffnen, sofort beizufügen a) die Beurkundung über die vorschriftsmäßige Abgrenzung der AbstimmungsbezEke, b) die Beurkundung über die erfolgte Bestellung des Wahl Vorstand es (wo mehrere Abstimmungsbezirke gebildet worden sind, der Wahlvorstände), c) die Beurkundung über die rechtzeitige Berufung der Wähler zur Wahl, und dieses gesamte Akten- material in einem gleichfalls versiegelten Paket so umgehend wie möglich unter der Adresse »„Provinzialdirektion DberbcnA, Gießen" nach Gießen abzuschicken, damit die Sendung, der gesetzlichen Vorschrift entsprechend, spätestens noch im Lau e des Nachmittags des 3. Septembers 1919, das ist der dritte Tag nach dem Wahltag, den Provinzial- wahlfommissar erreicht. Kosten, die der Provin- zialverwallilng purch telephonische ober telegraphische Nachforschung bei den in Betracht kommenden Bürgermeistern nach dem Verbleib der bis zum 3. September nicht eingegangezen Sendungen entstehen sollten, werden der betreffenden Gemeindekasse belastet uno eintretendenfalls durch Vermittlung des zuständigen Kreisamts von dieser erngefordert werden.
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eröffnet die Sitzung. Mit bewegter Stimme Hal' er folgende Ansprache: Vorgestern vollzog silk! im Spiegelsaal in B.rfailles vor den durch Clemenceau präsidierten Alliierten da, wo Bismarck das Deutsche Reich errickstet bat, derjenige Akt, der Frankreich E saß-Lo h iigen zurückgibt. (Sille Deputieren erheben sich und applaudieren.) Teschanel fährt fort: Wir begrüßen Elsaß- Lothringen. (Die gesamte Kammer spendet Beifall.) Clemenceau fkigt auf die Tribüne, um den Fried nsvertrag zu ver e en. Tie Kammer jubelt ihm stehend zu. Ter Ministerpräsident sagt mit vor Erregung erstickender Stimme: Ich habe die Ehre, den Gesetzeiittvurf vorzulegen betreffend die Rattfizierung des Friel:ensvertrags mit Deutschland, der von den assoziierten und alliierten Regierungen am 28. Juni in Versa! les ur.t r; t hn t worden ist, i alldem die deutschen Bevollmächtigten ihre Unterschrist darunter gesetzt hatten. Tazu füge ich das englisch- französische und amerikanisck>-sranzösische Abkommen. Was den Vertrag selbst und den Geist, von
sich mit überwiegender Mehrheft für den Streik ausgesprochen, so Laß Berlin von heute ab ohne Verkehrsmittel ist. Auch die Stadtbahnen und Vorortlahnen verkehren nicht. Leider ist eine längere Dauer i-e» Verkehrsstreiks zu erwarten. Auch der Streik der E i s e n ba h n a r bei- t e r Berlins flackert wieder auf. Tie Metall- unn Schwerarbeiter bereiten eine Sympathiekundgebung vor. In einer Versammlung streikender ^uenoabuarbeiter wurde u. a. erklärt, auch die Kohlen- und Lebensmittellransporte nicht zu befördern. — Tic Blätter erfahren zuverlässig, daß der Eiftnbahnerstreik von den Kommunisteir mit dem Geld der ungarischen Räterepublik gemacht worden sei. Ein Teil dieses Geldes ist auch nach Hamburg gegangen. — Eichhorn, der bekannte ehemalige Polizeipräsident von Berlin, soll die Hauptleitung des Streikes bi Berlin in den Händen gehabt haben.
Berlin, 1. Juli. (WTB.) Amtlich. Trotz der Zusage aller Organisationsleller, nach der Aushebung des Streikverbotes für die Eisenbahner werde die Arbeit wieder aufgenommen werden, dauert die A r b e i t s n i e d e r l e g u n a an. Wilde Streikposten halten die zur Arbeit Kommenden
Die Kommunala>a1)Ien.
** Allertshauf«n, 30. Juni. Die Dürer mei ster w a hl findet am 6. Juli statt. u«er dem bisherigen Bürgermeister Hillgärtner, n sein Amt bereits 11 Jahre zum Wohle der temetitbc führt, wurde noch ein Gegenkandidat auf» •fallt.
H. Dau bringen, 30. Juni. Die gestrige )ürger me isterwahl, bei der 90,7 Prozent t| Wahlberechtmten von ihrem Wahlrecht Gesuch machten, hatte das folgende Ergebnis: Ge- Alt wurde Vahnarbeiter Wilhelm H i l b e r g mit Stimmen. Die beiden anderen Karrdidaten iMsmann Emil Schäfer erhielten 132 und Tägiger Karl Rudolf 69 Sllmmen.
o± Langsoorf, 2d. Juni. Von 614 stimm-- nechtigten Wählern machten bei der heutigen j-rgermei st erwähl 435 Personen von kein Stimmrecht Gebrauch. Es wurde der bissige stellvertretende Bürgermeister Wilh. Ben- <r II. mit 268 Stimmen gewählt. Sein Gegcn- jnbibat Heinrich Kftämer I., Gastwirt, erhielt 166 Stimmen.
Her. Nonnenroth, 30. Juni. Als ehren- ■ Zeugnis für unseren bisherigen, allseitig sehr stiebten Bürgermeister Hoppe wurde er bei der 129. d. M. abgtijaltencn Bürgermeisterwahl ein» |mmtg wiedergewählt. Die ganze Gemeinde hat 6 Gewählten hierdurch ihre Dankbarkeit für me stets entgegenkommende hilfsbereite Freund- Weit gezeigt.
** Climbach, 29. Juni. Bei der heutigen jürgermei st erwähl wurde unser langjäh- fat Bürgermeister Stein einstimmig zum mtenMale wiedergewählt. — 80 Prozent der ^berechtigten machten von ihrem Stimmrecht iänanch, ein ehrendes Zeugnis für die Amtsfüh- ing unseres altbewährten Ortsoberhauptes.
m. Birklar, 30. Juni. Unser Dorf steht I Zeichen seltener Einmütigkeit. Bei der gestrigen ftrgermei st erwähl wurde der bisherige vgermeister Müller bei recht guter Wahlbe- Btgirng einstimmig wiedergewählt. Nicht ein en- iligung einstimmig wiedergcivählt. Nicht ein ein» fecmetnen Beliebtheit des Bürgermeisters. Auch 8 der vor 14 Tagen torgenommenen Gcmeindc- iMvahl war nur ein Wahlvorschlag aufgestellt erben. Es wurden außer den neun „Alten" noch jei hinzugewählt. Am 13. Juli ist die Beigeord- ämwahl. Allem Anschein nach wird der bisherige stigeordnete einstimmig wiedergewählt.
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: Lleinhändler lautet: ttt LÄtzverein der Leiel im Mn-lfe der Ms-:«« -m cigciiffl ftntev'he für 16 rn der StafchKrorbnettfio c AnDlsi UMN yit Mu .. 1 w "a| i der, die Pnicünng ral in die Wege zu leiten | .troeningc Warrn ju bt'J| Mer sehr sch«r tthal!t"< MnitWpSl Mich in letzter mir naÄlehende
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