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1.3.1919
 
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3i 1. Avril 1919 aui 3po!&. bei vierteil Ölunß u. Halbjahr, imn zu vergeben.

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Samstag, 1 März IM

Erstes Blatt

(69. Jahrgang

r»«t,.ahme mr Lnzet-e» f. die iaqetnummei biS zum giochmtuaq vorher ohnejedeBerbmdtichkest

Seiienpreife: für örtliche Anzeiyen 25 vf.,für auSwärttge 30 Bl, für Reklamen Mk.l.->iebsl20'/,Teue- runaSzui iilaq;Platzvor- fctirifl 20 % Aufschlag. LauotfchriHeiler: Auq. Äoeg Verantwortlich für Politik: Aua. Goetz, für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; für den Anjergenkeil: v. Beck; fänitlrch in Gießen

GietzenerAnzeiger ..ää« General-Anzeiger für Oberhessen .. ZwiMilgrrna-druS v.Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- u. Steinöruderel R.Lange.Zchriftleitung. SeschSstrstelle ».Druckerei: Schrrlstr 7.

nicht Wählbar sind. (Sechr richtig bei den Sozial­demokraten.) Wir bedauern, daß der Skrfutfuiurä5 entwurf nicht ein Werk aus einem Guß ist. Er trägt den Stempel des 5IvncprvMisses an der Stirn. Es fehlen u. a. Schutzbesttmmungen für Jugend­liche. Tie orgtrniitere Arbcitcrsd>ast ist ein poli- lticher und nrirtüfamlid/er Mach saltor geworden und darf diese Auenrinrui'g auch in der Versasnng beanspruchen. Tie politischen F«nkiio.:en der A.- u. S. - R ä 1 e sind zroar Henle gegenstandslos gc^ worden, aber auf wirtschaftlichem Gebiete verbleibt ihnen ncjb wie vor ein weites Feld. Tie Doss- mmg, fach endlich Eisenbahn- und Wasser- verkehr dem Reiche ausnahmslos Vorbehalten wird, ist bitter enttäuscht worden. Zum Schaden der bvirtschaftlickLnI Entwicklung desReiches bal der Parttkularismus gesiegt. Tic seit Jahr­zehnten von ben besten Lriäften des Volkes er­hobene Forderung, die Schulverwaltung zur Rerchssaäpe zu machen, ist nidjt erfüllt worden, nicht einmal die Unentgeltlichkeit der Volksschule ist gesichert. Auch die Einheitsschule ist nicht erreidjt. Es wird Ausgabe der Reg-erung sein, auf famt Gebiet des Schultvesens einen der Neuzeit ent- spr«l>enden Schritt zu tun. Tem Reid/srate must man die Veranüovrtung überlassen, ob er daran das Dersassungswerk sdxi'ern lassen will. (Sehr richtig bei den Soz.) Wir hoffen, dast das Ver- sa'ftangswcrk ersLlt wird mit dem Geiste des alten Goethttvortes: Vom freien Volk auf freiem Grund.

(Leich. Beifall bei den Svziald.)

Abg. Tr. S p a h n (Zentr.): Ter Krieg gebar )die Revolution. Der Kaiscrtraum des deutschen Dolft^S ist au^geträumt. Waffenlos steht der Reichs- präsifant den äußeren und tun ereil Zerstörungen gegenüber. Soll nun das Reich ein Einheitsstaat oder ein Bundesstaat fein? Aus territorialen, etfawgraphisdien und kulturellen Gründen wird das Reich auch als Republik ein Bundesstaat blei­ben müssen. Deutfch-Ocstcrreich gehört nach Ge­schichte und Nattonalität zum deutschen Reich. (Zustimmung.) Für die föderative Gestaltung ist die Frage nicht gleichgültig, ob die seitherige crnzelstaatliche Gliederung des Reiches beibehaltcn oder burd) eine andere Umgrenzung der Einzel stauten, namentlich Preußens, ersetzt werden soll. Preußen ist kein Staat mit einer Bevölkerung aus einem Stamm. Das Staats- bcwusttsein beruht nicht auf einem Ineinander- leben der Bevölkerung von Ost und West, son­dern auf Anhänglichkeit an das Herrscherhaus und.auf Erziehung.

Die Zerlegung PrenßenS

in zwei oder drei Teile must in der Kommission geprüft werden. Die RciclBgewalt ist davon afa- hirngig, wie die politische Zuständigkeit des ReichcS bestimmt und die Gesamth.it aller ftaatlidien Auf­gaben zwischen Reid) und Einzelstaat verteilt wird, Tie neue Ordnung muß ehrlich denrokratisch, vcr- nimftig sozial und entsprechend dem d>risllickxn Eharakter des Do.kes christlich sein. Die Arbeits­kraft ivird unter den Schutz des Reiches gestellt. Ter berechtigte Kern ist in dem Koalitionspro-- nramm ausgenommen. Allgemein eignet sich unsere Industrie nicht zur Sozialisierung. Jetzt dürfen wir keine Experimente ntadjen, die an die Wurzel unseres Wirtsck)aftslebens greifen. Gesd)ützt sind die Redefreiheit, die Press»-, die Vereins- und die Versammlungsfreiheit, das Pclitionsrecht und die persönliche Freihit. Die Religion als solche ist nicht geschützt. Die konfessionellen Verhältnisse in den Volksschulen, die Leitung des Religions­unterrichts, die ^religionsgesellschasten und das Verhältnis der ©dyulc zur Kirche sind nicht ge- sichert. Dost der ausschließlich ftaat(id)en Leitung der Schule befürchtet die Kirche die Förderung des religiösen Jndisferentismus. Ob die Grunüreä)te von Staat und Kirche und Staat und Sck>ule zu vervollständigen sind, lassen wir dahingestellt. Turrch das Wahlrecht der Frauen werden die Frauen ih-re mädüige Waffe, die der Sd)öpfcr ihnen iut Aerzen gegeben hat, für das SBofa des ganzen Volkes vcriveNen können. Der Zug zur Einh it Hal sich in der revolutionären Bewegung verstärkt. Der föderative Charakter des Reiches tat seine Verkörperung im Reichsrat gesunden, er ist jedoch in unitarischer Richtung bei der Rcichs- gesetzgelrung durclchrochen. Die Bolkswahl des Reichspräsidenten schn»ächt die Stellung des Par­laments. Tie Exekutive der Reidfsleitung wird durch sie gestärkt. Ausschliestlid-e Sach>e des Reiches ist Gesetzgebung und Verwaltung, sind die Be­ziehungen zu auswärtigen Staaten. Ter Papst ist mit seinen Ueberzeugungen und mit seinen Be­mühungen während des Krieges auf unterer Seite geblieben. Bci der geringen Zahl der dem Teut- schen Reiche verbliebenen Freunde unter den Neu­tralen erscheint es als ein Gebot der Pflicht und der Klugfant, beim Heiligen Vater eine Bertre- timg des Reiches cinzuiichten, denn vmn Papst­tum erwarten weite Bevltlkerwtgskreisc Rettung. Erlösung, Fveihit jmb Klarheit in unserer an Irrungen so reichen Zeit. Die Einheitlichkeit der Wchrverchassung für das Deutsche Reich ist nidM w ansschlußlich wie es nach der Fassung des Artikels 5 des Ennmirfes erscheinen könnte, denn d.'c Vertrag mir Bayern und die Militarkonvention mit Wi'iritemfa'rg iverden aufreclfterhaltrn. Eine Scheidung ^wi'chen Rcichssteuern und Landes- steuern direkten imo indirekten Abgaben ist nicht vor genommen so daß das Reich auf direkte Steuern zuiüdgreifcn kann Nimmt das Reich die direkten Steuern für sich in Anspruch, so greift cs an den Lebensnerv der Selbständigkeit fa?r Einzel- fiaatin. Tie sät-warz-tveiß-vote Fahne btt ,hcr- unterg' ^sgcn werden. Sie hat die deutsche Öan- delsflvite in ihrer großartigen Entwidlmrg tast 50 Jahre auf allen Meeren der Welt ruhmvoll begleitet. Unter ihr sind Millionen ixuttcher Mäurer in den Kamps gezogen und zum piege geführt rcefben Fast 2 Millionen von ihnen deckt im Feindesland oder im Inland der Rosen. Mil- iroüen ihrer Angehörigen wird mjä toejeä Toves

mitten die Fahne schwar^weiß-rvt teuer bleiben. Tec Herr Rcichsnrinister will die schwa rz-r a t- goldene Fa hne^i'sen, vonderert« Levaldrkev beziveiieln läßt, ob sic die Fahne des alten beut^ scken Koiserreick>es gewesen )var, die das tolle Jahr 1848 aber als die deutschen Fahnen ange- sefam hatte und der in der Germania 1S49 $u* gejubelt wurde:Sdjöüarj ist das Pulver, rot das Blut golden flackert die Flamme". Moge^ die Flamme ein gutes Wahrzeichen für untere Verhandlungen fern und möge nad) deren Wscistutz mit derbsterreianschen Naiionalhynme geiagt wer­den:Gottes Sonne strahlt in Frieden auf em chücklid) deutsches Reid)." (Lebhafter Beifall int Zentrum.) i _

Mg. Tr. Delbrück (DeutsdMat.): Eine Der- dffrmg kann man nicht aufbauen nur auf abstrak­ten Gedanken. Wir sind der Meinung, daß dre bemohxitifdyc Monarck>ie, wie sie im letzten Derbst bei uns entstanden war, völlig misgercicht hätte, itm auch die weitestgehenden Ziele der au Beriten Linken zu nerruirClidpcn, das wäre ohne d-rc Kosten von Glück, Aut und Leben und ohne die Bcrlus^ an wirtschaftlichen Gütern möglich gemeiert, dte uns die Revolution gebradst hat. (-sehr nd)hQ! redfts) Auch die Persönlichkeit des Kaisers hätte dabei nicht im Wege gestanden. (Widerspruch lmks.) Niemand sah die Verhältnisse klarer als der Kaiser. Er war ftst cmtsd^sen, alle Folgerungen ^aus dcn Ereigirisfen >zu ziehen. (L>ört, hört! redsts.) Er war der Meinung, daß es seine Pflicht war, dafür zu sorgen, daß dem bcutfdjcn Volk Täu­schungen erspart würden, wie wir sie nach dem! Freihntskricg und nach 1848 erlebt batten. Bet dem heben Pflichtgefühl, das den Kaiser beseelte, ist rricht daran zu zweifeln, daß er das, was er als seine Pflicht erklärt hatte, auch durcfaührte. Wenn aber, so die Zustände im vorigen Jabre ftchi mühelos auf dem Boden der alten Bismarckschen Verfassung entwickeln lomtten, dann ist es doch wirrlid) nicht ridstig, wenn man nun letzt mxbt.5 Eiligeres zu tun lyit, alö diese Verfassung mrt Stumpf und Stiel auszuvotten. (Sehr rtchltg! redsts.) Ter Verfasser des ursprünglichen Ent-- nmrses ist ein überzeugter Temokrat und ein über» -eugter Unitarier. Er hat entschlossen und furch^i los alle F-olgerungen gezogen. Er hat aber nnv diesem Entwurf aricht nur Wid,rstand flefunbert in den Kreisen, die. an einem starken Preußen. St, sondern bei seinen eigenen 'Partei, hat man sich gegen eine Auflösung unö lung Preußens gewehrt. Im allgemeinen müssen wir sagen, daß in ihm Mele Mangel de« alten Zustandes wieder enthalten sind, daß aber gerade die wertvollsten Punkte der Bismarckschen Gedanken in ihm fehlen. (Sehr richtig! rechts) Ter Entwurf ist ein Gesetz zur allmähltchen Auf­lösung des Deutsdien Reid»es. (Sehr gut! rrdsts große Unruhe links.) Gleich im ersten Arnlri fcißt es, daß die Reick)Sfarben sch wa r z - we t ß- rot durch schwarz-ro t-gold ersetzt tverden sollen. Wir sind der Meinung, daß es bei bat Farben schwarz-weiß-rot bleiben sollte, unter benot' sich das deutsche Volk geeint hat. Aber auch praktische Nützlichkeilserwägungen fpredjen dafür, es bei den Farben schwarz-wciß-rot zu belassen. Wenn es Bismarck gelang, damit nach dem Abschluß eines Bruderkrieges hie beutfdjen etaa* len zusammarzufasfen, so lag das daran, daß er an das Vergangene anknüpfte uVrb allen Kräften eut gemeinsames Ziel ließ. Tie Vorrechte Preußens waren in die Bisnmrck'sche Berfas ung autgenom* men worden nicht im Interesse Preußens, sondern weil baemrd) die Vormacht Preußens am ftderfben das ganze Reich zusammenhi- lt. Ter jetzige &cr* fassnngsentwurf räumt zwar mit den meutzftchen Vorrechten auf, aber er billigt vielen Gl.edstxaaten die alten Reservatrechle zu, ja er Erstarkt sie sogar! uh Heerwesen, wo er die Pflege besonn, derer Stammestüchtigkeit und beform' derer Eigenart vorgibt. Unsere vierzimah^ rigen Bemülftm^n für die .(rinbcit des beutschenl .Heeres werden damit in Frr-g' gcldcklt Bvm Standpunkt der Stärkung der Rrrdisgeioalt tft es. ein Fehler, daß der Entwurf die Blenderung der Versa sung erschwert. Auch Verrassmigen muffen- sich organifd) fovientWiMn können. Neben dem Reichstag feilte eine erste Kammer fte'Iien, wenn and) in ihrer Zusamme'.isetzung als das (Staaten* haus Wenn die Rg erirngrpatteieu erst das par- lamentarische System voll ersaßt falben, dann wud man aus ihren Reilren keine Opposition mehr hören und der Einfluß des Reichstages wiri> wesentlich gering iverden. Wenn der alte Retchstag ferne Mackst nicht ausgeübt hat, so tag das mir an bet Haltung ter Parteien. (Lebhafte ZunimmunA recksts) Eine erste Kammer, zur Lälfte aus Er* nennung, zur anderen välfle ans Berufsständigen.^ Wahlen fanroorgcgmigen, würde bu pactiftilanrifa scfan Tendenzen sckMichen, denn das wirtsdaftlnhe Leben im Volke wird immer material ich sch ge^ ridftet fein. (Zustimmung ) Für ein glattes Ar­beiten bet Reichsregierung ist ein kollegiales Mr*, nijjerium das erste Er^rderms. (Sehr rid)tig.)i Der vorliegende Verfa fung-entwurs ist erheblich länger als derjenige Bismarcks. Mft Recht bat Preußen sich gegen die Aufteilung genährt Mit Recht haben ^nchcrerseüs zahlreiche Klein­staaten die Möglichkeit verlangt, sich zu leistungsfähigen Staatengebuben» zusammenzuschließen. £>ier muß unbetmgt tute zw ckmäßige Lösung gefunden werden. Augulliger-^ weise ist in dem definitiven Entwurf gegenüber,bent ursprünglichen über das Verhältnis von Staat und ftirdK nichts gesagt. Das muß SEunber neh­men, nachdem in cmigen Einzel,tasten ärgste Ein-» griffe von Staats wegen in dieses Verfailnns vor- gekommen sftch. (Sel/r richtig rechts.) Meine poli, kischen Freunde und ich sind der Meinung, baß dort ernstlich geprüft werden muß, ob nickst unter den völlig veränberten Verlmltni,sen gcnxiifc attgemrine Grmrbsätze vom Reick) festgelegt wecken müs en, bie von den Bundesstaaten und von ben Parlamente» rvorganisiert werden »Mjeu. so das ErsorderM

Deutsche Natioualversammlung.

18. Sitzung

Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung um 10,20 Uhr. .

Eine Eingabe bittet unter DrnwciS auf bte verzweifelte Lage der von aller Welt abgeschlossenen deutschen Tricppen am Sck^varzen Meer, bei der Entente auf baldigen Abtransport hinzu- wirken. Eine Reihe weiterer Zuschriften und Telegramme entlstilten Proteste gegen die seitens der UnabT>ä:Tgigen im mitteldeutschen Braunkohlenrevier in den letzten Tagen begangenen schweren Ausschrei ungen. Aus Nürn­berg ist ein Protest der nordbayerischen Preise gegen den Terrorismus cingegangen.

Zur Verlstlndlnng ststlst zunächst bie Inter­pellation der Deutsch-nationalen Irrgen der Verletzungen der im Waffenstillstands- abtommen vom 16. Febnior au^einommenen Tc » mar kationslinte durch bie Polen. Der Präsident des ReickBmftftstea-iums Scherde- m an n erklärt auf die Frage bes Präsidenten, daß die Reick)sregierung zur Beantwortung bereit ist und sich über den Termin mit dem Präsidium verständigen Wick. . . . o

Tie dritte Beratung des Entwurfs eines Uebergangsgesetzes Wick auf Vorschlag des Präsidenten auf morgen be-.fdjcben.

Es folgt die erste Beratung des Entwurfes

Verfaffung des Deutschen Reiches.

Präsident Fehrenbach teilt mit, daß der Seniorenkonvent beschossen hat, dem Laufe zu empfehlen, daß von jeder Fraktion Moei Redner zum Wort gelangen, bie Redezeit aber auf eine Stunde beschränkt wird. Das Haus ist damit ein­verstanden. _ _ m .

Abg. Fi scher-Berlm (Soz.): Statt Verfas­sung des Reiches zu sagen, beantragt wir Vcr- fasiung der deutschen Republik. Als Lozial- bemotraten find wir Anhänger des Einheilslwats. Grundsätzlich vertreten wir den .Standpunkt der Staatseinhrit und verlangen, daß auf allen Ge­bieten der Schritt vom Partikularismns zur deutschen Ei rfait mit voller Rücksidstslosigkcit getan Wick. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Unsere endgültig.' Stellungnahme zum Rcid)srate behalten wir uns vor bis seine Befugnnse end­gültig fes gelegt sind. Ebenso bezüglich des Reichs. Präsidenten. Manch der ihm in dec Vvil^e »u« geschriebenen Befug.nsse sind z-n weilg-fanb. Es fehle in »der Verfassung auch eine Bestimmung, wonach die Mftglieder der Familien, d« bischr re- girN Haban, für die Prälidemschjt der Üiepublll

ebrigen Wochen erfolgen. Wilsons Bestrebun­gen keimt man, freilich weiß man auch vom Grafen Rantzau, daß Deutschland den Kampf um einen redlichen, den Abmachungen ent- spreck-enden Frieden nicht aufgeben wird Deutschland sucht keine neuen Verwicklungen, keinen Krieg. Durchkreuzt aber die Entente ferne ehrliche, zielbcwußte Friedenspolitik, so fällt alle Verantwortung auf sie. Auf die neuen, uns zu stellenden Bedingungen faire- es an komm en, ob bie Dinge auf ein gutes Ende hin führen ober ob Deutschland sich wei­terer Verhandlungen enthält. Wnackerbar gegensätzlich sind die Triebkräfte, die jetzt in unserem Vaterlande nebeneinander arbeiten. Die Nationalversammlung mit ihrer Arbeit für ein neues Verfafsungsrecht, für die Reichs- wehr, für Ordnung und Forlfchritt: die tief ins deutsche Gefühl und Gewissen reberu den Aufrufe in den Zeitungen für die frei­willigen Truppenverbände; sie erinnern uns wehmütig an den Glanz alter Tage. Auch die einzelstaatlichen Parlamente, darunter die hessische Volkskammer, arbeiten mühsam, aber unbeirrbar am Wiederausbau. Neben all die­sen hoffnungsvollen Kräften stehen die ver­neinenden, gefährlichen Geister der Arbeits­einstellungen, der Krawalle und Putsche, neben den Aufrufen für die Volkswüroe und Wiederbelebung der Wehrfähigkeit lesen fair, besonders in den Großstadtblättern, die zahl­reichen Anzeigen der Tanämustken imb Karne­valsfreuden. Sie sind wohl, diese besinnungs­losen Faschingsnarren, wie die Spartakisten nur eine kleine Minderheitspartei, aber sie blamieren und erfassen unser öffentliches Leben gründlich! Starke, zielbewußte, nicht zu sehr parteipolitisch beeinflußte Führung des Staates, die Strenge des Gesetzes, bie Organi­sation und Pflege dessen, was staatserhaltend ift^ müssen uns wieder auf den rechten Weg bringen. Im Staatsgefüge wie in der Privatwirtschaft müssen die gesunden Triebe beizeiten gestützt werden. Die Mehrheitssozialdemokratie kann jetzt zeigen, daß auch sie ftaatserhaltend ist. Wenn in ihren Kreisen der Gedanke an einen baldigen all­gemeinen Parteitag erwogen wird, so sollte ein solcher nicht so sehr danach streben, einen Ausgleich mit den Radikalisten herbeizu- führen, sondern im Gegenteil, er müßte auf eine streng sachliche Klärung und Scheidung der Geister hinausarbeiten. Gewalt gegen willkürliche Gewalt, keine Verwässerung der Rechtsbegriffe durch unhaltbare Kompronri.se! In diesem Sinne haben die Führer, u. a Scheidemann, Ebert und Noske, der Nach­äffung des russischen Rätesystems schon das Urteil gesprochen.

wochtnrückbllck.

Statt der bayerischen Volksfannner der- fjanbelt seit einigen Tagen in Münche n der Ratekongreß. So viel Räte, und doch so große Rallosigkrit! Man spürt, wie nach Eis­ners Tod der Führer fehlt, man steht vor der­selben Ideenarmut, die auch in der Weimarer Nationalversammlung aus der Oppo­sition der Linken hervorschaute. Der Rus nach Diktatur deS Proletariats, nach einer Räte­republik, ist, ganz abgesehen von dem damit offenbarten abgrundtiefen Mangel an Rechts­gefühl, von keinerlei weitschauendein Pro­gramm begleitet. Nosve hat in der National­versammlung die Ueberzeugung ausge­sprochen, daß russischer Einfluß uno russisches Geld auch die gegenwärtige Wirrnis in Deutschland angezettelt hätten. Er sprach von Auspeitschung der niederen Volksleidenjchas- ten", uno in oer Tat, den Volksbewegungen in München, den Industriestädten und den Streikgebieten in Mitteldeutschland liegt vorwiegend die Sucht zugrunde, sich zu bereichern. Die Revolution artet in Lohn- Wnipse aus, und von da ist es bei der allge- mernen Kampseshitze, der Verschiebung alles Rechtsgefühls und aller sittlichen Begriffe nur noch ein Schritt zu spartaüstischen Unruhen. In Theorie und Praxis, im Parlament und bei den Gewaltakten wird ehre gewisse licht­scheue Frivolität geübt. DerVorwärts" und die Mehrheitssozialisten würdigen daher auch diese Gegner reiner ernsthaften theoretischen Aus ein anders etzungen mehr, sondern kenn­zeichnen sie mit drastischen Vorhaltungen. Die Enthüllung, daß Auers Ermordung keines­wegs bloß ein Gegenzug der Rache für Eis­ners Los gewesen ist, sondern vielmehr in den Kreisen derrevolutionären Kommunisten" von langer Hand vorbereitet war, erhellt die Lage blitzartig. Jener Sanitäter unb Sama­riter, der dem tödlich verwundeten Auer gegenüber seinen Standpunkt vertrat, er* nnert an die düsteren Mördergestalten Shake- peares, die sich noch einesgewissen Boden- .rtzeS von OJeroiffen" selber rühmen, obwohl ie tra nächsten Augenblick wiederstarke 9^0» tirren" undtüchtige fterle" sind.

Ob der Tyrannenmord an Eisner die Aussichten verschlimmert hat? Man könnte sich vorstellen, daß er im Sinne der Auer- schen Mitteilung seine Ministertätigkeit zu­nächst aufgegeben hätte, aber doch wohl nur, um dafür die Räterüstnng anzulegen. Der Landtag wäre seines Lebens und Wirkens keineswegs sicher gewesen. Immerhin, der Mord war nicht nur sittlich verdammenswert, sondern auch politisch schädlich. Eisner würde seine Rolle bald ausgespielt haben. Jetzt aber zlst aus ihm ein Märtyrer gemacht worden. Die revolutionären Wogen gehen wieder hoch und drohen das konstitutionelle Schisflein zu ver- schlingen. Die Entscheidung hängt nun daran, wer und wo die starken Persönlichkeiten sind. Die jetzt die Faust geballt und geschrien haben, hier, wenn irgendwo, seibayrisches Reservat- recht"', sind augenscheinlich keine überwäl­tigenden Geister. Ob die bayerischen Mit­glieder der Weimarer Nationalversammlung, die gegen die Münchener Gewaltherrschaft protestiert haben, ob die Volksmehrheit, die hinter ihnen steht, es mit diesemReservat- recht" auch so genau nimmt, darf man be­zweifeln Schließlich könnte der Münchener spartakislische Lokalpatriotismus auf eben­solche Art gedämpft und beruhigt werden wie der Berlinische. Trösten wir uns einmal mit dem Beispiel Düsseldorfs! Dort hat wochen­lang der schlimmste Terror geherrscht; nun aber sind Regierungstruppen siegreich ein- gezogen, und die spartalisti,chen Rädelsführer werden, wenn man sie, was leider bisher noch tricht gelungen ist, erwischt, sich zu verant­worten haben.

Es sind bitterernste Tage, die wir durch­machen. Einer Hydra gleich wachsen die Generalstreik-Bewegungen, und Noske ist zwar energisch, aber mit dem von der Nationalversammlung bewilligten, noch auf dem Papiere stehenden Reichsheer kein Herkules. In Mitteldeutschland, auf der Hauptverkehrslinie, an der Weimar liegt, sind nach dem Erlöschen des Streiks im Ruhrge- biet neue, ernste Gefahren entstanden. Sie haben ihre zwei Seiten. Pariser Blätter menten, Deutschland übertreibe die sparta- kislifchen Gefahren, um schneller zu einem glimpflichen Frieden zu kommen. Das ist in­dessen wieder eine echt französische Entstellung und Verdrehung der Tatsachen. Daß mit dem Wachsen des Bolschewismus in Deutschland der Entente nicht gedient ist, weiß alle Welt. Wer aber glaubt, daß unsere Regierung und das deutsche Volt darum mit dem Bolschewis­mus sich befreunden ober verbünden könnten, der irrt! Es steht zu viel dabei aus dem Spiele! Unseren Gegnern wird nichts übrig bleiben, als den Friedensschluß zu beschleu­nigen. Lloyd George hat geäußert, der Ab­schluß des PrälirnmarfrrLdens werde schon in