Nr. 2U
Swetter Blatt
165. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.
war, wurde der Deutsche Pfarrertag für geschlossen erklärt.
die der als den
sich mehr Bryans. auS den warteten schaftcr
Die „Giehener Zamilienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, daS „Kreisbfatt für den Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Hrettag, 12. September 1913
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unioersiläts - Buch- und Steindruckerci.
R. Lange, Gießen.
noch zur Verfügung stehende Ausschmückung der Vorhalle im Bau begriffenen deutsch-evangelischen Kirche in Nom Stiftung des deutsch-evangelischen Pfarrcrstandes bewirkt wer- kann. — Der Antrag wurde angenommen.
Nachdem als Crt der nächsten Tagung Kiel gewählt worden
Deutscher Anwattstag.
2<_ Breslau, 11. Sept.
Ter XXI. Deutsche Anwaltstag, zu dem eine überaus große Zahl deutscher Rechtsanwälte aus allen Teilen des Reiches hier eingetrosicn sind, wurde heute mit einer nichtöffentlichen Ver- t r e t e r v e r s a in nl l u n g des Deutschen A n w a l t s v e r - eins eingeleitet. Rach Mitteilungen des Vorstandes berichtete Justizrat br. Leh m ann (Leipzig) über die Errichtung eines Fonds zur Unterstützung von Bureaubeamten und Rechtsanwalt Dr. Ditte nbergcr (Leipzig) über die Ausgestaltung der Vereins-Publikationen durch Einrichtung eines V e re i n s n a ch richte n b l a t t e s.
Darauf beschäftigte sich die Versammlung mit der Frage des numerns clausus.
Tie Anregung dazu gab ein Ausruf der Vereinigung Rheinisch- westfälischer Rechtsanwälte betreffend die Abänderung der Zulassungsvorschriften. - Berichterstatter über das Thema war Geh. Justizrcit Dr. Eugen Fuchs (Berlin). Die Vereinigung Rheinisch- weftfällscher Rechtsanwälte hatte vor kurzer Zeit durch Versendung von Pappkarteniormulnren eine Abstimmung der deutschen Rechtsanwälte über die Notwendigkeit von Zulaffungsbeschränkungen veranstaltet. Tie Abstimmung wurde vielfach als ein Bekenntnis der deutschen Rechtsanwälte zum numerns clausus aufgefafet und deshalb in einen Gegensatz zu den Beschlüssen des Würzburger Amvaltstages von 1911 gebracht. — Heute nahm nun die Vertreter- Versammlung des Deutschen Anivaltsvereins mit allen gegen 10 Stimmen solgende vom Vereinsvorstaud eingebrachte
Entschließung
an: „Ter von der Bereinigung rheinisch-westfälischer Anwälte er- laffene Aufruf hat eine Meinungseinholung nur über die Notwendigkeit von Zulassungsbeschränkungen, die weder unsere Unabhängigkeit noch unsere Freizügigkeit antasten und keine Hintansetzimg aus politischen oder konfessionellen Beweggründei, zulassen, herbei- getührl, nicht aber über einen bestimmten emheillichen Anhilfe- vorschlag. ''Angesichts dieser Tatsache und angesichts der Beschluß- sassung in der entscheidenden Verhandlung aus dem Würzburger Anwaltstage erscheint es zurzeit nicht geboten, einen außerordenilichen Anwaltstag, der nach den Satzungen allein als oberstes Organ zuständig wäre, einzuberufen, umsoweniger, als auch aus der Mitte der Vereinigung ein Antrag auf Ergänzung derTagesordnung des diesjähr. Anwaltstages oder aiifEinberilsunq eines außcrordentlichenAnwalts- tages nicht gestellt ist, vielmehr durch Schreiben eines Vorstandsmitgliedes jener Vereinigung dem Vorsitzenden des Anwaltsvereins mitgeteilt worden ist, daß beides von der Vereinigung nicht beabsichtigt fei/
Damit war dieser Punkt erledigt. — Rechtsanwalt Dr. Drucker (Leipzig) behandelte das Verhalten des Teutschen Anwaltsoereins gegenüber Presseanqriffen auf den Anwaltsstand und Justizrat Dr. Heilberg (Breslau) ,nachte Mitteilung über den Stand der Treuhand-Angelegenheit. — Damit war die Tagesordnung erledigt.
Gleichzeitig mit der Vertreterversammlung tagte eine Mitgliederversammlung der Amtsgerichtsanwälte, auf der gleichfalls die Frage des numerns clausus zur Besprechung gelangte. - Tie Berichterstatter Justizrat Tr. Schulze (Delitzsch) und Rechtsanwalt Hacker (Neumarkt) waren der Meinung, daß durch die Uebersüllung im Rechtsanwaltstande gewiße Mißstände erwachsen seien, daß ober der numerns clausus kein geeignetes Mittel bilde um diese Mißstände aus der Welt zu schaffen. Es wurde beschlossen' einen Ausschuß einzusetzen, der gemeinsam mit der Bereiniqun' Maßnahmen zur Verhütung der Mißstände vorschlagen soll. Abendsand eine Begrüßung der Teilnehmer des Anwältstages in de Jahrhunderthalle statt. Morgen beginnen die eigentlichen Beratungen^
Apolitische Tagesschar».
Die Fleischeinfuhr aus Rußland
die faktisch schon seit Monaten ruht, erreicht mit dem 30. September ihr gesetzliches Ende. Die Städte haben, so wird uns aus Berlin geschrieben, den Verkauf russischen Fleisches schon seit Monaten eingestellt und haben auch keine Bcrlän- gerungsanlräge beim preußischen Landwirtschaf tsininistc- rium gestellt. Das Einfuhrverbot für russisches Fleisch tritt wieder am 1. Oktober in Kraft. Viel Segen hat die ganze Sache nicht gebracht, einige Großstädte haben sogar Geldausfälle zu verzeichnen gehabt.
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Herr Bryan im Variete.
Der Staatssekretär des Auswärtigen der Vereinigten Staaten, Herr Bryan, hat am Dienstag abend in Salisbury im Staate Maryland das erste Honorar für seine .Zirkusvorstellung" verdient. Das Thema seines Vortrages war: „WaS gehört dazu, ein Mann zu sein?" Herr Bryan ließ sein Publikum eine Stunde lang warten; inzwischen sorgten sieben Jodlerinnen, die in den sieben Regenbogenfarben gekleidet waren, dafür, daß die Zuschauer in dem leinwandumspannten ZirkuS sich nicht langweilten. Die .New Port World" sagt, sie weiß nicht, worüber man
freute, über die Jodlerinnen oder über den Vortrag Während Bryan sich beeilte, von Washington Zug nach seinem Bestimmungsorte zu erreichen, ihm im AtiSwärtigen Amte verschiedene Bot- auf. Insbesondere war es der Botschafter von
Deutscher Pfarrertag.
** Dessau, 11. September.
In beer heutigen Verhandlung des Deutschen Pfarrertages gedachte der Vorsitzende zunächst des schweren Unglücks, von dem die deutsche Mariw und Lustschissahrt betroffen wurde. Die Anwesenden hatten sich hierbei von den Sitzen erhoben.
Sodann ersolften die Begrüßungen seitens eines Vertreters des Konsistoriums und der Landessyiwde. Hierauf wurde die Beratung fortgesetzt und zwar mit der Besprechung der bereits gestern erörterten Anträge bezüglich der
Störung der Sonn- und Feiertagsruhe durch Sch a u fl üge.
Der gestern zur Beratung dieser Frage eingesetzte Ausschuß ist zu einer Einigung nicht gekommen.
ttalsermanöver-Ansttang.
Von Otto v. Loßberg.
Aus dem Kaiserlichen Dank an die Provinz Schlesien ist zwischen den Zeilen eine besondere Anerkennung des Moments der Soldaten-Poesie herauszulesen, bei den Friedensübungen eine gern begrüßte Begleiterscheinung der Anstrengungen, der die manövrierende Truppe unterworsen ist. Tie A n t e i l n a h m c der Bevölkerung an den Märschen und Gefechten deS 5. und 6. Armeekorps zwischen Jauer und Reichenbach ist aber diesmal so außerordentlich groß gewesen, daß der wirkliche Akteur dieses Kriegstheaters gern ein ganz Teil davon hätte missen mögen Es ist die Belästigung der Truppen durch Automobile, die im letzten Jahre bei den Kaisermanövern im Königreich Sachsen sich durch die Nähe großer und kraftwagen^ reicher Städte bis zur Unerträglichkeit gesteigert hatte, dank besonderer, vom Großen Generalstabe angeregter Maßnahmen der schlesischen Zivilbehörden nahezu ausgeschaltet worden. Dafür hat sich aber die neben den beiden kämpfenden Armeen marschierende, radfahrende, reitende und n>agenbcivcgtc Armee d er Zuschauer in einer Weise gesteigert, die- alle Stellen, die für die Ausbildung unseres Heeres durch so große und kostspielige Hebungen verantwortlich sind, wie sie die Kaisermanöver barftellcn, vor eine grundsätzliche Entscheidung für die Zukunst stellen Am zweiten Manövertage, als Rot, zum ersten Male, südlich und östlich von Freiburg, von überlegenen Kräften an« gefaßt und zurückgedrängt wurde, ist die Zuschauerplage — anders kann sie gar nicht genannt werden — bis zur Ausschaltung des kriegsmäßigen Hebungsverlau^es gediehen. Von Breslau her, aus Lieanitz, aus Jauer, Striegau, aus Waldenburg, Schweidnitz, und ocr ganzen Gegend um den Zobten herum waren nicht tausende, sondern hunderttausende gekommen, um dem milstärischen Schauspiel beizuwohnen. Neben dem feldgrauen Nock des stürmenden Schützen leuchteten die bunten Mützen der Schüler, die hellen Blusen der Mädchen. Wo eine Patrouille von drei Mann im Gelände irgendwo sichtbar nnirbc, sammelte sich um sie ein Anhang von einem runden Dutzend Bewunderer. In den Derteidigungsftelltmgen war es verschiedentlich den in bünner Linie herangeführten Verstärkungen unmöglich, so an den Platz in der Schützenlinie zu kommen, wie es Einzelausbildung auf dem heimischen Exerzierplatz gelehrt hatte. Ueberraschendes Auftreten von Infanterie ist so gut wie ganz ausgeschlossen gewesen. Jede Kompagnie wurde von einem Ba- taillon Schaulustiger umgeben und damit dem bösen Feinde kilometerweit verraten. Die rote Kavallerie-Attacke des 9. September am Mühlberg bei Arnsdorf ist nur deshalb so ber=* vorragend geglückt, lveil das Anreiten der Sckttvadronen durch eine lebendige Mauer Neugieriger der überfallenen Infanterie und Artillerie entzogen war. Am letzten Manövertage sind diese Bedenken nicht so stark geivesew Es ist selbst der begeistertsten! Soldatenfreundin Sache nicht, miorgens um 2 Uhr auszustehen, um nach langem Anmarsch ein Gefecht anzusehen. Daher verlief die Schlußphase um Kreisau herum durch die Abwesenheit der „schwarzen Partei" (neben der roten und blauen) ungleich natürlicher, als der vorhergehende Tag.
Die Strategie hat in diesem Kaisermanöver keine großen Feste feiern können. Die Eingliederung der beiden kämpfenden Korps zwischen je vier weitere Korps großer linkssestiger Oderarmeen, die, in der Annahme, am Ausgangstage zwischen Glatz und Breslau und zwischen Parchwitz und Schönau bestanden, verbot mehr als taktische Entschließungen. Am ehesten ist nodjr der Kommandeur der blauen Grenzschutztruppen, der Kgl. Bayer. Oberst Zoellner, bei seinen Bewegungen am Striegauer Wasser gegen die rote Kavallerie-Division Brecht in der Lage gewesen, sich strategisch zu betätigen. Er hat seine Aufgabe vorzüglich- gelöst und durch die geschickte Führung der 5. Jäger, des 1. Bataillons des 3. Garde-Regiments z. F. und seiner paar Reiter und Geschütze viel dazu beigetragen, die Maßnahmen des Ge- nerals o. Strantz für den Verlauf des zweiten und dritten Manövertages angemessen vorzubreiten. Der Grund, warum man in diesem Jahre überhaupt auf fast rein taktische Manöver abgekommen ist, scheint in gewissen llnzuträglichkeiten und Fehlern gelegen Lu haben, die sich beim Kaisermanöver 1912 um Oschatz herum herausstellten. Solche Fehler sind aber sicherlich auch in diesem Jahre nicht vermieden worden. So stand am Morgen des letzten Tages die rote 12. Division in einer feldmäßig befestigten und zum Teil überaus stark aus- gebauten Stellung, gegen die der Divisions Kommandeur den blauen Gegner nur anlaufen zu lassen brauchte, um ihn im konzentrischen Feuer seiner Schützen und Maschinen-Gewehre zu- sammenzumähen. General Chales von Beaulieu tat das aber nicht, sondern machte, als sein blauer Feind, die 77. Jnsanherie- Brigade und große Teile der 10. Division, auf nahe Feuerstellung ihm gegenüber lagen, einen offensiven Vorstoß in das ganz flache Vorgelände, der ihn seines Vorteils völlig begab und im Erfolge zum Rückzug führte. Es mag dahingestellt bleiben, ob am gleichen 10. September die Umgebung der blauen 78. Brigade unter Generalmajor Vollbrecht durch die schwer gangbaren Hänge südlich der Weistritz, an der Kynauer Talsperre vorbei, in der rauhen Wirklichkeit nicht durch eine von dem fangenommenen) roten Nachbarkorps des 6. Armeekorps enh'en- dete fliegende Abteilung mit ein paar Maschinengewehren hätte leicht aufgehalten werden können. Die Tatsache bleibt aber sicher bestehen, daß ein Halten der roten Reserven hinter dem äußersten linken Flügel der 12. Division die schnelle Niederlage von R o t fraglos aufgehalten, wenn nicht ganz vermieden hätte. Auch wäre die rote Kavall-Divisivn pn diesem Morgen mit voraussichtlich viel besserem Ersolge gegen die blaue Umgebung eingesetzt worden als zu dem Todesritt aus dem Blachfelde um den Kretschamberg herum. Nicht mehr ein taktisches, sondern in seinen möglichen Folgen schwerwiegend st r a t c g i s ch e s Bede nfcn lag in der Verwendung der Verpflegungskraftwagen zum Vor treib en des 6. Jäger-Batatlons von Schweidnitz nach Striegau am ersten Tage des Manövers. Im Ernstfälle muß damit gerechnet werden, daß die von ihrem Verpflegungszweck vorübergehend zum Gefechtszweck entlehnten Automobile in Feindeshand fallen oder durch gegnerische Artillerie unbrauchbar gemacht werden. Was aber geschieht dann mit der Verpflegung derjenigen Truppen, die aus das Vorhandensein jener Kraftwagen gegründet ist? Daß die roten Jäger am ersten Tage schnell vor mußten, ändert daran nichts, fonbrnt lehrt uns die Notwendigkeit, daß wir bei jedem Jägerbatasil n nicht nur die eine, durch die letzte Wehrvorlage vorgesehene Radfahrerkompagnie aufstellen müssen, sondern daß alle Kompagnien auf Räder zu setzen sind- Mit dem Typ des Jägerradcs hat unsere militärische Technik etwas gant vorzügliches geschaffen. Es werden auf dem Rade selbst das Kochgeschirr, die Zeltbahn und -Stockes, der Mantel aufgeschnallt getragen: im Ernstfall wohl auch noch Reservepattonen. Trotz- , dem macht die Maschine einen ebenso beweglichen wie gefälligen Eindruck und scheint hervorragend dauerhaft zu sein, denn Pannen habe ich an nicht einer einzigen Stelle beobachten können. Während die Jäger es im Gefecht stets vorzüglich verstanden 6oben, ihre Stahlrosse so unterzubringen, damit möglichst nicht 1 ein Volltreffer der Artillerien das wertvolle Fortbewegungsmaterial zerstöre, hat sowohl die Infanterie wie die Feld- artillerie für gedeckte.An sftellungihrer.Pferde im
Japan, Viscount Chinda, der am Tage der Abreise und am nächsten Tage den Staatssekretär über die zwischen den Vereinigten Staaten und Japan schwebenden Schwierigkeiten zu sprechen wünschte. Herr Bryan ließ sich durch diese amtliche Behinderung indeffen nicht stören. Bald darauf wurde er von dem Bühnendirektor bem Auditorium mit folgenden Worten vorgestellt: »Jetzt kommt jemand, dessen Aufführung mit vielen Anfechtungen verbunden war!" Zweitausend Leute wohnten der Ehautaugua-Vorstellung bei und bezahlten ihren Oboluß von einem halben Dollar pro Person.
DaS Schaustellungsunternehmen hatte als besonders erwähnenswert bekannt gemacht, daß der Herr Staatssekretär mehrere Stunden in seinem Bureau in Washington zubringe, bevor er sich dem verehrlichen Publikum im Zirkus zeige. Wenn unvorhergesehene Spannungen mit Mexiko einträten, so behalten sich die Direktion und der Staatssekretär vor, daß Herr Bryan mit seinem Vortrage auSfalle. New Parker Meldungen berichten, daß außer Herrn Bryan nur die schon in früheren Meldungen erwähnten Jodlerinnen auftraten. Entgegen dieser Meldung weiß .Daily Telegraph" zu berichten, daß der berühmte Jongleur Rosani Mittwoch abend im ZirkuS die Gäste damit unterhalten werde, daß er auf Bierplatten Bälle balancieren und daß ein .Professor" gleichen Schlages dem entzückten Publikum etwas vorblasen werde.
Hauptversammlung der Sünder der Industriellen.
~ Leipzig, 11. Sept.
Im Vordergrund des Jntcreffes der heutigen Mitgliederver- fanimlung des Bundes der Industriellen stand eine Erkläning des Vorsitzenden Kommerzienrat Friedrichs, die dieser über die bekannte Leipziger Mittelstandstagung und die dortproklamierteGemeinschafts- arbeit von Reichsdeutscher Mittelstandsvereinigung, Zentralverband deutscher Industrieller und Bund der Landwirte abgab. Kommerzienrat Friedrichs führte u. a. ans: Schon vor einem Monat war durch einen Artikel des Abaeordneten Grafe eine Gemeinschaftsarbeit vom Zentralverband deutscher Industrieller und vom Bunde der Landwirte angekündigt worden. Ich muß sagen, daß mir damals diese Meldung ganz unglaublich vorgekommen ist, und anderen wird es ebenso gegangen sein. Ta später behauptet wurde, es handle sich um eine Jrresührung durch die linksstehende Presse, halte ich mich an die doch wohl authentische Berichterstattung der agrarischen Preffe. Nach diesen Berichten ist ein bis ins Einzelne gehendes Programm über eine Gemeinschaftsarbeit des Zentralverbandes deutfcher Industrieller, des Bundes der Landwirte und des Reichsdeutschen Mittelstandverbandes ausgestellt worden. Für die Industrie, für dieganzeOeffentlichkeit liegt die Bedeutung der Vorgänge darin, daß in geradezu programmatischenErklärungen dieVertreter der drei großen Verbände sich für einZusammengeyen und eiueGemeinschaftsarbeit aussprachen. Ein Bündnis mit dem Bunde derLandwirte kann für uns nicht in Frage kommen, angesichts der Forderungen, die er für die Neuregelung der Handelsverträge aufgestellt hat und die in der Forderung des lückenlosen Zolltarifs gipfeln. Dieser würde aber für uns bedeuten eine weitere Verteuerung der Lebensnuttel, Arbeitsstreitigkeiten und Lohnerböhungen wohl in allen Industriezweigen. Wir sind überzeugt, daß nicht alle Mitglieder des Zentralverbandes das Zusammengehen mit dem Bunde der Landwirte billigen werden. Ich spreche mein tiefstes SBcbanern aus, daß der Zentralverband solche Wege eingeschlagen hat und daß sich die Wege der beiden größten Organisationen der deutschen Industrie trennen müssen. Durch diese Haltung des Zentralverbandes sind die Hoffnungen auf eine Einigung in der deutschen Industrie in weite Ferne gerückt. Ich hoffe aber, daß das Bündnis nicht von Tauer ist, es muß an feiner Unnatur zu Grunde gehen.
Eine Aussprache über diese Rede fand nicht statt. Tie Versammlung nahm bann noch eine Entschließung für bie Beteiligung Teutschlanbs an ber Weltausstellung in San Francisco an.
Nachmittags fanb eine öffentliche Jndustriellenver- fa mm lang statt, in ber Exzellenz v. Truppe! über Teutscb- lands Interessen unb Aufgaben in China und Dr. S t r e s e m a n n (Leipzig) über Probleme ber beutschen Jnbnstrieentwicklung sprachen.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Rebaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.
9tebaftion:e^ll2. Tel.-Abr.:AnzeigerGießen.
Aus Hessen.
Gefängnisarbeit und Heeresverwaltung.
In den Kreisen des selbständigen Mittelstandes hat es berechtigten Unwillen erregt, daß die S ch ret n e r a rbe i- t e n für den KasernenneubQU in Friedberg dem Zelten- gefängnis in Butzbach übertragen worden sind. Auf sofortige telegraphische Beschwerde des Reichstags- ab geordneten Dr. Werner sind, wie uns mitgeteilt wird, von dem Kriegsministerium sofort Erhebungen eingeleitet worden, deren Ergebnis wir unfern Lesern Mitteilen werden.
Psarrcr Wahl lEsscn) brachte eine Entschließung in modifizierter I Form erneut ein. Nach der neuen Fassung sind in Wegsall gekommen die Worte „Prinz-Heinrich-Flug" und die Stelle die sich mit der Störung der Sonn- und Feiertagsruhe durch die Jugendbewegung beschäftigte. Tie Entschließung wurde mit knapper Mehrheit angenommen, ebenso ein Antrag des Pfarrers D r o ß «Berlin : Der Vorstand soll beauftragt werden, bei den geeigneten Stellen darauf hiuzuwirken, daß das in unserer Zeit durch Festlichkeiten und Veranstaltungen stark beeinträchtigte christliche Gefühl der Sonntagsruhe und Sonntagsheiligung unserem Volke nicht genommen, sondern erhalten bezw. wiedergewonnen wird.
Eine lebhaste Aussprache entspann sich bei der Beratung der Anträge, die sich mit dem Militärverhältnis der Geistlichen beschäftigen. Tie Anträge verlangen, wie bekannt, entweder das gänzliche Erloschen des militärischen Verhältnisses mit dem Eintritt in das geistliche Amt oder die Schasfung eines besonderen Gcistlichenstandes im Offiziersrang oder die völlige Gleichstellung der Theologen mit anderen Gebildeten, die es dem Theologen ermöglicht, Reserveoffizier zu werden und zu bleiben.
Pfarrer Funcke (Zöblitz) und Pfarrer Todt (Cberneuffcn i begründeten eingehend diesen Antrag. Stadtpfarrer Schnitzer «Mergentheim stellte folgenden Antrag: „Die Versammlung weiß sich einig mit der Tendenz der obigen Anträge und der Ausführungen der Berichterstatter, die bekunden, baß wir Theologen gleich jebem Manne im Volke unsere Pflicht mit der Waffe in der Hand tun wollen. Wir gedenken der zahlreichen Theologen, die 1813 und 1870 mit Blut und Leben für das Vaterland eingetreten sind, und wollen ihrer nicht unwert sein. Der Antrag wurde angenommen. >
Weiter wurde ein Antrag D. Sols «Stuttgart angenommen, die Anträge betreffend die Militärverhältnisse der Geistlichen dem weiteren Ausschuß zur Beratung zu überweisen.
Pfarrer Fritsch (Ruppertsburg) behandelte das Thema „Das Wirken der evangelischem Geistlichen 1813 und was es uns Pfarrern von heute sagt".
Zum Schlüsse wurde noch ein von Pfarrer Hoffmann begründeter Antrag der Pfarrervereine der Provinz Sachsen angenommen, wonach der Verband der Psarrervereine durch seinen Vorstand in geeigneter Weise die evangelischen Pfarrer Deutsch lands zur Darreichung einer freien Gabe aufrufen soll, damit ans den auszubringenden Mitteln im Betrage von 15 000 Mark
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