Erstes Blatt
K65. Jahrgang
Gerichtssaal": K. Neu--
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Die heutige Nummer umfafet 10 Seiten.
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Der Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SietzenerKamilienblätter.' zweimal wöchentl.Areis- vlaltsürdenAreisGiehen (Dienstag und Freitags; zweimal monatl. Landwirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:
Anzeiger Gießen.
— Die Große K n n stans st el lli:n g Düfs c ldo r f 1913, verbunden mit der Raumkunstausstellung, ist am Samstag feierlich eröffnet worden. Geheimrat Lueg hielt eine Ansprache zur Enthüllung des vor deni Ausstellnngspalast zur Errnncrung an die Industrie, Gewerbe- und Kunstausstellung 1902 errichteten Monumentalbrunnens, den daun Oberbürger- meistcr Oe hier in die Oblpck der Stadt nalpu. Dann folgte eine Bcsichtigiing des Brunnens und ein Rundgang durch die Ausstellung, die reich beschickt ist und außer den Werken deutscher
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Univ.Gnch- und Steindruckerei R. Lange. Redattion, Expedition und Druckerei- Schulstratze 7. “n
bis vormittags 9 Uhr. Büdingen: Fernsprecher Ur. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 162. Änzeigentell: H."'Bech
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9aard sich durch die verschieden st en Pseudonyme und Berklei- dungcnr einen Rebel um seine Person zu bereiten, und alle zeichnen sich durch eine höchst verwegene und geniale Psvchologie
-^ad „Tagebuch eines Verführers" gehört in psychologischer Vinsicht zu den Meisterwerken derW.ltliterarur, und in der Neigung sein und anderer Seelen.!eben zu zerfasern, erkennt man jenen daniicheu 'Charalterzug in der Literatur, der später bei I. P. ^acobicn wiederum so glänzend sich bekundet hat.
In der zweiten Hälfte der vierziger Jahre gesclyrh cs dann, das; er <:n eine Fehde mit dem einflußreichsten Witzblatte Kopcn Hagens, dem „Korsar" geriet, der Kierkegaards in ihren unteren Extremrtäten von der Natur etwas vernachlässigte Gestalt zur populären Figur Kopenhagens machte. Diese Fehde bereitete Kierkegaard unsägliche Leiden, und aus denr Gefühle heraus, daß er glle drefe Leiden nicht für sich albst,:, sondern für eine ganze Gesell) chaft trage, die unter der Geißel jenes Blattes seufzte, aus diesenr Gefühle heraus vollendete sich feine religiöse Ürnwcrnd- lung. Mrt außerordentlicher Feinheit hat er als die Sphäre der Religion das Reich der Ungewißheit und Unsicherheit bezeichnet, indem nur aus dieser der wahre Glaube erwachsen könne. Die von ihm entwickelten religiösen Anschauungen trieben nun den religiösen Invidualismus auf die Spitze. Jede Vermittlung zwischen Gott und Mensch wurde von ihm ausgeschaltet, nur der „Einzelne" war religiösen Lebens fähig. Aus diesem cksedan- ken heraus gelangte Kierkegaard zu einem leidenschaftlichen Kampfe mit der dänischen Staatskirche, die er erbarmungslos verur- teilte.
Kierkegaard wußte, daß er zeitig sterben müsse, und wollte zeitig sterben. Sck,on mit dreißig Jahren erwartete er dm Tod — mit zweiundzwanzig Jahren starb er wirklich. Tas literarische Werk, das er hinterlassen, gehört zu denen, die nicht als yar- momsch vollendete (Gebäude, sondern als unübersichtliche, überraschende, zuM Teil barocke iinrd an einzelnes: Stellen selbst schadhafte Anlagen wirken. Mer es ist darin eine fast unerschöpf- licke Menge von Geist und Originalität angehäuft. Kierkegaard gehört zu den Genies der Anregung.
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Rom, 3. Mai. Die „T ribun a" schreibt: Es besteht nicht und kann auch nicht bestehen ein
Sören Kierkegaard.
Lu seinem 100. Geburtstage, 5. Mai.
Sören Kärkegaard ist vielleicht der glänzendste und hervorragendste Prosaschriftsteller, den die dänische Literatur im 19. Jahrhundert überhaupt hervorgebracht hat. Aber darüber hinaus interessiert er auch die, die mit der dänischer: Litteratur außer Verhältnis stehe::, als eine höchst merkwürdige, durch und durch originelle Persönlichkeit und als ein religiöser Denker, dessen Energie und Konsequenz ebenso groß sind, wie seine Einseitigkeit. Sören Kierkegaard, dessen Werke erst durch die bei Diede- richs in Jena erscheinende deutsche Gesamtausgabe auch bet uns mehr Eingang gcfimbcn haben, ist eine Art Nietzsche der christlichen Religionsphilosophie gewesen. Wie Nietzsche sein ganzes ethisches System auf den: „Uebermenschen" aufbaut, so stellt Kierkegaard den „Einzelnen" durchaus in Iden Mittelpunkt alles wahrer: religiösen Erlebens und Lebens.
'Der jütische Bauer Michael Petersen Kierkegaard war in Kopenhagen ein reicher Wollwarenhändler geworden. Tas jüngste Kind aus seiner Ehe mit seiner früheren Magd war Sören. Sören war ein schwächliches, aber äußerst geistreiches Kind. In der Schule entfaltete er einen so treffenden Witz, daß selbst die Lehrer davor zitterten. Vater und Sohn ähnelten einander: beide waren äußerst begabt, beide witzig, beide unermüdliche Disputierer, und beide erfüllt von einer tiefen inneren Schwermut, die Kierkegaards Schicksal geworden ist. Wer Vater und Sohn nicht kannte, dem Mußte es schenwn, daß esim Hause Kierkegaard sehr lustig und unterhaltend zuging: aber es geschah, daß der Vater vor Sören flillstand und zu ihm sagte: „Armes Kind, du gehst in stiller Verzweiflung!" Das hat Sören Kierkegaard nie vergessen.
Er studierte Theologie «und konnte sich bei seinen glückliche:: Vermögensverhältnissen ganz seiner: Neigungei: widmen. Sein Lebenslauf zeigt mir zwei äußere Ereignisse von Belang: die Geschichte seiner Verlobung und seiner: Kampf mit dern „Korsar". Die Geschichte seiner Verlobrmg mit Fräulein Regine Olsen ist noch immer nicht ganz klar. Es war eine Verlobung aus Licke von beider: Seiten, die Kierkegaard dann aufbob, und zwar in der Weise, daß er nach seinem Willen durcharts als der sckmldige Teil erscheinen mußte, und daß er trotz der tiefe:: Qual, die er empfand, dabei äußerlich seine Heiterkeit durchaus zu bewalden schien. Ob die ererbte Schwermut, ob die Erkenntnis, daß er sich mit dem Mädchen seiner Wahl innerlich doch nicht verständigen könnte, die entscheidende Triebfeder gewesen ist, mag dahingestellt bleiben — genug, dies schwere Erlcknis machte Kierke- mard zum Dichter. Es erschien des dicke Werk „Entweder — Oder", den: eine Reihe von anderen Schöpfungen folgte. Mle wehr oder weniger autobiographischer Art; in allen suchte Kierke-
Künstler solche belgischer, französischer und englischer Künstler enthält.
— Eröffnung der Leipziger Baufachausstel- l u n g. L e i p z i g , 3. Mai. König Friedrich August traf heute vprmittag von Dresden hier ein, um die „Internationale Bau- fachansstellung" feierlich zu eröffnen. Am Eingang „C" der Ausstellung an der Friedhofs-Allee wurde der König von dem Vorsitzenden des Direktoriums der Ausstellung Oberbaurat Falicu: und den beiden stellvertretenden Vorsitzenden begrüßt. Von hier begab sich der König um 12 Uhr nach der Empfangshalle, wo sich die übrigen Fürstlichkeiten und die Spitzen der Behörden eingefunden hatten. Tie Eröffnungsrede hielt Oberbaurat Falian. Hierauf wurde auf Befehl des Königs die Ausstellung durch den Regierungskommissar Kreishauptmann v. Burgsdorff eröffnet. Es schloß sich ein längerer Rundgang durch die verschiedenen Hallen der Ausstellirng an, welcher bis 1 Uhr dauerte.
— Die letzten deutschen Biber! iTin Bild trostlosester Naturvernichtung bietet sich dar, wenn Man beute unter Führung limdiger Förster ben beiden letzten bciannten deutschen Biberbauten einen Besuch abstattet. Vor wenigen Jahren zählte man noch ungefähr 40 Stück in den beiden Bauten bei Großkühnau im cm haitischen Kreise Dessau und bei Breitenhagen- Lödderitz an der Elbe, unweit der Saalemündung. Im Groß- fübnauer Revier zählt man bcucr noch 2 Paar. Ein Paar soll vor einigen Monaten elbaufwärts nach Torgau zu „ausgewandert" fein und :vird dort wahrfcheiickich eine neue „Burg" gebaut haben, denn sie nmrben letzthin von Fischern und Schissern in der dortigen Gegend öfter bemerkt. Der große Bau im Lödderitzer Revier, der besonders von deml Rittergutsbesitzer Hubert- Behr (Mennewitz) genau beobachtet :md auch geschätzt wird, soll noch in die zwanzig Stück großer prächtiger Bibweyenrplare. bergen. Wenn man aber hört und liest, daß allein bei Barbt) ai: der Elbe und in der Saale bei Saallwrn int vorigen Jahre, drei Biber tot treibend, entweder von den Schaufeln eines Raddampfers oder von Schisser:: mit Rudern böswillig erschlagen, gesunden lmirden, dam: steht Man auch vor diesem aussterbenden ^tück Natur mit der Wehmut int Herzen, daß es immer noch wasjenhast Mensckwn gibt, die einer raseichen Zivilisation das Wort reden und diesen Unfug nrit dem Deckmantel „Kultur" behängen. In Wahrheit dürste die staatliche Fürsorge und Erhaltung einer Tierspezies, die einst in Deulfckland eine große volksnnrtschastliche Rolle spielte, eine „Kulturtat" genannt iverben müssen.
Wie wird Shitari geräumt?
Daß Oesterreich unh Italien Schritte vorbereiten, um die Montenegriner aus Skutari zu vertreiben, ist nun auch amtlich bestätigt, und die „Norddeutsche Allgem. Ztg." bejaht ferner, daß König Nikita keck genug gewesen ist, nicht nur .Skutari als montenegrinischen Besitz öffentlich erklären z>u lassen, sondern auch albanische Hafenstädte mit Truppen zu 'besetzen! Heute morgen wurden Gerüchte verbreitet, Skutari sei schon in Frieden geräumt worden und das montenegrinische Kabinett sei zurückgetreten. Der Berliner „Lokal-Anzeiger" meldet, wie wir telegraphisch aus Berlin hören, der Kaiser habe bei einer Pause in der Wiesbadener Opernaufführung die Nditteilung erhalten, daß die Räumung Skutaris beschlossen sei. Damit ist nun auch nicht viel anznfangen; daß die Räumung Skutaris beschlossen ist, war ja gar nichts Neues, denn es erhob sich nur die Frage nach dem Wie ünd Wann! Um Skutari zu besetzen, haben die Oesterreicher und Italiener Truppen mobil gemacht, und Oesterreich hat, was auch von weittragender Bedeutung ist, in Bosnien und der Herzegowina den Ausnahmezustand erklärt. Ob aber wirklich schon in bestimmter Weise geplant ist, das ganze albanische Problem neu zu regeln, wird aus einer offiziösen Darlegung der römffchen „Tribuna" wieder zweifelhaft. Italien will demnach nur dem Zwang der Ereignisse nachgeben und hält seine Absichten vorsichtig zurück, bis am heutigen Montag die Botschafter gesprochen haben. Aber auch die „Tribuna" gibt schließlich zu, daß es sehr bald nötig werden könnte, „die Ordnung in Albanien wieder herzustellen" und daß diese Aufgabe den beiden nächftbeteiligten Großmächten, Oesterreich und Italien, zufallen könnte. So wird denn nun wohl heute endlich der Tag heranrücken, wo die diplomatischen Umschreibungen aufhören und wir von Ereignissen und klaren Absichten unterrichtet werden.
. • Wir erhalten folgende Bildungen:
Die „Frankfurter Zeitung" meldet aus Rom: Aus zahlreichen Garnisonen wird gemeldet, daß Truppen- abteilungen für ein Expeditionskorps nach Albanien zusammengestellt und eingekleidet werden. Das Expeditionskorps wird inBrindisi zusammenaezoqen. Es soll angeblich 30 000 Mann stark sein.
O e st e r r ei ch- U n g a r n wird, wenn die Abmachungen zwischen dem' österreichischen und dem italienischen Generalstabschef keine Abänderung mehr erfahren, 50 bis 60 000 Mann nach Albanien senden.
Belgrad, 3. Mai. An der Küste von Nordalbanien find die serbischen Truppen bis auf dreihundert Mann, die noch in San Giovanni di Medua stehen, zurückgezogen worden. M o n t e n e g r i n i s ch e T r u p p e n haben die Küsten Plätze bis zum Drin besetzt. Fünftausend Mann stehen in Alessio.
Der Ausnahmezustand
für Bosnien und die Herzegowina» erklärt!
Serajev o, 3. Mai. Heute ist der Ausnahmezustand für Bosnien und die Herzegowina proklamiert worden.
Durch die Ausnahnieverfügungen am 2. Mai, die durch kaiserlichen Erlaß vom 1. Mai genehmigt worden sind, werden einzelne Bestimmungen des Landesstatuts suspendiert, Einschränkungen bezüglich des Paß- und Meldew esens und der Freizügigkeit e ingeführt, die Zivilpersonen unter die Militärgerichts-
Sirt” UrS11.^ -■'te- «-Säs
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Explosion ent, *n oeichästigt.
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Montag, 5. Mal WZ
Bezugspreis: monatlich 75Ps., viertel-
Sk jährlich Mk. 2.20; durch
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W jährl. ausschl. Bestellg.
Zeilenpreis:lokal 15Pf., auswärts 20 Pfeuniq.
” ▼ Chefredakterlr: A. Goetz.
Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für „Feuilleton", „Vermischtes" und
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Uebereinkommen zwischen Italien und Oesterreich über die Teilung Albaniens in E i n f l u ß g e b i e t e. Wer dieses Märchen verbreitet, vergißt, daß gerade Italien gegenüber Europa die Herstellung eines autonomen, absolut unabhängigen Albaniens vertreten hat. Die Festsetzung von Einslußgebieren würde dem Grundsatz der Autonomie widersprechen und in diesen: Augenblick ein Unrecht gegenüber Europa darstellen, welches loyal 'mit den näher beteiligten Mächten zusammengearbeitet hat, um ein starkes und freies Albanien herzustellen und gegen jedes Gelüste ZU schützen. Man maß die Skutariftage und die allgemeine Frage der inneren Crbnung des neuen, erst im Keime vorhandenen Staates unterscheiden. Wem: die Londoner Botschaftervereinigiing feu: gemeinsames Zwangsmittel findet, um Montenegro zur Räu- mnng von Skutari zu veranlassen, so wird Oesterreich- U:: g ar n diese Aufgabe übernehmen, da es am nächsten betei- ugl. Uff Was die Frage der inneren Ordnung Albaniens be- tr:stt, io hat Essad Pascha sich zu dessen Herrscher erklärt und
barkcit gestellt und Einschränkung und Ueber- wachung des Telegraphen- und Telephon- üertc h r s angeordnet.
Rom, 3. Mai. Die Agenzia Stefani meldet: Die von einige:: Blättern veröffentlichte Meldung über ein Uebereinkommen zwischen Italien und Oesterreich-Ungarn auf Aufteilung Albaniens und auf Abänderung der bereits seit mehreren Jahren zwischen den beiden Verbündeten Mächten bestehenden Verträge, die sie gewissenhaft einhalten und die darauf abzielen, die Autonomie Albaniens gemäß den Beschlüssen der Londoner Botschasterkonferenz zu sichern, entbehren jeder Begründung.
Feststellungen der deutschen Regierung,
Die „Nordd. Allgem. Ztg.," fschreibt in ihrer Wochenrundschau:
Der letzten Botschaftervereinigung lag eine möntenegrinifebe Mitteilung vor, welche der Annahme Raum ließ, daß sich Montenegro noch in letzter Stunde zu einem freiwilligen Einlenken und zur Räumung Skrttaris entschließen könnte. Es schien der montenegrinischen Negierung klar geworden zu sein, daß sie einer ernsten Situation gegenübersteht und daß auf dem Räumungsverlangen unbedingt bestanden wird. Die Bot- schaftervereinigung beschloß auf Grund dieser Mitteilung, den Kabinetten vorzuschlagen, daß den Montenegrinern noch eine letzte Frist zum Nachgeben ein geräumt werde. Die montenegrinische Regierung sollte demgemäß zur friedlichen Räumung Skutpris aiifgeforöcrt und ihr dabei erklärt werden, daß nur in diesem Falle Montenegro auf die in Aussicht genommene Hilfe der Mächte zur Besserung der wirtschaftlichen Lage des Landes rechnen könnte; andernfalls würde es aus Skutari vertrieben werden und hätte künftig keinerlei Hilfe der Machte zu erwarten. Tie Folgen seiner Haltung würden in diesem Fall verhängnisvoll sein. Ein entspreche:ü>er Schritt in Cetinje wurde unverzüglich in die Wege geleitet. Inzwischen ist aber eine Tatsache bekannt geworden, von der die Botschafterkonferenz noch keine Kenntnis hatte: unter der Aditceilung des Wortlauts der Proklamation wurde gemclbet, das; der Kronprinz Danilo Skutari zur Landeshauptstadt ausgerufen hat. Dazu trifft heute abend die Nachricht ein, daß montenegrinische Truppen die albanischen Küstenplätze besetzten. Damit wird der Hoffnung, auf die hin die Londoner Kvnferenz ihren Vorschlag machte, der Boden völlig entzogen. Der Augenschein widerspricht den Erklärungen, die König Nikita in London abgeben ließ, in so grober Weise, daß man von der Einwirkung der Mächte in Cetinje sich nicht mehr Erfolg luirb versprechen können. Die militärische Aktion Oesterreick>s im Verein nrit Italien ist nunmehr in unmittelbare Nähe gerückt.
Italiens Stellung und Borbercitnng.
.T-ff Babuarbeiter,\ Vienne* W1 r^i. Pauline N«
Französische Nervosität.
Paris, 4. Mai. Der „Temps" will wissen, daß die Vertreter der Tripel-Entente in der morgigen Botschafter- lönferenz die Dreibundmächte aufmerksam 'mache:: werden, daß Oesterreich-Ungarn und Italien keinerlei Mandat
hält die Armee von Skutari zwischen Tirana und Kruja versammelt. Dschawid Pascha hat Valona 'besetzt. Es istnock: nicht ganz klar, was die Haltung Essad Paschas zu bedeuten hat. Die Pforte hat ihm befohlen,^sich mit seinen Truppen nach der Türkei einznschiffen. Die „Tribuna" fragt, ob Dschawid Pascha nur deshalb nach Balona gezogen sei, um in die Türkei zurückzuke^ren oder um sich, wie es den Anschein hat, mit Essao Pascha zu vereinigen. Dieser hat eine Basis zwischen Tirana und Dscha- kowo, Dschawid Pascha aber hat nur Truppen, die in den vorhergegangenen Kämpfen geschlagen worden sind, jebodj keinerlei Anhang in Albanien. Die beiden Armeen haben auch keine Verbiiwung miteinander. Eine innere Gegenbewegung erscheint als möglich, wenn die provisorische Regierung von Kemal Bey stark genug ist, eine solche in Gang zu bringen. Daher leuchtet die Notwendigkeit ein, die Ordnung in Albanien wieder her zu st ellen. Es ist von den Mächten als selbständiger Staat geschaffen, und es wäre deshalb zu wünschen, daß alle Mä -ch t e gemeinsam mit ihren Truppen die Ordnung wiederher st ellten, wie sie es in China nick Kreta getan haben. Aber im Unterschied zu China und Kreta sind hier zwei Mächte, nämlich- Oesterreich-Ungarn und Italien, an dem albanesischen Problem mehr beteiligt als die übrigen. Es ist möglich, daß die Mächte die undankbare Mission auf Oesterreich-Ungarn und Italien abzuwälzen wünschen. Oesterreich-Ungarn hat sich bereits dazu angeboten, zu handeln. Italien wird nicht Nein sagen können. In Voraussicht neuer und ernster Ereignisse, welche eine Intervention Italiens in Südalbanien verlangen konnten, hat der Kriegsminister verfügt, daß die zur Bildung eines A r me e - k^o r Y s erforderlichen Truppeneinheiten vervollständigt nxrtien. Es dürfte eine Division genügen, aber es muß eine Reserve bereit fein; wenn die Expedition beschlösse:: werden sollte, so müßte, um das Land nicht ganz zu entblößen (100 000 Mann stehen in Libyen) eine Jahresklasfe cinberufen werden. Diese Klasse ist indessen bisher nicht cinberufen worden, weil es wahr- scheinlick^ ist und zu 'hoffen cheht, daß die innere Lage Mbaniens sich nickt in einer Weise verschlimmert, die eine Intervention notwendig macht.
Die Wiener Preffe.
Wien, 4. Mai. Tie Blätter betonen, die mvr- gige Sitzung der Boffchaftervereinigung bedeute sür Ocstcr- reich-Ungaffn nicht mehr die Möglichkeit neuer Enffchei- dungen. Sowohl die Bestimmung eines geeigneten Zeitpunktes für ein eventuelles aktives Eingreifen, wie die Art und Weise der Durchfiihrung der Aktion müsse der Entscheidung der meistinteressierten Mächte Vorbehalten bleiben. '
Das „9c e u c Wiener Tagblatt" erklärt: Wenn infolge des Widerstandes Montenegros und der Verwei- geritng der Teilnahme der übrigen Mächte eine gesonderte Aktion unternommen luirb, so wird sie naturgemäß die Herstellung des Rechtsz-nstandes zur Aufgabe haben, den Europa für das neue Albanien festgesetzt hat. Alke an- derslautkmden Nachrichten über den Zweck der Aktion be- imhen durchweg auf Kombinationen, die jeder tatsächlichen Grundlage er:tbehren.
Die Blätter erfahren aus wohlunterrichteten diplomatischen Kreisen, in den Verhandlungen Oesterreich-Ungarns mit Italien wegen der gemeinsamen Aktion in Albanien handle es sich nur mehr um Detailfragen, da bezüglich der prinZ-ffiellen Fragen bereits ein Einvernehmen erzielt sei. Es gelte aber für sicher, daß ein vollständiges Einvernehn:en über alle schwebenden Fragen bald Kuftandc- lomme.
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