Mittwoch, 3|. Dezember 1915
Nr. 506
Lrtztt Blatt
165. Jahrgang
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?Wmh>rt* - flkidjtitle: Hjr bie Stebehien 111, Serlaq u. txpfbiMn M Sbrefle für Trpddxn:
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General-Anzeiger für Oberheffen ZMW d? i^uäSTTiM Botetioisönid »Id Verla- -er vrihl'schea Uili.-Vich. II- Zteii-rickerel R. taift. Re-aMai. Lr»e-itioi II- vrickerei'. 5chilstratze 7» An-eiqeiiteü: C». Veck.
Die heutige Nummer umfaßt 14 Seiten.
Ta-e»kalenver aus dem Jahre 1813 14.
31. Dezember bis 1. Januar 1 b 1 4 Rh rnübergang brr vabihibarn Truppen bei <E eub unter Blüchers Snlung.
Bas neue Jahr!
(Mrfjtn, 31. Dezember.
k?S bleibt auck heute ein Tag der Rückschau, die un- kre fcoffnurtflen für die 3ufunft mehrt, von der wir uns aber nicht tu eitlen Prophezeiungen wenden dürren. Denn wenn der Mensch mit dem 5d)H*d die Sterne berühren w'll, „nirgend» baiten dann die unsicheren Noblen, und mit ihm spielen Wolken und^9inde " 3clbft tn die nab«* duTunft, in bf* neuen Wahres schon reicht unser Auge nicht, und wo- h«n die unsicheren Sohlen den Reichskanzler auf verschlun- aenen Pfaden der inneren Politik führen werden, kann man kaum ermessen Wie gebt der Hut-- in El''nß Lothringen? Da? ift die a k t nelle Frage der innern Politik, aber ob der vorzeitige Silvefterschuß in Zaber« vielleicht ein Signal dafür sein kann, da» wir vor einer Wende, einem llnibic» gen in der Richtung stehen, wer kann es willen? Doch wenn auch die Zukunst dem prüsenden Blick nicht ftanbhält, in her Rütkschau dürfen mir freier und I'i*fcr uns erheben sieI birgt den ruhmvol'en Ausstieg de» R"iches u. die geschichtlichen Erfolge und Erfahrungen unsere» Volke». Ta hindern uns die kleinen dabernet Meilensteine nicht, we" rurückzublicken, wo der Stern de» neuen Reiches zuerst aufd mmic, al» das Sdi'if deS Velteroberero in T'ümmer ging Wir erblicken im Winrerfroü der Neujnbrsnacht ein schimmernde» Waffen - bild am deutschen Rheinstrom, erwärmen uns an dem regen vaterländischen Geist der dort den U-bergang Blücher» und seinem Heere» umwehte, wir sehen die verbündeten Russen weiter südwärts unter Kanonendonner gleichfalls den Rbetn übersehen und suhlen un» sortgerifsen m den mutvollen ftampt für die nationale Wiedercrstarkung.
Die lleuie Spanne de» ^abrr» 1913 ist nicht so T<*mfit-iib in da» Buch der «beschichte einorzeich'tet wie das Jahr 1 RI3 Zwar haben wir an manchen Tagen toirbfrfrwdt. aber cs ist dabei ein 3ahr des Arir^en» und stillen .Fortschritt.'» gewesen. O'»ennn sind graue Schatten über es hahuta logen, und Svrr von Bethn^nn-lc^llweg über- \amet manmg'ache Mnttrauenokunbgebungen de» Parlament. u und aitd) de» Bolle», aber da > hat mit B-rbrr»sscnb?it wahrlich wenig zu tun Teutfdi'anb fint im Sattel, und nun möchte auch reiten; wenn es habet mitunter die Teitfdre ein wenig inallen lassen mutz, wer darf sich daran flößen? Ter in den Polen und Zesuitenfragen und uiTefit wegen der Habcrner Geschichten mit Mißtrauen belastete Kanzler hat uns schon in «einer „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" vorwurfsvoll qviragt, ob wir denn vcrgesien hätten, das; ha» deutsche Volk in diesem selben Jahre eine große Militärvor- läge und eine MUliardendeckungsvvr'age in treuem, vaterländischem Sinne angenommen habe, und er sieht sich sckynerzlickl flelnufdl in seiner Erwartung, daß nun a'le guten Deutschen, mit Mann und Troß, auch auf allen weiteren Wogen kritiklos hinter ihm herziehen würden Hat er ober denn ganz vergessen, daß der zkedanle einer HecreSver- arösterung au» dem Volke aufgetaucktt ist? Tie amtliche ^Vahnuna. da» Volk möge an den O*runbfäulen des Heeres nicht rütteln, war unnötig: niemand, außer der Sozialdemo-
(Ricfjcncr StaMtbcatcr.
Die Zarin.
Schauspiel von Melchior Lcngvel und Ludwig Biro. Gießen, 31. Dez.
Ä<rtbarina II., die Tochter des Fürsten (FhriOian Auemst von Anhalt Zerbst, her zur Zeit ibrrr vkburt preuHiitber <«knmil- mtnoi n*ii. verdankt ihre Berühmtheit neuner ihrer beheutismen Staatskunsr und ihrer schöngeistigen Schnnstetterei. al: ihren lablmdxn Liebichasten. die hton iu ihren Lebzeiten da» Welt- <w*prad) bildeten Unnrmöbnlitt) beladt, konnte fie sich doch tu keiner aett«"iaten Pciiöntittcke.i nihmfrln. weil mauloier ifbrar:; imb moHlpie Sinnlichkeit sie völlig beherrschten und alle ihre £»anb« lungen bestimmten.
Tiefe Herrscherin, der Rußland in foiialrr Hinsicht außer- vrdemllch mel tu verdanken lat. entkleidet Lenanel in »einrm Schauspiel Tie Zarin de» kaiserlichen Purpur», mrem er sie un- mitten in ihren Liebesabenteuern zei-u, deirenit und aebannt von ihren Staatspstichren. aber aeln'rt nnr iwn ihren Tn-ben. die ihr Fuhlen und Tenken unauibörhtb auswllen So* hören inr zu Anfang des Siückes von einem lürrlich in Ungnade gefallenen Liebhaber, aber binier der nächsten Türe Hält der schlaue Kanzlet den galanten franjdfi'Chrn Gesandten verhörwn. um ihn der liebesd-dürftig en Äaih-rui im rechten Augenblick in die .(rmc m treiben. Dow de Staalemanne» Pläne bunt freu t her juarnb llche. ehrenwerte Rene, der iich mannhaft eine Audienz et;irirgZ, nm der .Kaiserin von einer gegen fie angezettetken Verschwörung tu berichten Sein friuber Mui und seine unertabrinc r+'u b ftecheK die Fürstin, sie überhäuft :ön mir Evren und erhebt ibn :u ihrem Liebsten Aber dem iatkrästiaen Ciiuifr bebagi da» faule Schlemmerleben nicht, und al» er eriibrt. daß bi' Kaiserin iro» seiner im Sotda:en»elr genächtigt bat, da ichläqt er sich rur.Preußen- honet, die der Wecherberricheist (in Ende machen will Ter Anschlag scheint tu gelingen, schon liegt die «faii'erin winielnd tu feinen ssüßen, armänu des Todes, als her Mander mit der i-tarde rnrfwint und die \?emd>erm befreit Schnell gefaßt, läßt sie die verschworenen Oftiperr entgegen ihrem Versprechen ;u;amt ihrem Liebhaber perkiften. denn sie kann ihm nicht rmeiben daß er das Bild seines nmoen. Lieb» n"ch immer in <->#7-1 nt
trägt Run weint fie liebriücbhg in den Nachten — aber hinter ber Türe bam schon wieder her französische <Manbte, b» Linkes ?märtig. und der schlaue Kanzler rührt ibn ihr rechrieing üi die nne 3:t einem Anfall ron <"*rortmit begnadigt sie bann d:e Berfchwörci und iimearnt den fvcnwfifdxn andtcn mit den- lelben Lonen, mit denen sic den Grafen Eierny sich geneigt gt- nramt Hat,
kratie. beritt heran Wir wollen, auch im ENaß. keine pvliti- sterenbe Mtlitärherrschaft, und wenn ber allzu zahme Kur- hort nickt» taugt. <0 soll ber verantwort luve Beamte ihn ändern, aber endlich bte Zickzalkbahn verlassen! E» ist auch nur eine Stimme ber Genugtuung in den bürgerlichen Zei- tuwgen darüber, daß da.» Aitsehen ber beuticbem Lassen im Auslanbe gewachsen ist und baß mit ihrer Hilfe bie beukschen Interessen in Äletnaficn hoffentlich einen nachhaltigen Aufschwung nehmen werben. Tie Balranwtrrntsse haben ihr? Schrecken für unö gänzlich verloren, ber Treibunb steht heute gesestigter da als ror Jahresfrist, und wenn auch England wieder weitere Erhöhungen seines Martnevoranschlag» für 1914 angekündigt hat, so Hal es doch (eine frühere ausgesprochen deutschfeindliche Politik in Anbetracht der letzt er» Entwicklungen abwartend mindestens stark gemildert. Taft nach einer gestrigen Meldung englische Behörden den Liese- rungen deutscher Industrieller vor bencii der eigenen Land»- leurr ben Vorzug gegeben haben, darf in dem Kapitel der deutfch^engli'chen Beziehungen gleichfalls mit Befriedigung gebucht werden
Ter deutsche Außenhandel ist über die döchstzifser deS Jahres 1912 fast 20 Milliarden Mk kodi weiter gewachsen. Ta» steht ein wenig im Wcqcnfav zu her Geldnot, in der die kleineren Ökmcrbetreibenbcn und !i>anbe!sleute sich be- ftnben Auch die Wehrabgabe oon 300—400 Millionen Mark wirb aus ha» deutsche Wirtschaftsleben natürlich eine Ein Wirkung haben, die sich im Jahre 1914 äußern wirb Tod find Sorgen, die wir in der Weuiahrdfhmmunfl nicht ganz abstreif 11 Hannen, für bie e» aber eine Abhilfe geben wirb unb hie un» den frohen Ausblick in da» kommende Jahr nicht trüben bürftn.
Sieber finb bie Kulturmittel der Menschheit gewachsen, trotz einiger schwerer llnsälle unfdrer Zeppelin^Lnstschifse naben bie „£onfa“ unb bie „Bittoria Luise" neue, glanzenbe Leistungen auszuweifen gehabt unb bie Namen eines Hel« muib Hirth unb Viktor Stöfsler finb leuchtenb in bie Entwicklung ber bculfcheu Flugtcchnik eingeschrieben Indessen, wie viel Geheimnisse gibt uns bad Leben noch zu lösen aus, unb rocr sie nicht emvfiirbct, ber ist nut ein halber Mensch! Uns umwittert das Zeitliche, bas Gestern unb Morgen, unb wer könnte baS Vergangene seines persSn- liehen Lebens wie nußloses Gerümpel in seine Kammer verschließen Beim Jahreswechsel werden ganz besondere Geister wach, die mit nüchterner Realistik nur eine entfernte Verwandtschaft haben. Wir leben N'chk nur fik ben Augenblick, und das Leben erforscht man nicht, wenn man, wie bei einem loten Wurm, nur seine Glieder zählt unb bas eigene, angeborene, lebensvolle Gefühl, bas hinauf unb vorwärts bringt, babei ins Grab verschüttet. Hebbels tiefenwfunbcne bichlerische Betrachtungen enthalten eine ewige Wahrheit:
Die Wurzelkraft im Menschen treibt zum Eilen, Sie flrrbi ins Weiteste au» allem Engen, Sie will ha» Leyte schon inS Erste men am, Ihr bangt vor Raum und Zeit, die sie zeitteilen. Tic Gegenkraft im Menschen treibt zum Veilen, Sie will ans Nächste üch aut ewig hängen. Sie möchte die Entfaltung rückwärts drängen Und jede Wunde meiden statt zu heilen.
Aus dieser beiden Steifte Dihrnstreben Entspringt in ewig wechselnder Gestaltung Tie unbegriffne Ivrm des Seins: das Leben!
Und auS dem Seufzer, der den Tod verkündet. Wird im Moment vernichtender Erkaltung Ein Hauch, der neu und frisch die ßJlammc zündek.
Dcntfcbct UeicH.
Ter M*a i f e r bat sich am Dienstag vornntlag mii dem Automobil nach Oranienburg zur Hofjogh begeben. Der Kai ser gedenkt am 2. Januar in Sigmaringen ber Benetzung ber Iürstm Mutter von Hobenzollern beizuwobnen. .
Tie Kaiserin in Braunschweig. AuS Braun* schweig wird gemelbct: Am Montag mittag 12 Uhr 35 Ä.i nuten ist bie Kaiserin, mittels Sonberzuges von W Ihpork kommend, zu kurzem Besuch hier eingetroffen. Der Herzog unb bie Herzogin waren zum Empfang auf hem Bahnhof erfebienen. Tie Her-zogiv nberretditr der sfaiferin einen prachtvollen Iliederstrauß. Tie Herrschaften begaben (ich nach der Ankunft mittels Automcchil nach dem Schlöffe In den Straftrn bat:r sich ein zahlreiche» Publikum ernge- sammelt, ha» die Iürstlichketteu ehrfurchtsvoll begrüstte Tie Abreise Ihrer Maiestät erfolgte abend» 7 Uhr 60 Min
Nach dem Derwaltungsbericht der würt- tembergifchen Verkehrsanstalten für ha» Jahr 1912 bat sich ein Betriebsüberschuft von 26 675 024 Mark ergeben, ha» sind gegen ben Etatsansaß 3881 247 unb ge gen bas Voriabr 368 279 Mark mebr Bon hem Ueberschnft hnh 2 6.30 208 Mark an ben EisenbabnrefervesonbS abge- sübrt worben, her am Schluß deS EtatSjabreS 1912 ein Ber mögen von 14 044 083 Mark batte. Das Anlagekapital von 796 904 008 Mark bat sich burch ben teilten Betriebsüber- schuft zu 3^ Proz. verzinst.
BeiberLanbtagsersatzwahlfurWarburg- H ö x t e r am 29. Dezember ift her ^tSbesitzer SchönkäS- Altenheerse <Zentr l mit sämtlichen 242 abgegebenen Stimmen gewählt worben.
Zabetn im elsaft-lothringischen Landtag Tie Blätter melden au» Straftbutg: Sofort nach ben Elats- verhanblungen vom Ministertische soll im Lcrubtage, der am G. Januar seine Session eröffnet, in eine Besprechung ber Zadernet Vorgänge eingetreten iverben. Von sozial- bernokrati scher Seite wirb folgenbe Anfrage ein gebracht werben „Las hat ber Herr Reichssanzler getan, um berartige OfsizierauSschreitungen in Zadern zu verhindern unb welche Garantien lind gegeben, daß sich solche AuS- schreinrngen nicht wieberholen?" Kreisbirektor Mahl von Zadern hctt infolge ber Angriffe gegen bie Zaberner Zivilbehörbe, insbesonbere wegen ber gegen ihn persönlich gerichteten, bie auf ben Vorwurf hm au »gehen, in Bezug auf hie Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung in 3a* bern versagt zu Haden, gegen sich selbst eine biszipli- narische Untersuchung beantragt Das Ministerium hat bem Anträge sta«gegeben.
Erleichterungen in der Erfüllung der Wehrpflicht für die Auslands-Deutschen. Die „Nordd Allg. Ztg." schreibt: In dem Rückblick her „Nordd Allg Ztg " vom 5. Oktober 1913 Nr 235 sind unter anderem auch bie für bie Auslanbs-TeuN'chen wichtigsten Bestimmungen des (Gesetzes vom 22. Juli b I. zui Abäuberung des Reichsmilitärgesetzes sowie bes Gesetze» detreffenb Aeu- berungen her Wehrpfticht vom 11. Februar 1888 erörtert Tie damaligen Angaben über bie ben Ausland»-Deutschen in der Erfüllung ber Wehrpflicht gewährten Erleichterungen finb insoweit zu ergä uzen, als bie Vorschriften übet Die ZnriicksteNung bis zum vierten Militärpflichliahr sich nur auf die int außereuropäischen Auslanbe lebenben Militär» pflichtigen beziehen. Für Mckitörpflichtige, bie im eurood < urben lAuslanb leben, gilt ber neu gesoßte tz 20 Nr 7 des Rcichsmilitärgefetzes, der eine Zurückstellung auf 1—2 Jahre
Von einer einheitlichen Handlung kann bei bem Stücke nicht bie Rede sein, eS sind lose, um das Schlafzimmer ber Kaiserin gereihte Szenen, wobei alle Türen br'linbig in Gang sind Ader Vr Ungar hat r» ver kanden, bas zwischen allen Ertremcn schwon 'enden Lesen UaihorinenS al» ben eigentlichen Kern des Stückes bcTüuftellen unb^ lrop des ipeitläungcn Schlusses seine Zuschauer in sort"esevtcr Spannung zu erhalten. Nun ist ja eine berartige, rrin auw Aeuß-rlicl? gebende Spannung nicht Sache eine» Munü werke», aber Lengoel verzichtet so onensichtlich aus alle literarische .'imfcf iBung, baß an r in künstlerischer Maßstab gar nicht am Plape ipörc Er bat mit anständigen Mitteln an wirksames, pockrnbes Schauspiel schaffen wollen, bas die Zuhörer in Bann und Atem til!, und das ist ihm vvttständ'g gelungen. Es wäre bester um unser zeitgcnös'ifches Theater br'tdU, wenn wir recht "nie iolttxr Stücke bitten, die nichts weiter sein wollen, als Tdeater, daS aber auch ganz und richtig
Tic Aufführung, die von Herrn Tworkowski sorgsilttg geleitet war, hatte einen starken Erfolg, woran die Tarftdlung we'enilich beteiligt war In Frl Stcttner verfügt unsere Buhne über rmc Künstlerin, für die die Rolle der Zarin aam» aridaffm erfebenen möa'!C Hoheit jinh Niedriakcit. zänlichste Liebe und bestialische Sübbat vereinte fic vortrefflich ru einem einheitlichen '»Gesamtbild, da- non ungeroöbnhdxr Wirkung war uno nachhaltige Eindrücke hinterließ Es wäre crwum'cht, n»mn Atl Sletlner öfter Gelegenheit erhielt, ihre hebmtenom Zähigkeiten h- großen Rollen iu verwerten lieben ihr nanh Herr 5 t c t n 1) 0 i e r als priefthger. sponnkräftiger Lieb da her, gan; an: Plape Ta» tatenhrotc Trau'aingcrtum lieg! inner An critd flieh bester, als die ioubcniden Viebhoher, die er bisher meist iu spielen hatte, 1'0 daß auch inne Leistuuq aller Ancrkenmmg wert ,ü. Ten in der launenhaften Hernchsuchf der Kaiserin grau und idlcu gewordenen Kanzler spielte Herr cebuber t mit behädMirT. nie rmraenrr Würde, burtbau» st eher im Ausdruck, aber nicht ganz tm Wort, ab’cfron er dos äußerst geschickt ,n verdecken wußte Ten traniöiüdTn Okionbtm gab Herr R 0 11cck mit bem ieinri f:n>ct-mncfxlnbm -rnebmen. taS der Kanzler ihm als angebracht bfiritf-nrt. ratonettgcrvobni uno liebmnbrm ^rl. T a g n n spielte dw anmutig kindliche flnntr. aber ne spielte fie, cs war zu 'icfrr Ueberlegung unb *u wenig Trieb in ihr Von den übrigen Tat stellent sind noch Hen Lolck RonSch und Frl. Rabe Mnnc zu erwähnen X
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6:amDietro
Fmnier wieder hat es bie stärksten Pen'övlichkeiten der Kom5 biantenmdt mit unwiderstehlichem Trange zu den Niederungen ber dramatischen Kunst hingerissen, und die ungeheure Strfung ein« idner BaN-evilles, Posten, Improvisationen kann der Nachlebende
nur verstehen, wenn er als gewaltiges „X" die noch heule unvergessenen Namen in Rechnung setzt. Tabiirch daß sic das Feuer und die hinreiftende Wucht ihres Wesens in Nichtigkeiten legen, wachsen aber solche Komödianten über den Rahmen de» Theaters hinan-, werden ein Stück Kultur, rin Stück Volksseele, unb ane grenzen lole Beliebtheit lohnt ihnen, die in dem EHaraktcrbild ihrer Zeit nicht vergehen kann.
Der letzte dieser großen Mimen und sasrinierendci, Volkslieb- lingc ist nun dainn Von Joses Wianwidro wnß jedes Aerfiner »mb zu fingen unb zu sagen, und die eckig bizarre bis in dit Ellen bogen und Fußspitze ausorucksvolle Silhouette seiner Gestilt ist io vopulär gewesen, wie es sonst bei Schauspielern nur in der Theaterstadt Wien möglich und denkbar ist Freilich für die Dielen war er nicht mrbr, al» bic andern „S^ern^, di- aus dem Zettel deS Metropol«Theaters standen, und doch konnte man oft an ben Abenden, wo er mm hundersten und aberhundersten Mal vor einem rauchenden, trinkenden und lachenden Publikum die bunten Rakdcn seines diabolischen Witzes »uschlcudertc. mit Staunen bemerken, wie sich plötzlich cm dumpfer, atemloser Bann übet die Menge legte und der groteske Komiker zum genialen Seelenfübrer auswuchs, brr allr, alle mit sich sortsübrt in das Land des Traum brr Ahnung, brr fernen Vision Tann ging auch Leuten, bie sonst im S^wu- ipicler nur den Lnstiamacher für wenige Minuten sehen, ein Schim« •ncr davon auf, daß iich Ütcr eine übennächt,gc Begabung im trunkenen Losbrechen ihrer Kräfte auslcbte, daß ein Memchen- geftalter seltener Art vor ihnen stand
Nach einer kurzen Zeit der „Läuterung im „Fegefeuer"' der Provinz tritt er am Tmtfdicn Dolkslheater in Wien mit in die erste Reihe und erweist iich als ein 2thauitnrfrr von fabelhafter Wandlungsfähigkeit, der in tragischen -nie in komi- ’chcn Rollen, als wundervoller Sprechet wie als glänzender Tön « zet in allen Fächern zu verwerten ist nnb verwicket wird Sich iclbft gefunden Hat er in dielen 11 Iahten am xeutiAcn Volks« tbecüer nicht, und erst als ibn Boron Verger ans Hamburger Schauspielhaus berief, blitzten die Funken seines eigenen Genie» aus seinen Rollen Hervor Wir Haben dann in Berlin bet Rein- härfte Anfängen den Aufstieg von Giompietro» Größe erlebt. Ter tolle und wilde Naturbursche aus Anzengruber? „Kreuzel- 'chreib^rn" war zugleich ein unübertrefflicher Tarftdkr aller Aben- teurerhguten, jener etwas anrüchigen Lebewelt, bei der unter blendenden Manieren die heiße Gier eines utiprünglichen Fühlens durchschlägt. Sein Riccaut m der „Minna" — eine feiner be- iübmtestni Leistungen war keine kamüche Ebarae, sondern eine tranbiofen Eam'anova-Fiaur, fein Hofmarfchall von Kalb in „Kabale unb Siebe" kein lächerlicher Trottel, sondern -ine f: : im- hcimlict» vat-ologifche Erscheinung, und da» L<tztc an tiefem Menschentum fand et wohl in dem Baton deS ,/.tzachtalylS", wo ec nicht das Russische, aber das Typische, Ewige dieser Ge-


