Ausgabe 
29.12.1913 Zweites Blatt
 
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ftt iwch' erwühiS, daß er auch eines unserer neu gewählten Ge- meiub-ratsmitglieder.

-e- Langsdorf, 26. Dez. Unsere Spinnstuben, die schon ort hon hessischen Schriftstellern als ein Stück echten oberhessischen Volkstums geschild-rr wurden, und deren Hochhaltung ganz be­sonders der verstorbene Abg. Köhler sich angelegen sein ließ, sind leider nicht mehr das, was sie waren. Sie bedürfen dringend einer Reform, wenn sie wieder eine Stätte der Pflege echten, unver­fälschten obcrhessisckren Volkstums werden sollen. Unser Orts- geistlicher, Pfarrer Mahr, hat schon oft dahingehende Anregungen gegeben, ohne bis jetzt damit Erfolg zu haben. Er hat daher jetzt einen recht eigenartig anmutenden, aber dock Erfolg verheißenden Weg beschritten: Er besucht.ab und zu die Spinnstuben und sucht auf diese Weise seinen Rcformbestrebuvgen mehr, Nachdruck zu verleihen. Hoffentlich würdigt auch die Jugend dieses sympathisch berührende Vorgehen unseres Pfarrers und kommt seinen Vor­schlägen willig nach.

B. Grüningen, 24. Dez. Zu der Einweihung der Kirche in Grüningen sei rroch nachgetragen: Sonntag morgen um 7 Uhr wurde der bedeutungsvolle Festtag feierlich mit sämtlichen Kirchen­glocken eingeläutet. Nachdem um 3/,l Uhr mittags mit einer Glocke das Zeichen gegeben war, versammelte sich die Gemeinde am Schul-- l-aus, in dem seither Gottesdienst abgehalten worden Ivar. Punkt 1 Uhr erschienen der Dekan des Dekanats, Kirchenrat Hainer ans Hungen, und der Ortsgeistliche, Pfarrverwalter Weber. Nach einer kurzen Ansprache des letzteren, worin er der erwartungsvollen Stimmung aller Ortseinwohner Ausdruck verlieh, und nach ge­meinsamem Gesäuge des Liedes: Unfern Ausgang segne Gott, unsern Eingang gleickwrmaßen, setzte sich der Festzug unter Glockeu- geläute in Bewegung, voran die Schuljugend mit den beiden Lehrern, sodann die beiden Geistlichen, der Kirchenvorstand, die geladenen Ehrengäste, die Kirchengemeindevertretung, der Gemeinde­rat, der Krieger- und Gesangverein, beide mit ihren Fahnen, Als der Zug das uralte romanische Nordportal erreicht hatte, setzte machtvoll die Orgel ein. die jetzt, tob sie aus dem alten fleincn Ehor auf die gegenüberliegende Männerbühne gestellt worden ist, ganz anders als früher den Kirchenraum beherrscht. Im Jahre 1881 von den kunstsinnigen Gebrüdern Bernhard aus Gambach erbaut, nachdem die alte Orgel vom Jahre 1896 unbrauchbar ge­worden, ist sie, mit einigen Neuerungen und Verfeinerungen ver­sehen, durchaus als ein Musikwerk zu betrachten, das durch den schmelzenden, weichen Ton seinen Meister lobt. Tie Weiheansprache hielt der Dekan. Er pries die Kirche als den Ort, da das tröstende und stärkende Wort Gottes verkündigt werde. Nach dem Hauptliebe predigte unser Pfarrer über Psalm 118, 24 29, einen Text, der der dreisachcn Bedeutung des Tages gerecht wurde, da außer­dem Kirchweih- und Adventssest auch noch das Erntcdanksest ge­feiert wurde. Aufmerksam lauschten die Zuhörer seinen Worten, besonders als er aus Grüningens, des Städtleins, reichbewegter kriegerischer Vergangenheit, der Zeiten des 30iübrigen und 7jäd­rigen Krieges, erzählte. Mit dem Liede:Ach bleib mit der Treue" schloß die Feier, die durch mehrere, von dem Gesangverein und den Schulkindern klangvoll und rein vorgetragcue Lieder ver­schönt wurde. Tas helle, freundliche Wetter hatte viele Besucher von nah und fern herbeigelockt, so daß der Raum in der Kirche dicht gefüllt toar. Bezaubernd ist ein Blick in den neueren, im Jahre 1520 gebauten Chor mit seinem reichgegliederten und malerisch verzierten Gewölbe. Tie beiden Kunstmaler, Velten und Kienzle aus Frankfurt a. M., haben hiermit wie mit der Erneuerung aller alten Blumenmalereien und der Tcckenreliess ein Kunstwerk von einzigartiger Schönheit geschaffen, Tie Ge­meinde hat,ihren Tank und gleichzeitig auch ihren wiedererwachen- den Sinn für rechte, kirchliche Heimattunst dadurch zum Ausdruck gebracht, daß sie von hen 1300 Mark hohen Ansmalkosten über 1000 Mark aus freiwilligen Mitteln aufgebracht hat. trotzdem dieses Jahr der Bau einer Wasserleitung und Kanalisation, die Einführung des elektrischen Lichtes größere Aus- und Abgaben verursachten. Mögen alle Opfer, die für unserer Kirche würdige Erneuerung gebracht wurden, eine Quelle reichen Segens dadurch werden, daß das im alten Schmucke wieder prangende Gotteshaus eine um so größere Anziehungskraft auf alle Gemeindeglieder ausübe.

Kreis Wetzlar.

W i ß m a r, 26. Tez. Wie alljährlich fand hier am Abend des ersten Weihnachtstages ein liturgischer Weihnachtsgottesdienst mit Gabenverteilung an die Schulkinder statt. Tie herkömmliche Gottesdienstordnung hatte durch ein künstlerisch gespieltes Violin- solo Mit Orgelbegleitung eine dankenswerte Erweiterung erfahren.

Gedenket der hungernden Vögel!

Dtreinsna4)ri'Mtn.

M. Hungen, 28. Dez. Ter GesangvereinLiederkranz" veranstaltete am 2. Weihnachtsfeiertag im Saal zumDarm­städter Hof" eine theatralische A r- -d >> ir t e r h a l > u n g, 'die sich eines guten Besuches, auch Von Mchtmit gliedern er'reute. Vier Stücke wurden flott unb mit viel Geschick zur Aufführung, gebracht und ernteten lebhaften Beifall. Ten Schluß bildete ein Tanzvergnügen.

Nodheim a. d. Bieber. Am zweiten Weihnachtsabend fand die Weihnachtsfeier des M ä n n e r t u r n v e r e i n s in alt­gewohnter Weise in der Turnhalle des Gastwirts Mauk statt. Ter erste Vorsitzende, Bäckermeister Valentin, gedachte in einer An­sprache der schweren Zeiten von 1813. Darauf wurden Theater­stücke aus den Befreiungskriegen 1813 aufgeführt. Um 11 Uhr be­gann der Tanz. (

Das verfahren gegen den Eistmörder Yaps.

F r a n k f u r t a. M., 27. Tez.

Tie Voruntersuchung gegen den Drogisten und Fechtlehrcr Karl Hopf, der tnt hiesigen Gefängnis untergebracht ist, ist nunmehr abgeschlossen und Termin zur Hauptverhandlung vor dem Schwur­gericht ongesetzt worden. Dem jetzt 50 Jahre alten Angettagten Karl Hopf werden sechs Giftmorde und Gistmordversuche zur Last gelegt, und in einem siebenten Fall besteht ein begründeter Ver­dacht gegen ihn.

Ter Lebensgang Hopfs ist kein alltäglicher. Er stammt aus einer guten Frankfurter Bürgerfamilic und lernte, nachdem er als Einjährig - Freiwilliger gedient hatte, in einem Trogcngefchäft. Nachdem er seine Lehrlingszeit erledigt batte, war er in London und Marokko als Gehilfe tätig. Dann kam ct nach Hause und machte sich hier m,it einem1 Futtermittelgeschäst selbständig. Da Kieses Geschäft aber nicht florierte, gründete er eine Hundezucht­anstalt. In der ersten Zeit gab er sich als Sportzüchter und genoß in Züchterkreisen großes Ansehen. Allgemeines Aussehen erregte ein von ihm gezüchteter BeruhardinerhimdAthos", der in der Berkaussliste einer Ausstellung mit einem Preise von 10 000 Mark figurierte. Später entdeckten die interessierten Kreise, daß Hopf die Zuchtanstalt nicht für Sportzwecke, also aus Liebhaberei, sondern als Handelsgeschäft betrieb, so daß sich die besseren Kreise von ihm zurückzogen. Neben seinem Geschäft trat Hopf als Kunst festster auf. Als solcher arbeitete er mit ganz überraschenden Tricks, die seiner Nummer" eine große Anziehungskraft in Varietes und anderen Schaustellungen verschassten. 'Der muskulöse Mann, dessen Brust mit verschiedenen Medaillen geschmückt war, brachte es fertig, einen Hammel, der an; Öen Hinterbeinen aufgehängt war, mit einem Säbelhiebe in zwei Hälften zu zerteilen. Ein anderes effektvolles Schaustück bestand darin, daß er seinem Impresario einen Apfel

auf bat übergebeugten Hals legte und ihn tttit dem Säbel in zwei Teile spaltete, ohne den Mann zu verletzen. Trotz verhältnismäßig guter Einnahmen aus seiner Kirnst als Festster und Varietßkünstler soll sich Hopf andauernd in Geldverlegenheiten befunben haben, und derverfluchte Hunger nach Gold" scheint auch die Triebfeder zu' allen seinen Verbrechen gewesen zu sein.

Als beim, Tode seiner ersten Frau er war im ganzen drei­mal verheiratet Gerüchte nur tauchten, daß diese nicht eines natürlichen Todes verstorben sei, zog Hopf die Verbreiter des Ge­rüchtes, darunter auch eine Zeitung, die den ftaglichcn Vermutun­gen Raum gegeben hatte, zur Rechenschaft und erzielte auch eine Verurteilung. Tas war bereits im Jahre 1906. Durch. ^Unter-« suchung der Leichenteile ist inzwischen einwandfrei festgesteUt wor­den, daß die Frau an Arsenvergistung gestorben ist. Nach ihrem Tode erhielt er die Lebensoersichemn gssümme von 15 000 Mär? ausgezahlt. Dieser Erfolg auch gegenüber den aufgetauchten Ge­rüchten Mag bat Verbrecher kühn gemacht haben. Seine zweite Frau, die kurz nach der Ehe au auffälligen zvrankheitserscheinungen zu leiden anfing, trennte sich schließlich von ihm. Sste starb aber trotz­dem nach kurzer Zeit, wie man annimmt?, an den nachträglichen Wirkungen des ihr von Hopf beigebrachten Giftes, ebenso ibr Kind. Tie dritte Frau hatte Hops mit 80 00) Mark in die Lebensver­sicherung eingekauft. Auch bei ihr zeigten sich bald nach der Ehe­schließung verdächtige KranHeitssymptome, die ihre Ueberfübrung in die Tiakonissenanstalt nötig madfien. Hier erkannten die Aerzte sofort, daß eine schwe'te Vergiftung vorlag. Ta die Frau selbst dem Verdacht A>»sdruck gab, daß ihr Mann ihr das Gift bei­gebracht habe, w-urd?! Anzeige bei der Kriminalpolizei erstattet. Diese entsandte vier Beamte, tun Hops, der als riesenstarker Mann bekannt war, zu verhaften. ,Tie Verhaftung glückte, als sich der Ge­suchte^ auf uXtm Wege zur Tiakonissenanstalt befand. Im letzten Augenblick, ehe er Gebrauch davon machen konnte, wurde ihm ein Fläschchen Zyankali abgenommen. In der Wohnung Hopfs fand man ein ganzes Laaer von Giften, so daß er unter der Wucht der Beweismittel zunächst das Geständnis ablegte, er habe seine dritte Frau vergiften wollen. Ferner fand man in seiner Wohnung Züch­tigungsinstrumente und Photographien, die erfennen ließen, daß Hopf perversen Gelüsten huldigte. Der Gistschrank des Verbrechers enthielt sowohl vegetabilische Gi'itt, wie Arsenik und Zyankali, als auch solche animalischer Na^ur, und zwar Bazillenkulturen. Tie ersten vermochte sich Hopf in seiner Ggcnschaft als Drogist zu ver­schaffen, die letzteren erhielt er aus bemPrivatmuseum" eines Herrn Kralik in Wien, eines wissenschaftlich gebildeten Mannes, t>cr Universftäts- und andere Institute mit Bazillenkulturen zu wissenschaftlichen, Zwecken versorgt. Kralik konnte natürlich nicht ahnen, daß seine Sendung an Hops, die übrigens unter einer un­verfänglichen Deklaration erfolgten, zu verbrecherischen Zwecken mißbraucht würden. Er wurde zudem dadurch getäuscht, daß Hops Briefbogen benutzte, die den Aufdruck enthielten, daß er Inhaber eines wissenschaftlichen Laboratoriums sei. Auf diesem Wege bezog Hopf Reinkulturen von Bazillen der Cholera, des Typhus unb anderer Infektionskrankheiten, hinreichend, um ganz Frankfurt ins Grab zu bringen. Als einmal bei seiner Sendung die Cholera­bazillen sich als nicht genügend virulent erwiesen, verlangte Hops in seinem Beschwerde!chreiben solche von den Schlachtfeldern des Balkan. Heber die einwandfreie Beteiligung Hopfs an dem Tode weiterer Opfer, so namentlich seiner Mutter, deren Erbe er war, seines zweiten Kindes unb anderer Personen,-fle die Verhand­lung vor dem Schwurgericht Aufschluß bringen.

©eridMfaal*

W. Marmor ossziget (Ungarn), 28. Dez. Morgen be­ginnt hier die Verhandlung gegen Alexander Kabalyuk und 180 Genossen, die des Verbrechens des Aufstandes und des Ver­gehens der Aufreizung beschuldigt sind. Kabalyuk ist flüchtig. Die Staatsanwaltschaft verösftntlicht die Anklageschrift in dem Pro­zeß, aus der folgendes zu entnehmen ist: Der Hauptangeklagtze Alexander Kabalyuk, auch Pater WexiuS genannt, ist 06 Jahre alt, griechisch-katholisch, unverheiratet unb war früher Waldarbeiter. Vier seiner Genossen, Georg Vorobefuk, Michael Palkoninees, Ivan Babinecz und Jakob Borkanyuk befinden sich in Untersuchungshaft, während die übrigen auf freiem Fuße sind. Dem. Alexander Kaba­lyuk und 25 seiner Genossen wird zur Last gelegt, sich der Aufrei­zung und des Aufstandes schuldig gemacht zu haben und zwar da­durch, daß sie im Einvernehmen mit dem Grafen Wladimir Bob­rinsky, Präsidenten des Volkswohlfahrtsvereines des russischen Volksbundcs, ferner im Einvernehmen mit den Czernowitzer Ein­wohnern, bem Arzt Roman Gercusky, dem Advokaten Dr. Alexan­der Gerovsky und dem Ingenieur Georg Gerovsky, die von grie­chisch-katholischen Rnthenen bewohnten Landgebiete unter ru.fi ische Herrschaft zu bringen strebten. Zu diesem Zwecke sollen sie auf Märkten und auf Kirchweihfesten der Komitate Marmaros, Ugoesa unb Bereg mit materieller Unterstützung verschiedene Flugschriften und Blätter verbreitet haben, in benen hier russische National­gedanke unb die griechisch nicht-unierte Kirche gepriesen, die grie­chisch-katholische Konfession unb deren Priester sowie die ungarische Nation und die Behörden des ungarischen Staates geschmäht unb «um Haß gegen diese aufgereizt wurde. Den anderen Angeklagten wird zur Last gelegt, daß sie die erwähnten Schriften in größerer» Versanrrnlungen vorgelesen, erläutert und unter der Bevölkerung verbreitet hätten. In der ausführlichen Begründung der Anklaae- schrift wird daraus hingewiesen, daß diese Bewegung schon seit vielen Jahren besteht. Eines der wichtigsten Momente ist die Ver­bindung zwischen Alexander Gerovsky und Alexarrder Kabalyuk. Kabalyuk, der ein einfacher Waldarbeiter gewesen, wurde Missio­nar. Tie Bekehrungen waren so zahlreich, daß die Bekehrten sich an die politische Behörde manbten unb die Genehmigung der Bil­dung einer griechisch-orthodoxen Kirchengemeinde an suchten. So­wohl die griechisch-katholische Geistlichkeit, als die politischen Behör­den haben die Uebertrittszeugnisse als den gesetzlichen Vorschriften nicht entsprechend erklärt unb der Oberstuhlrichter des Husztcr Be­zirkes hat in einem Bescheid ausgesprochen, baß diese kirchlichen Uebertritte die deutlichen Anzeichen einer politischen Bewegung an sich tragen und als Dokumente für eine Agitation dienen, um die russische Herrschaft in den Grenzgebieten Ungarns vorzubereiten.

tHitkbiffabrt.

W. Hannover, 27. Dez. Heute nachmittag ging bei stürmischem Wetter und heftigem Schneetreiben ein französi­scher Freiballon im Walde bei Osterwald (Kreis Hameln) nieder. Der Ballon verfing sich in Baumästen und wurde zerstört. Tie Insassen, zwei Herren und eine Dame, wurden gerettet. Der Ballon war heute nacht um 12 Uhr in Paris aufgestiegen.

. W. Straßburg i. Els., 27. Dez. Nach einem hier bei Professor Dr. Hergesell am Weihnachtstage eingetroffe­nen Telegramm befinden sich sämtliche Mitglieder desD c u t- Üben Wissenschaftlichen Observatoriums auf Spitzbergen in bester Gesundheit und Stimmung. Die Beobachtungen nahmen einen ungestörten und erfolgreichen Verlauf. Außer den luftelektrischen Arbeiten wurden zahl­reiche aerologische Untersuchungen ausgeführt. Im letzten Mo- uat wurden 25 Aufstiege mit einer Marimalhöhe von 4000 Metern und einer mittleren Höhe von 1600 Metern unternom­men. An 19 nacheinanderfolgenden Tagen gelang es, die At­mosphäre der Polarnacht durch Fesselballone zu erforschen. Dre Weihnachtstagc, für welche die Teilnehmer mit den letz- len schissen zahlreiche Geschenke und einen Weihnachtsbaum

erhalten hatten, verlief für sie in dem gemütlichen HeimdeZ Observatoriums in fröhlicher Weise. Durch die Funkenstation des Observatoriums konnten auch von hier aus Weihnachts­grüße übersandt werden.

W. Paris, 27. Dez. Am ersten Weihnachtsseiertage nachmittags 31/» Uhr erschien plötzlich ein Eindecker in einer Höhe von 1200 Metern über dem Tuilerien, wo der Luft schiffcr Kurven, Schleifen und Sturzspiralen, wie seinerzeit Pegoud, ausführte. Infolge der Flugexperimcntc stockte 10 Minuten lang jeder Verkehr, da alle Welt dem Schauspiel zusah. Nach einer Viertelstunde verschwand der Flieger im Nebel.

Petersburg, 27. Dez. Sikorskis Riesenflugzeug Ilja Muromez", das mit 10 Fahrgästen und Ballast, ins­gesamt mit 1100 Kg. Belastung aufstieg, kehrte nach einem Flug von drei Kilometern ohne Unfall in den Hafen zurück. Die Leistung stellt einen Weltrekord dar.

W. S t. R ap h a el, 27. Dez. Der Flieger Legegneup stellte mit einer Höhe von 6150 Metern, diee r in einer Flug zeit von 95 Minuten erreichte, einen neuen Weltrekord auf.

Vermischtes.

* Zusammenstoß im Kochemer Tunnel. Trier, 28. Tez. Gestern abend stteßen int Kaiser-Wilhelm-Tunnel zwn Güterzüge zusammen. Zwei Bremser sind tot, drei verletzt, 40 Wagen sind zertrümmert. Der Verkehr ist zwei Tage gesperrt. Infolge ber Entgleisung ist die Strecke KochernEller für den Per­sonen-, der Kochemer Tunnel und die Strecke KochemEller für den Personen- und Güterverkehr gesperrt. Der Durchgangs« verkehr KoblenzTrier und umgekehrt muß über die Eisllstrecke unb Nahebahn umgeleitet werden, da ein Umsteigen an der Unfall­stelle nicht möglich ist. Für den Ortsverkehr werden PendÄzüge von Trier nach Eller unb von Koblenz nach Kochern gefahren. Der Verkehr wird voraussichtlich im Laufe des morgigen Tages wieder ausgenommen. Als Ursache des Unglücks wurde bis jetzt ermittelt, baß beim Auswechseln einer schadhaften Schiene die oorgefdxiebenat Sicherheitsvor schriften nicht genügend beachtet wor­den sind.

* Aus Breslau wird gemeldet: Am ersten Feiertag, abends, stürzte sich Justizrat Janauschke aus Lcobschütz, der früher hier ansässig wttr, in tfe Ober. Er wurde aus dem Wasser ge­zogen, starb jedoch auf dem Transport nach dem Krankenhaus.

* Glücklicher A bstur z. In Paris ist ein italienischer Arbeiter gestern vormittag vom sechsten Stockwerk eines Hauses abgestürzt, an dem er Ausbesserungsarbeiten vomahm. Außer einer Verletzung am Ellenbogen unb einer leichten Quetschung ber Hüfte hat er keinen Schaden erlitten.

* Eisenbahnunfall. Aus Wien, 27. Dez., wird ge­meldet: Gestern sfieß auf der Station Mährisch-Ostrau-Oderfurt ein Arbeiterzug mit einer Rangier-Lokomotive zusammen. Von dem Arbeiterzug entgleisten die Lokomotive und zwei Wagen. Der Loko- nwtivfühier wurde getötet, ein Eisenbahnbebiensteter wurde schwer unb acht leicht verletzt. (

Explosion Aus Zwettel (Niederösterreich) wird ge­meldet: Infolge einer Explosion stürzte ein öwstbaus ein. Tic Gäste konnten sich nur mit größter Mühe in Sicherheit bringen, Zwei Personen wurden gelötet, mehrere verletzt.

* Schwere Bluttat. Aus Oberstenfeld -Dberamt Marbach), 27. Dez., wird gemeldet: In ber Nacht vvm Mitt woch aur Donnerstag zwischen 3 und 4 Uhr früh kam der schon seit einiger Zeit von seiner Frau getrennt lebende Wilhelm' K i in m e r ( e n von Beilstein hierher und verletzte durch Schrot schösse seine Frau, seinen Schlviegervater Layer und --wer Schwä­gerinnen schwer. Zwei im Nachbarlwuse befindliche Männer im Alter von 3035 Jahren, die auf die Schüsse hin zum Fenster heraussckwuten, schoß er ebenfalls an. Ein Schwager erhielt 18 Schrotschüsse in die Brust. Im ganzen verletzte ber Täter acht Personen teilweise sehr schwer. Nach ber Tat kehrte Kim- meitcn nach Beilstein zurück, wo er einige Schriftstücke aufsetzte.' Es gelang ihm noch, sich das Leben durch eine! Kugel zu nehmen» als ihn eben ein Landjäger verhaften wollte.

* Sturmflut. Aus Newyvrk, 27. Tez., wird ge­meldet: In Barnegat sind infolge einer nach einem heftigen Sturm eingetretenen Flutwelle 10 Personen ertrunken. In Sea Bright unb anderen Küstenstädten von New Persey ist sehr großer Schaden angerichtet worden, ebenso an der Küste von Long Island, wo zahlreiche Villen zerstört wurden.

* Der Liebesbote. Efsies Bruder:Lieben Sie meine Schwester?" Effies Verehrer:Ja, Willie, das ist eine seltsame Frage. Warum wlllst du es wissen?" Bruder:Sie sagte gestern abend, sie wollte einen Dollar darum geben, wenn sic es lvüßte, und den möchte ich gern haben."

Kleine Lageschronik.

In Leipzig ist der erste Vorsteher der Reichsbankhau-t« stelle. Kaiserlicher Bankdirektor Ernst Frenkel, gestorben.

Am Samstag mittag 12.30 Uhr ist die Frau Fürstin-Infan­tin Leopold von Hohenzollern im Alter von 68 Jahren nach länge­rem Leiden in S i g m a r t n g c n g c ft o r b e n. j

Qauöcl.

Mitteldeutsche Bvdenkredit-Anstalt in Greiz unb Frankfurt a. M. Laut des in unserer heu­tigen Nummer veröffentlichten Inserats werden am Montag, den 5. Januar 1911 3 000 000 Mk. 41/ao/o Grundrentenbriefe Reihe Vt zum Kurse von 99,25°,o zur Zeichnung aufgelegt. Ten Grund­rentenbriesen ist für das Fürstentum Reuß ä. L. die M ündel- m ä ü i g f e 11 verliehen worden. Zeichnungsanmeldungen nimmt in Gießen Joseph Herz, Bankgeschäft, entgegen.

Berlin, 29. Dez. Tie Zeichnung auf 4Vs Millionen Mark 5prozentigerSiemens", Eleftrische Betriebe Obligationen, ist roe> gen starker Ueberzeichnung des aufgelegten Betrages sofort nach Eröffnung geschlossen worden.

Airchliche Nachrichten.

Evangelischer Gotterd enst.

Daubrrngen: Mitlivocy, 31. Tez. (Silvester) abends 81/, Uhr.

Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.

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Höchste Temperatur am 27. bis 28. Dezember + 6,0" C.

Niedrigste , , 27. _ 28. , + 0,d C.

Niederschlag: 25,8 am.

Tez.

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