Ausgabe 
30.4.1913 Drittes Blatt
 
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Nr. 100 Drittes Blatt

163. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

DieLietzener Famtlienblatter" werden dem ^Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Liehen" zrveimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit­sragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Sbrrhefsen

mittniod), 50. Mil (9(5

Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'fchen Universitäts - Buch« und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

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Die Wehrvorlage im Vudgetaurschuh.

Berlin, 29. April.

In der heute fortgesetzten allgemeinen Besprechung im Budget ausschuß des Reichstages griff zunächst ein s o z i al d c nr o k r a t i s ch c r Abgeordneter auf die auswärtige Politik zurück, besonders auf d a s d c u t s ch - b e l g i s ch e P r o b l e m. In weiten Kreisen Belgiens sehe man mitt (Sorge einem deutsch-französi­schen Kriege entgegen, weil man fürchtet, daß Deutschland die belgische Reutralität nicht respektiert. Staatssekretär von Jagow erwiderte, die Neutralität Belgiens sei durch internatlo- nalc Abmachungen festgelegt, und Deutschland sei entschlossen, an diesen Abmachungen festzuhalten. Ein anderer sozialdemo- kratischer Redner besprach das Verhalten Deutschlands zu den Balkanstaaten, zu Frankreich und England, und fragt, ob es denn keine Möglichkeit der Annäherung an Frankreich gäbe, die das Volk hüben und drüben begrüßen würde. Staatssekret,ir v. Jagow erklärte, er könne zu dem, was er schon früher gesagt, nichts neues hinzusügen. Der Vorredner hätte auch keine neuen Momente angeführt, er könne nur wiederholen, Deutschland wünsche den Frieden, das habe es durch seine 43jährige Friedensperiode bewiesen. Deutschland sei auch stets bereit, mit Frankreich fried lich aiiszukommen. Auch Oesterreich habe gewiß bewiesen, daß es durchaus friedlich gesinnt sei.

Staatssekretär v. Jagow erwiderte einem soztaldemokra tischen Abgeordneten, ein eventueller K o n fl i k t Oefterr e ich s mit Montenegro gehe uns zunächst direkt nichts an und habe mit der Wehrvorlage nichts zu tun. lieber Skutari habe er keine neue Nachrichten. Auf weitere Ausführungen eines sozialdemvkratifcheu Abgeordneten erwiderte der Kriegsminister: Belgien spielt bei der Begründung der Wehrvorlage leine Rolle, vielmehr liegt die Begründung in den Verhältnisse,t im Osten. Die international gewährleistete Neutralität Belgiens werde Deutschland nicht ans dem Auge verlieren. Lin Fortschritt 1 er war der Ansicht, Skutari habe große Bedeutung für Deutsch­land. Staatssekretär v. Jagow betonte nochmals, seine Er- Härmt gen betr. Belgiens seien deutlich genug. Ein national- libcrnler Mgeorduet. r wünschte Mitteilungen über Skutari, bezw. die Beratungen der Londoner Bolschasterkonferenz, woraus Staats sekretür v. Jagow erklärte, die Mitteilung des Botschafters in London läge ihm noch nicht vor.

.Hierauf schlug der Vorsitzende vor, nunmehr in die m ate- r i c H e Beratung einzutreten, und zwar zunächst die Vor änschlagserhöhungen, dann die Truppenformation, endlich das Gesetz selbst zu beraten. Tie Kommandobehörden sollen bei dem Ergänzungsvoranschlag besprochen werden. Beide Berichterstatter beantragten Genehmigung der Voranschlagserhöhungen.

General Wandel trat wiederholt der Besürchtung entgegen, als ob es nicht möglich wäre, den Mehrbedarf an Rekruten,aus völlig tauglichen Leute zu decken. Gegenüber sozialemokratischen Anzweiflungen erklärte auch der sächsische Militärbevollmächtigte, daß auch in Sachsen 8700 Taugliche mehr vorhanden sind als bisher ausgehoben wurden. Von fortschrittlicher Seite wurden die Ziffern der Militärverwaltung angezweifelt. General Wandel hob demgegenüber hervor, daß die großen Schwankungen in den Aushebungsziffern sich vielfach dadurch erklären, daß in einem Jahre eine größere Zahl von Freiwilligen sich stelle, als in anderen, frier gebe es Schwankungen von 30000 Mann und mehr: nach Schätzung der Militärverwaltung werden in Zukunft 58 bis 59 Prozent der Pflichtigen ausgehoben werden müssen, nicht 65 bis 66 Prozent, wie von vollsparteilicher Seite an­genommen sei. Auch Generalarzt Tr. Schulz gab beruhigende Auskunft über die Möglichkeit der Schaffung eines tüchtigen Ersatzes. Die Schwankungen in der Beurteilung der Tauglichkeit seien praktisch leicht zu erklären. Wenn geringer Bedarf vorhanden sei, werde, natürlich von den Aerzten in allen Grenzfällen kurzer frand Untauglichkeit ausgesprochen. Ein Sozialdemokrat erklärte, es mache den Eindruck, als ob der Mehrbedarf im wesentlichen genommen werde aus der bisherigen Ersatzreserve. Die Befürck tung halte seine Partei aufrecht, daß nach der Durchführung der Militärvorlage schlechtere G c su n d h e i t s v e r h a l t ui Hc eintr.etcn werden. Generalarzt Dr. Schulz trat diesen Ausführungen auf Grund seiner ärztlichen Ueberzeuguug mit Entschiedenheit entgegen. Ein Sozialdemokrat begründete daraus nochmals den ablehnenden Standpunkt feiner Partei be­züglich. der Webrvorlage. Der K r i e g s m i n i st e r wies darauf hin,, daß man mit noch so eingehenden Ausfüllungen die Sozial­demokratie nicht von der Notwendigkeit der Wehrvorlage über­zeugen könne. Bezüglich der Tauglichkeit seien völlig ausreichende Rachweise geführt, und es sei zweifellos, dan ohne Veränderung der Bedingungen der notwendige Ersatz gesckmst werden könne.

Nach längerer Geschästscrduungsaussprache erfolgte die Ab- ft i m m u n g. Die Etatserhöhung der 465 I nfanterie

MIHM | III

bataillone auf 721 Mann bei hohem und 641 Mann bei niedrigem Stande wird mit großer Mehrheit a n g e n o in nt m c n: mit den (Stimmen der Konservativen, d er N a - t i o n a l l i b e r a l e n , des Zentrums und der Volks- partei gegen Sozialdemokratie und den El­sässer: der Pole fehlt.

Zur Forderung der E t a t s e r h ö h u n g b e i d e n K a v a l - Icr i e r c g i m c n tcr n führt ein sozialdemokratisches Mitglied ans, daß bei dem Gelände im Osten die Verwendung großer Kavalleriemassen nicht in Frage komme, da das Gelände durcl' die Seen und Flüsse außerordentlich zerrissen fei. Die Aufklärung könnte in vermehrtem Maße durch die neuen tech­nischen Hilfsmittel erfolgen.

Auch diese Etatserhöhung wird m i t d e r g l e i che n M e hr - heit angeito mm en.

Es folgt die Beratung der Et ater Höhung bei d e r F e l d a r t i l \ e r i e. (Sämtliche Kanonen bespannt, bei hohem Etat 3 Munitionswagen und ein Beobachtungswagen bespannt, bei niedrigem 1 Beobachtungswagen». Hierzu werden kurze Zu­stimmungserklärungen der verschiedenen Parteien zu dieser Maß­regel, die eine erheblich größere Kriegsbereitschaft schaffen will, abgegeben. Von v o l k s p a r t ei li ch e r Seite ivird um Aus­kunft gebeten, ob nicht die Schwierigkeiten für Aufstellung so großer Artilkeriemafsen ungeheuer wachsen, ob sich nicht allmählich eine Hypertrophie herausbilde.

Der Kriegsminister betont dem gegenüber1, daß die vorgeschlagene Etater Höhung an der Kriegsstärke nichts ändere, sondern die Mobilmachung erleichtere. Tie Stärke eines Armee­korps sei bei allen Waffen so bemessen, daß an einem Tage das Armeekorps an den Feind h e r a n g e b r a ch t werden t ö n n e. Die Artillerie eines Korps könne tatsächlich in deut zur Verfügung stehenden Raum untergebracht werden, früher sei es bedenklicher gewesen, heute aber werden vielfach verdeckte Stellungen genommen. Die Kriegserfalwungen lehren, daß. man an Artillerie nicht stark genug sein könne. Tie Feld- arlillerie müsse eine Art Rückgrat bilden, namentlich bann, wenn die Infanterie stark gelitten habe. Ein N a t i o n a l l i b e- rate r stimmt diesen Ausführungen zu, die Artillerie dürfe nicht als Stiefkind behandelt werden. Erwünscht wäre, wenn auch eine Verbesserung der Schießausbildung vorgenommen würde. Tie Erfahrungen der Kriegsgeschichte spreckstm durchaus dafür, daß die Artillerie sorgsam gepflegt wird.

Auf Anfrage erklärt Generalleutnant Wandel, daß die Erfahrungen mit den Beobachtungswagen so seien, daß man sich entschlossen Hal, jeder Batterie einen bespannten Beobach bimgswagen zu geben.

Tie E taterhöh u n«g bei der Feldartillerie wird mit derselben Mehrheit angenommen, desgleichen die E täte r höhung bei der Fußart ill e ri e, bei den P i o n i e r e n, bei den V e r l e h r s t r u pp e n, beim Train. Es sind hierbei auch die entsprechenden Forderungen für die an­deren Kontingente einbezogen mit Ausnahme des bäuerischen Kon tingents, für das bcionberc staatSrechtlickw Verhältnisse bestehen. U-m 5 Uhr entspinnt sich hieran wieder eine Geschäfts ordnungsaus spräche. Während Zentrum und National- liberale fick 'für eine Fortsetzung der Erörterung er klärten, erhob die Sozialdemokratie h. e f t i g e n^ W i - derspruch dagegen. Von n a t i o n a l l i b e r a l e r Seite wird -lyerüorgebnben, daß das deutsche Volk es nicht verstehen würde, wenn der Ausschuß lüdet so lange als irgend möglich tagen würde. Es wird die Fortsetzung mit den Stimmen der Konservativen, des Zesttrums und der Nationalliberalen be­schlossen und fortgefahren mit der Beratung der Neufonna- t i o n e u, zunächst der I 8 neue n Bataillone. Von Bericht­erstatter und Mitberichterstatter wird die Forderung empfohlen und in der Abstimmung 6 6 9 Bataillone mit der gleichen Mehrheit angenommen. (Kavallerie - 30 Eskadrons für Preußen und 1 bäuerische.» Ter Mitberichterstatter empfiehlt zwar die 4 bäuerischen Eskadrons, dagegen will er keinen Antrag stellen auf Annahme der 6 preußischen Regimenter, und zwar wegen der örtlichen Verteilung. Es sei sehr zweifelhaft, ob die weitere Vermehrung der Kavallerie zweckmäßig sei. Es seien doch in den letzten Jahren die M a s ck i n e n g e w e h ra b t e i l u n g e n geschaffen worden. Tiefe Maschinengewehre in den Grenzge­bieten können feindliche Kavalleriemassen ebenfalls anfhaltcu. Man habe dann auch nicht die Schwierigkeit mit der Beschaffung der zahlreichen neuen Pferde.

Tei1 K r i e g s m i n i st e r gibt eine eingehende, zum Teil vertrauliche Begründung der Forderung. Schon sein Amtsvor gänger habe die große Bedeutung auch der Div i si o n s ka v a l- 1 c r i e hervorgehoben. Tie Schaffting der, Divisionskavallerie für alle Divisionen sei ein wesentlicher (iftsichtspunkt. Es sei

ein bedenklicher Zustand, wenn die Mobilmachung die Einstellung allzu zahlreicher neuer Pferde erfordere Der zweite Gchimts- vunkt sei die Verbesserung des Grenzschutzes. Das M a sch i n e n gewe h r sei bestimmt für eine bestimmte Lokalität. Seine große Feuerkraft wird am besten nutzbar gemacht in Ver­bindung mit anderen Waffen, die Kavallerie sei b c )o e g kicher. Die beiden Waffen können einander nicht ersetzen. Auch die £ u f t f cb i f f a h r t und die Flugma sch inen können bie Kavallerie nicht ersetzen. Die Kavallerie sei der ,,verlängerte Arm" des Truppenführers, die Flieger aber das ,,ver« lungerte Ang c". , ... 3

Anschließend an die Ausf-ührungen des Krregsnnmsters imrb Vertagung beschlossen und dann wiederum nach lebhafter G e s ch ä f t s o r d n u n g s a u s s p r a ch e beschlossen, die nt'or^ gige Sitzung von 9 bis 12V2 U hr z 11 halten. Es wird von verschiedenen Seiten Wert daraus gelegt, daß in der morgigen Sitzung insofern noch ein gewisser dlbschluß erreicht wird, durch die Beschlußfassung wenigstens über die Neuforma-- tioncit und evtl, noch 8 1 des Gesetzes. Weiterhin soll deck Ausschuß den 21. Mai wieder 311 lamm en treten, um dann in dieser Woche vier Sitzungen zu l-alten.

Deutsche Kolonien.

Simon Kopperleute auf deutschem Gebiete.

Kaum ist die Nachricht vom Tode Semrm Köppers irr Deutschland bekannt geworden und schon zeigt sich, daß die Anhänger des alten Widersachers gegen die deutsche Herrschaft in Dentsch-Süd Westafrika nicht gewillt sind, nach seinem Tode in der wasserarmen Kstrlahari ein dürftiges Dasein zu fristen. Das Gouvernement von Deutsch-Südwest- Afritä gibt folgendes bekannt:

Bei der Grenzkontrolle stieß Oberleutnant v. Kirch­heim von der 7. Kompagnie am 7. März 6 Kilometer toest- lich Geinab auf e i n e b e w a f f n e t e K 0 p p e r w e r f t v 0 n 12 Köpfen mit 5 Männern. Tie Werft floh. Ein Koppermann mit Gewehr 71 wurde gefangen. Eine zur Werfttöntrolle zurückgelassene Patrouille fing später n 0 eh d i Eingeborene - anscheinend harmlose Busch­klepper, die für Simon Köpper jagen."

Dazu schreibt dieKeetmanshooper Zeitung", die am besten in der Lage ist, über die tatsächlichen Verhältuissc in der fraglichen' Gegend Erkundigungen einzuziehen, fol­gendes :

Wenn auch dieser Erfolg scheinbar nur ein kleiner ist, so sehen wir doch, daß die Tätigkeit unserer Sckmtztrupve an der Ortsgrenze eine erfolgreiche ist. Wenn derartige kleine Werften im Entstehen aufgehoben werden, so ist die Aiifammlung und Zu­sammenrottung größerer und somit auch gefährlicherer Banden damit unmöglich gemacht .... Daß die gefangen genommenen Leute der Werst nur harmlose Buschklepper find, diefür Simon Köpper jagen", können wir nicht glauben. Denn erstens ist Simon Köpper nach einem amtlichen Berichte feit dem 31. Januar tot, zweitens aber jagen diese Leute nicht mir Wild, sondern .mit Vorrucken der Jahreszeiten auch das Vieh der an der Grenze wohmmden Farmer. Eine schwere. Gefahr hüben diese be­waffneten, aber nicht bekannten und daher unkontrollierten Werften immer. Deshalb ist es absolut notwendig, daß mit Energie am deren Vernichtung meitergearbritet wird."

Südwestafrikeuischc Diamanten.

lieber dieses interessante Thema finden wir int zweiten Teil des Jahresberichts der Handelskammer zu Berlin die- folgenden Ausführungen: Nachdem im Jahre 1911 die Belegungen an Diaman/.en-Schürffeldern abgeschloffen stund die Vermesfungs- und Llmwandlnngsarbeiten erheblich ge­fördert waren, konnten im Berichtsjahre alle Kräfte an die rationelle Förder?ang gesetzt werden. Das Ergebnis» war nicht nur eine goden das Vorjahr wesentlich gesteigerte, sondern auch eine konstante Produltionsziffer, die eine weitere Erhöhung erfahren dürste, sobald die im Bäu be­griffene Aufbereitungsanlage am Granitberg in die För­derung ein treten wird. Zwecks Verbesserung und Ver­billigung der Verbändung zwischen der Prinzenbucht und dem Pomonagebiete, sowie den Betriebsstellen am Granit­berg und Bogenfelsen ist eine 45 Kilometer lange Feldbahn mit 600 Millimeter Spurweite gebaut und in Betrieb ge­nommen worden. Ter Zuzug an eingeborenen Arbeitern hat zu Klagen reine Veranlassung gegeben, nickst: äus-

*

Die SonnenbeiMülung bei Iwochen-Tuberkuiose.

Seitdem man, im wesentlichen durch die F-orschnngen Finsens, auf die Heilkraft des Lichtes aufmerksam gemacht wurde, ist die Sonne immer mehr zu Ehren gekommen. Vornehmlich in den HochgebirgSftmatoi-ien der Schweiz, ht_ Davos und Sa­in aden, fand die Sonnenlichttherapie eine Stätte der Pflege. Ist doch hier in den Ortschaften, die zwischen 1200 und 2000 Meter über dem Meere liegen, die Sonnenbestrahlung eine wesent­lich intensivere als in der Ebene. Aber sie ist nickst nur nach Fülle größer, sondern auch nach- Wirkung verändert.

tyettur und dein Blafell im Vordergründe und rechts davon der 25 Geviertmeilen umfassende gewaltige Hofsjölull in eisiger Starr heil empor. Nordöstlich unterschieden wir deutlich die endlose Wüste des fürchterlick'ien Sprengisandur, bic,joenn überhaupt, in einem ummterbrochenen Ritte von zwanzig Stunden din.'chsprengt werden muß, von den Culur am Eyjafojrde begrenzt. Im Osten, jenseits der Fislivötn glänzten die großartigen Eisregionen der über 2000 Meter- hohen uno 150 Geviertmeilen umfassenden Vat- najölüll, de> größten Gletschers der Welt, mit dem vulkanischen Slaptarjchnll im Bordmgrlinde. Im Südosten war der 1705

Meter hohe Ehjasjallajölull an der Südküste der Insel und der dreihörnige Prihyrningur, im Süden aber, jenseits des ganzen gewaltigen Flußgebietes der Markarfljot, der Pjorsa und Olfusa, der offene Atlantische Ozean zu erkennen, auf dem die massigen Vestmannaepjar wie riesige Steinblöche zu schivimmen schienen. Westtvärts reichte der Blick über die schneebedeckten^ Berge von Pingvellir mit der rechts gelegenen kegelförmigen Skjaldbreidnr und dem Hlödufell hinaus bis an den Gebirgsstock der Esja in unmittelbarer Nähe von Reykjavik. Nach allen Richtungen glänzten silberne Flußläuse und frod>gebirg5feeTt; allenthalben rnr Lande rauchte und dampfte es von heißen Quellen, aus den Sandwüsteu, wo es gerade stürmte, wirbelten braune Sand- wölken lümmelhoch empor, und unmittelbar zu unseren Lüsten dehnten sich unterhalb der blendenden Schneefelder die istcin- und Aschenwüsten, Lavaströme und Vulkauketten des ganzen furcht baren Gebietes der Hekla, die in historischer Zeit nicht weniger als 18 fürchterliche Ausbrüche gehabt hat, in grauer, starrer, toter Stille und Einsamkeit."

Hekla einer der imposantesten Rundblicke der ganzen Erde. Zwar ist der Berg mit 1558 Metern Höhe nicht der höchste Islands, doch übersieht man beinahe die ganze Insel, weil der Gipfel nach allen Richtungen hin frei liegt. Karl Küchler hat beit Gipfel einmal bei vollständig klarem Wetter erklommen und schildert den überwältigenden sEindruck des Rimdblicks etwa fol- , . ..

gendermaßen:Im Nordwesten steigt der mächtige, 26 Geviert- Diese sind es, von denen die chemische Energie ausgeht, und die in meilen umfassende Gletscher Langjötnll mit dem vielgezackten Jarls-1 dem Körper die bekannten Reaktionserscheinungen der Bräunung

Unierfuckmngen Haden ergeben, daß die Wirkung des Sonnen­lichtes von feinem Gehalte an ultravioletten Strahlen afbbängt. Diese sind I dem Körp

Auf den Gipfeln der Hekla.

Fast sieben Jahrzehnte sind seit dem letzten großen Aus­bruche des Hekla versta-ichen, und wieder bedroht er jetzt das furchtbare Dreistromlano Südislands durchs seine Lavmnassen. Bei der Ersteigung des scilcrspeienden Berges erkennt man bald, daß er seine äußere Form sich selbst durch die verick/.edenen «Ausbrüche geschaffen hat, die im Laufe eines Jahrtausends soweit reichen die lieberOefcrungcn seiner Ausbrüche zurück die gewaltigen Lavamassen, Aschen- und Schlackenberge ausge- tümtt haben. in

Vor wenigen Jahren erst hat der Berliner Gelehrte Prof. Aiar Ebeling den Hekla erftiegen; an der Kante des w'wal tigen Lavastromes aus dem Jahre 1845 mußten die Pferde zurückgelassen werden, dann wurden zu Fuß die Gipselkrater erklommen.Kurz vorher nxaren mir aus dem Nebel empor- getaucht," so schildert er,ein heftiger Wind riß die letzten Schleier auseinander, und zu unseren Füßen gähnte ein impo fanter .Krater: 90 Meter schießen die Wände des Trichters ui Mer Flucht in die Tiefe: die großen, bis zu feiner Sol>ie (1320 Meter» herunter,>iel)cnbcit Schneefelder bilden einen ein­dringlichen Gegensatz zu der rabenschwarzen basaltischen Valm und der ebenso gefärbten vulkanischen Asche, in die außer Lava setzen und gedrehten Bomben auch einzelne schöne Obsidiantugeln eingestreut sind. Auf dem dNande der Kraterwandung zeugen große gelbe, rote, weiße und graublaue Flecke von der zer setzenden Tätigleit der Fimiarolen und Solsataren, die 1846 (ber große Ausbruch dauerte beinahe ein Jahr) noch' sämtlich in Tättgkeit waren, als Bunsen hier seine schönen chemischen Untersuchungen anstellte. Wenige Minuten brachten uns bann an den Rand des oberften Gipfelkralers (1447 Meter» Während die kreisförmige Umrahmung seines unteren Nachbars an ber Südwestseite bereits durch einen mit Schnee und Eis gefüllten Barranko durchbrochen ist, zeigt sein ovaler Trichter nirgends eine Lücke. Auch'seine Sohle liegt genau 1320 Meter hoch."

Bei klarem Wetter zeigt sich vom Gipfel des

dadurch verursachen, daß das die Strahlen absorbierende Pigment zur Verhütung einer lleberbeftralitung in die Haut wandert. Im Hochgebirge ist nun die Menge der ultravioletten Strahlen größer als in den Niederungen, da hier ein Teil durch die Ver­unreinigungen, den größeren Wasscrdampfgehalt der Luft und ihre größere Konzentration verschluckt wird. Weiter könnte festgestellt werden, daß sie im' Winter größer ist als im Sommer. Und aus diesem Griinde empfehlen sich die Winterluren. Ta die ultravioletten Strahlen auch eine starte battcrieinötenbe Kraft entwickeln neben einer allgemeinen Kräftigung des gesamten Or­ganismus, dessen Stoffwechsel sie anregen und dessen inner« Organe sie entlasten, ist lnön biyu übergegangen, auch die chronische T u berknl 0 s e de r K n 0 ch e n 11 nd Gelenke mit Sonnen­licht zu behandeln. So ist in L e y s i n in den Waadtländer Alpen in ber Höhe von 1200 1500 Metern ein großes Smatorium mit 450 Betten, von denen 250 für Kinder, die ja besonders lwufig. von der Knochen-Tuberkülose h einige sucht werden, erbaut worden, in dem die Sonnenbehandlnug den Hauptraug in der Therapie ein nimmt. Ter Chefarzt Rochier, ber über 700 Fälle int Laufe mehrerer Jahre behandelt hat, bat in der Monatsschrift für Kinderheilkunde einen Bericht veröffentlicht, in dem er sich über die damit erzielten Resultate ausspricht. Tuberkulöse Ge­schwüre verheilten, Drüsen verkleinerten sich, versteifte tzKlenke nutrbeit wieder beweglich, und auch die Erkrankungen der Wirbel­säule kamen zum Stillstand. Nur bei älteren Tuberkulosen der Lungen ist eine getoiffe Vorsicht am Platze.

Die Sonnen kur, die in Lepsin gepflegt wird, erstreckt sich über den gairzen Körper, sie besteht in. einem' richtigen Sonnenvvllbad. Natürlich werden nickst frisch angelömiuene Patienten sofort der Stralslenflille anSgrfetit, sondern durch langsame Gewöhnung lernen sie das Licht ertragen, bis sie schließlich so gut wie unbekleidet Sommer und Winter auf. offenen Liegehallen der Sonne standzuhalten vermögen. Einen amüsanten Anblick ge­währt ein von Tr. Rollier seiner M'handlung beigegebenes Bild, auf dem man sonnengebräunte Gestalten nackter Knaben im Sckmee eine Rast von ihrer Schitour machen sieht! Ans diesem Be­richte des Dr. Rollier sckieiitt hervorzugelle 11, daß die von einigen Seiten geäußerten Bedenken doch wohl nicht zu reckst bestehen und daß bei einer sorgfältig individualisierenden Behandlung, die auf die anderen gebräuchlichen t Hera pent isckien Wafntabmen nickst verzichtet, erfreuliche Heilmtgen zu erwarten sind.