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hoben ist, dürfte die Legitimation unbestreitbar sein; da- qegen ist zweifelhaft, ob sie gegen die Nichtaufhebung der gesamten Wahl sich überhaupt und jetzt noch zu wenden befugt sind.
— „Das Mirakel" i u Frankfurt a. M. Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: In der Frankfurter Festhalle stellt Max Reinhardtvon Weihnachten bis Neujahr das Voll- möllersche „Mirakel" dar, mit einem Regieaufwand, wie er ihn bisher nur in London dem ftvmmcn Spiel hat angedeihen lassen. Tic Dimensionen der Festhalle erlauben ihm wie kein zweiter Raunr in Deutschland oder Oesterreich, tn der breitesten End- tat hing her Massen zu schwelgen. ?lber die Mehrzahl der Zu- scktauer wird in diesem Riesenraum den Qandlungsvorgängen unten ht der Arena so ferne gerückt, daß jeder nähere Kontakt zwischen Szene und Publikum aufgehoben ist. Man tiefet — und sieht auf manchen Plätzen auch nickt — die Legende von der lebensdurstiqen Nonne zwischen Prozessionen, Rittergelagen, werengericht und Geistererscheimmgen, unter Glockengelaute, Orgelbrausen und Kin- dergesang sich abspielen wie etwas ganz Fernes, das bei allen blendenden und bewundernswerten Einzelheiten uns keinerlei stär- fei-e innere Anteilnahme abzunötigen vermag. Eine fabelhafte Massen-Diszivlinierung, gewiß, und erstaunliche numisckc Einzel- iei ihm gen, wie die der Dietrick und M a t r a Hs. Aber dieses Mirakel" gehört auf den Film und nickst auf die Szene: höchstens wird es so 'allgemein zu der Erkenntnis verhelfen, daß die Grenze b cä Theater Amerikanismus erreicht ist. Rach drei em Barock alter äußeren Mittel und Mächte der Thcaterkunst nrntz mit Natur- Notwendigkeit der Geist und das Dort wieder zu Ehren kommen. Und auck Reinhardt wird hoffentlich wieder bald jeinc Kraft darauf konzentrieren, daß er Dichter inszeniert. Tr. W.
— Der neue Direktor des Mainzer Stadtthea. t ers Aus Mainz, 27. Dez., meldet ein Privat-Delegramm: Zn nichtöffentlicher Sitzung der Stadtverordneten wurde anstelle des nack Frankfurt a. M. übergehenden Hofrat Bohrend Oberregisseur Hans Islaub von Köln für die Fahre 1914 bis 1917 zum Direktor des Mainzer Stadt-Theaters gewählt.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen- schas t. Der Kaiser hat dem Ethnologen Seo Frobenius zur Fortsetzung seiner innerafrikamscken Forschungen ans dem allerhöchsten Dispositionsfonds 25000 Mark bewilligt.
• • Landesuniversität. Ernannt wurde der bisherige ordentliche Professor Dr. med. et phil. Rudolf Otto Neumann zum ordentlichen Professor und Direktor be§ hygienischen Instituts an der Universität Bonn als Nachfolger von Professor W. Kruse. Professor Neumann wird mit Beginn des kommenden Sommersemefterd sein neues Lehramt antreten.
"Berufung. Der Rektor unserer Ludovieiana Prvf. Dr. Körte hat einen Ruf an die Universität Freiburg i. B. als Nachfolger von Eduard Schwartz erhalten. Ob Dr. Körte den Ruf annimmt, ist noch unsicher.
* * Aus der Freiherrlich von Weyherischen Eleonoren -'Strftung sind drei Pensionen zu vergeben. Es werden daher alle diejenige, welche um eine solche Pension nachsuchen wollen und nicht bereits früher um eine solche eingekommen sind, aufgefordert, spätestens bis zum 22. Januar 1914 ihre Gesuche unter Anschluß ihres Geburtsscheines bei dem Großherzoglichen Ministerium des Innern einzureichen. Die Gesuche sind stempelfrei.
* * Ernennung. Der Großherzog hat den Hofstallbeiknecht Heinrich Maureraus Gambach, Kreis Friedberg, mit Wirkung vom 1. Januar 1914 an zum Hofkutscher ernannt.
* * Maßnahmen gegen bie Einschleppung der Maul- und Klauenseuche. Das Großherzogliche Ministerium des Innern hat folgende Verordnung an die Großherzoqlichen Kreisämter erlassen. Infolge des Auftretens der Maul- und Klauenseuche auf dem Magerviehhof zu Berlin-Friedrichsfeld haben zwar eine Reihe von Seuchenverschleppungen nach dem Westen Deutschlands stattgefunden, hier jedoch zu einer größeren Verbreitung der Seuche bis jetzt nicht geführt, sondern nur den Ausbruch der Seuche in einzelnen Gehöften zur Folge gehabt. Hiernach erscheint die Unterlage des § 18 des Reichsviehseuchengesetzes (besondere Seuchengefahr) nicht mehr allgemein gegeben. Wir sehen uns daher veranlaßt, die durch Ausschreiben vom 28. vor. Mts. zu Nr. M. d. I. II 6505 für das Vorliegen einer allgemeinen Seuchengefahr getroffene Anordnung bis auf weiteres wieder außer Wirksamkeit zu setzen. In Wirksamkeit haben zu blei# 1 ben die Vorschriften in I Ziffer 1 der Anlage zu unserem Amtsblatt Nr. 15 vom 30. Dezember 1911 mit den in un- : serem lithographierten Ausschreiben vom 28. August lf. Js. - zu Nr. M. d. I. II4569 in I—IV enthaltenen näheren Anordnungen. Die gleichen Vorschriften sind ferner anzuwenden für alle auf hessische Viehmärkte, angenommen reine Schlacht- vichmärkte, aufzutreibcnde Klauentiere. Klauenticre, die zu Zucht- und Nutzzwecken von nichthessischen Viehmärkten in
f,abtrgSeden. 27. Tez. Ser 20 Jahre alteS» des Landwirtes Joh. Tein le m war am zweiten ÖW nachtstage abends bei einer Tanzmusik und kehrte m.orgr gegen 4 Uhr in angetrunkenem Zustande zurück.
soll ihm vom Vater Vorhalt gemacht worden sein, was o hoffnungsvollen Menschen so nahe gegangen ist, daß er ’ J heute morgen gegen 10 Uhr in der Wohnung mti Militärgewehr erschoß.
§ Bisses, 26. T-z. In dem Saufe des Kirche'chu- Konrad Wagner fand heute im Kreise der Familie cm vrucksvolle, würdige Feier anläßlich der e t e r der g (uchcn Hochzeit statt. Da die Jubilarin durch einen Unfall am
;ber Laienschule, un. ~----- - . - .
schritts und der Eintracht unter allen Burgern sind, eine parla- -rnentarische und außerparlamentarische Bereinigung zu gründen. "Die auf Anregung von Briand und Bartfeou gegründete Gruppe wird wahrscheinlich ben Namen Union soziale et Democrattciue arme fernen. In radikalen Kreisen erklärt man daß die neue Gründung offenbar gegen die geeinigten Radikalen gerichtet sei und natürlich auch nickt daraus rechnen könne, Anhänger in den .streuen iber Geeinigten Sozialisten oder der rcpublikanischen^Lozialisten zu finden. Sie werde sich also ausschließlich aus den Mitgliedern der Entente Temocratigue und der Alliance Demvcratigue rekrutieren und demzufolge keine einschneidende Aenderungen m den bestehenden Parteigruppicrungen des Parlaments herbeifübren
D ie innere Krisis in Serbien. Ministerpräsident Pasitsck berichtete tfnt Samstag vormittag dem König über ben Verlauf bet letzten Sitzung her Skupschtma und unterbreitete »hierbei den Rücktritt des ganzen Kabinetts. Der König nahm den Rücktritt nickt an, sondern versicherte den Mimsterpraudenten vielmehr seines vollen Vertrauens, Sn ber «aMittags ^baefealtenen Sitzung ber Regierungspartei erftattde her M-imster- präsident ein ausführliches Expose, in dem er insbesondere die ernste auswärtige Lage schilderte. . .
Die Königin Elisabeth von Rumänien, gebotene Prinzessin zu Wied, vollendet am 29. Dezember ihr <0. Lebensjahr. Tie amtliche „Norddeutsche Allgem. Ztg. widmet ihr folgende Zeilen-. Seit 44 Jahren an der Seite ilp:es erhabenen Gemahls den Thronsitz teilend, ist der hochbegabten, /menschenfreundlichen und einsichtsvollen deutschen §urstentockter eine bedeutsame Aufgabe zugefallen, der sie sick mit ^dler Hingabe unterzog. Das im: besten Sinne alteifernde Wirken der ersten Königin Rumäniens mr ;bie Wohlfahrt ber Landesbcvölkerung erweckte überall gerechte Anerkennung und Bewunderung. Feinsinnige Dichtergaben schufen dem Genins ber Königin Elisabeth zugleich Ruhm in der Geisteswelt. So wird des festlichen Tages in Deutschland wie in Rumänien freudig gedockt, mit vom Herzen kommenden Segenswünschen für die weitere Lebensbahn der allbeliebten
<0 Bübingen, 27. Dez. Nachdem die Gemeinberat^ sitzung'am Dienstag, den 23. Dez., in der über den Anschluk der Stadt Büdingen an das Elektrizitätswerk in Wölfersheim beschlossen werden sollte, wegen Beschluß unfäh gkeit ergebnislos war, war auf heute vormittag 11 Ufer unter Bezugnahme auf §104,3 der L G- O. wiederum Ge^ meinderatssitzung einberufen worden. Nach längerer brache in der namentlich die G-memderatsmitgl. S ch a e r und Keil zu längeren Ausführungen das Wort erhielten, kam endlich der einstimmige Beschluß zu Stande, daß der Gemeinderat den von der Provinz Vorgelegen Vertrag mit geringer Aenderuna des §3 annimmt. Durch diesen Bi fdihiR wird die Stadt Büdingen an btc U e b c r l a n d z e n- !? a l e i n Wölfersheini a n c; e s chl o s s c n. Die Zuhörer gaben durch lauten Beifall ihre Zustimmung zu db^Büd^ngen, 28. Dez. In einer Wohnung wurde ein Einbruch verübt und Wäschestücke nebst Gelb eil- ivenbet. Ter Einbrecher, ein Böhme, konnte nach soforUg» Verfolgung durch die Gendarmerie aus der Straße nach Wols sestaenommen und in bas Ha-tlokal eingelieiert werben.
s Bübingen, 27. Dez. Der Obst- "nb Gartenbu- vereindes Kreises hat in sein Winterprogramm Venammwng « mit Vorträgen und Gratisverlomngen burck ben Srei^ot tba inspektor M etternick in einer großen Anzahl Crte, rcr^ Gemarkung^ und Crtsrunbgangc aufqenommem tftrnrtW zwei zweitägige Obstbau kurse m Leibhecken und Nieder-^
Schnee und Sturm.
Gestern abend gegen 7 Ufer war bie Straßenbahn und teilweise auch bie elektrische Straßenbeleuchtung lahm gelegt. Zwischen ber alten Klinik und dem Direktionsgebäude ber ^berheiulchen Bahnen waren ungefähr 20 Telegraphen- und Telepfeondrähte in- fofrrf ber Belastung durch ben Schnee unb infolge des Sturmes gerissen, hatten den Fahrdraht ber elektrischen Stratzenbahn und bie Lichtleitung ber Bogenlampen für bie Stromzusührung nutzer Tätigkeit gesetzt so baß ber ganze Straßenzug Liebig-, yrantrurter Straße, Seltersweg ufm. Stunde ohne Beleuchtung loar unb bie Straßenbahnen fest standen. Direktor Stolte mit seinen Monteuren war sofort zur Stelle, unt hellend einzugreisen. u,er ^ele» phondienst für ben Orts- und Fernverkehr war gestern vollständig unterbrochen, da die Drähte in großer Zahl zerrissen sind. Auch zwischen Gießen und den Orten ,bie an die ftädtffcke Ueber[an»* zentrale angeschlossen sind, hat ber Scknee und Sturm Betriebsstörungen verursacht. — An der Frankfurter Straße zwischen,dem Selter stör unb der Liebigftraße hingen die Zweige der Bäume aus ben Vorgärten von der Last des nassen Schnees gebeugt bi-j auf den Bürgersteig, teilweise sind dieselben sogar runter geb r ochen unb bildeten ein lästiges Verkehrshindernis für bie Fußgänger Es werden uns Beschädigungen von Obstbäumen aus Stadt und Land gemeldet, die ber Truck des nassen Schnees verursacht hat — Tas Telegraphenamt ist nach fast allen Seiten abgeichmtten, doch sind sämtliche Baukolonnen an ber Arbeit, um die Storungen aufzuheben. Immerhin werben einige Tage vergehen, bis die Leitungen wieder völlig in Ordnung sind unb die Teilnehmer am Ortsnetz müssen sich also gedulden. Ter gesamte Depesckendienst Gievens wußte mit den Eifcnbafenzügen geschehen, bie alle erhebliche Verspätungen aufzuweisen hatten. Die größte Verspätung unter den hier eingetroffenen Zügen betrug 80 Minuten. Die Strecke nach Frankfurt hatte die meisten Störungen zu verzeichnen.
bas Landesgebiet eingeführt werben, find der Guarantane nach I Ziffer 1 obiger Anlage zu unterwerfen.
** Vom (Stabttfeeater wird uns geschrieben: Vor der morgigen Erstaufführung des Schauspiels „D i e Za r i n" dürfte die Besprechung eines auswärtigen Blattes anlätzlick der beut,eben Uraufführung dieses Werkes rm vergangenen Frühjahr in Münckeii interessieren. Wir lesen da: „Ein Sensalionsltück im besten Sinne des Wortes brachte das Lustspielhaus zur deutschen Uraufführung: „Dick Zarin", Schauspiel in drei Akten von Melchior Lengvel unb Ludwig Biro. Lenghel ist wie ein leuchtender Meteor plötzlich am deutschen Bühnenhimmel mit seinem Milieu- unb Tendcnzstück „Taifun" erschienen. Ter Theaterersolg ist Lengvel auck bet 'einem zweiten Werke „Tie Zarin" treu geblieben, ja bat sich gesteigert. Und ich wette hundert gegen eins, daß bie nächste Theater,aison von diesem neuesten Lengyel-Schauspiel beherrscht sein wird. Gottlob, endlich wieder einmal ein Theaterstück, das nicht mehr unb nickt weniger als eben Theater sein will. "Aber was Tür cm Theater' Theater, das packt und sesselt, das Spannung erweckt unb diese Spannung bis zum äußersten anziefet, das weinen und lachen macht, das endlich alles wieder ins richtige Gleis bringt. Kurz: Bottren- lichstes Theater."
*♦ Oberhessischer Kunftv e r ein. Bei ber am 27. To zember 1913 abgehaltenen Verlosung iinb auf folgende Nummern von Mitgliedskarten Anrechtsckeine gezogen worden: s)tr. 200 1 Anrechtschein von 200 Mark, Nr. 43 1 Anrechtschem von 100 Marl, Nr. 53 1 Anreclitsckein von 100 Mark, Nr. 66 1 Anrecht- schein von 50 Mark, Nr. 77 1 Anrechtschein von 50 Mark.
' Zur Angelegenheit Troß erfahren wir, daß die Staatsanwaltschaft das auf Anzeige gegen Herrn Troß ein- geleitete Verfahren nach eingehenden Ermittelungen nunmehr
Dre französische Kamlm e r nahm ohne Älussprache emen Jnitiativgesetzentwurfan, dem die Regierung zustimmte, stn dem diese aufgeforbett wirb, der Frage ber Her ft e l l u n g ibes Einvernehmens mit ben Nachbarstaaten mfeer au treten zwecks Schaffung internationaler Bcstim-^ mungen auf dem Gebiete des Wa sser we s ens, besonders bezüglich ber Landbewässerung, der Mttzung von Wasserkräften zur Elektrizitätserzeugung und ber Schiffahrt.
Eine neue Parteigruppe tn Frankreich Aüs Paris wird gemeldet: 105 republikanische Senatoren und Abgeordnete hielten am Freitag abend eine vorbereitende Versammlung ab, um die politische Lage zu besprechen und ohne sich einer berc bestehenden Gruppierungen anzuschließen eine Propaganda-Organisation zu gründen. Nack der Beratung erkannten die -Lmnefemer einstimmig die Notwendigkeit an, unter ben republikanischen Elementen der Linken, die Anhänger der nationalen Verteidigung, " der steuerlichen Gerechtigkeit, des sozialen Fort
ei n g e st e l l t hat.
’** Tomsic festgenommen Der waghalsige und gefährliche Ein- und Ausbrecher I. Tomsic, der im Zuchthaus zu Marienschloß eine 12jährige Zuchthausstrafe zu verbüßen hatte, und wegen Meuterei von ber Straf tammer zu Gießen mit einer Zufatzstrafe von einem Jahre bedacht worden war, ist nunmehr nach seinen mehr wöchentlichen Streifzügen in der Nähe von Straßburg, wo er wieder einen Einbruch versuchte, festgenom m^e n worden. Er war auf dem Rücktransport zwischen der Station Butzbach und Marienschloß aus dem Gesänge- nentransportwagen, in dem sich noch vier Gendarmen befanden, durch Eindrücken eines Jalousiefensterchen am 4. Dezember auf unerklärliche Weise entwichen. Seinen Sträflitigsanzug hatte er gegen einen feinen Zivilanzug vertauscht, (ct hatte die ganze Zeit Sü dd eu t s ch lan d unsicher gemacht, ohne daß es ihm gelungen war, irgend eine größere Beute zu machen. Er wurde sofort auf dem kürzesten Wege direkt nach dem Zuchthaus Marien- schloß in starker Begleitung gebracht, da man befurchtet, daß die meisten Untersuchungszellen nicht sicher genug für den zähen Burschen sind.
. ** Im Auto entflohen. Ein junger, aus Bad Salzhausen gebürtiger Gastwirt unb Autobesitzer hatte seit einiger Zeit in Nidda ein größeres Lokal gc- ,mietet, war aber durch feine täglichen Autofahrten viel von seinem Geschäfte abwesend. Als er eines Tages von einer Geschäftsreise, die er zufällig ohne sein Auto unternommm hatte, zurückläm, fand er zu seiner lleberraschung seine Wohnung, die Kasse und Garage leer. Seine Frau mar mit einer bei ihr zu Besuch weilenden Freundin Plötzlich un Auto ab gereist. Wahrscheinlich wollte sie so schnell tote mag lief) einem entfernten Reiseziel zueilen und hatte den Plan schon längere Zeit vorbereitet. Alle Wäsche und Kleidungs. stücke waren schon einige Tage vor ber Abreise durch die Bahn versandt worden; sogar eine polizeiliche Abmeldung wurde noch kurz vor ber Abreise erwirkt. In Gießen st rech jedoch das Fahrzeug mit einem M^lchwagen zu- ammeu unb mutzte deshalb ui einer dortigen Fabrik ' nrückaelassen werden. Von Gießen aus konnte das Reiseziel der beiden Damen nicht mehr sestgestellt lverden, unb bis jetzt weiß man noch nichts Bestimmtes über feen Aufenthalt der Beiden. Die Wirtin stammte aus einem -torfe bei Braunfels unb war erst brei Jahre verhnratet. 1er verlassene Ehemann ist toicber hierher zu seinen Eltern zu- rückgetehrt. Allgemein glaubte man, die gingen Leute führten ein glückliches Eheleben. Tie Ehe war kinderlos
** Im Provinzialarresthaus ging auch das Weihnachtsfest nicht ganz spurlos an den Gefangenen S AM .Heiligabend sand für die 23 Nn.ngel.sch-» in der Kirche des Arresthauses beim brennenden Tanne» bäum Festgottesdienst statt, bei welchem Pfarrer Ausfeld die Predigt hielt. Ter Feier wohnte Oberstocks- anwalt Hofmann bei. Am ersten Weihnachtsmorgen and für die 7 katholischen Sträflinge der Zotresdienst statt. Sämtlichen Insassen der Anstalt wurden Gebäck, 2Iepfel.unb Nüsse verabfolgt und auch sonst der Küchenzettel ausnahmsweise etwas freigebiger gestaltet.
Kreis Büdingen.
unb die beiden Bettler drehen sich im grotesken Tanz. Tie grelle Posse übertönt bie Tragik., . , ,
Hauptmanns Größe liegt m dickem Werk vor allem tn der echt dramatischen Vorbereitung, Steigerung und Herbeiführung der einfachen Katastrophe. Die Freier bringen das erregende Moment Sie fordern Fest und Tanz, und ichon entfaltet ffch antike Heiterkeit der Hirten, gesteigert durch bas Strömen ber lange versiegten Quelle Groß unb dämonisch aber erhebt sich über dem dwmffischen Treiben der geheimnisvolle Bettler, von Blitzen umzuckt im Gewitter, wie Kronion der Strafende selbst. Er wächst aus seiner zerlumpten Verkrümmung gigantisch empor, rüttelt mit mächtigen Worten Telemach auf und gibt liefe ihm endlich in einer groß anfchwellenden Szene zu erkennen. Ter letzte Akt brinot dann die Bestrafung der Freier, die von Wem und Sinneslifft trunken den Pfeilen des unerbittlichen Bogenschützen aß^i leicht, wie Schlacktvieh, ohne Würbe unb ohne Kampt er- 1LC9Ceine starke Spannung unb kraftvolle Wirkung geht von diesen Szenen aus . wie ein großes Svmbol steht der Bogen gleich am Anfang, den ein Traum Eumaios einzufetten befahl, unb immer wieder" taucht er als ein sinnfälliges Zeichen an bedeutungsvollen Punkten der Handlung auf, bis zuletzt die Freier sich erst emzeln unb bann zusammen vergeblich an ihm mühen unb er nur dem G-inen gehorcht. Gut ist auch die Zusammendrängung der langen homerischen Erzählung auf einen Ott in wenige Stunden gelungen, und bewundernswert ist die antike Stimmung gemalt in den reich hinein verwebten mvthologiscken Anspielungen, der zart angedeuteten klassischen Landschaft, den szenischen Bildern be« Mahles und des Reigens, die an attische Vasen erinnern. 'Der Dichter hat sich tief cingelebt in antike Vorstellungen unb sie neu beseelt und versinnlicht aus einem starken Erfühlen ber Ratur Griechenlands. So schwingt fick fein Genius zu einzelnen herrlichen torischen Ergüssen auf. Andererseits aber sind die uns so lieben homerischen Gestalten und Szenen durch bie resolute Einspannung in das dramatische Proerustes-Bett verzerrt morden. ,
Ter Größte, ber vor Hauptmann ein Buhnenwerk aus der Cbhfl'cc zu gestalten untemalnn. Goethe, hat sein wundervolles Rausikaa-Fragment nicht vollendet, weil ihm die strenge Tragik heS Dramas wie eine Entweihung ber idyllisch übersonnten Urdichtung erschien. Ter gleichen Gefahr ist Hauptmann nicht entronnen In dem Bestreben, uns die Personen leelnck, zu erklären, die Handlung näher M motivieren, ließ er Odvffeus 'ich wahnsinnig stellen, machte aus dem würdigen Laettes einen l.n- bifdicit Landstreicher und stellte besonder., Pcnelope, dies Ilrb,ld bet Frauentreue, in ein mehr als zweideutiges ^.ick: er
scheint als eine ewig schöne Verführerin, zwar Gatten ror- perlich treu, aher tne ^Tcier durch ihre Koketterie anziehend >id
festhaltenb. Als „ihr schönstes 'Spielzeug" bezeichnet Odysseus die erschlagenen Räuber seines Gutes und seiner Ehre. So kommt ein greller, in seinen schroffen Gegensätzen unantiker Ton in das Ganze. Sehr unhomerisch ist auch dec sinnlich lüsterne Zug, ber die Stellung der wenig charakterisierten Freier zu Penelope dingt, und ebenso wenig homerisch die rationalistische Art, der die Göttererscheinungen ausgedeutet unb erklärt werden, ist Hauptmann der Versuch, „Homeride zu sein, auch nur letzter", wohl mißlungen, aber er hat ein modernes Drama hohen Schönheiten und packender Wirkung geschaffen. Tr. P.
Herrscherin. _______
Aur Stafct und Land.
Gießen. 29. Dezember 1913.
Die angefochtene Stadtratswahl.
In Sachen der angefochtenen Stadtverordnetenwahl ist .jetzt das Urteil des Kreisausschusses den Beteiligten.zugestellt worden. Es geht davon aus, daß die Wahl nur insoweit aufzuheben sei, als das Ergebnis durch bie ftftgestellten Unregelmäßigkeiten beeinflußt werde. Diese vom Ministerium des Innern in 2 Entscheidungen von 1874 ausgesprochene Auffassung treffe auch für die neue Städteordnung zu. Die Don den Reklamanten behaupteten und vom Oberbürgermeister zugeqebenen Unregelmäßigkeiten seien hiernach nur ge- cignet/bte Wahl ber 3 auf 3 Jahre gewählten Stabtvdrord- neten zur Aufhebung zu bringen. Die erst sn ber münblichen Verhandlung aufgestellte Behauptung, bei Feststellung des Wahlergebnisses sei gegen Artikel 57 der Städteordnung in sofern verstoßen worden, als einerseits die Protokolle eine einheitliche Feststellung auswiesen, andererseits aber an mehreren Tagen und teilweise in Abwesenheit des Wahlvorstandes gewählt worden sei, sei als Reklamation verspätet und werde durch die von Amts wegen erhobene Beanstandung des Kreisrats nicht gedeckt, da sich diese nur auf die zur Zeit ber Erhebung dein Herrn Meisrat beiainiten Gesetzwibrigkettni beziehe. In letzterer Beziehung läßt sich wohl die Frage auf- wersen, ob bie ohne Angabe von Grünben erfolgte Bean- stanbung nicht alle bis zur Verhanblung bekannt geworbenen Gesetzwidrigkeiten deckt unb, wenn nicht, ob nicht eine weitere Beanstandung beim Bekanntwerden weiterer erheblicher Gesetzwidrigkeiten von Amts wegen zu erfolgen hat.
Nach Zeitungsberichten sollen die drei durch bie Entscheidung ausgefallenen Stadtverordneten Rekurs verfolgt haben dezw. verfolgen wollen. Soweit ihre Wahl aufge-


