Srodtes Blatt
Nr. 180
163. Jahrgang
Lrscheim ri-och rrm Ausnahme des Sonntags.
Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul« strage 7. Expedition und Verlag: öl.
Redaktion:«^ 113. Lel.-Adru Llnze,gerG,ehen»
Ausland.
Eine französische Militärabordnung in Petersburg.
Aus Petersburg nrirt> gemeldet: Am gestrigen Sonntag nachmittag trat in Krasnoje Sselo eine französische Mili - tärdevutation ein. an deren Spitze der Ches des französischen Generalstabes Io ff re stand. Tie Delegation frühstückte mit dem Großfürsten Nikolajewitsch im Kaiserpavillon und fuhr daraus nach Petersburg, wo sie den Kriegsminister und die Chefs des grossen Generalstabes besuchte. Abends gab der französische BoNckafter zu Ehren der Delegation ein Diner, an der der »triegsminister und der Minister des Aeustcrn tcilnahmcn.
Dcut|d>c» Zlcid>.
Tic Nordlandrcise des Kaisers
Der Kaiser ist um Freitag abend 9,45 Uhr vor Bergen eingctrofscn. Er nahm das Frühstück bei Konsul Mohr ein, und gedenkt bis zum 4. abends oder den 5. früh in Bergen zu bleiben. Die Ankunft in Swincmünde erfolgt am 6. August nackunillags.
Prinz Joachim von Preußen verließ nach Mschlnß seines dreiscmestrigen Studiums an der Straßburger Universität Straßburg und begab sich zunächst nach Homburg v. d. Höhe. Prinz Joachim, der den Rang eines Oberleutnants bekleidet, wird nach mehrwöchigem Urlaub, den er größtenteils in England zn- bringt, am 1. Oktober wieder in das 1. Garderegiment, in Potsdam eintreten, nachdem er vorher noch an den Kaiserparaden in Posen und Breslau teilgenommen hat.
Neues vom Genossen Scheidcmann.
Wie den „Berliner Neuesten Nachrichten" aus New Jork berichtet wird, wird der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann dort am 3Q. September zu einer sicbenwöchigen Agitations- reise von Boston nach Denver eint reffen.
aut Grund einer genauen neuen Kalkulation geschehen. Wenn die neue Kalkulation dasselbe Ergebnis gezeitigt habe, so seien die Preise auch nickt verändert worden.
Nicktem eine Reihe werterer Zeugen unwcsenUiche Bekundungen gemuckt haben, folgt
d i e Erstattung der Gutachten
durch die militärischen Sachverständigen. Die Sackwerständigcu Hauptmann Ebeling, Hauptmann EllertS, Hauptmann Gronemau n und Hauptmann Heinrichs lassen sich über die Bestellbücher beim Armeeprüfungsausschuß, sowie über den Wert be? Notizbuchs deS Angeklagten Brandl im Landesverteidi gungsinteresse aus. Ein Ted dieses Notizbuchs konnte von Sach- verständigen sehr wesentlich von Interesse sein, zumal für das Ausland, und so wäre das Landesverteidigungsinteresse davon lebhaft berührt. H
Nachdem in nichtöffentlicher Sitzung noch einige „Kornwalzen", die von dem AngeNagten Hohe hcrrühren sollen, und die tm LandeSverteidigungsinlcresse geheim zu hallen waren, behandelt worden waren, wurde die Sitzung auf Montag früh vertagt.
Tie „Glttzener Lmnlllendlätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegl, das „Kretsblail fflr den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Di» „cantwirlschaftlichen Seit- frage«"' erscheinen monatlich zweimal.
Montag, 4. August 1915
Rotationsdruck und Verlag der Brühlfchen UniversitätS - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Dießem
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhefien
Vie Krupp-Affäre vor dem Kriegsgericht.
~ Berlin, 2. Aug.
Zu Beginn der heutigen dritten Sitzung war das $end)t zu- x nächst wiederum bemüht, zu erforschen, ob der Zeuge Brandt in irgend ernct Weise nach icmer Emlasfung aus der UnteNucwmgs- . Hafk beeinflußt norden ist, damit er seine, die Angeklagten lckiwer ^lastenden Aussagen, die er in der Untersuchungshast gemacht ,
Die Angeklagten Schleuder und Hrn,t gaben Henn die Erklärung ab, tap sie auf einem Aiisfluge in die Nähe von Rahnsdorf «zebomnien wären, und sie hätten die Gelegenheit dazu be- nutzen wollen, die Fnru Brandt zu besudln, um um nach ihrem Befinden zu erkundigen. Das sei kurz nach der Entlastung Brands aus der UnterfuchungShaft gewesen, wovon sie aber nichts gcwunl hätten, sonst wären sie nickt hingegangen. Zu ihrem größten Er st Minen sei Bunidt audj zugegen gewesen, sic hätte,, auch bemcrfi, daß dem Broiidt sowohl, wie seiner Frau der Beinck unangenehm nwire '5ic Ijdttcn aber nickzl sogleich irneber an der Tür umkehren können, und es sei auch natürlich, daß sie sich über die sic am meisten interessierende Frage der gegen sie schwebenden Anklage unirrhalten hätten: sie hätten doch nicht im geringsten Beeinflussungen versucht. . L ,
Der Angeklagte Tilian erklärt, daß er lange vor der Hart entlassung Brandts einmal 'd-i'e Frau Brandt besucht habe, er hibe natürlich auch über die hier zur Verhandlung stehende Sache gesprochen, aber ebenfalls keine Beeinflussung beabsichtigt. Ver hanblungsUihrcr rote Anklagevertreter sprechen ihre lebhafte Per n underung darüber aus, daß die AngeNagten diese Erklärungen nickt bereits gestern abgegeben haben, wo läng und breit über die Sack, verhandelt worden ist, und der Vorhand! ungsßilwer ausdrücklick. tanadj gefragt frtt, ob einer der AngeNagten irgendwie, eventuell auch durch Mittelspersonen an den AngeNagten Brandt heronflctntcn ist. ES gelangt sodann ein Brief des Rechtsbei smnds der Braudtsckren El)eleute, Rechtsanwalts Löwenstein, zur Verlesung, in dem dieser dem C-faidrt mitteilt, daß ihm Frau yesuch der beiden Auaoll.-igien Schleuder und Hinst Mitteilung gemacht und sie gefragt habe, ob sie dem Gericht auf Befragen auch hierüber Auskunft zu geben hätte. Er Ixt bi* ihr erklärt, sie müsse sich stteng an die Wahrheit halten, könne aber alle Fragen ablehnen, von deren Beantwortung sie glaube, daß ihrem Mann daraus Nachteile erwachsen könnten. Lediglich ies Information hin, die die Zeugin mißherstündlich gefaßt habe, sti deren gestrige Zeugnisverweigerung zurückzu fuhren Sie werde heute ihr Zeugnis in der angegebenen Richtung erweitern.
Der Anklagevertreter erklärt, daß nach seiner Meinung zahl' reiche Beeinflusfiingen vorgekommen und zwar nicht nur von isckei Anklagebank
stlls die Zeugin Fran Brandt nunmehr aufgerusen wird, l r ich Ehemann ein ärztliches Attest vor, nach welckem Frau Brandl für die nächsten 48 Stunden vernehmungs unfähig ist, da sie gestern nach ihrer Vernehmung in schwere Schreikrümpfc verfallen ist. Die Zeugin soll daher am Montag vernommen werden.
ES folgt dann
die Vernehmung des Direktors Eecrus vom Ttrefforiirm der Firma Krupp, gegen den ebenfalls ein Verfahren in der gleichen Angelegenheit schwebt. Er bekundet, daß er über die ganze Angelegenheit nicht viel aussagen könne, da er fast ausschließlich mit dem ausländischen Kriegsmaterial beschäsngt war. Er kenne Brandt jedoch und habe auch ver schiedentlich in Berlin mit ihm gesprochen. Die erste „Kornwalze" ist ihm uumfiähr im Jahre 1908 zu Gesicht gekommen. In der späteren Zeit ist ihm öfters diese oder jene „Kornwalze" vorgelegt worden. Daß die Kornwalzen keine Unterschrift trugen, sei ihm nicht besonders ausgefallen, da er daraus nicht geachtet habe Brandl bitte in Berlin ledock nickt nur Kornwalzen zu machen, sondern war in der Hanoi sacke Berliner Bureauckief und bitte eine Unmenge Arbeit zu leisten. Er bitte die Befugnis und sogar die Mickt, von den gesamten Sckwiftt'ätzcn zwischen der Berliner Vertretung und der Firma in Essen Kenntnis zu nehmen.
Er war auch für das Vorhandensein des Aktenmaterials ver- antwortlich, und daß es an der richtigen Stelle eingcordnet wurde. Brandt hatte außerdem von den allergeheimsten Dingen Kenntnis, di? viel wichtiger als so ein „Kornwalzer" waren. Tie von Brandt angegebenen Gehaltsverbältnisse bestätigt der Zeuge als ricktig. Tie Höbe des Gehalts und der Gratifikationen wären für einen Posten, wie ibn Brandt innehatte, durchaus nicht -.11 hock gewesen. Die „Fuuktionszulage" von 3500 Mk. jähr sich bedeutete absolut nickt etwa Schmiergelder, er sollte in der .Hauptsache den erhöhtest Llufwand damit beftreiten.
Ter Anklagcvertteter legt dem Zeugen eine Frage vor, ob der von dem Rechtsbeistand des Zeugen Iustizrat Tr v Gordon eingereichte Sckristfast, in welchem behauptet wird, daß auch Der freier der Firma Ehrhardt Auskünfte von Militärpen'onen er halten hätten, auf tatsächlichen Unterlagen beruhte. Ter Zeuge muß zugeben, daß dies nickt der Fall ist, es liege auch die Mög lickkeit vor. daß diese Nachrichten durch Agenten der Firma Ehr Hardt bei Angestellten der Firma >brupv zu deren Kenntnis ge langt sein können. Daß Brandt später das Direktorium der Firma Knivv in Berlin hätte übernehmen können, sei absolut nickt auSgeichlosseu. da bei Krupp das napoleonische Prinzip vor berrfdie, daß jeder, seinen Manckallslob in der Tasche trage.
Direktor Draeger non der Firma Krupp, der Generalvertreter für das Kriegs matcriahvcfcn in Berlin, bekundet, daß die „Kvrnwalzen^ eigentlich überflüssig gewesen wären, da alles Wissenswerte ihm stets direkt non den Behörden mitgeteilt worden sei. Es kam der Firma hauptsächlich darauf an, daß sie stets laufend darüber unterrichtet war, was für Ausschreibungen beabsichtigt waren, und da Herr v Scküst venagt habe, sei ihm Herr Brandt bcigcgcbcn worden. Brandt habe das in ihn gesetzte Vertrauen auck stets gerechtfertigt. Direktor Budde hielt mit starrem Eigensinn an den von ihm kalkulierten Preisen fest und ging nicht gern davon ab. Es nur deshalb nötig, ihm auck Konkurrenzpreise vor Augen zu führen. Ter Zeuge hält cs indessen für ausgeschlossen, daß Herr Brandt erst tn Berlin über seine Tätigkeit informiert worden fein könnte, das geschehe gewöhnlich schon in Essen.
Direktor Muths
Die Gefahr für die fremden in Kanton.
Hongkong, 3. Aug. Eine dlbteilnng indischer Truppen wurde nach Kanton entsandt, um Shanteen zu bewachen, wo sich die europäischen Viertel befinden. Der Generalgottvcrneur von Kanton hat gestern nacht eine starke chinesische Truppenabteiluna nach der inneren Landzunge entsandt, um die dortigen fremden Ansiedlungen zu schützen. Französische Matrosen wurden gelandet, um die französische Konzession zu bewachen. Große chinesische Truppcnkörper wurden von Kanton nach Samschui entsandt.
Die Verfolgung der Rebcllenfuhrer.
Die „Morning Post" meldet aus Schanghai: Admiral Tseng hat im Namen Yuanschikais eine Kundgebung erlassen, die für die Auslieferung der Rebcllenfuhrer, tot oder lebendig, Belohnungen verspricht: 100 000 Dollar für Huanghsing, 50 000 Dollar für Tschentschimai uitd je 20000 Dollar fürSuangfu und L i s ch u t s ch a n g.
uack Butzbach gekommen, um dem Ostsangverein „Orpheus" feine I Glückwünsche auszusprechen. Dutzback mit seiner altehrwürdigen Geschickte passe so reckt als Feststadk für daS heutige vaterländische Gedenkiest. Butzlxick weiß, welche Stürme die Vergangen- :■ it gebracht und was eS b< r Gegemvart dankt. Ter Mitteldeutsche Saugerverband roill nicht zurückstehen, wenn weite Kreise die IfKhatrige Erhebung und Befreiung Deutschlands feiern. Tas Lied war allezeit ein Mittel der Begeisterung. Unser eckt deutsches Lied ,st einzig in seiner Art, es zu hegnt und zu pflegen ist unsere Ausgabe. Das deutsche Lied ist ein Stück deutschen Bodens, ein Stück Vaterland. Begeistert stimmte die Festversammlung in das Hoch auf da- deutsche Vaterland ein und lebhafter Beifall
Hauptlehrer Stör ch b bi da.
gerverbandeS liervvr, bet sich in den Dienst des deutsckx-n V, -tv - gestellt und auch ohne Prei »eutendes geleistet habe
In dem Volkslied sei das Gemüt des deutschen Volkes nirbev- gelegt. Tas vatcrlanbiicbe Volkslied, das vor 100 Jahren gesd>iffen ivurde, zeigt den Mut, den Zom, die Begeisterung des beutfdxir Voll > für die hohe Sacke der Befreiung des» Vaterlandes Tas
Sängertag des Mitteldeutschen Sängeroerbande?.
L. K. Butzbach, 3. August.
Die Stadt war reich geschmückt; dazu kommt der schön gelegene Festvlatz mit der schön geschmückten Festhalle. Das 75jähr. Jubiläum des Gesangvereins „Orpheus"-Butzbach ging dem 3ängertag voraus durch eine Feier am Samstag abend. Nack dem gemeinsamen Chor der Gesangvereine „Eintracht" und „Trpstms" „Ans Vaterland" hielt der Präsident des „Trvb<us", Hauptlehrer Storch, die Festrede. Er gab einen Rückblick aus die Gründung und Entwicklung des „Orpheus" bis heute. Er sprack seine Freude aus über das einmütige Zusammenwirken der Vereine und der Bürgerschaft. Als Borfitzender des Lahntall'ängerbundes übergab er dem „Orpheus" eine Ehren- täfel. Weiter erhielten Ehrenurkunden vier über 80 Jahre alte Mitglieder und der frühere Dirigent Völsinq, der den Verein 15 Jahre geleitet hat. Die Chöre der „Eintracht" und des „Orpheus" kamen in entzückender Weite zum Vortrag, besonders Iiervorgchobcn seien „Sonntag ist's" vom „Orpheus" und „An dreas .Hofer" von der „Einttacht". Der Turnverein vm'ckönte die Feier durch Stellen von Pvramiden, Reckturnen und Frei Übungen, die lebhaften Beifall ernteten. Im Namen des Hessen Tarnijläbtcr Volksfest-Vereins New Port beglückwünschte dessen Reiiemartchal^ Feldmann den Iubclverein: er trug ein Ge dickt ..Heimativald" vor. Ter Vorützende Sckmidt von der „Cacilia"-Lich überreichte einen Fahnennagel, Pfarrer Loos- Butzbach überbrachte die Glückwünsche des stirckenvorstandes, des coang. Arbeitervereins und des evang. Sirchengesangvereius Für alle 'Dünsche und Gaben dankte der Vorsitzende, Hauptlehrer Storch. Sehr zum Gelingen des schönen^Abends trugen die Vor träge der Kapelle Sarnes bei. Nach Schluß des 1. Teils des Festes ließ H. Fclltmann, der Reisemart'ckall des Hesscn-Tarm- städter Volkssestvereins in New Bork, icbcm Vorsitzenden und Ehormcister der Verbände und Gesangvereine als Andenken das Büchlein überreichen „Rot-Weiß unter dem Sternenbanner". — Dem Mitteldeutschen Sängerband galt der heutige Haupttesttag: Verba ndssest und vaterländische ©ebenffeier, das waren die Leitpunktc des Togos. Um 8 Uhr war Choralmusik auf dem Marktplatz, an das niederländische Tankgebet schloß sich „Vater, ich rufe dich". Ein Frühkonzert in der Festhalle folgte. Mittags trafen zahlreiche benachbarte Gesangvereine ein, so daß fick um 2 Uhr vom Seif der Tor em stattlicher Festzug zur Festhalle bewegte. Erschienen waren Geheimerat Prvvinzialdirektor Dr. Usinger-Gießen, der Vorsitzende des Sängerverbandes, 93er= bandsckwrmeister Professor Trautmann, Muiikdirekwr Schmidt- Friedberg, Gesanglehrer Gellert-Gießen, der Vorsitzende des Det- tcrau-Lahngau-Sängerbundes, Lehrer Buß-Leihgestern und der Vorsitzende vom Odenwälder Sängerbund, Tr. Siegerl. Tie Feier wurde eröffnet durch den Massenche? mit Orckesterbegleirung ,,£)Dmnc" von Emst, Herzog zu Sachien, den Lames-Holzheim
verein für Armen- und Kranfenpflege.
4- Gießen, 3. Aug.
Am Freitag, den 1. August, fand die ordentliche H a u p t« Versammlung des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege stakt. Einleitend gedachte der Vorsitzende, .Zttrchenrat D. Schlosser, in ehrenden Worten der verstorbenen Frau Sanitätsrat Haupt, die dem Vorstande als treues und eifriges Mitglied an gehört hatte. Sodann berichtete er über die Verhandlungen des Kongresses für Armenpflege in Braunschweig; erhob daraus hervor den Beschluß, daß auf dem diesjährigen Kongreß in Stuttgart über ein deutsches Reichsarmengesetz beraten werden solle. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl der ausscheidenden Mitglieder, neu hinzugewählt wurden Frau Professor Strack und Frau Oberstlciltnant Naumann. Aus dem Jahresbericht, der demnächst dem „l^tteße- ner Anzeiger" beigclegt werden wird, heben wir hervor: Am 6. Dezember vorigen Jahres starb Geh. Justizrat Theophil Bai st. Er war zwar um seines hohen Alters willen schon länger aus denn Vorstand ausgeschieden. Er gehört aber zu den Mitgründern des Vereins und hat ihm lange Jahre als eifriges Vorstandsmitglied, dann noch als Rechts- beiftand wertvolle Dienste geleistet. Sein warmes Interesse an dem Verein hat er auch noch durch ein Vcrmächtitts von 300 Mark, wodurch er die Fortdauer seines Beitrags über seinen Tod hinaus sicher stellen wollte, bewiesen Er wird im Verein nicht vergessen werden.
Die Rechnung wurde von Jniendantursekretär Selzer geprüft und für richtig befunden. Daraufhin wird dem Rechner, Finanzaspirant Freundlieb, Entlastung erteilt. Aus den Berichten der einzelnen Abteilungen ist folgendes mitzuteilen:
1. H elferab tcilun g. Es wurden unterstützt 139 Personen mit Darreichung von Mahlzeiten (Suppenzettcl), Milch, Kohlen oder barem Geld. Es wurden hierfür aufgewendet 5182 Mk In diesem Zusammenhang ist auch auf die Hauspflege des Vereins hinzuweisen. Es scheint nämlich noch viel zu wenig bekannt zu sein, daß der Verein in Fällen, in denen die .Hansmutter durch 9hebcrtunft oder Krankheit verhindert ist, ihr Hauswesen zu versorgen, eine Hauspflegerin stellt, und zwar nicht nur für ganz Mittellose, sondern gerne auch gegen ganzen oder teilweisen Ersatz der Kosten. Erst bann, wenn die Pflegerin auf eine ziemlich ununterbrochene Tätigkeit reckjncn kann, ist der Verein in Der Lage, sie fest anzustellen und noch weitere Frauen dazu anzunelMen.
2. Abteilung für Krankenpflege A. Gemeindepflege Die Schwestern pflegten in 717 Familien mit 25398 Pflegebesuchen, 48 Tagepflegen und 457 Nacht« wachen.
B. Schwesternhaus. 1. Krankenstation. Es wurden verpflegt 560 Kranke mit 6602 Verpslegungslagen und 142 Nachtwachen.
2. Hospiz und Marthaberberge. Das Hospiz s ü r D a - m e n wurde von 72 Termen mit 276 Berpflcgungstagen he* sucht; 29 stellenlose Dienstmädchen fanden an 82 Verpfle- gungstagen Ausnahme.
3. Krippe. Es wurden 50 Kinder mit 6232 Derpflegungs- tagen ausgenommen.
3. Abteilung für W a i s e n p f l e a e. Hier ist auf eine wichtige Neuerung hinzuweisen, nämlich die Einführung der Bcrufsvvrnrundschaft durch die Stadt Gießen.
Aus dem Ganzen ist ersichtlich, daß der Verein eine sehr segensreiche Arbeit leistet. Darum ist es sehr zu bedauern, daß die Beitrage Jahr für Jahr zurückgehen. Ter Vorsitzende machte hierzu folgende beherzigenswerte Ausführungen, mit Denen wir schließen: „Unser Verein teilt darin ja nur das Schicksal aller älteren Vereine unb Anstalten, daß sic durch die Fülle neuer Anforderungen in den Hindergründ gedrängt werden. Wir merken es vor allem daran, daß uns die großen Beiträge der ersten Zeit — bis zu 100 Mort —
Empfinden des Volkes wurde zum Ausdnick gebracht durch Arndt, Körner und Sckienkendvrf. Ihr Ideal wurde uns 1870/1871 in die Wirklichkeit umgesetzt. Arndt, >börner und Sckrcnkendorf sind zu Erziehern des beutsckren Nationalgesübls geworden, sic cntflammken die Sehnsuck.t nach einem grossen freien Reick Der Redner schloß mit den Wotten „das ganze Herz dem Vaterland", und bradite ein Hock) aus Kaiser und Großlierzog ous, woraus „Heil dir im Siegerkranz" gesungen wurde. Dem Redner wurde brausender Beifall zuteil. Oiemeinsam sang die Festversammlung „Der Gott, der Eisen wack)sen ließ".
Nack diesem Festakt begannen die GesangSvottröge. Ter Jahrhundertfeier entspreckend, nxinbtcn sich die Vereine diesmal dem vaterländischen Dolksliede zu. Es erklangen u. n. die Lieder: „Horeb, die alten Eicken raufdien", Sckavcrtlied. „Andreas Hofer", „Zu Straßburg auf der Schanz", „Morgenrot", „Gebet vor der Sckladst", „Ter Soldat", „Steh' ich in finstrer Mitternadä", „Lützows wilde Jagd", „Blücher bei Kaub". Den Absdüuß deS m'len Feßtteils bildete der Mafseud-or des Welterau Lahngau- fängerbunbo? „Tas deutsche Lied". Er wurde von W Gernhardt- Gießen dirigiert und von dem Orchester begleitet. Noch dem einstimmigen Urteil der Fachmänner wurde durd-au- gut dis ausgezeichnet gesungen, auffallend war, daß kein einzi-rer minderwertiger Chor vorgetragen wurde. Die Fachmänner betonen, daß in den letzten 10 Jahren der Männergesang einen großen Aufschwung genommen habe.
Der Männergesangverein Wetzlar übergab dem „DrpfruS" einen Fahnennagel.
Draußen auf dem Fest Platz herrschte dasselbe Gedränge wie in der Halle, überhaupt war der Besuch äußerst stark, wie ihn Butzbach noch selten gesehen hat.
bestätigt die Starrköpfigkeit des DirekwrS Budde in bezug aui die von ihm kalkulierten Preise. Er ergeht sich in Lobcser- bebiinaen über die Tätigkeit und ben Eifer des Zeugen Brandt. Brandt sollte hauptsächlich in Erfahrung, dringen, wann Neu nnsschrcibungcn gewissermaßen in der Lutt lagen. Es war der Firma ausgefallen, baß Kvnkurrenznrmen mit viel geringeren Hilfsmitteln wie die Firma Krupp hcmng ,o kurze Licterttiucn »cstellt hatten, in denen die Firma Krupv kaum, die notigsten Werkzeuge dazu herstcllcn konnte. Tem Zeugen i't cnitgcTallen, rimge Berichte nur durch Indiskretionen in Eriah nma aebradn sein konnten. Auf Vorhalt crHartc ihm Brandl, ct habe fick stets auf der Ckenic des Erlaubten bewegt, eine solche Grenze könne tedoch recht bebnbar sein. (Heiterkeit.)
-^ie Zeugen Teroip, Grunwald und Rau,ende rger, die sämtlich bei der Firma Krupp angeftdlt sind, äußern nch rVJ hic Preisbildung. Die „Kornwalzen" leren nie dazu benutzt .
“T.rhcn mn Sum Schaden des Staates Die Preise zu erhöhen. Dirigierte. Geheimerat Tr. Uimger hielt die Begrüßungsrede, ^i^feien nur zur Kontrolle benutzt worden. Wenn die P reise Er Dankte der Stadt für den freundlichen Empfang und der erhöht oder erniedrigt wurden, so sei das nurfBürgerschaft für den reichen Festjchmuck. Ter Verband sei gern


