Zweites Matt
Ur. 78
163. Jahrgang
Erscheint täglich tuü Ausnahme des Sonntags.
Geyeral-Ayzeiger für Obertzeffen
kolonial
gleich vor ödem Drill zu bewahren vermögen, denn nur toentt die Individualität der Schüler gebührend berücksichtigt, wenn ihnen mehr Freiheit in der Betätigung gewährt >vird, wird die Freude an der Schule wachsen und mit ihr die Freude am Vatcrlande.
lichen Bezirtsrichters im
Deutsche Kolonien.
Ueber d i e Ermordung des Händlers Wil helmLehners a u f S a m o a gibt ein Bericht des Kaiser
Die „Kietzener Zamiklendlätter" werden drin .Anzoigei" viermal wöchentlich beigelegt, das ..ttreirblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen 5eii- frageu" erscheinen mouattich zweimal.
Mus öen Reichstagsaurschüffen.
Die auswärtige Politik im Budgetausschnß des Reichstags.
Berlin, 3. April. Zu Beginn der heutigen Sitzung des Bud getan sschusses des Reichstages teilte der ÜCbg. Spahn mit, der Reichskanzler haba erklärt, er werde sich am kommenden Montag im Plenum über die aus- wärtige Lage äußern. Bei der Beratung Voranschlags für das Auswärtige Anrt wünschte der Referent Basser m an n Auskunft über die Lage auf dem Balkan und begrüßte das Zusammenwirken Deutschlands und Englands bei den Balkanwirreu und begrüßte weiter den freundlichen Ton, auf den die jüngsten Reden der englischen Staatsmänner im Untevhause gestimmt mareu. ■^he 5)altung Deutschlands bei den gegenwärtigen Wirren Hobe bewiesen, daß Deutschland eine friedliche Politik verfolge. Staatssekretär b. Iagow machte daraufhin Mitteilungen über Fragen, die mit dem Balkan kriege zu- ^ammenhäwgen. Diese Erklärungen waren vertraulicher
Für die Presse wurde folgender Bericht ausgegeben:
Der Staatssekretär beantwortete in zum Teil' vertraulichen Ausführungen eine Reihe von Fragen, die mit dem BaKankrieg im Zusammenhang stehen. Zunächst machte er Mitteilungen über die Entstehung des B a l k a n b u n d e s , der, ursprünglich als eine Vereinigung sämtlicher Balkanstaaten mit Einschluß der Türkei gedacht, infolge der ablehnenden Haltung der Pforte als Vereinigung der nichttürkischen Balkanstaaten zustande kam und mit der Spitze gegen die Türkei etwa im Juni 1912 endgültig abgeschlossen wurde. Der Staatssekretär ging sodann auf die Frage ein, ob die deutsche und europäische Diplomatie durch den Ausbruch des Krieges überrascht worden sei. Tatsächlich habe in den Hauptstädten der Balkanstaaten noch bis in die letzten Tage vor dem Ausbruch des Krieges überrascht worden sei. Tatsächlich habe in den .Hauptstädten der Balkaustaaten noch bis in die letzten Tage vordem Ausbruch des Krieges die Stimmung geschwankt und der Kriegsbeginn sei gegen die Absicht der anderen Verbündeten durch den srühzeitigenLosbr u ch M o n t e n 'e g r o s erfolgt. Dm Staatssekretär erörterte sodann die verschiedenen diplomatischen
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Redaktion.^^112. Tel.-Adr.:AnzeigerÄießen.
Kirche und Schule.
Der Allgemeine Deutsche Realschulmän- ne r b er eilt u n d d-er Verein für Schulreform hoben in ihren Hauptversammlungen vom 6. Juli und 13. Okt. v. I. einmütig beschlossen, sich zu einem einzigen großen Vereine zu verschmelzen, „der eine gesunde Ent Wicklung unseres gesamten höheren Schulwesens in Vater- ländischem Geiste zu fördern bestrebt ist". Auf dem Boden des Erlasses vom 26. November 1900 stehend, tritt er ein für den Grundsatz der Gleichwertigkeit und Gleichb'erecl> tigung der drei höheren Lehranstalten, ganz- besonders der Realgymnasien und Oberrealschulen.
Neben der äußeren Schulreform aber, deren erfreuliche Fortschritte schon heute unbeslrittcn sind, wird, so heißt es in einem Aufruf der genannten Vereine, die innere Schufiesorm um unausgesetzt zu beschäftigen haben, und gerade hier bietet sich unserem Vereme ein weites und fruchtbares Feld seiner Tätigkeil. „Noch sind zahlreiche Forderungen einer gesunden Pädagogik unerfüllt, noch sind bedeutsame Fragen der Erziehung und des Unterrichts uugelöft. Der lateinlose Unterbau bedarf einer größeren Ausdehnung, wenn er wirklich segensreich wirken soll: noch mangelt ihm auch der organische Zusammenhang mit der Volksschule. Fehlt so dem Unterbau unserer höheren Lehranstalten die nötige Einheitlichkeit und Festigkeit, so bedarf es in unserer Zeit der strengsten Arbeitsteilung auf allen Gebieten des menschlichen Schaffens für den Oberbau einer größeren Beivegungsfreiheit - „multum, non multa“ muß die Rickftschnnr sein, mehr Freiheit der Studien und der Persönlichkeit, wie sie Adolf Matthias mit beredten Worten fordert, wird auf der Oberstufe allein zum Ziele führen, wird unsere Jugend vor zerstreuendem Vielerlei und zu
Das preußische Abgeordnetenhaus
setzte die Beratung am gestrigen Donnerstag beim Titel „Kultur und Unterricht gemeinsam" fort. Abg. Tr. v. Campe sNatl.) regte die Aenderung des kirchlichen Disziplinarverfahrens an. Der Kultusminister v. Trott zu Solz sucht, obwohl er in dem Verfahrm des Oberkirchenrats manches selbst nicht zu billigen schien, die Ausführungen des Vorredners zu entkräften. Ter volks- parteiliche Abg. Tr. R nnze zog wenigstens gleich darauf noch um etliche Nüancen schärfer als Tr. Campe gegen den Oberkirchenrat und sein „mittelalterliches Geheimverfahren" zu Felde. Weiter äußerten fick über den Fall Traub die ?lbg. Heckenroth (Kons.) Viereck (Freik.) und Dr. Liebknecht (Soz.).
Recht lebhaft ging es bei dem nun folgenden Kapitel „Katho- ltscher Kultus" zu. Abg. Tr. b. Campe (Natt.) bittet den Kultusminister um eine Erklärung, daß die preußische Ordensgesetzgebung, ganz gleich, ob im Reich das I e s u i t e n g c s e tz anf- gehoben wird oder nicht, im vollen Umfang aufrecht erhalten wird. Der Kultusminister verhielt sich hieraus recht diplomatisch. Er will erst einmal abwarten, ob das Jesuitengesetz aufgehoben wird; eine Antwort, die den Zentrumsabgeordneteu Glättfelter dazu veranlaßt, die Liberalen zu beschwören, wahrhaft freiheitlich zu fein und im Reichstag für die Zulassung der Jesuiten zu stimmen.
Zur zweiten Beratung des Kultnsetats ist im Abgeordnetenhaus von der nationalliberalen Fraktion das Ersuchen an die Staatsregierung gestellt toorben, tunlichst noch vor der dritten Lesung des Etats, jedenfalls aber bei Beginn der nächsten Legislaturperiode, bent Hause eine Denkschrift vorzulegen, aus der bie Gesamtaufwendungen bcr Kommunen ‘für das Elementarunterrichtswesen und zwar gesondert a) der Kommunen bis zu 7 Schülstellen, b) der Kommunen bis 25 Schulstellen, c) der größeren Kommunen sowie diejenigen Beträge ersichtlich sind, welche der Staat diesen drei Kategorien von Kommunen zur Deckung der Sckwllasten gezahlt hat.
3um besuch des englischen Aönigspaarer.
Die „Times" schreibt zu dem bevorstehenden Besuche des englischen Königspuares in Deutschland: Der König wird den ersten Festlandbesuch seit seiner Thron-' besteigung bei einer glückverheißenden Gelegenheit machen. Das Blatt verweilt ausführlich bei den Familienbezieh-- ungen der fürstlichen Häuser und fährt fort:
Regierende Souveräne können heutzutage keine Reise unternehmen, oder auch nur ihre nächsten Verwandten besuchen, ohne politischen Dilettanten einer gewissen Klasse eine willkommene Gelegenheit zu geben für unbegründete Spekulationen und überflüssige Ratschläge. Der Besuch des Königs und der Königin bei dem deutschen Hofe zur Hochzeit ihrer Verwandten wird schwerlich eine Ausnahme, von dieser Regel bilden. Wir lverden angenehm überrascht sein, wenn diese Nachricht nicht eine ganze Ernte von Gerüchten der üblichen Art zeitigt. Man könnte erwarten, daß man weittragende politische Forderungen jeder,Art aus einer Tatsache nicht ziehen wird, die wirklich der einfachste und n a t ü r l i ch st e Vorgang von der Welt ist. Aber es gehört zu den Nachteilen einer Stellung von hohem Range, daß gewisse Leute stets ungewöhnliche Erklärungen für die einfachsten und gewöhnlichsten Handlungen suchen; ober das ist nicht bie Auffassung von Staatsmännern ober gut unterrichteten Leuten ober auch nur von Leuten mit besonderem 9)tcit= schenverstande. Leute dieser Art werden den Besuch des Königspaares in rechtem Lichte sehen, sie werden in der Hochzeit ein großes Familienfest erblicken, an dem der König und die Königin, mit größer Freude teilnehmen werden, und von dem sie sich a n st a n d s h a l b e r k a u m f e r u h a l t e n könnte n. Tas und nicht mehr werden wir darin erblicken, und wir werden das Geschäft, aus einem reinen Familienereignis Politische Schlüsse zu ziehen, den geistreichen Leuten überlassen, die sich daraus ein Steckenpferd machen.
blatt" näheren Aufschluß:
Lehners, der vor etwa 21,2 Jahren in das Schutzgebiet gekommen war, lebte allein aus einem von ihm gemieteten Grundstück in Vailoa. Er hatte dort einen kleinen Laden, in dem er Waren aller Art hauptsächlich an Eingeborene und Chinesen verkaufte. In seinem Wohnraum, der hinter dem Laden lag, verabfolgte Lehners auch unerlaubterweise alkoholische Getränke. Hier verkehrten zumeist Weiße und Mischlinge, doch dürften auch zuweilen Eingeborene und Chinesen dort Alkohol erhalten haben. Ta Lehners fleißig war und bedürfnislos lebte, machte er nicht unerhebliche Ersparnisse, und es war bekannt, daß er ständig größere Summen Geldes im Hause hatte.
Am Abend des 2. Januar, als Lehners in seinem Laden einen einzelnen Käufer bediente, hat ihm dieser einen sicher geführten, wohlgezielten Stich mit einem scharfen, kräftigen Messer in die Herzgegend versetzt. Der Stich ist, wie die später erfolgte Leichenöffnung ergeben hat, auf der Stelle tödlich gewesen. Vorn überfallend ist Lehners auf einige Kisten gestürzt, hat sich dort eine Weile festgeklammert, und ist dann schließlich an der Kiste herab zu Boden gefallen. Mit dem Körper an die Kisten angeschmiegt, mit dem Gesicht nach unten zugekehrt, ist er am nächsten Morgen ausgefunden worden. Nach vollbrachter Tat hat der Mörder bie Lampe im Laden ausgelöscht, hat sich dann in den Wohnraum begeben und dort bü Holzkiste, in der sich das Geld befand, mittels eines Beiles erbrochen. Nachdem er sich das Geld und ein Paket Nickel- uhren angeeignet hatte, hat er auch im Wohnranm das Licht ausgelöscht, und ist durch bie Seitentür, durch bie er auch wohl hineingekommen ist, ins Freie gelaugt.
Der Verbacht ber Täterschaft lenkte sich in erster Reihe auf Chinesen, besonbers auch beshalb, weil Lehners bereits vor einiger Zeit von Chinesen übersatten war, bie damals freilich unverrichteter Sache flüchten mußten. Dieser Verdacht hat auch insofern eine Bestätigung gefunden, als bei einigen Chinesen Nickeluhren, bie sehr wahrscheinlich mit den gestohlenen identisch sind, vorgefunden wurden. Indes haben sich weitere Anhaltspunkte, die diesen Verdacht verstärken könnten, nicht ergeben. Aus der Art der Ausführung ber Tat und ber zielbewußten Ueberlegung, bie bei allem zu erkennen ist, glaubt ber Bezirksrichter tnbeö den Schluß ziehen zu müssen, daß ein Weißer der Täter ober doch zum mindesten an ber Tat beteiligt sein müsse. Die Verdachtsmoente, die sich im Lause ber Ermittelungen nach dieser Richtung ergeben haben, sind jedoch nicht derart, daß ein Sttafverfahren gegen eine bestimmte Person eingeleitet werden konnte.
Aus Hessen.
Der Gesamtausschuß der Fortschrittlichen Volkspartei
wird seine Landesversammlung am 17. und 18. Mai in Bad- Nauheim abhalten.
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— Lauterbach, 3. April. Der Parteisekretär der Fortschrittlichen Volkspartei Kuhlmann hält gegenwärtig in Gemein- schvst mit Pfarrer Ml öbus - Udenhausen Versammlungen im Kreise ab. Sie besprechen die politische Lage und die Wehrvorlage, wobei die von der Regierung vorgeschlagene Art der Kostendeckung kritisiert wird.
Freitag, April IM
Rotationsdruck und Verlag ber Brühl'schen Universums - Buch- und Sieindruckerei.
R. Lange, Gießen.
wchrvorlagen unö ReichstagöfrMoneri.
Berlin, 3. April.
Die Fraktionen des pteicb3tag£' haben Hencke mit der Beratung der neuen Wehr- und Stenergesetze begonnen. Nach Hern Wunsck)e der Fraktionen soll am Montag und Dienstag der nächsten Woche zunächst die neue Wehrvorlage beraten warben und von Mittwoch bis Freitag! die neuen Stenergesetze. Die Beratung der Wehrvorlage wird mit einer Rede des Reichskanzlers eingeleitet worden, wäh-, rend die Einleitungsrede für die neuen Steuergesetze der Reichsschatzsekretär übernommen hat. Ob die Steuergesetze einem besonderen Ausschuß überwiesen werden sollen, ist noch nickst entschieden, aber doch ziemlich wahrscheinlich.
Die zweite Lesung des Militäretats soll nach Beendigung der Beratung der Steuergesetze in Angriff genommen werden, hierauf folgt die.zweite Beratung der Etats des Reichskanzlers und des Auswärtigen Amtes. Man hofft bis zum 23. April die zweite Lesung des Etats abschließen zu können. Ob im Anschluß hieran die dritte Lesung des Etats vorgenommen werden soll, bleibt späteren Beschlüssen des Seniorenkonvents überlassen. In liberalen Kreisen lvird 'ber Wunsch gehegt, die dritte Etatslesung erst nach den Psingstserien vorzunehmen, da durch die neuen Steuergesetze üiii> durch die neue Heeresvorlage mit den vorgelegten Ergänzungsetats große Teile des Etats eine andere Gestaltung erfahren werden. Tie Regierung legt jedoch Wert darauf, 'daß der Etat bis Pfingsten erledigt wird. Eine Verabschiedung her Heeresvorlage vor Pfingsten und eine gesonderte Beratung der Steuergesetze nach Pfingsten oder gar im Herbst dürfte kaum stattfinden, da das Zentrum und die Rechte dafür sind, arte Vorlagen kurz hintereinander mit «denselben Mehrheiten zu verabschieden. Es dürfte also dahin Ikvinmen, daß die Heeresvorlage bis Pfingsten wohl im Ausschuß zur Verabschiedung gelangt, im Plenum' aber erst nach Pfingsten beraten wird. Bis dahin dürfte auch über |bie Steuergesetze eine Entscheidung im Ausschuß gefallen sein. Man nimmt an, daß der Reichstag nach Pfingsten noch zwei bis drei Wochen tagen wird.
Wie die „Tägliche Rundschau" hört, macht sich in der n a t i o n a l li beraten R e i ch s t a g s f r a k t i o n eine starke Strömung gegen die Einbringung des Antrages auf Einführung der Er ba n s a l l st e u e r geltend. Sollte die Strömung siegen, so werde die.Fortschrittliche Volkspartei oder die Sozialdemokraten den Antrag: stellen.
Phasen bey Krieges, bie Aufgabe ber StatuSguo Formel, die durch bie von allen Mächten angenommene Formel ber Lokalisierung ersetzt würbe, besonders auch die Entwicklung der albanischen Frage, bei der bie deutsche Diplomatie sich Nändig auf feiten unserer Verbündeten gehalten habe, unter Benutzung jeder Gelegenheit zu vermittelndem Eingreifen. Im ganzen Verlauf dieser Frage habe Deutschland treu zu Ceftcrrciri)- Ungarn gestanden und sei auch sofort ans den Wunsch seines Verbündeten bereit gewesen, an der F l o t t e n d e m o n st r a - t i o n an der montenegrinischen Küste teilzunehmen. Wie sich bei weiterer Hartnäckigkeit Montenegros diese Angelegenheit entwickeln werde, darüber lasse sich heute noch nichts sagen. Der Staatssekretär stellte hierbei fest, da ßsämtliche Mächte dahin übereinstimmten, daß S k n t a r i, die größte von Albanesen bewohnte Stadt, zu Albanien geschlagen werden solle, nachdem über die Zuweisung von Ipek, Prizrend und Djakowo an bie Balkanverbündeten eine Einigung erzielt worden sei. lieber den Gang der Verhandlungen, die den bulgarisch-rumänischen Ausgleich betreffen, lassen sich Einzelheiten gegenwärtig nicht mitteilen. Deutschland sei hier bemüht, den rumänischen Wünschen nach Möglichkeit zum Erfolg zu helfen. Ter Staatssekretär ging sodann auf den Zweck der gemeinsamen Note ein, bie vor dem Sturze des Kabinetts K i a m i l an die Pforte gerichtet worben ist. Es handelte si chdarum, nach dem Zusammenbruch der Türkei für diese bas Mögliche zu sickern. Tie Vorgänge in Konstantinopel machten bie Bemühungen ber Mächte fruchtlos. D i e Gesamtheit der finanziellen Fragen werde unter Zuziehung von Fachmännern in Paris erörtert werden. Vorbesprechungen seien seit einiger Zeit im Gange. Tie Grenze Midia-Enos sei jetzt aus Anregung Rußlands zur möglichst schnellen Beendigung der Feindseligkeiten von den Mächten den Kriegführenden vorgeschlagen und von der Türkei bereits angenommen worden. Die Aeußerungen ber Balkanverbünbeten zu den Mebiationsvorschlä- gen ständen noch aus. Die Frage der Inseln, bereu Lösung sich die Mächte verbehalten hätten, böte erhebliche Schwierigkeit. Deutschlands Politik gehe bahin, diese Frage tunlichst in einer Weise zur Lösung zu bringen, daß der a s i a t i s ch e B e s i tz st a n d de r Türkei nicht gefährdet werde. In diesem Punkte gingen die Bemühungen der deutschen Diplomatie darauf, den Statusguo zu erhalten und die Lebensfähigkeit der Türkei zu stützen. Die Dardanellenfrage habe bisher keine Macht angeschnitten. In der weiteren Beratung wurde die diplomatische Vertretung von Reklamationen deutscher Firmen besprochen, ferner bie Greuel, bie von den Balkanstaaten auf türkischem Boden verübt worden sind. Auch finanzielle Fragen, wie die Heranziehung ber Balkanstaaten zur türkischen Staatsschuld gaben Anlaß zu weiteren Erörterungen.
Soweit der offizielle Bericht. Man wird nicht behaupten tonnen, daß man damit etwas Neues erfährt. Es wird aber versichert, daß die Aussprache trotzdem sehr eingehend gewesen ist. Morgen sollen im besonderen die o stasi atis chen Verh ä l tnis s e besprochen werden, und auch hier sollen alle auftauchenden Probleme sehr gründlich angefaßt werden. Dieses Vorgehen seitens des Reichsttages wird jedenfalls in allen den Kreisen volle Bittigung finden, die aus einer engen Fühlung z w i s ch e n 'Regierung und Volk auch in der auswärtigen Politik 9ttitzlicheres für die Zukunft unseres Reiches erhoffen, als aus dem eng abgeschlossenen Diplomatentämmerlein, dem wir bisher nur allzu leichtgläubig vertraut haben.
Der Leuchtölansschuß
beendete heute in unerwartet rasch boranschrertenben Verhanblungen die ganze zweite Lesung des Entwurfs zu einem großen Teil in der Fassung ber Regierungsvorlage. Einer wesentlichen Ver- änberung, würben nur die Bestimmungen über die Entschädigung der Angestellten unterzogen, bei welck-en durchweg für die Angestellten günstigere Bestimmungen angenommen würben und wobei aus- drücttich auch bie Arbeiter mit in ben Genuß biefer Bestimmungen bineingesogen wurden. Tie allgemeine Entschädigung würbe von drei Monaten auf sechs Monate ausgebehnt, ferner ber Gesamtbetrag der Entsckstibigung im Maximum auf bas Siebeneinhalbfache gegenüber dem Fünffachen ber Regierungsvorlage erhöht; desgleichen würben bie ungünstigen Bestimmungen der Vorlage für die zunächst in den Betrieb der VertriebSgesellschaft übernommenen Angestellten beseitigt: bie in ber Vorlage vorgesehenen Entschäbi- gungen aus Billigkeitsgrünben würben dagegen gestrichen. Ausdrücklich mürbe bie Mitwirkung bes Reichstags noch vorgesehen. Tie britte Lesung soll ungefähr nach 14 Tagen beginnen.
Jahresbericht der Grotzh. Hess. Gewerbeinspektionen.
Die nächsten Gruppen von Hausarbeitern bilden 104 Säckenäherinnen, 92 Stuhlsitzflechterinnen, 7(1 Schneider, 67 Sticker- und Garniererinnen, 40 Portefenillearbeiter, 36 Kleider- und Weißzeugnäherinnen, 21 Strickerinnen, 20 Feilst ü ck e k l e b e r , 7 Poliererinnen, 8 Schirmnäheriniien, 3 Bürsten- einzieherinnen und 2 Pfoifendreher.
Zwischenmeister, bie übernommene Arbeit nicht selbst aus- führen, sondern nur als Mittelpersonen bie Ucbertragung von Hausarbeiten an Tritte vornehmen, gibt es im Aufsichtsbezirke nicht.
Zwischenmeister, die übernommene Arbeit selbst ohne fiembes Personal in ihrer Werkstatt auMhren und gleichzeitig an andere Hausarbeiter weitergeben, also Arbeitgeber und Hausarbeiter in einer Person sind, gibt es einige int Portefeuillegewerbe.
Zivischemneifter, sogenannte kleine Produzenten, die für bestimmte Fabriken arbeiten, also von diesen wirtschaftlich abhängig sind, aber ihrerseits fiembes Arbeitspersonal in ihrer Werkstatt befdjäftigen und deshalb nicht unter das Hausarbeitgesetz fallen, gibt es einige in der Zigarren- und Portefeuilleindustrie.
Bet der Besichtigung von Hausarbeitwerkstätten und bei ben Erhebungen muß man sich sehr hüten, aus ben Verhältnissen in einzelnen Betrieben auf bie bes ganzen Gewerbes zu schließen, wozu man leicht verführt werden kann. Die Verhältnisse liegen, wie atterwärts, in jedem Hanse anders, und damit sind auch' die Auskünfte, die man erhält, überaus mannigfach und widersprechend. Was der eine lobt, tadelt der andere. Viele Hausarbeiter stehen auch den Fragender BeanÄen mißtrauisch gegenüber, viele stellen sich dunmi. Während man in dem innen Betrieb lange verweilen . kann und sich eine anregende Nnterbaltung über das Oiemcrbc usw. abspielt, macht die Unzugänglichkeit anderer Hansarbeiter jedes längere Verweilen unmöglich.
Die vorerwähnte Arbeit des Fettstückeklebens auf Pa Pier streifen gab dem Berichterstatter, da er einen baldigen Schutz der Arbeiter und F-amilienmitgfieber gegen die der Gesundheit nachteilige Staub-


