Ausgabe 
29.11.1913 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfahr 24 Seiten.

30 Personen verhaftet!

Aus Straßburg wird derFrankfurter Zeitung" berichtet: _

Wie eben hier 'gemeldet wird, ijt ganz 3 ab er n h e u t e abend in großer Aufregung. Die Stadt macht den Ein­druck, als wäre sie im Belagerungszustand. Man weiß noch nicht genau, was eigentlich vorgekommen ist. Man sah, wie es heißt, am Abend plötzlich ein Dutzend Leutnants mit gezogenem Degen einen Mann verfolgen, der schließlich auch verhaftet wurde, sich aber wicoer befreite und ent­kam. Sofort wurde Die Wache alarmiert, die sich mit aufgepflanz-- tem Seitengewehr an die Verfolgung des Flüchtigen machte. Er wurde eingeholt und auf die Wache geführt. Was er getan, weiß mau augenblicklich noch nicht. Auf dem Schloßplatz hatte sich^in­zwischen eine große Menschenmenge angcsamnielt. Dort erschien Leutnant Schadt mit 50 Mann, an die er, wie gemeldet wird, Patronen verteilen ließ. Er habe dann befohlen, auszuschwärmen und der Menge zugerufen:Wenn Sie den Platz nicht verlassen, lasse ich schießen!" Der Tambour habe hierauf die Trommel zum Angriff geschlagen, worauf die Menge zurückströmte. Ungefähr BO Personen mürben verhaftet, unter ihnen befindet sich der Redakteur desWochenblattes". In diesem Augenblick ging im Landgericht ein großer Prozeß zu Ende und das Public kum strömte aus dem Gebäude. Kurzer Hand wurden zwei L a n- dcsgerichtsräte und der Staatsanwalt verhaf­tet. Es wird versichert, daß von der Wache aus Oberst v. Reuter die ganze Sache leitete. Auch soll im zweiten Stockwerk eines .Hauses ein Mann verhaftet worden sein, der ruhig zu Abend speiste.

Tageskalcrrder aus dem Jahre 1813.

30. November. Rückmarsch der Hessen aus der Gefangen­schaft in Neu-Ruppin.

General Rapp, der Gouverneur von Danzig, kapi­tuliert.

Gieszener Sta-ttheater.

Kammermusik.

Lustspiel von H. Ilgen st ein.

Gießen, 29. Nov.

Aussükwung, die von Herrn Rotteck flott und frisch Frühjahr der norwegische Naturforscher O-rj an L l s en unter­geleitet wurde, rückte den graziösen Humor des Merkes ins'nehmen, um das Tier- und Pflanzenleben am der Meuchen

Vorgesetzten des Leutnants von Zabern bei dessen Bestrafung nicht das rechte Augenmaß gezeigt haben. Die Bemerkung, daß er, Herr v. Falkenhayn, nicht befugt sei, darauf näher einzugehen, kann man nur so austegen. Im übrigen hatte der Kriegsminister recht, wenn er von der maßlosen Auf­bauschung dieser Sache sprach und die Entgleisung eines Zwanzigjährigen nicht so traaisch genommen haben wollte. Weniger einleuchtend ist es, daß der Sprung einiger Sol­daten in die O e f f en 11 i ch kei t die ernsteste Seite dieser Sache darstellen soNe. Gewiß ist es disziplinwidrig gewesen, aber wenn die Entgleisung des Leutnants, der sich so un­gebildet ausgedrückt hat, nachsichtig behandelt wird, so darf man auch nicht so unnachsichtlich streng darüber denken, daß einige einfache, ungebildete Soldaten diese Fehle gegen Ord­nung und Disziplin sich Ijabeu zu schulden kommen lassen. Auch hier lohnt es sich nicht, die große Glocke zu läuten, und die stillen Maßnahmen, die ja in Zabern nach dieser Richtung hin getroffen worden sind, hätten genügt.

In einer kleinen Residenz irgendwo in Deutschland ist die ältliche Herzoginwitwe die Seele des Kunstlebens, doch sie wendet ihre Anteilnahme nicht nur der Kunst, sondern auch den ein­zelnen Künstlern zu, sofern sie nur jung und schön und feurig sind Aus Gründen der Sittlichkeit, die in der Residenz durch Den Verein der Legitimen vor Fehltritten bewahrt werden soll, dürfen in dem herzoglichen Theater nur unverheiratete Künstler auftreten, da es als unschicklich gilt, wenn ein verheirateter Künstler auf der Bühne ein fremdes Wciblein küßt, zumal die Herzoginwittve ebenfalls schwerwiegend^ allerdings intime Gründe gegen verheiratete Sänger hat. Dem Tenor, der sich bei fernem Gastspiel sofort die Huld der Herzogin erworben hat, wäre seine Ehe nun ein Hindernis bei seiner ?lnstellung, aber sein kluges Frauchen übernimmt dem Intendanten gegenüber sofort die Rolle einer Geliebten und gilt später in der ganzen Resrdenz als die Schwester des Künstlers. Nun kommt aber die Herzogin auf den Gedanken, sich den Weg zu turnt Künstler dadurch fr« ru macken, daß sie seineSchwester" zur Hofdame ernennt:, doch das paßt dem Paare nicht, und durch kluge Winkelzüge wein das kleine Frauchen die Herzoginwitwe zunächst zu einer Vertrags- Verlängerung zu bewegen, worauf sie bann reumutig bekennt, bafc sie schon seit fünf Jahren mit dem -tenor verheiratet ;ei. Siß Pärchen umarmt sich und die Herzogtnwtttve tragt thr betrogenes Herz deut Bm'sisten entgegen.

Man muß es Jlqenstem erfreut jugeben, daß er mit glück­licher Hand ein Lustspiel geschrieben hat, das auch tieferer Werte nickt entbehrt. Die Ausfälle gegen die Stttltchkettsfchnuffelet, die einen Triumph darin sielst, daß sie einem steinernen Apoll ein Anstandswickelchcn angezogen bat, die Erörterungen über den unseligen Einfluß, den das Publikum mitunter auf das Privat­em eines Künstlers misöben zu dürfen glaubt sind ihm tteg- ich geraten. Geschmack und Witz haben ihm überall bie tfebet gMhrt so daß ihm ein Werk geraten ist, das weit über Durchschnitt sonst als Lustspiel bezeichneten Unterhaltung^ stücke stebt Daß es ihm dabei nickt immer gelungen ist. Men,An »u geben, sondern Typen, mindert seinen Wert als Theaterstück nicht im geringsten. ...

Au» fkften.

rb Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer hatte am Freitag vormittag zunächst nochmals eine Besprechung mit der Regierung die durch die Herren Staatsminister Dr. v Ewald, Minister des Innern v. H o m ber g k, die Staatsräte Tr. Becker, Best, Süsser t und Oberfinanzrat Balser ver­treten war, über die Frage der Anrechnung derBesoldungs- dienstvorzeit. Diese Besoldungsdienslvvrzeit wurde jetzt ent­schieden geregelt für die akademisch gebildeten Beamten und die mittleren Beamten. Weiter mürbe im allgemeinen bestimmt, daß die Besoldungsdienstzeit nicht Mehr als mit 6 Jahren angerechnet werden soll. Es erfolgte dann noch die Fertigstellung verschiedener Berichte, so der Hauptbericht des Abg. Dr. O s a n n über den Be­soldungstarif, die Berichte über die Zivilliste des Großherzogs und über die Lehrergehalte, die Abg. Dr. Weber erstattete: im Anschluß an den letzteren Bericht ist noch zu erwähnen, daß die Gehalte für die L e h r e r i n n e n gegenüber der Regierungsvorlage um 8000 Mark mehr aufgebessert worden sind. Auch der schon früher erwähnte Bericht über die Beiträge der Gemeinden zu den Kosten der höheren Schulen wurde endgültig erledigt. Der Aus­schuß stimmte endlich noch deut Vorschlag der Regierung zu, den Vorständen der Steuerämter in Mainz, Darmstadt, Offenbach und Gießen eine Funktionszulage von je 300 Mark zu be­willigen. Nachdem auch heute nachmittag vom Ausschußvorsitzen­den und mehreren Re.gierungsvertretern noch eine Anzahl von Unebenheiten beseitigt und redaktionelle Korrekturen vorgenommen worden sind, ist die ganze Vorlage im Finanzausschuß als abgeschlossen zu betrachten. Die schon seit längerer Zeil

Steppe zu untersuchen. Ebenfalls sollen anthropologische und archäologische Studien und Sammlungen vorgeiwmmen werden. Die Expedition wird sich über zwei Sommer ausdehnen.

Pier Pont Morgans Geschenk an Frankreich. Aus Paris wird berichtet: Piervont Morgan, der Sohn des be­rühmten Finanzmannes und Künftmalers, tritt im Austausch internationaler Höflichkeit in die Fußspuren seines verstorbenen Vaters, dessen Senkung von Lutherbriesen an den Kaiser noch erinnerlich sein wird. Am Mittwoch suchte Mr. Mvron T. Her­rsch, der amerkanische Botschafter in Paris, den französischen Mi- uister des Auswärtigen, Pichon, aus, um ihm mitzuteilen, daß Pierpont Morgan die Absicht habe, der französischen Nation ein wertvolles Geschenk zu mackwu. Es handelt sich um eine Anzahl kostbarer Reliquien und .Kunstgegenstände von.historischer Bedeutung, die Pierpont Morgan von seinem Vater ererbte, in erster Linie Gegenstände, die einst im Besitze oder im Gebrauche der Marie -Ä n t o i n e t t e und Napoleons toaren. Pier­pont Morgan beabsichtigt, diese historischen Reliquien als (Schen­kung dem'Pariser Earnaoalet-Museum zu überweisen.

Hamlet in Wsild-West. Eine brollige Kritik übet eine Hamlet-Aufsührung, die vor einiger Zeit von einer Wander-, gesellschast in einem Städtchen des wilden Westens gegeben wurde, druckt eine englische Zeitschrift nach:In dem Stück," bemerkt der strenge Kritiker aus Wild-West,wird zuviel geredet. Der Verfasser ist weit hinter der Zeit zurückgeblieben. In den Hän­den eines tüchtigen Schriftstellers wäre ein Detektiv auf die Spuren von Hamlets Onkel gesetzt worden, und es wäre ihm nicht schwer geworden, den alten Mann in kurzer Zeit zu überführen. Auch die Moral des Stückes ist nickt gut. Die Szene, in der Hamlet sich so unverschämt gegen seine Mutter benimmt, ist für die Heranwachsende Generation ein übles Vorbild, das nick' dadurch gewinnt, daß der schauerliche alte Geist dazu kommt und den jungen Menschen gehörig anbläst. Unser Rar an den Verfasser geht aus etwas mehr Handlung und mehr Gesühl. Auch den Spezialitäten könnte mehr Gelegenheit gegeben werden, sich hervorzutun, in dieser Hinsicht hat der Verfasser die besten Gelegenheiten versäumt." Man scheint in Wild-Weit den Hamlet durch die Einfügung von Spezialitäten-Numinern etwas Ichniack- haster zu machen ... m -

Kurze Nachrichten aus Kunst und W i . li­sch a f t. In G u t a ch starb im 63. Lebensjahre der bekannt? Schwarzwaldmaler Prof. Wilhelm H a s e m a n w

Inzwischen sind in Zabern neue, folgenschwere Ereig­nisse eingetreten, die zu beweisen scheinen, daß ein Teil der elsaß-lothringischen Bevölkerung in der Aufbauschung des bedauerlichen Vorfalles sich tatsächlich nicht genug tun kann. Es wäre sonst wohl kaum möglich, daß der dortige Oberst des 99. Infanterieregiments v. Reuter das Städtchen Zabern in eine Art von Belagerungszustand verseht hat. Offiziere des Regiments waren nach einer Abtschiedsfeier auf dem Rückwege vom Bahnhofe, als sie von jugendlichen Personen verfolgt und mit Zurufen behelligt wurden. Auch der un­glückselige Leutnant v. Forstncr war natürlich wieder dabei. Ob der Auftritt es wert war, daß Mannschaften herbeigeholt und gegen die jugendlichen Radaumacher ins Feld geschickt wurden, das wird die nähere Untersuchung feststellen müssen. Aus einer Wirtschaft traten Erwachsene hervor, die an dem Treiben ihren Spaß gehabt zu haben scheinen, und einer davon wie behauptet wird, ein gänzlich Unschuldigeri wurde für sein Lachen festgenommen und zur Wache gebracht. Weit schlimmer und bedenklicher klingen die Meldungen, die von derFrankfurter Zeitung" heute verbreitet werden und die wir an anderer Stelle wiedergeben. Beweise von mili­tärischer Entschlossenheit sind immer erfreulich, solange nicht die ruhige Ueberlegung mit ihnen durchgeht. Der Oberst v. Reuter scheint gehandelt zu haben, wie unser Militär in dein gefahrvollen Neukamerun gegen widerspenstige und mörderische Eingeborenen-Ncster vorzugehen pflegt. Mögen in der Zaverner Bevölkerung Ungehörigleiten gegenüber dem Offizierkorps vorgerommen sein, die Klugheit gebot dennoch, alles zu vermeiden, was den Hetzern neuen Stoff zu politi­schen Wühlereien geben konnte. Man konnte die Schuldigen in aller Ruhe ermitteln und anzeigen. Aber kurzerhand be­liebige Personen zu verhaften, sogar an Landgerichtsräten und einem Staatsanwalt sich zu vergreifen, das geht doch auf alle Fülle zu weit. Vorausgesetzt, daß die Nachricht der Franks. Ztg." richtig ist, wird der Oberst v. Reuter nicht nur auf seinem jetzigen Posten unhaltbar sein, sondern auch einer gerichtlichen Anklage entgegenzusehen haben. Wir wollen nicht hoffen, daß an dem verschleppenden Tempo langer lokaler Untersuchungen auch jetzt noch festgehalten wird. Herr v. Falkenhayn kann nicht mehr sagen, daß er bei den Vor­gängen nicht zuständig sei; am besten setzt er sich in den nächsten V-Zug und begibt sich selbst an Ort und Stelle/ um im Reichstag Rede und Antwort stehen zu können.

Neue Zwischenfälle in Zabern.

Straßburg, 28. Nov. Aus Zabern wird von gut unterrichteter Seite folgendes Vorkommnis vom Mittwoch berichtet: Als dort einige Offiziere, unter ihnen auch Frei­herr v. F o r st n e r abends gegen 8 Uhr vom Bahnhof heim­richtige Licht und erzielte einen sehr starken Erfolg. Herr Rot - teck als Tenor spielte mit erfreulicher Wärme und brachte dank seiner liebenswürdigen Keckheit einen prächtigen Kerl heraus. Als quecksilberiges Weibchen voll schelmischer Anmut und Frische stand ihm Frl. Lindeck wacker zur Seite. Einen köstlichen Inten­danten voll feiner Ironie schuf Herr Goll mit vornehmer Charakterisierungskunst. Ter liebevollen Herzoginwitwe gab Frau Frenzei Fülle und Gewicht. Auch die übrigen Mitwirkenden hatten ihre Verdienste. N.

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Die Darm st ädterMadonn «und der Bericht­erstatter. Aus Dresden, 28. Nov., wird berichtet: In der heutigen Sitzung der Zweiten Kammer gab der Kultusminister Dr. Beck vor Eintritt in die Tagesordnung folgende Erklärung ab: In der Sitzung vom 20. d. M. gab ich auf die Anfrage des Abg. Hofmann die Auskunft, daß auf Grund der Feststellungen und nach fast einstimmender Meinung der Kunstgelehrten die Holbeinsche Madonna in der Gemäldegalerie eine etwa 100 Jahre nach der Entstehung des Originalgemäldes hergestellte Kopie sei, daß das Original sich in Darmstadt befinde und daß die Holbeinsche Madonna ein ausgezeichnetes Werk sei, was schon daraus hervorgehe, daß man sie lange Zeit für echt hielt. Gestern abend ist mir nun ein Ausschnitt aus derStaatsbürger- Zeitung" vorgelegt worden, in der fettgedruckt zu lesen ist, daß die sixttnische Madonna unecht sei. In der Notiz wird gesagt, daß in den Landtagsverhandlungen vom sächsischen Kultusmmifter erklärt worden sei, die s i x t i n i s ch e Madonna sei eine Fäl­schung, das Dresdener Bild sei eine Kopie, die um etwa 100 Jahre jünger sei als das Original. Die Kammer wird mit mir das größte Befremden und das tiefste Bedauern empfinden über diesen den Wert und die Anziehungskraft der Dresdener Gemäldegalerie emp­findlich treffende Meldung und mit mir protestieren gegen eine solche Berichterstattung, die in unverantwottlicher Weise den Ruhm eines der größten Kunstwerke aller Zeiten zu zerstören geeignet ist. Man muß erwarten, daß diese tief bedauerliche Entstellung eines Berichterstatters mit der größten Beschleunigung zur Ehre der Dresdener Galerie widerrufen werde. >L<ckhafter Beifall auf allen Seiten des Hauses.) Darauf trat das Haus in die Tagesord­nung ein.

Eine Expedition nach Sibirien in die Gegen­den um Altai und Jenissei wird nach derUmschau" nächstes

Apolitische Wochenschau

Gießen, 29. November.

Als am Dienstag die Tore des Reichstags wieder ge­öffnet wurden, standen einige mit geballten Fäusten da, die den Regierenden gleich zu Beginn gern ein bißchen den Marsch geblasen Ifätten. Allein, man mußte sich schließlich damit zufrieden geben, daß alle die Herren vom Parla- uvent und von der Regierung, die berufen sind, für die nächsten Wochen und Monate in gemeinsamer Arbeit des Reiches Bedürfnisse zu ordnen, zunächst in Frieden sich eine Weile betrachten konnten, ehe die Zähne gefletscht wur­den und man Verantwortung heischte. Nachdem am Be­grüßungstag einige Mittclstandswünsche entgegengenommen worden waren, erschien am zweiten Tage eine handelnde Person auf der Bühne, der es beschieden ist, für die nächsten Tage eine Hauptrolle zu spielen: Der neue Kriegsminister von Falkenhayn. Er hatte, als er einige schöne kurze Worte über seins lProgramm sagte und bpi der Begründung des neuen Gesetzes gegen die Spionage einige moderne und be­sonders für die Presse wohlklingende Auffassungen bekannte, einen aufmunternden Erfolg. Er macht, so hieß es, eine gute Figur, besitzt ein angenehmes Organ und entbehrt eines allzu schneidigen Kommandotones, das den tüchtigen Feld- Herrn ja auch allein nicht ausmacht. ZurBegründung" des neuen Gesetzes hat er freilich, wie alle die anderen Red­ner, wenig zu sagen gewußt, und hoffentlich findet man im Ausschuß noch eine Einigung darüber, was ein militärisches Geheimnis ist und was nicht. Man kann die Spionage strenger bestrafen als bisher, darf aber dabei die Presse nicht schlechter behandeln als sie es verdient. Auf den G e i st kommt es an; in dem die Heeresverwaltung ihre Pflichten zu tun gedenkt, und in dieser Beziehung haben die kurzen Progranrmworte des iKriegsministers allerdings beruhigt und manche Befürchtungen zerstreitt. Wenn man den Zei­tungen entgegenlommt und in hinreichender Weise Aus­kunftsstellen betraut, so wird bei der gebotenen Gelegenheit zu allerlei Anfragen die Gefahr journalistischer Mißgriffe ganz gewiß verringert. .

Nun hat, nachdem vom Reichstag inzwischen mehrere juristische Vorlagen in Angriff genommen worden sind, gestern der Kriegsminister eine neue, schwierige Probe seines Könnens abzulegen gehabt. Die Kampfesstimmung von Zabern kam zum Losbruch, und es sollte sich zeigen, wie Herr v. Falkenhayn eigen Sturm zu beschwören vermag. Wenn am Anfang der nächsten Woche der Reichs­kanzler in höchsteigener Person die sozialdemokratische Interpellation" beantworten wird (gestern handelte es sich nur um eineKleine Anfrage"), so wird es bei der Besprechung wohl äußerst lebhaft herge^n. Wir haben unsere Meinung über den fatalen Vorgang mehrfach auseinandergesetzt und es bedauert, daß die amtliche Unter­suchung nicht etwas rascher gearbeitet und nicht entschiedener in die öffentlichen Erörterungen eingegriffen hat. Man konnte den Leutnant v.Forstuer in eine andere Garnison versetzen; das wäre keine harte Strafe gewesen, und eine Mißbilligung hat sein taktloses und anmaßliches Gerede doch nun einmal verdtent. Dann hätte sich dieNordd. Allg. Zeitung" auch die Entsendung eines lauwarmen Wasser­strahles auf die erregte elsaß-lothringische Bevölkerung wohl

Nr. 281 Lrttes Blatt 165. Zchrganq Samstag, 29. November 1913

N Eichener Anzeiger

lür d.e Redaktion N2, ___ e polit. ieü: Aug. Goetz;

MM General-Anzeiger für Gberhchen

bi wmüS'suö" Rotationsörad und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei H. lange. NedaMon, Lrpedilion und Druckerei: Schulstratze 7. fr. B-u.

gestatten können. Aus der gestrigen Rede des Kriegsministers kehrten, wurde v. Forstuer von Passanten (jungen ^cutcn. kann man das stillschweigende Bedauern herauslesen, daß die! die alsbald verschwanden) erkannt und mit beleidigen- ' ~ " " " '' " " " ' den Zurufen bedacht. Daraufhin requirierte ein

andererOffizier von der Wache vierMann, die dann vor dem RestaurantZum Karpfen" zwei belie- b i g e Leute, die aber an der vorausgegangenen Beleidt- gungsaffaire in keiner Weise beteiligt waren, fest- n a h me n u n d zn r P o liz e i br ach t e n, wo sie nach Fest, itcflung ihrer Persönlichkeit alsbald entlassen wurden. (Sine zivilrechtliche Untersuchung ist im Gange. Einer vor dem Karpfen" entstehenden Ansammlung wurde durch das Ein­schreiten des alsbald erschienenen Kreisdirektors vorgebeugt, auf dessen beschwichtigende Worte die Leute auseinandergin- gen. In Zabern hat dieses neue Vorkommnis, wie von dort berichtet wird, bei weitem nicht die Erregung hervorgeru­fen, von der auswärtige Blätter zu berichten wissen.

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