MetesrsIogischeSeobachtungender Station Gietzen.
Wetter
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April
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Kassel, 27. AMI. Tie Auffindung der Reste des BallonZ ,Llse" erfolgte durch den Holzhauer Heldmann, der heute morgen int Kaufungerwald nach Hirschgeweihen suchte und dabei in den Walddistrikt Günterberg kam, der in der Nähe von Witzenhamen liegt. Tort sah er in den Buchen ein Tau, er streifte die Umgebung ab und fand in dein Buchenbe.stand eine bis zur llli- kenntlichkeit verbrannte Masse und verständigte die Polizetz.Die sogleich an Ort und Stelle geeilte Kommission des kuiheffttchen Vereins für Luftschiffahrt stellte fest, das; es der Ballon „Ilse" war. Ter Ballon war bis «ur Höhe van 3700 Meter geflogen, dann bis aus 700 Meter gefallen, und dann in dieser Höhe anscheinend von einem Blitzstrahl getroffen worden,, so daß der brennende Ballon in die Tiefe stürzte. Aus den vorgefundenen Resten geht hervor, daß der Führer int Ballon verbrannt ist. Nach dem am letzten Sonntag in Kassel erfolgten Aufstieg , ist der Ballon vermutlich nur IV2 Stunden in der Luft gewesen, denn bereits um 9.30 Uhr wurde in Kleinalmerode, dem der Fundstelle zunächst gelegenen Ort, ein Gewitter, wahrgenommen, das dem Verunglückten verderblich geworden sein diirste.
Zur Mazdaznanbcwegung.
Rechtsanwalt Rauth in Leipzig schreibt uns:
Ihre Nummer vom 14. April 1913 brachte einen Artikel des Rechtsanwalts Dr. Bracke in Braunschweig, betitelt „Der Begründer der Mazdaznanbewegung". Ta er sich nicht nur gegen die Person des Begründers Herrn Dr. Hanisch, sondern auch gegen die Mazdaznanbewegung als solche richtet, so bitte ich Sie int Auftrage und int Namen des die Mazdaznan- bewegitng gegenwärtig in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz förderndeit Mazdaznanbundes i Eingetragener Verein) und dessen Ehrenvorsitzenden Herrn David Ämmann in Leipzig um die Aufnahme der folgenden Zeilen:
Es ist nicht wach', das' der Mazdaznanbund im Abnehmen begriffen ist. Das Gegenteil ist der Fall. Er itintmt beständig zn; das Interesse dafür ist trotz aller Anfeindungen so sehr im Wachsen begriffet', daß beständig nette Mazdaznan-Gesellschaflen selbst gegen die Absichten des Bundes entitehen.
Es ist nicht wahr, daß Mazdaznan gegen die christliche Leche ist. Das Gegenteil ist der Fall. Es dürfte keine energischeren Verfechter des Urchristentums geben, als die Mazdaznaniünger.
Was das erwähnte Mazdaznanwerk „Inner Studios", aus Deutsch unter dem Titel „Wiedergeburt" übersetzt, so ist so viel wahr an der Behauptung, daß es den zahlreichen Gegnern der Mazdaznanbewegung gelungen ist, eine Klage wegen „unsittlichen" Inhaltes durchzusetzen, nachdem es schott 10 Jache int Umlaut gewesen unb von der Zensur in Washington genehmigt jnar. Das Buch selbst erstrebt die denkbar reinste und höchste Sittlichkeit. Das Vorgehen der .Gegner hat nur den Zweck, die Sittlücitr- keit der Anhänger zu verdächtigen. Tie Klage ist noch anhängig, aber nie kann es so weit kommen, ein solches Buch für unsittlich zu erklären.
Heer tinfc Flotte.
Maschinengewehre für Rad f ah r abkeilungen in Frankreich.
Dem „Echo de Paris" Kufolgo ist der Kriegsmrn«ster mit dem Plan beschäftigt, eine Anzahl von Radfahrer-Abteilungen mit Maschinengewehren auszuftatten, da die seit
längerer Zeit unternommenen Versus ein günstiges Ergebnis geliefert haben.
4- 33,9 "0.
- 4- 7,4" ü.
Univerfitäts-Nachrrchten.
— Aus Rostock wird uns geschrieben: Der bisherige Professor an der Tierärztlichen .Hochschule in Stuttgart Dr. med. vet. Richard Reinhardt ist zum ordentlichen Honorarprofessor mit dem Lehrauftrag für Tierseuchen, Fleischbeschau und IMlchkunde in der medizinischen Fakultät der Urtiversität Rostock ernannt worden.
— Der Straßburger Zivilprozeßlehrer Pros. Dr. jur. August Siegmuud S ch tt l t; e feiert nut 28. April seinen 80. Geburtstag. Prof. Schultze ist nm 28. April 1833 in Greüswald geboren, wo feüt Unter als Professor der Anatomie und Ptu)stologie an der Universität mirftc. 1912 wurde Prof. Schultze emeritiert.
— Nachdem Professor Dr. med. Ernst Schtvalb c in 9t 0 ft 0 d sich nicht hat enschließen körnten, dein Rttse und) Königsberg i. Pr. Folge zu leisten, tst, wie wir hören, der a. 0. Professor an der B e r I i n c r Universität Dr. med. Karl Kaiserling auf den Lehrstuhl der allgemeinen Pathologie und pathologischen Anatontie an der Universität Königsberg als Nachfolger von Prof. Henke berufen worden.
(uftschiftahrl.
Der Ball ott „Ilse" verbrannt:
Witzcnhausen 27. APftl. Im Forst bei Alme rode wurde heute tiomtittag 8 Uhr der seit vergangenem Sonntag vermißte Ballon „Ilse" völlig verbrannt aufgeftntdcn. Tie Leiche des Führers, .Kaufmann Wchland ans Kassel, lag daneben. Einzelheiten fehlen.
Märkte.
Gladenbach, 27. April. Unser Fr t"t hj a h rs rn nrkl tvar mit 050 Ferkeln und Säufern befnbren. Boi stottern Geschäft mürben für Jungtiere 55—65 Mk. und für Einlegeschweine sogar 100—120 Mk. das Paar gezahlt. — Auf dem S ch >v e i tt e in 0 r t ♦ in Biedenkopf waren 415 Tiere zugefahren, die ebeufasts zu hohen Preisen verkauft wurden.
preußischer Abgeordnetenhaus.
Berlin, 26. April,
Heute wurden zunächst die Entwürfe eines Ruhrreinhaltungs- gesetzcs und eines Ruhrtalsperrgesetzes in dritter Lesung en bloc verabschiedet, und bann kam noch einmal der Abgeordneten- hauSgarten aufs Tapet. Der Eintrag Str osser >Kons.) geht daltzn, die Regierung zu ersuchen, geeignete Schritte zu tun, um das an die Westseite des Grundstücks des Abgeordneten- bauses in der Prinz-Albrechlstraße grenzende unbebaute Grundstück der Heeresverwaltung für die Zwecke des Abgeordnetenhauses zu erwerben. Ferner steht mit zur Debatte der Antrag des Budgetausschusses, die Regierung möge dafür sorgen, daß die in dem Baublock zwischen der Leipziger Straße, Wilhelmsttaße. Prinz-Albrechtsttaße, Königgrätzer Straße und dem Leipziger Platz liegenden Grundstücke nicht in Privathände übergehen, sondern für Reichs- und Staatszwecke erhalten bleiben.
Sämtliche Parteien erklären sich für den Antrag Strosser, der einstimmig angenommen wird.
Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfs betreffend SIbänberung bes Gesetzes über bie E i s e n ba h n u n t e r n e h - m it n g c n vom 3. November 1838. Gegen den Wunsch des Eisenbahnministers v. Breitenbach, der bittet, von einer Beratung des Gesetzentwurfs jetzt abzusehen, da die Regierung in der nächsten Session einen neuen Entwurf vorlegen und diesen zunächst dem Herrenhaus unterbreiten wolle, wird in bie Einzelberatung eingetreten. Das Haus tritt den Ausschußbeschlüssen bet.
Längeren Aufenthalt gab es fobann ■ bei den Anträgen zum K 0 m rn it n a l a b g a b e n g e s e tz. Den ursprünglich eingebrachten Antrag Graf Spee (Zentr.) fordern die Abgg. Graf Spee (Zentra, v. Arnim-Züsedom iKons.), Dr. Porsch (Zentr.) itnb Viereck (Frei- kons.), in neuer Fassung anzunehmen, nach der 1. bei der Veranlagung zur Grundwertsteuer der Wert der dauernd landwirtschaftlich genützten Grundstücke nach einem Mehrfachen desjenigen Ertrags bemessen werden, soll, den die Grundstücke als solche bet gemeinüblicher Bewirtschaftung im Durchschnitt nachhaltig gewähren formen; 2. den berechtigten Beschwerden des städtischen Haus- und Grundbefitzes Rechnung getragen und 3. eine entsprechende Wanderung des Kreis- und Provinzialabgabengesetzes in Aussicht genommen werden soll. Punkt 1 dieses Antrages hat der Budgetausschuß übernommen. Endlich wollen die Anträge der Abgg. Dr. Friedberg (Nack.) und Aronsohn <Bp.), int wesentlichen übereinstimmend, Beseitigung der Härten bet Einschätzung nach gemeinem Wert.
Nach mehrstündiger Aussprache wurden alle Anträge mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien angenommen.
Nach Annakmw des Antrags Borchardt (Soz.) zur Reform des Irrenwesens und Erledigung einiger Bittschriften vertagte sich bas Haus.
GerichLssaaL-
Zum Untergang des „S 178".
Kiel',- 26. April. Das Kriegsgericht der Aufklärungs-- schiffe sprach den Kapitänleutnant Loewe von dem großen Kreuzer „Bork" von der Anklage, am Albend des 4. März durch Fahrlässigkeit den Zusammenstoß mit dein Torpedoboot „8 178" herbeigeführt zu haben, frei, da ihn kein Verschulden treffe.
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Halber stabt, 26. April. Die Strafkammer verurteilte beit früheren Bankvorsteher der Filiale der Mitteldeutschen Bank in Oschersleben, den 38jährigen Hugo Engelmann aus Badersleben, der in den Jahren 1909 bis 1912 der Bank 100 000 Mark unterschlug, zu einundeinhalb Jahren Gefängnis unter Zubilligung mildernder Umstände. '
Sport.
*• Preisgekrönte Hundezucht« r. Emil Becker (Boxer 1. Preis), W. von Scheid (Bernhardiner 2. Preis), Fritz Flimm (Boxer l.^Preis), Frau Dr. 21. S1B c im er (Wollpudel 1. und Ehrenpreis, Schiuirenpudel 1. Preis), Tanzlehrer Schmidt (Affenpinschet 1. und Ehrenpreis), H. Becker (Boxer 2. Preis).
26. bis 27.
26. „ 27.
prerchlsches Herrenhaus.
1 Berlin 26.21 pril.
Präsident von Wedel sprach bei Beginit der Sitzung dem Generalfeldmarschall Grafen Haefeler, der heute sein sechzig- jähriges Militärjubiläum feierte, die herzlichsten Glückwünsche des Herrenhauses aus. Graf Haeseler dankte in bewegten Worten. Tann trat das Haus in die iVoranschlagsberätung ein.
Es liegt ein Antrag des Grafen Rantzau und 17 anderer Mitglieder vor, in toetdjem die Regierung ersucht wird, ernstlich zu erwägen, wie die Jugend langer als bisher einer heilsamen Zucht und, Aufsicht unterworfen werden kann. Es wird empfohlen, die Schulpflicht bis -um 16. Jahre auszudehnen.
Der Hauptberichterstatter Graf Keyserling führte aus: Wir können von unserem Etatsrecht nur einen sehr beschränkten Gebrauch machen. In bem anderen Hause sind zu viel Wahlreden gehalten worden. Eine frühere Vorlegung des Etats ist ja kaum möglich, wir müffsen an Has andere Haus appellieren und auch die Regierung bitten, dahin zu.wirken, daß uns etwas mehr Zeit bleibt Finanzminister Dr. Lentze bedauert gleichfalls, daß der Voranschlag so spät an das Haus kommt. Wir können ihn aber, so fügte er hinzu, nicht früher einbringen, weil wir große Betriebsverwaltungen haben, bereit Ergebnisse bis zum November berücksichtigt werden sollen. Der Minister begründet dann ausführlich, warum die Regierung auf die Steuerzuschläge nicht verzichten kann. Wir haben in den nächsten Jahren, so sagte er, mit einer Steigerung der Verwaltungsausgaben von I8V2 Millionen zu rechnen. Tie Besoldungen, Pensionen usw. steigen: durch das Stempelgesetz dessen Ertrag jetzt das Reich beansprucht, gehen uns 14 Millionen verloren. Auch bie Entlastung der Kommunen wird uns Kosten machen. Ter Bericht auf die Steuerzuschläge würbe uns 73 Millionen kosten.
Graf M i r b a ch-Sorquitten hält eine Quotisierung der Steuern für möglich: England, das doch auch sozusagen ein Kulturstaat sei, habe die Quotisierung schon lange.
Die weitere Aussprache drehte sich vornehmlich um1 bie Wehrvorlage. General von Beseler sagt: Die neue Wehrvorlage ist eine Notwendigkeit bet der jetzigen politischen Lage, auf Bündnisse dürfen wir Deutsckw uns nicht verlassen, wogegen Graf Mirbach bemerkt: Die allgemeine Wehrpflicht hat auch ihre Grenzen, wir müssen auch die Landwirtschaft berücksichtigen.
Bankdirektor Won Gwi.nner führt aus: Tie Wehrvorlage hat ein erhebendes Schauspiel ergeben. Ohne Mürren hat das deutsche Volk sich bereit erklärt, die schwere Last zu tragen. Zum Glück sind wir auch in der Lage, eine Milliarde aufzubringen. Natürlich wird man sehr vorsichtig vorgehen müssen, um nicht unsere Volkswirtschaft zu gefährden. Es ist ein schwerer Fehler der konservativen Partei, daß sie in diesem Falle der Regierung die Erbschaftssteuer auf Deszendenten nicht freiwillig entgegenbringt. 1
Prof. Dr. Adolph Wagner erklärt u. a.: Die Ausgaben für unsere Wehrmacht sind die richtigsten und produktivsten. Das Milliardenopfer kann und muß gebracht werden. 1 Lieber wollen wir den Luxus etwas cinfcbränfcn. Eine allgemeine Vermögenssteuer muß schließlich doch einmal kommen. Die beste Form der direkten Steuer ist zweifellos die Erbschaftssteuer, die als Witwen- und Waisettsteuer zu bezeichnen eine v e r we r f 1 i ch e P hr a s e ist. Jede Steuer trifft ja auch Witwen und Waisen. In der Opftrwilligkeit für unser Heer muß das Herrenhaus das Beispiel geben.
Graf von Dorck--Wartenburg verwahrt die Konservativen dagegen, daß sie sich aus egoistischen Gründen gegen die Erbschaftssteuer strauben.
Im weiteren Verlauf der Aussprache stellte Graf Mirbach- Sorguitten in einer kurzen Bemerkung die Ausftihrungen Wagners als Mache im Sinne Bebels hin, während er, Redner, doch mehr zu den Jungem Bismarcks zähle. — Darauf bemerkt Ober- Präsident Staatsminister Frhr. von Rheinbaben: Haben wir denn eine Debatte über die Erbschaftssteuer? Wollen wir den alten Streit wieder aufwärmen? Ich will nur aussühren, daß auf die hochpatriotische, uns allen tzu Herzen gehende Rede Wolf Wagners Graf Mirbach doch wohl eine ganz andere Antwort hätte geben können, als den Vergleich unseres hochverehrteir Professors Wagner mit Bebel. (Beifall.)
Professor Adolph Wagner: Zwischen Bebel und Bismarck gibt es unzählige Stufen, und auf ihnen stehen alle möglichen Leute. Bismarck kann keinen größeren Verehrer haben als mich. Ich betrachte xs als Glück, durch eine Bichnarcksche Annexion Preuße geworden zu fein. Bismarck hatte mehr zu tun als die Steuerreform, sr hatte das deutsche Volk zu installieren. (Beifall.)
Montag: Fortsetzung der, Beratung. >
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— Eine bedeutsame graphische Sammlung,, bie Galerie des jungst verstorbenen Notars Tr. W e b e r, eines Neffen des berühmten Kunstsammlers Weber, dessen wertvolle Gemäldegalerie unlängst versteigert worden ist, wird demnächst in Berlin öffentlich zum Kauf ausgeboten werden. Man bedauert in Hamburg, wie uns 0011 dort geschrieben wird, daß es nicht gelungen ist, diese ausgezeichnete graphische Sammlung, in der fast fein großer Radierer der Vergangenheit und der Gegenwart fehlt, der Stadt Hamburg zu erhalten. Die Galerie enthält die erlesensten Drucke, zum Teil Arbeiten, die nur in wenig Abzügen existieren, 11 niea, bie in feiner anderen Sammlung Vorkommen und wahrscheinlich nie ivieder aus dem Kunst- marft erscheinen werden. Man findet Blätter von Menzel, Kalck- rcutl), Liebermann, Zorn, Karl Staufer, Max Klinger, Lovis Corinth, Hans Olde und Arbeiten aus der Radiernadel aus-- ländischer Meister, wie Whistler, Corot, Manet, Rops und Strang — Zu gleicher Zeit verliert Hamburg durch Versteigerung der völkerkundlichen und kunstgewerblichen Sammlungen des verstorbenen Worloe bedeutende Schätze. Nur die kostbare und in aller Welt bekannte Mineraliensammlung ist in den Besitz des Hamburger Staates übergegangen, während die reichen Sammlungen von javanischem und chinesischem sowie heimatlichem Kunst- getoerbc und die einzig dastehenden völkerkundlichen^ Sammlrmgen in die Hände einzelner Liebhaber und zahlreicher städtischer Museen übergingen.
* Sher Präsident der Berliner Ha.n d eis - kammer, Geheimer Kommerzienrat Wilhelm Herz, hat anläßlich seines 90. Geburtstages folgendes Telegramm be5 Kaisers erhalten: Empsangen Sie zur heutigen Voll- ettdung Ihres 90. Lebensjahres meinen herzlichsten Glück- ivimsch. Einged-enk Ihrer außerordentlichen Verdienste um den firr die gedeihliche Entwicklung des Vaterlandes so bedeutungsvollen Handelsstand und Ihres hervorragenden Wirtens für die Interessen des Reiches und des Staates ist es mir eine besondere Freude gewesen. Ihnen als erneutes Zeichen meiner Anerkennung uni) Dankbarkeit am heutigen Tage den Charakter als Wirklicher Geheimer Rat mit denr Prädikat ExMenz zu verleihen. Gott der .Herr schenke Euerer Exzellenz noch einen glücklichen Lebensabend. Wilhelm I. R. — Bei Entgegennahme der zahlreichen Ehrungen erlitt Exzjellenz Herz einen vorübergehenden Ohn-> machtsanfall. Sein Beftnden gibt zu ernsten Bedenken keinen Anlaß. Das Festinahl der Handelskammer ist bis auf weiteres verschoben worden.
* Zwei Anekdoten a 115 dem Jahre 1813. Lluch in Frankreich gedenkt man dieser Tage öfter der Zeit vor 100 Jahren, wenn auch nicht mit ganz so festlichen Gesichlen, wie in Deutschland. Eine Pariser Zeitung hat vor kurzem zwei so gut wie unbekannte Anekdoten ans jener Zeit veröffentlicht, die auch bei uns aus diesem Grunde Interesse finden^werden. Die erste wird folgendermaßen erzählt: Als eines Tages Napoleon I. Revue über seine Truppen hielt, kam er an einem alten Offizier vorbei, der, weil ihm äußere glänzende Eigenschaften fehlten ober auch, weil ihm die Sonne der Protektion nie geschienen, es nur Lmn Hauptmann gebracht hatte, obwohl ihn der Kaiser als einen tüchtigen Soldaten kannte. Mit auffallend langsamen Schritten ging Napoleon die Front entlang. Ms er bis zu dem Alten vorgeschritten war, sagte dieser laut, aber ohne auch nur mit einer Wimper zu zucken: „Fünfzehn Feldzüge! Zehn Wunden! Haiipttnann!" Darauf der Kaiser ohne auch nur den Kopf zu wenden und seine Schritte zu verlangsamen: „Oberst! BrigaAe- geticraf! Bavon!" — Die andere kleine Geschickte: Eine österreichische Prinzessin fragte den Herzog von Wellington: Woher Eommt es doch nur, daß wir Wiener viel besser Französisch sprechen als Ihr Engländer? „Ja, Kaiserliche Hoheft, die Sacke liegt doch klar zu Tage. Hätte Napoleon London, zweimal mit seinen Armeen besucht, wie er es mit Wien getan, so hätten wir sicherlich auch besser Französisch gelernt."
* Wer zuerst komm t. Richter: „Warum haben Sie denn dem Kläger die Ohrfeige gegeben?" — Angeklagter: „Aus Zuvorkommenheit." — Richter: „Wieso?" — Angeklagter: „Weil er mir sonst eine gegeben hatte."
(Ein Augenzeuge der Schlacht bei Waterloo.
Prinz August von Thum und Taxis, der unter General Wiede als bayerischer G en er alstadspffizier mit Napoleon nach Rußland zog und dami 1814—1815 gegen die Franzosen zieht, hat ein Tagebuch geschrieben, das in seiner leidenschaftslosen objektiven Haltung eine roertoolle Urkunde zur Geschichte icner Tage ist. Die Erinnerimgen, die bisher mweröfseMlicht blieben, gibt jetzt Tr. !Friedrich 'Sckxulze im Insel-Verlag heraus. . Die größte Waftemat, die er mitmachte, war wohl die Schlacht bei Waterloo. Dos unglückliche Gefecht bei Ligny nennt er eins der mörderischsten Jnfanteriegefechte, das fast fünf Stunden mit gleicher Wut foribauerte. Ungefähr um 81,, Uhr, so erzählt der Prinz, machte ein ziemlich starker Regen, daß das Feuer^auf der ganzen Linie schwächer mürbe, so entstand eine Art Hoftrmng, daß der Feind nichts mehr unternehmen würde. Allein Napoleon hatte gerade für den Abend den Hauptangriff verspart. Das preußische Fußvolk zog sich, nackchem es Lignv geräumt hatte, in geschlossener Ordnung auf die Höhen zurück. In diesem' Moment sm engte Feldmarschall Blück'er hinzu, stellte sich an die Spitze des zunächst stehenden Regiments und befahl, den Feiitd zu chargiere?!. Doch gleich im Anfang wurde ihm das Pferd unter dem Leibe erschossen. Er blieb im Sturze unter demselben liegen, gerade im Moment, als das westfälische Landwehrkavallerieregiment, vor dem er sich befand, geworfen wurde. Schon waren die nachhauen- bcu Kürassiers sehr nahe. Doch glücklicherweise war es inzwischen dunkel geworden und man bemerkte beit Fürsten nicht. Ter Herzog von Wellington, der an diesem Tage bei Ouatre-Bras gleichfalls sehr heftig angegriffen worden war, ging nun bis Waterloo zurück und schrieb hier jenen Brief an Blücher mit der Bitte um Entsendung von zwei Armeekorps. Tie Antwort, die der alte Herr gab, daß er nämlich mit seiner ganzen Armee zu Hilfe tommen wolle, ist bekannt.
'Am 18. Juni gegen 11 Uhr brach Fürst Blücher vonWavre auf. Der Prinz erzählt voit der unglaublichen Mühe, die schlechten Wege zu passieren und die Artftlerie auf die jenseitigen Höhen zu bringen. Von einem Punkte recksts des WegeS — so schreibt er — formte man gerade in der Division über Frichemont auf den Teil des Schlachtfeldes Hinsehen, wo der französische redete Flügel den englifck-en linlen bei La-Haye-Sainte nicht nur mit der größten Heftigkeit angriff, sondern, eine Pointe machend, gleichsam sein Zentrum hin aufz-lrollen. trachtete, wahrscheinlich um jede Vereinigung zwischen beiden Armeen unmöglich zu machm. Dies Nianöver war die Ursache, daß wir gerade auf den Rücken des Feindes Hinsehen konnten. Endlich gegen, fünf Uhr entschloß sich Blücher, obschon nur zwei Brigaden heran waren, den Angriff zu. unternehmen. Man fing sogleich an, eine Batterie durchfeuern zu lassen, damit der Herzog avisiert sein könne, und unmittelbar darauf wurde vorgerückt. In dieseni Augenblick kam vom General Thielemann, der Blücher unmittelbar folgte, die Mitteilung, er werde heftig vom Feinde angegriffen. Fürst Blücher hdsitierte jedoch keinen Augenblick und erklärte, daß nun die Schlacht sich vor uns eMscheidell müsse. Ter Prinz lobt die Bravour der englischen Truppen und des Herozgs ganz besonders, der alle Angriffe mit Ruhe zurückwies. Gegen 7 Uhr erschien endlick! General Zielen. Nun war der Sukz-eß uns vollkommen gesichert: allein merlwürdig genug wollte das Geschick, daß von diesem Moment an (wo, wie der Prinz glaubt, für Napoleon ein Abbrechen des Gefechts und halb geordneter Rückzug nach Dyle zur Not noch möglich gewesen wäre) erst die blutigste Szene dieses mörderischen Krieges beginnen sollte. Napoleon nämlich hielt (oder ftngierte, dafür zu hallen) die Schüsse, die Gerreral Zielen hatte abgeben lassen, für ein Signal von seinem! General Grouchy und die Preußen für verloren. So ließ er es wenigstens feinen Mannschaften bclanntgcben. Unmittelbar darauf versuchte er mit vier Regimentern seiner alten Garde mehrere Hauptangriffe, die die Engländer zurücischlugen. Danach verließe er seine Armee Und ritt die ganze Nacht hindurch, während daS ftanzösische Heer sich vollkommen auflöftc.
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